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Full text of "Die nordfriesische sprache nach der Moringer mundart, zur vergleichung mit den verwandten sprachen und mundarten"

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DIE 



N0RDFRIE8I8CHE SPRACHE 



NACH DER MORINGER MUNDART. 



DIE 



N0RDFRIE8I8CHB SPRACHE 

NACH DER MORINGER MUNDART , 

ZUR VERGLEICHUNG MIT DEN VERWANDTEN SPRACHEN 

UND MUNDARTEN. 



VON 

BENDEBENDSEN, 

FaiVATLBHaBR IK ABRÖESRJÖBITCG. 



HERAUSGEGEBEN VON 

D--. M. DE Y RI E S, 

PBOFESSOR DER KIEBERLäNBISGHEN SPRACHE , LITERATUR UND GESCHICHTE AN BBR 
ÜNIVERSITäT ZU LEIBEN, HITGLIED BER KÖIflGLICH-RIEBEBLäNBISCHEN 
ACABEMIB BER WISSBfSGHAFlSN , U. S. Vf. 



LEIDEN , 

E. J. BßlLL. 
1860. 



^^J. ä.. 6^. 



Diejenigen, denen die Gelegenheit geboten ist, vor der g^inzlichfln 
VermcMimg friesischer Sprache und Sitte, die letzten Ueberreste der- 
selben za sammeln, sollten, so viel an ibnen ist, dazu beitragen, 
diese der Tergessenheit und dem baldigen Untergänge zu entreissen, 
Dr. J. !F. Minsseu, in Ehrentianfs 
ArcUv, I. 276. 



Nim, roune, nomm'le Prysce linwe, 
It Frysce, dat nws hert hjir biedt ; 

In acf vij rize , sinke , driuwe , 

Ijeaf bliuw' uvfs Frysoe teal in lied ! 

Dr. B. Hfdbertsma, Leed in Wtlh, 8. 2. 




HERRN 

H. J. KOENEN, 

JÜR. rra. da. , HITOUKS DEB KÖNIGLICH-niEDEIlLäNSISCHEir AGADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 
XmH SEGRETäE DER FIIILOLOGISCBEN ABTHEILUNG, IN AMSTEBDAH. 



Endlich , hochverehrter Freund , wird mir die Freude zu 
Theil, Ihnen die nordfriesische Sprachlehre zu übersenden, deren 
Erscheinung Sie, trotz ihres langen Zögerns, doch stets mit un< 
geschmälertem Interesse entgegengesehen haben. Nun an dem 
so lang und so eifrig verfolgten Ziele angelangt, finde ich den 
angenehmsten Lohn für alle auf dieses Werk verwandte Mühe 
und Sorgfalt darin, dass es mir vergönnt ist, Ihnen durch diese 
Zueignung öffentlich den Dank zu bezeugen, auf den Sie mit so 
Tollem Rechte Anspruch zu i^idi^h^iL^i^X^n* Ohne Ihre kräftige 
Unterstützung wäre dieses SpracUwerK^wolil nie an's Licht ge- 
treten. War doch der achtungswürdige Verfasser bis in seiii 
hohes Alter hinein vergeblich bemüht gewesen, die Früchte sei- 
ner fleissigen Studien irgendwo unterzubringen und zum Druck 
befördert zu sehen; ja er hatte sich bereits dem trostlosen Ge- 
danken ergeben, für seine Stammgenossen und für die Wissen- 
schaft umsonst gearbeitet zu haben, als mir das Glück beschieden 
wurde , in Ihnen einen Retter für seine Arbeit zu finden. Ihre 
rege Theilnahmc an allem, was ernstes Streben auf dem Gebiete 
des Wissens fördern kann, Ihre Vorliebe für die germanische 



VI 

Sprachforschung und Ihre Sympathie für das friesische Volks- 
thum y reichten die Mittel zur Beseitigung aller im Wege stehen- 
den Hindernisse , und setzten mich in Stand , nicht nur den sehn- 
lichsten Wunsch des Verfassers zu erfüllen , sondern auch zu ver- 
hüten, was allerdings zu befürchten stand, dass nämlich die 
nordfriesische Mundart, bei ihrer allmähligen Auflösung, am 
Ende gänzlich erlöschen möchte, ohne eine bleibende Erinne- 
rung zu hinterlassen und ohne zu der vergleichenden Sprachkunde 
ihren schuldigen Beitrag geliefert zu haben. 

Aber nicht nur für den Dienst, den sie mit echter Liberalität 
der Wissenschaft erwiesen, sondern auch für das mir geschenk- 
te verehrende Zutrauen, habe ich Ihnen meinen Dank abzu- 
statten, indem Sie auf meine blosse mündliche Empfehlung hin 
sogleich zur Hülfe bereit waren, Jemehr ich dieses unbedingte 
Wohlwollen seinem ganzen Umfange nach zu schätzen weiss , 
desto lebhafter schwebt mir die doppelte Pflicht vor Augen, die 
ich jetzt gegen Sie zu erfüllen habe , nämlich einerseits Ihnen den 
näheren Beweis zu liefern, dass es wirklich eine gute Sache war, 
für welche ich Sie um Ihre Mitwirkung ersuchte, und anderer- 
seits von demjenigen, was bei der Herausgabe des von Ihnen in 
Schutz genommenen Werkes von mir geleistet worden, Rechen- 
schaft zu geben. 

Sie erinnern sich, wie Herr Bendsen, nach vielen fruchtlosen 
Versuchen, seine Sprachlehre der Oeflfcntlichkeit zu übergeben, 
sich im Jahre 1852 an mich wandte, in der Meinung, seine Hand- 
schrift könne mir bei der Ausarbeitung des Niederländischen Wör- 
terbuches nicht übel zu Statten kommen. Er hatte dazu Veran- 
lassung gefunden in der von Rask aufgestellten Ansicht , dass sich 
die friesische Sprache zum Holländischen beinahe ebenso verbal- 
te, wie das Isländische zum Dänischen, das Angelsächsische zum 
Englischen und das Lateinische zum Italiänischen. Freilich ist 
diese Ansicht eine unbegründete Voraussetzung des berühmten 
Sprachforschers, welcher bei näherer Kenntniss unserer Mutter- 
Sprache wohl niemand beipflichten wird, da das Holländische 
zwar mit dem Friesischen nahe verwandt und besonders in der 
Volkssprache nicht von friesischem Einflüsse frei geblieben, aber 
doch keineswegs als eine von der altfriesischen Sprache herslam- 



TU 

mende Tochter ZU betrachten ist. Der Nutzen, der aus einem nord* 
friesischen Sprachwerke für das Niederländische Wörterbuch etwa 
zu ziehen wäre, könnte also nur ein entfernter sein. Aber auch 
ohne diese irriffe Annahme , worauf der Verfasser sein Anerbieten 
stützte, konnte ich doch nicht umhin, sein Verlangen zu Herzen 
zu nehmen, da ich nicht .nur eine warme Sympathie hege für 
den edlen treuherzigen friesischen Stamm, sondern auch die Wich- 
tigkeit der vorliegenden Arbeit für die vergleichende Sprachwis- 
senschaft erkannte , zumal da die Bendsensche Handschrift in 
der gelehrten Welt nicht unbekannt und der Wunsch nach ihrer 
Veröffentlichung mehrmals von den bedeutendsten Männern aus- 
gesprochen war. 

Es ist in der That zu bedauern , dass eine Arbeit , die sich 
von jeher so viel geneigter Gönner zu erfreuen hatte, bis jetzt 
ungedruckt und unbenutzt bleiben musste. Schon i. h 1825 , 
als der Verfasser kurz zuvor eine Abhandlung über die nordfrie- 
sische Sprache, die (wie er mir schrieb) von weit geringerem 
Umfange war, als das jetzt erscheinende Buch, an die Königl. 
dänische Gesellschaft der Wissenschaften in Kopenhagen einge- 
sandt hatte, äusserte sich Prof. Rask folgendermaassen über die- 
selbe: »Herr B. Bendsen in Arröeskjöbing hat mit vielem Fleisse 
und grosser Genauigkeit eine ausführliche Sjirachlehrc über diese 
Sprachform gesammelt, und mehrere annehmbare Erzählungen 
und dergl. übersetzt, wonach sich nicht allein eine Sprachlehre 
und ein Lesebuch, sondern zugleich auch ein sehr vollständiges 
Wörterbuch ausarbeiten Hesse" {Frisisk Sprogläre, S. 25). Bald 
darauf, i. J. 1828, hat auch Prof. Michelsen, in seiner historischen 
Skizze über Nordfriesland, die Aufmerksamkeit der Sprachforscher 
j uf die Bendsensche Arbeit gelenkt, und deren hauptsächlichen 
Inhalt kurz angegeben. Er nennt dieselbe ein »sehr wichtiges» 
und vortreffliches Werk," und erklärt: »Sollte der hochgeehrten 
Gesellschaft der Wissenschaften die Herausgabe dieser Arbeit 
gefallen, so würde ihr nicht Dank genug dafür zu wissen sein" 
(Nordfriesland im Mittelaller , Öt 17). Und wiederum (S. 287): 
» Sicherlich wird jeder Freund nordfriesischer Geschichte und ger- 
manischer Sprachkunde die baldige Herausgabe des preiswürdigen 
Werkes gar sehr wünschen". In gleichem Sinne drückten i. J. 



vm 

1857 die beiden Herausgeber von Outzen's Glossarium der friesu 
sehen Sprache ^ die Professoren Engelstoft und Molbecb, ihre Hoff- 
nung aus, » dass jetzt auch dieses vorzügliche und werlh volle Hülfs> 
mittel zur Kenntniss einer noch lebenden friesischen Mundart 
dem Drucke übergeben werden möchte" {Vorwort, S. XVI). End- 
lich hat der ehrwürdige Altmeister der deutschen Sprachwissen- 
schaft, Jacob Grimm, der die Handschrift längere Zeit unter sich 
hatte, den Verfasser sehriftlich mit dem Zeugnisse beehrt, er 
habe » eine bedeutende Kenntniss der nordfriesischen Mundart , 
geschöpft aus lebendiger Ucbung und sorgsamer Betrachtung" , in 
seinem Werke dargelegt , wesshalb es sehr zu wünschen wäre , 
dass es »vollständig bekannt gemacht würde". 

Die Erfüllung dieses von so vielen und so ausgezeichneten Ge- 
lehrten gehegten Wunsches hatte jedoch leider mit manchen , lange 
Zeit unüberwindlichen, Schwierigkeiten zu kämpfen. Bereits i. 
J. 4854 halte Grimm sich der Sache angenommen und auch im nie- 
derländischen Friesland dabei Theilnahme gefunden. Später ist 
von neuen Bemühungen zu demselben Zwecke wiederholt die 
Rede gewesen , und besonders haben mehrere damalige Professo- 
ren der Kieler Universität, unter denen ich zu meiner Freude die 
verehrten Namen der Herren Dahlmann, Falck, Müllenhoff, Nitzsch 
und Ratjen nennen darf, sich sehr dafür verwendet. Aber die 
Ungunst der Umstände vereitelte jedesmal die eifrigsten Bestre- 
bungen, und die Hoffnung des fleissigen Verfassers, seine Arbeit 
möchte einmal der Wissenschaft zu gute kommen, blieb schmerz- 
lich getäuscht. 

Gewiss würde unsere Kenntniss der friesischen Sprache für 
immer lückenhaft geblieben sein, wenn wir in Bezug auf ihre nörd- 
liehe Mundart einer genaueren Darstellung fortwährend hätten 
entbehren müssen. Der alte friesische Stamm, der sich einmal 
am Ufer der Nordsee von Jütland bis nach Flandern erstreck- 
te und sich in mehrere Zweige theilte, deren jeder seinen 
eigenthümlichen Dialekt hatte, ist im Verlaufe der Zeit dcr- 
maassen eingeengt worden , dass er jetzt nur noch in drei Zwei- 
gen besteht, deren Mundarten die einzigen noch lebenden Ueber- 
reste einer in jeder Hinsicht so merkwürdigen Sprache bilden. Es 
sollten doch wenigstens diese Ueberbleibsel mit möglichster Sorg- 



IX 

falt zusammengelragen und aufbewahrt werden, um damit die 
Wiederherstellung eines treuen Gesammtbilds der friesischen Spra- 
che möglich zu machen. Für die Ehre des friesischen Volkes 
ist dieses wohl als eine unerlässliche Pflicht zu betrachten, denn 
in der Sprache eines Volkes sind die wesentlichsten Merkmale 
seiner Nationalität ausgeprägt. 

In Hinsicht auf die friesische Mundart hier zu Lande ist 
wirklich schon vieles, mitunter auch tüchtiges geschehen. Das 
Westfriesische (um mich hier des in Deutschland üblichen Aus- 
drucks zu bedienen, welcher Namen aber bei uns nicht zulässig 
ist, da er von jeher in einer andern Bedeutung gegolten hat) 
wurde nicht nur zur Zeit des Gysbert Japiks und des Althuysen 
fieissig angebaut, sondern es hat sich auch namentlich in den 
letzt verflossenen Jahren eines so glücklichen Gedeihens zu erfreuen 
gehabt, dass es jetzt schon eine ziemlich umfangreiche Volkslite» 
ra tur aufzuweisen hat. zu welcher besonders die Gebrüder E. und 
J. H. Halbertsma tref^iche Beiträge geliefert haben. Letzterer 
hat sich vor Kurzem , durch den Prinzen Louis Lucien Bonaparte 
dazu veranlasst, um die heimische Sprache ein neues Verdienst 
erworben, indem er sie mit einer schätzbaren Ucbersetzung des 
Evangelium Matthäi bereicherte (London, 4858), und wir haben 
von seiner geübten Hand ein umfassendes Wörterbuch zu erwar- 
ten, das den hohen Werth dieser Mundart für die Sprachkunde 
deutlich an's Licht stellen wird. Jeder Freund der friesischen 
Sprache wird gewiss die Erscheinung dieses sehnlichst erwünsch- 
ten Werkes freudig begrüssen , und wenn auch sonst die Erzeug- 
nisse der hiesigen Friesen mehr einen literarischen als sprachwis- 
senschaftlichen Charakter an sich tragen, so wird doch das Wör- 
terbuch zeigen, dass ihnen auch daran gelegen ist, den strenge- 
ren Anforderungen der Wissenschaft Genüge zu leisten : eine 
Aufgabe, welche den niederländischen Friesen, als dem eigent- 
lichen Kern ihres Stammes, wohl am allermeisten obliegt. 

Es ist hier nicht am Orte, von den bisher in Friesland erschie- 
nenen Nationalschriften eine bibliographische Notiz zu geben , zumal 
da das Wichtigste schon von Mone in seiner Literatur der frir 
sischen Sprache (Uebersicht der niederl, Volks- Literatur , S. 369 — 393) , 
von Hettema in D.e Jager 's Taalkundig^ Magazijn, U, 223—274, 



und von Otlcma (Fneache Volks-Almanak , 1844, S. 79—124) ver- 
zeichnet» und neulich von Herrn Mijboff im Haag ein reichhaltiger, 
auch die neuesten Leistungen umfassender Catalog {Essai d'une 
bibliographie de la lUteralure Frisonne) besorgt worden ist. Da 
indessen die in friesischer Mundart abgefasslen Schriften (vielleicht 
schon darum , weil sie meisten iheils von geringerem Umfange 
sind) nur spärlich zur Kenntniss der deutschen und dänischen 
Sprachforscher gelangen , denen sie doch nicht unwillkommen 
sein dürften , so meinte ich hier im Vorbeigehen auf dieselben 
hinweisen und namentlich auf das genannte Essai aufmerksam 
machen zu müssen. 

Was den zweiten Dialekt, das Ostfriesische , betrifft, das noch 
in den Saterländischen Fennen und Morästen und auf der Insel 
Wangerog fortlebt, auch dieses ist durch die Arbeit mehrerer 
Forscher zugänglich gemacht und hat der Wissenschaft schätzens- 
werthe Dienste geleistet. Ohne die früher von Hoche und später 
von Hettema und Posthumus in ihren Reisen durch das Saterland 
gelieferten sprachlichen Mittheilungen zu erwähnen , die ja ein ge- 
borner Ostfriese, Herr Dr. Minssen aus Jever, als »durchaus ohne 
Werth*' bezeichnet hat, ist hier vor Allem das Friesische Archiv 
von Herrn Hofrath Ehrentraut hervorzuheben, eine Sammlung, 
welche die Kenntniss der ostfriesischen Sprache vielfach gefördert, 
und besonders durch die trefflichen Bemerkungen des Herausge- 
bers über die Mundart der Wangeroger, nebst denen von Dr. 
Minssen über das Saterländische , uns mit merkwürdigen Beiträ- 
gen zur friesischen Sprache überhaupt beschenkt hat. Möchten 
nur die zwei bisher erschienenen Bände dieses lehrreichen Archivs 
nicht länger auf ihre Nachfolger warten lassen. 

Was ist aber bis auf diesen Tag für den dritten Dialekt ge- 
leistet worden , für das Nordfriesische an der Schleswigschen 
Westküste und auf den anliegenden Inseln, Silt, Föhr, Amrum, 
und dem etwas entfernteren Helgoland ? Unstreitig nur sehr wenig. 
In jedem Falle reicht es nicht hin, sich von dieser Mundart eine 
befriedigende Vorstellung zu machen. Damit sich das Bedürfniss 
«iner näheren Bearbeitung ganz klar herausstelle, wird es wohl 
nicht unschicklich sein, das bisher Gelieferte hier in einem Ueber- 
Jblick zusammenzufassen, für dessen Vollständigkeit ich mich aber 



XI 

nur in so weit verbürgeo kano, als die betreffenden Leistun- 
gen hier in der Ferne zu meiner Kenntniss gelangt sind. 

Die mir — wenn auch nur theilweise aus eigener Ansicht — 
bekannten Sprachproben Terschiedener nordfriesischer Mundarten 
sind folgende: 

i. Eine Inschrift im Nordstrandinger Dialekt auf einem zu 
Büsum vorhandenen kupfernen Taufbecken aus dem i5ten oder 
iiten Jahrhundert, abgedruckt von Dahlmann in den Kieler BL 
B. V. H. 2. S. 212. 

2. Ein Morgen- und Abendgesang in demselben Dialekt, im 
J. 1661 von Heimreich gedichtet uhd seiner Nordfresischen Chro* 
nick vorausgeschickt. Wiederholt in der neuen Ausgabe von 
Falck, I. 27 — 50, in Radlofs Muslersaal aller teulsehen Mmidar- 
ten, II. 511 — 514, und in der unten N^. 16 erwähnten Samm- 
lung, S. 192--195. 

5. Zwei Lieder in der Moringer Mundart, »eines vom Pastor 
P. Petreus zu Deetzbüll, auf den Geburtstag König Christians VI, 
d. 50. Nov. 1752; das andere von einem Unbekannten, auf König 
Friedrich V bei seiner Durchreise d. 21. Jun. 1748 ; beide für 
sich gedruckt" (Outzen , S. XXVIII). 

4. Ein Hochzeitsgedicht von A. Bendixen im J. 1749, in der 
Wiedingharder Mundart, mit westfriesischer Ueberselzung , mit- 
getheilt von J. H. Halbertsma, Hulde aan Gysbert Japiks, IL 
258—265. 

5. Einige Proben, als Psalmen, Lieder u. s. w. , von der Wie- 
dingharder und Hclgolander Mundart, in Gamerer's NachiHchten 
9an Schleswig und Holstein, L 48, 181—486. 227- 252, IL 111—149. 
Das Vater Unser daraus in Adelung's Mithridales, IL 245; das** 
selbe nach der Amrumer Mundart. Ebendas. 244. 

6. Ein kleines Gespräch, abgedruckt in den Schlesw. Prwinzial* 
Berichten, 1790, S. 227, erwähnt Adelung, ebendas. 

7. Zerstreute kleinere Stücke in den Fragmenten aus dem Tage» 
buche eines Fremden (Kopenhagen, 1800). 

8. Der kleine Catechismus Lutheri im Föhringer und Nord- 
strandinger Dialekt, handschriftlich auf der Königl. Bibliothek 
in Kopenhagen (Falck , S. XXXi). Wohl derselbe wie die von 



Outzen S. XXX erwähnte Uebersetzung des Herrn P. J. Peters 
zu Wrixum auf Föhr. 

9. ibher Geizhals auf der Imel Siir , ein Schauspiel in vier 
Aufzügen, im Silier Dialekt, von J. P. Hansen (Flensburg, i809). 
Von demselben auch eine Sammlung Silter Lieder. Der in i828 
von Michelsen (a. W. S. 47) ausgesprochene Wunsch, dass Han- 
sen*s echt nationale Silter Gomödie und beliebte Lieder von 
neuem abgedruckt werden möchten, ward erfüllt durch die Er- 
scheinung von: »J. P. Hansen, Nahrung für Leselust in nord frie- 
sischer Sprache" , enthaltend i. Der Geizhals oder der Silter Pe» 
tritag , 2te Ausg. 2. Der glückliche Steuermann. Ein Enkel des 
Geizhalses. 5. Lieder und andere Kleinigkeiten, zur schuldlasen 
gesellschaftlichen Unterhaltung, ^le verm. Ausg. (Sonderburg, 
4835, 8. X VI und 284 S.). 

. Von den Liedern findet man einige Proben bei Firmenich, 
Germaniens Völkerslimmen , l. 4 — 7. Die vier ersten der von 
firmenich angeführten Lieder, auf die vier Jahreszeiten, in's 
Westfriesische übersetzt, in Iduna, lll. 54, 408, 444 und 485. 

40. In demselben Dialekt eine Sammlung von Silter Sagen 
und Erzählungen, unter dem Titel: Uald' Sold* ring Tialen fan 
C. P. Hansen üp Sold (Mögeltöiider, 4858). 

44. Nord friesische Sprachproben aus drei verschiedenen Mund- 
arten, in C. F. Allen's Geschichte der dänischen Sprache im Her- 
zogthum Schleswig oder Südjütland (Schleswig, 4857), H. 758 — 744. 

42. Ein Märchen in der Amrumer Mundart, eine Ballade und 
ein Hochzeilslied in dem Föhringer Dialekt (die beiden letzteren 
erwähnt von Outzen, S. XXIX); mit Uebersetzung und Erläute- 
rungen mitgetheilt von Herrn L. F. Mechlenburg auf der Insel 
Amrum , in Ehrentraut's Archiv , II. 525 — 542. 

45. nAuch eine friesische Stimme an den König", ein Lied in 
der Amrumer Mundart, bei Firmenich, III. 4 f. 

44. Sechs Lieder von H. F. Heikens, nebst zwei Gesprächen, 
in der Mundart der Insel Helgoland, bei Firmenich, I. 7—45, 
der (S. 44) mehrere handschriftliche Gedichte des genannten 
Volksdichters erwähnt. 

45. Drei nordfriesische Lieder und 258 Sprichwörter, in Lop- 
pefikorb von Gabe Schneider aus Westfrisland ^ mit Zuthaten aus 



xin 

ffantfrisUmd, bearbeitet und herausgegeben van K, J. Clement (Leip< 
zig, 1847), S. 532 f. und 294—316. Die Lieder und ein Aus- 
zug von 115 Sprichwörtern wiederholt bei Firmenich, III. 2 — 8. 

16. »Frieske, Hilgelaanner en Noardfrieske Rymkes , sammle trog 
De Haan Heltema'' (Dockum, 1841), enthält (S. 183—200) zehn 
nordfriesische Lieder, deren drei in Helgolander Mundart; gröss- 
tentheils dieselben, deren oben M^. 2, 9 und 14 erwähnt wor« 
den. Von drei dieser Lieder findet sich eine westfriesische Ueber- 
Setzung in Iduna, II. 172 — 176. 

17. Einige Helgolander Redensarten, mitgetheilt von De Haan 
Hettema in DeVrije Fries, I. 3ö6. 

48. Subscriptioos-Einladung vom J. 1857 zu einem Werke in 
der nordfriesischen Sprache, betitelt: De freiske Siemslin (der 
Friesen Spiegel) , in welchem Herr M. Missen , Lehrer zu Gam- 
mendorf, eine Anzahl »Gedichte, poetische Erzählungen, Sagen, 
Gespräche, Sprichwörter , und einen sehr umfangreichen Glossar*' 
in den festländischen Dialekten Nordfrieslands mitzutheilen beab- 
sichtigte. Als Proben sind drei kleine Lieder vorgelegt. Leider 
scheint die Subscription dem Buche keine genügende Theilnahme 
gesichert zu haben; bis jetzt wenigstens ist nichts davon er- 
schienen. 

19. Handschriftlich erwähnt bei Outzen, S. XXIX f.: Ein 
Paar Lieder von Herrn Jansen in Niebüll, im J. 1814 geschrie- 
ben, und ein geistliches Lied von Pastor Qucdens auf Wester- 
land-Föhr. 

In lexicalischer und grammatischer Hinsicht besitzen wir fol* 
gendes: 

1. Das öfters genannte Glossarium der friesischen Sprache von 
N. Outzen, i. J. 1837 von Engelstoft und Molbech in Kopenhagen 
herausgegeben; ein wichtiger Beitrag zur Kenntniss der nord- 
friesischen Mundart, der aber von dem reichen Sprachstoffe nur 
einen Theil enthält, und in der Behandlung bekanntlich vieles 
zu wünschen übrig lässt. Herr Bendsen hat mir eine bedeutende 
Sammlung von Zusätzen und Berichtigungen zu Outzen's Glossar 



XIV 

mitgetheilt, welche einem künftigen nordfriesischen Lexicogra- 
phen ein sehr brauchbares Material abgeben könnten. 

2. Ein Yerzeichniss nordfriesischer Wörter im Staatsbürg. Magazin, 
1826, V. 739, und in Chr. Paulsen's Samlede Skrifter, I. 215, 
erwähnt Allen, a. W. II. [733 f. 

3. P. A. Oelrichs, Kleines Wörterbuch zur Erlernung der HelgO' 
lander Sprache für Deutsche, Engländer und Holländer. Nebst 
einem Anhang^ enthaltend einfache Dialoge aus dem Leben in deut- 
scher und Helgolander Sprache, 1846. 16. 

4. »Bemerkungen über den Ursprung und Charakter der frie^ 
sischen Sprache. Finden sich in dem Schleswig-Holst, Magazin, 
Num. XII. S. 276, und in den Schleswig^HolsL Anzeigen vom Jahr 
1758, S. 557" (Falck. S. XXXI). 

5. E. J. Lyngby, Gm Nordfrisisk i Bökking og Hvidding Herreder 
(Kopenhagen und Leipzig, 1858). Eine kurze, aber werthvolle 
grammatische Skizze der Böckingharder und Wiedingharder Mund- 
arten in den Kirchspielen Niebüll und Klangsbüll im Amte Tondern. 

6. J. F. Minssen , Vergleichende Darstellung der Laut- und Flexi- 
onsverhältnisse der noch lebenden neufriesischen Mundarten und ihres 
Verhältnisses zum Alt friesischen , in Ehrentraut's Archiv, I. 165 — 
276. Der Verfasser hat in dieser Abhandlung auch das Nordfrie- 
sische berücksichtigt. 

7. K. J. Clement, Eigenthümliche Elemente der frisischen Sprache, 
mit besonderer Rücksicht auf das Nordfriesische , in Herrig's Ar- 
chiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, IX. 
179—187, X. 136—147, 269—287, XII. 71—81. 

8. K. F. H. Strass, Flüchtige Andeutungen über die friesische 
Sprache auf den Inseln Föhr und Helgoland, im Netten Jahrbuch der 
Berlinischen Gesellschaft für Deutsehe Sprache und Alter thumskunde, 
VIII. 355—358. 

Wer sich übrigens in Bezug auf Nordfriesland , über das Land , 
das Volk und seine Geschichte Ratbs erholen will, der wird in 
den obengenannten Werken Michelsen's und Falck's und den 
von letzterem (in der Vorrede und S. XXX — XXXVIII) angeführ- 
ten Schriften völlige Befriedigung finden. Das Sprachverhältniss 
der Nordfriesen, dem Dänischen und Deutschen gegenüber, ist 



XY 

in der jüngsten Zeit, infolge der politischen Uoruhen, vielfach 
besprochen worden. Ausser Kohrs Nationalität und Sprache im 
Schleswigschen , erwähne ich nur das Werk von C. F. Allen, Ueber 
Sprache und Volksthümlichkeit im Herzogthum Schleswig oder Süd- 
jütland, nebst dessen schon genannter Geschichte der dänischen 
Sprache (besonders II. 726 f.» wie auch die Sprachkarte); und 
das Buch seines Gegners , K. J. Clement , über die Nordgermanische 
WeU, nebst dessen Abhandlung über Das wahre Verhällniss der 
süderjülschen Nationalität und Sprache zur deutschen und frisischen 
im Herzogthum Schleswig (Hamburg, 1849). Ich begnüge mich 
die Schriften dieser beiden Gelehrten ganz einfach anzuführen, 
ohne an dem Streit zwischen den » Deutsch thümlern und Dänen- 
frcssern*' und den dänischen »rasenden Enthusiasten" — wie 
sich die Herren gegenseitig betiteln — irgend einen Anlheil 
zu nehmen. 

Aus dem hier gegebenen Ueberblick wird wohl jedem erhellen , 
wie es bis jetzt mit unserer Kcnntniss der nordfriesischen Mund- 
art, zumal in Bezug auf ihren grammatischen Bau, kümmer- 
lich beschaffen war, und wie sehr die obengenannten Sprachfor- 
scher Recht hatten, als sie die Herausgabe der Bendsenschen 
Arbeit mit ihren Wünschen und ihrer thätigen Theilnahme zu för- 
dern suchten. 

In dieser Lage der Dinge glaubte ich etwas nützliches leisten 
zu können , wenn ich mich der Sache annähme und nach meinen 
besten Kräften mich bestrebte , sie zu einem guten Ende zu führen. 
Um aber nichts Uebereiltes zu thun, wandte ich mich an J. Grimm, 
dessen Urlheil mir damals noch nicht bekannt war, und erbat mir 
seinen schätzbaren Rath. Ich hatte die Freude , eine Antwort zu 
bekommen, welche, wenn sie auch die Mängel des Buches nicht 
verhehlte, mich doch jedenfalls anregte, die VeröfiTentlichung des- 
selben wo möglich zu bewirken. Die Friesische Gesellschaft in 
Leeuwarden, bei der ich mich zuerst für die Uebernahme des 
Druckes verwendete, war leider durch Umstände verhindert den 
Antrag in's Werk zu setzen (s. den Bericht ihrer Verhandlungen 
i. J. i853, S. 6 f.). Da kam ich zu Ihnen, verehr tester Freund, 
mit dem Vorschlag, sich in den Besitz der Handschrift zu stellen, 
und Sie erfüllten meinen Wunsch mit einer Bereitwilligkeit, die 



XVI 

ich meinerseits nicht besser zu beantworten wusste , als durch den 
Entschluss, die Herausgabe selbst zu übernehmen und ihr meine 
Mussestunden in Liebe zu widmen. 

Jetzt, da ich glücklich im Hafen angelangt bin, werfe ich einen 
Blick zurück auf die lange und ermüdende Fahrt. 

Wiewohl ich mir anfangs einen buchstäblich getreuen Ab- 
druck der Handschrift vorgenommen hatte, sah ich doch bald 
ein, dass es nicht möglich sei, diesen Grundsatz überall festzu- 
halten. Bei aller Gründlichkeit und Genauigkeit, mit welcher 
der Verfasser die nordfriesische Sprache in allen ihren Bestand- 
theilen dargelegt hatte, schien doch manches in der Einrichtung 
des Buches, um eine klare und zusammenhangende Darstellung 
zu erzielen, eine Ueberarbeitung noth wendig zu machen, wo es 
ohne Schaden für den Hauptgegenstand der Behandlung geschehen 
könnte. Was die Herausgeber des Outzensclien Glossars in ihrem 
Vorworte bemerken, sie haben »die Weitläuftigkeit und den etwas 
breiten Wortreichthum, so wie andere schwächere Seiten dieses 
linguistischen Beitrags, nicht übersehen', dürfte auch wohl hier 
gelten. Namentlich war nicht zu verkennen, dass die durch 
mehrere Einschaltungen etwas gestörte Anordnung nicht wohl un- 
verändert bleiben könne. Ich glaubte desshalb keinen Anstand 
nehmen zu müssen, diesen und ähnlichen Schwächen einigermaas- 
sen abzuhelfen, und habe mich daher bemüht, durch die erfor- 
derlichen Umstellungen die Aufeinanderfolge und den Zusam- 
menhang der einzelnen Theile in eine bessere Ordnung zu brin- 
gen, die unnöthigen Wiederholungen zu streichen und sonstige 
kleinere Mängel zu beseitigen. Einige hie und da eingeflochtenen 
etymologischen Bemerkungen , die einem älteren Standpunkte an- 
gehörten , so wie eine vergleichende Zusammenstellung nordfrie- 
sischer Wörter mit ähnlichen aus den verwandten Sprachen, wel- 
che nach dem übrigen Inhalt des Buches kaum etwas neues ent- 
hielt, sind ausgelassen worden. Dagegen wurden die vielleicht 
im Uebermaass angehäuften Beispiele unverkürzt beibehalten , 
da sie jedenfalls, wenn auch nur des reichhaltigen lexicalischen 
Stoffes wegen, ihren Werth haben. 

Der aufmerksame Leser wird vielleicht in den hundert ersten 
Seiten des Buches , und zwar am meisten im ersten Capitel, eine 



XVII 

geringere Sorgfalt der Bearbeitung als in den späteren Theilen 
entdecken. Die Erklärung ist ganz einfach diese , dass ich damals 
meine Veränderungen bei der Correktur der Druckbogen ein- 
rückte, und daher mir nur eine beschränkte Freiheit nehmen 
konnte. Später aber entschloss ich mich, die Handschrift vorher 
zurecht zu machen, und hatte also eine bessere Gelegenheit , die 
beabsichtigte Revision durchzuführen. 

Ich brauche wohl nicht zu fürchten, dass ich durch die vorge- 
nommene Umarbeitung, welche jedenfalls sich nuraufdas Aeussere 
bezieht, dem Rechte des geehrten Verfassers Eintrag gethan 
habe. Hatte er mir doch selbst die Besorgung und Herausgabe 
seines Sprachwerkes mit unbedingtem Vertrauen überlassen , und 
nichts anderes gewünscht , als dass seine Arbeit in möglichst sau- 
berer Gestalt an*s Licht trete. Damit aber die Einmischung ei- 
nes Fremden nicht etwa die Zuverlässigkeit des behandelten Stoffes 
verdächtig zu machen scheine, so muss ich erklären, dass ich 
mir in den Mittheilungen des Verfassers über seine Landessprache , 
dem Wesen nach, auch nicht die geringste Aenderung erlaubt 
habe. Alles ist, wie es in der Handschrift vorlag, nur in etwas 
besserer Ordnung und mit einigen Abkürzungen , buchstäblich ab- 
gedruckt worden , auch wenn es mir mitunter einigem Zweifel zu 
unterliegen schien. 

Hätte ich mich nicht bei der Durchsicht einer fremden Arbeit 
in enge Gränzen beschränken müssen, so wäre mir wohl leicht 
die Lust erwacht, etwas weiter zu gehen. Die Behandlung der 
Zeitwörter, z. B. — um nur dieses Eine zu nennen — wäre mir 
bei einer andern Eintheilung für die Vergleichung mit den ver- 
wandten Sprachen bequemer erschienen, und die regelmässigen 
und unregelmässigen Zeitwörter hätten sich vielleicht in schwache 
und starke umgebildet. Aber so weit zu gehen , wäre eine Eigen- 
mächtigkeit gewesen , welche ich mir nicht zu Schulden kommen 
lassen durfte; und es war eine doppelte Vorsicht nöthig, drf ja 
ein bewährter Kenner der friesischen Sprache, Herr Ehrentraut, 
öffentlich gestanden hat, »dass es nicht möglich sei, das Zeitwort 
in seiner jetzigen Beschaffenheit in den Classen der historischen 
Grammatik unterzubringen'* {Archiv >, L 283). 

Neben der eigentlichen Grammatik enthielt die Handschrift eine 

c 



XVIII 

Anzahl verschiedener Beiträge, als Wörterreihen, Redensarten, 
Sprichwörter, Eigennamen und Sprachproben. Ich habe diese 
zerstreuten Mittheilungen in schicklicher Ordnung zusammenge- 
stellt und daraus den Anhang gebildet (S. 405 — 472), dessen 
Inhalt für die nähere Kenntniss der Sprache wohl nicht unerheb- 
lich sein dürfte. 

Schliesslich war ich bemüht, eine neue und mehr in's Ein- 
zelne gehende Inhaltsanzeige auszuarbeiten, welche hoffentlich 
den Gebrauch des Buches nicht wenig erleichtern wird. 

Noch ein Wort über die vom Verfasser befolgte Rechtschrei- 
bung. Es wird jedem auffallen, dass diese ziemlich abweicht 
von den in andern nord friesischen Denkmälern angewandten 
Schreibarten, welche wiederum einander sehr ungleich sind. Im 
Interesse einer genauen Beobachtung und Yergleichung der 
Sprachelemente verschiedener Dialekte, darf man die Hoffnung 
aussprechen , dass doch einmal die friesischen Sprachforscher sich 
über die Annahme einer gleichförmigen Orthographie verständigen 
möchten, damit, wenn auch nicht die Sprache in ihrem ganzen 
Umfange, doch wenigstens jede der drei Hauptmundarten für 
sich einen feststehenden Typus bekomme. Das Friesische in den 
Niederlanden hat in dieser Hinsicht einen bedeutenden, das Auf- 
blühen der heimischen Yolksliteratur kräftig fördernden Fort- 
schritt gemacht, obgleich auch hier noch zwei Systeme einander 
gegenüberstehen, deren eines sich an die niederländische Recht- 
schreibung anschmiegt, das andere sich streng auf das Altfrie- 
sische zu stützen sucht. Was aber das Nordfriesische betrifft , 
da wäblt sich j^der seine eigene Schreibung , und so kreuzen sich 
dort alle möglichen Schrififormen in der buntesten Mischung der- 
gestalt, dass man oft Mühe hat sich glauben zu machen, man 
habe mit der nämlichen oder doch mit einer ganz nahe stehenden 
Mundart zu ihun. In wie ferne das Verfahren des Herrn Bendsen 
dazu geeignet ist, die Aufgabe zu lösen, darf ein Fremder wohl 
am wenigsten entscheiden. Am Schlüsse seiner Vorrede spricht 
er sich über dasselbe aus, und er hat mir in mehreren Briefen, 
bei einer näheren Erörterung seiner Ansichten, die von ihm ge- 
wählte Rechtschreibung als das Resultat besonnener Ueberlegung 
dargelhan. Ich habe mich daher befleissigt, sie bei dem Abdruck 



XIX 

mit gewissenhafter Treue zu befolgen , und eben darum die et- 
waigen Abweichungen in der Handschrift, in so weit sie als blosse 
Schreibfehler zu betrachten waren , nach der unzweideutigen Ab- 
sicht des Verfassers berichtigt. Die Ungleichmässigkeiten aber, 
durch die Schwankung zwischen zwei verschiedenen Schreibungen 
desselben Lautes veranlasst, habe ich nur selten zu heben gesucht. 
So wird man z. B. bald Brauhser und gauhse finden, bald Brau- 
ser und gause; das eine mal NHjdd, rüjdd, Stäi^jll, das andere 

Mal Ni^d, rüjd, Stäujl; oder klemmen und kiemen, hähw und haw, 

* 

Hühs und Hüss, Dörnsh und Dörensh, Esh und Eesh, trong und 
trungy u. s. w.; oder man wird auf Zusammensetzungen von üm- 
stands- und Verhältnisswörtern stossen, die bald zu Einem Worte 
Tcrbunden, bald von einander getrennt erscheinen. In diesen 
und ähnlichen gleichgültigen Fällen konnte ich wohl nichts anders 
thun , als die Handschrift möglichst getreu .wiedergeben , ohne 
eine strenge Consequenz zu erstreben, die ja der Verfasser selbst 
nicht bezweckte (s. seine Vorrede, S. xxvi). 

Bei den Amtspflichten und sonstigen wissenschaftlichen Arbei- 
ten, welche meine Zeit fortwährend in Anspruch nahmen, konnte 
ich die Herausgabe dieses Werkes nur unter vielen Störungen 
und Unterbrechungen in sechsjähriger Frist vollenden. Dass die- 
ses, trotz aller angewandten Sorgfalt, die Gleichförmigkeit der 
Behandlung im Einzelnen einigermaassen beeinträchtigen musste, 
spricht wohl von selbst. Hoffen llich wird aber der geneigte Leser 
die vielfachen Schwierigkeiten einer derartigen Aufgabe billig beur- 
theilen, und den Verstössen, welche bei der Besorgung einer fremden 
Arbeit kaum zu vermeiden waren, seine gütige Nachsicht nicht 
versagen. 

Es bleibt mir noch eine angenehme Pflicht zu erfüllen übrig, 
die öffentliche Anerkennung der trefflichen Hülfe, mit welcher 
mein lieber Freund, Dr. C. A. Sicherer, Lehrer der hochdeutschen 
Sprache und Literatur am hiesigen Gymnasium, mir in rastloser 
Thätigkeit zur Seite gestanden hat. Nicht nur bei der Gorrcktur 
der Druckbogen hat er die eben nicht erquickliche Arbeit freudig 
mit mir getheilt, sondern namentlich auch auf die Reinheit der 
hochdeutschen Sprache ein wachsames Auge gehalten. Für den 
treuen Beistand sei ihm mein innigster Dank dargebracht. 



XX 

Dem geehrten Verfasser wird es ohne Zweifel zur Freude gerei- 
chen , die endliche Veröffentlichung eines Buches zu erleben , das 
ihm so viele Mühe und Sorge gemacht hat. Für mich ist es ein 
schmeichelhafter Gedanke , dass es mir beschieden war , die Früchte 
seiner Arbeit der Wissenschaft zu gute kommen zu lassen , und 
seinem Namen die gebührende Erkenntlichkeit seiner Sprachge- 
nossen zu sichern. 

So gehe denn dieses mit Treue gehegte Buch in die Welt 
hinaus. Es gehe zu den Friesen im Norden und Osten und 
Westen , und bringe ihnen den Gruss eines Fremden , der sich aber 
doch — seinem Namen und seiner Abkunft nach — zu ihrem Stamme 
bekennt. Es gehe und sage ihnen, dass die Holländer, gegen die 
sie in früheren Jahrhunderten in blutigen Kämpfen ihre Freiheit 
vertheidigten , jetzt in brüderlicher Gesinnung ihnen und ihrer 
Sprache entgegenkommen, und keinen andern Kampf mit ihnen 
wollen , als den edlen Wetteifer in Förderung der Wissenschaft. 



Leiden, im Januar 4860. M. DE VRIES. 



VORREDE DES VERFASSERS. 



Was Prof. Rask von der altfriesischen Sprache sagt, gilt noch 
mehr von der nordfriesischen: 

»Die angelsächsische Sprache ist zwar jetwas reicher an Beu^ 
gungen» die friesische dagegen an Zusammenziehungen, welche 
beinahe wie Abänderungen aussehen, und die, in Verbindung mit 
der Aussprache und den Formen der Wörter, so wie mit einer 
Menge besonderer Ausdrücke, ihre Eigen ihümlichkeit und Selbst- 
ständigkeit bestimmen. Diese eigene Sprachform verbreitet Licht 
über den Bau der verwandten Sprachen, und ihr Wörterschatz 
ist eine bisher durchaus unbenutzte Quelle zur Wortableitung in 
den andern gothischen Sprachen." (Vorrede zu Frisisk Sprog* 
läre, S. 1). 

Wie gross das alte Nordfriesland gewesen sei, darüber fehlen 
uns bestimmte Nachrichten. Heimreich sagt in seiner nordfriesi* 
sehen Chronik: »Dass aber die Fresen ein gar altes Volk seien, 
ist leicht zu beweisen, da sie schon den ältesten griechischen 
und lateinischen Geographen und Geschichtschreibern bekannt 
waren. So haben unter andern die griechischen Geschichtschrei- 
ber Ephorus und Clitarchus, nach Strabo, 500 Jahre vor Christo 
über die Fresen geschrieben; Plinius im Jahre i7, Cornelius Taci- 
tus 100 und Ptolcmäus i59 nach Christi Geburt." Der ältesten 
Sage nach ist die Insel Helgoland mit dem übrigen Nordfriesland 
landfest gewesen, die jetzt über sieben Meilen von der Küste ent- 
fernt liegt, und auf Föhr hört man noch häufig erzählen, dass 

der Erbauer der drei Kirchen und Thürme zu St. Johannis oder 

/ 



XXII 

in Nieblum auf Föhr, der Helgolander und der Pelwormer alten 
Kirche, diese drei Oerter auf einem weissen Pferde beritten habe» 
während alle drei Thürme gleichzeitig im Bau begriffen waren, 
lieber hundert Gemeinden mögen von den Fluthen verschlungen 
sein, deren Namen man noch zum Theil auf altern Karten findet. 
Aus Ditmarschen, Eiderstedt, und von den Inseln Nordstrand 
und Pelworm ist die friesische Sprache durch die plattdeutsche 
verdrängt, so wie zum Theil in dem Dorfe Stadum auf der Vor- 
geest durch die dänische, wo vor 40 Jahren noch durchgängig 
friesisch gesprochen wurde. Nur in 58 grössern und kleinem 
Kirchspielen der Aemter Tondern, Bredstedt und Husum, welche 
den westlichen Küstensaum nebst einem Theile der Vorgeest 
einnehmen, so wie auf einigen Inseln und Halligen der Westsee, 
wird sie, in verschiedenen Mundarten, noch jetzt vom Volke ge- 
sprochen. Die Einwohnerzahl dieser 38 Gemeinden, mit Einschlüss 
der Insel Helgoland, wird nur wenig über die 50,000 steigen. 
Das Herzogthura Schleswig beträgt nämlich i65 Quadratmeilen ^ 
mit 550,000 Einwohnern, als: 170,000 Deutschen, i 50,000 Dänen 
und 50,000 Friesen. Siehe Jörgensen Jomton's Struensee (Kopen- 
hagen, i852), S. XXVIII der Einleitung. 

Es geht natürlich mit dieser, wie mit jeder Volkssprache, die 
sich nicht zur Schriftsprache erhoben hat. Ueberall findet man 
Abweichungen, Veränderungen in der Aussprache, in Ausdrücken, 
Redensarten und Wendungen , selbst in den benachbarten Gemein- 
den. Am reinsten und geläufigsten möchte indessen die nord- 
friesische Sprache auf dem festen Lande, gegenwärtig wohl in 
dem sogenannten Risummoor, den Gemeinden lüsum, Lindholm, 
Niebüll, Deezbüll, so wie in den benachbarten Kirchspielen Dage' 
bull, Fahretoft, Stedesand und Enge sein. Auf den sogenannten 
Halligen, Hooge^ Langenäss, Nordmarsch, Gröde und Oland, so 
wie in dem Flecken*^ Wijk auf der Insel Föhr , sj^Mricht man , mit 
sehr unbedeutenden Abweichungen, dieselbe Sprache wie auf 
dem festen Lande der genannten Oerter. Dagegen weicht die 
Sprache der übrigen Föhringer, so wie auf den Inseln Sylt und 
Amrum, so bedeutend von der Festlands-Sprache ab, dass die Kü- 
stenbewohner sich oft nur mühsam mit ihnen verständigen können. 
Die Sprache dieser Insler ist vielleicht alterthümli^her , aber 



XXIII 

dabei höckerig und wortarm , die der Festländer wortreicher und 
fliessender; diese mehr ausgebildet, jene der Insler mehr ver- 
nachlässigt. 

In den vorerwähnten Gemeinden des festen Landes, so wie in 
den benachbarten, sie umschliessenden Kögen, findet nun durch- 
gängig die grösste Uebereinstimmung Statt, wenn man kleine un- 
bedeutende Abweichungen ausnimmt, z. B. ball, bald, und ball; 
ersteres in Risum, dieses in Lindholm. Merkwürdig ist es indes- 
sen , dass man in Niebüll und Deesbüllp die Risum und Lindholm 
gerade gegenüber liegen, und kaum eine Yiertelmeile davon ent- 
fernt sind, keinen Dualis gebraucht» der doch der Sprache ganz 
eigenthümlich zu sein scheint. Wo die Ostermoringer ihre Zwei- 
heit: wat^jat, unk, unken, junk, junken gebrauchen, da setzen 
die Westermoringer die Mehrheit des persönlichen und des zu-, 
eignenden Fürwortes: we, jdm, ühs, ühsen und jdringe, auch 
wenn sie nur von zweien sprechen. 

Da nun diese, gewiss uralte» Sprache mit jeder Generation von 
allen Seiten durch die dänische und plattdeutsche immer mehr 
beschränkt wird, und ihrem allmähligen Aussterben entgegen- 
geht, so haue ich mich der, wahrlich nicht leichten. Mühe unter- 
zogen, sie durch gegenwärtige Arbeit von ihrem gänzlichen Un- 
tergange bei der Mit- und Nachwelt zu retten. 

Für die Rechtschreibung konnte, bei der Bearbeitung dieses 
Werkes, keine andre Regel angenommen werden , als die Aussprache 
eines bestimmten Bezirkes, in welchem die wenigsten Abweichun- 
gen vorkommen. Ich habe daher die Mundart meines eigenen 
Geburtsortes (Risum) gewählt , welche ich nicht deswegen für die 
reinste halte, weil sie meine Muttersprache ist^ sondern weil sie 
mit den obengenannten, welche allgemein für die besten gehalten 
werden, am meisten übereinstimmt. Auch neigt sich hier die 
Sprache weder zum Deutschen noch zum Dänischen, und gestattet 
keine fremdartige Einmischung, ohne dadurch in's Lächerliche 
zu fallen. Dies gilt bis zu dem Grade , dass selbst der ernsteste 
Friese sich — bei allem Zwange , den er sich anthun mag — 
des Läehelns nicht enthalten kann, wenn irgend ein Däne oder 
Deutscher die friesische Sprache radebricht, wie es fast alle 
thun, die nicht geborne Friesen sind. Ich habe Dänen und Nie- 



XXIV 

dcrdeutsche gekannt, die sich zehn, zwanzig, ja fünfzig Jahre 
und darüber unter den Friesen aufgehalten und die Sprache 
beständig gesprochen hatten, welche dieselbe dennoch so jäm- 
merlich verstümmelten, dass es zum Erbarmen war. Dies gilt 
mehr oder weniger von allen Auswärtigen , die sich unter den 
Friesen niedergelassen haben. Ich kenne hiervon , unter allen , 
nur zwei Ausnahmen, nämlich eine alte Frau in MaasbüUt Namens 
Catharina Paisen, und einen Mann aus KlixbüH, Namens Niss, 
der weiland dem Lehnsvogt Nissen in Nordrisum diente. Jene war 
aus Braderup, und als achtjähriges Kind nach Maashüll gekom- 
men, dieser hatte sich bloss längere Zeit unter den Friesen auf- 
gehalten; beide waren Dänen, üebrigens können die Dänen nie 
so recht hinter die richtige Aussprache kommen. Sie gebrauchen 
häufig ein verkehrtes Geschlechtswort, oft den Dualis gar nicht;, 
und mischen verstümmelte dänische Wörter mit ein. Dass aber 
fast kein einziger unter den Friesen wohnender Fremder ihre 
Sprache je richtig sprechen lernt, hat seinen Grund in dieser 
selbst. Sie erfordert nämlich erstens ein geläufiges Organ, das 
von Kindheit an geübt werden muss; zweitens hat sie eine Menge 
eigen thümlicher Ausdrücke, Bildungen und Wendungen, die den 
verwandten Sprachen fremd sind; das unregelmässigc Zeitwort 
weicht in seinen verschiedenen Zeitformen mehr ab, als im 
Deutschen, Dänischen und Englischen; die Zusammenziehungen 
sind häufiger und verwickelter, und die Wortfügung, welche 
am meisten mit der niederdeutschen übereinstimmt, hat mit 
der dänischen sehr wenig gemein. Wer daher behauptet, die 
nordfriesische Sprache sei aus der dänischen und plattdeutschen 
zusammengestöppelt , der verräth nur dadurch seine Unkunde , 
und fällt ein Urtheil, das in nichts begründet ist. Will man 
hier die Wörterähnlichkeit der verwandten Sprachen vorwenden, 
so Hesse sich mit eben so vielem Rechte behaupten, die deutsche 
Sprache sei dänisch oder die dänische deutsch: denn es wäre 
nicht schwer darzuthun, dass wenigstens der dritte Theil der 
Wörter beider Sprachen gleiches Ursprungs sei. Die nordfriesische 
Sprache ist , trotz ihrer abweichenden Mundarten , eben so rein 
und selbstständig, als irgend eine andere ihr verwandte, wie z. B. 
die deutsche oder dänische, in welchen es weit mehr verschie^ 



XXT 

dene Mundarten giebt, der englischen gar nicht einmal zu ge- 
denken. 

Wer sich nur das erste Capitel über die Aussprache der Buch- 
staben im Friesischen erst recht zu eigen macht, der wird dann 
auch mit der Sprache selbst leichter feriig, und ohne dieses 
möchte ihm leicht alle fernere Mühe verleidet werden. Die Aus- 
sprache der Buchstaben ist nach den Grundsätzen der Lautme- 
thode Ton Krug und Stephani bearbeitet, und, im Ganzen ge- 
nommen, richtig und sicher. Schon im Jahre 1817, wo ich däni- 
sche Kinder nach der Lautmethode im Deutschen unterrichtete, 
entstand dieses Capitel. Um vollkommen sicher zu sein, schrieb 
ich nämlich friesische Wörter und Sätze, deren Sinn sie durchaus 
nicht verstanden, in allen nur möglidien, auf die Aussprache 
Bezug habenden Verbindungen und Zusammenstellungen an die 
Wandtafel, und Hess sie von den geübteren Sdiülern lesen, nach- 
dem ich sie zuvor mit der Aussprache der einzelnen Laute 
und deren Zeichen bekannt gemacht hatte, und erst dann, wenn 
diese auch dit schwersten Wörter und Sätze so lasen und aus- 
sprachen, wie der geborne Friese seine Muttersprache spricht, 
hielt ich mich von der Richtigkeit meines Yerfahr^is überzeugt, 
und wo es haperte, änderte ich ab, bis es richtig ward^}. 

Ohne Tonzeichen war es indessen nieht möglich die Sprache zu 
bearbeiten und schriftlich darzustellen, was überall sehr leicht 
nachzuweisen und eben so leicht eiazusehen Ist. Wie sollte man 
z. B. fällen, fallen, und fällen, 1. fillen, schinden, 2. einem nach** 
laufen, wie ein Füllen der Stute; $tällen, 1. stallen, pissen, von 
Pferden, 2. auf den Stall setzen, einstallen, und stallen, 1. stillen, 
2. stellen; lacken, lecken, einen Leck haben, Ubcken, lacken« mit 



^ In einem seiner Briefe schrieb mir Hr. B. noch folgendes 
über die von ihm gewählte Rechtschreibung: »Einem Schullehrer 
auf einer benachbarten Insel, auch einem gebomen Friesen, den 
ich seit meinen Kinderjahren nicht gesprochen hatte, schrieb ich 
einen friesischen Brief nach meiner Orthographie, die er augen- 
blicklich begrifiP, und nach welcher er mir auch den Brief so be- 
antwortete, als ich, wie ich wähnte, ihn nur selbst hätte schrei- 
ben können. Dies spricht doch dafür, dass mein Verfahren im 
Wesentlichen richiig sei". 

[Anm. d, Herausg.) 

d 



XXTI 

Lack versiegeln, und läken, lachen, ohne Tonzeichen von einander 
unterscheiden? Und so verhält es sich in tausend ähnlichen Fäl- 
len. Was nun das Weitere in der gewählten Rechtschreibung be- 
trifft, so habe ich überalPdie Endconsonanten da verdoppelt, wo 
das in der Mehrheit gebrauchte Wort denselben doppelt hören 
lässt, als: däl Läujnn, da Läujnne, das Land» die Länder; de 
Enn, da Enne, der Abend, die Abende; de Dick, da Dicke, der 
Beich, die Deiche, u. s. w. ßisweilen trifiPt man den Yocal ver- 
doppelt, als: dät Reef, der Fuchs; bisweilen mit dem Dehnungs- 
zeichen, als: dät Rif, was überall als völlig einslautend gilt. 
Einzelne Abweichungen in der Rechtschreibung habe ich nicht 
immer vermeiden können ; doch sind sie nirgends von der Art , 
dass die richtige Aussprache im Wesentlichen darunter litte. So 
ist es z. B. für die Aussprache ziemlich gleichgültig, ob man Täte^ 
Thäle oder Tähte — Vater, in der Anrede — schreibt, da jedes 
dieser Wörter doch immer so lauten wird, wie das deutsche thäte, 
von ihun. Zu vielen derjenigen Wörter, die im Dänischen und 
Schwedischen sk, im Deutschen seh, und im Englischen sh zum 
Anlaut haben, findet man im Nordfriesischen eine Menge analoger, 
wo aber nur das englische sh, als dem friesischen Laute zunächst 
stehend, ohne Anstoss für's Auge gebraucht werden kann, weil 
weder sk noch seh hier ganz passen, indem sie beide zu scharf 
sind. Der friesische Anlaut ist hier eigentlich sg, wo g als sanf- 
ter Gaumenhauch ausgesprochen wird, wie am Ende der deut- 
schen Wörter Teig und Zweig, Beispiele : dän. Skade , Schade , 
fries. de Skäse; dän. Skam, engl, shame, fries. dät Shöm, u. s. w. 
Das s am Ende einer Silbe oder eines Wortes, so wie das ss in 
der Mitte der Wörter, müssen beide äusserst weich und sanft 
ausgesprochen werden, wie das z der Holländer. Wo es thunlich 
war, habe ich die richtige Aussprache dieses Lautes durch ein 
vorgeschobenes h zu erzwingen gesucht, als: jo Wähs, die Wittwe; 
wihssen, weisen; de Splähs, die Spalte; wo der Vocal geschärft 
und der weiche Laut des ss doppelt gehört wird. 



GRAMMATIK. . 



ERSTES GAPITEL, 



VON DER AUSSPRACHE DER BUCHSTABEN. 



r%/V\< 



a« Votale. 

m 

§.1. i. A, a^ aa. Dieser Buchstabe wird im Ncnrdfriesisehen 
auf fünf yerscbiedene Arten ausgesprochcD. Das doppelte aü 
klingt ganz. wie das aa im Niederdeutschen, z. B. in den Wör- 
tern: de AadeTy die Adei'; Faader, Vater; de Baar, der Bär, 
und wie das dänische aa und das schwedische ä ; z. B. in Aal , 
der Aal; Skaal, Schale (Gefass); et Baal^ der Scheiterhaufe; pä, 
auf; Sprdk, Sprache , u. s. w. Beispiele : aane , ohne ; kaanen » können ; 
Aabel, ein weiblicher Name; faar, vor und für; jö Kaar, der 
Karren; gaar adv. gar; baar, bar; roor^ rar; A^iaren/ karren; jö 
Snaar, die Sehnur (Schwiegertochter); jö Haawel, die Klunker- 
milch; jö Baawel, die Simse, Binse; dat AawetU, die Schnür« 
brüst; spaaweU^ gelb und weiss gesprenkelt; jö Kaard, die 
Karte; kaarden, karten, Karten spielen; hraaseni braten; jö 
Braahs ^ der Braten , u. s. w. 

3. uf^ a. Wie das gedehnte üh in den deutschen Wörtern : 
abnen, bahnen, mahnen , der Wahn, Hahn u. s< w., als: jö udirt, 
die Erbse; dat Pari; der Part, Antheil; jö udl, die Grossmütter; 
jö udnerty die Ente; mal, toll, aufgebracht, niederdeutsch: mall; 
half kahl; nägel, nackt, daher noch im Deutsehen nagelnackt; 
im Friesischen splinternagel; prälen, i. prahlen, 3. laut rufen ^ 
schreien; malen, malen (mit Farben); hetälen, nd. betaalen; 
dän; at betale ; sägen i sägen ; sägn^n , vermissen , dän. at savne , 
nd. saaknen; dat Gagen, der Nutzen, dän. Gavn; gägneni 
Nutzen gewähren ;.d6 udgne, die Spreu, dän. 'Ayne ;/arei», fahren 
(nur zu Wasser) ; de Tjare-, der Thtoer ; jö Snär ^ die Schlinge. 



2 

S. Wird a mit demselben , unter 2. bezeichneten , Laute ganz 
kurz ausgesprochen oder abgestossen , ohne geschärft zu werden , 
wozu sich aus den verwandten Sprachen keine Beispiele entneh- 
men lassen. Wir müssen dieses durdi die Verdoppelung des Con- 
sonanten bezeichnen, als: ^te^Grossvater; jöKätt, die Katze, nd. 
und dän.Eat; fätt, fett; datFä^pl. Fähse^ die Schüssel; he Aä^^» 
er heisst; strädden, altd. greten, grätschen; hlädden ,^ kltxdden , 
klittern; jö Klädd, die Kladde; dät Jädder, das Euter, nd. dat 
Jüdder; /aUen, fallen; gälten, weinen; s^ä//en, stallen; de Stall, 
der Stall; jö Salt, der Sattel; jö Fäll, die Falle; de Gälte, die 
Galle; de Hättig , der Hallig (Holm, kleine Insel); fällig, ordent- 
lich , weidlich ; altes , alles , u. s. w. 

4. 'A, d. Hat den Laut und Ton des dänischen, gedehnten 
heilkliogendefi a, wie in den dänisehen Wörtern : en Sal, der 
Saal; at gale, krähen; gal>, toU; at mäh, mahlen; at prale., frRh*> 
lad; at iale, reden u. & w. -^ Beispiele: de ßjäl oder E^url, ge-. 
becheUet Flachs; siväleH, heuen, Heu machen; spalertj spielen) 
täs^f foppen, prellen; läsig, gricklich; flasen^ ausplaudern; M-> 
9^, bifsehen; lähsen, gelitten; dat Maseru ein ein- bis zweijähri- 
ges Rind; de Päse, der Ochsenzieüier, dän« en Pees; diXdAse^ 
die Gliedmassen. 

b. A' , d. Ganz wie das geschärfte a im Deutsdien und Dank 
sehen» in: das» nass, blass, Fass, Napf» fallen, fassen, Katze» 
Schatz , Latz , u. s. w. » als : ndU, stössig , von Rindern ; shdlt, schmut- 
zig, vom Rind- und Wollen vieh, das dünn mistet; stall, stille; dp, 
auf;^ dppe, auf; wallen, wollen; de Wälle, der Wille; de Bäh' 
her, der Bäcker» 2. die Meerschwalbe; slakken, lecken mit der 
Zunge; mäckefi^ küssen; trocken, ziehen» dän. at träkke,.nd. 
trecken, daher: jö Trach^t^ der Ziehtopf, d. i. der Theetopf. 

§. 2. Ae, ä, äh. Wird überall so ausgesprochen » wie das ge«^ 
dehnte äh im Deutschen in den Wörtern: die Asbre, die Fähre, 
die Mähre» die Thräne» Mähne» mähen» nähen» säen» u. Si.w. , als: 
dRl Aehl, die Mistjaucbe, altdeutsch: derAddel; jö Shät, 1. die 
Schale 9 als Gefäss» 2. der unterschied zwischen dem Gebotenen 
ynd Geforderten beim Kaufen und Verkaufen; dat Mahl, das 
^ehl; jö Füget, der Fehler; de Hagel, 1. der Hagel, 2. die Fer^ 
A&; jö Mägel, die Hechel; shälm, differiren» nd. schäleoa; la* 
weKn-^lifSemi Mwern^ be))«o; strimn, i, streben^ 2, dch streif 



*• 



5 

ira ; ahmen » offen ; de Frätbe , gemeiii für Mond , Maul , die 
Fresse; Thäte, Vater; lahs, quit, nd. laat; Mähsen, flammen y. 
Irans. > i. B. gerupfte Gänse mit Stroh , dän. at blusse ; davon jd 
Blähs, dän. et Huss; däsig y nd. dösig. — Das geschärfte ä, 
wie in: äffen, täppisch ^ läppisch, u. s» w., kommt im Nordfriesi- 
iBehen nidit vor. 

§.3. E , Bi Ee, $e. Behält überall den unveränderten Laut 
semes Namens, und wird entweder gedehnt, oder bei unverän« 
dei*t6m Laute kurz abgestoasen. Gedehnt klingt dieser Laut wie 
in den deutsehen Wörtern : die Ehe , Seele , drehen , sehen , wehen , 
flehen, als: jö Feel, feien, die Feile, feilen; ]öTreel, freien, die 
Rollsebeibe, roDen, dän. en Trilde, at trilde; jö Meel, die 
Jiei)e,dän. und nd. en Miil; de Teele, die Diele, nd. de Dähl, 
i^tdän. en TilMe; sielen, stehlen; de Grime, die Halfter, dän. en 
Grime, woher. aueh wahrscheinlich das englische grootn, der 
Sullkneefat, stammen mag; jö Sieem^ die Stimme; dat Reess, 
dän. ea Rost, auch die Stimme, wie sie besonders jedem Ein- 
seinen eigen ist ; dat Nee^ , das Nest ; nesleh , nisten ; jö FSest , 
ttie Faust ; dst Feest , das Fest ; neesh , zart , von der Haut ge- 
iiraucht; maeik, zahm, kirre; meckUck, gemächlich, bequem. Bei 
unverändertem Laute kurz abgestossen in : elUng , heut Abend ; 
jö Meilen, die Mühle; de Meiler, der Müller; jö Ellen, die Elle; 
teilen, zählen, nd. teilen, dän. at tälle; feilen, i. füllen, 2. ge- 
fallen sein; selUWy selb^ , dän. selv ; edder , früh ; dat Edder , 
der Siler; vslflm y setzen; tinn, dünn; w^nn, blau; de Enn, der 
Abend; Of» Ennem, des Abends; jö F^n, die Fenne in der 
Marsch; de Sinne, die Sünde; jö Penn, ein kldner hölzerner 
Wiribel zum Yordrehen an Stallthüren und Luken. 

§. 4. I,i,ih,ie, Gedehnt, wie in: ihm, ihn, ihr, mir, 
dir, Thier , Stier, die , wie , nie , u. s. w. , als : Iwer, ein mannlicher 
Eigenname, 2. der Eifer; ihne, aliein, dän. ene; dd Biene, die 
ime; dsL Stiene, die Steine; tAr, eher, früher; dat Bier, das 
Bier; biese, beide; lie-en, miethen, heuern, dän. at leie; Uenen, 
leihen, nd. l^nen; tienen, dienen, dän. at tjene; He-en, ziehen; 
de Tiener,^ der Diener; die-en, heisse Speisen vertragen können; 
wieh, übeLzum Erbrechen ; de Sie^e, der und die See; kie-en, 1. stei- 
gen, anschwellen vom Wasser, 2. v. trans. erhöhen; fniesen, 

luesen ; frietm^ frieren , u. s. w« 

1 * 



Geschärft, in: Ick, ich; de Dick^ der Deich, nd. de Diek; dtc- 
hen, deichen; dat Stick, der Griffel; jö Wkk, die Wiek, dän. 
icn Yiigy die Meeresbucht; rkk, reich; dat Lick, die Leiche, nd. 
dat Liek, dam. et Lüg; dat Sicken, der Seufzer; sicknen^ seuf- 
zen; du Bill, das Bild; de Biller, ein armer Wicht; will, wild; 
drillen, i. drillen, 2. foppen; d^ihs, das Eis, nd. und dän. lis; dat 
Qriss, dän. en Griis, das Ferkel; wiU, weiss; (ä^en, beissen; 
sUHten, i. schleissen, 2. aps der Tasche Tcrlieren, 5. Einen gut 
^u nehmen, zu behandeln wissen, um gut mit ihm imigefaenund 
fortkommen zu können. He wijt kam g&ujd to sliUen, er weiss 
Ihn zu qehmen. 

§.5. 0, 0, 00, oh. Hat drei verschiedene Laute: erst den 
gedehnten seines Namens , wie in : ohne , der Lohn , schonen , 
fi^ohnen, als: Ohme, der Odem; de Thok, der Grasbusch; de 
Trohl, der Zauberer, dän. en Trold; de Name, der Name; de 
Mohne, die Mähne, dän. en Manko, engl, the mane; hohl, hohl, 
isngl. hollow;*de Körne, 1. ein Poltergeist; 2. die Nase, aber nur 
scherzweise; de Hörne, i. der Hamen, die Reuse, 2. die Schei- 
de der Gräser , aus welcher die Aehre hervorkommt ; sören , sie- 
then, kränkeln; sögen, einkochen, v. intrans.; ieKröge, der Gra- 
pcn; de Loge, die Lohe, Flamme; de Snowe, die Schnuppe am 
Lichte; de Rowe, der Schürf einer vernarbenden Wunde; nög^ 
4. genug, 2. gar, adj. 

Zweitens mit unverändertem Laute , aber kurz , als : bönnem , 
4)annen, fluchen; wönnen, Getreide in der Schwingwanne reinigen, 
.dän. at dröfte (schwingen) ; de Mann, der Mann ; jö Könn , die Kanne; 
jö Pönn^ die Pfanne; jö Fömmen, das Mädchen; de Dömm^ der 
Damm; de Römw, der Widder, Schafbock; de Ömmer, der Eimer; 
de Bolle f die Beule; de Knolle, i. der Knöchel , 2. der Pfeifenkopf; 
jö Shömm, i. die Schaam, 2. die Schande; de Klömp, 1. die Klampe; 
2. der Schober, aber ein grosser viereckiger am Hause, wenn man 
Im Hause kein Gelass für Heu und Korn mehr hat; lömm, lahm; 
tßnm, zahm» u.s. w. 

Drittens geschärft, wie in: sollen, wollen, oft, hoffen, offen, 
u. s. w. , als: de Trolling ^ ein Brot; oller, nie, niemals; de Kolkf 
i. die Kälte, 2. das Fieber; groU, gross, nd. gröt; grottem,. 
lapt ; jö Pott , Topf. 

§. 6. Oe, ö, oh. i. Gedehnt, wie in den Wörtern: Oel, die 



Bphle» höhnen, u. s. w.» als: dat Oehle, das Oel; de Tliole, das 
Maul; göhl^ gelb; njöl, plump; ßhl, i. faul, träge, 2. faul z. B. 
Yon Eiern, 5. boshaft, niedrig gesinnt; shölen, Sehutz vor 
Wind und Regen suchen, dän. at skjule, 2. wie ein Dieb einher- 
schleichen; jö£o^{, i. die Grube, 2. das Grab, nd. de Kühl, dän. 
en Kule ; holen , heulen , nd. hulen , dän. at hyle (spr. hüle) ; jö 
Mohr, die Mauer; pd(efi, zupfen, auszupfen, dän. at pille; löriwi, 
Jauem, nd. luren, dän. at Iure; dat Bohr, das Bauer, nd. und 
dän. Buur; drög, trocken, nd. drög; drögen, trocknen; swömen, 
schweimen, in Ohnmacht fallen, nd. swiemen, dän. at.svime; 
daher nun de Swome, die Ohnmacht; de Some, die Summe; de 
Gldme, die Gluth , u. s. w. 

Zweitens geschärft, wie in: Söller, öfter, öffentlich, als: stöwm, 
stieben; döwen, tunken; snowen, i. schnauben; 2. schnupfen, z»B. 
Taback; shöwen, schieben; Möwen, klauben; jö Kloß, die Schnur- 
re, Posse; klößig, 1. drollig, 2. gescheidt, geschickt, erfindansch; 
lößen^ gehoben. ' 

Drittens wie das ö im Niederdeutschen in: de Döhr, de Göhr« 
möhr u. s. w. als: de Jögel, der Eiszapfen ; Island. lökul ; de Tögel , 
der Zügel , nd. Tögel ; de Fögel , der Vogel ; de Bögel, der Bügel , nd. 
Bögel ; jö Döged , die Tugend ; jö Jöged , die Jugend , das Jugendalter ; 
jö Köwel, der Weiberrock, von den Hüften bis zu den Füssen rei- 
chend ; jö Döhr, die Thür , nd. Döbr , dän. Dör ; döhr, durch, hindurch. 

§.7. ü,u,uh. 1 . Gedehnt , wie in : Uhr , Spur , thun , Schuh , 
Ruhe, die Müsse, die Busse u. s. w., als: jö Swuhn, der Schwan; 
jö Buhn^ die Bohne; uhsen, schöpfen, dän. at Öse; da Klüse, die 
Kleider; de Vhrs, der Frühling; jö Suhrd, die Schwarte;: de (7r- 
der, der Enterich, Erpel; suhrt, dän. sört, schwarz; luhnen, loh* 
nen; de Gulig, der Galgen; dät Tulig, der Talg; dat Hulem^ 
Langstroh zum Decken der Häuser und Deiche, als nomen collecti* 
.vum, dän. Halm. 

2. Bei unverändertem Laute kurz abgestossen , wozu es in den 
verwandten Sprachen an Beispielen fehlt, als: ß^h', bange; de 
Uch', die Wand; de Such', der Zober, Zuber; de Kuch' oder Kug\ 
der Koog ; duhggen , thun ; fuhggen , empfangen , empfahen , dän. 
at faae; huch, hoch; de Hupp, der Haufe; de Kupp, [der Kauf; 
hpen, laufen, nd. iöpen; huppen, häufen, häufeln; stupp, hart an; 
de Rup , dän. et Reeb, nd. Reep. , . 



c 5, Kurz und geschärft» wie in: Mutter» Butter» Kutter», ihm, 
.tind» als: twtmiig, zwanzig; da Tunte, die Finnen im Fleische 
der Schweine; jö Mudder, die Mutter; dät Mudder, der Schlamm» 
-Moder» dän. Mudder; munier; unk, uns beiden» uns beide; /tm&» 
euch beide» eueh beiden; junk, adj. dunkel; drunken„ 1. getrun- 
ken» 2. trunken; jÖjRun^» die Runge am Wagen ; jö Spung , i.die 
Spange» 2. das Kirchhofthor; jö Hüll, die Mütze (Hülle); de Bulle^ 
-dar Zucbtstier; dumm; stumm; jö Ihdl, die Rolle; «mner, od. 
.unner; de rufifi^r» der Donner. 

: %, S. üe, ü, üh. Gedehnt und geschärft» wie im Deutschen. 
Beispiele: de Duhs, der Tod; de Sühs, der Brunnen» nd. de Soot; 
dRi Klühs, das Tuch; hühs, heiser; lühs^ los; snühsa, flink, nett; 
,ühs, unser; de Hühs, die Heimath» u. s. w. Geschärft: ütte, bütte, 
aussen» draussen^ dat RüU, die Raute» Seheibe; jö RiUtetik, die Raute 
in. der Karte» Schellen; de BüUer, der Reuter; de Sülter, i. der 
^IdhiiBter» !2. diie Sehleibe (Colntis Tinea} » latein. Sutor. Gedehnt 
in Düe, ein Mannsname; büen, arbeiten; jö Büing, die Saatzeit 
jm Frühling; 6rt2eii, zum besten haben» necken» nd. brüen. 



b. Doppellaute. 
. ^9. IMese sind: aai, äi, äi, di, ai» ä» au, äu, aaj, aj, 4;» 

Aai^ imi. Das breitgedehnte oa (§. i.) wird hier mit i ver^ 
bunden ausgesprochen, als: Faaie, Vater; Klaai, Nicolas verkürzt; 
moat» ziemlich» erträglich; /oat» faul» dän. loi; Baai, Yerkleine^ 
rangswort für bigeburg; dat Baai, der Boi» ein Zeug; äraaim., 
gemächlich gehen ; glaaien, schlüpfen» entwischen; üttglaaien, aus^ 
ghiLen; raaieln, taumeln; waaitenj winken; jÖ Waait, die Winke; 
jö Flaait, die Flöte, flöten: flaaiten; spaaiten, spritzen; jö Spamit, 
die Spritze , u. s. w. 

uii, öL Das gedehnte a in ahnen , bahnen u. s. w. wird mit i rer^ 
bunden ausgesprochen, als: dat udi, das Ei; dat Wät, der Wat^ 
tieh, die Molken; de Kläi , der Klei» Thon; Päie , Pai, Manns* 
name; ide ITäie, der Schlüssel, engl, the key; läiden, blitzen, 
pd. läiden; de Läid, der Blitz; de Wäien, der Wagen; dat u^ 
ken , das Eichen , Riechbüchse ; Eäike und Päike , Anrede ^n klei* 



ne Jungen; päiken, rappeln», wie ein kleiner Knabe; stüeUf fc 
schlagen; twäien^ gewascbcn; räielut einreihen , einen Faden; 
de Mai, der Hai; dal Mäyücker, die Weidenrutfae; glai, froh, 
dän. glad (1. glähs). 

'Ai^ ii. Das hellklingende, langgezogene äh der Dänen mit i 
TerbuD^eq, als: äi^ nicht; iiien, einem die Backen streicheln; jö 
Bai, die Beere; däien, gedeihen; wäien, i. wehen, 2. trauen^ ein 
Brautpaar, dän. at yie (trauen); firmen , freien; kräieh, krähen, 
nd. kreien; siieny at SPÜe, nähen; späten, speien; groM», wach- 
sen, dän. at groe; häien, Hilderungswori für lügen; läi, la«; 
fy^'e Laie, dän. i La, im Schutz Tor dem Winde; mU, neUfde 
Braip der Br^i; dat Slrai^ das Stroh; dat Stäi, der K(ä)en/däo«^ 
en Sti; twaie, altd. zwiro, d. i. zweimal, engl, twioe; iräie, dreU 
mal , engl, thrice , u. s. w. 

Ai, di. Das geschärfte d in: dass, nass» Fass,. lassen, wird mit 
i Terbttnden ausgesprochen, als: IditAen, leicht einherhüpfen; 
drdinken, trinken; sünken, sinken; krdinken, kränken; Minken, 
hinken; sldinken, schlucken; minken, winken; dat Aingel, der 
Eogel; jö Rdingel, der Henkeltopf mit zwei Henkeln; dJoHdmger^ 
der Hf^ker; de Fdinger, der Fingen; rdinffeln, .kliraen; de SpÜn^ 
ke, die Leitersprosse; da Rainket die Käoke*. 

§. 10. Aei, äi in: da Aeile, die Aale; da Wäile, die Weiher; 
fäilen, im Wasser platschen, dän, 9lpöle; külen, kühlen; fäitm, 
fühlen; späilen, spühlen; da Täis, die Zähne; Gms, Gänse, dän. 
Gjäs, engl, geese; näüt, nächst, dän. näst, engl, next; de Näi' 
ber, der Nadibar, nd. Naaber; jö Hai, i. die Lust, 2. Erinne- 
rung , 3. Gemüth, u. s. w. * — ; de Wäi , der Weg, dän. cn Vei; da 



* Diess Wort ^jö Hai' ist das dänische Hu, und das aitdeutr 
sehe Hug, Hauch, Geist, welches noch in dem Worte Hu^not- 
ten, » Hug-genoten ," Geistesgenossen, übrig ist. Im Dänischen 
hat man folgende Wörter und Redensarten aus demselben ge- 
bildet: »Medvelbcraadt Hu," mit reiflicher Ueberlegung; »Väre 
mod i Hu", verstimmt, verdriesslich sein; »Glad i Hu,'* frohes 
Gemüthes; » At komme ihu ", eingedenk sein» sich erinnern ; » Hü^ 
kommeise'' , das Gedächtniss ; » at huske", im Gedächtniss behaUen. 
Im Nordfriesischen: » Dät kamt me äujn häi*\ kommt mir in den 
Sinn; »/cib häw'r nijn Häiäjtr ich habe keine Lust dazu. -—Daher 
stammen femer die ndL Wörter: hägen, de Hag, und hoffen -^ sd 
wie die frjieisisehen Wörter: bögen, jö Höhg, und häien, so Wiil 
hagen und behagen, behaglich, im Deutschen. Hägen, ek*fl^ueni 



8 

Jtfoj/e« die Mahle, dän. Maal; de Täirem, der Darm, dän. Tanni 
^GÄeirem, der Arm; für, stark, dän. för (l.fohr); dsuHäiert das 
Haar; währ, wahr; jö Shäier, die Schere; äim,* wund, zart, 
schmerzhaft, dän. öm; släipen, schlafen, nd. slaapen; näi, nahe; 
de Näigde^ die Nähe, nd. Negd; wäigen, wippen; dat Hädgen, 
das Stahlkissen ; äien , eigen ; UUg , niedrig ; dat Läiged , die Nie- 
derung. 

, Oi, ai. Behält die Aussprache seines Namens, als: toieti, auf- 
thauen; sfioien, die Pferde beschlagen {schuhen), dän. at skoe; 
B^, ein männlicher Eigenname; jö K3i, die Koie; forsmöim, 
verschmähen, dän. at forsmaae; kröien, nach etwas Gesunkenem 
mit dem Suchhaken fischen , dän. at kröie ; smäien , aufstreifen , 
dän. at opsmöie ; röien , rudern , ein Boot u. s. w. , dän. at roe ; 
swöien, at sweie, swäie. 

§. il. Au, ati, wie im Deutschen, als: dkAune, nom. coli., die 
Buttepinilch ; auwer , über ; trauen , einem — ; jö Glauw , der Spaten ; 
jö Grauf, der Graben ; lauwen adj. windstill , kalm ; lauwen , y. Irans. , 
Heu oder Garben aufladen; de Auwen, der Ofen, dän^ en Ovn; 
auf, ab, dän. af; de Maude, die Mode; de Grause, i. die Gruse, 
Saft der Pflanzen , 2. Jahreswuchs ; de Edgrause , das Nachgrass 
zum Abweiden, dän. en Gröde; jöPraus, Dreilingslicht. Lauflicht, 
Bennkerze, dän. en Praas; jö Stauwen, dän. en Stavn, der 
Stafen, der Warf, auf welchem ein Haus steht oder gestanden 
hat; jö-Baus, die Rose, u. s. w. 

Äu, äuy wie im Deutschen, als: de Taus, |ler Zahn, engl, 
tooth; dät Maus, das Muss, als Pflaumenmuss; dät BäuSy die 
Erdhütte aus Rasen; jö Gms, die Gans, nd. de Gos, dän. en 
Gaas, engl, goose; ick Ims, ich las. 

§. 12. Aaj: Aajt, Agatha, uij , äj: de Bräjt, die Breite; de 
Wäjtf die Nässe ^ dän. en Yäde, Yädske. Aej, äj: dät Äjth (ge* 
dehnt), der Essig, dän. Adike, nd. Atig, engl, eisel. — Ge- 
schärft in: äjU, zu, an, bei, engl, at; AeBäjtlinge, von en Bäjtte, 
das Bischen, ümzugsgut, Fahmiss (dän. Flyttegods, Lösöre); 
daFi^'^^, die Füsse , engl, feet , nd. dcFöth; wäitt, nass, engl, wet. 



behagen; de Häg, das Behagen; högen im nd. bebalten, erin-^ 
nern, im Friesischen: erfreuen; jö Höhg, das Wohlgefallen , Beha- 

;fen; haien^ im Sinne behalten,, yerbergen, verheimlichen, mildernd 



9 

dän. Täad; swqjtt, süss, engl, sweet; de iU^, der Ralh> dam 
et Raad; raßden, i. errathen, 2. zurathen, abrathen^ 5. über 
etwas befehlen , gebieten , 4. entohnigt sein können ; de Rajd^ 
delse^ das Räthsel; dat Siägll, das Eisen, engl, steel (Stahl); de 
J^li der Aal, engl, eel; jö S/iäjll, die Schuld, Ursache; dat Mäjl^ 
das Mahl, dän. Maal; de Wajl, der Weiher, der Wehl; jö Mäjdd^ 
die Math; mä^ddefiy mähen; jö Bräjdd^ die Braut; brajdden, 
brüten, engL the bride, to brood, to breed; fäßdden, ernähren, 
füttern, dän. at fikie, engl, to (eed; jöFäihs, Weide » Unterhalt, 
dän. en Föde, engl, the feed. 

§.43. ](i, ^: dat ](jll, das Feuer ^ dän. Ild; dat fjUinge, die 
Feuerung; dat ](jdi der Torf; he Ujl^, er biss; de StrijU, ein 
Gang in der Kirche, das engl, street (Strasse); bijlken, laut nach- 
rufen, einem; dat Fijl, das Rad, engl, wheel; dat Dijl, 1. das 
Ding, 2. der Theil; dat Gijl, das Geld; jö Hijll^ die Heide, die 
Fessel am Fusse der Pferde; hijllen, die Fessel anlegen; de 
W^Ue, der Weizen, engl, wheat, dän. Hwede> nd. W^ten; mjä- 
Ikk^ kümmerlich, beengt, wörtlich: nöthlich, von Noth; da 
Snijdde^ die Grieben; hiß, heiss, nd. hitt, dän. hed (1. h(^hs) 
engl, bot; de Si^U, der Stoss; de SHjn, der Stein, dän. u. nd. 
Steen, engl, stone; fdjmen, l.mit den Händen auffangen; 2. sich 
ereignen, begeben; hijnn, schlecht; wijnneny wenden. 

Aj, scharf: de Hßjty die Hitze; lajU, nd. lüjtt, engl, little; en 
BoßUe^ ein Bisschen; de Bdjt, das Jucken, u.s. w. 

Üjf aj: ^11 y alt; iSßllings, altlings, weiland; jö Üjlling , die 
Mulde; de Füjlle, die Falte, dän. en Földe, engl, fold; de Küß, 
der Kohl , dän. Kaal ; hüjllen , halten , engl, to hold ; dujdd , todt , 
dän. död , engl, dead ; dat Briijd , das Brot , dän. Bröd , engl, bread ; 
jö iVfi^ , die Noth , dän. Nöd , engl, need ; dat Nüjtt , das Rind , 
dän. et Nöd , engl, neat ; de Süjdde^, der Torfsode ; rüjd , roth , 
dän. röd, engl, red; rotten , muhen; dat Bi^U, das Boot; dat 
Lßjidd , Loth , u. ä. "W. 

§« 44. €^, oj, als: Döjtte, Töehterehen; PojUe, Schweinchen; 
p^Ue, päjtte! zum Anlocken der Ferkel und Schweine; de Hojtle, 
die Endscheibe des Brotes; de Rojnte, Mannsjacke; de Pojnte, ein 
zweizöUig^s Würfelhölzchen , mit dem die Kinder in den Weih- 
nachten um Pfeffernüsse spielen , auf den vier Seiten mit den 



10 

lateinischen Buchstaben A. M. N. & bezeichnet, d.i. A: alles, H: 
mdn eigen , oder der Einsatz , N : nichts , S : setz zu ! — de 
D^te , das Döhncben ^ 

iity, m^: dat Blmidf das Blut, dän. Blöd, nd. Blot, engL 
blood; Aq BäMJd^ der Hut, nd. Hot, engl, hat, dän. Hat; g&uß^ 
gut, engl, good; dat IK^ß^ der Huth, dän. und nd. Mod, engL 
mood ; jö flm4d , die Fluth , dän. Flod , nd. Floth , engl flood ; 
flmydden, fluthen; dat GaujUy das Gold, dän., nd.und engl, gdd; 
gau^Uen, f;oldent dän. gylden, nd. und engl, golden; iboiffi, 
kalt, nd. kold, u. s. w. ; dat Schäujly die Schule, dän. en Skole, 
nd. Schoi« engL school; dat Bäujl, die Hütte; de Statut ^ der 
Stuhl, ^än. und nd. de Stol, ^ngL stool; dat Mä/uily das Hill, 
Millerde, lockere, schwarze Gartenerde, dän. Huld, engl, mould; 
ät^n, in, an, hinein; jö Mät^jnn, ein offener Kasten zu Hdz 
und Torf, dän. et Mön, aber in anderer Bedeutung; jö Shqgtm^ 
die Schandthat; jö Häntjnn, die Hand; dat l&ynn, das Land; 
dat Sätfinn, der Sand; jö Bräujnn, die Feuersbrunst; dat PA^nn^ 
das Pfand; dat SäujU^ der Russ, dän. Sod, nd. Sott, engL sool; 
jö BätyU, die Wurzel, dän. en Rod, engL a root; jö ZämUy die 
Ofenkrucke; jö Kläi^U, eine Bootstange mit einer Klaue; Un^ 
den, laichen von Fischen, rammeln von Hunden, Katzen, Hasen, 
u. s. w. , daher : jö Läujdd , das Laiehen und Rammeln , und dai 
Z&tfßd, der Laich der Fische; de Fwtit, der Fuss, nd. Fot, 
dän. Fod , engL foot s. 

§. 15. Das j steht ausserdem nach folgenden Gonsonanten: 
B, F, G, H, K, L, M, N, S, St und W; also: hj, fj; gj, 
hj, kj^ {;, mj, nj, sj ,' stj und tq/. Beispiele: dat Bjasty die 



-taS. 



* Wo das j (lott) in Verbindung mit Vocalen vorkommt, 
bewirkt es, bei einer richtigen Aussprache, dass sich der 
darauf unmittelbar folgende Consonant demselben auf eine ganz 
eigen thümliche Weise anschliesst , wie z. B. in Mäjnte , Mantje , 
Männchen, u. s. w. Alle Wörter dieser Art werden, mit Aus- 
nahme des einzigen Wortes A^th oder Ajth, Essig, geschwind 
und scharf ausgesprochen. Dänische Kinder, nach der Lautme- 
thode im Lesen unterrichtet, sprachen diese Wörter, ohne sie 
zu verstehen, ganz so aus, wie der gcbornc Nordfriese. 

> Das gesdiärfle ö, mit j verbunden , giebt denselben Lant in 
Pqjtter, von PoU, i. der Topf, nd. Pot, dän. en Potte, 2. en 
Pöt , als Maass , d. i. eine halbe Kanne , engl. pot. 



u 

Neumilch nach dem Kalben , Bies^milch , oberdeutsch : die Bienst , 
Briest und BrieschmUch; ^aio^en» bellen» klaffen, von Hun- 
den » dän. a( hßffeiisx Bjäm, das Kind, däo. et Barn, y<m 
bereny tragen, nd* boren» dän. bare, also: das (im Mutterleibe) 
Getragne; ßmer, vier, engl, four; Harten, furzen^ dän. at Qärte, 
engl. 10 fart ; dat GiQr% , das Gras > dän. Gras > engl, grass ; ^dr- 
sen , grasen und grasen , dän. at grässe , engl to grass ; de Bjä/rl , 
gehechelter Flachst j$ Ejimt die Ecke, nd. Hörn , dän. et Hjöme ; 
l^mm* Kranke besuchen; dat Bjirt^ das Hans; de Ejairl^ der 
Kerl» dän« en Karl; jö £/ar/, der Kern; he hjä/rd, er fuhr; 
l^aaiMn^ lätmenvwi Irans., a. B. die <j^rste, dän. atkjöme; dat 
l4agt, da$ Liebl. altdeutsch Leobt, engl, light; ^Vui^en, lügen; 
deJCf^s, derifial, dän. Mag; de J^Nim^ derMoi^n; «yame.inor- 
gen; de Vjoßf^h, di0 Miyrsch; ^äieü, säumen » zaudern; i^aAf, 
^werfJUlig« jpiluinp; de. Sjime, der Schcanm, daher:, ^jmmmem, 
scbinpdem » jö . »^am , die Käme , Butterfass , engl chum und 
kern; ^arnaii; karn^en, buttern, engl, to kern, to chum, dän. en 
Kjäme, at kjäme; ^h! Scheuch wort für die Yögel; gungen, 
singen; de Sjunger, Sänger; tjäsen^ salbadern; Tjäre, Theer; dat 
TjauUng , der Gamknaul ; ^dweh , sich zanken ; de J^aaler , der 
Keller; dat Tjöff, l.das Zeug; 3. der Zeug, 3. Yieh, dän. Töi; 
daher: ^en, sich anschaffen, nd. dat Tüg, fügen; de Tjdwse^ 
d^ Kiefer, Kinnbacken, dän, Kjäwe, engl, jaw; Hjäwen, albern 
einhertreten ; jö S^jäpmudder , die Stiefmutter , engl, stepinother ; 
S^Spfidder , Stiefvater ; de S^ärt , der Sterz , Schwanz , dän« en 
Stjert, nd. de Steert; Sorten, stürzen; s^öen^ schaukeln; jö 
S(jai, die Schaukel; de Wjärt, der Wirth, dän. en Yärt; de 
Wjird, i. die Wahrheit, 2. der Werth; we tq^Vim, wir waren; 
ugarpeln , worfeln ; de Wjarke , der Wirbel am Spannstrick , oder 
Tüdder. — Das w steht nach S und T ; also : sw und ^ , als : 
noSr, sdiwer; stPar^, antworten, dän. at sväre; surdm^en, schwe« 
ben; twdme^ zwei, dän. tvende; twArr, qnet, dän. tver, tvers; 
iAXTiokh, der Zweig, nd. datTwieg, engl, twig; datTMr^, der 
Liehtdocbt; de Twäst, der Quast; twitkn^ schnitzen; imweln, 
Eweifeln , nd. twieweln , dän. at tvivie. 

§. 46. Sh, $1, sm, an, ip und $t kommen mit einander ver- 
bunden vor , als : shmoen , schieben ; släipen , schlafen , engl to 



12 

sleep ; smSgcn f schmecken» dän. alsmage; spälen, spielen; Stilen ^ 
stehlen, dän. at sljäle, engl, to steal; swiren, schwören, engt, to 
swear; mqjtlen, schnauzen; spillen^ verschütten, dän. at spilde, 
engl, to spill; sträwerii i. streben, 2. mit Worten streite. ; 

Das weichen, ^und^« (sogenannte s») als: <la Zäkse, die€lied* 
massen ; wihssen , weisen , dän. at vise , nd. wiesen ; swihssen , sengen , 
dän. at svie ; lihssen , leiden, dän. a t lide , nd. lieden ; slhssen^ zischen ; 
Sihssen, die Seide; sihssen, seiden > von Seide; de Wisse, ger 
trockneter Kuhfladen zum ßrennen; ;de Spihsse, die Speise; de 
Wihsse^ i* die Weise, 2. die Wiese; jö JB/iii/r^, die Blase ^ jö 
Räihsi 4h Reise; rüsen, reisen i klMsm'i 'mit dm Nägeln krat- 
zen ; de Säiss, der Käs, engl, cbeese ; säi8m% Xvsrtis. , käsen , Käse 
machen; da Suhse; die Brütmen; dä/J[te4^, die Kleider;. Jse^^, 
Jäseii ; me$6n , meiden ; fidesm, tiies^ni riksm, skh erheben, 
aufstehen , dän. at reise hig;^ gniesen^ dsls llaul Vi^zerren ; ^^ftriks- 
sen, grausen; ^e», auszupfen, zi B. Wolle oder Hää)re^ dkri. 
at täse; Mese, beide; de Riese, der Riese; dat Rähsef, eidjlhri- 
,ges Kalb; de Brauser, der Bruder, engl, brother, pd.- und dän. 
Broder. 

Scharf wird s ausgebrochen in: dat Hüss, das Haus, engl, 
house, nd. und dän. Huus; jö Trüss, die Kröte; joMüss, die Maus; 
de Müssy der Mund; dat Grüss, der Ories» Kies, Grand , dän. 
Gruus; dat Krüss^ i. der Krug, 2. das Kreuz, engl, eross, nd. 
Krüz, dän. Kors; jö LusSy die Laus, engt, louse, nd. und dän. 
Luus; dat Ldss, das Glied, Gelenk; de Snulss, der Schmid, €»igt. 
smith, dän. Smed; de Mass, die Hesse in der Kirche.' 

§. i7. Wie das deutsche ss [sz) in den Wörtern: süss, stiess, 
Fuss, grüssen, klingt es in: de Süss, der ft*unnen, nd.de Soot; 
de Düss, der Tod, engl, death, dän. Död; lüss, los; hüss, heiser, 
dän. hähs , nd. heesch ; dat Klüss , das Tuch , dän. Klud , engl 
cloth; dat Leess, das Fuder, dän. et Läss; dat Gkess, das Glasr 
dat Sweess, der Schwaden, beim Mähen; täss, ziemlich gesund; 
dat Bleess, das Blatt; dat Reess, die jedem eigenthümliche Stim- 
me > dän. en Rost; dat jfhs, das Aas, nd. Aas, dän. Aadsel; 
passen, passen, i. von Kleidern, u. s. w. , 2. im Kartenspiele; 
snüss, flink, nett, gescheidt; — wie s in aus> Maus, u. s. w., 
als: dat Baus, die Erdhütte aus Rasen; de Taus, engl, tooth. 



15 

der Zahn; jö Gaus, die Gans» engl, goose, nd. Gos» dän. Gaas; 
dat As, das As, Daus; ick laus, ich las^ 

Wenn 5 vorder Endsilbe er steht, hat es immer die weiche Aus- 
sprache; als: Brauser y Bruder; Bauser, I^udev ; Njäser , Zauderer; 
Tjäser , Schwätzer , u. s. w. ^. 



Uebergänge der Grund- und Doppellaule in andere. 

§. 48. Das geschärfte, kurz abgestossene d geht in das geschärfte, 
langgezogene a über, als: dat Ldss, das Glied; da Lakse, die 
Gliedmassen; de SmdsSy der Schmied; jö Smähs, die Schmiede, 
Werkstatt; da Smahse, pl. von Smass und von Smähs. 

A\ a in ^ oder ee, als: jö Krdfl, da Kreefte, die Kraft; de 
Sdftf pL Seefle, der Saft; satten, sitzen; selten, setzen. 



* Das nordfriesiche Baus ist die kleinste Wohnung, eine 
£rdhütte aus Rasen mit einem Stroh- oder Binsenlager und 
einer Rasenbank , die auch fehlen kann ; darnach folgt : dat 
Bäujl, eine kleine Hütte, deren Wände aus Rasen, rohen Stei- 
nen , Lehm u. s. w. bestehen , und mit Stroh , Binsen , Schilf 
oder Heide gedeckt sind. Solche Hütten haben die Anfange der 
Dörfer gebildet , und viele Dörfer haben noch dieses Wort in ver- 
schiedenen Abänderungen als Endsilbe unter folgenden Endungen 
der verschiedenen Districte im Friesischen , Dänischen und Deut- 
schen, als bäni^l, büllf bölle, balle , büUel, so wie das Substanti- 
Vum Bol oder Bohl, ein Bauernhof mit einer Hufe Landes von 
60 bis 80 Tonnen oder Morgen, womach dann der Besitzer nicht 
Hufner, sondern Bdismann genannt wird. 

3 Das dänische aa wird immer so ausgesprochen, wie das 
fnesische Doppel-aa. Das d am Ende eines Wortes nach einem 
Vocal spricht der gebildete Däne immer als Sanften Säusellaut 
aus, wie in Gud, Gott, engl. God, fries. Gäd^ wie wir etwa Guhs 
lesen würden , und so in allen ähnlichen Fällen , als in : Baad 
(Baahs] das Boot; et Bud (Buhs) der Bote, u. s. w. Das v der 
mnen ist das w der Deutschen, und ihr y das deutsche iL 
Uebrigens richte ich mich hier bei einzelnen Wörtern nicht im- 
mer nach der dänischen Rechtschreibung , sondern nach der Aus- 
sprache, wie z. B. hähs, welches gedehnt ist und häs geschrie-* 
ben wird. Spricht man dieses häs scharf aus , so bezeichnet es 
einen Kornsdiober. Der dänische Endlaut oder Auslaut des d 
nach einem Yocale ist mit dem isländischen und englischen th 
so wie mit der weichen Aussprache des s und ss im Friesischen 
sehr nahe verwandt, wodurch denn, bei einer richtigen Belau- 
tung der Wörter in den verschiedenen Sprachen und Mundarten , 
ihre Aehnlichkeit deutlicher ins Ohr föllt. 



14 

j[^ ä, in ie, ö und d y als : dät Erärnm , de Kriemmer , der 
Kram, Krämer; hagen, behagen; jö Höged, das Behagen, dän. 
at behage; bögen ^ de Bdkker, backen, der Backer. 

Aa^ aa, wird in o verwandelt« als: daagen, jö Z%6d, taugen» 
altd. tugan , daher : die Tugend ; in ä , als : Ijaagen , jö Lagen » 
lügen, die Lüge; in das geschärfte 6, als: dö ijögst, du lügst; in 
das gedehnte 3, als: jö Naahs^ die Nase, jö Nästring ^ das Na- 
senloch 9 die Nüster, u. s. w. 

£, e oder ee in ä, wie in: sprigen, sprechen , de Spröikep die 
Sprache; bregen^ bredien, bräik, brach; dät Feck, da Fäge, das 
Fach; dät Cfee^, da Glase; in ä: brigen, dat £r«ft; in oa, dat 
Glees, de Glaaser^ das Glas, der Glaser; in d, als: beeren, bjard^ 
heben, einnehmen; teeren, ^ird, zehren, zehrte; weren, vyird, 
wehren , wehrte , u. s, w. 

E oder ee in d^ als: segt, dät Sagt, seicht, die Seichte, Nie- 
derung; wegen, i. wiegen v. intr. , 2. wägen v. trans. » jö Wagt, 
1. die Wage , 2. Gewicht , engl, to weigh , weight , dän. at yeie » 
en Yägt. 

I, i in ä, als: grippen, de Grawe, greifen, der Griff» als Hand- 
habe; sÜdden, de Släse, glitschen, der Schlitten, nd. de Slähd» 
dän, en Släde, engl, sledge; mitten, de Smahs, schmeissen» der 
Schmiss,. 

IJ in ie, als: datl^, pl. Biene, das Bein; de Stijn,pl. Stiene^ 
der Stein; de Prfjn, pl. Priene, die Pfrieme. 

0, 3 in ä, aa und ö, als: de Mann, pl. da Mann, der Mann» 
die Männer; dat Blök, da Blaage, der Block» die Blöcke; k3gen, 
de Mögen, kochca, die Küche; nog, genug; nögen, genügsam. 

Ö» iQ f , als: jö Kff, pl. dk Ke, die Kuh» die Kühe; das 
gedehnte oA in das. geschärfte , als: jö Kohl, die Grube; kolken, 
ein Knabenspiel, wo sie Knikker (Sohüsser, Schnellkügekhen) 
öder runde Marmelsteine in eine kleine Grube werfen» fries. de 
Läper v. löpern. 

ü, u in ö und ä, als: ^jungen, süng, singen, sang; lupen^ 
laufen; Läpelse, i. Käselaab, Rinnsal, 2. das Durchlaufen der 
Pferde, dän. löbsk. 

V in ie, als : sluhggen , de Sliek , schlagen, der Schlag. 

U ino, als: jung , de J3nge, jung , der Junge ; und 5 indj , als: 



15 

Idtig f de Lqjngde; in ä geht auch o über, als: worm, de Wärmt 
oder Wärmde , warm , u. s. w. 

Das sdiarfe ö' geht in das gedehnte d(öh) über, als: de Tünn, 
pl. da Töninge, der Garten; dat Shrünn^ da Skraninge^ die Truhe, 
Lade. 

4; in ^, al&: jo Bräjdd, de Bredgome, Braut und Bräutigam, 
nd. de Brud » de Brüdigam , dän. en Brud , en Brudgom , engl, a 
bride, hridegroom; de RSßdd, de Redmon, der Rath, Ratbsmann. 

Au in u, als: de Shauch, der Schuh, pl. da SAtiAr. 

Äu in dli, als: jö Gaus, pl. Gdli«, Gänse; TäuSypl Täis, Zähne; 
in i», wie Gosefiäsh, Gänsefleisch. 

Ät4 in ou, wie: dat Sh&ujl^ da Shuule, die Schule; de St&^l, 
da Staule, de^ Stuhl; ino, als^: jö J7ät(ffm, ieHänstck, die Hand, 
der Handstock am Dreschflegel; jö Honkliess, der Handschuh; 
&9* in 4;, als: de Fat(^, da FqjU, der Fuss, engl, foot, pL feet, 
nd. Foot , pL Föht odei* Föth. 

le in ö undo, als: bün, de Bögel, biegen, der Bügel; tun, de 
Togel, ziehen, der Zügel; U-en, de Böge, biegen, der Bogen. 

le iau, als: Hewen, de Luwe, glauben, der Glaube, en^l. to 
believe. 

üe, ü inu und 5; als: de Süss, pl. da Suse, derBrunnen; dltt 
£Iö59, da Kluhse, das Tuch , die Kleider; düwwen, dat D^/*, tun- 
ken, die Tunke; snüwwen, dat Sri J/", schnauben, der Schnupfen. 

Ijj in ij, als: jö iVt{;d, fdßliek', die Noth, nöthlich, d. i. be- 
schränkt, eingeengt; in ä, als: ^11, dat ^ßer, alt, das Alter; 
und ij in (^', als: A^'^, de Häjtt, heiss, die Hitze, nd. hitt, dän. 
hedy engl, bot; in äj, als: hrijdd^ de Pr^'l, breit, die Breite, 
engl, broad, the breadth, dän. breed, en Brede. 

Die übrigen Verwandlungen der Vocale, deren es natürlich 
noch mehr giebt, werden bei der Wortbildung und dem unregel- 
mässigen Zeitworte vorkonmien. 



.-('1 



Uebergänge der Consonanten in andete, 

§.19. Wivif, als: grÄ^c», dat Greäf^ graben, das Grab; 
;^en, dut Jift, geben, die Gabe, beim Füttern des Viehes; 



16 

dawen, dat Dof, tunken, die Tunke, dän. at dyppe, ei^gl. to dip; 
sköwwen, dät Shof, ein Brett zum Yorschieben; jö Döwto, de 
Poffer, die Taube, der Tauber» Tauberich, engl, a dove; shöw- 
weHy dät Shöff, die Schublade; driufweUf löDrdft^ treiben^ i. die 
Trift, 2. der Trieb, dän. at drive, en Drift, engl, to drive, a 
drift ; shriwwen , jö Shrdft , schreiben , die Schrift ; smwwen , 
i. schnauben» 2. schnupfen; dat Snöf, der Schnupfen; stow*' 
wny stieben, d&t StSf, der Staub; grSwen, graben, jö Grmfi 
der Graben , u. s. w. . 

Umgekehrt wird ^wieder in w verwandelt, als: jö Grauf, pl. 
da Grauwe; dat Shöff^ pl. da Shmwinge; dat Kniffe da Kniwr 
wingey das Messer, der Kneif, dän. en Kniv, engl, knife; jö 
Wöff I wöunoen , das Weib , weihen , sich gatten u dat JSteef, da 
JStewe oder Stäwe^ die Fassdaube, engl, staff, pl. staves, dän. en 
Stav; dät Reef, i. der Fuchs, 2. Sandbank im Heere, das Riff, 
pl. Räwe, dän. en Räv; de Thief, dm Thiewe, der Dieb, engl, a 
thief , u. s. w. 

D und t gehen über in das weiche $, als: dät Bdd, da Böse, 
das Bad, dän. et Bad, engl, bath; fäjddeni ernähren, dän. at 
föde; jö FäihSy engl, to feed, food; dat Fat, pl. da Fahse, das 
Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän. et Fad; engl, a fat, yat; dat 
F(äA, da Fdhse, der Bottich, engl, vat; jö KäU^ de Käser, die 
£atze, der Kater, nd.de Katt, de Kaater, dän. en Kat, engU cat? 
biUen, de Bähs^ beissep, der Biss, nd. bieten, dän. at bide^ engl, 
to bite, a bite; splUten, de Splähs, spleissen, nd. splietcn, dän. 
at splide , engl, to split ; slidden , de Slähse > engl, to slide ; g^t- 
ten , jö Gaahs , giessen , die Gosse , dän. at gyde , en Gyde ; dat 
Spdty pl. da Spähse^ i. der Spiess, 2. der Spaten voll Erde beim 
Graben, so tief als das Blatt geht, engl. spit. 

SS und SS {s%) gehen in das weiche hs über, als: dat Lass, 
das Glied , da Lähse , die Gliedmassen ; de Smds , pl. da Smäh" 
se, der Schmied; de Süss, da Suse, der Brunnen, nd. de 
Soot; dat Klüss, das Tuch, da Klüse oder Kluhse, die Kleider, 
engl, cloth, pl. cloths und clothes; lüss, los, pl. luhse; snüss, 
snuhs, nett, flink, u. s. w. 

Ch und k in g , und g wieder in k, als: dat Tieeh^ pl. da 
Tiege, die Obersehenkel» Lenden, engl thigh; huch, pl. huge. 



17 

hoch ; dat Huget , die Anhöhe ; fueh , fuge , bange ; de Vch » die 
Wand; röchf röge, rauch, zottig; de Such^ der Zuber, u. s. w.; 
dat Feek , da Fäge , das Fach ; sluhggen , de Sliek , schlagen , der 
Schlag 9 nd. slaan, engl, to slay. 

§. 20. Die Hundarten der nordfriesischen Zunge sind , wenigstens 
auf dem festen Lande , den Halligen und in der Wyk auf Föhr , 
nirgends so abweichend» dass die Friesen sich nicht recht gut 
mit einander unterhalten können. Aber auf Helgoland, Amrum, 
Westerlandföhr und Sylt weichen die Hundarten so sehr von der 
Sprache der Westküstler ab, dass die gegenseitige Verständi- 
gung oft schwer fällt. Um einen ungefähren Begriff von den ab- 
weichenden Dialecten der nordfriesischen Bewohner der schleswig- 
scben Westküste in den Aemtem Tondem , Bredstedt und Husum 
zu geben, mögen hier einige vergleichende Zusammenstellungen 
d^selben dienen. Zuerst steht das friesische Wort nach der morin- 
ger Mundart und das deutsche zuletzt, als: 

dat Haad, Haud, Hawed, dän. Hoved, engl, head, das Haupt; 
iöWräll, Wrall, Wärl, Wörl, engl, world, dän. Verden , die Welt. 

jö H&ujnn, Häun, Haun, altfr. Hon, Hond, dän. Haand, engl, 
band, die Hand» 

de Bai, Däg, Deg, pl. Dege, engl, day, dän. Dag, der Tag. 

swa$U, swäit, engl, sweet, süss. 

wäiUy wäit, engl, wet, dän vaad, nass. 

dat Bjäm, Bern, dän. et Barn, das Kind. 

dät Swjärd, Sw^rd, dän. etSvärd, engl, a sword, das Schwert. 

de SirijU , Striet , engl a street , ein Gang in der Kirche , 
(Strasse). 

dat Bl&ujdd, Blaud, nd. und dän. BlOd, engl, blood,. das Blut. 

g&uidf gäud, gaud, nd. gut, goot, dän. god, engl. good,. gut. 

de Strwujfm, Sträun, altfr. StrOn, engl. Strand, der Strand. 

§.2i. Nicht minder wichtig für die Wortbildung ist die Verglei- 
chung der Lautübergänge in die verwandten Sprachen, wozu hier 
einige. Beispiele folgen mögen. 

A entspricht, mit seiner fünffach verschiedenen Aussprache 9 
meistens dem a im Deutschen , Dänischen , Angelsächsischen und 
Englischen, als: mögen, machen, nd. maaken, dän. at mage; 
angels. macian , engl, to make , und so in vielen ähnlichen Fällen. 



18 

Ae y ä entsprieht meistens dem e in den verwandten Sprachen , 
wo dieser Laut sich dem ä nähert, wie in Leben, geben, schwe*> 
ben, n*B:w., ulsx sträwen, i. streben, 2. sich über etwas strei- 
ten, dän. atsträbe, engl, to strive; ähsen, essen, nd. äten, dän. 
at äde, engl, toeat. EI)en so e, als; dat NSst, d. und engl. Nest; 
jö Fi^n, die Fenne, engL a fen; setlen, nd. setten, dän. at 
satte, engl, to set, u. s. w. Das gedehnte ie oder ih entspricht 
dem deutschen ei und ie, dem nd. ee, und dem dänischen tf , 
als: da Biene, die Beine, nd. und dän. Been, das engL hone; 
da Stienef, die Steine, nd. und dän. Steen, engl, stone; Slliene, 
allein, nd^. 'alleen, dän. alene, engl, elone; tienen , dienen, nd. 
denen, dän. at tjene; biese, beide, dän. begge, baade, engL 
both; mienen, meinen , nd. meinen , dän. at meue, engL to meam 
Dasselbe gilt %um Theil auch von dein geschärften i, das aber 
dem nd. ie und dem dänischen i doch öfter entspricht, als: dät 
Rick , das Reich , nd. Riek^ , dän. et Rige ; rick , reich , nd. riek , 
dän. rüg' (rig), engl, rieh; dät lAck, nd. dat Liek, dän. et Lüg, 
die Leiche; d^ Dick, nd. IKek, der Deich, dän. et Dige, engl, a 
dike. ^ 

0,0, entspricht, nach seiner dreifachen Aussprache, dem ge- 
dehnten 0^ und dem geschärften « im Deutschen und Dänischen, 
als: de Loge, die Lohe, dän. en Lue; kohl, dän. huul, nd. 
holl; de Mann, der Mann, engl, a man, dän. en inand; jö Känny 
die Kanne, nd. Kann, dän. en Kande, engl, a can; bannen ^ ban- 
nen, fluchen, dän. at bände, engL to bannish ; de Gon/ier, nd. 
de Ganner, der Ganser, Gänserich, engl, the gander, dän. en 
Gasse , von Gaas. 

Oe, ö, entspricht 'au, im, eu, o, u! s, w.-; als: jö Mohr, die 
Mauer, nd. und dän. Muur; dät £oAr, das Bauer, od. und 
dän. Buur; laren, lauem, nd. luren, dän. at Iure, engL to lufk, 
to lurch; holen, heulen, nd. hulen, dän. at hyle, engl, to howl; 
stöwwen, stieben, stäuben, nd. slöwen, dän. at stöve; drögen, 
trocknen, nd. drögen, engl, to dry, dän. at törre. 

V, u, entspricht dem ä, d, ä, 3, au undu, als: jö Swuhn, der 
Schwan , nd. Swön , Swaan , dän. en Svane , engl, ä swan ; dat 
Tulig, der Talg, nd. Tallig, dän. Talg, Talg, Tälle, engL tallow; 
de Gulig y der Galgen, dän. en Galge, engl, gallo ws; dät Hulem\ 



t9 

Hali9SiPoh luiD Jh^}udn, /engl balm:; iMiggen^ scfaUgeo^däik at 
slaae; nd. diiaD, engl., to slay; deiTu^A» der Koog, dän. Kog; 
de jS'ticA,: d^ Zuber; Jö Bahn, die Bofane, nd. de Bohn , dän. eo 
Bönne» engl, a bean; be fluch, er flog, dän. ban flöi; de Kwp^ 
der Kauf, nd. de Koop, dän, et Kjöb; Uipen, laufen, nd. lopen, 
dän. at lobe, engl, to leap; de Lup, der Lauf, nd. de Loop, 
dän. et Lob , engl a leap ; de Hup , der Haufe , nd. de Hupen , 
dän. en Hob» engl, a beap; hupen ^ bäufen, engl, to heap; jö 
Mudder, die Mutter, nd. Moder, dän. Moder, engl, motber; de 
Kunst, ^ die Kun«t. Eben so : munter , dumm , stumm , jö Null , die 
in allen drei .Spraddien ein^ sind; unh^ uns beiden; tunnern , don- 
nern; eng}, to tbunder; drunken, trupkep^ engl, dru^k, drun- 
ken; stunkeUf i. p$rticip;. von a/omtoi »r seblingep , verschlingen, 
schlucken , 9. schoiäcbtig , mit ^ eingefallen^ooi ' Baoche , engl, 
slimgutted , dän. slunken ■, in der zweiten Bedeutung ; jö HuH , 
die Mütze (Hülle) ; hunnert , hundert , nd. hunnert , dän.. hund« 
rede, engl, bundred; unner^ unter, nd. unner, dän. under, engl, 
under. 

Ve, üf aj entspricht oft dem deutschen o und dem dänischen 
0, als: de JMUs» der Tod, dän<. en Död, nd. deDood, engl, death; 
de Süss^ nd. Soot; früse^ fror, dän. fröbs (frös), engl, froze; lüss, 
los, dän. lös, e»gl. loose; rt(/VM, roth, nd. rod, dän. rod, engl, 
red; dö;dc(, todt, nd. dod, dän. död, engl, dead; dat Bruid, 
das Brot, dän. Bröd, engl, bread; jö Nuid, die Noth, dän. en 
Nöd (Nöbs), engl, need; dat I/#M, das Loth, dän. et Lod, auch 
die Gewichte an Uhren, .engl lead; de At/', der Kohl, dän. 
Kaal, engl cole; iifll^ alt, nd. ohld, altdäp. old uad ald, 
engl old; de S&idde^ der Sode, aus Torf oder Rasen , jid. de 
S(ki, engl sod; de Slüilt, der Wassergraben;, altdeutsch de^ 
Schlot, nd. Slot; dät BHjtt, das Boot, dän. en Baad, engl boat. 
Geschärft entspricht 6' nicht selten dem deutschen an, :als: tl2<^ 
aus, nd. ut, dän. ud, engl out; hutte, nd. hüten i das Gegentheil 
von hatme, binnen, inner, innerhalb, ütte, draussen, dän.ude; 
de Snütte, die Schnauze, nd. de Snut, dän. en Snude, engl 
snout; dat itti^, die Raute. Fensterscheibe, nd. Rut, dän. en 
Rüde; riUiet, gerautet, gewürfelt, von Geweben; de KlüM, Flick- 
läppen, dän. en Klud, engl clout. 

3 * 



20 

AMy aai, ealsprieht keinem Laute der verwand tön l^radien 
torzugsweise^, als: kuU, lass^faul. dän. loi, de Laaibänk , die 
Lotterbank , dän. Loibänk ; glaaien , schlüpfen , entwiiscben ; itraaien , 
gemächlich einhergehen; maüen, winken; spaaiten, spritzen; 
jö Flaaü , die Flöte , nd. de Flaut , dän. en Flöite , engl, flute ; 
flaaüen^ i. flöten, 2. pfeifen mit dem Hunde; maai, so ziem* 
lieh; Foote, Vater, in der Anrede; Klaai, Nicolas; BatUf i. In- 
geburg, 2. der Boi, ein Zeug; raaieln, taumeln, engl, to reel; 
simaien , dän. at svaie , schwenken. 

u/if äiy entspricht theilweise dem deutschen ä und et, als: 
de Wäien, der Wagen, nd. Waagen, dän. Vogn, engl, wag- 
gon; dat Jti^ das Ei, dän. et Ag, engl, egg; läiden\ nd". läiden, 
blitzen , engl, to lighten , de Läid , der Blitz ; dat Wäi , der 
Wattich, die Molken, dän. Yalle, engl, whey; de Kiäi^ der 
Klei, nd. Klei, dän. Klik, engl, clay; räkln, einen Faden ein- 
reihen , dän. at rie; jö Fläiel, der Flegel, zum Dreschen, engl, 
a flail. 

'Ai, at, entspricht oft dem deutschen ei, dem plattdeutschen 
und dänischen ie , als : bäi, bei , nd. und dän. bi , engl, by ; de 
Bräi, der Brei, nd. Brie; fräien, freien, nd. frien, dän. at frie; 
/rai^ , heirathssüchtig , nd. friens; daien, gedeihen, nd. däi6n 
(dän. at trives, en^l. to thrive); skräien^ schreien, nd. schrien, 
dän. at skrige, engl, to shriek; späten, speien^ nd. spien, dän. at 
spy; krdien, krähen, nd. kreien, engl, to crbw; siien, nähen, 
dän. at sye, engl, to sew; wäien, i. wehen, dän. at vaie, nd. 
waien, engl, to waye; 2. trauen, ein Brautpaar, dän. at vie^ das 
deutsche: weihen. 

A'i, 4/, entspricht dem geschärften i, e^und ä im Deutschen, 
als: de EajUy die Hitze, nd. de Hit, dän. en Hede, engl, the 
heat; drdmken, trinken, nd. drinken, engl, to drink; sdinken, 
sinken , dän. at synke , engl, to sink ; wtUnhen , wiüketi , dan. at 
vinke, engl, to wink; slainken, schlingen, schlucken; de Famger, 
der Finger, nd. dän^ und engl, ebenso; de Hainger, der Henker^ 
krdinken, kränken, dän. at kränke; de Swaingel, i. der Schwen- 
gel , 2. Schlegel am Dreschflegel ; dat A'ingel , der Engel , dän. 
und nd. ebenso, engl, angel; deSn4;^^, der Schnitzer d. i. Tisch- 
ler, dän. en Snedker (Snitker); da Rainke, die Ränke, dän. Rän- 



2i 

ker; de Gdjnger, der Gänger, dän. en Ganger und en Gänger; 
IßjU, klein, nd. löftt, dän. lille, engl, liule; ktahgernr, klingeii; 
dan. klingre; de Laingde, die Länge, nd. de Längd, dän. en 
Längde und en Länge, engl, the length u. s. w. 

Aei, Äi, äi, entspricht dem deutschen ü, üh, a, e, und ä^ 
als: späilen, spülen, nd. spölen, dän. at spöle; dat Späiling , das 
Spülicht, dän. Spöl (Spöhl); käilen, kühlen, nd. kölen, dän. at 
kjöle, to eool; räiren^ rühren, nd. rören, dän. at röre; ßUen^ 
fohlen, nd. fölen, dän. at föle, engl, to feel; fairen, fähren, 
nd. foren, at fSre, u. s. w. ^ Da Cäis, die Gänse, nd. Göhs, 
dän. Gjäs, engl, gcese; da Täis, die Zähne, engl, teeth; de Tai- 

rem, der Darm, dän. en Tarm; de Airetn, der Arm — ; 

wäir, wahr, nd. waar; nöi, nahe, nd. n^g, engl, nigh, (near), 
dän. när; dat Shäip, das Schaf, nd. Schaap; de Släip, der 
Schlaf, nd. Slaap, engl, sieep; släipen, schlafen, nd. slaapen, to 
sleep ; de Bäirig , der Berg , nd. de Barg , dän. et Bjerg ; äirig , 
arg, nd. ebenso, dän. arrig; dat Bäist, die Bestie, das Rind, 
nd. dat Beest, dän. et Bast (Bähst); bäisHg , nd. beestig; de Däi, 
der Tag, nd. de Dag, dän. ebenso, engl, day; ick däi, ich that, 
nd. ick dähd , engl. I did ; dat Häier , das Haar , nd. ebenso , 
engl, hair; läi, lag, engl, lay; jö Shmer, die Schere, nd. Scheer; 
jö Stair, der Stern , engl, the star. 

Au, au, weicht sehr ab, als: jö Grauf^ nd. de Groof, dän. 
en Gröft, (die Gruft) der Graben; aüwer, über, nd. öwer, 
dän. und engl, over; auf, ab, nd. ond dän. af , engl, of , off; de 
Maude , die Mode , nd. de Mood , dän. en Mode , engl, mode ; jö 

Rauhs, die Rose — ; de Auwen, der Ofen , nd. en Aaben,- dän. 

en Om, engl, the oven; de Brauser, der Brüder, nd. und dän. 



* Um unnöthige Wiederholungen zu vermeiden, will ich hier 
bemerken , dass die Zeitwörter mit at dänisch , die mit to eng- 
lisch sind , wodurch also die bisherigen Andeutungen » dän," und 
9 engl" bei dieser Wörterklasse wegfallen können, und zweitens, 
dass drei Striche, wie im Folgenden nach i^Arm" »Böse" u. a. 
anzeieen sollen , dass diese Wörter in den übrigen verwandten 
Sprachen , im Deutschen , Niederdeutschen oder Platldeutschen , 
Dänischen, Englischen, Friesischen, Allfriesischen und Nordfrie- 
sischen ebenso lauten. 



22 

Br94(9r»' eng]^ brother4.jö Auhs, die Qe^e; d», Slaule, die äjLüMe; 
d^ Shßtde, die Sdiulen; äu ist eben so abweichende 

Aei^, at^, entspricht jdem deutsehen u am meisten, als: de 
Hämjddj der Hut, nd. de Hood, dän. und engl, hat; gät^dj 
gut, dän. god, engl, good; diSit Bläujdd, das Blut, nd. und 
dän. Blöd, engl blopd; jö Rmjli, die Wurzel, altdeutsch: BoUt 
daher; ausrotten, dän. en Rod, engl, a root; dRi Mäujd, der 
Muth, nd. de Mpd, Mot, dän. Mod, das. engl, mood; jö Fläu^ddi 
die Fluth, nd. de Floot, dän. Flod (L Flohs), engl. |lpod; dal 
Saujtty d^ Russ, nd. Sott, engl spot; de Stäujl^ derSt^hl» dänf 
und nd. Stol, engl, stool; dat Shm^l, die Schule ,.-nd. de;Sohool-| 
dän. en Skole, engl, a sqhool; jö Brä^jim, die Feuerdbrunst ; däi 
£ät{;i| (s. die Anmerkung^, zu §. 17); dp; Fok^, der FustS., 
nd. Foot , dän, Fod , engl. foot. 

I[j f V (^s ®rstc i M^ 4^^ Yo^^al, das zweite der Consonant) ; sie 
entsprechen dem deutschen et, als: dat £^, das Bein^ pd. und 
dän. Been, engl, a bone; de Slijn, der Stein, nd. und dän. 
Steen, engl, stone; lijdden, leiten,, verleiten, at lede, to lead; 
brijdd, breit, nd. und dän. bred, engl, broad; de WijUe, der 
Weizen, nd. de Witten ^ dän.^ Hyede, «»gl. w^eat; 6r(^ei}, aus? 
breiten, dän. at brede, z. B. bred; Dugen , brijd 'e BSrdauk, lege 
das Tischtuch auf. In den Wörtern J^'d , der T(»*f, fjll, Feuer 
und ](jllinge, die Feuerung, li^s: ibjdd, ihjll, ihjUinge, Das frie- 
sische fjü klingt ganz wie das dänische /M^. Feuer ^ und i&t 
auch dasselbe Wort. 6^, Geld; bijUj nd« beet, dän. bed,,engL 
hit ; styUeUf stossen, nd. stöten, :at.stöd<s. <. 

Öi, äif weicht sehr. ab, als: tdie», thauen, nd. dauen, at töe, 
to thaw; snoien^ :winden, drehen, at snoe; shöi^, schuhen» die 
Pferde, at skoe, to shoe a horse; smäien, 1. aufstülpen, at 
smöie op; 2. schmähen, in forsmöien, at forsmäde; — ßi! pfui; 
röien, rudern, at roe, to row. 



■<Nt^ 



c. Die Consonanten. 

§.22. Bf b, entspricht dem b der verwandten Spraclicn , beson* 
dcrs zu Anfang eines Wortes , als: de Bank, die Bank, dän. Bank, 



25 

engl, bank; dat Bläujdd, das Mut; blajdden, bluten, nd. blöden, 
at blöde, to bleed; br&jdden, brüten) nd. bröden, to breed; i 
krünnj braun, nd. und dän. bruan, engl. broWn; de Buhmm, 
der Baum , nd. de Böhm , dän. en Born , engl, tlie beam , an* 
gelsachsisch : B^am ; dat Bauck , das Buch , nd. dat Bok , dän. 
enBog, engl, book, angels. Boe; jö Brägen y altdeutsch: der Brä- 
gen, nd. de Brägen, engl, thc brains; jö Bräjdd, die Braut, 
engl, bride, angels. Bryd; dat Bjarn, dän. et Barn, angels. 
Bearn ; de Brauser , der Bruder, nd. und dän. Broder, engl, bro^ 
ther-y angelsi Brother ; brännm » brennen , at brande ; angels. 
baman, to bum; bitten^ beissen> nd. bieten, at bide, to bide, 
aagefls. bitan; bägeH, backen, at bage, to bake, angels. bacan; 
breksen, flechten, angels. bredan, to braid; belücken^ einsperren, 
angels. belecan , u. s. w. 

In der Ifitte eines Wortes wird das deutsche b im Friesischen 
am häufigsten durch w vertreten, als: bleiben, bltumen; reiben, 
rivmen; schreiben, ahHwtom; treiben, driwwen;^ leben, Uwen; 
lieben , liewen ; schnidben , snomwen ; stieben , stöwwm ; klauben , 
ü&wwen ; schieben , shöwwen ; kleben , hläwen ; kliebeti , kliewen ; 
graben^ grewen; gehen, jewen; schweb^o, swäwen; streben, sMk 
«c», u. 8. w. 

§.25. D , d, zu Anfange eines Wortes wie in den verwandten 
Sprachen, als: de Dat, nd. und dän. en Däg, angels. Dag, engl, 
day; jö DSgter^ nd. Dögter, dän« Datier, angels. Dohter, engl, 
dau^ter; düjn, nd. dohn, angels. don, to do, done; düf, 
nd. doof, dän. döw, engl, deaf; de DtAs, nd.de Dod, dän. Död, 
engl, death; dat Dijl, 1. <ler Theil, 2. das Ding^ nd. und dän. 
en Deel, engl, deal; de DruAm, nd. de Drohm, dän. en Drom, 
engl, adfream; drainken, nd. drinken, to drink; jö Doww, nd. de 
Duw*, dän. en Due, engl, a dove; diep, nd. deep, dän. dyb, 
engl, deep; de Drapp^ en Drüpp, dän. en Draabe, engl, a drop; 
düjd, nd. dod, dän. död, engl, dead; jö Daah$\ nd. de Daad, 
dän. en Daad (1. Daahs) , engl, deed ; de Dauwel , nd. Düwcl , dän. 
Djävel, engl. devil,u. s.w. Die diesen entsprechenden hoch- 
deutschen Wörter haben alle T statt D zum Anfangsbuchstaben. 
Steht d verdoppelt in der Mitte eines Wortes, so haben die 

verwandten Sprachen keine ihm entsprechenden Laute , als : lad- 



24 

den, liegen; bddden, bitten; ledden^ legen; l^dden, leiten; i^d* 
dem, bielen; gUdden, gleiten; sträddem, greten» grätschen; gmid^ 
den, skh schütteln, vor Ungeadefer oder Jucken; Imädem^ üth 
balzen, wie die Hühner im Staube, u. s. w. 

§.24. Auch die AnfangsbuchsUben F, G, H, K, L, M^N^P, 
R, Tf W 9 entsprechen den gleich^i Lauten in Wörtern aus den 
verwandten Sprachen , als : dat FeeU , das Fest , nd. und dän« 
Fest, engl, feast; jö Feest, die Faust, nd. Fust, engL tbe fist; 
de FUUfi, der Flachs, nd. Flass, angels. Fkax, engl flax; fer, 
fem, dän. ijem, angels. feor, engL Dur; de Fögel, der Yogel» 
nd. Taagel, dan. Fugl, engl fowl; de Fidder, der Tater (als Er- 
leuger), nd. de Faader, din. en Fäder, angels. Fäder, engL 
father ; jö Fläiydd, die Fluth , nd. de Floth, dän. Flod (L Flohs), 
angels. Flod, engL flood; fresen, fressen, nd. firäten, to'firet, 
angels. fretan; fäUen, fallen, at falde, to fall, angels. feaUan; 
ßeu, fliegen, angels. fl^n, to fly. So auch mit dea übrigen 
dtt angeführten Buchstaben , als : gröten , nd. gröten , angels. gre- 
tan, to greet; de.^JMa, ei^L the gleam; hSIpen, helfen, nd. 
helpen, angds. helpan, to help; jö Häp, nd. de Hülp, engL 
help ; können , kmmen , at kjende, to kexk; Ißitten , lassen , nd. laa- 
ten, at lade, to let, angels. lätan; de Maune, der Mond, nd. de 
Maand, dan. en Maane, angels. se Mona, engl, the moon; de 
Neke^ der Nacken, nd. de Nack, en^ the neck; de Name\ 
der Name, nd. de Naam, dän. et Navn, engL the name; jo 
PUnt, die Pflanze, nd. de Plant, din. en Plante, engL a 
plant; rick, reich, nd. riek, dän. riig, engl, rieh; de /ttfm, der 
Regen , angels. h6n , engL rain , u. s. w. 

§.35. Es ist schon firüher bem^^Lt worden, dass das weiche s, 
mit dem englischen und isländischen <A, sowie mit dem dänischen 
d am Ende eines Wortes nach dnem Tocale nahe Ycrwandi ist, 
und dass es (nach Rask), Ycrdoppelt, wie das z der Holländer 
ausgesprochen wird. AUe diese Buchstaben bezeichnen sämmtlieh 
ganz sanfte Säusellaute. Die danischen Wörter dieser Art wer- 
den beinahe so ausgesprochen , als wenn sie hs zum Endlaut hät- 
ten, ds: en Baad, et Bad, Gud, Död — ein Boot, ein Bad» 
Gott, Tod — werden Baahs, Bahs, Guhs und Döhs ausgespro- 
chen; so nun auch in folgenden friesischen, als: Uhsen, gelit- 



25 

ten; sühssen, i, sausen. 2. Süden; grihesen^ graüäen; lihssen^ 
leiden; jö Nähs, dieNuss; de Splähs, die Spleisse; jö jRa»^, die 
Reise; jö Slöhs, die Schleuse, dän. en Sluse^ engl, sluice; jö 
Rauhs, die Rose; jö Dimhs, die Dose; dat Wahser, das Wasser; 
sihsseny tischen; mhssen, weisen; jö Daahs^ die Tbat; jö 
Braahs, der Braten; jö Shiehs, die Scheide; de Slahse, der 
Schlitten; de Hiehs, die Heide, (Land); de Bohse, der Bothe; 
de Hiesey der Heide; de Bähs, der Biss; jö Gaohs, die Gosse; 
dat Lähser, das Leder; de Srmhs^ der Schmiss, u. s. w. 

§. 26. Die hier angedeuteten Lautübergänge der verwandten Spra- 
chen in einander mögen als Fingerzeig dienen , um überall ähnliche 
Yergleicbungen anstellen zu können, wo diese sich dem geneig- 
ten Leser darbieten. Wenn auch in der Rechtschreibung einige 
Abweichungen und Unregelmässigkeiten vorkommen, so stehen 
doch wenigstens die Tonzeichen überall richtig, was die Aus- 
sprache leichter und sicherer macht. Oft gränzen aber einzelne 
Grundlaute so nahe an einander , dass es schwer fällt , zu ent- 
scheiden, welcher Laut der richtigere sei, z. B. in Mudder oder 
Modder^ Mutter, nd. Moder; tunnem oder tdnnern , donnern , u. s. w. 
In ähnlichen Fällen können auch einzelne Unregelmässigkeiten 
bei der Verdoppelung der Endconsonanten vorkommen , wie z. B. 
bei was oder wätt, Wdt ist nämlich, 1. was, 2. etwas, 5. wir 
zwei oder wir beide, als erste Person im Dualis, wo jdi oder 
j(Ut die zweite bezeichnet. Die angenommene Regel erlaubt nur 
da die Verdoppelung der Endmitlauter , wo die Verlängerung des 
Wortes sie doppelt hören lässt , wie in : grott , gross , de grotte 
Mfönn^ da grotte Mann oder Mörme; oder wo sie in der Mehr- 
heitdoppelt vorkommen, wie in: jö Trüss, da Trüsse, die Kröte; 
dat Bill , da Bille , das Bild , u. s. w. Dät Fat , die Schüssel , 
nd. und engl. Fat, dän. Fad, klingt ganz wie fätt, fett, engl, 
fet ; jenes hat aber im Pluralis : da Fahse , dieses im männlichen 
Geschlecht und in der Mehrheit: fälle, als:. de fätte Römmi da 
foMe Römme , engl, the fat ram , der fette Widder. Das h 
braucht nicht immer als Zwangsdehnungszeichen zu stehen, wo 
das 8 sieh der vorangehenden Sylbe von selbst als weicher, 
sanfter Säusellaut anschliesst, wie in: räisen, reisen, kläisen, mit 
deiv Nägeln kratzen ; aber : jö Räihs , jö Kläitis , weil diese Wöif- 

4 



26 

ter weit gedehnter ausgesprochen werden» und so .in allen ähn- 
lichen Fällen. Auch können die Laute des ü und ö oder üh 
und öh leicht mit einander verwechselt werden, wie z. B. in 
sühssen oder söhssen, sausen; brühssen oder bröhssefi, brausen, 
wo das ü geschärft , aber das ss ganz weich ist. Die verwandten 
Sprachen haben hier u und au , aber keine Beispiele , dass ein 
Yocal vor einem h je geschärft wird. In den Wörtern flösig , nd. 
flödig, leicht, schwach, brösig, nd. brösig, widerspänstig , hat 
das die plattdeutsche Aussprache , wie in dösig , Möhl , nölen , 
u. s. w. •. 



'%/V\i 



ZWEITES CAPITEL 



CLASSENEINTHEILUNG DER WORTER. 



§. 27. i. Das Hauptwort, {Nämurd, Nennwort), ist der Name 
eines Gegenstandes, als: de ^pel, der Apfel; de Bukmm, der 



^ Bald tritt die Wörterähnlichkeit der hier mit einander ver- 
glichenen Sprachen mehr in der Schreibung, bald mehr in der, 
in jeder der verschiedenen Zungen eigenthümiichen , Aussprache 
der W^örter, und bald in beiden zugleich deutlicher hervor, was 
alles sorgfältig zu berücksichtigen ist. Nehmen wir z. B. 'das 
fries. Wort ßäi, Däy, und das en^l. day, so ist Schreibung 
und Aussprache fast eins ; eben so mit dem Worte Thief, das ia 
beiden Sprachen gleich lautet. Das friesische Thig , Thieg oder 
Tteg , und das engl, thigh , würden , nach deutscher Aussprache , 
ganz gleichlautend sein, aber hier spricht der Engländer: thei 
oder dhei. Dat Knif, der Kneif, dän. Kniv (1. Kniew) , engl, 
knife, sind ähnliche Beispiele. Hier würde das englische Wort 
ganz mit dem deutschen in der Aussprache zusammenfallen und 
beides Kneif \auien, wenn der Engländer sein k mitausspräche. 
In den Wörtern: de Fäujtt, pl. Fajtt, engl, foot» pl. feet, nd. 
Foot, pl. Föth, liegt die Verwandtschaft näher, als im Hoch- 
deutschen und Dänischen: derFuss, die Füsse, en Föd, Födder, 
obgleich auch in den letztern die Aehnlichkeit nicht zu verken- 
nen ist. 



27 

Baum; jö Stäir^ der Stern; de Dühs, der Tod; dat lAf, der 
Unterleib, 2. das Leben; dat Läwent , 1. das Leben, ± der 
Lebenswandel; dat Aller, das Alter; de Grause, i. die Gruse, 
2. Waehsthum der Pflanzen , dSn. en Gröde ; de Luwe , dor 
Glaube ; dat Feest , das Fest » u. s. w. 

2. Das Geschleehtswort bestimmt das sprachliche Geschlecht 
der Haupt- und Bestimmungswörter» und heisst: de^ der, jö, 
die, däi^ das; im pl. dd, die; unbestimmt': an und en oder 
'n d. L ein , eine. 

3. Das Bestimmungswort , (Baiurd, adjectivum), giebt die Merk- 
male der Dinge an, sls: groU, gross; l4jUf klein; rßjdd, roth; 
i^U, alt; huch^ hoch; läig^ niedrig; lähs, spät; n^, reifi sHff, 
steif, u. 8. w. 

.4. Das Zahlwort, (STältirti, numerale), giebt entweder eine be- 
stimmte oder eine allgemeine Zahl gleichartiger Dinge an , oder es 
bestimmt die Ordnung und Aufeinanderfolge derselben, als: ßauer 
D^ge, vier Tage; segs Wäge, sechs Wochen; tumnlig Shallinge, 
zwanzig Schillinge, u. s. w.» oder: faale Fäujlk» viel Volks; man- 
fiing Hünne, viele Hunde; arken Hanshe, jeder Mensch; älk 
Manshene, alle Menschen; oder: de jarste, der erste; de lähsere, 
der zweite; de iredde, der dritte; de fierde, der vierte; de ISste, 
der letzte. 

$. Das Fürwort, {Stihsurd, pronomen), steht statt eines Haupt- 
wortes oder vertritt dessen Stelle, als: de Honn as sierem kronk, 
he wdrt wäjl stäirwe; der Mann ist sehr krank, er wird wohl 
sterben. Solche Wörter sind femer : /c& , ich ; dö, du; he, er; 
jö, sie; dät, es; hat, es; we, wir; i^a^^ wir zwei; jatt, ihr zwei; 
jdm, ihr; ja, «e. So auch: niemmen, niemand; Asm, wer, je- 
mand; sönän, sanißn, ein solcher, eine solche; son, socken, sock, 
solcher; desetwe, josellew, dätselkw, derselbe, u. s. w., pL da- 
fäwe. 

6. Das Zeitwort, {Tiddurd, verbum), zeigt entweder ein Han- 
deln oder ein Geschehen oder ein Bestehen an, als: mqjdden, 
mähen; hi^llen, halten; jewen, geben; Hm, biegen; sldipen, 
schlafen; fruen, arbeiten; ladden, liegen; wägsen, gräten, wachsen; 
hestäxijnnen , bestehen; hijnnen, i. auffangen, mit den Händen, 
2. sidi ereignen , begebe , zutragen ; tvesen ^ sein : z. B. de 

4 * 



28 

Hünn holet, der Hund heult; dat rinnt, es regnet; ick gung, 
ich gehe , u. s. w. 

7. Das Umstandswort , {Amstandsurd , adyerbium) , giebt einen 
Umstand an , z. B. m^n Brauser h£t hirt lungens wähn , mein Bruder 
ist längst hier gewesen ; he h^t hirr näjlke , kaurtliok , dilling , 
nntenne , . anjürsne , märling , faar en laiet » noch äi wähn , er ist 
hier neulich , kürzlich , heute , gestern Abend , gestern , heute 
Morgen, vor einer Weile, noch nicht gewesen. So auch hirr, 
hier; dirr, dsLijäfiner, dort; aw 'e janneregge , jenseits, u. s. w. 

8. Das Yerhältnisswort, [Faartird, praepositio) , bestimmt das Yer- 
hältniss der Gegenstände zu einander , als : äujn 'e Dömsh , in 
der Stube; aw't Haad, auf dem Haupte; faar me, efter, unner, 
auwer, bäi, enädre me, vor mir, nach, unter, über, bei, hinter 
mir. 'Aw'e janneregge de Struhmm, jenseit des Stromes; to me, 
zu mir; fon de, von dir; am, um; dp, auf; auf, ab; efter, nach, 
dän. efter, engl, after, und das altdeutsche after, wie in after- 
reden , Afterkorn , u. s. w. 

9. Das Bindewort , {Binnurd , conjunctio) , giebt das Verhältniss 
der Sätze zu einander an, und verbindet sie zugleich, als: Wahn 
dö äi mä wäth, so kaast 't läjtte, aurs dann föhst ock nint to sie- 
en; Wenn du nicht mitwillst, so kannst du es lassen, aber dann 
bekommst du auch nichts zu sehen. Die Wörtchen: wann, so, 
uurs verbinden hier die Sätze mit einander. Solche Wörter sind 
auch folgende, als: an, und; also, also; sögaar, sogar; äi al- 
liene — aurs ock, nicht allein — sondern auch; wihsser ick, un- 
tig dö, weder ich, noch du; ävjntwihsser — r untig , entweder — 
oder; dirr faar , daher, u. s. w. 

10. Der Empfindungslaut, (Interjectio) , drückt eine Empfindung 

.oder eine Gemüthsbewegung und dergl. aus, als: oh! ohä! fm! 

hallep Göd! hilf Gott! Gäd bewäre! fui! hurräh! hallo! Bat de 

de Hajnger! Dass dich der Henker! Väuwel ock! den Teufel 

4iuch 1 ! 



«JMta 



* Als Ausrufungen , Verwünschungen und Flüche werden auch 
folgende Ausdrucke gebraucht, als: Dät de de Kukuk; dät de de 
Raawefi (mir nicht erklärlich); dät de de Wütinen! oder de Fiwün" 



29 



DRITTES GAPITEL 



DAS HAUPTWORT. 



1. Arien desselben. 

§. 28. Das Hauptwort ist entweder ein Gattungsname (nomen 
appellativum] , ein Stoffname (nomen materiale), ein Mengename 
(nomen eoUectiyum) , oder ein Eigenname (nomen proprium). Diess 
gilt jedoch nur von solchen Hauptwörtern , die wirkliche Dinge 
oder sinnfällige Gegenstände bezeichnen. 

Bei den Gattungsnamen, deren Anzahl die grösste ist, nehmen 
wir auf die Gestalt oder Form, auf die Arten , Geschlechter und 
Gattungen der Dinge Rücksicht, als: de Mann, der Mann; jö Tfo/f, 
das Weib; de Trog, der Trog;/o Pupp, die Pfeife; de Hünn, der 
Hund; de Buhmm, der Baum; jö Ihk, die Eiche; jö Bäjk, die 
Buche , u. s. w. . • 

Bei den Stoffnamen sehen wir bloss auf den Stoff oder die Be- 
standtheile der Dinge, als: de JQät, der Klei, Thon; dat G&ujlU 
das Gold; dat Spek, der Speck; dat Flash, das Fleisch; jö Böser ^ 
die Butter; dat H5U, das Holz, dat Wähser, das Wasser; dat 
märt, das Harz; dat Pack, das Pech; de Tjäre, der Theer; dat 
MUe^ das Blei, u. s. w. 

Der Mengename fasst eine Anzahl gleichartiger Dinge susam* 
men, als; dat Fäujlk, das Volk, die Leute; da Söshene, die Ge- 
schwister; dat Kaum, das Korn, Getreide; dat KrMd, das SehiesS' 



neu, dass dich die fünf Wunden (Christi nämlich) brennen oder 
schmerzen mögen. Bat de de Däuwel , de Bmner , de Bäuker , de 
Läutsher! (lauter Benennungen des Teufels); dät de de Bäcker ! der 
Schinder, sonst: de Bäcker! de Kränked, de Segt, u. s. w. die 
Pest, die Seuche befallen möge; G5d straaf me! God fordamm 
me! sömdd, bei Gott, wenn man etwas bekräftigt. Versichernd: 
$ö tnijn, allerdings; j(iti;a;7, jawohl; faarwäir, fürwahr; wjärlkk, 
wahrlich; häi Good! bei Gott, s. sömöd! ja, dö söged ock! Ja, 
du solltest wohl ! oder : ei , warum nicht gar ! u. s. w. 



30 

puIver-Kraut, noch in: Kraut und Loth, dän. Krudt; dät Gjärs^ 
das Gras; dat Brüjdkrüdd, der Kümmel; dat Sträi, das Stroh; 
dat Födder, das Heu; da u/gene, die Spreu, dän. Avne. 

Durch die Eigennamen unterscheidet man einzelne Gegenstände 
derselben Art oder Gattung noch besonders von einander. Tage, 
Monate, Länder, Erdtheile, Wohnörter, Wälder, Berge, Gewässer, 
Gestirne, einzelne Sterne, Götter und Göttinnen, auch Thiere 
z. B. Hunde u. s. w. haben Eigennamen, als: de Sändäi, der Sonn- 
tag, de April, jö Türkai ^ Europa, Hollmjnn, Holland, dat SäU» 
hef, das Salzmeer, Blocksbäirig , jö Saawemtäir^ das Siebenge- 
stirn, de Sirius, Odin, Freiä, Molach, Karo, u. s. w. 



2. Bildung des Hauptwortes. 

§. 29. Die Hauptwörter sind theils Stamm- oder Wurzelworter 
j(Urwörter, primitive), theils abgeleitete oder aus andern gebildißte 
(derivata), uod iheUs zusammengesetzte (compodta). Von der er- 
stea Art sind z, & folgende: jö PoÜ, der Topf; de Gräitfi,:der Girund; 
däi BÜSS, das Haus; jö Kö, die Kuh, u. s. w. Sie sind meistens 
einsilbig. Abgeleitete sind z. B. folgende, als: de Meiler, von jö 
Meilen, der Hüller, von Kühle, oder Möller von dem nd. de Höhl; 
4e Fdsher, der Fischer, von Fdsh, Fisch; groU, de GroUense, 
|;ros, die Grösse; Uewen, de jLutoe, glauben, der Glaube;'de Släip, 
der Schlaf, von släipen, schlafen; de iliu^, deHuge und dat JJiige^, 
die Hohe , ytm hug , hoch. Zusammengesetzte sind : jö Buhmm^ 
shiess, der Rahmlöffel ; Buhrnmull, BsLumwoWe; dRlLaummeflSsh, 
das Lammfleisch ; Wöffesamlmg , Weiberversammlung bei einer 
Crebährendan ; Däisljägt^ Tageslicht; Düwwehüss, Taubenhaus; 
Mäisierstock, Heisterstück. 

§. 50. Von einsilbigen Hauptwörtern ohne bestimmte Endun- 
gen und Nachsilben, unter denen die meisten Stanunwörter sein 
mögen, wollen wir zuerst einige der vorzüglichsten anfuhren. 
Es sind folgende, als: 

jö Aagt, die Achte, 8. dat u/i, das Ei. 

jö udgty die Acht, Achtung, Ob- jö Ahl, Grossmutter, 
acht. jö jfgs, die Axt. 



51 



d&t ji'mJt, das Amt. 

jö Aaxt^ die Art. 

jö Jrt, die Erbse. 

dat ji^s, das Aas. 

d&t A'^, das Daus. 

dat AhX, die Mistjauche. 

de Alk, der Iltis. 

jö Auh%t die Oese. 

dat Ajik, die Stute. 

de 4;7, der Aal. 

dat Ax$, das Aas. 

dat Äh^ das Thor. 

dat Jlty die Narbe. 

jö Bwm, i. die Bahn, 2. Rain- 
farren. 

jö Baar, der Bär. 

dat Bad, das Bad. 

de Bäiik^i die Bank. 

jö JBa», die Beere. 

jö Biqg, der Bau, das Gebäude. 

de Bah& , nd. Baas , dän. en 
Bähs. 

dat Board, das Brett. 

jö Bäjk , 1. die Buche , % die 
Beuche. 

dat Bäujl^ die Hütte. 

dat Baus, die Erdhütte. 

dat fanfty das Buch. 

dat Bedd, das Bett. 

dat Btdd, das Beet, Gartenbeet. 

jö £i, die Biene, dän. en Bi. 

de Bijnn, i. der Band, 2. das 
Band. 

dat Bijn, das Bein, der Unter- 
schenkel. 

dat Bill, das Bild. 

dat Bier, das Bier. 



dat Büt, die Wuhne im Eise. 

dat Bit, die Pfeifenspitze. 

de Bähs , i. der Biss , 2. die 

Schneide, 
jö Birk, die Birke, 
dat Birk, der Birkdistrict. 
jö BUch, das Laken, dän. et 

Lägen, und: en Blee. 
jö Blähs, dän. Blüs. 
jö Bläihs, die Blase, 
dat Bläk, die Dinte. 
de BUjnky der Schimmer; dän. 

et Glimt. 
dat Bleess, das Blatt, 
dat Block, der Block, 
jö Btwht, i. die Bucht, 2. die 

Oberhand, der Sieg, 
de Boll, der Bolzen, dän. Bolt. 
jö Buss, die Büchse, dän. Bosse, 
dat Bär, der Bohrer, dän. et Bor. 
dat -ßra*, diieNoth, der Mangel, 
de Bräi, der Brei, die Grütze, 
jö Bräjdd, die Braut, 
dat Bräif, der Brief. 

» 

de Brück, der Brauch. 

dat Brüjd^ das Brot. 

dat Brdtt, die Tafel. 

jo Brdll, die Brille. 

jöBrdmhs, i. die Bremse, Stech- 
fliege. 2. die Bremse zum Brem- 
sen der Pferde. 

de Broddy i. der Stift, 2. der 
Stachel, dän. en Braad. 

jö Brö, die Brücke, dän. en Bro. 

dat Bjärd, der Bart. 

dat Bjdrti , das Kind , dän. et 
Barn. 



32 

jö Bjärst, die Borste. jö Döhr, nd. und dän. en Dör» 
de Bück , der Bauch , nd. de engl. door. 

Buk, dän. Bug. de Dörensh, die Stube, 

dat fiunn, das Bund, das Bündel, de Damm, der Damm, 

de Buhmm, der Baum. jö Drdfl, i. der Trieb, 2. die 
de Bush, die Büchse, als Be- Trift , 5. die Auffahrt nach dem 

hälter. Hause, 4. der Nachdruck, 

jö Burst, die Brust. jö Druhg, i. die Traube, 2. die 
de Bush, der Busch, der Strauss. Milchseihe, 

dat BajU , das Boot. de Dräpp , der Tropfen, 

jö Buhn , die Bohne. de Drall , der Drillich, 

de Bunk , der Haufe , dän. en de Dunst , der Dunst. 

^Bunke. dat Diert, das Thier, nd. dat 
dat Bohr, das Bauer, nd. und Deert, dän. et dyr. 

dän. Buur. dat Eesh , die Asche, 

de Board, das Frühstück, dän. jö Eesh, die Esche. 

Davre. de Eesh, die Schachtel, dän. en 
de Dämp, der Dampf. Aske. 

4 

de Dauk , das Tuch. de Enn , der Abend. 

de Däi, der Tag, engl. day. jö EIm5, das Almosen, engl. alms. 

de Ddsh , das Schälchen, jö Faan , die Fahne. 

jö Dauhs, die Dose. dat Fdck, die Ficke. 

de Die, der Teig, dän. Dei. de Fäll, der Fall, engl. fall. 

jö Diek, das Grübchen. jö Fäll, die Falle. 

dat Dijl, 1. das Ding, 2. der dat Fat, die Schüssel, dän, et 

Theil. Fad. 

dat Ding in Hilligding , dasheili- jö oder dat Dock, die Puppe, 

ge Ding, die Rose, der Roth- die Docke. 

lauf. jö Faur, die Fuhre. 

ieDick , der Deich , nd. de Diek , jö Faurk , die Gabel , engl, a fork, 

engl, dike, dän. et Dige. dän. Fork. 

dat Dohf, die Tunke, dünner jö Fähr, 1. die Fähre, 2. der 

Teig , engl, dough. Aufzug , 5. die Schaar. 

de Dring y der Knabe, dän. en dat Fßjll, das Feld, engl. fielcU 

Dreng. jö Fäil , das Gefühl. 

jöDöu;', die Taube, nd. deDuw, jö Fäihs, der Unterhalt, däo, 

engl, a doye, dän. en Due. Föde, engl. food. 



33 



d&t F&^lk , das Volk ^ ie Leute , 

engl, folk , folks. 
de FA^Uf der Foss , nd. de Foot , 

dän. ea Fod, engl. foot. 
dat Feet , der Bottidi. 
dat FSk , das Faeh. 
jö Feest , die Faust* 
dat Feesi, das Fest, 
jö Feel, die Fdle; dän. und nd. 

de Fiil, engl. file. 
jö Fieg, die Feige, dän. Figen» 

engl a fig. 
de Fijnd , der Feind, 
dlt F^l, das Rad 9 engl, a wheel. 
de Fihss, der Fiat, 
de Fjärt, der Furz, dän. en 

Fjärt , engl, a fart. 
jö F%, der Regenschauer, engl. 

a shower. 
de (dät) FlägSf^er Flachs ^ nd. 

Flass, engl. flax. 
dat Flash, das Fleisch, das däü. 

Flesk für Speck, 
jö FUu^dd, die Fluth. 
jö FlaaU, die Flöte , nd. de Flaut, 

dän. en Flöite, engl, flute, 
jö Flieg , die Fliege , nd. de Fleeg , 

engl, a fly. 
jö Flugt, i. der Flug, % die 

Flucht. 
joFlonk, der Flügel, nd. Flunk, 

Fliink. 
de Foss, der Fuchs (Pferd). 



jö FaUs in SMUfoUs, gemeines 

Schimpfwort. 
deFoit, mHüimsfott,iet1inodB^ 

fott. 
dat Fjarsh, der Vers, 
jö Fragt, die Fracht, 
jö Fräi , die Heirath. 
de Frdsi, die Firste des Daches, 
jö Frist ^ — *. 
de Fräst, der Froste 
jö Frosh, der Frosch, 
de Fröftn . der Freund, 
dat Früt , der Frittbohrer , dän; 

Vrit. 
jö Frugi, die Frucht, 
de Fünst , der Fund, 
de Flock , der Fleck , Leder am 

Absatz, 
jö Firm, 1. die Finne, 3. die 

Flosse, 
jö FUnt, die Flinte, 
dat Flor, der Flor, 
dat FläU, das Floss. 
jö Für, die Föhre, Fichte, dän. 

Fyrr. 
dat Fall, i. das Fell, 2. das 

Füllen, 
de Faurm, die Form, 
de GäU, der Borg, dän. en Galt, 
de Gast, der Gast, 
jö Gast, die Geest, 
dat Ga/ujd, das Gut. 
dat Gmyll, das Gold. 



< Ein Strich in diesem Verzeichniss soll dasselbe anzeigen; was 
bisher durch drei Striche angedeutet worden. Siehe S. 3i, Anm. 1^ 

5 



34 



jö Gms-, die 6aaa, nd. de Goos, 
dän. Gaas, engl goose. 

Afiitf^k, ä^r Geck > däp. en Gjäk. 

de Geedd, der Hecht, dän. en 
Gjede. 

dat Giß, d9s Geld. 

de Gitts , der Geiz. 

jö QU^, die Gludi , dän. en Glöd ; 
auch eine glühende Kohle. 

jö Glauw , d^r Spaten. . 

dät Gleess, dai&Ql9LS, nd« engl 
und dän. ebenso. 

dllt Glüpp, der JBLetscher ^i dän. 
en Gliv. 

dat Graum , das Bingeweide der 
Fische und Vögel» 

de Grßo^, der Grad. 

jö Gräjdd, der Rasen, auch Ra- 
senackeir. 

de Grünn , der Grund. 

dät Griss, dän. en Griia» das 
Ferkel. 

de Gripp , der Griff nüt der Hand, 

4e Grßhp, der Griff, die Hand- 
habe. 

dät Gröt, rohe Grütze, nd. Grült» 
dän. Gröd. 

de Göth, der Guss.an einer Kan- 
ne, u. 8. w. 

dat GrüsSf i. der Graus, Gries, 
Grand , 2. der Schutt , dän. und 
nd. Graus. 

de Graup, die Mistrinne im Stal- 
le, engl, the groop. 

de Groll, der Groll. 

de. ^G^» der Gang. 

jte€ÄW„d«rGott. 



d&t Qjars, das Gras. 

jö Gigt, die Gicht. 

dat Greef, das Grab» ad. Graf, 

däq. Grav , eng), the gra?e. 
jö Grefl.itixk. Gröft, der Wasser- 
graben um den Warf, 
de Gäihs, der Dünger, dän. 

Gjöske. 
de Graaw, der Graf, 
dat Gips, — ., 
dat Haadt das Haupt, 
de Haaw, das Gotteshaus» 
de Hals, der Hals, 
jö Hänn, die Henne, 
de Haupy der Rdf, Tonoenband» 

engl. hoop. 
dat Hart , das Herai « nd. Hart , 

engl beart. 
de Hauck , der Hauk » eagl hock , 

das Zäpfchea im Halse» 2. der 

Hisseblock, 
jö Haut, die Hure^ 
jö Haurdy derKirchhof, YOn Hürde. 
jö Häujnn^ die Hand, 
de Hä^dd , der Hut. 
jö B&ii der Muth, der Sinn, 

die Erinnerung, 
dat Hai, die Lust zu etwas, 
jö Hähg^ das Heck vcnr eincnr 

Fenne, 
de Baurn, das Horo; 
dRiHaum, als nomen materiale, 
de Halm, der Helm, 
de Hdw , der Hieb, 
de Hajnst, der Hengst, dän. 

Hingst, überhaupt ein Pferd, 

als Gattungsname. 



3B 

de Satt, der Held» dftn. Helt. jö HuU, die Mütze, das deat« 

jö Hdks , die Hexe. sehe Hülle. 

jö Hüig^ die ThüradgeL dat HSÜy das Holz. 

dat HiehSf die Heide, das Hei- de Hünn, der Hund. 

dekraut, eogl. heath. . joHüdd, die Haut, nd.unddäa. 

jö HiehSf die Heide, das Heide- Hut, Hud. 

feld, däfi. eil Hede. jö Hänn, das dünne Häutehen , 

dat Hierdf die Harde, dän. et dän. en Hinde. 

Herred. jo Haw, di^ Hoffnung, dän. et 

jö Hijll, die Heide, dän. en HU- Haab, engl. hope. 

de; die Fussfessel der Pferde, dnx Häier, das Haar, engl. hair. 

u. s. w. de Hdf, der Hof um Sonne und 

de Bjärl, gehechelter Flachs. Mond, dän. en Ho?. 

jö Bßm^ I, die Ecke , 2. der de Häuf, der Huf. 

Winkel, nd. Hörn, dän. Hjör- de JK//, der Holunder, dän. Hyld. 

ne. ' de Hillebuhmm. 

dat Hjäm, wollenes Garn, 3. jöJägt, i. die Jagd, 2. die Jacht. 

Hühnergekr in Eännehjam. dat Järd , die Erde , als Stoff- 

dat märt, das Harz. name. 

dat Jfee/*, das Haff> Meer /dän. dat Jifl, die Gabe, beim Füttern 

et Hay. des Viehes, 

dat Heeft, das Heft, Schale am de Ihss, der Eid, dän.en Eed, 

Messer. 2. Scheitel 

jö Heesp, der Haspel, dän en Asx Ijd^ der Torf. 

Iläspe. dat /Ar, das Jahr , engl. year. 

jö Hohs^ der Strumpf, dän. en dat J^ll, das Feuer, dän. Ild. 

Hose, das deutsche Hose. dat Iss, das Eis, nd. und dän. 

dat HM , das Gesäss. lis , engl. ice. 

dat Hjört, der Hirsch, engl, a jö Ihk^ die. Eiche, nd. Eck, 

hart, dän. Hjort. dän. en Eeg. 

de Hupp, d^ -Haufe, dän. en dat /öm, ein Eisen, dän. et Jem. 

Hob, engL heap. de Jüll, dän. Juul, die Weih- 

dat Hüs8, das Haus, dän. und nachten. 

nd. Huus, engl, house. dat Jäck, die Jacke, 

de Hühs, das Heim, die Hei- d^tJöck, das Joch, CQgl. yoke. 

math, dän. et Bjem, engl, jö Jahl, das Rohrkolbenblatt, 

home. ' (Typha). 

5 * 



56 

d&t Klapp, eine Art Kreuzbinde jö Klamm, die Klemme > eigenlL 

alter Weiber. und uneigentl. 

dat Klapp, i. der Hosenlatz, jö£{äcÄ;, 1. Glocke, 2. Uhr, engL 

2. eine Schütte Stroh. a clock , dän. en Klocke. 

JQKaar, der Karren, das dän.. de £/ämp, i.die Klampe, 2. der 

Karre, und das engl, a car Schober, dän. Häs. 

und cart» de Klunip , I . Kloss , 2. der Klum- 

jö Kaard , die Karte , dän. et pen. 

Kort, (Kaart), engl, card und de Kläi, der Klei, Tbon, engl. 

Chart. ' clay, dän. EJBk. 

. jö Kopp , die Kappe , dän Kappe , Klaai , Nicolai. 

engl. cap. de KlüU , der Flicklappen , das 

jö Kätt , die Katze , dän. und nd. dän. Klud und das engl cloth. 

Kat, engl. cat. jö Klajnky die Klinke, dän. ea 

.de KäfU, die Kante , der Rand , Klink. 

die Seite. dät Klie, die Kleie, dän. Klii. 

jö Kauf 1. die Keule, 2. die jö KUng , die Klinge. 

Küble. de Kjärlj der Kerl, dän. en 

de Kaumm, der Kamm, nd. und Karl. 

dän. en Kam , engl. comb. jö fjärl , der Kern., 2. em 

dat Kaum, das Korn , nd. und Krümmchen. 

dän. Kom, engl. com. dät Klühs, das Tuch, yergleiche 

de Kalk, der Kalk. Klud, cloth. 

dat Kann, das Kinn], engLchin, de Knähp, i. der Kniff, 2. Taille. 

das dän. Kind (die Backe). dät Kniff, der Kneif, das Mes- 

jö Karst f 1. Kiste, 2. der Sarg. ser. 

.de Kähr, die Kühr, die Wahl, jö Kniep, die Schnalle. 

Freiheit zu wählen, jö Kldtsh, 1. die Klatsche an 

JQ jEt^, wie Kähr. der Peitschenschnur, 2. der 

de Keel, der Kiel, dän. en Kjöl, Seime. 

. engl, a keel. de Knöst, dän. Knast. 

ioKiek, dän. Udkik , die Gucke, jö Kost^ 1. die Kost, 2. die Hoch- 

de Klang , der Klang. zeit. 

^ö Klädd, die Kladde. de iTn^, der Knopf, dän. en 

de Klädd^ der Klecks. Knäp. 

jö Kldww, die Klaue, engl, a deKndgt, der Knecht. 

claw, dän. Kl9. de Knall, der Knall: 



57 



de Kläf^U, 
jö KläujU, 



eine Bootstange zum 
I Schieben der Boote , 
oben mit einer Krük- 



ke , unten mit einer 
Klaue versehen. 
]oKwaU, die Quelle, 
jö Krdfl , die Kraft, 
jö Krack , die Krücke, 
dät Eräek, die Kracke, elendes 

Pferd; dän« Krik. 
de KränSt der Kranz, 
dit JEräf», i. der Kram, 2. Kram- 

kden. 
de Krich, der Krieg, 
dät KriU, die Kreide. 
dät Kripp, der Krepp, ein Zeug. 
jö Krücky die Kruke, der Krug, 
de KrisSt der Kreis, dän. en 

Kreds (1. Kr^s). 
dit Srät^ das Gethicr, dän. et 

Krä. 
de Krapp, der Körper,, dän. en 
Krop , 2. der Kropf der Yd- 
. gel, 3. der Kropf der Pferde, 

eine Krankheit, 
d&t KrüsSf [i. der Krug , 3. das 

Kreuz, 
jö KroMck^ der Dachwinkel. 
dUKrüdd, i. das Kraut, ^.Schiess- 
pulyer, noch in: Kraut und 
Loth ,' dän. Krudt. 
de Kraumm, die Krampe, 
jö Kribb, die Krippe. 
joKröhn , die Krone, engl. (^own. 
de Kraug , der Krag , als Schenke, 
jö Kohl y die Grube , nd. Kul , dän 
en Kule. 



jö Kff, die Kuh , nd. u. dän. m 

Ko , engl, a cow. 
de Kunst, die Kunst, 
de Kupp, der Kauf, nd. de Kop, 

dän. et Kjöb. 
jö Konn, die Kanne, nd. de Kann, 

dän. en Kande, engl, a can. 
de Kifjl, der Kohl, dän. Kaal, 

engl cole. 
jö Käg , der Kuchen , dän. ean 
. Kage, engL cake. 
de Klöts, der Klotz , dän. en Klods. 
dät Kopp, diminutivum : dat Kop^ 

ken, die Tasse, 
jö Kamm, die Kumme, 
jö Küst, die Küste. 
An KiU, der Kitt. 
jöIfOa^A, die Lerche, 
de Läid, der Blitz, 
jö Las, die Last, 
jö Last, der Leisten, 
jö La, die Sense, dän. en Lee. 
jö Law, der Löwe. 
dH Lag, i. die Schicht, 2. das 
. Gelag, dein, et Lag. 
dat Lack, der Lack, 
jö Ldnn^ die Linde., 
jö Lähs, die Scheune, 
d^it Lass , das Glied. 
dn Lädd, l. der Deckel, 2. der 

hölzerne Teller, 
de Lacks, der Lachs, 
dat Lämp, die Lampe. , 

jö Länk^ die i^ette, dän. en 

Länke. 
da,t Lath, die Latte, 
dat Laumm, das Lamm. 



38 

dit lAujmn^ das Land. jö Uerk^ ein kleiner Strandläu- 

jö Lavitt^ die Ofenkrüeke. fer (Gbaradrius minor). 

jö LSjt^ das Geschrei. jö LUs, die Litze, dän. en Lid9. 

dat L«^i das Fuder, dän. et Las. jö lAst, die List» — . 

dat ImU, die Leiehe, nd. Liek, dat LiSdfc, die Luke, dän. en 

« dän. Lüg. Luge. 

dat lieky ein Spiel mit Schnell- dat lAck^ das Glück. 

• kügelchen. jö JLoAr, ) ,. , 

jö Hey die Miethe, dän. en Leie. jö Lorr, j 

dat Liem', der Lehm. jö LuMt die Lunte. 

dat limm^ der Leim» dän. Liim. de Ldink, der Sarong. 

jö lAep, der Kibitz, das engli- jö Mögt, die Machte däa. Hagt. 

' sehe lap in lapwing. dat MäU, das Malz, engt mnd 

jö LeeUf die Leine» engl, a line, dän. Malt. 

dän. Line. jö MdU, die Milz, 

dat I^ägt, das Licht. jö Mdgg, die Mücke^ 

dat Loos, das Loos, dau; en Lod. de Mdck, der Knss. 

dat Loehri. das Loch, 2. der jö MoBhy i. die Masche^ 3. die 

Kerl^er. Made, 

jö Lüss, die Laus. jÖ MäU, die Matte, engl, a 

jö Lufly die Luft. mat. 

jö 1^1, die Lust. jö Mahr, die Mähre, dän. en Mär« 

dat Li^n, der Lohn. . engl, a mare. 

de I/dfift, der Hain, dän. en Ludd. dift Mäi^t , die Begegnung , 4än. 

jö Luhk, Zwiebel, dän.- et Log, et Mode, engL meet. 

der Lauch. dat Mäu^dd , der Muth, nd. Moth » 

dat lAnn, der Bund, als: Ho* dän. Mod, engl. mood. 

senbund, dän. et Lin. dat Mßjl, das Mahl, dän. Haal, 

dat JU/f, i.der Ünterieib, 3. das Maaltid. ' .> 

Leben, nd. und dän. Liy,engl. de JföU, die Mitte. 

lifo. dat Mäujl , das MiU , die MiUorde , 

jö L6, die Tenne, dän. en L9. dän. Muld, engl, mouid. 

de Jtejip, der Lauf. dat Jfous, das Muss, als Pflau^ 

j6 Luft, der Boden, däa et Löft, menmuss,dän. Gröd, engl. paip. 

engl. loft. jö M&ujwn , der Torf — oder Bdä^ 

jö Lfer, i. die Lehre, 2. Kennt- kästen u.s. w., dän. et Men. 

nisse. de Mä$t, der Mast, — . 



39 

dit Mahl, das Ifehl, dän. Ifeel, de Mass, die Messe io der Kir« 

Dd. Hehl. che, engl mass» dän. Hesse. 

jo Meü, die Heü^» nd.^ und dän, dst Mäsh, der Heisch, dlud, Mask^ 

en Hill, engl, a mile, engl. mash. 

ja Miߧdd, die Hath, engl, meadow. de Moi^, der Host. — engl muist. 

ie Maurd , der Mord, dän. et de Muck, der Huck» Hueks. ' 

Mord» ei^. murder. jö MikU, die Hünze. 

de l{fdm» der Morgen. Mdmm, HuUer» ia der Anrede 



de lU[j6gSf der Hist^ Düngw. von Kindern. 

Üi ]l^i, der Koth. Meemi Mim, dasselbe. 

jö MUky die Hntierseheide , nd. Mdtt^ Mette» ein weibUeher Ei« 

de Mieg. genname. 

dat Moos, das Moos, dän. Und jö Naas, die Nase, nd. Nähs» 

engl. moss. dän. Nase» engl. nose. 

de MSun, der Mann, dän. en jö Nähs, i.die Nuss» 2.dieNiss» 

Mand, engl, a man. Monns, i. nd. de N6t» dän. en Nöd', 

Hanns for etwas sein. engl. nut. ä. nd. Näd» dän. 

jö Muss » weiblicher Kopfj[>utz Nidd» engl. nit. 

. mit Spitxen unter der Kreuz- jö Nagt, die Nacht. 

binde {Shiedauk) an den Schlä- dat ilVaps, der Napf. 

fen. de Narr , der Narr , — . 

jö itfti/f»,der Muff» engl, muff, dat NäU, die Neuigkeit» dän. 

dän. en Muffe. noget Nyt» engl. news. 

jö JföAr , die Hauer, nd. und jö Neil, die Nadel» engl, needle. 

. dän. en Huar» Hähr. dat Nee$i, das Nest» nd. und 
de Jtfä5£, der Hund. engl. nest. 

jö Mass, die Haus» nd. und dän. dät Neet^ i. das Netz» nd. engl. 

Hutts» engl, a mouse. und dän. Net. 3. der Harn» 

d&t IfM^ das Ziel, dän. Haal. altdeutsch der Netz. 

jö Mäjtt, da» Haass. jö iVtU»die Nessel, nd^und engl, 
dat JfärA;» Herkmal» däiL et NetteL 

Harke,. engL mark. jöiVi^^» der Funke, dän. enGnist. 

jö 3fai*» die Marit (16 t). jö Näpp, der Floh, 

de rMdrsh^ der Harsch » engl jö Nßjdy dieNotb.» däa enNöd^ 

march» dän. Harsk. engl. need. 

jö JCfdrsA, die Harsch, engl. dIlJVt(;^, dasKind,dän. etNöd'^ 

marsh, engl. neaf. 



40 

iqJfM, der traoktrog. lö Plont^ die Pflanze, diu. nd. 

jö iVtfU» die Null, et Nul. und engl. Plant. 

ieß^, die Messerspitze» Land- jö Plöbm, die Pflaume» nd. und 

spitze , dän. en O'd y Odde. engl. plum. 

^Ohm, der Oheim, OnkeL jö Pläi, die Platte, engLa plate». 

de Päb9t, der PabsU dän. Plade. 

dst Päeky i. der Pack» 2. das Pack, de Post, die Post , — • 

dst Pär, i. das Paar, 2. einige, jö Pdnn , die Pfanne , engl, ä 

dät Päss, der Pass.: pan, dän. Pande. 

de Pdls, der Pelz, dän. Pelts«. jö PoUy nd. und engl. Pol» däou 

dät Pdssy der Harn. .en. Pot, als Maass, en Potte, 

dät Pßjl, der Pfuhl, dän. en Pol als Gefass. 

, (1. Pohl). jö Aipp ,. die Pfeife » engl, a pipe^ 

jö Pä/ufjfm, das Pfand, dän. Pant, nd. Piep. 

engl pawn. jö Pietsh , die Peitsche , dän. en 

^U PcM^nn, Pfandgut. Pidsk. . 

jö Parly die Perle, engl, pearl. de Prdck, i. der Stich, 2. der 

de Peel , der Pfeil , dän. und nd. Tüpfel. 

en Piil. jö Prßuhs, die Rennkerze, dän. 

jö Pinn , ein hölzerner Wirbel en Praas. 

an Luken zum Vordrehen, dän. jö Podd , der Käfer. 

, an Vreil, daher das englische de Prijnn^ die Pfrieme, dän. ep 

to pen , einschliessen', fries : Preen. 

pännen. jö Praiw^ die Probe. 

de Piek ^ die Pieke, dän. Pig, de iVa«;s^, der Probst, dän. Provst« 

engl, a pike. de Prins, der Prinz, — . 

de Plack f der Fleck, jö Pra9?»f», der Prahm, dän. Pranu 

(l3t Pläss, der Hatz , nd. und de Priss, der Preis, nd. und 

dän. Plads, eng^. place. dän. en Priis, eng^. prize, price, 

^e.jPIoaii, der Plan, — . jö Priehs, die Priese, 

jö Plagt , die Pflicht , dän. de Pub, der Puls, — ; .» 

/ PUgt. dat Püm\ das Pfund, nd. und 

jö PlSg, die Pflege. dän. Pund, engl, pound. 

de Plßek, der Pflock, dän. Plög, jö Pump, die Pumpe, nd« und 

engL plug. englr Pump, dän. Pumipe. 

^e Plaug, der Pflug, nd. PlOg, de Pufig, i. der Beutel, 2^ der 

dän. PloY , engl, plough. Hodensack , dän. Pung. 



41 



<bt PuU » das Pult. 

de Puff, der Puff. 

jö Prung, der Tausch, dän. Prang. 

jö Puis, der Putz, Staat, 2. der 

Streich» Possen. 
jö Pam, od. Pöm, die Garnele, 

engl, prawn, shrimp. 
dät Rä, die Reihe, Zeile, dän. 

en Rad. 
dät Back, i. das Schüsselbrett, 

2. die Hühnerlatte. 
de Bäfidd, der Rath, dän. Raad. 
jö Räihd, das Rohr, als Pflanze, 

engl. reed. 
jö Rauhs , die Rose , Blume. 
'fi,Bä/i^U, altd. Rott, dän. en 

Rod , engl. root. 
de Ri^ , der Rest. 
de Rahw, der Riss. 
jö Rauk , der Rabe , das engl. 

rook , die Saatkrähe, 
de Räfä^ der Rand. 
jö Raihs, die Reise. 
jö Rdbb, die Rippe , Ribbe. 
jo Räsp, die Raspel, dän. und 

engl, a Rasp. 
de Räng^ der Rang, engl, a rank. 
jö Ränk^ die Ranke, 
jö Rau, 1 die Ruhe , dän. 



jö Rau, 1 die I 
jö Ba, j Roe. 



jö ila5^ die Rast, dän. Rist, 

' engl. rest. 

dat Reef, dan. en Räv, der 
Fuchs, Reineke. 

Jö Reew, dän. en Rive, der Re- 
chen, engl, a rake. 

in Rees$, dän. en Rost. - 



de RSgg, der Rücken, dän. en 

RÖg«» engl, ridge. 
de Riek , der Rauch , dän. Rög « 

nd. Rok, engl. reek. 
dsit Rick , nd. dat Riek , das 

Reich, 
dat Riss , die Ruthe > das Reis , 

dän. et Riis. 
de Ripp, der Reif, gefrorner 

Thau , dän. Riim, engl, rime — 

hoare. 
de Rimm, der Reim, nd. und 

dän. Riim, engl, rhyme, rime. 
dat RiesSy von riesen, sich auf« 

richten, 2. das Riess. 
de Rinn, der Regen, nd. dän< 

Regn, engl. rain. 
jö Rinn, die Rinde , engl. rihd. 
de Ridd, der Ritt, dän. et Rid, 

engl, a ride. 
de Rock, der Spinnrocken/ 
de Rock, der Rock, 
dat Ragt, das Recht, 
de Rogt, das Gericht Essen, 
de Aamm, der Widder, engl, ä 

ram. 
jö Roost, der Rost, beim Brauen« 
de Ring, der Ring, 
jö Rösh, die Binse, engl, arush. 
jö R5t, die Ratze, nd. en Rott, 

dän. en Rotte , engl, a rat. 
jö Röhw, die Rübe, nd. de Röhw, 

engl, a rape. 
dat RUH, die Raute, Fenster« 

Scheibe, nd. de Rut, dän. Rüde« 
dat Röhn, Rinnsal, engl, run« 

net, rennet. 





42 



dSLi.Bümm, i»Bauni» 2. Ziomief, 
nd. Ruum, dän. RumV engl. 

dat Rudd^ die. Spur, engl rut. 

de Ruk, der Heuschober, engli 
rick. 

dat Ruf, die Garnsträhne; 

jö Ruhw, die Mühlenruthev Flü- 
gel der Windmühle. 

deRump^ i. der Rumpf, 2.BrBst- 
tuch, engl. rump. 

jö RuU, i. die RoUe^ 2..die Spin- 
del, engl, a roll. 

de Rust, der Rust. 

jö Rdsty der.Rost, dän. en ilist. 

jö Rung^ die Wagenrunge^ 

dät Rüss', das GeröUe^ 

de Rü$Si der Rausch., däni en 
Ruus: . 

dät Rmttj eine Krankheit .der 
Kühe. . 

jö Rag, dän. en Rage, engl.* a 
rake. 

jö Saal, Ate. SoUe, dän. und 
nd. en Saal, engl, a sole.^ 

de Saaly der Sahl, dän. en Sal. 

jö Sali, der Sattel. 

de Safl, der Saft. 

jö Sßjk ,. die Suche. 

dit Sqjdd^ i. die. Saat:, 2.Snne^ 
3. Rapsaiit , däo. , Säd , engl, 
seed. 

dät SäU. das Salz. 

jö Saht», Binsenmark. 

dat Sähw, das Sk^, engl, a gieye. 

dät Sät{^U, der Buss, nd. Sott> 
dän. Sod, engl. soot. 



dät Sagt, i.das^elkcMrn «m 

Gewehr, 2. Seichte, NiedeHing; 
jö Sägt, (Sigt), die Sense zum 

Erbsenmähen, 
de Säirk, das Mmfushemd, dän. 

Särk (Weibcriicmd). 
de Smöck , das Weiberhemd, 

engl, smock. 
de Sann, die Sonne, eilgl/ the 

sun. 
dät Sann, der Sinn^,:däni Skid, 

engl; sense. 
de Sahn , der Sohn , nd. Sähü', 

dän. Sön, engl, smn*: 
jö &UiiV die Sdin€L> 
de Siihs, d«^ Käs;;en^'ch'6escr. 
jö Sähg, die.Säge^ nd., Saag, 

dän. Sav, engll a saw. 
de Seecky d^Sack'« däfr.^ 6äk^ 
' engl, aack» i- . 
jö 5^^ die Sluclrl. 
jö Sieh, die Wange^jengL eheefc. 
dät Sierp, der Syrti|p. 
jö Sidd, die Sdte, nd. Sied> 

engL side. 
jö Siel, die Seele, nd. Seel, 

dän. Själ, engL souL 
de Silly der KesseL 
dät 5tU, das Siehl. 
jö Sierk , kleinere W^ndcy i 

der Grind , dän. Saar, 
dät Siep, die Seife, nd. Seep, 
. engl. Soap. 
dät Shann, altd. das Schindvi in 

schinden, SeUndmäfare, Sdiim 

der, Schindanger, dän.. Skind, 

engl. skin. 



43 



da ShSU, 4er Schatz, dän. en 

Skat. 
. jp Shmt I dje Sehatatmg, Abgabe , 
däD. Sk^t. 

^ ^hßlk, der Sch^, dän. 
MIMIk, nd. SfOialk. 

dsi Shid^t H^. Sßbäp,. däD. et 
Skab, der Schrank. . 

i», S/4p. li9s Schiff y imL Schipp , 
engl. sbip»'däjou et Skih. 

de Shßlm f der SeheJ^on ^ nd. und 
dän. SkjäliD* 

jö ShaaltA, i. der Riegel, dän. 
en Skaade^i,.2^ die/EUter, dän^ 
CD Skäde 9. 3» ei»} Bund Lang« 
Stroh, 4 difl9 Leiobenlager auf 
LaDgbnto YPf' dem Einsargen. 

jo Shßäl, 1. die Schale, dän. en 
Skaal , 2. Differenz heim Bie- 
ten . uUäi Fordern , nd. de 
Schäl. 

jö Shäs »^ 4. idie Scharte, 2. die 
Schnarre,. Klappe. 

dät Shmij.1^ die Sehale. 

jö SAa^ die Schde,. Sdlielfe^ 
dän. en Skal, engl, sbell«.. 

jö SAdiP,.d)eig^hevdän4 3kjäve^ 
engl Qba& < 

jö Shäi^nn, diidSchandthat. 

de SAofH^, der rSchubu. 

jö Shc^ll^ die Schuld., Ursache, 
dän. Skijld. 

jö ShüU, die Geldschuld« 

jö Shßew^ die Scheibe , 4. dän. 
en Skive, 2. der Tisch. 

de Shähr, der Schnitt, Schnitt- 
wunde. 



jö Shepp, das Schiff, dän. Skjäp- 

pe, nd. Schipp, 
jö Spirr, der aufgehende Keim, 

dän. en Spire. 
dat Shäip , das Schaf , nd. 

Schaap. 
jö Shiess, der LöflSel, dän.en Sked. 
de Shiess, in Aufsbiess, Abschied, 
dftt Sf^ärn , i. der S^mutx , 

Kehricht, 2. ein Oösewidit, 

dän. et Skarn. 
de Shinn^ der Schein, nd. de 

Scbiin, dän. Skin, engl shine. 
d^t Shild, i.das Schild, dän* et 

Skilt, 2. der Schild, dän. et 

Skjald, engl, shield. 
dat S/yärd, die Scherbe, dän. 

et Skaar, engl shardw 
dat Shöm, i. der Schemel, 2. 

der Bläueltisch, 
dat Shör, die jähe Tiefe eines 

Sees , jähes Ufer , engL a shwe. 
de- 5A.^,. 4. der Schubs* 2. d^ 

Scho8S2.B. einer Weide, engl. 

shoot, shot. 
d9^t ShoU^ das Schutzbretl. 
dat Short , die SchürrZ» *, : dän. 

Skjört (Weiberrook), 
jö Shiehs die Scheide, dän. en 

Skede , ; «ngL sheath. 
dat.SAöfiMl», 4. die Schande, 2. 

die Schaam, dän. enSkam, 

engl, shame. . ^ 

jö Shohl^ Schutz vor Regen und 

Wind , dän. et Skjul. 
de Shirm , der Schirm , dän. en 

Skjerm. 

6* 



44 



de ShiU, der Schiss, dän. en 

Skid, 
dst Shof, i. ein kleines Brett 

zum Vorschieben, engl, shove, 

% Garbe, 
dät Shrön', dän. et Skriin , die 
• Lade, Truhe, der Schrein, 

engl, shrine. 
jö SHrdft, i. Handschrift, 2. die 

heilige Schrift, dän. Skrift. 
jö Shrock , die Tasche, 
jö Shiruw^ die -Schraube , nd. 

Schruw, engl, a screw, dän. 

en skrue. 
de Shrai, der Schrei, 
jö Shräw, die Scharre, dän. en 

Skrabe, engl, a scraper. 
dat Shürw , die Räude , der 

Schürf, dän. Skurv. 
dat Shöhr, i.der Schauer, An- 

faU , 2. die Weile. 
iät Shrübb, die Erätze, 
de Släch, i. der Schlagv Art, 

Gattung , 9. dev Schlag als 

Krankheit, 
de SHck, i.ein Schlag, 2. die 

Art, Gattung, 
dat Slübb, der Koth. 
de SU^k , der Schluck, 
jö Slajnk, der Schlund, 
jo Slkigy i. die Schleuder r 2. 

Höhlung im Wagengeleise , 

engl, sling, dän. en Slijnge. 
jö Shlöhs, die Schleuse, dän. 

en Sluse, nd. Schlühs, engl. 

sluice. 
de Sliep , der Zipfel. 



de SlüjU , der Wassergraben , 

nd. Schlot, 
dat Schüff, die Schublade, dän. 

eil Skuffe. 
dat Slimmy der Schleim, nd. 

und dän. Siiim, engl, slime. 
de Shmp, i. der Schlump, Zu- 
fall, 2. eine Menge, 
jö Släw, die Schleppe, dän. et Släb. 
dat Shuf, siehe unten, 
dat Sl^, das Schloss in beiden 

Bedeutungen, dän. i.enLaas, 

2. et Slot, nd. Schiott. 
jö Slägt, die Schlacht, 
dät Smähr, das Schmeer. 
de Smaus, der Schmaus, 
de Smdss, der Schmied, 
jö Smähs, die Schmiede, dän. 

en Smedie. 
de Smähs, der Schmiss, dän. 

et Smid. 
jö Smunn, eine Art wilder En« 

ten, die Schmenne. 
de Smühsse, die Esse. 
jö SUew , der Aermel , engl. 

sleeve. 
de Sndpps, der Schnaps, 
de Sküjtt, der Schoss, nd. de 

Schoot , dän. Skjöd. 
dat Snaucky siehe unten, 
dat Sniehs, das Stieg, dän. en 

Snees. 
jö Snaur, die Schnur, 
jö Smar , die Schnur, die 

Schwiegertochter, 
de Snie, der Schnee, dän. Snee, 

engl. snow. 



4S 



de Snähs , der Sehniit, Pfiff, 

et Sned, snit. 
jö Sndgg, die Schneeke. 
du Sndw$f i. der Sehmutz, 2. 

nutzlose Sachen» dän. Snavs. 
de Sndpp, der Zipfel, dän. en 

Snip. 
jö Snurr , die Schnurre , (ein 

Spielzeug), 
dat Sndf, der Schnupfen« dän. 

Snue. 
jö Söhg, die Sau, nd. Söhg» 

dän. en Soe, engl, a sow. 
de Sang^ der Sang, Gesang, dän. 

en Sang, engl, a song. 
de Somp ) der Sumpf , dän» 

Sump. 
dät Sohss, die Su[^e. 
de Spot, der Fleck, 
dst Spot, der Spott, 
jö Spaaü, die Spritze, 
de Spaait, der Spritzfleck, 
de Spring, der Sprung, dän. 

und engl, spring, 
dat Spat, i. ein SpatenyoU, 2. 

der Spiess. 
dat Spdll, das Spiel, 
jö Spor, der Spor, Sporn, dän^ 

en Spore, engl. spur, 
dat Spor , die Spur , dän. et 

Spor. 
dat Speek,. der Speck, 
jö Spann, die Spanne, engl a 

span. 
dat Spann, das Gespann, 
dat Späi, I Gespieenes. 
Spoiling, j dän. Spij. 



jö Späir , der SplBrt*en > engl. 

spar, dän. en sparre. ' 
de Sparnn, der Spaan , dän. en 

Spaan, das engl, spoon, (L<)ffel). 
jö Spaul, die Spuhle, dän. en 

Spole, engl, spool. 
dat SpüU , der Speichel, 
jö Sii&rr^ Steuer, Ordnung, von 
Starren, steuern, dän. StQr. 
de Spärk, dän. et Sperk, ein 

Stoss mit dem Fusse.. 
jö Själl, die Regel, Ordnung, 
jö Sjäm , das Butt^as^ , nd. 

Kam, engl, chuni. 
jö Sfiork , die Eiirche , nd. Kark , 

dän. Eiirke, engl, church. 
dät l^öhn, i. das Gesicht, 2. 

die Erscheinung , dän« Syo. 
dat Sjohnk , das Licht zum 

Brennen und Leuchten, 
de Splähs, die Spleisse. 
jö Splinn^ ) der Splitter^ 
de SpUnn, j dän. en ^lint , 

engl. Splint, 
dät Stähk, das Stacket. 
de StäU, der Stall, dän. Stald, 

engl, stall 
de Stamm, der Stamm, ^gl. 

Stern, 
de Sijött, die Semmel, 
de Staat, der Staat, 1. als Volker 

verein , engl. State , dän. stat , 

2. die Pracht , der Prunk > 

dän. städs. 
jö Stämp, die Stampfe, 
de Star, der Staar, als Augen- 
krankheit. 



46 



jö Sprijn,-der Staar, als Vogel, 
dän. en Stare, eogl. a stare. 

jö Sirädd , die Grätsche , engl, 
a stride. 

dat <S(dt, der l^^oben, dän. en 
Stie, engl.,v3t^. . 

dat Stqjll, d«6 Eisen, als Stöff- 

name , das engl. steeL 
de Stähg , det Stich ; dän. et 

Stik, engl; stitcb. 
jö Stäir, der Stern*, ^ngl. a slar. 
jö SUmrk, der StOTöb, engl, und 

dän. Stork. - - 
jö Steem, die Stimme, dän. en 

Stemme. ' 

dSX Steef, die Fassdanbe, pl. 

Stäwey engL a staff, pl. sta- 

ves» dän. en Slawe/ 
de Stijtt, i.der Stoss, S. i^aum- 

besatis an Kleidefrn. 
de Stier, der Stier, 
de Stierm, der Geruch, 
dät iSMcft, der «riffel. 
jö Sting, die Granne, 
jö Ä'%,.der Hteig. ' 
jö Steeg , ein si^hmaler Weg. 
de SHjn, i. der S4elft^, 9l der 
.rfiode. ' • • •^^•■•• 

de Stock, der Stock, 
dat Stock, das Stüek; 
d&i Stopp, die Gelte;» 
taiStof, der ^taub. 
de^tep,die Meste, Theermeste, 

2. der Stauf, in KrAdistup, 

Blumenstauf. 
jöStünn, die Stunde, das dän. 

Stund (Weile). 



df^ Stfjßrt, der Sierz, Sob^amf, 

dän. Stjärt. 
jö Stähs,, die Stadt, 
dat Stähs, die Stätte» Stelle» 

der Ort. 
de Sträg, der Strich.^i.dSo. eo 

Streg. 
jö Stroßhs, die Gurgel, 
de Sträuijn, der Strand. . 
de Sttiit, ^inQmg in de)^ Kircbib 

das engl, street. 
d^:'.Striffü/^i^ der Stipang^ Studie 

i»ai.te» engl, string ^dän^ Suriing. 
du Stfäif das ötroh., däii.&lraa, 

engl. jBitraw. . . . 
de Struhmm, der S^pfm, daiu 

Stöm, engl, stream. 
de Struck, der Strunk, 
de Stridd, deri>treit,d$nwStrid» 
de Suhmm, i. die Nath« ;ä* de^ 

Saum , däti. en Söm , en^ 

seam, ud. Soom. . . 
de iS'ucA, der Zober, Zuber, 
jö Suhrdy die Schwarte,, engl. 

sward» dän. Svär/ 
de Süss, der Brunnen , nd. de 

Soot. ; ; 

dät Swimp, der b'cfawamra. 
jö Swukn , der Schwan , nd. 

Swoon , dän. Svane , engl a 

swan. 
de Släip, der Schlaf, nd. blaap« 

engl, sleep. 
jö Swiep f die Windeln , dän« et 

Syöb, engl, swathingclothes. 
dRiSweess, der Schwaden, engl. 

swath. 



47 



dat Strunt, der Dreck, alles 

was nichts taugt, 
dat Swijt , der Seh weiss , od. 

Sweet , dän. Sved, engL^weat. 
.dat.5toär, die Antwort« dän. 

Svar. 
dst Siväck^ das Zweck, dän. Svik. 
dat Swinn, das Schwein, dän. 

und nd. Sviin^ engl, swiöe. 
dat SwierU Kienfuss» dän. Svärte. 
de Swiehi/i, der Schjwarm, däri. 

Svärm , engl, swarm. 
de Sluck, de^. Schluck. 
^OHOi , det Elubk. 
i^iSXts, derZila. . 
de Süpp > der Schluck, 
dat l^if^ , der dünne Speichel , 

d(^ Sabber, 
dat Sdgn, die Sage, dän. et 

Saga, 
jö Sijöi, die Schaukel. . 
dat Shü^m^ Schaum, nd. Scbuusl, 

dän. skum. 
jö 5^tf ,. die Scheu. ' 
jö Snür, i.die Schlinge, % die 

Schleife, 
jö Smeel , das Lächeln; dän. et 

Smiil, engl, a smile.. 
dat Staat , . der StaU -, dän. Staal , 

nd. engl. 3teel. 
dat Snäk, der Schnack > das 
. : Gierede^»; dän. und nd. Sttack; 
iöl^idpp, die Sehnei^, dän. 

und ndv Sn^ppe • Snep , engl. 

a snipe. 
*fiShräfm, die Sehramme, dän» 

en Skjramme. 



de Shtäck , der Schreck , 

dän. und nd. Skräk und 

Schreck. 
däi Suijärd, das Schwert, dän. 

et Svärd, engl. SbwojrdL 
jö Swier , Säuferei , nd. und dän. 

en Sviir. 
dat Spütm ^ der Spund , dän. et 

Spunds, 
de Stäp, der Stapf, ein langer 

Schritt, 
de Strmh ddr Strahl» nd. ui^ 

dän. en>Str8lale. ■ 
ja 7eKir^. die. ITorte, dän. en 

Tärte, engl a tarl. : , 
de Tert, ätr Tdrt , Schimpf, 
dat Täjk, der Taiif » Seegras, 
de Taus,, )derZahQ,-engl.tooth. 
de Täis^r.'ffi. teetjbu 
de» TMstAi' di6, Taxe; 2. der 
; Text,: engl. tail. 
dm {Tim., dad Tau, nd. dän. 

etToug. \ 
jö Täw , i. die Tifief, 2. Petze , 

dän. en Täve, nd. Tiff^. 
dat Tdli, das Zelt» dän. und. 

nd. TelU . 
10:7^%, das StrobseiLtumDachr 

decken. . ,« . 

jö Thig, dieSchaflatts, tue Zec- 
ke , dän. en Tage , ' engl a 

tick, a tjUke» .- 
de Tipp,\ dän. eö Tip. 
jö Tdrittf die Tonne , nd. und 

engl tun , däV. Tönde. . 
dat TVinn, das Zinn; nd. dän* 

und: engl^ tiü. . , 



48 



•de Täm , das Haarsieb , dän. 
et Tims. 

jö Täll , nd. und dän. Tal , die 
Zahl. 

de TaurUf der Dorn, nd. Dom, 

• dän. Torn, engl, thorn. 

de Thee, der Thee. 

]$ Tiem, der Zaum zum Fah- 
ren» das engl, team, ein 
Zaum Pferde, Gespann, dän. 
en Tömme , nd. de Toom. 

4e Thieff der Dieb , engl, thief, 
nd. de Deef , dän. en TQv. 

d&t Thieg, die Lende, der Ober- 
schenkel, engl, thigh. 

dat Thing, das Dinggericht, 
dän. et Thing. 

•de Tijnsi, der Dienst, nd. de 
Deenst , dän. Tjeneste. 

dat Tjöch, i. das Yieh , pl. 2. das 
Zeug, 5. der Zeug; 4. die 
Sachen, nd. Tag, dän. Töi. 

de Ttigh, die Zunge, nd. de 
Tung, dän. en Tunge, engl, 
tongue. 

j6 Tung f die Zange, nd. und 
dän. en Tang, engl, tongs. 

de Toll, der ZoU, nd. Toll, dän. 
Told, engl. toll. 

de Topp, der Schopf, Büschel, 

'■ die obere Spitze, auch dän. 
en Top, engl. tq). 

de Tütt , der Guss an einer Kan- 
ne , ein Däumling und dergl. 

de Türk , der Türke. 

de Törw, die Rasenflagge, der 
Heidetorf, dän. Töry, engl. turf. 



dat7r4;dd, Draht, Zwirn, engl. 

thread. 
de Ttajdd, der Faden, Z wim- 
faden, 
de Tnmf, der Trumpf, engl. 

trump. 
de Trog , der Trog , nd. dän. et 

'Trug, engl trough. 
jö Trü98, die Kröte, 
de Trans, die Trense. - 
jö Treel, die Trile, TriUe, dän. 

en Trilde. 
de Trahs, der Tritt, 
de Trähs, pl. Trähse, TretthSl- 

zer am Webstuhle , u. dergL 
jö Träw , i. der Trab, dän. ea 

TraV, 2. das Draff, die Stiege 

Garben, 20, 40, 60 Stück, 

dän. en Trave. 
de Throl , der Zauberer , dän. 

en Trold. 
de Thron , der Thron , dän. und 

engl, trone. 
de Tünn, der Garten, der Zaun, 

nd. Thun. 
jö Thürn , der Thurm , nd. Toorn, 

dän. Taara. 
jö Trepp, die Treppe, dän. en 

Trappe, nd. Trepp, 
jö Tuhn , die Zehe , dän. en 

Taa, engl, a toe. 
jö Tur, i. die Thräne , 2. 

der Tropfen, 3. die Tur , 

dän. en Taare, engl, a tear; 

pl. tears. 
dät Tur, ein paar Tropfen, dän« 

en Taar, engl a drop. 



dat loch, i. das Mal , 2. der 
Zug, z.B. Licktocbi, Leichen- 
zug, dän. et Tog, engl. tug. 

•dfit Thier, das Thier. 

de Twää, der Quast, oder die 
Quaste. 

dst Twört, der Docht. 

dlt Twich, der Zweig, nd. dat 
Twieg, engl. twig. 

dat TfDJam^ der Zwirn. 

jö Twjäm^ die Queme, Hand- 
mühle , dän. Qväm. 

jö Twig , die Quene , Färse , dam 
en Qvie. 

jö Twang , der Zwang , dän. 
Tvang. 

jö Twiwl, der Zweifel , nd. und 
dän. Tvivl. 

jö Tjähs^ die Schwätzerinn. 

de Träst, der Trost, nd. und 
dän. Trost. 

jö Tügt , die Zucht , nd. und 
dän. Tugt. 

dat Toot, Getöse, dän. Stöi, 
Lärm. 

de Trots^ der Trotz, dän. Trods* 

de Töhg, der Streich, nd. Thög. 

de Track, der Zug, dän. et Träk. 

jö Tofi, die Toft, ein eingeheg- 
tes Stück Land beim Hause, 
dän. en Toft. 

jö Trtis, die Tritze , dän. en 
Tridse. 

dat Uhr, das Ohr. 

jö ühr^ die Uhr, in Taschenuhr. 

de ührs, der Lenz. 

de üchf die Wand. 



jö ük, die Weiche. 

dat Uhg, das Auge, nd« dat 0hg. 

de ülw, \ der Wolf, 

de Ulw, J dän. Ulv. 

dat ülly die Wolle. 

dat Urd, das Wort. 

jö Urty die Warze. 

dat War , die Zieche , dän. et 

Vaar. 
dat Wäi, der Wattich, die 

Molken, 
de Wäll, der Wall, das engL 

wall, (Wand). 
.jö Wägt, i. die Wacht, 2. die 

Wache, nd. und dän. Yagt, 

engl, watch. 
jö Wagt , i. die Wage , dän. en 

Vägt, Sf. das Gewicht, Schwere, 
de Wärk, der Schmerz, dän. en 

Värk. 
dat Wams , das Wamms. 
jö Waal, die Wahl, 
jö Wähs, die Wittwe. 
de Wannst, der Gewinn, 
jö Waag , die Woge , dän. en 

Yove , engl, a wave , % die 

Wage, 
jö Waait, die Winke, 
de Waaü, der Wink, 
de Wdinky der Wink , engl, wink« 

4 

jö Wähg , die Woche, 
dat Wäirk, das Werk, 
de Wjärt, der Wirth, dän. ett 

Värt , 2. der Verth. 
ie-Wjärd, die Wahrheit, 
de Winn, i. der Wind, 2. der 

Wein, engl, wind und wine, 

T 



50 



däd. Vind und Yiin , ad. 
: Wind und Wün. 
jö Winn,.^ Winde, dän. en 

Vinde. 
de Winn, die Blähung, 
jö Wing , der Flügel, den. en 

Yinge, engl, a wing. 
ÜRiWirr, der Eisendraht ^ däa 

en Vire, engl. wire. 
it Wurm , der Wurm » dän. en 

Orm, engl, a worm. 
jtat wart , die Würze beim 

Brauen, engl. worl. 
jö Wöff, das Weib, nd. Wief, 
, dän. en viv, engL wife, 
de Wäjl, der Weiher. 
dMitWi^l, das WohL 
jö Wed, die Erholung', dän. en 

Hvile. 
jö Wräll , die Welt , engl. 

World. 



de Wrdst , der Spann , Rist » 

dän. en Vrisl. 
dat Wrack, das Wraek, dio. et 

Vräg, engl, wreek. 
j& Wupp, die Aehre, daa dim 

Vippe , (Granne), 
dät Watt, die Fürth, 
dftt W^t, dSn. et Yad. 
dät Wägs, daa Waeha, nd. Waas, 

dän. Yos, engl. wax. 
de Wäi, der Weg» engl* way» 

dän. Vei* 
jö Wäihg, die Wif^pe. 
de Wits, der Witz, 
jö Währ , die Wehr , 

Stärke. 
de Wairf, der Warf, 
dät Weest, der Westen. 
jö Wsgg, die Wiege, 
jö Wkk, die Wicke, 
de Wdnsh, der Wunseh*. 



Kraft» 



« ^ 



Bemerkungen und Erläuterungen. 

' < Dät AA^ ist 1. das Scheunenthor; 2. die längs der einen 
Seite eines Deiches gehende Auf- oder Abfahrt nur von der Breite 
eines Wagens. Stammt von dem Worte ägen^ langsam fahren. J6 
Bi/gg kommt auch in dem Yfovle Ijubagg , dän. Enebolig, vor und 
bedeutet ein einzeln liegendes Haus, auf einer Heide oder im 
Walde. De Bähs, dän. en BäSy nd. en BaMS, stammt von dem. 
Adjectivum bass, aus d«m unser Comparativ »besser*' (bäa^er) 
sich gebildet hat, und ist einer, der es andern zuvorthut. ^iis 
derselben Wurzel sind hervorgegangen: de Bähse, dän. en Baade^ 
der Nutzen, Yortheil, so wie die Zeitwörter bähseny ät baad$. 
und das deutsche baten , nützen , Nutzen bringen. De BU^jmk , 
ään. und engL blink, ist 1. ein Blink mit den Augen; 2. der 
schnelle Schein, dän. et Glimt, engl, a glimps; 5. kommt es zu- 
sammengesetzt vor in dem Worte * H^tllewbUink ," der Zwitter » 
Bälberling. Das YfoH Brähk ist das deutsche ^rocii;, wird aber 
anders gebraucht,, als: dät hit nijn Brahk, es hat keine. Noth, 
hat nichts auf sich , nichts zu bedeuten ; 2. M hSw Brahk faär 



51 

G^l» faär Bfüßt u.8. w„ ieh habe Mangel an Geld, Brot, ti.6.V, 
Ml BUdi ial aueh dn Iturzes Ende von einem Rasenaeker. Dtt 
i^r^ ia( Brot als Stoffname , ein geformtes Brot ist de Trollmg » 
•n andern Orion de Lief, der Laib. De BrSdd, das dän, Braad» 
^tser Stift; der Stachel ist beiden Bienen: de Paurte. iö Flink ^ 
nd. Flünk» werden nur die abgesdmittcnen Flügel genannt, d£e 
«k Flederwiaebe dienen , aonst : jö Wing. De Gripp , ein schnei* 
1er Griff mit der Hand; de Grähp: he hit 'i äw e Grähp,. er hati 
wpß Griff , tt. s. w. De Grawe » der Griff als Handhabe, an einem 
Dinge , «. B. der Henkel an einem Topfe und dcrsl. Jö Ußoä^ 
kommt nur ao Tor , als : 16 Haaw gungen , zur Kirche gehen ^ U 
Biwm «eaaii, sonst auch to Sßrk, Jö Eaurd, der Kirdihof, ist 
das deutsche Hürde, indem vor Aitears in der Bewalduiigsaeit dit 
Kirdiböfe mit Hürden eingezäunt waren. Dat Jern^ dan. Jern^ 
engl, iron, kommt n«r als Werkeeug vor, wie in Stricl^or^^ 
PÜtteisen, Plaugjirn^ dat Wkrl^Srn, u, s. w. De KlSmpy I. die 
Klampe, 2. die grossen Heu^ und Getreidesehober, welche mani; 
•US Mangel an Gelass im . Hause , neben demselben aufführt. Db 
Knuppt 1. jede kleine harte Erhöhung, 3. die Schwammdose an 
der Tabackspfeife. Jö jL4i/i/,. ist schwer zu übersetzen ^ und wird 
so gebraucht : Jö üamg grihsikk to LäjU , wörtlich : » Sie schlug 
gräulich zur Lasse'* d. i. sie erhob ein grosses Geschrei zum Schei- 
ne, damit es lassen oder scheinen sollte , als ob ihr die Sache sehr 
zu Herzen ginge ; besonders bei Unglücksfällen. Jö Lder , Lehre , 
he hit *n gauhs lAer , er hat gute Kenntnisse ; 2, he ds noch äujn 
eLier, er ist noch in der Lehre. Dät Mäjl, das Mahl, dän. Maal, 
wird so gebraucht : en Myl Mölke , dän. et Maal Mälk , so viel 
Ifllch, als eine Kuh aufs Mal giebt; en Mäjl Pass, so viel Harn, 

als man auf einmal lässt; en Mä^l Ähse, dän. et Maal Mad, eine 
Portion Speise : jö MßjUidd , die Mahlzeit Jö Ifai^'fifi , ein Kasten 
oder Korb für Holz und Torf; der Kasten unter den altmodischen 
Ganiwinden, daher: de Mäujnneplock , das walzenförmige Wickel- 
hole, a«f welches man den Knaul (dät TjauUng) wickelt, weil 
dieaes 4n dem Kisten aufbewahrt wird. Jö M4id4f die Math oder 
Mäht, ist mit dem dänischen : en Mäy Mai, dem deutschen>ilfa^/e, 
dem engl, mead , meadow verwandt , und bedeutet meistens nie- 
drifp^, grasreiohe Wiesen, die zur Heuwindung liegen. Jö N3st; 
d^ Tranktrog fürs. Vieh, ist eigentlich: der oarg, und soll aus 
dem Gotbischen stammen ; genau genommen wird dieser Name 
auch nur von denjenigen Tränktrögen gebraucht, die alle aus 
eiDem einzigen Steine ausgehauen sind. Jö Priehs ist sowohl eine 
Piriae Tabacä , als eine gekaperte. Dät Riess , das Vermögen sich 
aufzurichten, z. B. jo Ko as fon 't Riess, die Kuh ist von den Bei- 
nen, kann nicht aufstehen; riesen, sich in die Höhe richten, 
daher: de Biese y der Riese. Dat Rvdd, von rudden, hin und zu- 
rüek durch einen Zaun oder über einen Wall kriechen, und 
dadurch einen Schlupfweg bahnen, wo keiner sein darf; diese 
Oeftauog heisst d^i Rudd, in Angeln: dat R& oder Roi, das engl. 
rou^, die unordentlicbe Flucht. Jö Säik, z. B. dät Bmck as m^ to 
Säih, ich vermisse das Buch , wörtlich: es ist mir zu Such. Jö 
Shrvtk, nupdie Tasche in einem Kleide. Dat Shuf-, der Schoof; 



fieluiiib, ein Bund Stroh; auch eine Garbe Korn, die jeder Bauer 
dem Feldhüter und dem Glöckner als alte Gerechtsame zu geben 
bat Dat Snauck, eine Kette mit einem Haken, etwas daran zu 
bangen 9 wie in KiUmmck, Kesselhaken, dat Län^ßesnauek , die 
Lampenkette. Jö Sögh, die Sau, von sögen, saugen. Jo S^ürr^ 
die Steuer, von surren, steuern» regieren; f^ll S^jürr IdsjL 
hold Stjrr. Jö Sjjäll, unübersetzbar, die Ordnung, Regel, Aehn* 
lichkeit, seines Gleichen. Dirr as itiffi SjäU md, fdjn Sjäü mij»y 
däi fället nint , sieht nach nichts aus. De Stäp , der Stapf, der 
lange Schritt; de Stäpe, die Stapfe, der Eintritt vom Fusse. — 
Dflt StäpstäkSf der Siegel; de TriUajpei, ein grosser, hölzerne 
Bock mit drei Füssen , oder hölzerner Dreifass ; der eiserne Drei* 
fuss ist de THfän^U oder Trdf&ujU. Dat Glaumtn , der Glumm , 
das Trübe im Wasser,{ daher glmmmig ^ glmnm; dat Graum, siehe 
oben , daher grämen, ausweiden , als Fische und Yögel. Jö Puhse^ 
die weibliche Schaam; dat Dünn, die Daunen, Flaumen, n4. 
und dän. Duun, Dunen; de Bloss, die Blässe, eines Pferdes; de 
Knüfp ist auch die Knospe ; dat Feit , der Filz , dän. Filt. De 
Droit, der Drillich, dän. Dreil; jö Kier, he gongt so to Kiers, er 
geht so zu Kehr; tökiersgungen , nd. tokeersgoon; dat Krät^ ein 
verkümmertes Ding, verächllich, von Menschen und Thieren. 



Die Nachsilben des Hauptwortes. 

§. 31. Diese sind: d», e, et, em, en, er , ere, erne, ense, ent, 
edp et, ert, ig, inn, ing , ling , ir, ke, ken, jen, duhm, shdp, 
häid, eise und niss, als: jö Lonshriumeroi , die Landschreiberei; 
de Kroge, der Grapen; de Knepel, der Knüppel; de Bäisem, der 
Besem; \6 Milien, die Mühle; de ShrHjdder, der Schneider; de 
Fasere, der Gevatter, richtiger: de Faser; de Wonseme r. Waith 
set, die Schnellwage, nd. und dän. en Bismer; de Fierense, 
die Feme; dat Aawent, die Schnürbrust; jö Döged^ die Tugend; 
dat Huget, die Anhöhe; jö uinert, die Ente; de Gulig , der Gal- 
gen; jö Kinninginn, die Königinn; dat Alkenir, der Erker; dat 
W6niiwng, das Fenster; de Ripling , die Blutwurst, wörtlich: der 
Reifling; dat Twilbor^jen, das Sabbertüchlein; dat Hierlugduhm, 
das Henogthum; dat Lönskop, die Landschaft, auch: jö Länshap; 
jö Saalighäid, die Seeligkeit; de Tachelse, die Deichsel; dat Liek- 
niss, das Gleichniss. 

§. 33. Die meisten Wörter , welche sich auf e endigen , sind 
Folgende » als : de uAife, der Affe , nd. de Aap , engl, ape , 
dän. on Abe; do JfUey jlUäte, der Gross vater; da Aune, collect. 



K3 

die Buttennilch; de Bahse, der Nutzen, Yortbeil; de Bahre, die 
Bahre, dan. en Baare> engl, barrow, a hier; de Böge, der Bo- 
gen, engl, a bow, dän. en Bue, nd. de Baag; de Bolle, die 
Beule, dän. Byld, engl, a beal, bile, boil; de Bürre, der Bauer; 
de Burre^ die Klette, dän. Burre, engl, bur; de Stägelburre, die 
Distel; de BauckstSwe, der Buchstabe , dän. Bogstav; de Büshe^ 
das Butterbrot; de Bulle, der Bulle, engl, bull; de Bohse, der 
Bote, nd. deBaad; de Bälle, der Ball, 2. der Ballen, engl, ball; 
de DShbe^ der Pfropf; de Dümpede, das Kopfkissen; d&t Drajnke, 
das Trinken; dat Ahse, das Essen; de Drä^e, der Drache, dän. 
«n Dräge, nd. de Draak, engl, drake; de Driegde, Verschlagsam- 
keit; de Ebbe, die Ebbe, engl, ebb, dän. Ebbe; de Egge, Seite, 
Kante, das dän. Eg' und das engl, edge; de Dihsse, getrockneter 
Kuhfladen; Bqjtte, Töchterchen in der Anrede; de Borke, die 
Beilade (in einem Koffer; de Falke, der Falke; Fäike, Bübchen; 
de Färe, die Gefahr, dän. en Färe; de Flohse, dän. und engl, 
flock ; de Fohle, der Fohlen , engl, a foal ; de Frage, die Frage ; 
ieFräude, die Freude; deFräthe, (verächtlich und gemein) das 
Maul, die Gosche, Fresse; de Frese, der Friede, dän. und nd. 
Fred ; da Flöme , coli, die Flaumen der Schweine , dän. Flom- 
mer; de Frohse, der Geifer, dän. Fraade, engl, froth; de Füjlle, 
die Falte, dän. en Felde, engl, a fold; Frmne, coli. Gefreundte, 
Verwandte, dän. Fränder; de Faane, (jö Faan), die Fahne, dän. 
en Fane, das engl, fan; de Fläbbe, das Hängemaul, die Fläbbe, 
dän. en Flab; de Finne, (jö Fmn), i. Flosse, 2. Finne, dän. en 
Finne , engl, fin ; de Fratnde , die Fremde ; de Flekke , die HäV 
then an der Spindel; de Gaawe, die Gabe, dän. en G&ye; de Glä* 
me, engl, a gleam, Schimmer; de Gahse, {Gahsmg), alles, was 
man gut gebrauchen kann; de Galle, die Galle, dän. Galde, engl, 
gall; de Göme, der Gaumen, dän. Gumme, nd. Guhm; de Glöme, 
die Kohlengluth; de Gnahse, die Gnade; de Grawe, die Hand- 
habe; de Gräme, Gränze, dän. Grändse; de Grause, die Gruse, 
-dän. en Gröde, engl, growth; de GrSme, die Halfter, djin. en 
"Grime, daher das engl, groom, (Stallknecht); de Hage, der Ha- 
ken, dän. en Hage, engl, a hook, nd. en Haak, Haaken, 2. der 
Schüttkoben , in welchen das Vieh von dem Flurhirten eingeschüt- 
tet, d. h. eingepfercht wird; de Hase, der Hase; de Hämme, eine 



S4 

Reibe Fennen in dem sogenannten Herrenkoge , die dureh einen 
ae umgebenden Graben von dem übrigen Lande getrennt sind; an 
yon andern abgefriedigtes Stück Land, der Ham, die Hemme. 
I>e HSlle, die Hölle, engl, hell; de Hiere^ der Herr; de Küam, 
der Heide, engl, a beathen; de Böcke ^ die Garbe 5 das deuiscbe 
die Hoeke, susammengestellte Garben, fries. de Shocke; de 
Barne, der Hamen (Reuse); de Bhie, altfries. der Hahn, in Bim$- 
bi^lke^ der Habnenbalken; de Hanken der Hahn am Fasse, däiL 
en Hanike; de Buge, die Hoge, Name eines Halligs; de B^Us^ 
Endscheibe^des Broles, de Hojnte-^; de Jäle (jöJahl), der Scbilf* 
i>der Teichkolben; de Jjnne, das Ende; de Jönge, der Junge» nd* 
de Jung; de Jöhrke, die Theurung; de Jöhse, der Jude, dän, en 
Jode, engL Jew; de Kaie, engl, a key, der Schlüssel; de Säm, 
der Malmzahn, nd. de Kuhs; de Kempe, der Kämpe; de Jßtie, der 
Keil, dän. en Kile; dß Kluge, die Klage, dän. en Klage; de Vase, 
Traube, Büschel, dän. en Kläse, engl. Cluster; de Knaake, der 
Knochen» nd. Knaak, dän. Knaag; de Kläwe, dän. en Kleve » das 
Halsband der Rinder , mit welchem sie an die Wirbel der Ställe 
gebunden werden, 2. der Zagel; deü[2äiiAe,dieHolper, Erdschollo; 
de Klöfme^ dän. en Klunds, ein dicker Lümmel; de Khbbe, der 
Kober ; de Knagge , der Zacken , um etwas daran zu hängen , 2. 
in einem Rade, d^. en Knäg'; de Knolle, der Fussknöchel, 9. der 
Pfeifenkopf; de KnoUe, dän. en Knold, ein derber Lümmel; de 
Kohle, i. die Kohle, 2. der Schliessstift bei alten Vorlegeschlössem» 
nd. de Köl, dän. en Kül; de Krage, i. der Kragen, 2. die Krähe; 
de Kr äse, dän. en Kräse, der Kropf bei Vögeln; de Knote ^ der 
Znoten, dän. en Knude, nd. de Knott, engl, knot; de KulU^ i« 
die Kälte, 2» das Fieber, dän. en Kulde, nd. de KöU, engl cpld; 
de Körne, ein spottender Hausgeist, (Komos?), 2. im Scherz n die 
Nase; de Krampe, der Krampf, clän. en Krampe, engL cramp; de 
Krage, der Grapen; de Kurde, dän. en Karte, engL' card, die 
Karde oder Kardätsche zum WoUkratzen; de Läge^ de Lenge, die 
Lage; de Läpe, der Lappen; de Lappe, die Lippe, Lefze, dän. en 
Lippe, en Labe, nd. und engl, the lip; de Lüngde, die Länge» 
dän. en Längde, engl, the length; de Ltmckke, der Bück, An- 
Mick eines Menschen, nach den Augen beurtbeilt, z. B. he hit nin 
gauhsen Lauckke, er hat keinen guten Blick , von laucken, lugea; 



K5 

de Lmuie, dan. en Lort, engl, a tard; de UewdB, die Liebe, 
od« de Leewde; de LSn^e, die Länse» diu. Lunstikke, engl, litich» 
pin; de Junke an de Ijägie, im Dunkeln und im Lichte; de Loche, 
dieLoeke, dän^ nd. und engl. Lock; de Löge, die Lohe, Flam* 
me, dän. en Lue, nd. de Laag; de LSnke^ die Hüfte; de Zuwe, 
der Glaube; de Mäge, der Magen, nd. de Haag, dän. Mave; de 
Miingde, die Menge, dän. en Mängde; de Mmide, die Mode, dän. 
und engl, mode, nd. de Mood; de Mtume, i. der Mond, dän. en 
Maaae, nd. de Maand, engl, moon, 2. der Monat, dän. Maaned, 
eoflL nonth. De Maure, i. das Moor, 3. das sogenannte Riesum«* 
moor; de Mose, das Torfmoor, dän. en Mose, engl, moor, Tergl. 
das Moor und de Maure; de Mdne, die Mähne, dän. en Man, 
lianke, engl, mane; dftt MöUce, die Mileh, dän. und nd. Mälk, 
engl. mUk; de D6jn$ey nd. dat Döntjen, Döhnchen; jö Mattk, die 
Mache; deJfanto, die Mühe; dt Mäjn^e, das Männchen; de Jfäii^, 
der Mensch, dän. et Menneske, nd. de Minscb; de Mijtle, in der 
Redensart : to MäitU himem, übel anlaufen, etwas Werthrolles 
beschädigen oder zerbrechen. Es bedeutet auch das Maass, als: 
JWftte Mallem y Maass halten, dän. at holde Maade; de Nätgiie, i, 
die NotOr 2. Melodie; de Närke, die Enge , von när^ eng, engl, narrow; 
de NShe^ der Nacken, engl, neck; de Njörke, die Niere; de 
Neme^ d«* Name, nd. de Naan, engl, name; de Näigde, die Nähe, 
Bd. da Neegd; de Necke, der Schlucken, engl, hiccup; de NHüte, 
der Nutzen, u. s. w.; de Ohfn», der Odem; de Ögse, der Ochse, 
^ 0», nd. de Oss , dän. en Oxe; de Öme, der Eber, dän. en 
Cyrae; dat ÖAb, das Oel; de Paashe, die Ostern, dän. Paaskc; de 
Piike, dän, en Pog, Paike, Jüngelchen; de Päpe, i. die Weiber- 
br«st, ä.die Zitze, Brustwarze, 3. die Muttermilch; de Pose, der 
OehseoEiemer , dän. en Pees; de Pamrte, i.das Thor, die Pforte, 
din. nd. und engl. Port, 2. der Kerker, 5. der Bienen- und Wes- 
penstachel; dePMe, i.die Pille, 2. das männliche Glied; dePjirse, 
die. Presse, dän. en Perse, engl, press; de Plage, die Plage, engl, 
plague; de Piünne, der Lumpen, nd. dePlünn; de Plagge, der 
Fohlen, dän. en Plag', engl, acolt or foal; de Pojnte, s. oben, ein 
WwfelhÖlzchen ; de Pose^ das Säckchen, dän. en Pose, nd. de 
Paas; de Pule, der Pfahl, dän. en Päl, nd. de Paal, engL a pale, 
jnle; dt PüUe, dän. en Pude, Hestepude, I, das Kummetkissei) , 



66 

% eiüPoUErde beim Deichen; de Pocke ^ die Pocke, Blatter, u.8.w« 

Qu oder Kw fehlt gänzlich im Nordfriesischen und kommt hoch* 

stens in Quaal, die Qual, und Qualster, der Qualstei^, vor; dieser 

Laut wird durch Tw vertreten. De Räme, der Rahmen, dän. en 

Ramme, nd. Raam; de Räme, die Dachschwelle; de R^me,didc 

Riem, d. i. Treibruder, dän. en Aare, engl, an oar, nd. Reem; de 

Riese, der Riese; de Rögge, der Roggen, dän. Rüg; de Rojnte, die 

kurze Mannsjacke; d^ Räwe, der Schürf auf einer vernarbenden 

Wunde, nd. Raaw; de Robbe, der Robbe, Seehund; da Rämke^ 

collect, die Ränke, dän. Ränker; de Säge, die Sache, dän. en Säg» 

nd. de Saak; de Säle, das Kummet; de Senne, die Sünde, eneL 

sin; de Seme, die Seime, die Peitöchenschnur ; de Seime, der 

vordere Bettrand; de Sjäme, der Schemen; de Shäse, der Schade, 

dän. Skäde; de Shjärdlihsse , die Schnittererndte ; de Shänse, die 

Schanze, dän. en Skandse, engl, a sconce; de Shäne, die Schiene» 

dän. en Skinno; de Sie, i. die See, 2. der See; de Slänge, die 

Schlange, dän. en Slange; de Släse, der Schlitten, dän. en Släde» 

engl, sledge; de Slörre, Nachlässigkeit, Fahrlässigkeit, von slor^ 

ren, säumen, nachlässig behandeln; de Slöpe, das lederne Brustr 

geschirr der Pferde; de Slijogte, von sijögt, eben, schlicht; de 

Shocke, yergl. Hocke; de Smäge, der Geschmack, dän. en Sm4g; 

de SniUte, die Schnauze, dän. Snude, nd. Snut,*engL snoui; de 

Snijdde, die Griebe, die Ueberreste des ausgeschmelzten Schweine* 

fetts, dän. Gr^ver; de Snäwe, die Schnuppe am Lichte, engl, a snuff; 

de Smühsse, die Esse; de Some, die Summe, Sum — ; de SoUme, 

die Kindtaufe; de Späse, der Spaten zum Torfgraben, dän. und 

engl, spade, nd. Spaad;'de Spihsse, die Speise, dän. en 8pise; de 

Sprainke, die Sprosse einer Leiter; de Spuke oder Specke, die 

Speiche, engl, spoke; de Spräßcke, die Sprache, dän. et Sprog, nd* 

Spraak; de Spijlle, die Spreize, der Speiler; de Swöme, die Sdiwei*r 

me, Ohnmacht, engl, swoon; de Stette, die Stelze, dän. en Stylte ^ 

engl, stilt; ie Stubbe, i. der Baumstumpf, Stock, 2. FamOieiH 

Stammsitz; de Stuwe, das Feuerstübchen , Feuerkieke, das engl» 

Steve; de Straate, die Strasse, nd. Straat , dän. Sträde, engL 

Street, strait; da Spurre, coli. Spitzenfalten als Kopfputz; de StSpe^ 

die Stapfe, engl, step; de Stücke, eine Stauche Torf; de Stele, 

der Stiel» nd. de Stähl; de Stunge, die Stange; de Stalle, die Stille; 



57 

de Shdcke, Gestalt, Form, nd. und dän. Schick und 8kik, als: 
däi hei nän Shacke, en gauhsen Shackc, nd. dät het keen Schick, 
en guden Schick; de Slägge, die Schlacke, engl, slacks, pl.; 
de Shurre, der Schlittschuh, engl, skate, dän. en Sköite ; de 
Shrädde, die Schräge; de Sträge, der Streicher z. B. zur Sense, 
der Häckselklinge, dän. Stryger, engl, stroker; de Stippe, die Stütze; 
de Tage, das Dach, dän. et Tag, nd. Dack; de Täpe, der Zapfen, 
tap, — ; de Thäie, der Vater; de Tele, die Diele, altdän. Tillie» 
nd. Dähl; de Tjäre^ der Theer, dän. Tjäre, engl, tar; d^ Tjdwse, 
der Kinnbacken, Kiefer, engl, jaw, chaw; de Töle^ das Haul; de 
Tole, ein Grasbüschel, Binsenbusch, u. s. w.; de Tome, i.der Dau- 
men, 2. der Zoll, nd. i. de Duhm, dän. i. Tommelfinger, 2. en 
Tomme, engl, thumb; de Tagte, der Gedanke; de Töfte oder Tagte, 
in Wähsertofle, eine Abzugsrinne unter einem Wege, kleines Siel; 
da Twäge, die Hefen; de Träne ^ der Tbran, dän. Trän, nd. Traan, 
engl, train-oil; de Tünne, die Zinke, dän. en Tinde, engl, tine; 
da Trame, pl. der Drum, Lädelfäden am Weberbaum; da Tönlle, 
die Klöppelzum Klöppeln; de Unneme, das Hittagessen; de Walle ^ 
der Wille, engl, und nd. Will, dän. Villie; de Wale, i. die Strieme, 
äehwiele, 2. in Tingwäle^ dän. Tingvold, in Norwegen: Budstikke, 
5. die Wulst; de Wijtte, der Weizen, engl, wheat, dän. Hvede, 
nd. W^ten; de Wihsse, i.die Weise, nd. und ^än. en Viis, engl, 
wise, 2. der Weise, nd. und dän. en Viis, 5. die Wiege; de Wäne^ 
der gute Freund, dän. en Ven'; deWidde, die Weite, dän. en Vide; 
de Weeste, der Westen; de ^ste, der Osten; de Sühsse, der Sü- 
den; de Naurde, der Norden; de Wjärlse, der Wirtel, Wirbel am 
Tüdder oder Spannstrick , damit dieser sich nicht zusammendrehe K 



* De Böshe^ das Butterbrot, ist nicht mit Büsht die Büchse, als 
Behältniss, zu verwechseln, wie in Böserbüsh, Spärbüsh, u. s. w. 

Dut Ahse dnDrqinke, ist: das Essen und Trinken, als Speise und 

Trank; die Handlung des Essens und Trinkens ist: dät Äh$en an 
Dr4inken. De l^gge, die Seite , ist nicht die wirkliche Seite eines 
Dinges, diese ist: jö Sidd, als:jö rögty jö leß Sidd, jö Slägsidd. igge 
wird so gebraucht: de hirr Egge, de janner Egge auf ä Struhmmy 
diese ,^ jene Seite, oder: diesseit und jensei t; ferner: Ick bän äw 
ddn Egge, ich bin auf deiner Seite, halte es mit dir; äw sdn 
J^gge, wofür man auch Kant, die Kante, gebraucht. De Frünn, 
ist von Frun/ne, Anverwandte, zu unterscheiden, als: dät äs man 



58 

Volksnamcn auf e sind: de Swedt^ de Preuse, de Russe, de Slaa- 
we,{l. der Slave, 2. Sklave); de Jose (Jude); de Hiese der Heide. 



Hauptwörter mit der Endung el. 
a. MäfmUehe. 

§« 35. De ^pel, der Apfel, ud. Appel, engl, apple; dat Ajngel, 
der Engel, engl, an angel; deBajngel^ der Bengel; de BajUel, der 
tf eissei, nd, B^tel; de Bässel, der Kappzaum, dän. et Bidsel; de 
Bibel, engl, bible— ; de Böget, der Bügel, dän. en Böil, nd. — ; 
de Büffet y der Büffel; de Buttet, die Büttel, nd. — , engl, bettle; 
de Dackel, der Deckel; de ßäuwel, der Teufel; de Drempel, der 
Drempel, die Schwelle; de Fibel, die Fibel; de Fögety der Vogel, 
nd. Faagel, dän. Fugl, engl, fowl; de Gäwel, der Giebel, od. GS- 
wel, dän. Gavl, engl, gable; de Gruppel, Abzugsrinne; de Ham- 
mel y der Himmel, nd. und dän. — ; de Hagel, i. die Ferse, 2. 
der Absatz am Schuh, 5. der Hagel, 4. Hagelkorn, Schrot, dän. 
1. en Qäl, 2. Hagl, engl. i. heel, 2. hail; de Högel, der Hügel; 
de Jögel, der Eiszapfen, das deutsche Jökel, und das isländische 
Jökul; de Kittel, der Kittel, — ; d^Knepel, der Knüppel; de Ärrifii^e/, 



Frünn , das ist mein Freund ; aber wätt sdn Frünne ist : wir tüki 
Anverwandte oder Gefreundte, dän Fränder; wir sind guteFreun» 
de (einander nicht feind) ist: wdU sdn gauhs Wäne, dän. gode 
Venner; de Flecke, s. oben, sind die Arme der Spindel; die daran 
befindlichen eisernen Häkehen heissen: dkNocke, pL, welches Wort 
auch: der Schlucken heisat, s. dieses; de Främde^ wird gau wie 
im Deutschen gebraucht, als: äujn'e Främde wesen^ in der Frem- 
de sein; de Främde kamt ütfe Främde, der Fremde kommt au& 
der Fremde. Dat Idägt, das Licht, als: Däislijägt, Wägsljäqt, ist 
zu unterscheiden von: de Ijägte, die Helle, als: ZMrr hänst dß 
sellew ävjn'e Ljägte stijnnen, da hast du dir selber im Lichte ge- 
standen. De Sitme, s. oben; zu Häupten des Bettes ist: de HaaAi^ 
Unge; zu Füssen: de Fß^ttlinge. De Sljögte von sl^t, schticbt, 
<ü^ slet , ist zwar im eigentlichen Sinne: die Ebene, dän. en Slette, 
wird aber meistens uneigentlich gebraucht, als: ite slaug me Am 
äken Stjogte , nd. he slog mi up eben Sligt, d. i. er schlug midi 
ohne alle Veranlassung, aus freien Stücken; däl kaum iw äimem 
Sljögte, CS kam ganz von selbst, unwillkürlich: Nö san waU OMfe 
Slijögte mi enauser, nun sind wir aufs Reine mit einander ge* 
kommen. 



59 

die Kringel, Bretzel, dän. en Kringle, nd. Kringel, engl. crackncll ; 
de Krätvel, der Krüppel, engl, cripple; dat Kräwely veräclulidi; 
de Kagel, der Kegel, däf). en Kegle, engl, kayle; de Mängel, der 
Matigel; de Mergel, der Mergel, engl, marl; de Nägel, i.der Na- 
gel am Finger, u. s. w. ± ein kleiner Nagel, nd. Naägel, dän. Negt, 
engl naü; de Ndwwel, der Nabel, dän. Nävi, engl, navel; de PiB- 
sei, der Pesel oder Pisel, nd. Pesel; de Pinsel, der Pinsel, dän; 
en Piensel, engl. peiKüI; de Prägel, die Stricknadel, das deutsche 
Priekcl, wie in Wurstprickd ; dt Pudel, l.derPudelHund, 2. einctt 
P. mtefa6ii beim Kegelspiel; de Rekel, der Rekel; de Puckel, i. 
äet Höcker, Buckel, 2. der Rücken selbst; de Saabet, der Säbel, 
ad. Saabd, dän, Säbel, engl, sabre; de Sdrkel, der Zii^el, engl. 
eirde, dSn. Sirkel; de Shainkel, 1 . der Schenkel , 2. der Schitlkcn; 
de SehSmmel, der Schemel, dän. en SkammeH; de Slüngel, der 
Seldiogel, däii. und nd. Slüngel; de Snaabel, der Schnabel an 
dnem IKnge, wie im Dänischen: enSnäble; bei Vögeln: dät NSbb, 
dift. et Neb; de Staapel, der Stapel, dän. en St&bet; de Staüigel, 
iet Stengel; de Stäiwel, der Stiefel, nd. Stäwel; de Stakel, dän. 
iiiid nd. en Stakkel, der arme Wicht; de Swdinget, der Seh wen- 
gdl, besonders am Dreschflegel und an der Wage, an welcher die 
Pferde d^'WagMf ziehen, an der Pumpe, u. s, w.; de Swändel, der 
Schwindel; de Stdmpel, der Stempel; de Snösel, nd. Snösel; de 
Spainkel, das Faulfieber mit Flecken; de Strippel, der Streifen in 
gestreiften Geweben; de Tdmpet, der Tempel, dan. und nd. ^i 
de Togel, det Zügel, nd. Tögel, däii. Töil; de Titel, der Titd; 
de TaUel, der Tüttel; de Toffel, der Pantoffel, nd. und dän. 
Toffel; de Wackset, der Wechsel; de Wäinket, der Winkel; de 
Wäsel, das Wiesel. 



* De Shämmel, gilt in all^ Bedeutungen des deutschen Wor- 
tes» e& ist aber sinnverwandt mit: dat Shom, wie etwa Sche- 
mel und Hltselie ; dät Sham und de Fäujttshäinmel werden als 
TSlUg synonym gebl^ueht; aber in fielen Fällen^ kann und darf 
man sie nicht mit einander verwechseln. So heissen die hori^oA' 
talen Bretter, welche die Fusse der altmodischen, langen Tische 
mit einander verbinden, auch Fmjttshämmle ; Weil man beim Es- 
sen die Füsse darauf setzen kann; hier würde Shorn durchaus 
verkehrt stehen. So sagt man auch: dät Bögshorn, Bläuel tisch, 
wo Shämiml oicht stehen könnte. 



60 



b. Weibliche, 



Jö Baawel, die Simse: jö Bossel, die Bossel, d.i. eine Kugel zum 
Werfen, wie jö Issbössel, Kägelbössel, u, s. w., engl, bowl; jö Di* 
gelf der Tiegel; jö Fägel, der Fehler, das Versehen; jö Fistel, 
i.die Fitze; 2. die Fistel; jö Fläiel, der Dreschflegel, engl, flail: 
jö Gichel, die Geige; jö Haawel, die Klunkermilch, gelieferte 
Hilch; jö Häwel, der Hobel, dän. en Hövl; jö Hagel ^ die Hechel» 
dän. en Hegle, nd. de Häkel, engl, heckle, hatchel; jö Käwel, 
die Koppel, z. B. Pferde, Hunde, u. s. w., engl, couple; jö Köwel, 
kurzer Frauenzimmerrock (petticoat); jö Kantöffel, die Kartoffel; 
jö Länget, die Lunge, dän. en Lunge, nd. de Lung, engL lungs; 
jö Mandel, die Mandel, nd. und dän. en Handel; jö Mängel^ die 
Hangel, kleine Handrolle, dän. Hangletöi; jö Rdingely der Henkel* 
topf; jö Räigel, die Regel; jö Sigel, die Sichel, dän. en Segl, nd. 
Sekel, engl, sickle ; jö Sjöhssel, dän. en Syssel, die Pässelei; jö 
Shauwel, die Schaufel, dän. en Skovl, engl, shovel, nd. Schüfiel; 
jö Taafel, die Tafel, nd. Taafel, dän. et Taffei, en Tavle, engl, 
table; jö Kugel, die Kugel, dän. Kugle; de Taagel, nd. — , der 
Zagel; jö Stauppel, die Stoppel; jö Wickel, nd. de Wiechel, die 
Weidenruthe, die Weide selbst; jö Ungel, die Angel, engl angle. 

c. Sächliche. 

Dat Aingel, das Engelchen; dat Aesel, der Esel, nd. und dän. 
Esel; dnxKrävel^ der Krüppel, nd. Kröpel; d^i Kapiiel, — ; dat Mi' 
raakel, Hirakel, grosses Gewirre; däi Räiel, in: Spannräiel, Spin- 
nenwebbe; dat Sägel, i.das Segel, 2. das Siegel. 



Mit der Endung en. 

a. Männliche. 

§. 54. De Auwen, der Ofen; de Dogen, der Degen; de Raor 
wen, i. der Rogen, 2. eine Verwünschung; de5a^^, der Segen; de 
Wäien, der Wagen; de GUlen, der Gulden; de Orden, der Orden; 
de Kögen, die Küche. 

b. Weibliche. 

Jö Brägen, der Brägen, engl, brain, brains, nd. Brägen; jö Btä» 



6t 

gen, dän. en Blegn, Bläschen, Blatter, engl a blaio; jö Ellen, 
die Elle, nd. en Ahl, engl, an eil, dän. en 'Alen: jö Fommen, das 
Mädchen, das engl, woman; jö Lägen, die Lüge, dän. Lögn, nd. 
Logen: jö Milien, die Mühle, engl, a niill; jö Stauwen, der Sta« 
fen, dan. Stavn, der Standort des Hauses mit dem Warf und Gar- 
ten, u. s. w.; jö Wannen y i.die Wunde, 2. als Verwünschung oder 
Fluch: dät de de Wünnen!: jö Nilken, die Nelke. 

c. Sachliche. 

D^i udiken, dän. en Allike, die Dohle, daher; dat Mkenier, 
der Giebelerker, wo sie früher oft nisteten. Dst jfiken^ das Ei- 
chen, eine eiförmige Riechbüchse; dät Backen, das Becken; dat 
Däken^ die Pferdedecke; dat Gagen, der Nutzen, dän. Gavn; dal 
Kugen, das Stuhlkissen, dän. en Hynde; dat Kapken, diminutiv^ 
die Tasse, das Tässchen; dat Laaken, das Laken, dän. Lagen, 
wie in Rielaaken, dän. Sparlagen , Bettvorhänge an messingenen Rin- 
gexi, die auf einer wagrecht ruhenden Stange vor- und zurückge- 
zogen werden; dat Sägen, die Sage, dän. Sagn: dat Sicken, der 
Seufzer, dän. et Suk, engl, sigh; dat Swälken, das Schwälbchen, 
engL swallow; dat Tieken, das Zeichen, nd. dat T^ken, dän. et 
Tegn, engl, tokep; dat Waapen, das Wappen, dän. Yaaben; dat 
Wäsen, das Wesen, dän. et Vasen, i. das Wesen als wirklich Sei- 
endes, 2. viel Wesens yon etwas machen; dat Saaken, nom. coli, 
für Vieh und Sachen; dat Sihssent die Seide; dat Shrdbüken, 
die Maske, Larve, auch der Haubenstock; dat oder jö Wolken, 
die Wolke, das engl, welkin. 

Mit der Endung er, 

a. Männliche. 

§. 55. De Aadler, der Adler; de ^nker, der Anker — ; de 
BoÜer, eine gewundene Rennkerze aus Wachs oder Talg; de Brcmh-- 
her, der Bruder, nd. und dän. Broder, engl, brother; de Daaler, 
der Thaler, nd. Daaler , dän. en Däler, 2. der Dotter im Eie; de 
Drofiker, der Säufer, dän. en Dranker, engl, drunkard; de Do/fer, 
der Tauber, Tauberich; de Eher, der Acker, dän. en Ager, engl, 
acre; de Däger, der Dccher, dän. et Deger,# CDgl. a dicker; de 



62 

Fajnger, der Finger; de Fidder, der Vater, dän. Fäder, nd. Faa- 
der, engl, falber ^ ; de Fähser, die Feder, dän. Fjeder, nd. Fed« 
der, engl, featber; de Cljärder, der Brotscbieber; de Hämmer , der 
Hammer; de Häinger, der Henker; de Haller, der Heller; de Hä^ 
ger, die Trespe (Bromus secalinus L.), dän. Heire; de Jäger, der 
Jäger y dän. und nd. — ; de Junker, der Junker; de Jörder, der 
Hirte, dän. en Hyrde, das engl, berd in: berdman und shepherd; 
de Kaiser, der Kaiser; de Kaper, der Kaper; de Kuffer, der Kuf- 
fer; de Konker, der Kanker; de Ljögter, die Leuebte; de Laper , 
der Knicker y Scbüsser, das Scbnellkügelcben ; de Maln^r, richti- 
ger: de Marmel, das Marmelkügelcben zum Spielen für Knaben; 
de Mäiüer^ der Meister, nd. — , dän. Hester, engl, master; de 
Maser, der Mörser; de Mäßder, der Mäber, dän. en Maier; dd 
Nummer, die Nummer, engl, number; AeNänrnr, der Nenner, und 
de Teller, der Zäbler in Brücben ; de Ömmer, der Eimer; de Prister^ 
der Priester, dän. en Präst, engl, priest; de Racker , dän. Racker» 
der Scbinder; de Racker, ein Scbeltwort, ddn grüte Racker, du 
grosser Rekel y Lümmel; deRidder, i.der Reiter, 2. Ritter, 3. das 
Reitpferd, als: de Shdmmel as en gauhsen Ridder, der Scbimntel 
ist ein gutes Reitpferd, lässt sieb gut reiten; de Rütter ^ der Rea<* 
ter, dän. en Rytter, im Militair; de Sdmmer, der Sommer; de 
Snajtter, der Tiscbler, eigen tl. Scbnitzer, dän. Snedker (Snitker); 
de SöUer, das latein^ sutor , der Scbuster ; de Shßrder^ Aeit 
Schnitter; de Shri^dder , der Schneider; de Thaser ^ der BueÜH 
weizen; de Tjaalery der Keller; de ürder^ der Erpel, Ekiterich, 
nd. de Wort; de Wonter, der Winter; de Wiksser^ der Weiser,, 

4 

Zeiger, nd. und dän. Yiser; de Edder, die Ader; de Tunner, der 
Donner, nd. — , engl, tbunder; de Kämmer, die Kammer, nd. 
und dän. — , engl. Chamber; de Swaager, der Schwager, nd. — , 
dän. Svover; de Gönner, der Ganser, nd. Ganner, engl, gander; 
de Höker, der Höcker, Trödler, engl, huckster; de Ringster, der 
Läuter, dän. en Ringer, engl, a ringer; de Ränster, der Renner; 
de Faarränster, der Yorrenner, der gleich nach der Predigt aus 



^ De Fidder y der Vater, und jö Mudder, die Mutter, sind die 
Namen der Eltern in Beziehung auf ihre Kinder; in der Anrede 
nennen die Kinder den Vater: Thäte, Täjte, Babbe, und die Mot- 
ter : Mimn , Meem oder Memm. 



63 

der Kirche rennt; de Kummer, der Kummer, nd^ und din. -*-, 
eagl. onmber; de Oüer, die Otter, dän. en Odder, nd. — , engl 
«n Otter; de Bojtar, der Böttcher, nd. — , dän. Bödker; de KUm* 
pier, der Klauer; de KImwer, der Klaustab; de Stämper, der La* 
destock, Stampfer; de Pulsher, die.Störstange, mit der man die 
Hechte ins Nets treibt; de Plwmpir, dasselbe, auch PluB^)stock, 
Springatock, mit dem man über die Wassergräben springt; de 
Trägter, der Trichter, dän. en Tragt; de Nager, der Neger, nd. 
imd dän. ^^, engl, negro; de Fäger, ein rechter Feg^, der was 
los maehea kann, dän. en feiendes Fyr; de TwiUer, ein flinker 
Bursdie, dän. en flink Fyr (1. für); de Täter, der Zigeuner, dän. 
Titer; de Säier, die Setze, ein irdenes Milchfaas; de /ulsr, der 
Stellmacher, von dem dän. Hjuly das Rad; de udsher, die hohle 
Sdüviel; de Gkuuer, der Glaser; de Wönrüidder, wörtlich: der 
Wahnräther, der: immer solehe Dinge unternimmt, die mialihgen 
imd ketnen Nutzen gewähren, vielmehr meistens Schaden faringto; 
de SknUery die Schulter, nd. Scbuller, dän. Skulder, engL Shoul- 
der; de SoUer, der Koller der Pferde; de IFt^iper, ein Besen 
xiim Abfegen der ausgedbroschenen Aehren^ 

b. Weibliche. 

Jq Modder oder Mudder, die Mutter, nd. und dän. Moder» engl, 
mother; jö Modder, die Muhme; jö Lädder, die Leiter; jö Liw- 
wer, die Leber, engl, liver; jö Böhser^ die Butter; jö Degter, ncL 
Dogter, engl, daughter; jö Söster, nd. und dän. — , en^gl. sisler; 
jö Shäier, die Schere, nd. Sheer. 

c. Säckliche» 

Dst Faueer^ das Futter für das Yieh , S. Unterfntter; dätRamser, 
das Roder; dat Tatler, der Teller; dit udller, das Alter, dän. e» 
Aider; dat Edder, der £tter; dät Häier, das Haar, nd. Und dän. -^ , 



< In einigen von Zeitwörtern abgeleiteten Substantiven auf er^ 
steht st vor der Endsilbe» als: de Ringster, der Läuter ;^ de Ring- 
sterenne^ der Abend des Grabgcläutes; de Ränster , s. oben; de 
W&wster, der Weber; de Trdlster, der Zauberer, von treten^ zau- 
bern. Diess sind alterthümliche Formen, aus ringen, ränen, 
weewen und trolen; die regelmässigen Bildungen müssten: de Am- 
ger, datier, Wäwer und Troler heissen. 



64 

engl, hair; dat Jädder, das Euter, nd. Jüdder, engl, udder; di 
Jücker, die Gerte, das Reis; dRi Kloster, deutsch, nd. und dän« — , 
engl cloister; dat Laagery i.das Lager, dän. et Leie, zum Lie** 
gen und Ausruhen, 2. Feldlager, dän. en Leir, 3. Waareolager; 
dat Zaster, das Laster, dän. en Last; dat Lähser^ das Ledar> 
engl, leather; dat Luder, das Luder (Aas); dat Münster, das Ma* 
ster, dän. M]n9ster; dat Mudder^ der Schlamm, Hoder, dän^Mud« 
der; dat Öfer, das Opfer, dän. et Offer; dat Öwer, das Ufer; dot 
Bahser^ ein einjähriges Kalb; dRt Tammer, das Zimmerbolz; dftt 
Tänner, der Zunder; dat Wähser, das Wasser, nd. Waater, engL 
water; dat Wähser ^ das Wetter, nd. Wädder, engl, weather, 

§. 56. Folgende haben die Endung em, als: de Äirem, der 
Arm, — ; de Bäisem, der Besen, nd. — engl, besom; de B(m* 
sem, i. der Yiehstall, 2. der Boden eines Gefasses; de Hamtem^ 
der Holm, kleine Insel, auch in Ortsnamen, als: Lindholm, Ock- 
holm,^ Stockholm, Bomholm u. s. w.; de Stierem, der Gerueh; de 
Swierem , der Schwärm , nd. — , engl, swarm , dän. s?änn ; da 
Täirem , der Darm , dän. Tarm ; jö Blossem , die Blüthe , engl, 
blossem; jö Fäihsem, der Faden, als Maass, engl, fathom, dän« 
en Fayn; jö Gässem, die Gäspe; dat Hukm, das Langhalm, Lang« 
Stroh, engl. halm. 

§. 57. Einige haben die Hehrheits-Endung ere in der Einheit, 
als : de Wäfisere , der Hammel , das deutsche Widder , das dän. 
Väder , und das engl, wether , welches ganz dem Friesischen ent- 
spricht ; de Käsers , der .Kater , nd. Kaater ; de Fasere , der Ge- 
vatter, dän. Fadder; richtiger wäre aber: de Wähser, de Käser 
und de Faser; so wie de Stäujnner, der Leuchter. Einigen 
giebt man gar die Endung ne in der Einheit, wie z. B. de Wad- 
deme , der Wittwer ; de Wmseme , die Schnellwage ; de PMeme , 
der Wiesbaum; de Hijnseme, der Brunnenschwengel; de Vfmemef 
das Mittagessen ; hier wäre : de Wadder , de Wanser, de Panter, de 
Hijnser und de Unner auch richtiger*. 

* De Hijnserne kommt zusammengesetzt vor in: Hijnsemetjöch; 
dieses besteht aus einem in die Erde gestellten Balken , in dessen 
oberem Ende eine gabelförmige Vertiefung ist, in welcher der 
Schwengel (de Hijnserne) auf einem Bolzen, als seiner Axe, ruht, 
an dessen Hinterende ein schwerer Klotz angebracht ist, und an 
dessen Yorderende sich die Brunnenstange (de Shäwringe) befindet. 



65 

§. 58. Auf ense, ent, ed, et, und ert, als: de Fierens^, die 
Ferae» nd. de F6rens; de Gröttense, die Grösse; de Tjoekenset, 
die Dicke; de lAckensef die Aehnlichkeit^ Gleichheit; de Hulveme^ 
die Halbscheid ; dat Aawent , die Sch&ürbrust ; dat Läwent , daa 
Leben; jö, Jöged^ die Jugend; jö Döged, die Tugend; jö Höged^ 
das Wohlgefallen an etwas; jö Blöged^ von blög (blöde), die 
Schaam, die Schäme; de Faaged, der Vogt, dän. Faaged; dat 
Huget , die Anhöhe ; dat Läigel , die Niederung ; jö u/neri , die 
£nte ; dat Länert , die Leinwand. 

§. 39. Auf ig und igt , ir und ier und inn endigen sich (oU 

sende, als: de Bäirig , der Berg, dän. et Bjcrg, nd« de Barg; 

de Bielig • der Balg , in : Blaasbielig , Blasebalg ; de Gulig , der 

Galgen; de Hallig, der Hallig, kleine flache Insel; jö Furrig, die 

Purcbe, dän. en Furre, engl, furrow; jö Spärrig ^ der Sperling» 

dän. en Spurre (Spurve), engl, sparrow; jö Swällig (Swielig), dei 

Schlund , das deutsche Schwalch , dän. et Svälg ; dat FälUg oder 

^^\Uig , Brachfeld , von fälligen , fuligen , fieUge» , brachen , engl. 

foUow-field; dät Märrig, das Mark, dän. Marv, engl, marrow; 

dat Tulig , der Talg , engl, tallo w ; jö Merrigt , das Mensch , die Motze ; 

de Birrigt, die Ernte; ir oder ier kommt vor in: LägetUer, der 

ILiügner, und in: jflkenier , Erkcrgicbel; inn, wie im Deutschen» 

ttls Kinmnginn^ Königinn, Kaiserinn, Hiertuginn, Uerzoglnn, Gro» 

"mwinn oder Graaumn, Gräfinn, von de Graaw, u. s. w.; diese 

Silbe ist im Dänischen inde, als: Gräwinde, Keiserinde, u. s. w. 

§. 40. Die Endsilbe ing treffen wir in: de Kinning , der Kö- 

^Oig, aitd&n. en Konning, engl, king; de Wiilistring , die Speise« 

^röhre, das Geschlinge; de Gäsing , alles» was einem eben passend 

&st, was man gerade gebrauchen kann; jö Ndslring, die Nüster» 

^ngl. nostril-; jö Tenning , die Schläfe , dän. en Tinding; jö Tihs» 

^ming^ Nachricht, Zeitung, dän. en Tidende, engl, tidings; jö 

Gräwing , ein breiter und tiefer Graben um den Warf, 2. ein 

33ach im Risummoor , der die Feld- oder Landscheide zwischen 

^em Oster- und Wcstermoor bildet ; jö Hijtling , das Geheiss ; jö 

JLöwring, die Gewitterschwüle; jö Lühssing ^ die Ohrfeige, dän. 

«n Lusing; jö Slaingring, eine kleine Schlucht im Wagengeleise; 

jö Gräring , ein kalter Schauer, das Grausen; de Pänning , der 



66 

PCenoig, dän. und nd. en PeDning, engl, penny, |^ pence; dat 
Wamiing, das Fenster; de Sörring, der Sauerteigkodien zum 

_ • ■ 

Säuern des Brotes; jö Ausmg , die Dachtraufe; de Wjärmiig, der 
eingestriehene Hauptschwaden beim Heumachen , welcher zusam-» 
mengediemt (»timet") und in Diemen (Ruke, Schober) , ange- 
setzt wird; de Wällering, der Weller, etwas zusammengewellertes, 
als: Heu, Stroh, WoUe, Teig, Lehm, Kitt, u. s. w. 
' §.41. Auf ling endigen sich: de BrSekling, der Broeken; de 
Hüttling , der Fingerling ; de Töhmling , der Däumling ; de SnäUh 
ling, dBs Knie; de FajUling , der Füssling; de Bijnling , der Bein- 
ling ; jö Gähsling , dän. en Gjäsling , engl, a gosling , das junge 
Gänschen ; jö Spilling , die gelbe Pflaume ; jö Hijlling , die Nachge- 
burt; jö ÜjlUng , die Mulde; de Repling, wörtlich: der ReifliDg, 
d.i. die Blutwurst; d^i udnnerling , ein einjähriges Lamm, Multer- 
lamm, — sonst Ailaumm; düt TjauUng, der Knaul; dät Laiimg, 
das Lägel ; dat Shräwling , das Angebrannte in der Pfanne und 
dem Grapen, besonders bei der Grütze; dat Twännling, der Zwil- 
ling , dän. en Tvilling -, engl, a twin ; dät TrArmling , der Dril- 
ling; d^iWälling , die Hilchsuppe , dän. Yälling; A^xSjöchling , das 
Küchlein, engl, chicken; dat Täling ^ dän. en Slye, lose ßrettor 
und Latten über die Fächer gelegt , um Heu , Getreide oder 
Stroh darauf zu legen; dat Hnaling , das Loch (Höhlung), dan. el 
flül , engl, a hole; de Tjdrtling, Lammsmist in Bohnenform; dsi 
Tjärling, der Würfel, dän. en Tärning, u. s. w. 
^ Folgende stehen meistens nur in der Hehrheit, als: de BäjUUnge^ 
hom. coli., Umzugsgut, Fahmiss; da Haadlinge, zu Häupten des Bettes; 
AkFäjtllinge, zu Füssen des Bettes; da Mäihslinge , die Masern, dän. 
Mäslinger, engl, measles; da BügsUnge, die Hosen, dän. Buxer^ 
nd. Bücks; Ak Ocklmge, der Platz unter dem Daclie auf dem 
Bodeii; de Plahsringe , wörtlich: der Plätscherling , Name eines 
O^tes in Nordrisum, wo immer Enten, Gänse und Wäscherinnen 
Kenimplätschern; de £natm77'^e, ein Stück Vorland im Herren- 
koge , mit sehr kurzem Grase bewachsen , das Pferde und Schafe 
mit einem knopernden Laut abfressen oder knopeirn , fries. Ane- 
ttWTw, daher der Name. 

§. 42. Die Endungen ke und ie stehen in einigen Fällen vcr» 
klcinernd, als: de Njörke, die Niere, dän. en Nyre; de Fäike , 



67 

das Bübchen; de Päike,dikn, en Pog, Pöike; de Borke, die Bei- 
lade; de Hönke, der Hahn, am Fasse, dän. Hanike; da Mäjnte, 
das Männchen; de Bäjnte, das Bündel; de Däjnte, das Döhnchen; 
de Prui$Ue, eine Kaue Taback; ferner: DöjUe, Pöjtte, de PijniB, 
de RiitUe , de Häjlle , de Hqjnte , u. s. w. 

§. 45. Auch die Silben ken und jen stehen verkleinernd in: 
dat uilken, d$t udikm, dat Hüsken, dat Kopken, dal Swälken, 
dat Bortjen, in TwSlbortjm, das Sabbertüchlein. 

§. 44. Die Endungen e^uAm und ^Aajotp. Das alte Wort duJim, 
als Endung, ist im Deutschen thum, dän. dorn oder dömme» 
engl. dorn. Im Dänischen ist es dämme ^ und ist ein Neutrum, 
wenn es den Umfang eines Gebietes anzeigt, als: et Keiserdömme^ 
et Fyrslendömme , et Bispedömme ; sonst ist es dorn und ist gemein- 
schaftlichen Geschlechts, als: en Helügdom, Heiligthum; en üngdum, 
die Jugend; Hedendom, Heidenthum. Im friesischen: dat Hiertog" 
dtfAf», Bishopduhm, Hiesenduhm, Heidenthum, Krdst^nduhm, Chri* 
stenthum, Allerduhm, Alterlhum, Hilligduhm, Heiligthum, Aienduhm, 
Eigenthum, u. s. w. — Shäpp, schaft, dän. skab. Dat Biesen-' 
shapp, dän. Hedenskap; duMönnshapp, die Mannschaft; dät Hier' 
9happ, die Herrschaft; dat Brausershapp , die Bruderschaft; dat 
SMlshapp, die Gesellschaf t , dän. Selskab; d^i Zännshap, die Land- 
schaft; dat Frünnshapp, 1. die Freundschaft, 2. Verwandtschaft; 
dat Naiberskappy die Nachbarschaft, nd. Naaberschop; dat Fijndshapp, 
die Feindschaft, dän^Fjendskab; Graawshapp, die Grafschaft; Swäfh 
gershapp, die Schwangerschaft; ß/dislershapp, die Meisterschaft; dat 
Tienershapp, die Dienerschaft ; dat TSrpshapp, die Dorfschaft; dät 
Jümßrshwpp^ die Jungferschaft; dat Riddershapp; dat Fiddershapp, 
die Täterschaft; Aadelshapp, Adelschaft; Swaagershapp , Schwäger- 
schaft, Äienshapp, Eigenschaft; Fängenshapp, Gefangenschaft; Kann- 
shapp, Kundschaft, Kenntniss; Gemienshapp, Gemeinschaft, u. s. w. 

§. 45. Die Endung äi entspricht dem deutschen ei und dem 
dänischen ie, als: dat Shriwweräi, die Schreiberei, dän. Skriverie, 
nd.Schriverie; Tjäseräi, Schwätzerei; Sw^nerdt, Schweinerei; Njä» 
seräif Säumerei; Mingeräi, Zauderei; Thieweräi, Dieberei; Präßtäi,. 
Predigt; Prdwstai, Probstei; GSckeräi, Geckerei; Goseräi, Gänselei; 
Bedrigeräi, Betriegerei ; Mäleräi, Mahlerei; Täigeläi, Ziegelei; 
Fdsherai, Fischerei, u. s. w. 



68 

§. 46. Die Endung eise kommt in folgenden Wörtern vor, bIb*. 
de Tdchehe, die Deichsel; de Tünnelse, die Geschwulst; de Räßd- 
ehe, das Räthsel; de Läpelse, l.das Laab, Rinnsal, 2. das Durch- 
Jaufen der Pferde, als: da Häjnste luppe Läpelse, die Pferde lau« 
fen durch, dän. löbsk , adj. läufisch; de Gräpelse, die Grapse, io 
Gräpehe stnitten, in die Grapse werfen, z. B. eine Handvoll klei- 
ner Münzen; da Häckelse, pl. oder coli, das Hacksei, der Häcker- 
ling; dat Spaukelse, das Gespenst, dän. et Spögelse, (dat Spatdi 
ist der Spuck, das verbum spaukeln); dat Röckehe, der Rauch, 
als Mittel zum Räuchern, wie in Königsrauch, Weihrauch, Räu- 
eherpul ver; dat Smökehe, dasselbe; dat Stdrkehe, die Stärke, 
der Amidam. 

§. 47. Die Nachsilbe häid, deusch: heit und keit, dän. hed» 
engl, hood und head, steht für heit und keit im Deutschen, als: 
jö Monnhäid , Mannheit ; Krastenhäid , Christenheit ; Njölhäid , 
Seh warfälligkeit ; Plumphäid; Drieghäid, Yerschlagsamkeit , dän. 
Dröihed, nd. adj. dreeg; jö Föklhäid, die Bosheit; Wälig käid, siBvk 
an Kräften, die Wäligkeit; Krönkhäid, Krankheit; Sünnhäid, Ge- 
sundheit, dän. Sundhed; MäUiäid, Tollheit, nd. Mallheit; Fast* 
häid, Festigkeit; Batterhäid, Bitterkeit; Dristighäid, Dreistigkeit; 
Däsighäid , Albernheit, Verrücktheit; Aienhäid, Eigenheit; Sdl* 
ienhäid; so auch aus: rien, rein; tagt, dicht; jtm^, dunkel; frish; 
rüch, rauch; /ri, frei; dgt, echt; blög\ blöde; wigtig; hier, kür, 
kürisch, dän. kräsen; laai, faul, träge; trat, müde. dän. trat» 
u. s. w. 

§. 48. Bildung des Hauptwortes, Das Hauptwort wird be- 
sonders aus andern Hauptwörtern, Beslimmungs- und Zeitwör- 
tern gebildet, jedoch hin und wieder auch aus andern Wör- 
terklassen, z. B. dat Twdnling^ von twdnne, zwei; de JUäitter, 
von mäst, meist; ijn, gegen, de Jjnne, das Ende; dahl, nieder, 
dat Baal, das Thal; döhr, durch, jö Bohr, die Thür, u. s. w. 

Hauptwörter aus andern Hauptwörtern durch die Silbe er. Jö 
Meilen, de Meiler, die Mühle; de Fash, de Fdsher, Fisch; de 
Häujdd, de Hävjtter, der Hut; dat Glees, de Glaaser, Glas; dat 
Shdpp, de Shdpper, das SchiflT; jö Eesh, de bisher, die Esche; 
jö Wüpp, de Wupper, die Aehre; jö Kutsh, de Kutsher; de Senne, 
de Senner, die Sünde; de Bieme, de Biemer; dat Krämm, do 



69 

Kriemmer, der Kram; dat Shmyl^ de Shmler, die Schule; ja 
Pott, de Pqjtler, der Topf; jö Dmw, de Doffer^ die Taube; dat 
Laiynny de Läujnner, das Land; de Paurte, de Paurtner, die 
Pforte; de J9u;A;, de Dicker, der Deich; de Drdnk, de Drönker, 
der Soff, Gesöff; dat Fä^ de jPä^er, die Schässel; jö Grauf, de 
Grauwer, der Graben; jö £a(<, de Käser, die Katze; jö It/äu;, de 
Kliwer, die Klaue; jö JiT/oii;', de Klötviver, die Klaue; jö^/ocA;, 
deKlöeker, die Glocke; de £/ät, de Kläier, der Klei, Marscherde; 
de Kraug, de Krauger, der Krug: jö Jlf(a[;(ld, deMäJdder, die Halb; 
de Maurd, de Maurdcr, der Mord; de Jt(;o^5, de Bfjogser, der Mist, 
Koth; jö Nagt, de Nägtert, die Nacht; de Plaug, de Plauger, 
der Pflug; dat ito^/, de Rögter, das Recht; de /tu/;, de Ruker, 
der Diemen, Schober; de 5/iJ^9 de Shöter, der Schuss; dat^/ii&fr, 
de Slubber, Koth; jö <S/m//, de S/iüllner, die Schuld; jö 5por, 
de Sporer, der Spoor oder Sporn; de Toll, de Toller, der Zoll; de 
TrSl, de Trohler; jö Wä^, de Wdgter, die Wacht; de Büttel, de 
Buttler, die Büttel; jö Gichel, de Gic/der, die Geige; dat Lujdd, 
de Lüjdder, das Loth zum Löthen; de Shänse, de Shänser, die 
Schanze; de il;7, de Illger, der Aal*. 



* De u/sher, ursprüngl. eine hohle Schaufel aus Eschenholz, 
welche jetzt auch aus anderm Holze diesen Namen führt. Die 
Esche hiess weiland jö ^sh, und noch jetzt im Dänischen en 'Ask. 
De Läujnner, der Länder, kommt, wie im Deutschen, nur in Zu- 
sammensetzungen vor, wie z. B. de HoUäi^ner, Gräinlät^7iner , 
JüUläiujnner. De Shauler ist aus dem älteren Worte Shaul ge- 
bildet, das auch noch jetzt in mehreren Gegenden gebraucht wird. 
De Fahser, gewöhnlich Fahsere, ist buchstäblich: der Fasshalter 
bei der Taufe. Dat Fat, das Fass, die Schüssel, nd. Fat, dän. 
Fad, ist im pl. da Fähse, und da, weinigstens vormals, die Kin- 
der meistens im elterlichen Hause getauft wurden , so musste 
einer der Taufzeugen das Fass oder die Schüssel hallen, daher 
die Benennung, woraus sich zugleich das dänische und plattdeut- 
sehe Fadder und das hochdeutsche Gevatter erklärt. — De Grau- 
wer, von Grauf, ist nur der Gräber, welcher die Gräben zwischen 
den Aeckern imRisummoor reinigt, sonst Grewer, Gräwster, Kläier, 
von grewen, oder Kläi. — De Klöwwer, der Klaustab, unten mit 
einer eisernen, breiten Doppelklaue beschlagen, um das zu tiefe 
Eindringen in den Schlamm zu verhindern. — De Mjogser ist i. 
der Ausmister, 2. der Sudler. — De Näglert , das Abendessen, 
Nachtessen; de Ruker, der den Diemen oder Schober setzt; de 
Jllger, der Aalstachel, die Aalpricke, ist eine unregclmässige Wort- 



70 

Fäsher ., Dicken , Grauwer^ Kläier, Plauger , Ruker > hdidder\ 
(Hehler, Shänser , Rigter sind aus den Zeitwörtern: fdshen, 
fischen; dicken , deichen; grauwen, graben; kläien, kleien;;pbK^ 
gen, pflügen; ruken, diemen, schobern; lHjdden, löthen; gicheln» 
geigen; shänsen, schanzen, und rügten, richten, gebildet worden» 
diese aber wieder aus den vorsiehenden Substantiven. Bei dea 
meisten dieser abgeleiteten Wörter ergiebt sich die Bedeutung 
derselben aus ihrem Stamm worte, als: Müller ^ Fischer, Glß$erp 
Schiffer , Kutscher , Sünder , Riemer ^ Krämer, Schüler, Topf er, Tank? 
6er, Länder, Pfortner, Deicher, Säufer, Kater, Glöckner, Krüget.^ 
Mäher , Mörder , Pflüger, Richter, Schütze, Schuldner, Sporer, ZolU 
ner, Zauberer, Wächter, u. s. w. 

§. 49. Aus Hauptwörtern vermittelst der Silbe ling , linge : 
Dat Hütt, de Hüttling; de Tome, de Tömling; da Fßjtt, de FäjU- 
ling, und da Fäjttlinge; dät Haad, dk Haadlinge; dät Rijn, de 
Bijnling; jö Gaus, jö Gähsling; dät Rep, de Repling; jö Feesi, 
jö Feestling; de Bajtte, de Bößtlvnge; jö Naas, jö N ostring; dat 
Ijü, däl Ijllinge; de 'Alk, de Allring ^. 

§. 50. Die §. 44 vorkommenden Wörter auf duhm und shapp 
sind auch grösstenheils hauptwörtlicher Abstammung; bei duhnh 
sind bloss Hilligduhm und Aienduhm von Adjectiven abgeleitet: 
unter shapp nur die mit schwanger, eigen, gefangen und ^6- 
mein gebildeten. Durch die Silbe häid lassen sich nur folgen- 
de vier aus andern Hauptwörtern bilden, als: Mönnhäid, Mann« 



bildung aus Ajl, der Aal. — Die Aalquappe, Aalraupe (Gadus Lote), 

so wie die Aalmutter (Blennius viviparus), heissen beide Äilemud* 
der, weil man sie für die Mütter der Aale gehalten hat, und dei^ 

Blutigel (Egel) ist de Ailehitter, wörtlich der Aalbeisser. 

^ Dat ßütt, der Deckel, z.B. eines Pfeifenkopfes, die Wurzel zu 
dem deutschen: Hütte; de Hüttling, der lederne üeberzug ei« 
nes verletzten Finders; Tömling, Däumling, ein solcher für den 
Daumen; da Fäjttlinge, i. pl. von Fäjttling, 2. Fussende des Bet- 
tes; da Haadlinge, zuHäupten; Feestling, Fausthandschuh ohne 
Fingerlinge; de Bajtte, das Bischen, de Bßjttlinge, gleichsam die 
Bischen, d. i. Umzugsgut; dät Jjl, das Feuer, düt Ijllinge, die 
Feuerung; Alk und 'Allring sind beide: der Iltis. — Die Verkleine- 
rungen auf ke, te, ken, jen, siehe §. 42 und 45. 



71 

heü; SrdstenhMd , Chrisienheh ; Mdnshhäid, Menschheit, und Shäth- 
häid, Sdialkheit. 

§. 5i. Mehr oder weniger unregelmässige Wortbildungen sind 
unter andern folgende, als: jö Bräjdd, de Bredgome^ der Bräuti- 
gam; jö Bjärst, de Bjärsel, die Borste und die Bürste; jö Dör 
oder Döhr, de Dörnsh-Thür, Stube; jö Gaus, de\Gänner, Gans 
und Ganser; dat Hüss, de Hühs, das Haus und das Heim, dän. 
et Hjem, engl, home; de Smdss, jö Smähs, der Schmied und die 
Sehmiede, dän. en Smed und en Smedie; dat Klüss, da Kluhse, 
das Tuch und die Kleider; dat Lass, das Glied, Gelenk, da Lähse, 
die GUedmassen; auch in Ugenlass, Augenlied, und ÖnlasSy Ant- 
litz; dat Bd, die Reihe, Zeile; dat Räck, der Riechel, Schüssel- 
brett, u. 8. w.; de Mann, de Mäjnte, der Mann, Männchen; de 
Sahn, Sänke, Sohn und Söhnchen, dän. Sön und Sönike, nd. 
Sönken; jö WAhs, de Wadder {Waddeme), Wittwe und Witlwer; 
jö Dägter, die Tochter, DcjiUe, Töchterchen; dat u/s, oder Aas» 
dät Ais, das Aas, als Schimpfwort in: RaawenäU und Aasknaake. 
Diess sind die wesentlichen Wortbildungen des Hauptwortes aus 
seines Gleichen; die übrigen stammen meistens von Bestimmungs- 
und Zeitwörtern ab. — Die Endungen ent, ert, ew, und ep kommen 
nur in einzelnen Wörtern vor, wie in: A<ment, Läwent, jö udnert^ 
die Ente; dat Lanert, die Leinwand; dat Knlew, das Kalb; dat 
Sukf»^ die Salbe; dat Hänep, der Hanf, und dat Sanep, der Seni 
§. 52. Hier mögen, bevor wir die Bildung des Hauptwortes 
weiter verfolgen, einige Stoff- und Mengenamen ihren Platz fin- 
den , als: a. Stoffnamen: jö Böhser , Butter; dat Britjd, Brot; 
Säihs, Käs, Flash, Speck, Smär, Schmalz; Tulig, Wägs, lAem, 
Kalk, Krüt, Kreide; Siep, Seife; GaujU, Sekoer, Kaawety Blie, 
Mudder^ Slubb, Slömm, Stimm, Schleim; Glees, Holt, Ha^rn, 
Sti{jll, Staat, Tan, Zinn; Swaawel, Allöhn , Sä^iU, Russ; Uli» 
Wolle; Flngs^ Brii, SHjnn, L&hser, Shdnn, Tjaare, Pdcki Hjdrt, 
Harz; Knaake, Gnustel, Knorpel; Sulew, Piaaster, Burk, Borke 
oder Baumrinde; Starkelse ^ Limm, Leim; Ruhmme, der Rahm; 
MöUce, Lieh, Teig; Snöte, Nasenschleim; Eesh, Asche; Swämp, 
Maus, Sierp, Kitt, Dünn, Daunen; Swiert, Kienruss; Sonwe/, Schmalz, 
Butter, Fleisch und Speck zum Brote, u. s. w.-^b. Mengenamen: 
da Paingsdege, die Pfingsten; da Aune, die Buttermilch; da Knäp- 



72 



linge, die Spitzen, Kanten; da Be6re, die Gebehrden, alle im plur.; 
dat Giß, das Geld; dät GrüsSj Gries; dat Gjärs, d^i Krüdd^ Schies&- 
pniver; dät Säjd, Gesäme; da uigne, pl. die Spreu; .dät lJntjög\ 
Ungeziefer; dät Groot, Grütze; da Grubene, die Graupen; da Trame, 
beim Weben; da Wäwle, pl. der Webstuhl, u.s. w. 

§. 55. Bildung des Hauptwortes aus dem Bestimmungsworte > 
mit der Endung e und de, als: 



lick, gleich, de Licke, 
käujl, kalt, de Kolle. . 
näi, nahe, de Näigde. 
long, lang, de Lamgde. 
kaurt, kurz, de Kaurte, 
widdy weit, de Widde. 
fi5r, eng, de Närke. 
8tdU, still, de Ställe, 
gäujd^ gut, de Gause. 
diep, tief, de Diepde. 
sUjgt, schlicht, de Slojgte, 
lief, lieb, de Lieivde. 
drögh, trocken, de Draghde. 
främdy fremd, de Främde, 
hug, hoch, de Hiigde. 
Uig, niedrig, de Läigde, 
wriess, böse, de Wrefise. 
funk, dunkel, de Junke. 
Ijägt^ licht, de Ijägte, 
rien, rein, de Biene, 

§. 54. Ohne bestimmte Endungen: 
büek, bleich, jö Bliek. - shu, scheu, jö Shu. 



blieky bleich, de Blicke, 
worm, warm, de Wärmde. 
läi, lau, de Laie, 
liess, leid, de Liese, 
g^w, schnell, de Gawe. 
shrädd, schräg, de Shrädde* 
neesh, zart, de Neeihe. 
rögt, recht, de Bogte. 
ripp^ reif, de Bippe. 
wass , gewiss , de Wusse. 
wäjtt, nass, de Wäjtte^ 

Auf ense. 

de Fierense, die Ferne, 
de Grottense, die Grösse, 
de Lickense, die Gleichheit, 
de Tjockense, die Dicke. 

Auf eise. 
de Trinnelse, die Runde. 



«er, wund, weh, jö Sierk. 
hijU, heiss, de Hdjtt. 
brijd, hi*eit, de Bräjt. 
seeft, sanft, jö Seeß. 
hulew, halb, de Hdlletot. 
uk, weich, jö Uk. 
lack, leck, de Lack, 
plät, platt, jö Plät, 



dußd , todt , de Düss. 
wäir, wahr, de Wjärd. 
wjärl, werth, de WjärL 
sSgt, seicht, dät Sägt, 
rogt, recht, dät Bögt, 
näi, neu, dat Näis. 
diep, tief, dat Diep. 
shör, steil, dät Shör. 



75 

u»^U, iiass, de Wdjt. l&ig, leeg, d$t LäigeL 

Uek, gleich» dat lAcknisSi mil, alt', dät ^/er. 

swänger, schwanger, dät Swän- Srmi arm, jö Ermäujd. 

gershapp, gemien, gemein, Gemienshapp. 

surr unid sörPi sauer, de Sür- höl^ hohl, dat Haaling. 

ring und de Serring, krumm, krumm, jö Kröming, 

blög, blöde ^ jö Blöged. äiwen , s. die Anmerkung» de 
jung, jung, jö Jöged* Äiwner^, 

hug\ hoch, dat UugeL 

§. 55. Auf häid endigen sich folgende , ab : bliek , bleich , 
blass, jo Bliekhäid; tSnn, dünn^ jö Tennhäid; hall, hell, jö Hall'^ 
häid, u. s. w. Auf dieselbe Weise werden aus nachstehenden Ad-* 
jectiyen Substantive gebildet, als: spass, spitz; fullp voll; iUwen, 
sachte; Uök, gleich; äien\ eigen; frdck, frech; wiss, klug, weise; 
hdrd, hart; nogm, genüglich; swäck, schwach; glöbsh, ungestüm, 
grimmig/ dän. glubsk; hillig, heilig; glatt, knäpf knapp, genau, 
kaum; suhrt^ schwarz; täsig, gricklich; fug, bange; fähg, feige; 



^ Die aus Adjectiven gebildeten nicht persönlichen Hauptwörter 
auf e, sind alle weiblich, als: die Kalte, Nähe, Länge, Kürze, 
Weite, Enge, u. s. w. , die friesischen dagegen alle männlich. De 
Gause wird so gebraucht: äujn 'e Gause, in der Güte; de Licke: 
dö fänst nög ddn lAcke, du findest schon deines Gleichen; dät het 
ja nän Licke, lickent nint, gleicht nichts, u. s. w. De Diepe oder 
Diepde ist die Tiefe, dät Dtep, das Tief^ nd. dat Deep, z.B. das 
sylter Tief bei der Insel. De Hugde, die Höhe, dat Huget, sanfte 
Anhöhe; de Läigde, die Niedrigkeit, dät Läiget, die Niederung, 
die Seichte des Bodens; de nrehse, der Zorn, dän. en Vrede, 
engl, wrath; de Junke: äujn *e Junke, im Dunkeln; äujn 'e Ljägte 
st&ujnnen, einem im Lichte stehen; äufe Riene wesen, aufs Reine 
gekommen sein; dät Lauert läit aw'e Blieke, ist ausgelegt zum Blei» 
chen, jö Bliek, die Bleiche, als Platz des Bleichens; ät^n *e Laie 
stäujnnen, im Lauen stehen; äujn'e Gäwe, in der Geschwindigkeit; 
neesh, zart, von der Haut, z.B. zwischen den Schenkeln und Fin- 
gern, daher de Neeshe, die Zarte der Haut, oberdeutsch: niesch 
und niesche, d.i. sanft abschüssig. Drieg, dan. dröi, verschlag- 
sam» was lange vorhält, 2. schwer, beleibt, u. s. w. Aw*e Wdsse 
Wesen, einer Sache gewiss, davon überzeugt sein. De Bräjt, die 
Breite; jö Brijdd, ein ganz breiter Acker, das Gebreite; deWäjtte, 
die Nässe, de Wäjt, das Nass; dat Sagt, die Seichte, auch das 
Ziel, und das Zielkorn an der Flinte. Dät Näis, etwas Neues, die 
Neuigkeit; blög, blöde, jö Blöged, die Schaani, die Schäme; de 

Aiwner, das Mittelstück der Wage an der Deichsel. 

10 



74 

trong, angst; angst, dasselbe; smuck, schmuck; trinn, rund; Udmm, 
klamm; kam, zimperlich, spröde von Mädchen; shäier, spröde Zr 
B. vom Glase; slierig, kosig, schmeichlerisch; samper, zimper, 
fein und zurückhaltend beim Zulangen; hämper, hart in der Rede; 
hier, kür; trat, müde; äim, i. wund, 2. weichlich; äimkräm, dan. 
ömskindet, zu empfindlich an der Haut; tagt, dicht; kränk, krank; 
twdrr, quer; wdhh, welsch, d. i. quersinnig; Idjtt, klein; grof, 
grob; dumm, dumm; ISmm, lahm; häU, hinkend; rög, rauch, 
wollharig; kahl, kahl; satt, satt; njöl, schwerfallig ;pfufii|>, plump; 
ßhl, I. boshaft, S. faul vom Fleische; lumsh, tückisch; lüss^ los; 
Mi ff, steif; päll, fest an; stup, dicht an; ßtt, fett; f äst, fesi; mim- 
tevy munter; wieeker, wacker; mager, mager; säker, sicher; häd* 
der, heiter; locker, lecker; säig, zähe; nägel, nackt; bär, bloss, 
bar; mürrig, mürbe; äirig, arg; äi^net, ungezogen; fahs^ unar« 
tig von Kindern; küss, heiser; äiwen, i. eben, 2. leise; graUem, 
laut; kunnig^ kundig; labhen, lebhaft, lebendig; UderUckt lieder* 
lieh; länig, biegsam; smiesig, geschmeidig; lustig, lustig; rigtig, 
richtig; wigtig, wdgtig, gewichtig; will, wild; meek, zahm; meet- 
lick, gemächlich; nijdlick, eingeengt, kümmerlich; «^adcferädfc, wi* 
derlich; wdnlick, freundlich; [rundlich, freundschaftlich; aagtem^ 
nüchtern; ähsrig, nüchtern d.h. nicht betrunken; d^^,echt; ttdiiMi, 
4. schlimm, 2. klug, gescheidt; snüss, nett, sauber, flink; snamd, 
schnöde; flink; snall, I. schnell, 2. pfiffig; shlunken, eingefallen» 
vom Bauche; slopp, schlaff, von einem Emlegemesser, wenn es 
im Stifte wackelt; bull, stumpf an der Schneide; ewig, ewig; smM, 
schmal; snurrig, schnurrig; shnaask, schnakisch; snä/wsk, rotng, 
von Pferden; ndU, stössig von Rindern und Böcken; spStsh, spöl« 
tisch; trau, treu; klär, l.klar, 2. fertig; fraam, fromm; mifig, 
geschäftig; däsig, albern; gritlsh, aufgeblasen; swahsen, gesengt, 
angebrannt; snäsig, schneidig, pfiffig; steil, steil; stramm, straff; 
iomm , zahm ; hall , hell; hall , gerne ; string , i . stark , von Gewünen . 
und geistigen Getränken, 2. strenge, von Menschen; stumm, slumm; ^ 
kijnn, schlecht, geringe; grimmig, grimmig; räirig, rührig; ämm, . 
offen; skief, schief; ihrlich, ehrlich; fair, stark; mögliek, mfig- — 
lieh; wieh, übel zum Erbrechen; bäish, bitter schmeckend; ämf, ^ 
taub; blinn, Mind; m, roh; rish, rasch; rien, rein;'9l(/iifi, glü- — 



78 

faend; -grimet, schmutzig» russig; öwel, übel; ndw, genau, knicke« 
rig; blank, blank; bdUer, bitter; shdrp, scharf; wUig, wählig» 
stark; struff^ straff; rienlickf reinlich; rddlick, redlich; saalig y se- 
lig; siUig, albern; sdlten, selten; sidd, zu weit herabhangend, Ton 
Kleidern; glübsh, reissend, grimmig; ßlsh, falsch; slörrig, fahr- 
lässig; slänk, schlank; rank, rank; drisiig, dreist; swßjtty süss; 
flow, flau; smdgtig, schmächtig; lagt, leicht; laai, faul, träge; 
s/ne, zart, von neugebornen Kindern; ihnlick, einzeln; ihnsaamy 
einsam; spärsaam, sunig, sparsam; fugtig, feucht; arkel, ungestüm 
vom Wetter; slöntg^ schleunig; fier, l.fern, 2. zurückhaltend, von 
Frauenzimmern mit vornehm gezierten Geberden; sti^sh^ hoch- 
müthig, höhnisch, von Frauenzimmern; kief, überdrüssig; stäsig, 
stätig; swär, schwer;* bläcket, verschossen, von Farben; foss, bär- 
beissig, kurz angebunden; friy frei; ntUt, nett; fjärsh, I. frisch, 
ungesalzen y 3. süss, vom Wasser; rüff, verschwenderisch; trüff^ bei 
guter Gesundheit; tähs^ noch ziemlich gesund; gläi^ glatt; jämsh, 
bezeichnet das Befinden nach durchschwärmten Nächten, katzen- 
jäoiaiei'lich ; aardig , artig ; mal , toll ; Idmplick , i . erträglich schlecht , 
vom Befinden; 2. glimpflich; auwerlänsh, buchstäblich: oberiän*« 
discb, die Weise bezeichnend, wenn einer sich auf eine fremdar- 
tige Manier hervorthun will; siump oder stumpet, zu kurz, be- 
scmders von Kleidern; maai, erträglich, so ziemlich; roset, faul, 
verfault; wräwel,yon Schafen, die in der Brunst sind, von Säuen: 
wni, von Stuten: walUg (willig), von Kühen: ägsen oder aagsen; 
äseUek, kläglich; wüt^ weiss; suhrt^ schwarz; rO^dd, roth; gähl, 
gelb; gräin, grün; gri^ grau; brünn, braun; braucket, bunt; spaa* 
weU, gelb und weiss gesprenkelt; sp5t^, scheckig; placket ^ ge- 
fleckt; skrock, sagt man von den Vögeln, wenn sie keine Eier 
mehr legen können, und von Spielern, wenn sie kein Geld mehr in 
der Tasche haben; geest, sieg, güst, gelt, ist eine Kuh, die keine 
MQch mehr hat, mäük, wenn sie Milch giebt; gm^d, gut; närig, 
erwerbsäm, besonders in kleinlichen Dingen, und in allen er- 
werblichen Richtungen; happig, erpicht auf, versessen auf etwas, 
besonders auf Erwerb und Gewinn; shluck, plötzlich verlegen 
werden z. B., he würd so shluck; iräll, n. d. drall, fest ge- 
dreht, von Zwirn u. dergl. 2. en träll Fänmen, n. d. en dralle 

10* 



76 

D^en, stäish, stätig, statisch, von Pferden, die nicht von def 
Stelle wollen^. 

Bildung des Hauptwortes aus dem Zeitworte. 

§. 56. Von den bereits oben §, 50 angeführten einsilbigen 
jBauptwörtem ohne bestimmte Endungen verdanken folgende ihre 
Enstehung dem Zeitv^^orte, als: dät Bad, von bahsen; dat Büfin^ 



^ Kier^ kür, küriseh, ist hier ein reines, kein abgeleites Ad* 
jectiv und wahrscheinlich die Wurzel zu küren, die Kur» in 
Kurfürst, Kurmark u. a. Meek ist mit tämm sinnverwandt, be- 
zeichnet aber einen hohem Grad der Zahmheit bei Hausthieren, 
als tdmm. Mätig, ist mit dem n. d. möten, dän. at möde, et Mode 
(die Zusammenkunft) und dem deutschen »meuten" verwandt» ynd 
wird so gebraucht: dät sjögt me janner so mötig ütt^ es sieht mir 
dort so bunt aus, wenn z. B. viel Menschen bei einem Unfall zu- 
sammen gelaufen sind , he het 't alt so motig , er ist immer so 
geschäftig, macht so viel Aufhebens von etwas, dät ^ögt noch 
motig üttn das sieht noch mühsam aus, die Sache steht noch im 
weiten Felde. Fair, dän, för (1. föhr) ist I. stark von Körper- 
bau, 2. von Sachen, dick und stark, z. B. von Balken, im Ge^ 
fensatz von klien, tenn und swäck, klein, dünn und schwach; 
. sagt man bei einem Gewitter: dät ds fair Wähser. Diesem nach 
würde die Insel Föhr, die Grosse bedeuten, da sie im NordMe-^ 
sischen Fair heisst, wie sie denn auch wirklich die grösste unter 
den dortigen Inseln ist. Cremet, dän. grimet, mit schwarzen Strei- 
fen und Flecken im Gesicht, von Kesselruss u. dergl., aus dem 
dänischen Grim, der Russ an Pfannen; en gremet Ko^ eine weisa» 
stirnige Kuh mit schwärzen Streifen. Das Wort: klien, dän. klein, 
entspricht nur dem deutschen »klein" in der Redensart: kaurt an 
klien mögen , kurz und klein machen , n. d. kort un kleen maa« 
Ken; sonst ist es: dünn und schwach, aber wieder in einge- 
schränkter Bedeutung, indem es nur von runden und eckigen, in 
die Länge gestreckten Körpern gebraucht wird. So sind'Z. B. 
Beine, Arme, Finger, Zweige, Stäbe u. dergl. klie», wenn sie 
4ünn und schwach sind, dagegen sind Bretter, Platten u. dergl.» 
die eine breitere Fläche haben, tenn, dünn; flöhsig, n. flödig, leicht 
und schwach, ist mit klien auch sinnverwandt; swär, jö Swärk^ 
schwer, die Schwere, und Wägt, Gewicht und Wucht, sind nicht 
einsdeutig; deMeke, dän. Mag, ist die Gemächlichkeit. Die Adjec- 
tive auf f lassen , bei der Verlängerung , diesen Laut in w über- 
gehen, wie shief, de shietoe Sträg, der schiefe Strich; jö Blöged, 
8. 0., ist erst etwas Beschämendes, etwas, dessen man sich schä-« 
men muss, als: dät as ja en Blöged, 2. die Blosse, die Schaam; 
jö hSt äi so faale, däfs har Blöged dirmd shöle kon, sie hat nichl 
SO yW\, dass sie ihre Blosse damit bedecken kann. 



77 

de Bijfm^ von binnen, binden; de Bielk, von bijlken; dät ufhk, von 
ägen, langsam fahren; jö Bdgg von bdggen, bauen; de Bähs von 
bitten, beissen; dät D5 f \on düivwen, tunken; jö Drdft von driw- 
wen, treiben; de Fäll, jö Fäll, von fällen; jö Fauhr von fairen, 
fuhren; jö Fähr, von fairen; jö fa»/ von fallen; jö F%< von 
/N^m; jö Frai von fräien; jö G/a/d[ von glaaien, glühen, in ütt^ 
^Umen, ausglühen; jö Grd^e^d von ^rdien, dicht wachsen; de Gripp, 
de Gr&hp und de Grawe von grippen, greifen; de Göth von gißten, 
Jessen; de Gang von gungen, gehen; dat Greef, jö Grauf von 
{^f^teen, graben; de Gäihs von gäisen, düngen; jö Haur von ftau- 
rMi; jö Hdx von haocen; jö /fin^ von hingen, hangen und hängen; 
jö Hijll von hielten, halten, und hijllen wieder von jö Hijll, die 
Heide; jö Jagt von (jagen; dst Jeft von jewen, geben; de Kähr^ 
jö Kier von kieren, kehren; jö Kiek von kieken, gucken; de Klang 
▼on JkJin^en; jö ü'/cuM von klädden; jö Klamm von klammen; de 
JEnoAp von knippen, kneifen; jö Klitsch von klatschen, mit der 
Peitsche knallen; de £un$^ von kaanen, können; de Kupp von 
faippen, kaufen; }öLähs von /^e», laden; jö Lse von /teii,miethen, 
dän. at leie; de Lupp von kippen; jö Li^ von Ueren, lernen und 
lebren; jö Mägt von mögen oder maagen; ieMdck von inacA:e», küs- 
sen; deMaurd von maurden; jö Ifäj/^ von mäjtten, messen ; dat Mät^tt 
TOD mäftten, begegnen; de 3Itick von inucÄ^n, mucksen; jö Plag von 
pligm; de jPu/f von puffen; jö Pmw von präiwen, probiren, prüfen; 
jö /Vtftu; von prangen, tauschen; de Räßdd von räjdden, rathen, 
errathen; de Rähw von riwwen, reissen; jö Räihs von räisen, reisen; 
de Jtmn von renen, regnen; de Ridd von ridden, reiten; jö Rull 
Ton rullen; jö Rähg von ragen, n. d. raaken, dän. at rage; jö 
Siyk von saikken, suchen; dat Sßjd von sien, säen; dat iS%^ von 
tagten, zielen, 3. dat Sagt vom Adj. 5^^, seicht, die Seichte in 
einem Acker, kleine Niederung; dät Sill von sillen, fliessen, trei- 
ben V. n.; jö Shäujn von shäien, geschehen; de Shär von sheren, 
scheren, schneiden; de Shin von shenen, scheinen; de Shöt von 
sh^tten, schiessen, i. mit dem Gewehre, 2. der Schössling z. B. 
einer Weide, einer Haselstaude; jö Shiehs von shiesen, scheiden; 
dat Shäm' von shaamen, schämen; jö Shöhl von shöleUy sich ber- 
gen vor Ungewitter, Schutz suchen, % furchtsam herumschlei- 
cben,.um nicht entdeckt zu werden; dat ShSf von shöwwen, vor-> 



78 

schieben; jö Shrdfl von shriwwen^ schreiben; de Shräi von shräim, 
schreien; jö Shräw von shräwen, schaben, scharren; de Släg von 
sluhggen^ schlagen; de SUeck Von derselben Wurzel; jö SUünk 
von shlainkefi^ schlucken» schlingen; jö Sling von slingen, schien* 
dem; dat Tool von tijUen, laut schreien, tosen; de Thög von 
tUn^ ziehen; jö Wagt von tc%en» wiegen» wägen; jö Wägt 
von Waagen, wachen; jö Waal von walen: jö VKoo^ von «mm* 
gm, wagen; dat Wäirk von wirken; de VKinn von woMfi» we^ 
hen; jö WeU von wSlen, ausruhen, dän. at hvile; de Wrdst von 
wrihssen, dän. at vride; jö Wäig von waigen, auf und nieder wip- 
pen auf einem ßrette» in einem Boote schaukeln; jö Stjäm von 
f^&ujen, in einer Schaukel; jö Währ von wihren, i, sich wehren» 
3. abwehren» daher jö H^dAr i. die Gegenwehr» 2. Kraft» Stärke; 
de Wänsh von wdnshen, wünschen; dat BaU, dat £»^ von biUen, 
beissen; jö Blahs von blasen, flammen» v. intr.» dän. at blusie^ 
engl, to blase f Subst. et Blus, a blazing; dat Bär von boren; dfil 
Brak von bregen^ gebrechen; de Brägh, de ^roi/?, de Bröhk von 
ftr^^en» brechen; jö Braahs von braasen^ braten; de Bräni, jd 
Braminn von ftränften» brennen; jö Daahs, jö jDt[;n5 von dtdiggem, 
thun; de D^ns von dönsen, tanzen; de Dr^ft von drainken, trin* 
ken; de Drück von drücken, drucken; de Druhm von driefiMfi» 
träumen; jö Färt von /iirefi; de Fängst von ßngen, fiangen; de 
FrÄsl von priesen, frieren; dat Fritt von frisen, sich einfiressen; jö 
Gaahs von gijtten, giessen; de Hdw von hdwwen, hauen; de Wärk von 
u^rien» auch ii^ärr^efi» schmerzen; de Knall von knaUen; de £rj^ 
von kregen, kriegen; de Lack von Ideken ^ lecken» leck sein; jö 
lien von Kenm» n. d. Idnen» leihen; dat Pack voa packen, i. xn* 
sammen packen» 2. sich packen; jö Bau und jö Jiö von rauen, ru- 
hen; datjRie^ von riesen; dän. at reise sig» engL to rise» to raise; 
rudden, dat Budd, s. o.; dat Shjärd von shiren, scheren» schnei* 
den; dat Shöf s. o. dat Shüff, dat iSAu/* von shöwwen^ schieben; 
de Wäink von wainken, winken; jö Waait von warnten, winken; 
jö Spaait, de Spaait von spaaüen, spritzen; jö Sühw von «lAtMi», 
schleppen; de Sndhs von ^^en» schneiden; dat Snöf von MitiMr- 
icwfi, schnieben; dat Spdtt von «pd^en; de Spring von spriit^afi; 
de Stähg von s^en, stechen; dat iS^ifc von stägen, stecken; jö 
iS^n von 5panii6ft»* spannen; dat iSrpdt» auch Spätling, von spdie». 



79 

qfieien; jö Stjürr von s^jihren, steuern; de Spärk von »parken, 
stossen mit den Füssen; jö Själl von stallen ^ gleichen; dst ßjöhn 
von äen, sehen; dät Sjjöhnk von sien, sehen; de Splähs von splü^ 
ten, spleissen; de Stämp, jö Stämp von stämpen, stampfen; jö 
Strädd von strädden, grätschen, engl, to stride; de SUjU von stijt- 
ien, stossen; de Stridd von stridden, streiten; de Sldip von släi» 
pm^ schlafen ; jö Swiep von »wiepen , dän. at svöbe » engl, to swaddle , 
einwindeln; jö ÖrUurd von Snturden, antworten; jö Swär von «iva« 
mm, däh. at sväre; de Tijnst von tienen, dienen; de Trähs, de 
Trähs von trisen; jö Träw von träwen, traben; jö Twöng von twiri' 
gen, zwingen, dän. at tvinge; jö Winn von winnen, winden; jö 
Dr^^von drSgen, tragen; de Stank von stjonken^ stinken; jö Sigt 
voü siSn; d&t Töch von Hm; de Smähs von smitteny schmeissen; 
jö u/gt von ägten, achten; de Ndck von nacken, nicken; dat Spot 
von späten, spotten; jö Pägt von pägten, pachten; de Wägs von 
mgsen, wachsen; de Struhmm von Strumen, strömen; dat Shäm 
von «Aoam^, schämen; de Strägh yon stricken, streichen; dat Bddd 
von bijdden, bieten; de Knapp von knappen, knipsen, schnellen, 
also: der Knips, der Schneller; de Fünst von finnen, finden; de 
Shridd von shridden, schreiten; dat Smeel von smSlen, lächeln, 
dän. et Smiil von at smile; dat Spdll von späten, spielen; de 
Sprüig von springen; de Stand von stmjnnen, stehen; de Bjjms 
von hjawsen, bellen, dän. at bjäffe; dat Lo f \on iSwen, 1. loben, 
2. versprechen (einem etwas) dän. at love; de Hähs von hähsen^ 
hassen; de Shrdck von shracken, schrecken; dat oder jö ,jdrw von 
ärwen {ihrwen) erben; jö Bogt von biegen, biegen; de RSbb von 
rMben, rülpsen, dän. at räbe; da Nocke pl., von nocken, dän. at 
hikke, schhicksen, engl, to hickup; dat Kiff von Mwwen, keifen; 
de Kamp von kimpen^ kämpfen; de Glahs von glidden^ gleiten; 
jö Fäihs von fajdden, dän. at föde, ernähren, engl, to feed, a 
food; jo Häiw von haiwen, wähnen, vermuthen; jö KKft von kUe- 
^6m, klieben; jö Ihl von ihlen^ eilen; dat Shrubb von shrubben, 
kratzen, die Krätze; de Birigt von bäkigen, bergen; jö Bäiek 
von bäicken, beuchen; de Stäp von stäpen, stapfen; de Hack, jö 
Biek, von hacken, hacken; jö 14jtt von läjtten, lassen; de Bjärst 
von Ijilrstenj bersten; jö Bräjdd von bräjdden, brüten, engl. 



80 

to brood und to breed; jö Löhr von lören, (lörren) lauern; de 
Graup von griwen, engl, gpoop*. 

§. 57. Folgende endigen sich auH e, als: de Luwe von lietDen^ 
glauben; de Spräike von spregen, sprechen; dat Ahse von ähsen^ 
essen; dät Drdinke von drainken, trinken; de Spihsse von gpihi' 
sen, speisen; de Ihre von ihren, ehren; de Tjöge von t^ögettp 
zeugen, der Zeuge; de Tögte von tanken ^ denken; de Fräthe 
von fresen, fressen; de Njütte von fißtlen^ nutzen; de Line von 
länen^ lehnen; de Sdpkey von süppen, nd. supeni saufen; de Gra* 



* Dät Büt, ein gehauenes Loch im Eise (eine von selbst offen 
gebliebene Stelle ist: jö Wdnwaag, die Wuhnej; dat J^a^^, die Pfei- 
fenspitze; de Bähs, i.der Biss, 2. die Schärfe einer Schneide; jd 
DaahSy die Thal; jö Düjns, viel Wesens; de Drücke der Dniek 
eines Buches, drücken ist krögefi; jö Greß, ein Graben um den 
Warf; dat Lddd, die Stürze, Topfdeckel, zum Pfeifenkopf: dat 
Hütiy sonst de Dackel; jö Rau und jö Rö sind völlig gleichbedeu* 
tend; dat Riess wird gewöhnlich nur von Hausthieren gebraucht ^ 
die nicht mehr aufstehen können, als: jö Ko as fönt Riess ^ die 
Kuh ist von den Beinen; dat Shuf, eine Gabengarbe. Wdinken 
und waaüen sind beide winken, sind aber nicht völlig gleichbe'» 
deutend. Waaiten kann nur mit der Hand und dem Arme, mit 
dem Hute, einem Tuche und dergl. geschehen; wdinken dagegen 
auch mit einem Finger, mit den Augen, und de Wdink kann 
sogar durch Worte gegeben werden. Jö Waait, die Winke, ist 
ein weisses Laken auf einer Stange an einem Ende des Hauses 
aufgestellt, um damit die Arbeiter vom Felde nach Hause zu 
winken, wenn die Hausfrau das Essen gekocht hat. De Snähs, 
ist i. eine Schnitte Brot, 2. der Pfiff; daher snähsig, pfiffig, schlau. 
Dät Stick ist der Griffel, Schieferstift; jö Spann, die Spanne, dat 
Spann f das Gespann. Jö Stjürr, hüjll Stjürr! halte Steuer, oder 
steure der Unart, dän. hold Styr. Själlen ist mit licknen ver- 
wandt, und wird so gebraucht: dat fället jd nint, oder dirr as w^ 
Själl äiijn, es gleicht ja nichts, ist kein Sinn darin. Dat SwijU 
von swdtten, schwitzen, wird auch vom Blute geschlachteter Thierc 
gebraucht. Önturden und swären, so wie jö önturd und dät Simir, 
sind sinnverwandt. De Trähs, der Tritt, däTrähse, die Trethölzer 
am Webstuhle u. s. w. De Strdhg, 1. der Strich, 2. der Streich; 
de Glähs: nö as 'tdw'e Gldhs, dän. nu er det paa Glid, nun ist es 
auf der Gleite, nun geht's. Jö Kluft, etwas Drolliges, Possierli-. 
ches; de Berigt, die Ernte; jö Läjtty jö släit so to Läßt, sie ge- 
behrdet sich so zum Scheine, dass es lassen soll, als ob u. s. w. 
Jq Bräjdd, i.die Brut, als: en Bräjdd Sjöcklinge, eine Brut Küch- 
lein, i. engl, brood, 2. to breed, 2. die Braut, nd. Brut, dän. 
Brud, engl, bride. Loren und lorren, so wie jö Löhr und jöLon*, 
lauem, die Lauer, sind in der Bedeutung nicht verschieden. 



8t 

we von grippen^ nd. gricpen» greifen; de Bare von bSren, altd* 
Imren, dän. at bare, nd. boren, engl, to bear; de Böge von Inen^ 
biegen; de Dümpede von dumpen, — ; de Frage von fragen; de 
Plage von plagen, — ; de Fräude von fräuen; de Böwe von riwwen^ 
reissen, kratzen; de Pähse von passen, pissen; de Graushe von 
gräien, wachsen, dän. at groe, engl, to grow; de Klage von klagen; 
deiydr^ yon pjärsen, pressen; de Slähse von slidden, schlittern, 
glitschen; de Slarre von slörren^ hinstehen lassen; de Smäge von 
mögen, schmecken; de Stvöme von swömenf schweimen; de Lauke 
Ton lauken, lugen; de Gaave von gäwen, geben; da Wäwle pl., von 
»iwen, weben; de Dqjnte von duhggen; de Bäge von ragen, nd. 
raaken, dän. at rage, engl, to rake; de Stippe von stippen, stüt- 
xen ; de ErSrnpe von krampen, krumpfen ; de Gäre von ^oren» 
garen; de Enote von kneten; de Kempe von kempen, kämpfen; de 
iSAäse von shäsen, schaden; de Bire von 6^en, gebehrden, pI. da 
Bire^ die Gebehrden; de Stäpe von stäpen, stapfen; AeJSwe von 
jiwen, in Näiihr^ewe, Neujahrsgabe; de Fare von /aren, die Ge- 
fahr; de Mäfjtte yon mäjtten, messen; de Liewde von liewen, lieben; 
de Rhe von rSsen, Rede stehen; de Spijlle von spijllen, dän. at 
spite, aufq)eilern; de Tage von ^^£en, decken, ein Dach legend 
^ 58. Nur wenige endigen sich auf ^, ent und el, als : dat Wäsen 



^ Liewen ist sowohl glauben als lieben; das sinnvollste Wort in 
der nordfriesischen Sprache, denn aus diesem Worte bildet sich 
de liewde und de Luwe, die Liebe und der Glaube, aus einer 
Wurzel, im Friesischen als unzertrennliche Brüder, ins Deutsche 
übersetzt als untrennbare Geschwister. Ich habe mich nicht ent- 
halten können, diese Bemerkung zu machen. Im Friesischen sind 
beide männlich , und also Brüder, im Deutschen männlich und weih* 
lieh, daher Geschwister. Liewen, glauben und lieben^ ist im Frie- 
sischen eins durch alle Zeitformen des Yerbums. Gott gebe, dass 
es auch durch alle Zeiten und bei allen Völkern bis in Ewigkeit 
so wäre, und Menschenthum und Christen thum nur Eins sein möch- 
ten 1 — Dumpen , sich rücklings niederwerfen , daher de Dümpede, 
De Slähse, der Schlitten. De Slörre, das Schlendern, die Fahr- 
lässigkeit» DeLaucke, der Blick: he hSt an fälen Laucke , er hat ei- 
nen oösen Blick, man sieht's ihm an, dass nichts Gutes in ihm 
steckt« De Rage von ragen , i. zur Seite oder herunterschieben, 
2. herumtappen, wie im Finstern, 5. rasiren , scheren, 4. faseln, 
von Kranken, die irre sind. In der letzten Bedeutung s^t man 
von irre redenden Kranken und Sterbenden.: Dät as äwen Rage md 

11 



82 

von whent sein; jö Lägen von Ijaagenf lügen; dAt LiwefU von 
läwen, leben; de Kraingel von hingen, die Kringel, Britzd; de 
Swdingel von swingen; dat Kräwel von krdweln, kriechen; de Adftel 
von r^ft^, recken; de Grüppel von grewen, graben; jö Eiweiß iet 
Hobel, von häwen, heben; dRi Räiel von räien, aneinander reihmi, 
daher de Räitrajd, der Reidraht; dät Spdnnräiel, Spinnenwebbe; 
de Tögel von fieh, ziehen; de Böget von U^, biegen; jö Spdndel 
von spemnen, spinnen; de Dackel von docken^ decken; jö Kiptel 
von kappen: jö Raingel von raingeln; de VTacftsei von iM^lcMifi, 
wechseln *. 

§. 59. Folgende endigen sich auf tn^ und Ung , al§ : jö H^ttkfff 
von Atii/Y/e^ halten , die Nachgeburt bei Thieren; dat Wälling tMi 
wällen, aufwallen am Feuer, dän» Yelling, dünne Grütze^ HildF 
suppe; de Plähsring von pläsem, plätschern; de KnSwring von kni» 
wern, knopem; de Wällering von wällem, wällei^n; diitTäUng vM 
tälen, hillen, die Hille legen; de Jrmng von ärwen, eiten; jtf 
Tiekning von ücknen, zeichnen; jö Liesing, wie in Wshset ti ^ ri m g ^ 
die Wasserlösung, Wasserleitung, yon Uesen, lösen; jö Shieäng von 
shiesen^ scheiden, wie in Lönshiesmg, Land- oder Feldsoheide; |5 
Ch^äwing von griwen, graben, ein grosser Wassergraben um dM 
Warf, »de Wäirew*\ und ein B^ch im Risummoor, der in Lind- 
holm jö Lönshiesing genannt wird. Ferner: jö Büing von büen, 
arbeiten, der Frühlingsfeldbau; jö Bähsring von bähsem^ bessern; 
jö Hijllmg von hijllän, neigen ; jö Dieling von dielest, theilen ; jö Tirimg, 
Täring von tSren^ zehren ; jö Hieling von kielen, heilen ; jö Adnkig vtm 
aanen , ahnen ; jÖ Döhssing von döhssen , deuten; jö A'tmering von imk 
n«m , ändern; jö Näring von n^en , nähren ; jö Rädning von radd§ik, 
retten; jö lljnning von ijnnen, enden; jö ApdSging von apdSgen^ 



harn, er faselt schon ; femer wenn ein Zustand oder die La^ eines 
Menschen sich verschlimmert. De Stäp, ein langer Schritt, der 
Stapf; de Släpe, der Eindruck vom Fusse, die Stapfe. Knekn isi 
einen Knoten schürzen; knesen^ kneten, den Teig bearbeiten. Ji 
Mäjlt , ist das Maass , de MäjUe , die Maasse, wie in : über die Maassen^ 
mit Maassen; in der Redensart: to Mäjtte kamen, ist es: übelanlau« 
fen , wenn man z. B. einen werlhvollen Gegenstand beschädigt edier 
zerbricht. 

1 Die unter §. 46 angeführten Wörter auf ehe, aU: TiohelWf, 
Tnnnelse u. s. w. sind alle zeitwörtiicher Abstammung. 



83 

«atdeokei); jö Regiering von regieren; jö Stiering von stieren, slö- 
fen; jö FortSUing von fortillen, erzählen; jö Telling von ^Ue», 
dUfio; jö Betäling von betälen; jö Bestdlling von bestallen^ besteh 
len; jö For$täpping von for stoppen, verstopfen; jö Forsägling von 
fare^geln, rersiegeln; jö Sijnning von n/nfien, senden; jö VKtjn- 
«jf^y von i9@iiiitffi, wenden; jö Apfäiring von apßiren, aufführen; 
jo B^rairing von berüren, berühren; jö Beshaaming von beshaa- 
mm^ beschämen; jö Bemäring von beswären , beantworten; jö 
Bihkmng von rägnen, re^chnen; jö Ldnnering von /aniMm, lindem; 
jö JWng von ^-tffi, ziehen; jö Sitting von «^ttefi, setzen; jö Ät^ 
wikssing von äujnwihssen, anweisen; jö Fordring von fordern (för- 
migen); jö Stilling von stallen, stillen; dat StdlUng, das Gestell, 
G^rail; jö Gjärsing von gjärsen, grasen und grasen; jö £««AriiD« 
iwv ▼^A Ae<Art»t0efi, beschreiben; jö Beliening von betienen, be* 
dieiieQ; dlt Späiling von «pdten, speien. So auch aus: formaanen, 
•rmahnen; fonounnem, verwundem; nUenen, meinen; fairen, füh- 
ren; fUlen, füllen; kieren, kehren; spännen, spannen; äwen, üben; 
wVi$9$n» weisen; begeren, hegehren; beshiren, bescheren; mal- 
4$»» melden; lunen, lohnen; Ionen, löhnen u. s. w. In einzelnen 
Fällen, weQn die Stammsilbe des Zeitwortes sich auf d oder t 
eadigt, wird dör Endung ein n vorgeschoben, wie in Raddning 
^m radden» ForwäUning, ForwujnstaUning , was aber selten vor- 

§. 60. Folgende endigen sich auf er, als : de DrwBwer von 
iriimwn^, treiben. So auch aus: shrimoen, schreiben; rögten, rieh* 



> Bitten, dän. at beide, im Oberdeutschen halden , sich nei- 
Ma# daher nun: jö Tann lau aw 'e Uißling, die Tonne liegt auf 
Qer Neige; das zweite hellen, von jö Hijll, die Heide, Halte, 
^ussfessel der Pferde, ist: den letztern dieselbe anlegen. Jö Tä' 
9i$sg wird auch für Auszehrung gebraucht. Jö Näring, I.Nah- 
rung überhaupt, 3. guter Erwerb, Verdienst u. s. w. Jö Bestdlling 
fiUt sowohl für Bestellung, als Bestallung eines Beamten. Dät Stdl' 
Kng von stallen, stellen, als dät Swdckstdlling , das Zweekgestell 
einer Windmühle. Späiling ist das Ausgespieene; dat Späiling 
von späilen, spühlen, ist das Spülicht, dän. Spöl (1. Spöhll Be- 
shiren ist i. bescheren, millheilen, geben, 2. bescheeren mit dem 
Scheermesser oder überhaupt beschneiden. Spännen ist von spän* 
nen, spinnen, wohl zu unterscheiden, so wie jö Spann, die Span- 
ne, von dat Spann f das Gespann. 

11 * 



84 

ten; kätinen, kennen; spälen, spielen; sammeln, sammeln; ISsm, 
lesen; prälen, prahlen; jüdden, jäten: hieren, hören; stiere»,- stö- 
ren; Heren, i. lehren, 2. lernen; (igten ^ fechten; drSgen, tragen; 
dansen, tanzen; dräien, drehen; rocken, rauchen; smöken^ schmau- 
chen; slägten (slagtigen) schlachten; süppen, saufen; drabJien, 
trinken ; ähsen , essen ; rddden, retten ; mingen , i . mengen , 2. zaudern; 
njäsen^ säumen, zaudern; tjäsen, schwatzen, waschen. Femer: de 
Tjawlety der Zänker; de Kriger ^ der Krieger; de Bonner , der 
Flucher; de Shijnner , der Schänder; de Tanker, der Denker; 
de Maler , der Mahler ; de Majtter , der Messer ; de Släiper , 
der Schläfer; de Bränner, der Brenner; de User, der Leser; 
Lauwer , der Lader , von lauwen, Garben und Heu auf dem 
Wagen zu einem Fuder bilden ; de Bagger , der Bauer Ton 
Gebäuden (der Ackermann ist de Bürre) ; de Händler , der EUbud- 
1er; de Bedreger, derBetrieger; de Gnieser^ der das Maul vei^errt; 
de Springer; de Läker,dev Lacher; de HSlper, der Helfer; de SUp- 
per, der Schleifer; de Stricker, in Lonstricker, der Landstreicher; 
de Driemer , der Träumer; de Fräier, der Freier; de Kläger, der 
Kläger; de Brauer, der Brauer; de Stijtter, der Stösser; de Sieger, 
der Seher; de S junger, der Sänger; de Tiener, der Diener; de 
Pägter, der Pächter; de Tjärsher, der Drescher; de Mager ^ der 
Macher; de Gißter^ der Giesser, u. s. w. Man kann in diesen Haupt- 
wörtern eben so leicht das Zeitwort wieder erkennen, als das 
Hauptwort aus den vorigen Zeitwörtern bilden. 

§. 61. Folgende , derselben Wortbildung angehörig , sind in 
Form und Bedeutung mehr oder weniger unregelmässig, als: de 
iMper von lupen, reg. de Löper von lupen, laufen, das Schnellkü- 
gelchen, der Schüsser; de Setter von selten, setzen, i.der Setier, 
2. eine flache Milchschüssel, nd. die Satte, Sette; de I^ögter von 
Ijogten, die Leuchte, dagegen ist der Leuchter: de Stä^jnner von 
stäujnnen, stehen, also wörtlich: der Steher; de G^ärder von gUd- 
den, gleiten, der Brotschieber der Bäcker; de Plumper und de 
Pulsher von plumpen und puhhen, die Störstange; de Wihsser yon 
wihssen, der Weiser überhaupt, wie in Wdiwihsser, Wegweiser, 
% der Zeiger an der Uhr; de Stönner, der Ständer, von stäujnnen; 
de Twitter von twitten, schnitzen, der Schnitzer: en flinken Twiiter , 
ein flinker, junger Bursche; de Böger von bögen, klopfen, bläuein, 



85 

der filäuel zum Bläuelo der Wäsche; de Kluseböger /mch der 
Klopfer oder Hammer an einer Thür; de Shärervonsheren, schnei- 
den, wie in Faasherer, Yorschneider; de Shjärder, der Schnitter, 
aus derselben Wurzel; de Fäger von fügen, rasch von der Hand 
arbeiten, dän. at fige, mit der Arbeit eilen; /%ef> ist fegen , daher 
de Fäger y z.B. in ShcrsUjnfager , Schornsteinfeger; de Stämper von 
9tSn^^, stampfen, der Ladestock; de Ridder von ridden, i. der 
Reiter, 2. der Ritter, 5. das Reitpferd; de Mter oder RüUer, der 
Renter (Husar); de Ringster von ringen, läuten; de Ränster vonrä- 
fieiiy rennen ; de Grewster von grewen, der das Grab gräbt; de Wäwster 
von wiwen^ weben; deHßjnger, der Henker, von hingen; de Drän- 
ker, der Säufer, von drdinken, trinken; de Süpper von süppen, 
saufen, dasselbe; de TSller, der Zähler, von ^{/^, zählen; deiVan- 
ner, der Nenner; dat Tänner, der Zunder, von Hjnnen, zünden, 
dan.Tönder, engl, tinder; de Kieker von kieken, gucken« daher das 
Fem- oder Sehrohr; de Jäger xon jagen; de Maurder, der Mörder, von 
mjirdeny morden; de Shrubber, der Eratzbesen, von ihruhben, krat- 
zen; de Sluckeryonsluckeny und dieses wieder von iluck, niederge- 
sdilagen; de irme Slucker , der arme Schlucker; de Slubber, ein 
Scheltwort von Slubb, dünner Strassenkoth , daher slubbem^ wie 
die Enten im Schlamme, von Menschen gebraucht für schlürfen, 
dan groUe Slubber! du grosser Eothhahn! oder so was; de Bieker, 
der Bäcker, von bogen, backen <. 

§. 62. Die Nachsilbe di, deutsch ei, dän. und nd. ie. Sie hat 
dieselbe Bedeutung wie im Deutschen und Dänischen , und ist 
meistens sächlich; nur da, wo sie den Ort der Handlung oder 



^ De KUtring, dän. en Kjeltring, wollen einige von dem alten 
Tplke der Gelten oder Kelten herleiten. Im Fnesischen hat man 
das Zeitwort kiUem, sich auf eine grobe Art mit einander herum- 
zanken und dabei überhaupt eine gemeine Denkweise verrathen; 
wie Hunde und Katzen mit einander leben. Solche Leute sind 
im Nordfriesischen: KiUringe, In der Schweiz heisstdas sogenannte 
Fenstern (im Friesischen: dät Nägtlupen) kiUem, und der KiUer 
oder Fensterer geht auf den Kiügang, auch Heimgärteln genannt. 
Obgleich nun das Fenstern auch bei den Friesen Sitte ist, so hat 
es doch mit dem Begriffe Kiltring nichts gemein, und ich muss 
daher die wahre Abstammung des Wortes hier unentschieden las- 
sen. Die Zigeuner in ihren Kneipen stellen ein wahres Bild von 
Kiltringen dar. 



86 

deq Umfang der Ausübung eines Rechtes bezeichnet, steht das 
weibliche Geschlecht, als: jö Länshriwweräi , die Landsdtireiberei; 
jö Brauerai, die Brauerei; jö LBnfaagedäi , die Landvogtei ; jö 
Sukkerkogeräi, die Zuckersiederei ; jö Prdwstaif die Probstei; jö 
Mäleräiy die Malerkunst; jö Präjtäi, die Predigt; jö Wäwßräi^ die 
Weberei; jö Baukdrückeräi^ die Bucbdruckerei ; jö Ba^keräi, die 
Bäckerei; jö Slaaweräi als Aufenthaltsort, sonst dat Skui/meräi; 
d&t Bedregeräi, die Betriegerei; d&t Spöteräi, die Spötterei; Tjcu^ 
$eräi, Schwatzerei; Sliereräi, Koserei; Smir^iA, Schmiererei; Slanh 
keräi, Näscherei; Raaseräi, Baserei; Mingeräi^ Zaudere!; Dä»g^ 
räi, Albernheit; Haxeräi, Hexerei; Drilleräi, Prellerei; Jjiweläij 
Zänkerei ; Ruweräi » Räuberei ; Thiewerai , Dieberei ; Driem$rii , 
Träumerei, u. s. w. Die sächliehen Hauptwörter auf äi führen 
.meistens den Begriff der Geringfügigkeit, wenn nicht gar der Yer- 
äehtlichkeit mit sich, was bei den weiblichen nicht der Ffd) i$%» 
§. 65. Aus dem Infinitiv jedes Zeitwortes kann man , wie im 
Deutschen, durch Vorsetzung des Geschlechtswortes dät, ein Hanpi- 
wort bilden, als: dät Laken, das Lachen; dat Drdinken^ das Trio* 
ken; dat Släipen, Gängen, langen, Shriwwen, Lesen, Tieten (aus- 
einanderzupfen, dän. at täse); dit Gniesen (Haulzerren) ; Drmmm, 
Tvinmen; Ringen, Läuten; Zieren, das Lehren und Lernen. Di^as 
gestattet der Infinitiv eines jeden Zeitwortes ohne Ausnahme. 

Bildung des Hauptwortes aus Bestimmungswörtern. 

§• 64. Auch aus dem Bestimmungsworte (Adjectiv) lassea jsieb 
durch den blossen Vorsatz des sächlichen Geschlechtswortes Haupt« 
Wörter bilden, als: dat üjll an Näi, das Alte und Neue; dat 
Witt an Suhrt , daa Weisse und Schwarze ; dat WojU , das Nasa , 
dagegen de Wqjt , die Nässe , äujn e Waitte , im Nassen ; dät iim 
OS bähsere as dät Främd, das Eigne ist besser als das Fremde; 
dal Bogt, das Recht; dat Diep, die Tiefe; dat Gäi^d, das Gut« 
u. s. w. Aus Fürwörtern und allgemeinen Zahlwörtern: dat Min 
an Din, das Mein und Dein; dat Faale an dat Laiet, das Yid 
und Wenig; dat Sin an Harr, das Seine und das Ihre. Aus dem 
bestimmten Zahl werte gehen die Namen der Zahlzeichen hervor, 
als: iö Jjn, jö Thiig, jö Trie, jö Fjaiier, jö Fieto^ jö SSgs, jö 



87 

Saawen, jö Aagt, jö Njögen, jö Tien, — Andre Bildungen aus dem 
Zttblworte riad : de Drilling , de SSgsUng , de Fierding , als Land^ 
und Tonnenmaass ; dat jfgendijl, das Achtel , als Maas« ; bei Bruch- 
thdlen setzt man Dijl, Tbeil, statt des Deutschen tel^ als: ein 
TrUetMjl, ein Drittel; en Fuirdendijl , Füftmdül, SSgstendijl, 
0. s. w. Hier wäre es aber bequemer sich der deutschen Endung 
tel f« bedienen und dat Tredel, Fierdel, Füftel, Segstel, Saawen« 
tel, AAcbtel, Njögentel, Tiendel zusagen. De TwdnnUng und de 
Trmmlmg , der Zwilling und der DriUing , entstehen aus den Zahl* 
Wörtern twdtme und trdnnet dän. tvende og trende, zwei und drei. 
Au8 dem bestimmungswörtlichen Bezeichnungen der Him« 
melsgegenden : ästen, wästen, süfissen, naurdent entstehen erst* 
lieh die Hauptwörter : dat j/sten , dat WSsten , dat Sühssen , dit 
Naurden , als : dät lau ai^ j/sten , WSsten , u. s. w., es liegt 
im Osten, Westen, u. s. w. Der Ost , West , Süd und Nord , so wie 
dar Osten , Westen , Süden und Norden » heissen : de u/ste , de 
Wiite, de Sühsse^ de Naurde, Anwendung: Dö shäfU ividdere t6*t 
Jstek, to't Whten, S&hssen an Naurden, du sollst weiter nach 
dem Osten, Westen u. s. w. lek gung am'ejfste, dm'e Weste, 
im'e Sühsse, dm 'e Naurde^ ich gebe gen Osten, Westen Uv s. w. In 
nwammengesetzten Ortsnamen endigen sich diese Wörter b&ufig 
auf ^, als: ^ster, WSster, Sühsser, Naurder, wie j/stersnotebiU, 
WSsUrhäwer, S&hsserläigem , Namderhoü, wie im Deutschen: 
Oster-, Wester-, Säder-, Norder-. Diess ist jedoch nicht immer 
der Fall. — Die. Adjective östlich, westlich, südlich, nördlich, 
liria^en: ästUek^ wSsttiek, sühsserUek und näurdUekj aber auch 
isterUekf wktertick, sühsserück, naurderlick d. i. ein wenig nach 
Osten, Westen u. s.w. Süd ist im Altfrieaisdien Sass^ wie noch 
in : Sossrihssem , Südriesum , und Sosslonhalm , Südlindhokn« 

Das Geschlecht der Hauptwörter. 

%, 65. Das Geschlecht der Hauptwörter besteht in der Eigen- 
thümbchkeit derselben, sich ausschües^cb mit einem der drei 
Geschlechtswörter de (der), jcf (die), dät (das) zu verbinden; die 
Kehrheit für alle Geschlechter ist da (die). Hierüb^ lassen sich 
nur wenig bestimmte« meistens nur sehr allgemeine Regeln geben* 



88 

Im Allgemeinen gilt , dass ein Hauptwort , welches einen Gegen- 
stand bezeichnet, der ein natürliches Geschlecht hat, sich auck 
in der Sprache nach diesem Geschlechte richtet, als: de Jfoftfi^ 
de Kräjdder, de Käser {Käsere), de Wjärt, de Ramm 9 de Bulle ^ 
de Shriwwer^ de Regler , de Shjärder u. s. w., der Mann^ der 
Hahn, der Kater, der Wirth, der Widder, [der Stier, der Schreiber » 
der Richter, der Schnitter, u. s. w. Ebenso: jö Hänn, jö Gaus, 
jö Wöff, jö M, jö Fämmen , jö Bräjdd ,* jö u/nert , jö Twig u. s. w./ 
die Henne, die Gans, das Weib, die Kuh, das Mädchen, die 
Braut, die Ente, die Quäne oder Färse. Ausnahmen machen 
hier: dat Shäip, das Schaf; dat Äjk, die Stuttei dat GSck; dat 
Mansch, das Mensch; dat uimerling , ein ein- bis zweijähriges 
Mutterlamm , und dat Äilaumm , ein Mutterlamm unter einem 
Jahre. 

Bei Thieren wird oft die Gattung und das Geschlecht zugleich 
bald durch ein: männliches, bald durch ein] weibliches Hauptwort 
bezeichnet, als: de Hünn, de Hdjnst, jö Hänn, jö Gms^ jö^ert^ 
jö Kätt, u. s. w. Die Mehrheit lautet: da Hütme, Hdjnste, Hänne^ 
Cäis, inerte und Kälte. Sie bezeichnen in der Einhät das mann» 
liehe oder weibliche Geschlecht und auch die Gattung» aber in 
der Mehrheit nur diese allein. Beispiele : De Graaw häü manmng 
HüHne , der Graf hält viele Hunde ; he het aagtäin Hdjnste aw 'e 
Stall, er hat achtzehn Pferde auf dem Stall; da Hanne sdn all 
m *t Rock y die Hühner sind schon auf der Latte ; mjarne shdn 'e 
Gäis slägtigt werde , morgen sollen die Gänse geschlachtet werden ; dd 
jfnerteJcaane jdm sillew nere, die Enten können sich selber nähren; 
da Kälte fange Müss, die Katzen fangen Mäuse. Bei andern wird, 
die Gattung auch in der Einheit nur allein bezeichnet, wo man 
dann, wie auch in den vorstehenden Fällen, für das Geschlecht 
besondere Namen hat. Reine Gattungsnamen sind z.B. dat Swinn, 
dat Griss, dat Shäip, dat Fill, dat Bjdm, dat Nüjtt, dat Bäist, 
dat Rahser, das Schwein, das Färkel, das Schaf, das Füllen, das 
Kind, das Rind, das Yieh, das einjährige Kalb, und dat Kulew, das 
Kalb, so wie auch dat Ree und dat ßjört, das Reh und der Hirsch. 
Wir wollen hier zuerst diejenigen anführen , welche den Gat-» 
tungsnamen mit einem der Geschlechtsnamen gemein haben ^ und 
darnach diejenigen , welche allein besondere Gattungsnamen und 



89 

Gescklechtsnamen führen. Geschlechts- und Gattungsname zu- 
gleich , entweder männlich oder weiblich, sind: Jö Hänn, m. de 
Krqjdder, der Hahn, der Kräher; jö Gms, de Ganner, engl, goo- 
se, gander; jö u/nert, m. de Vrder, der Erpel, Enterich; dat 
Shäp, m. de R5mm, der Widder (de Wähser oder Wähsere ist der 
Hammel oder Schöps) ; jö Kätt , m. de Kähser oder Kahsere ; jö D6ww » 
m. de Doffer, der Tauherich; de Hünn, w. jö Tahw, die Tiffe, 

P^KCy u. s. w. 

GaUungsnamen und Geschlechtsnamen mit verschiedenem Ge- 
sehlecfat: dat Swinn, de dm«, jö Söhg, Schwein, Eber und Sau; 
dat NiljU, dat Batst, de Bulle, jö JTo', Rind, Stier und Kuh; 
de Ht^st , de Wrijnske ,. dat ^tA, Hengst und Stutte ; de 
M^mihe y Mensch , de Monn, jö Wöff, Mann und Weib; de Kar- 
men, jö Wüssed, Mannsperson und Frauenzimmer; dat Bjäm, 
Kind, de Dring, jö Fommen, Knabe und Mädchen; de Jüngling 
oder de Jungmönn , jö Jümfer , der Jängling , die Jungfrau ; 
da Sösshene, die Geschwister, de Brauser, jö SUster, Bruder und 
Sdiwester; dk u/lleme, die Eltern, de Fidder, jö Mudder, Vater 
mid Mutter; de iSä^n, jö Dogter, die Kinder in Beziehung auf 
die Eltern; da Stjäpälleme, die Stiefeltern, de Sfjäpfidder, jö S^ap- 
fimdder; Stjäpfjjamey Stiefkinder, deStjäpsähn, jöStjäpdogter; HaU 
hßsosshene, Halbgeschwister, de Hallewbrauser, jö Hallewsöster ; da 
Farläwede, die Verlobten, jö Brajdd, de BrMgome, Braut und Bräu- 
tigam; jö IFdÄ«, de Wddder oder l^(wWeme, Wittwe und Witt wer; 
jö jdhl, die Grossmutter, de u/tte, jfltdhte, Grossvater; de Ohm, 
der Oheim; jö Modder, die Base, Muhme, Tante; Sösshenbßme, 
Geschwisterkinder ; Swiegerällerne , de Swieger fidder, jö Swieger* 
mudder, Schwiegereltern, Schwiegervater und Schwiegermutter; 
de Swiegersahn, jö Swiegerdögter , Schwiegersohn und Schwieger- 
dochter, und jö Snaar, die Schnur; de Swaager, der Schwager, 
jö Swiegerinn, die Schwägerinn. 

Anmerk. i. Bei kleinen Vögeln kann man das Geschlecht durch 
He und Jff bezeichnen, und sprechen : dät ds en He untig en Jö, 
das ist ein Er oder eine Sie; oder wie im Niederdeutschen durch 
H6ken und S^ken, ein Erchen oder Siechen. Jö Sähg, die Ziege, 
hat im männlichen Geschlechte de Sägenbock, 

Anmerk. 2. Der Widder ist offenbar genug das friesische de 

n 



90 

Wähler (WUtscre), das engl, a wether, und das dän. en Väder, aber 
immer in der Bedeutung zwischen Widder und Hammel wech- 
selnd. Der Widder, dän. en Yäder» ist das fries. Romm und da$ 
engl, mm, in der Bedeutung; und das fries. Wähsere. so wie dai 
engl, wether» heissen im Deutsche Hammel oder Schöps, und im 
Dänischen en BMe. Aehnliche Yerschiedendeutigkeitai findel 
man häufig in den verwandten Sprachen bei Wörtern von gleicher 
Urwurzel. — Ein verschnittener Stier ist im Fries, de Stier und 
de Ögse, wofür man in der Mehrheit auch das alte CoUectivum: 
da A'xne, dän-Oxen, Oxne gebraucht. Ein verschnittener Eber isl 
de Galt, dän. en Gilt, der Borg. Dat Fall, das Füllen; de Plag- 
ge ^ ein jähriges Füllen, und de Fohle ein zweijähriges. Ein jua- 
ges Gänschen ist jö Gahslingy nd. Gösling, dän. Gjäsling, engL 
gosling. Das Küchlein ist en SjückUng^ dän. Kylling. 

Anmerk. 5. Unter den Hauptwörtern mit nacktem Stamole 
sind die meisten weiblich, die wenigsten sächlich und die Mittel* 
zahl männlich. So finden wir unter der ersten Sammlung einsil- 
biger Wörter §.30, gegen 324 weibliche, 288 männliche und 260 
sächliche. Doch kommen auch in dieser Sammlung mehrere ab»* 
geleitete vor. Einige der Endungen jener Wörter gehören zwar 
vorzugsweise einem bestimmten Geschlechte an, aber wir finden 
doch fast immer Ausnahmen, als: dät Jjlly dat IHjl, dst F^, dfti 
Gijl, aber jö Hiß; dät Liok, dat Rick, dat Stick, aber de Dick 
und jö Wick; auh$, weibl. als: jö Auhs, jö Dauhs, jö Prauhs, jö 
Rauhs; ist, n^ännl. als: de Frost, de Krdst, de Rast, aber jö 
Last: aug, männl. als: de Kraug, de PlaMg,de Shauch; eess, stkhl. ab: 
dät Rleess, d^i Leess, dHReess, dHSweess, dHGleess, pl. Gl&h»; 
äst, m., de Gä^, de Twäst: äü^ w., de Ball (Tanzball), de Fäll, 
de Stall, aber jö Fäll, die FaUe, jö Sali, jö Själl, jö Täll; iihg, 
w., jö Rläihs, iöFäihs, jö Kläihs, jö Räihs^ aber de Sühs; äiufl, 
sächl. als: dät Bäujl, dat Gäujll, dit Shä^l, d^i Mm^l; aß, w., 
jö Broßdd, jö 6U[M, jö Mäßd, aber wieder de RSßdd, de Träjdd,^ 
und dat Saß; ävjnn, w., jö BräMJnm, jö Sh&vß, njö Hai^nn, jö 
Päußn, jö Mmffm^ aber wieder dät Laujnn ^ dat SäHJtm, de 
Strwu§nn; up,m., deHupp, deKup, deLup, deStup, in Krüdstup, 
und in Tjärestup, die Theermeste; ms, 8,, d$t Baus, dat Maus, aber 
de TäuSj jö Gaus; äU, $., d^i Malt, dat Salt, de Galt; ünn, s., dat 



91 

Tinn, dfit SdnUy dat Kinn, de Sinn; tnn, m., dcAinn, de Winn, Wind 
und Wein , jö Rinn , die Rinde » dftt Ltnn , der Hosenbund , de Shinn ; 
igi» w,» jö Bogt, jö Prigt, jö H^a^^, dat «S'd^^; auek , w., jö Krauck, 
jölfawdb, dat «^ftotfcft, der Kesseihaken; e^/, w.Jö Teel, jö Jlfeß^, jö 
2We{, jd Weel, dat fu^ee/; d/< Jö MäU, dat Ta/I, jö Getmtt; u%, 
dUt PuUg, dat 7ii%, de GtUig; Uty dat £t/l, dat£rä^ duFriU, 
dat ^AJ^^' du» dat FdlL Fell und Füllen, de Mall, de £ftii//, 
deSAoU; «t, AuGrot, du Tot, iöR3t;ähk, datu/M, dat i^mM, 
dat Stahk^ dat Snahk; ick, dat Adcik, dat PdcA, de Nick, der 
Nick, dejlfiic&, dat Swack^ d^i Krdck; ägs^jö u/gs, dai Flägs, dat 
W19S; «55, dat u/ss, dat PÄ55; ä/rs, de Bähs, }ö Läli$; iep, jö 
Stiep, jö Kniep, jö Zi^p, de Piep; ^p, de T^» de Knöpp^ de 
fftijpp, der Zwack, jö Läpp, de Krapp; eck, dat Fi^cft, dat £^A^ 
dat Speek, de Sect; iSi/t^ dat Bii^t, dat iVu;7^ S//4/^, SchSss, 
dat Btfß, deSlüjU, deKlüjU; ähs, de ßlahs, deSplihs, '^Nähs, 
jo Wähs; wujUy de Fäujti^ de KIoajijU^ auch jö Klingt,, jö LäujU^ 
jo fioi^, dat Saui^t; o^, jö F^d, jö Z^dd, de fldt(;dd, dat 
Jfiit(^i dat Giujdd; urst, jö ^lirs^, de fiers^* oucib» siebe oben: 
dat Bavck, dat Dauek, dat Snauek, de Daueky \ö Bauek; ump, ist 
m., de jRtmip, de Klump, de Bwnp, de Slump, de Dump, aber ja 
Aonp; jdri, de S^^'drt, de H^'drl, de l^'drl, Furz, aber, dat märt; 
M^ jo Ia^A, dat Krath; ärrew, jö Fdru^u;, jö Härrew; ui, jö^d», 
]& JVdi; dat fildi, dat Sldt, dat i^lrdi, de Brm; ddb, de Fodc,. 
iißBioekfdätLoek, dut Stoet; ^»de G^fi^.dc Sdng^ jö Swong; igg, 
jö ^1^, jö Jfd^^; «55V jö Mis, jö ilfö55, jö Frö5ft, de lfö55, di^t 
Ates, dat 6rii55, dat Krüss; ing, de Dring, de 1^^, jö Jltt»^, jö 
iStJn^, jö Wing; Sf, duDof, dat Snof, dat «S^ö^ deiT^A dat ShSf; 
Uk, de J?fieft, dat Lack, de SMk;Ai» de PäcA;, de Brück, jö XräcA;; 
^imm, dat SM^mm, dat Rüfnm; uhmm, de Buhmm, de Suhmm; 
«ftn, dati^iton, de Grünn, de ASI^fi, de lönn, de fum», dat/^n, 
jd Smänn; iss, dat J55, dat Griss, de /¥»5; ^, dat Swijtt, de 
StrijU: Jim, dat Bßm, de Mjwm, jö <$jdm, jö Hjwm, d^i Hßm, 
j4 ?%dfSi, dat Shjäm; igt, jö ^d^^ de £nd^r, dät «Vd^/t, s. oben; 
005^, dat Fde5^, dit Nee$t, dat W^eest, jö jPees^; aan, de P/oa», jö 
Baan, jöFatm; ig, deBäirig, dät Air ig, das Arge; ier, däiBier,jö 
Kier, jö Lier, de *«ier, dät Thier; ^, de 4/7, dmFijll, düi Mä^t, 
jö ÄÄfl(fH; ^:/^^ s. 0., jö Mißt, dat Sudjlt, de -910«; d;«, 4e iSf^, 

12» 



92 

de BajU, das Jucken; iek oder ieck^ jö ßlieck, jö Dieck, jöKiecky 
jö Mieck, ]ö Steck, dklAeck; ämp, deDämp, deStamp, }ö Stomp, 
jö Lämp, dät Swämp; ie, de Dt«, jö Xte, dit Pte; e«/*, dät 6r^/*, 
dSt Heef, dät ile^A dät Steef; dck, jö Döcik, de Block, de «Stocft, 
dät Block; öst, de FrJ«^, jö iT^f^, '^öNSst, }öRöst; änk, de Bank, 
jö Iiän&, jö Plänk, dät Plänk; de TurreK;, dät Shürrew; joFaurk, 
jö Staurk; aar, jö Snaar, jö ji^oar, jö £aar; defnn, jö Fi^rm, jö 
Penn: ann, jö I»dnf», jö ffann, jö Tann, dät Tann, de «S^ofi», dSt 
Sann, dät Shdnn, dät £(inn; (]|;nft, de Bldjnk, aber auch w. in 
jö Hallewblqjnk, de Lajnk, jö Kla^k; 6, jö ^rd, jö Ird, jö iid; 
dät Br^d, jö iVt(;VI; aum, dät Grdum, de Kaumm, de Kra/umm; 
iff, dät It/f, dät JK/f , dit iTm/f; ^66, jö jKre66, de £«66, At 
H^e66; d, jöixi, (ät itd; ull, dSX Uli, jö fiu/I, dät Smull, jö 
iVu//, jöüii/I; mn, de Jfann, jö iT^nn, jöP^nn, dät^S^önn, altfries. 
für S&ujnn, Sand; tnn, de TFtnn und jö Winn, jö üinn, de Rinn, 
dät Swinn; am, jö.P&rn, dät /öm, dät Shöm; järd, dät JdtYl« 
dät BjArd, dät Svjjard, dät Shjärd, de H^drd; dA^, de 7Vd^5» de 
Splähs, jö Smähs, jö H^d^; un^, jö i^un^, jö i^un^, jö Prung, de 
Ain^; edd, dät J?edd, de G^dd; d/2l, jö Drdfl, jö £rd/^, jö iSArd/t, 
de Sdft, dät 7d/)^; t/^ dät Bill, dät iSt//, jö NiU, de ^SiU; ar, 
dät ^r, dät Pir, jö ^'när, jö Swär, de i^^dr (im Auge); äik^ dit 
A^, jö ^d(/t, jö Kr^jk, dit r^/ft; otfm, de Taum, dät £DHim> 
de Raum, dät Haum; ick, dät IM, dät iS'/icA;, dät Aict, de Dtci, 
jö Wick, u. s. w. Auch die verschiedenen Endungen des Haupt- 
wortes, wie z.B. el, ling, er, ing^ häid, dt, u. s. w. können fa$( 
nie oder doch selten ausschliessend ein gewisses Geschlecht to^ 
stimmen. So heisst es: jö Sägel, die Sichel, und de Prägel; de 
Kägel, und jö Fägel, der Fehler; de Kinning, der König, jö Ujlting , die 
Mulde, dät Wanning, das Fenster, und so in vielen andern Fallen. 
Anmerk. 4. Obgleich die meisten der hier zusanunengestelltmi 
Wörter schon §. 30. vorkommen, so bedürfen doch einzelne derselben 
einer nähern Deutung , als: jö Auhs und jö£rä»&, Haken und Oehren; 
man sagt Kraike und Auhse, Häkchen und Oehren; jö Kläihs, die 
Nagelkratie, das Kratzen mit den Nägeln beim Raufen; dät Tweel, 
der Sabber, der Quiel; de Galt, der Borg, verschnittener Ebßr; 
jö Weel, die Erholung; jö Stiep von stiepefi , das Lichtziehen; de 
KUifU, eine Klollie Torf; de itiimp, l.der Rumpf, 2. das Brosts 



95 

lach; dät Bläi, die Farbe, als stolTlos gedacht, sonst Färrew; jö 
Sting, die Granne, wie ander Gerstenähre; jöDiek, das Grübchen; 
jö Faan, die Fahne; jö Plänk^ die Planke, dät Plänk, j^ Kanne; 
AaShürrew, die Räude, das deutsche Schürf; dät£ann, das Kinn; 
de Kraumm, die Krampe ; dät Smull, der Staub vom Torf, Säge- 
späne und dergl. ; de Gedd, der Hecht. 

Äiunerk. 5. Unter den , von Zeitwörtern durch Abkürzung ge- 
bildeten, Hauptwörtern ist, wie im Deutschen, das männliche 
Geschlecht vorherrschend, und im Dänischen das sächliche, als: 
de Prdck von pracken^ stechen, tüpfeln; de Rähw, der Riss; de 
Smu, de Stieck, de Släg, de Hdw^ de Shähr, de Snähs^ de Splähs, 
de Glühs, de Gang , de Song, de Klang, de Lupp, de Kupp, de 
Grahp, de Gripp, de Bjdws, de Fäll, u. s. w. Doch finden sich 
auch manche weibliche und sächliche darunter, wie: jö Bagg, jö 
Faur, jö Fähr, jö Gräjd, jö Hiw, jö Kieck, u. s. w.; inglcichen 
dit uihk, dät föc^, dat^räA; von bregen, mangeln; dät i^unn, dät 
DS^ dät JSft, dät 54/(2, dät Slißrdy dät iS^ü/f, u.s.w. 

§. 66. Männlich sind alle Hauptwörter auf er, welche männ- 
liche Yerrichtungen anzeigen, sie mögen von andern Substantiven 
oder von Zeitwörtern abstammen, als: de Meiler^ de Glaaser^ de 
Krauger, At Mäjdder, de^Kutsher^ de Driemer, Shriwwer^ Hdjn' 
ger, User, Driwwer, Shjärder^ Tjärsher^ u. s. w. Ferner bestimmt 
die Endung e das männliche Geschlecht, wohin auch die Endun- 
gen ere, erne, ense und ehe, zu zählen sind, als: de Kroge, de 
Möge, de Krage, de Wähme, de Vnnerne^ de TacheUe^ de Fie- 
rmse^ u.s. w. Eine Ausnahme davon machen: dat oder }ö Molke, 
die Milch; da Anne, collect, die Buttermilch; da Wäwle^ der Web- 
stuhl , auch ein collectivum ; da Kndplinge , coli, die Spita^n , Kanten ; 
Ol Beere, coli, die Gebehrden; da u/gne, coli, die Spreu; da Gru- 
hene, coli, die Graupen; da Träme, der Trumm. Ferner die § 46 
angeführten sächlichen auf ehe, als: da Häckelse, dät Röokelse, 
Smökelse, Stdrkeke, Spauekelse; so wie dät Aehse, dät Drc^e, 
dät* Öhle und jö D^tte, 

Die Endung er ist zwar allen Geschlechtern gemein , als: 
de Fidder, jö Mudder , dät Jädder; de Twüter , jö Dögter, dät 
Wdhser, u. s. w.; aber doch ist hier. das männliche Geschlecht 
weit überwiegend. Dasselbe gilt von der Endung el, wogegen 



94 

die Endung en so ziemlich gleichmässig durch alle Geschlechter 
vertheilt ist, und dasselbe möchte wohl auch von der Nachsilbe 
ling gelten. Bei der Endung em herrscht das männliche Geschlecht 
Yor, als: de Bwusem, de Bäisem, de Haulemt de Stierem^ de Swie» 
rem, de Täirem^ de Äirem; aber jö Fäiksem, jö Blossem, jö Gd* 
sem, die Gäspe, und dat Hulem, Langstroh; dat EHem^ Tag und 
Nacht, oder 34 Stunden, dän. et Etmaal« et Dögn (1. Döin oder 
Däun), nd. Etmäal. Die Endung ew kommt gleichfalls in alleA 
Geschlechtem, aber nur in wenig Wörtern vori wo das sächliche 
Geschlecht überwiegt, als: de Wairew, jö Härrew, dat Kutew, dat 
Suleuf, dät Wierew, das Gewerbe , dat Shürreuf, dät Farrew. 
Auch die Endsilbe ig geht durch alle Geschlechter, als: de Bip' 
rig, de Bielig, de Gulig, de Hallig; aber jö Furrig, jö Spärrig, 
jö Swällig oder Swielig, und dat MSrrig^ dat Fulig, 6^i TuUg, 
siehe §. 59. 

§• 67. Männlich sind ferner die Namen der Tage» Tagesrnten, 
Monate und Jahresseiten , als: de Sandäi^ de MoMfidäi, d« TSihS' 
däi, de Winsdäi, de Tdrsd&i, de Fräidäi, de SdmSfme; ferner: de 
Jfanmr , Februar, Mdrts^ April, Mai, Juni, JuU, August ^ Sep- 
tember, Oetober, November, Dezember; ingleichen: de DM, der 
Tag, de Jlffäm, der Morgen, de ilnn, der Abend, de Mdddäi, 
Fnarmaddii, Eftermaddäi; ausgenommen: jö Nagt, jö tUnägt^ 
(richtiger Midnägt)*, die Jahreszeiten, als: de Vhrs, de SAmrner, 
de Hirrewst (auch Hirrewt,) de Wonter; die Feste, wenA sie in 
der Einheit stehen, als: de Jüll, die Weihnachten, dePatishe, di^ 
Ostern; dagegen da Pijngsdege, Ak FSste, die Fasten, sind coU. 
im pl. 

§.68. Weiblich sind in der Regel diejenigen Hauptwörter, 
welche das natih-liche weibliche Geschlecht der Menschen und 
Thiere bezeichnen, als: jö Wö/f, jö Fömmen, jö Kinninginn, jö 
KS, jö Söhg, J6 Km, jö T&hw, jö Bann, Gaus, Jhert, TwSg, 
u. s. w. Dat Äik und dat Shäip machen allein hiervon eine Ans* 
nähme. Weiblich sind ferner die Namen der Bäume, wenn sie ohne 
den Zusatz buhmm vorkommen, als: jö Hill, jö Bq^, jö Ihk, 
jö Birky jö Fair, jö Aller, jö Lann, jö Iper, u. s. w. Die Sub- 
stantive auf hSid sind weiblich, als: jö Saalighäid, die Seligkeit, 
iö S&kerhäid, }öFälshhäid, jö Möhgliekhäid, u. s.w., werden aber 



95 

aneh oft sachlich gebraucht und führen dann nicht selten einen 
verächtlichen Nebenbegriff mit sich, wie dat Därighäid, dat Äs^" 
neihaidf dat Föhlhüd, u. s. w. Weiblich sind femer alle Haupt- 
wörter auf tn^ oder ning, die unmittelbar oder geradezu aus 
der Wandelfonn des Zeitwortes gebildet sind, als : jö Anneh 
ring, jö Aaning, jö Rddningf jö Bähsering, jö Shiemg, lAemg, 
u. 8. w. Desgleichen die auf äi ausgehenden , wenn sie Orts«* und 
Gcsehäftsbezeichnungen sind, wie in: jö L9n$hrkameräi , LönfaO' 
gMi^ Prdwstai^ Slaaweräi, als Aufenthalt; jö Türkäi, jö Negerai; 
)ö BrSnmräi, jö Suekerkogeräi , u. s. w. Auch die Endung ed ist 
weihlich in jö Doged, Jöged, Blöged, Höged; aber de Foäged, dat 
Marked. 

Einzelne Wörter vom männlichen und sächlichen Geschlechte 
stehen auch für das weibliche zugleich, als: de Fähier [Fahsere) 
Gevatter und Gevatterinn; de Warn, Freund und Freundinn; dfit 
Gkk, männlich und weiblich. Bei dem Worte Twdnnlmg^ Zwilling, 
kann man sogar alle drei Geschlechter nach Belieben gebrauchen, 
je naebdem man auf die natürlichen Geschlechter Rücksicht 
nimmt oder nicht, und de Twmnling, jö TvdnnU/ng und dat Tvmm- 
Img sagen« so wie ich alle drei Geschlechter bei dem Worte Pflug« 
sehaar im Beutschen gefunden habe, wo gar nicht einmal ein na- 
tiiiiches Geschlecht Statt finden kann. — . Bei einigen von Zeit- 
w&lera abgeleiteten Hauptwörtern, wo jene etwas Fehlerhaftes 
anzdgen, und wo man das männliche Geschlecht regelmässig 
darch die Nachsilbe er bildet, behält das weibliche bloss die Stamm- 
silbe des Zeitwortes, was besonders bei folgenden und ihnen ähn- 
lichen Wörtern der Fall ist, als: piesen oder piesem, gasen, Ijä- 
tm, twiUwädden, fijäsen, Slawen, u. s. w. , wo das männliche Gc- 
sehlocht dePieser, de Goser, de Tjäser, de TmUwädder, deNjäser, 
de S^wer, und das weibliche jö Piehs, jö GShs, jö Tjähs, jö 
TmUlwad, jö Njälis und jö Stjähw heisst. Piesem, gasen, Ijäsen, 
und twitkoädden heissen rappeln, schwatzen, wasdien, plappern, 
aibem in den Tag hinein schwatzen; njäsen, säumen, zaudern, 
Ujiwen, mit langen Schritten albern einhertreten oder stolpern 
und dabei mit Gleichgültigkeit oder Geringschätzung umhergaffen 
und auf andre herabsehen. Auch muss das männliche Geschlecht 
nicht selten das weibliche vertreten, als: jö as en gauhsen Wätv- 



96 

ster, ShjArder, Shriwwer, u. s. w., indem hier die Endung inn 
nicht wie im Deutschen gebräuchlich ist. Die übrigen Einzeln- 
heilen in Beziehung auf das weibliche Geschlecht der Hauptwör- 
ter sind in den vorhergehenden Wörtersammlungen und Zusam- 
menstellupgen von Wörtern durch das vorgesetzte Geschlechts- 
wort angezeigt. 

§. 69. Sächlich sind die Namen d^ Erdtheile, der Lander, 
Städte» Flecken, Dörfer, Districte, Landschaften und Inseln, der 
Metalle, einzelner Buchstaben, der Himmelsgegenden, die Namen 
verschiedener Zahlenbestimmungen, die als Maasse dienen, und 
die aus andern Wörterklassen zu Substantiven erhobenen Wörter, 
als: dat towägsend Amerika, das anwachsende Amerika; dat gäujl- 
rick Australien, das goldreiche Australien; dat mil an groU Asien, 
das alte und grosse Asien ; dat ünrauig Europa , das unruhige 
Europa; dat hiß Africa, das heisse Africa. Der Länder: dat 
IdjU Dannemark; dat grott Ruslmjnn; dat wdnlick Italien, das 
freundliche Italien , u. s. w.; aber jö Sweits. Der Städte: dHsmuek 
Kopenhagen; dat üjll Köln; dit gröttartig Petersburg; dat la^ 
Arreskjöbing , u. s. w. So auch der Flecken und Dörfer und der Land- 
Schäften: dat gjärsrick Ahserstähs, das grasreiche Eiderstedt; dit 
fätt Holläujnny das fette Holland; dätifjll Pollwäirem; dät Aamti- 
rick Ongeln, das kornreiche Angeln. Der Weltgegenden: dat u/e^ 
ten, Westen, Sühssen und Naurden. Der Zahlenmaasse, als: dat 
Hunnert, dat Duzend, dat Tdlt, ein Tult, Zwölfter von Brettern, 
dat Sniess, das Stieg, dat Shock; aber jö Dauhsenn, das Dutzend, 
und jö Trahw, die Stiege, 40 bis 60 Garben oder Bunde Lang- 
stroh. Der Metalle, als: dat Gänjll, dat SSlwer, dat Kaawer, dat 
Blie, dat Tann, dat Mesing, dat Tomback, dat Metall, dat Stäill, 
Eisen, dat Staat, dat Sink, u. s. w. Aus andern Wörterklassen, 
als: dat Ridden an Kairen, dat Släipen an Waagen, dat Büen an 
WSlen, u. s. w. ; dat Üjll an Näi, d^t Faale an dat LcUet; dat Min 
an Bin; dat Trinnammeruken , das Rundumsprechen, Salbadern; 
dat Apijnuchspalen , das gegen die Wand Spielen mit Schüssem; 
d^iDilling an Mjäme, das Heute und Morgen; dat Apdndähl, das 
Auf und nieder; dat Jdntatyurt, das Hin und her; dat TomßjttekO' 
mefi , das Uebelanlaufen ; dat Tofullekamen , das in Erfüllung Gehen , 
u. s. w. So zieht der Nordfriese die Wörter zusammen, wie sie 



97 

hier im Deutschen nachgebildet sind. Auch viele Verkleinerungs« 
Wörter auf en, ken, gen, jen sind sächlich, wie; dät Häigm, da» 
Stublkissen , dat Jikm^ dst Jlken, dat Hühsken, dat Kopken, 
ist BSrtjen, sowiedieauf s^djsp, als: Lönshapp , Mdnshaj^ , Frunn-^ 
shapp u. 8. w. , und endlich die auf äi, wenn sie die blosse Handlung 
oder das Thun anzeigen und dabei den Nebenbegriff des Kleinliche^ 
woA Yei^ächtlichen enthalten, als: dat Njäseräi, dät SmSreräi, dät 
Tjäwräi u. s. w. Mehrere Wörter auf ling sind sächlich , beson- 
ders da» wo sie bloss verkleinernd stehen, als: dät TjauHng, den 
Zwimknaul, dat udhnerling, dät Twannling, dät Sjöckling, du 
Gähsting. Nimmt man aber Rücksicht auf das Geschlecht, so sagt 
man auch jö Gihsling^ jö Sjöoküng^ de und jö Twannling, End^ 
lieh kann man noch die männlichen und weiblichen Hauptwör- 
ter^ welche wirkliehe Dinge bezeichnen , durch den blossen Vor-* 
satz des Geschlechtswortes dät alle zu Diminutiven machen, als: 
dät Wo ff, dat Hümt, dät Häjnst, dat Dring, dat Tünn, dat Kaar, 
0. 8. w. Dadurch drückt man aber immer Geringschätzung oder 
Teraebtung aus, wie in dat Mansh, das Mensch, und dat Manshe^ 
das. Mensddein, was bei andern Diminutiven nicht immer der Fall 
ist, die auch als Zärtlichkeitsäusserungen dienen, als: Päike, Fäike^ 
Julie, Sasse, DqjUe. Auch de HSjUe, Endscheibe des Brotes, de 
UfinU^ das Männchen, de Dojnte, das Döhnchen, de Räjnte, ab-i 
gestutztes Jäckchen, de PojrUe, Würfelhölzchen, de Hön'ke, deis 
Hdm an einer Tonne, de Säpke^ ein Schnäppschen , de Bäjnle^ 
das Bändel, und dePrtf^^e, eine Kaue oder Schrote Tabäck, sin^ 
lantor Duninutiva, die alle nichts Yerächtliches bezeichnen. 

Die nordfriesischen Namen der Buchstaben sind der Reihe nacb 
folgende, als: Aa-a, Be-b, Ce-e, De-d, E-e, Eff oder A'ff-f, Ge-g, 
Haa-h» I-i, J6t-j, Kaa-k, Ell oder All-I, Enmi oder A'mm-m, Eni> 
odop A'nn-n, O-o, Pe-p, Ku-q, Err oder A'rr-r, Ess oder A'ss-s, 
Esszett oder A'sszätt-sz , ss, Esscehaa-sch , Esst^ oder A'sste-st, U-u , 
FaQ-Y, We-w, Iks-x , Ipsilon-y, Zett oder Zatt-z, Essess oder A'ssass-ss» 
Efileff oder A'jffaff-ff. — Von diesen sind die Yocale, so wie dieje- 
nigen' cCoasonanten, welche den Yocal in ihrem Namen nach sich 
haben, to^ttcA, diejenigen, welche den Vocal zum Anlaut habea, 
id>er s&ohlich, daher: jö a, b, c, d, e, g, h, i, k, o, p, q, t, u, 
V» w, aber: dät f, 1, m, n, r, s, auch: dat j, x, z. Soll ein Gi9^ 

13 



98 

schlecht für alle gelten, so muss es das saehUehe sein» indem 
das weiblielie nur da gelten kann, wo der Name einen Yoeal 
sram Anslapt, aber nicht, wo er ihn zum Anlaut mit demCeiiaa- 
nanten zum Endlaut hat. Es würde anstössig sein, wenn mttt 
z. B. jö A'fnm, jö Ärr u. a. w. sagte, und dat a, b» u. s» w. sind 
dann Diminutive. 

Auch die meisten Stqff- und Mengenamen, letztere» wenn 
sie nicht ausschliesslieh allein im Pluralis gebraucht werden» 
sind sächlich, wie die oben (S. %) angeführten Namen der 
Metalle -|l a. aU: dat Brvid, dat Jäxd, dat (7tf, dät h%m^ 
dat ümfn, dat Wqgs, d$t Pick, dat KriU, dät Xw, dät Ihmk. 
dat Lanert, dlt Gkes, dät flotini, dät Black (Bkch), dät Bläh 
(Dinte), dät Flüh, dät Speck, dät J^irt (Harz), djit KtOm^ dit 
Sänmei, dät JC^Ai, dät Lähser^ dät Pappier, dät Am (Boi), dit 
AUoAn, dät Aici^r, dät 5(iiM, dät ifjfc^«, dät S^am^ dil JTMir 
(Moor), dät Slämm, dät 6to«fwii (d^ Glumm, das Truhe im Waa- 
ser), dät Snate (RoU), dät SpüU, dät Sw^, däl lUflM^» dät 
Wabser, dät ÖAie, dät Fädder, ^ät ^Slr^t, dät Ti^Je (Taag), dil 
rarr^ (Torferde auf dem Schlick), dat Sikssen, dat SpAmurßM, dil 
Bäier^ dat HStM (Muss z. B. von Pflaumen), dat SäÜy dat Fmnrem^ 
dat fifmdibr, dat Sfep, dat IW^, dat NeH (der Qam, altd« don 
Netz), dat Säss (die Suppe), dat fjd (Torf), dat J^ldr/, dat WSt- 
Umq, dat Spailmg, dat iSbfeip» dat iSüHwe/, dat Ifim, dat Skia, 
dat iSoHTiiit, dat Grüss, dat /Tönei», dat &MM|p» dat Si^, dtt 
rf«i/d (Zwirn), dat B^m (das Band), dat T^jög (der Zeug), dta|t 
Saoiben (polL die Sachen, das Tieh), aueh Jiog, dat TweH (Qiiiel>, 
dal Äi^h (Essig) , dat AM (Addel) , dat Mudder (d^ Moder, Sddamm) , 
dat Jeest (der Gäscht), dat Skümm» dat SUfomp, dat ISnner (Zun- 
d^), dat TwüH (Lichldocht), dat Skrp, dat Morrig, dat IIa»« 
iitti^, dat MoMJl (Millerde), dat SnrnU, s. o., dat Swaotwl, dii 
Bvtekmdd (Arsenik) , dat Wäi (die Molken) , dat Shdmmel, dat Mamk, 
dat Gr^^ dat TaU, dat iS'i^A^, dat Fämlk (Volk, Leute), dat 
£;^0r5, dat IJntjog, dat /ViiMr (Pfizer), dat Shürrew, dat Cnmww 
(Eingeweide), dat Aimmere (die Emmern, Glühasche), dat ShnM 
(die Krätze) , dat Luf (Laub) , dat Tammer (Bauholz) , dat Vnkrüdd. 
§. 70. Mehrere Wörter von gleichem Geschlechle haben oft 
mehrfache und dabei ganz von einander abweichende Bedeutun- 



99 

gen. Davon hier nur folgende, als: dat Ass, i.dtA Daus, 2. Name 
de«* Buchstabens 5; dat Baurd^ 1. das Brett, 2. die Borte, der 
Riegel, in BükhoMrä; jö Bäik, i« die Buche, 2. die Beuche, 
auch d0 Bqjeke; de Brandy der Brand, in allen Bedeutungen des 
deutschen Wortes; jd Brö, i. die Brücke, %}6 St^bro, das Steine 
l^aster; dat Dt/J, i. das Ding, 2. Dingelchen, 5. der und das 
Theil; Jö Dräft, i. der Trieb, 2. die Auffahrt nach dem Hause, wo 
das Yieh getrieben wird, 5. die Trift, als: enDräßSwinn, 4. Kraft, 
Nachdruck, Wucht; jö Druhg, i. die Traube, 2. die Mecheme 
IKchteihe; de Fiujtt, i. der Fuss, 2^ der Schuh oderFuss, als 
Maass; jö Fährt, i.die Fahrt, Schnelligkeit, 2. die Fahrt zur See 
auf einen Ort; jö Fingt, i. der Flug, 2. die Flucht; dat Cot^, 
4. das Gut, als Landgut, 2. das Gutj der Schatz, z^ B. Sünnfuüd 
(UmgriU Gii^, Gesundheitist ein grosses Gut; jöHäujnn, i. die 
Hand , S. Handschrift , 3. eigenhändiger , schriftlicher Beweis, Sehein ; 
j^iagt^ i. die Jagd, 2. die Jacht; jö Kdr^, i. die Kiste , 2. der Sarg; 
de JQANp, li die Klampe, 2. grosse, länglich triereckige Schober 
Bea oder Getreide beim Hause; jö KSity i. die Kost^ 2. Hochzeit; 
dat Srüsi, i. der Krug, z. B. Kerkrug, 2. das Kreuz in allen 
Bedeutungen; jö tAer, i. die Lehre, Lehrzeit, 2. gute Kenntnis« 
i^t dat Ne$ty i» das Netz^ 2. der gesammelte Harn; jö Nähs, 
4« die Nuss, 2. die Niss, Läuseei; dat Säjd, i. der Same, 2. die 
Rapsaat; jö Shä^l, 4. die Schale als Gefäss, 2. der Unterschied 
befan Fordern und Bieten^ jö ShAM, i. die Sehale, z. B. von Ae- 
irfän, Nüssen und Hülsenfrüchten ; bei iSchotengewächsen dasdün« 
ne (N)erhftutchen : jö PAhl; dat Spott, i. ein Spatenyoll, die Tiefe 
des Spatenblattes, 2. der Spiess, 5. der Späth der Pferde; jö 
TrS», i. der Trab, 2. eine Stiege Garben oder Langstrohbunde ^ 
40 bis 60; de Wjärt, 4. der Wirth, 2. der Werth; de WjArd, die 
Wahrheit; dat (7Ar, 4^ das Ohr, 2. die Taschenuhr, auch jö$ 
dal Ahk, 4i das Scheuemthor> 2. die schräge Auffahrt an 
einon Deiche; dat Brak, 4^ der Mangel, 2. die Noth, als: 
da htt fdjn Bräk^ hat keine Noth^ nichts zu bedeuten; de Främ* 
de, 4. die Fremde, als Gegensatz der Heimath, de Hühs; de 
&räge, 4. die Krähe ^ 2. der Kragen; de Paurte^ 4. die Pforte, das 
Thor, 2. der Kerker, &. der Stachel der Bienen > Wespen n. s. w.; 
dat Sihssen, 4. die Seide, 2. das Zischen; jö HvjUing, Hißiägt 

18* 



100 

von hiijllen, halten, die Nachgeburt einer Kuh; jö Hijlling von 
hijllen, neigen, dän. at hälde, die Neige, als: jö Tatm laU aw*e 
JBijlling, die Tonne liegt auf der Neige; da FäjUlmge, die Fiiss- 
linge an Strümpfen und Stiefeln; 2. das Fussende des Bettes, als 
Cegönsatz der Häupten, de Haadlinge; de Dronk, i. ein Trunk, 
2. ein Trank, 5. der Trunk, als Laster; dat Lüjdd, l.dasLoth, ials 
Metall, 2. als Gewich tmaass, 5. das Gewicht an einer Uhr; de 
Tome, i. der Daumen, 2. das Zoll; de Shot, 1. der Schiiss, 2. 
der Schoss, Schössling; da FSste, i. die Fäuste, 2. die Fasten; de 
Kölle, i. die Kälte, 2. das Fieber; dat Sägt, i« von seegty seicht, 
die Seichte in einem Acker; 2. von sägten ^ zielen, das Zielkom 
auf der Flinte (das Ziel ist aber dat Muhl), 5. die Richtung naeh 
dem Zielen jö Fähr^ i. die Fähre ^ 2^ die Schaar, 5. jeder auf- 
fallende Anzug, Aufzug, upd dergl., z.B. ein altmodisches Kleid, 
€ine auffallende Kopfbedeckung; dat Täch, i. der Zug, als licft- 
toch; 2. das Mal in ein Mal, zwei Mal u. s. w«; jö Sling^ i. Schleii- 
der, 2. eine Schlucht im Wagengeleise an der einen Seite; jo 
Klamm t i. die Klemme, zum Festhalten, Klammer, 2. KlemiM, 
Verlegenheit, Noth; dat Sjöhn , i. das Gesicht,, als Sehver- 
mögen, 2. Erscheinung, 5. Anblick, Wahrnehmung; jö DrSgt^ 
i. die Kleidertracht, 2. das Schulterjoch zum Tragen der Eimer 
u. s. w., 5. was man aufs Mal trägt, z. B. eine Tracht Hol?, 
Prügel u. s.w., 4. die Wage an der Deichsel; de Sliechri^.d^T 
Schlag, Hieb, 2. der Schlag, als Art, Gattung; de Släg, i, der 
Schlag , als Krankheit , Lähmung u. s. w. , 2. Schlag , Art , 
Gattung, Race; \oBtigt, i. die Bucht, Krümme, 2. die Oberhand, 
der Obsieg; dat Tdlt, i. das Zelt, 2. der Zwölfter Bretter; de 
Glöme, i. Gluth, 2. brennende Hitze iü den Backen; de Bank, 
die Bank, in allen Bedeutungendes deutschen Wortes; dat Bidd^ 
i. Bett, 2. Gartenbeet; dat Bleess, das Blatt; de Bloss, der Bläss, 
an der Stirne der Pferde; dat Fdll^ i. das Füllen, 2. das Fell; 
jö Tann, die Tonne; de Winn, i. der. Wein, 2. der Wind; de 
Klump, i. der Kloss, 2. der Klumpen; de PrisSj i. Preis der 
Waaren, 2. Lob, Ruhm; jö Shäjl, die Schuld, Ursache; jö ShOlU 
die Schuld, die mm zu bezahlen hat; jö Länk^ i. die Kette, 2. 
dip Kettel; jö Wagt, i. die Wage zum Wägen, 2. das Gewicht, 
die Schwere. 



101 

§. 7i. Andere sind verschiedenen Geschlechts und demnach Von 
Terschiedener Bedeutung, als: dlt Biß^^ das Bein, dät Bynn, das 
Band als Stoff- oder Mengename; de Bijtm, das Band, ein ein- 
lelnes, wie Hohsbijnn, Strumpfband, 2. der Band eines Buches; 
jo Birk, die Birke, dat Birk^ Birkdistrickt» Bezirk; jö Bjärst, 
Aie Borste, de Bjärst, der Berst, Riss; dät Dauk» das Tuch. als 
Steffname, de Dauk, gestaltetes Tuch als Gattungsname »wie iVoo«- 
dtmk, Shroekenaasdauk, Taschennasen tuch u. s. w.; dat Eesh^ 
die Asche, jö Eesh, die Esche, de Eesh, die Schachtel; de Fäll, 
der Fall, jö Fällf die Falle; de Gäst^ der Gast, jö GßU, die 
Geeat, als Gegensatz der Marsch; jö Häif das Erinnerungsvermö- 
gen, dat Hai, die Lust, das Behagen an etwas, als: dat kamt 
me myn Hü, es fällt mir ein, kommt mir in den Sinn, Ick häwW 
f^n Hai ajt, ich habe keine Lust dazu; de Ha/am, das Hom als 
Gattungsname, dat Hwurn, als Stoffiiame; jö E[jäm, die Ecke, 
SL der Winkel, wie Kächelauwenshjäm^ der Ofenwinkel, sonst 
de Wtünkel, dat Ifjärny i. wollenes Garn, 2. der Geier, wie in 
BSnnehiärny der Hühnergeier, Gösehjärn, der Gänseaar;. £ee/, 
Ifaune der Stadt Kiel, de Keel^ der Schiffskiel; de Klädd, der 
Sleks (Flecken), jö Kladde die Kladde; de Ejärl, der Kerl, jö 
Sßrl, der Kern» dat Ejärl, der Quark beim Käsemaehen;. de 
Sreefte, der Krebs, als Krankheit, da Kreefte pl. von jö Kräfi; 
jö Läujdd, das Rammeln der Hunde und Katzen, dat Läujdd^ der 
Laich, von Fischen und Fröschen; de Wä^h der Weiher, die 
Wehle, dat Wäjl, das Wohl; de Sfjogs, der Mist, dat m6gs, der 
Schmutz, Unrath; de Müss, der Mund, jö Müss, die Maus; dat 
Mark, das Merkzeichen, jö Mark, die Mark, 16 f; dat Mäsh, der 
Maisch, jö Mäshf 1. die Made, 2. die Masche beim Stricken; jö 
Päujnn, die Verpfändung, dat Päujnn, Pfandgut; de Biüdd^ der 
Rath ^ jö Bäjdd , in Wdnrdßd (Wahnrath) , verkehrte Anschläge ; jö 
Bisl, der Bratrost, de Rast, der Rest, 2. Nichts, als: dö shäht en 
Baahewe, du sollst nichts haben, 5. die Rast; deib'nn, der Regen, 
jö jRiitn, die Rinde ; de Bogt, das Gericht Essen, dat Bogt, das Recht; 
de Saal, der Saal, jö Saal, die Sohle; jö Sähw, das Mark aus 
einer Lampenbinse, um es als Docht zu gebrauchen, dat Sdhw, 
das Sieb; de Sann, die Sonne, dat Sann, der Sinn, das Gemüth, 
jö Sann, der Sinn, als Organ; de Sahn, der Sohn, jö Sahn, die 



102 

Sdine, Fkdue; de SM, der Kessel, dti Sitt, das Siel, WaMer- 
rimie; de ShmU^ der Sebatz, jo ShäU, die SeiMtzuBg, Abgdie; 
de SUiink, der SdüodL, jö SU^, der SeUimd; de Smiks, der 
Wurf, jö Smiks, die Schmiede; de ^i^, der Fkek, ist SpÜ. 
der l^i; de SftmU, der ^U, ^Uslndd, jö Sf^. die 
^NriHe; de Stimf, der SUnqpf mit dem Fiuee, jö Stimf^ I. die 
Sum|rfe» ± dcrSlaqicI; deSirSdd, ein wdter Stritt, jöiSIräid, 
die Gritoehe, so wdi man die Sehcnkel ans einander sprejaai 
lumn; jö i^iir» der l^pwn, dat Sfir, die Sfinr; jö SpAm, die 
l^ianne, dat ATjmhi, das Geqpann; jö Siihs^ die Sladl, däi iStiit, 
die Sutt» die SceDe, der Ort; jö Tmm, die Tanne, dti Tmm, 
das Zinn; de Tmng, die Zange, jö IWn^, die Zange; de IVdjpd» 
ein einzelner Faden, ist Triüd, der Zwirn; jö Tur, die Tbrine» 
dal TW*, rin weinig, ein Tropfen Qenes ist dan. en ranrt, dicaes 
en Taar); dat Tmjam, der Zwirn, jö Twjpun, die Qnan, I. dna 
HandmiUe» 2.der Mahlgang in einer Mühle; de TFiantl, der Wink, 
jö Wmk, die Winke; de Winm, i. der Wind, ± der Wein, ji 
Yl%m, die Winde; de Bigel, i. der Bagd, 3. die Fase, 3. der 
Absatz am Sehuh, jö Bigel, die Heehd; de Kräm e l , jö Mrmml^ 
dat JMml s.o.; de Wihser, der Hammel, dat Wikser, das Wel- 
ter; jö JUK^ci, die Regel, dat Bmgel, die (Mnung; de Aidfc» der 
Hack, s. R mit dem Schnabel, jö Aidfc, die Haeke; dat Mfirm» 
das Kind, de Bjirm, der Born, veraltet, aber noch in Jidrosn 
(hörnen), das Tieh tranken, jö Bjirmeköhl, die Tranke, de J^pmn* 
meirSg, Tranktrog, n.s.w. 

§. 72. IHe Eigennamen der Mensdien, wekbe die Fi 
irfi bis znr ünkennUidikeil yerstömmeln , richlen sidi nadi 
natorüchen Gesddecht. Hier einige derselben zur Rrobe: a. 
iMe, wo der dentsAe Namen Toranstdit, als: Albert, AUvedil« 
u^ftfTl; Andreas, Indrms, dim. DUsse; Bahne, Btume, Bim; 
Bemie, Bhme; Brader, Broder, nnd Brirke; Detkf, Bi^ikm, 
DieOm: Döe, M^; DankleT, Ttmgle; Edlef, iOve; Ebe, itie; 
Fedder, Fiäier; Nicolas, Kkud; Sibbem, SMeme; Senke, SUm- 
ke: Christian, Eris^, dim. Ttee, Xtri^e; Jens, Jans; Martin,* 
Jfisrl^; Jakdi, /odM, Jäpe; Boie, Bäii; ütrtUn, diminutiv 
KSete; ans m» wird Am, Aif% iVidMr, Nigeb nnd iV«t*e; 
Nane, JWsefi^; P^, Ptude; Peter, A||ir«r; Hemme, Atme; Laf- 




103 

renz» Lawrans; Harke, Harke; Lülje, L&iUe^ Läi^Ue; Jess, 
JMe; RicUef; Ketel, Kiüe; LaariU» Ldwers; Numde; Mumme; 
Skmeri;Vrbui,Urbaan; Jürgen fJurn; ItiebieifiRehel und Megaal; 
Haine» ESjnne; Bendix, Bändix; Samuel, Stumel, u. & w. -— 
h,weibHehe,9ls: Ännchen, ^jtUe; Abel, AahelusAjiwel; Agatha, 
Aa^: Beiel, BSjU; Dorothea, DMig, Darren; N^Uc; Else, lUsh; 
Katharine, Getreen; Christina, Gesleen, Stine; Helena, Line, JL^ 
hm, Lm'k; Sieke, (die kleine Sie); GaeciKe, SiUe; Mämk; Anh 
mer; Soisel; Mathilde, MtU; Ntm'k; Katharine, Trin'k; Elise, 
lidb; Agniete, Angn^t, Ne^en; Beata, Beaqß; Herle, JKtt, 
I^iriig; Engel, ^^^fig^i/Gesina, Geesb; Susanna, Süsh; Laurette, 
Liwrßß; Magdalena , MaUin ; Margaretha , Megrifji ; Maria , Merie , 
iMb, Mieken, Mü; Jh'k; Pop; Kie; Hertha, Birte; Hedwig, 
BHje»; HSjni, u. s. w.*. 

We meisten nordfriesisehen Ortsnamen endigen sich auf um und 
MU, demnäobst auf stöA^und iSi^ (Dorf), rupr trup, sirup, tarp, 
xani holm; andere Endungen, als habn und AJfui, kommen seltener 
vor, mod kSg (de Kug) bei allen Kögen mit den dazu gehörigen 
Tomamen. Die Endungen um und M^ (bäi^ sind bei weiten: 
übcrwiegeDd , sowohl in den Ortsnamen des untergegangenen Nord* 
ilnedandi ,. als in dem noch Torfaandenen Reste desselben , wel- 
cber, einer Prophezeihnng der nordAriesischen Sibylle Hertje zuh 
folge r im- Laufe der Zeiten, demselben Schicksal anheimfalieii 
wiiPd. Auf Helgoland f das im Jahre 800 noch über 40 Ortsehaf-^ 
ten zlhlte, waren damals folgende auf um, als: Baddiim,'Haöen«> 
smn, Dwom« Gunderum, Srtlum und Siekum. Anno 1240 hatte 
Ilungeholt noch 12 Kirchspiele und Säderstrand folgende auf 



*} üiHer den obenstehenden Eigennamen kommen riele Yerklirine- 
nmgßO vor , welche Mütter und Kindermädchen den: kleinen Kio? 
dem geben , die «ie dann als Erwachsene oft noch beibehalten. 
fiahin gehören z. B. Baisse, Tisse, Kicke y Käcke, Klaai, Baai IjSv 
logehi^), AaU, BoiU, Tine, 7^, iH8, Tienke», Miil^nkef^ 
(Marin Catharinaj und ähnliche ,. diß alle keine Taufnamen , aoa-« 
dem willkührlipiiß Verslümmclungen derselben sind. Bei denjer 
liigen, die $ich auf nk endigen, ist n kern Nasen-, sondern ein 
iremer Zahnlaut , und niuss dem ffemäss gelesen werden; Dahii) 
gehören z. B. Sänke, Jtnky Nonk, Trink, Link, zusammengezor 
gen aus Sdnike (Sönkcn) , Annike , Nonnikc , Trineke und Lineke , 
Uuter Diminutiva. ^ 



104 

um , als : Wiimum ( ü mal ) > Milium , Wotbekum , Bundum » 
Dertum, Busum und Siegberlum ; Nordstrand: HiyDtum^ Eiduin» 
Langum» Balum, Rulium, Gomorum, Falom, Humum» Appe* 
lum, Grodum» Horstpm, Bdtum, Horsum, Arum, Hindriuii:} 
Bertiim» Habekum» Hannum, Colum; in Eiderstedl (lüjtte Ei* 
derstedt) Alversum^ Wakim, Tolum» Uorstum; im nördlichen 
Theile von flordMesland (1240): Halberum ^ Silingsum» RüstsoLt 
Hinnum, Berium, Roddum, Birgum, LQstum, Sijllumy Blj^um» 
Udum> Osterkyium» Panum, Kieptrum, Winnum^ Eitum (2 mal)» 
Braderum». Wiserum» Bartum» Eidum, Hünum, Tinum» Har« 
tum, Harum» Steinum» Flüdum (ämal), Homum, Siedum» Hei* 
lum, Katum, Caapum» Arcbsum» Nystum» RiyUum» MQdum, 
Gatum, Lägum» Hellidum» Lickum, Nistum» Hattum» Apperumv 
Jordum (2 mal), Larpum, Knökum, Kixtum» Bundum» Trindauniy 
Bummelum» Upum» Tewecum, Wipperum» Wilsum» Bundum» 
Wellum » Bulum » Toftum, Gerdum » Brinkum » Harrum» Humum» 
Bindum» Strückum» Krückum» Frillum» Oddum» Klütum» A^^ 
num^ Schallum» Knijpum» Mönrum» Satrum» Andum» Gnapum, 
Bilkum» Dunsum, Lukum» Hanum» Klüum» Fludum. — - In^Weti^ 
frmland (welche davon noch vorhanden oder untergegangen »nd, 
weiss ich nicht » aber die aufgezählten nordfriesiscben sind schon 
vor Jahrhunderten vom Heere verschlungen)» em und um». ab^ 
Jeppem» Beijem» Herum, Sixbirum» Pietersbirum » OsteAirofll» 
Lidlum» Herbajum» Abnenum» Winaldum» Landum» Mailhiim» 
Nitzum» Kngium» Witmarsum» Hiddem» Engwierum» MakiuQ» 
Sotterum» Workum» Hemelum» Woengium» Hidum» RuygdallaiB» 
Jerum» Hicbtum» Wolsum» Arkum» Dedgum, Oldemardunt» Ru* 
gahuysum» N^emardum, Spannum» Winsum, Bairum» Schalamn» 
Aengjum » Beetgum » Henadum » Franjum » Harssum » Doinum » 
Blessum » Hielum » Weidum » Hantgum » Bosum , Deersum ^ Mer- 
rum » Hallum » Britzum » Gornium » Heinum » ^H^jlsum , Jelsum» 
Techum» Wirdum» Imsum, Genum» Hganum» Dockum» Ledumi» 
Gentum» Rottum» Bellum» Driesum, Aelzum» Oestrum, Reysum» 
Collum» Burum» Doerum» Midhallum» Hallum, Beusum. — laO^ 
firiesbmd: Oldersum, Borcum, Jemgum, Osterdum» Ackerust» 
Vogum, Gorcum, Yorcum, Franum, Worrum» Collum, Winsum, 
Mackum> Engwierum^ Nollum auf Ameland, Lidliim» Belqum« 



lOö 

Dockum , Waitum , Rottum , Bierum -, Färnisuni , Rtsum , Bai 
tnim. — Die noch vorhandenen in Nordfriesland auf um. Am 
mm (Insel) i. Auf der Insel Sylt: Archsum, Keitum, Rantum 
TimimiL 2. Auf der Insel Föhr: Boldikum» Wrixum» Oeve 
nwaiy Midlum, Alkersum, Nieblum, Borgsum, Winsum, Hedde 
husum, Dunzum, Uettersum, Oldsum, Kllutum, Toftum. — 3» In 
den Aemtem Tondem, Bredstedt und Husum^ an der Westküste 
und auf der Torgeest : Riesum , Stadum » Bargum , Klintum , Bor- 
lom, Husum« Ophusum, Breklum^ Bondelum^ Struckum» Kar- 
lom, Dörpum, Rantrum, Bodum (im Amte Hadersleben), und Bo- 
dorn (im Amte Apenrade), Bögelum; in Ditmarschen Büsum, und 
A der jütländischen Küste, südlich Borum^ Veirum, Ballum, 6u- 
lum, Bljrum. — Die Endung BMI, noch jetzt in Nordfriesland dat 
BbujI oder Bauly die Hütte, wird im Dänischen zu hol^ holte ^ 
haile^ und im Deutschen zu büitel^ woraus auch das im Herzog- 
thume Schleswig gebräuchliche Bohl, ein Bauernhof mit einer 
Hufe Landes, hervorgegangen ist. Diese Ortsendung, die auf alten 
Landkarten über Ost- und Westfriesland gar nicht vorkommt, ist 
teil undenklichen Jahren im nördlichen Friesland heimisch. So 
hatte Helgoland im Jahre 800 unter seinen Ortschaften folgende 
auf Mll , als : Ottrebüll , TiefkebüU , FarrenbüU , VestebüU , Rod- 
büU, LowesbüU, Scheckenbüli , Holmbüll, McdenbüU, Leiebüll, 
Hglgerbüll und TelligbüU. Im Jahre 1240 hatte Rungeholt in 
seinen 42 Kirchspielen folgende Oerter mit hüll, als: Ebensbüll, 
Sockenbüll, GaikebüU (2), OdenbüU, AkenbüU, Obbenbüli; Nord- 
Urand: Luenbüll, Stintebüll, WittenbüU, Hersbüll^ Konigsbüll, 
Volgsbüll, EsbüU, BoienbüU, Onkebüli, Spalebüll, Rickelsbüll, 
l^penbüU, Stückbüll, HulkebüU, HulksbüU, Offebüll, UlvesbüU, 
Rensbüll, IwensbüU, Adebüll, Haienbüll; in lujtte Eiderstedt: Fler- 
debüll, NorderbüU, SüderbüU. hn nördlichen Theile Nordfrieslands 
(4240): Klüffsbüll, PebüU, Knipbüll, Brüderbüll. Knockbüll,Frischbüll, 
Kirkbüll, Lückbüll, BorrenbüU, Reckelsbüll,Keckelsbäll, RatzebüU, 
WüppenbüU, HandingsbüU , Todingsbüll, Hatzerbüll, Spickebüll, 
JuenbüU, TinnebüU, WingbüU, Grisbüll, Maiensbüli, Tocksbüll — 
Noch in Nordfriesland und den angränzcnden Districten vorhan- 
dene Oerter dieser Namensendung, die man auf den Inseln nicht 
mehr antrifft, im Amte Tondem: Kuxbüll» PoppenbüU, Rutte- 

14 



106 

büU, ßosbäll, Bulsbüll, Böhsersbüll (ButtersbüU), GrellsbüU» tLah- 

tebüll, KlixbüU, Krakebüll, Perebüll , Schardebüll » Schnate* 

bull, SparkebüU, StrucksbüU, WalsbüU, Wimmersbüll , TörsbiiU, 

Trasbüll, NiebüU» OlbüU, DeezbüU, MaasbüU, DagebülU Galms- 

bälU Emmelsbüll, Horsbüll , KlanksbüU; in Eidentedl: Kot- 

zenbüll , Koldenbüttel , Poppenbüll , Teteobüll , Ulvesböll ; im 

Amte Hummi SchobüU; Bredstedt: MirebüU, EbüU (A. Tondern), 

Ebüll (bei foedstedt), Efkebüll (A. Tondern), EfkebüU (in der 

Landschaft Bredstedt), EUebüU, BüttebüU, BremsbüU (Tondera); 

im Amte Hadersleben : AabüU , Barsbüll , ü mal , Grödebüll , Ans- 

büU^ Storsbüll, Weibüll, MoibüU, Kjärbüll, KagbüU, SpaUeboU 

<Eiderstedt), SprakebüU (Tondern), Spinkebüll (Bredstedt), Ster^ 

debüll, TodsbüU, TombüU, TrasbüU, u.v.a. Das Böi, BöUe «od 

Balle ist auch im Dänischen häufig. — Die Endung Stabs (sied) 

kommt seltener vor, wie Ahserstähs, Eiderstedt; Bräistaba, 

Bredstedt; Buhmstähs, Bohmstedt; Tanningstähs , Tinningstedt ; 

Rafstähs, Siewerstähs, Wittstähs, Mildstähs, Jerpstähs, n. s.w. -^ 

Die Endtingholm, der Holm, Insel, ist im Nerdfriesischen de flau- 

lem, wird aber auch holm und hahn gesprochen; so ist z. B. Lind- 

holm Lmhalm: Ockholm dagegen Okhaulem, und Soholm Si^ 

holm. 

« 

Bemerkung, 

Die Ortsendung um wird von den jetzigen Nordfriesen häufig 
in em verwandelt, wie in Bihsem, Riesum, Huhssem^ Husnm, 
Ömrem, Amrum, u. s. w. Dasselbe ist bei den Namen Jeppem, 
Beijem und Uiddem (nach alten Karten) in Westfriesland der 
Fall, welches doch unstreitig dieselbe Endung ist. Diess kann 
niemand auffallend sein, der da weiss, wie sehr der Frieae 
Zusammenziehungen, leichte Lautverschmelzungen und, gleich 
dem Engländer, Verdrehungen nach seiner eigenen Mundart 
liebt. Der Dr. Clement von Amrum, also ein geborner Frie* 
se, der sich, wie man aus seinen mitgetheilten Bemerkungen 
schliessen kann , viel mit Wortforschungen beschäftigt , und 
dazu auch seine Kreuz- und Querzüge in England treflDieh 
benutzt hat, behauptet (im Altonaer Merkur) die Endung tun 



107 



561 dieselbe , wie das englische ham in Cbatham , Buckingliam , 
Cheltßnham , Birmingham , Okeham , Nottingham , Noihcrham , 
Oldbam, Durham, u. s. w. , aus dem Allfriesischen stammend, 
was ich nicht entscheiden kann; aber auffallend ist es, dass 
man sie schon im Jahre 800 überall in um verwandelt findet. 

Die Zahlf [Numerus), Einheit und Mehrheit, oder Singularis und 
PhraUs. 

Bildung der Mehrheit, 

§. 73. Die Bildung der Mehrheit aus der Einheit ist im NoKd- 
frierischen sehr einfach und leicht, wenn man sich die weiter unten 
firigenden Abweichungen, Unregelmässigkeiten und Ausnahmen 
mt erst eingeprägt hat. Alle Hauptwörter , die in der Mehrheit 
Torkooimen können , und eine hinzugefügte Endung erhalten , 
endigen sich, ohne Ausnahme, immer nur auf e, und behalten 
diese unverändert > wenn sie dieselbe schon in der Einheit haben. 
Sie regelmässige Bildung der Mehrheit derjenigen Wörter, wel- 
die mit nacktem Stamme, oder ohne Nachsilben, da stehen, er- 
fordert bloss den Vorsatz des Geschlechtswortes da und die 
AnhänguDg des Buchstabens e, als: de Dick, da Dicke (Deich), 
jo udrtf da j/rte (Erbse), dat Bijn, da Biene (Bein), de Grünn, 
da Granne (Grund), jö KlSck, da Klocke (Glocke), dat Bohr, da 
Bohre (das Bauer), de Klump, da Klumpe (der Klump, Kloss), 
jö jPiMiiff, da Pumpe (die Pumpe), dat Ijägt, da Ijägte (das Licht), 
de Sairk^ da Säirke (Mannshemd), jö Wahg, da Wähge (Woche), 
dat SUt, da SlSte (Schloss). 

§. 74. Da alle Hauptwörter auf e dieselbe Endung im Piuralis 
bdialten, so gehören dazu auch die mit den Endungen und Nach- 
ettben eise, ense, ere und eme, als: de Dräge, da Dräge (Drache), 
de Sröge, da KrSge (GrSpen), de Käsere, da Käsere (Kater), de 
Wdnseme, da Wanseme (Besemer); de Tachelse, da Tachelse 
(Deichsel). Einige Wörter, obgleich sie einen Plural haben, be- 
halten dennoch, wie im Deutschen, die Form der Einheit, wenn 
sie alfi Gewicht oder Zahlenmaasse stehen, z.B. ßauer Mark, tien 
Pünn Flash ^ tuhg Lüjdd Sihssen, twSüew Ihr üjll, u. s. w. 4 Mark,. 
' iO Pfund Fleisch, 2Loth Seide, 12 Jahr alt. 

14* 



108 

§. 7b. Bei denjenigen Wörtern, die sich auf el, er, en und em 
endigen, kann man nach Belieben das e vor dem Consonanten 
wegwerfen oder beibehalten, als de Fögel, da Fögele oder Fögle, 
de Färwer, da Färwere oder Fämre, de Kögen, da Kögene oder 
Kögne, de Bäisem, da Bäiseme oder Bäisme, jö Fäihsemy d& 
Fäihseme oder Fäihsme (Faden als Maass). Dasselbe gilt von der 
Endung ew, als: dät Wierew, dk Wierewe oder Wierwe (Gewerbe), 
jö HärreWy da Härwe (Egge), de Wäirew, der Warf (nicht die 
Werfte), de Kaurew (Korb), dät Färrew u, s. w. 

§. 76. Alle Wörter mit nacktem Stamme, mit Nachsilben oder 
andern Endungen , bekommen das e nur in der Mehrheit , wo- 
fern es nicht schon in der Einheit vorhanden war, von welchem 
Geschlechte sie auch immer sein mögen, als: Dögede^ Faagede^ 
Lönshriwweräie , Kinninge, Kinninginne, Lmshappe, Kronkkäide^ 
Wänigte, Hannernisse, Häiringey BocklingOy Sjücklinge, Bäirige^ 
Sparrige, Furrige^ Gulige, Stjütte, u. s. w. 

So wie es im Deutschen kein einziges weibliches Hauptwort 
mit der Endung en giebt, denn die Lehen, Pfingsten, Fasten 
und ähnliche sind CoUectiva im PI. stehend, so giebt es im 
Nordfriesischen kein weibliches Hauptwort, das sich auf e en-* 
digt, denn das Diminutivum Döjtte, Töchterchen , ist , in sprachn 
lieber Rücksicht betrachtet, eigentlich sächlich, wo man abev, 
wie bei Sühsse, Schwesterchen, auf das natürliche Geschlecht 
sieht , so wie wir im Deutschen nach den sächlichen Wörtern , 
Mädchen, Weib, Frauenzimmer u. s. w. , das weibliche Fürwort 
^ anstatt es gebrauchen. Die Friesische Endung e entspricht 
oft derselben Endung im Deutschen, bei männlichen Hauptwör» 
tem oft auch der Endung en, 

§. 77. Mehrere einsilbige Hauptwörter bleiben in der Hehri 
heit ganz unverändert, und sind dann bloss kenntlich an dem 
Geschlechtsworte da, als: dät Swinn, da Swinn, dän. et Sviin 
pl. Sviin, nd. Schwiin, pl. Seh wiin, engl, swine, pl. swine; d&t 
GrisSf da Griss, dän. et Griis, pl. Griis {Ferkel); dat Shäip, 44 
Shäip^ dän. et Faar, pl. Faar, nd. dät Schaap, de Schaap, 
engl, a sheep, pl. sheep; jö Müss, da Müss, dän. en Muus, pl. 
^uus, nd. Muhs, pl. Mühs, engl, a mouse, pl. mice; jö Lüss, da 
lJ^ss, dän. en Luus, pl. Luus, nd. en Luss, pl. Lühs, engl, a 



109 

Jouse» pl. lice; jö £i, da Bi, dän. en Bi, pl. Bier (zweisilbig], 
engl a bee, pl bees; de Täis , pl. Täis, nd. en Täbn, pl. Tähn, 
engl, a tooth, pl. teeth; dat Ihr, da Ihr ^ dän. et Aar, pL Aar, 
nd. dät Jaar, pLJaar, engl, a year^, pl. ycars; iRiPaar, da Paar, 
dän. elPar, pl. Par, nd. en Paar, pl. Paar; dat Shdnn, da Shdnn, 
dän. et Skind , pl. Skind , engl, skin ; dat Pünn , pL Pünn und 
Pünne, dän. et Pund, pl. Pund, nd. Pund, pL Pund,. engl, 
pound; jö Mark, pl. Mark, dän. en Mark, pl. Mark, nd. Mark 9 
pL Mark, engl. mark. — Anwendung in einzelnen Beispielen; 
Ick haw Swinn, Shäip, Griss , Bi an Shdnn käfl, ich habe 
Schweine, Schafe, Ferkel, Bienen und Schinde (Felle) gekauft. 
De JSnge as aagt Ihr üjll , der Junge ist acht Jahr alt. Faar en 
Trolüng, dir man tien Pünn waug^ haw ick thug Mark däjn^ für 
ein Brot (Laib), das nur zehn Pfund wog, habe ich zwei Mark 
g^ben. Man hohle Tdis da me sier, an ick haw all trd Täis 
ütHjn lety mein hohler Zahn thut mir weh, und ich habe schon 
drei Zähne ausziehen lassen. — Das Wort Pünn hat auch die 
Hehrheitsendung, als: dätwjdn Läjdde an Pünne, es waren Lothe 
und Pfunde; hehet Pünne, er hat Pfunde, ist schwer an Gewicht. 
Yon dem Worte Ihr, Jahr, hat man auch die alte Mehrheitsform: 
da Ihringe, und im Dänischen : Aaringer. In Lindholm spricht man 
de Taus in der Einheit , und nur Täis in der Mehrheit , was mir 
richtiger zu sein scheint. 

§. 78. Andere einsilbige Wörter unterscheiden sich in der Mehr- 
heit durch einen Umlaut, als: jö Gä/uSy da Gäis, dän. en Gaas/, 
pL Gjäs, nd. de Gohs, pl. Göhs, engl, a goose, pL geese; de 
Taus, d& Täis (s. §. 77); de FäiijU, da Fäjtt, nd. de Foht, pl. 
de Föht« engl, a foot, pl. fcet; jö Ko , da Ke, nd. de Eo, pl. 
Kö und Köi, engl, cow, pl. kine; de Mann, da Männ^ dän. en 
Hand, pl. Mänd, engl, a.man, pl. men; dat Leess, da Lähs\ dän. 
et Las, pl. Las; de Shauch, pl. da Shur, dän. en Sko, pl. Sko, 
nd. Schob, pl. Schob oder Shöh. — Das Wort if<9nn wird auch, wie 
im Deutschen, mit der Endung des zweiten Falles in der Re- 
densartgebraucht: Manns für etwas sein, als: Ick bdn'r de Monns 
fuar, ich bin dir Manns dafür, u. s. w. 

§. 79. Von denjenigen Hauptwörtern, welche das j unmit- 
^(bar nach dem i vor den Buchstaben / und n haben, verlieren 



110 

folgende dasselbe wieder in der Mehrheit, als: dät Dyi,ik Diele; 
i. Das Ding, 2. der Theil, 5. das Theil; dät Fijl, da Fiele, das 
Rad; dat Mijjl, da Mäile, das Mal, das Mahl; de Äjl, da Äik^ 
der Aal; dat Päjl, da Päile, Pfütze, Lache; jö Sprümy auch 
Sprien, da Spriene, der Staar (Vogel); dat Bijn, da Biene ^ das 
Bein; de SUjn, da Stiene, der Stein; de Wajl^ da Wäile, der 
Weiher, die Weble oder der Wehl. Alle übrigen Wörter, wohin 
auch Bestimmungs- und Zeitwörter gehören , behalten das /' audi 
in der Mehrheit bei, wenn sie es in der Einheit haben, als: dat 
oder de B^nn, da Bijune, Bänder; jö Trijnn, da Trijnne, die 
Weife ; glijnn , glüh , glühend , da glijnne Kohle ; wünnen , wen- 
den; sijnnen, senden; hijnnen, i. mit den Händen auffangen, 
2. sich ereignen ; Hjnnen , zünden u. s. w. Doch macht hienrmi 

« 

die Silbe au^l eine Ausnahme, die meistens in uule übergeht» 
wie in: dat Brnyl^ da Baule; de Stäujl, da Staute , Stuhl; dat 
Shäujl , da Shaule, Schule , u. s. w. 

§. 80. Einige Beispiele zu den Uebergängen der Vocale und 
Diphthongen in andere, als: äi in ege, in oa und ö, e ia ä, liA, 
d in d , u in u , u& , Ott in Ott, ä in 6 , i in ^, ä und äh in e, ^ 
in öh^ u. s. w., als: de Ddt, da Dege und da Daage; dat BUk, 
da Blaage; dat Stock, da Stöge; dat Uss, da L&hse; de Smdse, 
d& Smahse; de Süss, da Suhse; gämjd^ de Gause; jö Kraft, di 
Krifle; jö Stich, da Stige; dat «S'mnn, Swenneflash; jö ^^«, di 
Stehse; dat Shrön, da Shröhtmge. 

§. 8i. Uebergänge der Consonanten in andere ergeben sieh aus/ 
dem Folgenden , als: finw, k ing, t in s$, hs, ch ia g^ pp in w, 
/f in w, u. 8. w. Beiq[)iele sind: dit Block, da Blaage; dll 
St€ck, dik «S'^cge; de Däi, da D^e; de Wäi, da W^e; jö ^jdk» 
d& Stige; de fncA, di KrSge; dat ^rdt/*, da froMi^e; jö Grmuf, 
d& Grauwe; dat Ruf, da ütMoe; dat iSlee/*» da Stäwe; dat 6r^, 
da Grem; dat Fd^ da FoA^; dat Fet, da FdA^e; dat Neei, da 
iVS/Ue und iV^«; dat Spat, da Spähse; de Thief, da TAiMPS; dat 
üee/*, ik Bawe; dat iS^tdA«, d4 Stehse; jö Stö/»^, da SieAss; d» 
5d^, d& ä^A^e; dat KUiss, da Kluhse; de iSmd«^, da Smahse; jö 
SAtm, da Shiehse; dat Shdpp, da Shäwe; dat ^dd, da Bähse,^ 
u. s. w. Diese sind, der Reihe nach, folgende, als: der Bloek, 
das Stück , der Tag , Weg , Steig , Krieg , Brief , Graben » 



111 

Girnsträhne« Fassdaube, Grab, Schüssel, Bottich, Netz^Spiess, 
Dieb, Fuchs, Statt, Sudt, Brunnen, Tuch, Schmied, Löffel, 
Schiff, Bad. — Von den vorstehenden dürfen folgende nicht 
mit andern, ihnen ähnlichen Wörtern verwechselt werden, als: 
dat ün/, da Ruwe, die Strähne, und jö Ruhm, di Ruwe^ die 
Ruthe oder der Arm einer Windmühle; de Sfnast, 6& Smähse, 
der Schmied, 'und jö Smähs, d& Stnähse, die Schmiede, so wie 
de Smahs, d4 Smähse, der Wurf; jö Shim, d& Skiehu, die 
Scheide; dat Shdpp, da Shdwe, das Schiff, jö Shäw^ da Shäwe, 
die Schabe; da Bähse^ die Bäder, d4 Bah$e^ die Meister, nd. 
Blas, und de Bähse, der Nutzen; dat Spott, dk Spahse, i. ein 
S|He8S, wie: Härespatt, Ijägtspatt, der Dengelspiess , dän. Häre- 
8|nd, Licbtspiess, 3. ein Spatenvoll, 5. Späth der Pferde am 
Knie, auch Spät genannt. 

%, SSt. Folgende einsilbige Hauptwörter mit den Endbuchsta- 
ben s«, /f, m, n und r, bekommen in der Mehrheit die alte En- 
dung inge, als: dat Hüs$, da Hühssinge (Haus); dat Krüss, da 
trühsringe {Krug f als Gefass); de Müss^ da Mühsringe (Mund); dat 
Shüff, da Shüwwinge (Schubladen) ; dat Kniff, da Kniiwwinge (Messer); 
dat Uff, dk lAwmnge (Taillen); dat Rümm, da Röhminge (Zim- 
mer); de Tum, da Töhninge (Gärten); dat Shrünnf da Skröninge 
(Lade, Kiste, Schrein); dat Ihr, da Ihringe (Jahre), dän. et Aar 
und Aaringer. 

%. 83. Folgende bekommen in der Mehrheit die Endung ene, 

^s: dat Vhg, da ügene (das Auge); de Mdmhe, da Manshene 

^Mensch); deHogse, da IT^sefie (die Kniebeuge, Häckse); de Jönge, 

^i Jängense ; so wie die nur im Pluralis stehenden Collectiva : d4 

^gene (Spreu); da jilleme (die Eltern); da Süskene; da Axene, 

^e Ochsen. Nachstehende , welche sich auf eh endigen , behal- 

^n diesen Buchstaben in der Mehrheit , als : dat Lach , da Lache 

<die Schicht); dat Tvfich, da Twiche (der Zweig); jö BUeh, da 

JUehe (das Laken); de Such, da Suche (der Zober); de üch, da 

Uehe (die Wand); jö Stich, da Stiche und St4ge, s. o. , der Steig. 

Andere verwandeln ch in g, wie oben unter Krich, pl. Krige, 

Hoch (blöde) in BWged, u. s. w. 

Die Endung ene, eme, ist die bestimmte Mehrheitsform aller 
dänischen Hauptwörter, die in der Mehrheit gebraucht werden 



112 

können, als: Mand, Mann, en Mand, ein Mann, Mänd^ Männer; 
Manden^ der Mann, Mändene, die Männer; ebenso: Axene , die 
Aehren; Aageney die Joche; Bordene, die Tische; UusenBy die 
Häuser ; Stuerne , die Stuben , u. s. w. Diese Endung ist aber 
auch angelsächsisch , wie in Edge , Auge , Genitivus Pluralis : «o- 
gena ; S teorra , stearrena ; Tunge , UAngena ; Eare , mrena , der Ohren ; 
CUwe, cliwena, der Knäule; Nama, namena, der Namen; Guma, 
cumena, der Gäste; Lichoma , Jic^omena , der Leichname; Wuce, 
wucena , der Wochen. Diese haben auch im Genitivus Singularis 
undimDativus ai», als: Tungan, der Zungen, Sunan, der Sonnen^ 
Wucan, der Wochen, Eordan, der Erden, woraus man zugleich 
die Herstammung dieser Formen im Deutschen erklären kann. 

§. 84. Die Namen abstracter Gegenstände können nur dann 
eine Mehrheitsform haben, wenn man sich dieselben vervielfäl- 
tigt denken kann, als: da Kronkhäidei Licknissey Dögede^ Lägene 
(Lügen), Tijnstey Wanshe, Wonrajdde, Dänse, UUflügte, u. s. w. 
Auch manche Mengenamen können keine Mehrheitsform anneh- 
men, als: dät Saaken, dät Tjüch, dat Fäu^lk, dät Sajdd , dat 
Untjöch; wogegen andere nur allein in der Mehrheitsform stehen 
können, und einige, die zwar auch als Gattungsnamen stehen» 
doch gewöhnlich nur als Mengenamen mit der Mehrheitsform 
gebraucht werden; wie z. B. dät Häier, das Haupthaar, 2. dat 
Häier , ein einzelnes Haar, pl. die Haare; dät Sträi coli, jö Stroi^ 
pl. da Sträie, die Halmen; dät Hulem coli, ohne Mehrheitsform. 

§. 85. Folgende CoUectiva kommen nur in der Mehrheit vor, 
als: da FSste, die Fasten; da Pajngsdege, die Pfingsten; da Wielh 
dege, die Schmerzen, Wehtage; da Middle , Vermögen, Reiehthü- 
mer; da Mäihslinge, die Masern; da Bögslinge, die Beinkleider; 
da Av/ne, die Buttermilch ; däj^gene, die Spreu; däTwägey die He- 
fen; da Häjdde, die Hede; da Axene, die Ochsen; da Beere, die 
Gebehrden; da Söshene, die Geschwister; da Willeme, die El- 
tern; da Frünne, Verwandte; da Träme, der Lädel oder Drumm; 
da Lähse^ die Gliedmassen; da Kluhse, die Kleider; da Rönte^ die 
Renten; da Häckehe, der Häckerling; da Sliecke, die Prügel; da 
Sturre, aufwärtsstehende Spitzenfalten als Kopfputz der Frauen- 
zimmer; da Flame, die Flaumen der fetten Schweine; da Raittke, 
die Ränke; da Spörtle, die Sportein; da Feric, die Ferien; da 



113 

Wtkbh , der Webstuhl ; da ToiUle , die Klöppel «im Band- uod 
Spiuenklöppeln; da Nucke, nd. Nucken, dän. Nykker; da Trßh- 
9$f Trethölzer am Webstuhle; da Nocke, der Schlucken; da Oek^ 
Unge, die Räume unter dem Dache zwischen den Sparren, wo 
Bach und Boden susammenstossen; ik Grille^ die Grillen; da 
Kfuippelse^ die Spitzen. — Die nachstehenden kommen auch meistens 
nur in der Mehrheit vor^ können aber liueh in der Einheit ste^ 
hen, und haben dann die Hehrheit neben sich, wenn sie als Ap«" 
peUaÜTt gebraucht werden, als: da Nicke ^ die Häkdien an der 
Spindel^ da Saky die Kumpten; d4 Pocke ^ die Blattern; di Tonte ^ 
die. Finnen im Speck; d^ Shäwe^ die Schaben; da Frönne, die 
GefiPMuidten; da Nostringe^ die Nüstern, auch von Menschen, die 
Nasenlöcher; da Slägge, die Schlacken; da Smjdde, die Grieben; 
44 Flecke, die Arme der Spindel; da GroUemänns, coli ohne Sin-» 
guU die Vornehmen und Reichen ; da Laittem&nns , das Gegentheil 
davon; da Haadlinge und Fä^UUnge ^ zu Häupten und Füssen 
des. Bettes. Von diesen können auch folgende, wie die im vori- 
gen § zuletzt angeführten, als Gattungsnamen stehen, und ihre Ein* 
heitist dann: de Packe, die Pocke; }ö ShäM>, de FHknn, jö Ne^ 
simgf de Slägge, de Stdjdde, de Necke und de Flecke. 

Anmerk. i. Die einsilbigen Wörter, welche nur aus zwei bis 
dmi Buchstaben bestehen, und sich auf einen Vocal endigen > ha- 
ben diesen immer stark betont, als: jö Bi» die Biene; jö La, die 
Tenne; jö JLa, die Sense; jö Bro, die Brücke; jö M,ipl, Ki, die 
Kuh^ Kühe; d&t Bok, die Reibe, Zeile; jö R6, die Ruhe; d3t Klie^ 
die Kleie; de DU, der Teig; jö Lte, die Miethe und die Heuer; 
dat Pie, ein Unterröckchen der Frauenzimmer, und ähnliche. 
Ke Mehrheit ist hier regelmässig, und ist: da Lect da lAe, da 
Aide, da Ad^, da Pie-e. Jö Bi und jö Kö', siehe oben. 

Anaerk. 2. Die Mehrheit der menschlichen Eigennamen ist 

'^ehnässTg, als: Benne, Jdnse, Düe, Nickelse ^ Nägehe^ Jaunesse, 

^^^iee, Siemerte^ Kärstene, Stäjnne^ Högle, Tungh^ Kie-e, GSshe, 

^lie^ Sdss/e, Getreue, MaloAne, Ammer e, MegräßUe, Poppe ^ Heute 

^*>Hl IMike, oder: Benden, Jense^ Düen, Nickkehe, Jonasse, Thaden, 

^Vuwrte (Siegwarle), Karsten , Stene , Högel, Dankleffe, Kie-en , Gesehen, 

^ s. w» Die Stammnamen endigen sich gewöhnlich auf sen (abge- 

'^^irzt aus söhn), wo man aber bei der Bildung derselben oft ziem- 

15 



ii4 

licb'^willkührlich verfährt; so wird aus Beime Bansen ^ aus ien^ 
(fries. Jans) Jansen, aus Düe Dühssen^ aas Siäßn SUijnseu^ auj» 
Gödber Godbersen u. s. w. Im täglichen Leben giebt man sof* 
wohl weiblichen als männlichen Vornamen ein /» wo es sich nur 
immer zwanglos anfügen lässt» und dem Stammnamen das Zei- 
chen des Genitivs, nämlich ein j» und spridit: Bhmel Jantena, 
Binet Geshens, Mummet Andräisens, Andräist Megrä^ttens, Geirint 
Gödbers, Stehet Sanhens, Klaait Päjüers, Jüsket Sankens, u. s> w. 
Biess ist eine Zusammenziehung aus ^jU (das englische at, za^ 
in) , und ist soviel als in dem Hause des Vaters oder der Malter^ 
dazu gehörend^ und löst sich so auf: Benne ßjtt Jansens, Bme qßl 
GSshens, Andväis äjU Megri^ttens (nämlich Hause oder Fasiilie). 
Jfan [fragt z. B. jemand: Huhm ging dkr faarbai? Wer ging da 
vorbei? und die Antwort ist: dät was Klaait P^ttersy das war Ni- 
colas zu Peters. Fragt man dagegen nach dem eigentlichen Na- 
men einer Person , als: hörr häUhe? Wie heisst er? hwr himöt 
hörr hätst döf so wird der wirkliche Name genannt, ak: he kmt 
€arsten Paulsen, jö bat Sossei Hansen^ ick hijtt Ibve Dühssem u.a. w. 
ist man bei irgend jemand im Hause, zum Besuche, in Geschäfte» 
U.S.W, gewesen, so wird diess,. wie im Dänischen , durch fl^mit 
dem zeichen des Zweiten Falles ausgedrückt, als: Ick häkm ijtt 
Millers, Faageds, Geshens, Andraisens wähn, ich bin beim MüU' 
kr, beim Vogte, bei Gesche, bei Andreas gewesen; dän. Jeg hmr 
väret hos Prestens, Möllers, Docterens, Hansens u. s. w., ich bin 
beim Prediger, bei Herrn Möller, dem Doctor, Henm Hansen gewesen^ 



Abänderung des Hauptwortes (Decltnatio). 

§. 86. Die Abänderung des Hauptwortes bt einfach, und laickt, 
denn nui^im zweiten Falle beider Zahlen, der Einheit und Mehrheit, 
wird demselben^eia » aogehängtw Da wir die Bildung det Mehriieil 
bereits kennea gelernt haben, so brauchen wir hier keine besod« 
dere Abänderaogsarten zu machen, indem sie sich im Wesentlieben 
alle gleichen. Zuerst wollen wir einige der einsilbigen und dann 
einige mehrsilbige Hauptwörter als Beispiele nehmen, wie: de 
B^, der und das Band; d^X^Bijn, das Bein; jö Bai, die Beere. 



115 
Einheit. Einheit. 

mdnnl. weibl. sächl. männl. weibl. sächL 

N. de Biinn , jö £at , dat Bün. N. de KrSge , jö Saget , dat Krwwet. 
& 4e BünM, jö Bau, dut Büns. G. de ü:r^e#, jö Sägeh, dftt friu;«/^. 
D|i(, und Aeeu«. wie der Nominativ. 

Mehrheit. Mehrheil. 

N. da ^^fMM, da Bm, da «ieite. N. da Krage, da ^o^fe, da ICrdtofe. 
G. da Ajfnner, d4 £«ief , da Bienes. G. da KrögeSy da Sagles, da Kräwles. 
Dat. und Accus, wie der Nominativ. 

Eben so: de ^/pei, de u/pelt, da ilpfe, da iljp/ß«; de Auwen, de 

Amcwfi«, da Auwene, da Auufnes; jö Milien, jö Mdllens, da MilVne^ 

da Miltnes; dat Häigeny da Häigene^ da Haig'nes; auf ^, de Ftd- 

<ier, de Fidders, da Fiddre, da Fiddres; jö Mudder, jö Mudders, 

dUi MMbre, da Muddres; dat JUc&ßr, dat «Aidser^, da J«k;iE;rß, da 

JHkkate» (die Gerte); auf «m, de Bmem, de jBaMfSM, d4 Bäi^me, 

di Kdsmes; jö Bläatem, jö Btossems, da BlSssmey dk Blossmes; dat 

ÜMbniy dät Hulems, ohne PL; auf ere und ern«, de Kahsere, de 

Aftjer»^ da Kahsere, da Kahteres; de WoddenMv de Waddeme^, 

di Waddeme, da Woddeme^ ; auf «^, ed und <t^ als: dat l%e^ 

dder Hnged^ dat Hugets, da Hugede, da Hugedes; jö Doged, jö jDö- 

^ad«; da DSgede, da Dögedes; de Faaged, de Faagede, da Faagede, 

Hl Faagedas; jö jinert, jö jinerts, da ^erle, da jdhertes; dat 

jU^ oder Laiged, dat Läigets, Ak läiffede, da Laigedes^ u. s. w. 

Die hier angeführten Wörter sind der Rdhe nach: Grapen, Sichel r 

Krüppel, Apfel, Ofen, Mühle, Kissen (Sluhlpolster), Vater, Mutter, 

Gerte, Besen, fflüthe, Langstroh, Kater,. Wittwer, Anhöhe, Tugend, 

Vogt» Ente, Seichte oder Niederung« Auf 19, /t^,^ «cAl, als: de ^di^ 

119, de JSäirigSy da Bäirige, da Bmiges (der Berg); de Bieligs, da 

JW^ttt (Blasebalg); de fi^l» (der Ernte), da jBer^to (der Em- 

tot); dat Märrige (des MaiiLea), jö Mirrigts (der Metze), da Jfer- 

n^te« (der Mensdier). Aulmn, iftgr und üifgf , als: jö JßrifMf^rifmf , di 

BuBi fi gt tiiigy; dät Wanittii^«, da TFemntfi^a»; dÄ Pimningf, di Fän- 

*¥i0tf«; de Knäiblings, da Knädblinges (Königinn, Fenster, Pfennig, 

l^k). Auf doÄm, «^ßp und dt, als: dat Kadterduhnu, dk Kai' 

*^9*dHhmei;\ASLi Länshapps, da Lönshappes; jö Prawstais, da jPmw- 

15* 



116 

stäies. Auf eise, häid und Vocale, als: de Tachehes, da Ta4^hehes 
(Deichsel); jö Krmkhäids, da Krönkhäides u. s. w.; jö JLa'^, dkLd*es, 
s. 0., jö Brö's, da Bröes; jö Bi*s, da Bi-es; dät Pie's, ikPie-es; 
dat Vhg, dat Uhgs^ dk Ugenes; de Högses, da Hogsene», u. s. w. 

Anmerk. Das unbestimmte oder nichtbestimmende Gescblecfats- 
wort ist im männlichen Geschlechte an, im weiblichen und säch- 
lichen m, wird aber gewöhnlich in allen Geschlechtem nur 'n 
ausgesprochen, wie 'n MönUy 'n Wöff, 'n Bjdm, pl. MänUy Wöffe 
und Bßme. Auch hier steht bloss das 8 im Genitiv^ als: en Jfanaa 
Wöff, eines Hannes Weib; en Wöffs Mönn; 'n ßjams jtUeme; 
Manns Wöffe, Wo ff es Mann, Bjames u/Ueme. 



Zusammensetzung der Hauptwörter, 

§. 87. a. mit Hauptwörtern. Hauptwörter werden mit andern 
^zusammengesetzt , ohne irgend eine Veränderung zu erleiden, 
als: dat ^mtk&ss , de ^mimänn, de Bikaurew , de Beddsikm, 
die vordere Bettwand ; dät BrUjäkrüdd, der ^Kümmel (wörtlidi 
Brotkraut); jö Döhrktäink^ die Thürklinke ; de Fdllberehser ^ 
der Fellbereiter , d. i. der Gerber ; de Feestpose , Fausthand* 
schuh;, jö Fläujddtiddy die Fluthzeit; de Frägtwäien; de 6teAl» 
wärk 9 der Gichtschmerz ; de Hälsdauk , das Halstuch ; de 
Heefkmbey die weisse Höve; jö Hüsstugt, die Hauszucht; jö £W« 
mäujnn, der Holzkasten; dat Jjllfät, das Feuerfass; de Kaardspt" 
ler, der Kartenspieler; dat Keelwähser^ das Kielwasser; de £IÜp 
praekeTf.Aßv Kleipicker, Zwergstrandläufer (Tringa minuta); de 
Krüdd^uPf der Blumenstauf; dat Kraugshild, das KrugschUd; dtel 
Kunstwäirk; jö Ijägtshäier ; de Lotile, die Tennendiele ; jö LodpeU^ 
der Glückstopf; de Mästbuhmm; de Plaugstjärt, der Pflügst»»; 
dat Binnwahser, Regenwasser; jö Saaldöhr, Saalthür; dat Sälißi; 
dät Siddstock, Seilenstuck; dat Killsnauck, der Kesselhaken über 
dem Heerde; dat Sküllbauck, das Schuldbuch; dat Sniewahser, 
Schneewasser; de Ställhrauhser , der Stallbruder; de Täiswärkf 
Zahnschmerz; jö Theedauhs, die Theedose; de Wäiwihsser, Weg- 
weiser; Sdnnwihssery Sonnenweiser; dat Würmkrüdd^ der Wurm» 
saamen; dät Wägsljägt; dät Snolrähser, das Rotzmaul, Rotznase; 



117 

de Pdckiräßd, der Pechdraht; de Dickfaaged, der Deichvogt; de 
Dkkgraaw, der Deichgraf; dat Bl&ujdsUüiggerjdm^ das Lasseisen; 
de Stöflwäst, der Spinnstäuber; dat Päujnngät^dy das Pfandgut; 
de msgsstälk, der Misthaufen; de Qjärsglüpper, die Eidechse 
(Grasschliefer); de Cjjarshöpper ; de Fät^UsSck: de St^wäll; jö 
iSIftottmep , die Stahlschnalle ; de Aasknaake , der Aasknochen 
(Sehimpfwort); de Tjüdderuijarlse , Spannstrickwirtel ; de Liffrogt, 
das Leibgericht; jö Issspär, der Eissporn; de Naasdwuck, Nasen- 
tuch; de GiUhähj der Greizhals; de TollformUer, ZoUverwaUer; 
de Erüstimai, der Kreuzweg; d&t Kohlwaser, Grubenwasser; dal 
hSßöTbed, Lohnarbeit; jö ßliekugel, Bleikugel; de Kdstgainger, 
der Kostgänger; de Kaam^awse, der Kiefer, Kinnbacken; dat 
Bßrdsiep, die Bartseife; dat Bierglees; jö Fliegklapp, Fliegenklat- 
«che; de Mältpöse , Halzsäckchen; de Gülpimg^ Geldbeutel; jö 
Wirshiess^ die Hauerkelle; jö lÄekkarst, der Sarg; de SäUrieme^ 
Atr Saitelriemen; de Kti^lsUjtter , der Kohlstösser; dat Beddstähs, 
die BeUs teile; de Slaipdrank, der Schlaftrunk; dat Mistwähser, 
Nebelwetter; de Ailebitter, der Blutegel; de Trästgrünn^ Trost« 
grand; dät LufUiecken, Luftzeichen; dat Bräifät, die Grützschüs- 
sel; jö Nägtmähr^ der Alp; jö Vchlüss, die Wanze; de Säßlupper, 
derSäekorb; dat HdrtbleesSf das Herzblatt; dat Möhrswimn, der 
leDwesel; de Vhgäpel, der Augapfel; de Käjhtrück, der Kobl- 
fitrank; jö Brüjdrmn, die Brotrinde; de Bistoeky der Bienenstock; 
it Fwunnänn , der Fuhrmann; de Bauckbmner , der Buchbinder; de 
Ifigtg^tter, der Lichtgiesser; de IjägtsHeper, der Lichtzieher; de 
^Mbwpp, der Erdhaufe; jö Ni^dlägen, die Nothlüge; de Ojirs- 
Me\ der Grasbusch; de ESfwujUf der Kuhfuss (ein Brecheisen); de 
f^diüdck; de PulsSdder, die Pulsader; jö Binnfläg^ derRegensdiau- 
^; de Sanninm, der Sonnabend; dat Shä^jlhüss, das Schulhaus; 
j^ fSjllslägt, die Feldschlacht; dät Shüjttshann, das Schurzfell; 
^^ Sniemonn, der Schneemann; de Spring stock; de Slahkpide, 
^^f Staketpfahl; de Stammbtthmm, der Stammbaum; dat S^ti^nii- 
9^, das Stundenglas; dat Struhmmwahser , das Flusswasser; de 
^^^>emb>äjlke f der Schwadenbalken beim Mähen; dat StäpstMs^ 
^^^ Stege! ; de Winnbottel , die Weinflasche ; jö WSnrßjdd , der 
'^^hnrath, s. o.; de Kalktwäst, der Tüncherpinsel; de Fläshklump, 
^^^ Fleischkloss ; de Haurngedd, der Hornhecht; dät Mählstöf, 



•'■, 



118 

der Mehlstaub; de Winnljaaler, der Weinkeller, u. s. w. 

Wörter, welche sich auf ß, el, m, er, em, ere, eme, eUe und 
ig endigen, werden, in der Regel, mit andern unveränderl ver«- 
bunden, als auf f; dat Mnewälling, Buttermilcbssuppe; de Bur* 
retöU, der Klettenbusch ; deßuUepäae, der Oehsenziemer; daFoA- 
lefäUt, die Fohlenfüsse, d. i. der Huflattich ; de Gremßidg^l^ 49r ^ 
Halftfsrstrick; de Hockeb^tm, das Garbenband; de HmeUiek^ der— - 
Hamenstab, Reusenstab; dät Jöhseshäujl , die Judeoaehule; diU 
Kragmist y das Krähennest; de Mägesnäps, der Hagensohoaps; dftC 
ÖmespSk, der Eberspeck; de Tömenägel^ der Daumenoagel; de 
Salering, der Kumptenring; dlt Klobbelddd, der Koherdeckel; de 
Lättkepase, das Hüftpolster; dat Mänehüer, das Mähnenhaoff; dit 
Näi^Uebauck, das Notenbuch; de Plünimnänn, der LumpeDaamm- 
1er (Plundermann); jö Rdggewopp^ die Roggenähre; dat W^Uesim, 
das Weizenstroh; jö Slängehüdd^ die Schlangenhaut; de Tim/t 
stock, der Zollstab; jö Thramkrück, die Tbrankrucke» u« s. w. 
Auf el: de Bihellker; de Kräwelstäxifl; jö Kägelbaan; de JHmM* 
^^n; jö Prägelhohs, der Strickstrumpf; de Gichelboge, der M- 
genbogen; de Sd^^bmo^s, der Siohelschmied ; jö DagelpoUt^ der 
Tiegel topf; de 'JthssUruDmer , der Eseltreiber; jö Pieseldökr, die 
Pieselthür; jö FUäelkäpp, die Flegelkappe; dat Sbauwelblee$$, dea 
Schaufelblatt; de l^vppd^ne, das Stoppelende; de I%«{A«^, 
der Angelhaken. Auf en: jö ituK^en^Aati^l, der Ofenschieber; de 
Wäienkamrew, der Wagenkorb; jö Kögendöhr, die Küchenthär; jo 
Jf^UenfttAw, die Mühlearuthe, Arm; dat Tiekenbauek, das Zeieheob* 
buch. Auf ar: de jifüierrmg; dat EkerßiU, Ackerfeld; de F^üm 
gerhäiydd, der Fingerhut; de Bätnmerstile y der Hammerstiel; de 
TAiuerfo'di, Buchweisengrütze; de Lädderbmike, der Leiterbalkea; 
jö Rakkerköhiy die Sehindergiube; de TjaalerhälSy der Kelleriuda; 
de KUwwerMek; de MudderwUSy der Mutterwitz; dat FeuMrAiVfh 
<aM, das Futterhemd; de Öferdäi, der Opfertag; de WaA^eryöHa, 
die Wettergalle; dat Tütmerkr^k (jd), Zunderbüchse; dat Jfij- 
skrstoek, das Meisterstück; de Böhserbüsh, die Bulterbüehse; jö 
Süsterkäg, der Schwesierkuchen; dät ShullerbkesSy das S<^llllt^^ 
blatt, u. s. w. Auf et»; dat Airemldss, das Armgelenk; jö Bmh 
semdöhr, die Stall thür; de BlSssemstik, der Blüthrastiel; dat Ai- 
lembünn, das Hälmband; de Bäisembmner, der Besenbinder, u.s.w. 



119 

AvI ere und eme: dät Wähserefläsh, das Hammelfleisch; dat Kä- 
sereshann, das Katerfell; de Waddernesiand, der WiltwerstaBd ; 
di( Poniemduaad, derWiesbamnkopf; dit Efjnseme^h, der Brun- 
neaaehwengel » u. a. w. Auf ehe: de Tdehehehäge , der Deichsel- 
haken; de Räekeleelmshy Rieehslfauss von Blumen; dat Hßjddebe*^ 
Umek, dasRäthselbudi; Ae Läpekelwper ^ ein Pferd, das durchläuft, 
diiL VänäLf läufiseh; de Häekels^ämmer ^ die Häokselkammer ; 
HieMitkärsi , Häcksellade ; Häehehekmff , Häokselmesser ; dät 
S^ftmekehelähl, das Gespenstermährchen. Auf t^: de Bämigtäpp^ 
Bergtpitze; dit Eälliglwujnn, das Halligland; dat Tulig^t, das 
TtifßUkX; de FuhgSker, der Brachacker; de BieligtöU, die Liese 
aas Kasebalg; de Märrigknaake^ der Markknochen. 

Die Eadongen ing, ling und itm erfordern bei der Zusammen- 

settmng ndt andern durchgängig den Buchstaben e, wie in: jö 

Amkigeshaier, die Osenschere, welche gar nicht exislirt und viel* 

kiditme existirt hat, womit die Strohdaehdecker das untere Ende 

de» Daehes an der Traufe abputzen sollen. Zum Scherz schickt man 

Kllaben lum Nachbw um die Traufensohere, wo er dann im-' 

weiter zum nächsten gewiesen wird , bia er das Dorf Mllanig 

kA^md als Geäffter zurückkommt; dät Wämingeshurew oder «^tir- 

wimf., die- Fensterkerbung, eine eigene Bauart altfiriesiseher Häu^ 

vstr die man niur noch selten und nur in alten Häusern antrifft, 

vo ytmk' obem Ende des Fensterfutters bpeite, schräge Bretter 

Ua an: die Decke zusammengefügt sind, vormair gegen Ueber- 

adnremmungen , um sich auf den Boden zu flüchten, der sonst 

«agteieh mit der Hauer stürzen würde; de Shimringehäge , der 

Baken an der Brimnenatange ; dät UijUmgeshjiru, NiachgdlNirtsuii« 

nA; Kinningeforsdmiing , Königsversamnllung; jö KnmbHittgetril\ 

4iaKnieaeheibe; de Beplingeploek, die WurstprickeU dat .i^foner- 

Ikgeduum, das Lammfell von einem ein^ bis zweyährigdn Mutter- 

bttin; de SpilUngebuhmm, der Spillingbaüm (gelbe Pflaume); dät 

^^nün gepär, das Zwillingspaar, u. s: w. 

' Die Endungen (iuAm, shapp und hmd erfordern ein eingescho* 

^'OQea «, als: de Allerduhmskänner , der Alt«*thumskenner; jö 

^^•enduhmsHdd , die Heidenthumszeit; de Selshappebrauser ^ der 

^^sellsehaftsbruder; de Lanshappstiekner, der Landschaftszeichner; 

"** Äienshappsuhrd , Eigenschaftswort; Näibershappsbrück , Nach- 



120 

barschaftssitte ; Krönkhäidstieken , Krankheitszeichen ; Sünnkäids*^ 
iöständ^ Gesundheitszustand, u. s. w. 

" §. 88. Diess sind die allgemeinen Regeln, welche sich über 
die Zusammensetzung der Hauptwörter mit ihresgleichen geben 
lassen. Wir wollen nun auf die Ausnahmen aufiaierksam machen. 
Von den einsilbigen Wörtern, ohne bestimmte Endungen, be- 
kommen mehrere, wenn sie als Bezeichnungswort stehen, den 
Buchstaben e, Diess gilt besonders da , wo das Bezeichnungswort 
sich dem Grundworte ohne Sprachhärte nicht anschliessen kann» 
und allemal, wenn der Gegenstand des Bezeichnungswortes in 
der Mehrheit gedacht wird. Zu der ersten Art gehören folgende, 
als: de Alk, dät Alkeshann, das Iltisfell (auch Alringeshatm) ; de 
Bläisehäls, der Blasenhals; dat Bossesidt, das Büchsenschloss; de 
Drugesaft, der Traubensaft; dat Hänneäi, das Hühnerei; de £&- 
gepule, der Heckpfahl; de Hd^nstesl^ärt , der Pferdeschweif; de 
Hkigespicker, der Angelnagel; dat HünnehüsSy das Hundehaua; 
de Hillebuhmmy der Fliederbaum; de Klöckestring , der Glocken« 
Strang; dät Lämpesnauck^ die Lampenkette; dat PöppehüU, der 
Pfeifendeckel; dat Pänneladd, der Pfannendeckel; de Pungeiwäsip 
die Beutelquaste; de Rdmmehaurn, das Bockshorn; dat Ringetap^ 
pen, das fiingeltappen (ein Abendspiel im Freien für junge! Leute 
beiderlei Geschlechts); dät Rotekrüdd, das Rattenkraut (Arsenik); 
jö Säirkeslieiü , der Hemdärmel, an Hannshemden; jö Smdckespwngf 
die Hemdenspange, an Weiberhemden; dät Siepewahser, das Sei« 
fen Wasser; da Nüjüefläshy dät Bäistefläsh (dasselbe); dät Sbnm»* 
haad, der Schraubenkopf; dät Sndggehüss, das Schneckengehäuae; 
Sohgemolke , Saumilch ; Shäipettdig , Schaf talg ; dät RauekenM^ 
der Rabenschnabel; dät Staur kenebb, der Storchschnabel; j6 SMkh 
keräujU; dät Suhsewahser, das Brunnenwasser; de Swunehab, der 
Schwanenhals; dät Swinn^ dät Swennefläsh, Schweinefleisch; de 
Tannehaupp, das Tonnenband; de Tunenägel, der Zehennagel; de 
Stjüttebüsshe, das Weizenbutterbrot ; dät WäUewahser , Weilm<* 
wasser; de Kättes^ärt, i. der Katzenschwanz, 2. die Blutähre (Ly- 
thrum Salicaria); de Stierehaum', das Ochsenhom; de Faanesmass, 
der Fahnenschmied ; dät Haadefläsh , das Kopffleisch ; dät Uep^üf 
das Kiebitzei; dät Nillebleess, das Nesselblatt; dät Rmekrüdd, das 



121 

Rfibenkraüt; dät TwSgefläsli, das Quänen- oder Färsenfleisch; jö 
Wuppesting, die Aehrengranne , u. s.w. 

§. 89. Bei folgenden ist die Mehrheit des Bezeichnangwortes 
deutlich angezeigt, als: de Baanetale, der Rainfarrenbusch; de 
BUlekriemer, der Bilderkrämer; de Bldckedraier , der Block- oder 
Seheibendrechsler; de Bossesmass, der Büchsenschmied; dat Hqjn- 
«to- Bäiste^ Swinne* Shäipe' an Gösemärked^ der PferdC'» Yieh'^ 
Sehweine- Schaf- und Gänsemarkt; de Buhmmetünn, der Baum- 
gmen; jö Grauwedieling , die Graben vertheilnng; de Kniepemäger^ 
der Schnallenmacher, Spängier; de Glauwesmass^ der Spaten«" 
sehmied; de Knöppemäger, der Knopfmacher; de KrSbbebUter^ 
der Erippenbeisser; jö Pämewöff, die Pomfrau; dat Bdbbefläsh^ 
das Rippenfleisch; dät Ramewahser^ das Rosenwasser; dät Säihse* 
ßi der Eäsebottich; dät Shiehserdck, der Löffebriechel;/de Stäi' 
rMeker, der Stemguker; jö Täweläujdd , das Petzenranmieln; 
dit Thiewepäck , das Diebspack ; dät Thiegewärk , der Lenden«* 
idiiiierz; dst Hünneläwent, das Hundeleben; jö Wöffesommling^ 
die Weiberversammlung bei einer Gebährenden ; de Röshetale^ 
der Binsenbusch ; de jiplehuhmm , der Apfelbaum ; de Peere" 
tUm*^ Nähse" Kassebäiebuhmm^ der Birn- Pflaumen- Nuss- und 
Kinehenbaum; deDdsheklüft, der Küchenhader; de Wuppesömmlert 
itit Aehrenleser; Taumebush, Domstrauch; en Baawleseme, die 
Kosen* oder Simsenseime; Lähsewärk, Gliederschmerz; Wäwk* 
bmm, der Kamm zum Webstuhl; de Stickehbäiebush^ Stachel- 
beerstrauch; dät Räujttemäus, das Möhrenmuss» u. s. w. 

% 90. Einige männliche Bezeichnungswörter auf er bekom«' 
iDen» bei der Zusammensetzung mit andern, noch eine angehängt^ 
was sehr richtig ist, wenn man den rechten Begriff mit diesen 
Vörtem verbindet, die dann meistens im PI. stehen, oder doch 
A in demselben stehend betrachtet werden müssen, z. R. dät 
^hSlirebüjU, das Schützenboot ^ ein Boot, wie es die Schützen 
(Wohnlich gebrauchen; jö Difdcerekaar , der Deicherkarren; jö 
^Sterepänn^ die Zigeunerpfanne, dän. en Jydepande; de Söttere^ 
P>1/im, die Schusterpfriemc ; dät Gdnnerenebb , der Gänserichschna- 
bel; jöFosÄereMrs/, der Fischbehälter ; dät Kriemmerehüss , dieKrä^ 
"Jcrdüte., dän. et Krämmerhuus; jö Kraugeremff, die Krügerfrau; 
*l Shjärd^elßßn, der Schnitterlohn; dät Rähsereshann^ das Kalb^ 

16 



feil von einem ein-bis zweijährigen Kalbe; jö SndjUereherberg , 
die Tischlerlierberge; de ShrigderesuJimm , die Schneidernath ; diC 
PrisierekusSy das Pfarrhaus, und einige andre. 

§. 91. Nachstehende Composiia bekommen bei der Zusammeii- 
«etzung «in eingeschobenes s^ als: de L^nsm&nn, der Landsmann; 
de Vjllingsmönn^ der Oldingsmann, Odelsmann, (dagegen aber: 
de Länm&fm, der Landmann; de ßdddmänn, der Betteimaim; de 
Jungmonn, der Jüngling); de Krieh9männ, der Kriegsmann; dit 
Däisljägt , das Tageslicht; de Wäisltiingde, die Wegeslänge; de 
Wrällsijnne, das Weltende ; de Mirkedsdäi , der Markttag; de 
NäührsjSwe, die Neujahrsgabe (Geschenk), aber dät Ihrmärkeä 
ist nicht der Jahrmarkt, sondern das Marktgeschenk; de WrälU^ 
lupp, der Weltlauf; de Läwentshpp; de Hdmmehlupp, der Him* 
melslauf; ]öKrieh8tiddf die Kriegszeit; de Mdnmhugde, die Mann»- 
höhe; jö Forständwwing , die Verstandesübung; jö Hartensd$tgU, 
die Herzensangst; de Haurdswäll, der Kirchhofs wall; jö jüfbf^jtf, 
die Feuersnoth; jö Wahsermujd^ die Wassersnoth (aber dät IFoA- 
serhräky der Wassermangel); dät StaaUkläid, das Staatskleid; de 
Staatswäieny der Staatswagen; de StaaUliener, der Staatsdiener; 
dät ^rbedslüJH^ der Arbeitslohn; jö Bßmmßjd^ die Kindesnöthen; 
jö Töbaeksdauhs , die Tabacksdose; JotecAmeik (Rauch); TobadBi- 
pase; Tobaekspung; de £itpni^nm/m, der Kaufmannssohn; de 
Fidderläujnsliewde , die Yaterlandsliebe ; jö Göddshann^ die Gottes* 
henne, Gotteslämmchen (Coccinella); jö Dieksläit, die Deichala« 
«ten; de Graufswäll; jö Ihrstidd, die Jahreszeit; de HierdsfMagml, 
der HardesYOgt; jö Fresensunnerhöndling ^ die Friedensunterhand- 
lung; de KniffsSdd, die Messerspitze; de jämUforwilter ^ Amtsver* 
Walter; dät Drillmgsljägt y das Dreilingslicht; de ShdUingitfiiä, 
die Schillingssemmel , u. s. w. 

Anmerk. Nur wenn das Wort »Herz" uneigentlich für Gefühl, 
Gesinnung steht, heisst es Härtens in Zusammensetzungen , aonH 
bloss Hart, als: Hariklöppen^ Harthlänmen, Herzgespann; HaH- 
höhl, Herzgrube, aber Härtens fräude , Harlensnäening , Hortenüimh 
de, u. s. w. Auch mehrere andere, mit den fiezeichnungswörtem 
in §.91, bekommen das s des zweiten Falles nicht, als: de Dii^ 
driwwer, Tagetreiber; de Degewähler, der Tagewähler; dit JXmi^ 
melrkk, Himmebreich; dst oder jö Mönntäll, die Mannszahl; de^ 



Wähserüpe, die Wasserhose (Wassei'zapfen) ; de Dkkfaagedy Deich«- 
TOgt; Dickgraaw, der Deichgraf; dit ^mthüss, u. s. w. Vieles 
ist hier ganz so, wie im Deutschen. Oft lassen Grund- und Be- 
zeiehnungswort sich mit einander vertauschen, «nd geben dem- 
nach einen verschiedenen Sinn, als: ]öHünnelänk und Lankeftünnf. 
Hnndkette, u. s. w.; de Wahserstruhmmp dat Siruhmmwahser , Was- 
serstrom, u. s. w.; dät Öf er fest und dät Fest&fer, Opferfest; de 
UmeMufijl nnd Stm^lläne, Lehnstuhl; jö Fä^Uhlägt und dät SUgi'^ 
ßflt die Feldschlacht; dät Bottelbier und de Bierbottely das Fla* 
sdienbier und die Bierflasche, u. s. w. 

' %, 92. Wenn folgende Substantiva als Bezeichivungswörter gc* 

fartueht werden, so stehen statt derselben die jetzt nicht mehr 

Bmtkt oder einfach vorhandenen altfriesischen Namen dieser Dinge» 

als: dät Klüss, altfr. Kluss, pl. Kluhse, Tücher und Kleider; de 

Sütt, Suhs, pl. Suhse, der Brunnen, nd. de Soot; de Eher, de 

Agety der Acker; dat I4t^n, dat LSn, das Land; de Stranjwni 

de Sirm, der Strand; jö Bräujnn, jö Brän, die Feuersbrunst; 

jö BStt^jtm, jö HöHf die Hand; jö Shät^fnn, jö ShSUj die Schand- 

duit; de Shauch, pl. da Shur, der Schuh.; jö Gaus, jö G5b; dftt 

Smim, SwSnn; dat Gät^l, dät G^U, das Gold; dät Kaum, dät 

iEim, das Korn, u. s. w. Die Lautübergänge sind hier: ü in Uy 

^kkä, k in g, än^ und äu in o, t in e, au in f»A, ^ in 6. Beispiele: 

<fe Bßßd, der Rath; de jR^monn, der Rathsherr; de Sänm&nn^ 

'er Sandmann; SonSker, Sandacker, Name zweier Dörfer, von 

denen eins im Kirchspiel Leck, das andere im Kirchspiel Rinke« 

lüs liegt; de Sankraug^ der Sandkrug; de Sonbänk, die Sand- 

t^k; dät Sänskjarl, das Sandkömchen ; dät Suhsewahser, das 

Brunnenwasser; jö Sanköhl und jö Savjnköhly Sandgrube, nd. de 

Sandkuhl, dän.. en Sandkule; jö Ägerhänn, das Rebhuhn, Acker- 

buhn, dän. en Agerböne; de Länmonn, der Landmann; de LSn* 

/bogAftl, der Landvogt; dät Lätirögt, das Landrecht; de Lanstricker, 

<i(»r Landstreicher; Längraaw^ der Landgraf ; du LSnfäulk, das 

Landvolk; de LonmajUer, der Landmesser; de StrSnfaaged, der 

^ndvogt; Str&nrogt , Strandrecht; Stronsmijn^ Strandsand; 

^*i^ßgel^ Strand vogel, u.s.w.; de Brdnhage, Brandbaken; Brdn- 

f^^k , Brandleute ; Bronshätt , Brandschatzung ; BrMkasee; jö 

^^^noägty ti.s.w.; de Hönstöck, der Handstock; dät Hantjan oder 

IC* 



124 

4jAm, die Handquehle; de Hänlänger^ der Handlanger; AH Höi^ 
wäirk, das Handwerk; de Hönslieck, der Handschlag; jö Hän- 
kliess, der Handschuh; dU Shdnklütten , Schandflecken, Schimpfen; 
jö Shurkniep, die Schuhschnalle; de Shurhjarsel^ die Schuhbürste; 
de Shurrieme; de Shurßdcker^ u. s. w.; de Gdst^ürder^ Gänsehiri; 
Goseflash, Gänsefleisch; Gäsewing, Gänseflügel; Gosebraahs^ Gän- 
sebraten; Göseäi, Gänseei; Gösekrölle, Gänseblümchen; GöseßjU, 
Gänzefüsse; Gosekräse , Gänzekropf; Gdsesmahr ^ Gänzeschmalz; 
Gösestäiy Gänsestall; Gosehjän, Gänseaar; Swennehaad^ Schweins- 
kopf; 'fläsh, -regg, -bjarstf -ägel, ^slagter^ -jürder, -fSjU, -stßrtt 
-kaum , 'snütte, -grdjnten , «-fleisch , -rücke, -horste , -igel , -schlächter , 
«hirte, -füsse, rschwanz, -kom, -schnauze, -grunzen; Ae Kän^jiir' 
der, Feldhirte, Flurschütz; de Kdmquänker^ der Komquinkler, 
d. i. die Wachtel, aber auch de Kaumkug, Komkog; de Ka/urn^ 
eker, der Kornacker; de Kaumhandler ; de Gellsmasß, i.der Gold- 
schmied, 2. die gemeine Libelle, Wasserjungfer (Libellula vulgata) 
und überhaupt alle Libbelenarten ; de Gdllring, dät Gallshümm, 
de Gdllstunge, die Goldstange; de GoUklump, aber de GmjUdder, 
de Gmjlmäger^ u. s. w^ Die drei Wörter: de Stäujl, dät Shm^l 
und dät JSä/ujl gestatten eine zweifache Zusammensetzung , je 
nachdem sie in der Einheit oder Mehrheit stehen , als : dät Stm{il- 
häigen, das Stuhlkissen; de StaulemägeTy der Stuhlmacher; dit 
fShät^lgijl, das Schulgeld; jö Shauleforbähsering , die Schul verbes« 
serung; jö JSmjldöhr , die Hüttenthür; da Baulewanninge, die 
Fenster der Hütten. Das Wort Mäujl, altfries. Maul, Mill, Millerde« 
dän. Muld, engl, mould, bleibt unverändert in Mäujlujärpel , wöt 
für man ganz unrichtig Mäujmujjärpel spricht. Vergleichen wir 
hier die Namen: Mäujlujärpel, dän. MuldvHirp, engl, mouldwxrp, 
deutsch Maulwurfs so stellt es sich deutlich heraus, dass das Wort 
Maul in Maulwurf nicht Maul (Mund, Schnauze,) sondern Millerde» 
^as allfriesische Maul, bedeutet; und wirklich wühlt der Maul- 
wurf immer nur Millerde auf, denn in der Thon- oder Kleierde 
findet man ihn nicht. (Beiläufig bemerkt, hat man auf der Insel 
Arröe keine Maulwürfe, obgleich man sie auf allen benachbarte; 
Inseln, sowohl im Herzogthume Schleswig als auf den dänische 
Inseln, findet). 
§. 93. Diejenigen Wörter, welche sich auf /* endigen, und ii 



125 

der Mehrheit die Endung we bekommen, behalten diese in der 
Zusammensetzung bei, wenn die Hehrheit angedeutet ist, als: 
-dat Bräif, dat Bräiwebwuck, das Briefbuch, der Briefsteller; de 
Bräiwepase, der Briefsack; dat Reef, jö R&wffjägt, die Fuchsjagd; 
jö Grauf, jö Grauwedieling, die Graben vertheilung; dat Ruf^ dat 
Bimfebünn\ das Strähnenbund; dat GrSf, da Griwehuppe, die Grä- 
berhaufen, Gräberhügel; dat Steef, die Fassdaube, jö Stewehäwel, 
der Daubenhobel; StewehöU; de Thief, dat Thiewepäck, das Diebs- 
pack, u. s. w. 

§. 94. Die einsilbigen Wörter, welche in der Mehrheit die 
Endung inge bekommen, erleiden auch verschiedene Zusammen- 
setzungen, je nachdem sie in der einen oder andern Zahl stehen, 
als: de Hüssmönn, der Häusler, dat Hühssingerd, die Häuserreihe; 
de Krüssgräwe, der Krughenkel, da Krühssingeladde , die Deckel 
der Krüge; de Kniff södd, die Messerspitze, da Kniwwingehlehse ^ 
die Messerblätter; dat Tü/nnstäk, das Gartengestänge, da Töhn- 
UigMiewe, die Gartendiebe; dat Rümm, Zimmer, de Röhmmge" 
iRabr* der Zimmer- oder Stubenmahler ; de Shrönnborke, die 
Beilade in einer Truhe, da Shröningeladde ^ die Deckel derselben; 
At Ikrbauck, das Jahrbuch, de Ihrgang, der Jahrgang, de Ihrsdäi, 
der Jahrestag, jö Ihrsiidd, die Jahreszeit, jö Ihrtäll, die Jahres- 
ubl, aber jö Ihnngetäll, die Anzahl einer Reihe von Jahren, de 
ihringeteller , der Jahrenzähler; dat Shoff, de Shöffsgrawe^ der 
Scbubladengriff , da Shöwwingeßke , oder -fäge , die Schubladen- 
'^cher. -^Man spricht: däfs manning Ihr sunt, und dat ds manning 
f^ringe sunt, »viele Jahre her", beides richtig und gleichbedeutend. 
§. 95. Die Wörter, welche sich in der Mehrheit auf ene en- 
tig^n, kommen auch mit dieser Endung in Zusammensetzungen 
Vor, als: de ügenewärk, der Augenschmerz; dat Ugenewahser; dät 
Hdnsheneflash , Menschenfleisch; Mdnsheneliewde , Menschenliebe; 
de Mdnshenefrünn ; de Högsenewärk, Kniebeugenschmerzen; da 
f^ngensesträge y die Knabenstreiche; dagegen aber wieder: de 
Vhgäpel, de Vhgentiener , dat Vhgenbldck, dat ühgenldss, Augen- 
lied; de Vhgenshinn; dat ühgennuijtt, Augenmaass; dat ühgenmärk, 
das Augenmerk; dat ühgenhäier, die Wimpern und Brauen oder 
firaunen (überhäier?); de Vhgenedocter ; dat iHfaiwÄea/fer, Menschen- 
aiCei*; de Manshehurle , der Menschenkoth; jö Manshehäi^n, die 



126 

Menschenhand; de Axenedriwwer (s. Axene unter den CoUectiven) 
aber auch Ögsedriwwer. Dät Uhgenhldck, der Augenblick, ist nur 
dann sächlich, wena es den kürzesten Zeittheil bezeichnet, dage- 
gen männlich, wenn ein wirklicher Blick darunter veratandeu 
werden soll, wie: de Liewdeblacky der Liebesblick. Jö MäjU, das 
Maass, ist nur in dem Worte dät Uhgenmi^U, sächlich, sonst 
überall weiblich. 



Gemischte Beispiele als Nachtrag zu dem Vorigen, 

§. 96. De Tömestöck, der Zollstab; dst Wunnertieken , das WuDr 
derzeichen; de MöhrsHjn, der Hauerstein; jö St^nmohr^ die Stein- 
mauer; de Ohlbuhmm, dät Buhmmöhle, der Olbdum, u. s. w,4 
dät Fögelböhr, das Vogelbauer; jo Mölkk&f die Milchkuh; de P«fe>- 
klump, der Mehlbeutel, ßudding; jö Böhserhdxy die Batterhexe; 
jö Hdxeböhser, die Hexenbutter; de Slägbuhmm, Schlagbaum; de 
Blmjdhünn, der Bluthund; dät Bläujdshöm, die Blutschaade; jö 
Ldflstripp, die Bodentreppe; de FUtsbäge, der Flitzbogen, kleine 
Armbrust; jö Brüßdkröhm , die Brotkrume; jö Hillebass, die Ho«* 
lunderbüchse, aus der die Knaben mit zusammengekauten Werg^ 
pfropfen schiessen; dät und jö Hönirau, die sogenannte Handtreit^ 
der Verlobten ; dät ^iebier, Eierbier; dat uäirebier, das Ehrenbier, 
Begräbnissmahl ; dät Brordek , das Brückengeländer ; de IMfeiif 
knapp, Degenknopf; de Järdbäll, der Erdball; de Uhrewärk, ii^ 
Ohrenscbmerz; jö Kräbbeshäier , die Krebsschere; jö Päwertiugini^, 
die Pfefferquerne ; de Ricksddi, der Reichstag; de Rieksdaaler; 
de Räidetäge, das Rohrdaoh; dät Säßdkaum, Saatkorn; dät ShM- 
bräif, Schuldbrief; de Siemotm, 1. der Seemann, 2. der Sämann; 
jö HSfwöff, das Meerweib; dät Siddstoek, das Seitenstück ; de 
Sdnnißihsser , der Sonnenweiser; de SpräikHere, die Spraeblehre; 
dät Tobaeksstaawling , das Ausräumsei aus dem Pfeifenkopfe; de 
Dökrd^empd, die Thürschwelle; de Slöhsedrempel, der Schleusen- 
drempel; jö Düssstünn, die Todesstunde; dät Fidderlät^nny das 
Vaterland ; dät Biudderlmjnn , das Mutterland ; de Waaldäi , der Wahl-^ 
tag; dät Wähsergless, das Wetterglas; de WajnkelhägCy der Win- 
kelhaken; de Wonterbähr, die Wintergerste; de UUkaumm, der 



127 

Wollkamm; dät Vrdebauck, das Wörterbuch; da Balsaamble/ise, 
die Balsamblätter vom Balsamrainfarren ; dat Rän^UeMdd , das 
Höhrenbeet ; dät Tiddsälkr , das Zeitalter ; jö Krogeshiess , der 
Grapenlöffel (nd. Sleef); de Suckerhäußd, der Zuckeriiut; de u/r- 
bedtmöwn^ Arbeitsmann; dftt DäiU^jn, Tagelohn; d&t Klockehüss, 
1. das Uhrgehäuse einer Wanduhr, 2. das Glockengestähle der 
Kirehenglocken , anstatt eines Thurmes; de Döbstijn, der Taufstein ; 
de j/Uerdauck, das Altartuch; de Födderuijärsing , der eingestri- 
chene Hauptschwaden beim Heuen (Swälen); de Härwetüfme^ die 
Eggenlinke; de Lühisekaumm, der Läusekamm; dat Bjärdsiep, die 
Bartseife; jö Winnmellen, die Windmühle; de Winn^aalery der 
Weinkeller; de Sülefldcker, der Kesselflicker; de M^dlihsse, die 
Mähxeit; de FödderbSrigt, die Heuernte; de Fwujist&pef der Fuss- 
stapfen; de Machelsdäi, der Michaelistag; d&t Hßinskrdck, die 
Heuraufe der Pferde ; dflt Hännerdek , die Htihnerweime; dat 
Bitrgijl, das Bicrgeld, .Trinkgeld; dät Sollembidd, das Wochen- 
iN^t; jö Sollemwöffj die Wöchnerinn; dat ^t/dt^fim, das Eiland; 

• • • • 

dat Ailamnm, nd. Aulamm, d. i. Mutterlamm; dat Shählwahser, 
Sdieidewasser ; dat oder jö PoUeshjärd , die Topfscherbe ; dät 
Silkmpäwer, d&c Nelkenpfeffer; dat Gräjddeblöck, kurzer Rasen- 
«to am Dorfe; dät Wjartsküi», das Wirthshaus; de Plömetünn, 
der Pflaumengarten; de Swanewiijl, der Schwanenweiher (Name 
einer Wehle im kleinen Kohldammerkoge» sonst jö Swuhn statt 
Swim); de Hiehslupper, der Heideläufer, d. i. der Brachvogel; de 
EUmause, dän. Ellemose, das Erlenbruch, Erlenmoor, jetzt ge- 
ineinschaftliche Dorfarbeiten ; de BankerüU , der Bankei*ot ; da 
ßjkrtetäcke, die Zacken am Hirschgeweihe; dat Wäirktjöeh^ das 
Werkzeug; dät Baingwairk, das Bergwerk; dät Honwäirkstjöch, 
das Handwerkszeug; de Lägenkriemmer , der Lügenkrämer; de 
StoSwestSle^ nd. de Swäbstähl, Peitschenstiel; de Swmesime, die 
^eitschenseime ; dat Wäwlehaurd , das Wirkbrett zum Bandwir- 
^en; jö Kndppelkäg, der Lebkuchen; jö Kndppelsefdmmen , die 
Spitzenklöplerinn; jö Hkhsbai, die Heidelbeere; dät Jilltjöch, das 
Feuerzeug ; dat Tännerholt , das Zunderholz ; de Swaawelpldck , 
^w Schwefelhölzchen; de WägsboUer, gewundene Wachskerze. 



128 



Zusammensetzung mit Bestimmungswörtern (Adjectived). 

§. 97. Diese werden ohne alle Veränderung mit dem Haopt* 
werte verbunden, wie in Zdgtsdnn, der Leichtsinn; Diepsammig* 
häid, Tiefsinn; jö Fristünn , die Freistunde; jö Kaurtswill, die 
Kurzweil; jö Groühartighäid^ die Hoffahrt; de Huchmä»^^ der. 
Hochmuth; dät Zungjäm, Langeisen, Sech, am Pfluge; dät TrUmr 
Jörn, das Rundeisen, eine runde Scheibe mit scharfer Schneide 
im Sech auf einer Axe; de Aiensann, Aiensanmghäid , der Eigen-» 
sinn; de Äienliewde, die Eigenliebe; jö KaurtsSgtighäid^ die Kurz* 
sichtigkeit; de Lungbuhmm^ der Langbaum; de Lungwäien, der 
Langwagen; dat Lungsträi, Lungkulem^ Langstroh; de BünnemS* 
me, die blinde Munmie (»yermwnmen*') , d. i. Blindekuh spieloo; 
dät Näühr, de Näührsdäi, de NäU/trs^ewe, das Neujahr, u. s« Wi; 
Wütbier, Brünnbier, Weissbier, Braunbier; de Wütbdckery i. der 
Weissbäcker, 2. die weisse Meerschwalbe (Stoma hirundo); de 
Wennbdckery die blaue Meerschwalbe (Stema nigra); de CoU- 
bdcker, die gelbe Bachstelze (Motacilla flava); jö Göhlsegt^ die Gelb* 
sucht; deFrihiere, der Freiherr; jö S/jo^^/iotre/, der Schlichthobd; 
dät BdJähser, das Rohleder, nicht genug gegerbtes; de Gröfsmau^ 
der Grobschmied; de KliensmasSy der Kleinschmied, der Schlosser; - 
de Twdrrdriivwer/ der Quertreiber, ein quersinniger Mensch; de^ 
Twdrrbujlke , der Querbalken; dat Krümmhölt, das Krummboli; 
jö Grdgäus, die Graugans; jö Ermmjd, die Armuth; de Platßi^, , 
der Plattfuss; da Grottemänns , die Grossen, Vornehmen, nom«^ 
coli.; däBickedege, wörtl. die reichen Tage, der Reich thum, aiieh-=i 
ein Collect! vum ; Krüssemünt , Krausemünze ; Bdtterkliewer, Ktterkke^ 



Zusammensetzung mit Zeitwörtern. 

§. 98. Diese behalten in der Regel nur die Stammsilbe, weniat 
sie als Bezeichnungswörter stehen, wie in jö Biddbaan, Reitbahn^ 
dat Shriwbauck, Schreibebuch; de BdddmSnn, der Bettelmann; jS^ 
Büddwöffy das Bettelweib; de Släipkämmer , die Schlaf kammer^ 
de Kupmonn, der Kaufmann; de Spnnghdjnsl, der Zuchthengst '^ 



129 

dGSjungßgel; dät Drdihkkrüss, der Trinkkrug; de FäUhäujdd^ 

der Fallhat; jö Fällsigt, die Fallsucht; jö Mäjtsnaur, die Mess- 

^c^lmur; de Striddhämmer ; da Sörrigkluhse y die Trauerkleider; de 

Jt^Snmaister^ der Tanzmeister; dat Striciyäm, das Plätteisen, Bü- 

«leisen; de Bdgmäister, der Baumeister; de Flähspose, der Flips- 

utel» d. i. der Ausplauderer; dat Skräujörn, das Schabeisen; 

isen, die Scharre; dcBdddpose, der Bettelsack ; dätBraüh- 

itti der Bratspiess; jö Brännnill, die Brennnessel; dat Bränri' 

W^^ % das Brennholz ; dät Känntieken ; jö Swummbläihs , die 

^Schwimmblase; dat Brigjörfi, das Brecheisen; de Tekstät^l, der 

X>eek8tuhl der Dachdecker ; dat Wälkhaurdy das Walkbrett; jö 

MDUhskäUy die Kratzkatze, von balgenden Knaben, die mit den 

hageln kratzen, kläihsen; dat Hielmiddel, das Heilmittel; de 

sS'j^büsh, die Sparbüchse; jö Bärmudder, die Wehmutter, Heb- 

sunme; dat Bregmiddel, |das Brechmittel; de Brausill, der Brau- 

l^essel; dat Gongtjöchi Räderwerk in Uhren, Mühlen, u. s. w.; de 

filUiaum, das Füllhorn; de Slippstijn, der Schleifstein; de Sie- 

^i9im, der Sämann; dät Spann fijl, das Spinnrad; de DrAibänk^ 

die Drechselbank; de Ihlbose, der Eilbote; de Fwurmönn , der 

Fuhrmann; de Süppbrauser, der Saufbruder; de Shjärdlihsse, die 

Sdinitterzeit; de Spotßgel, der Spottvogel; Päckhüss. Dagegen 

^ber auch: dat Usebauck, Lesebuch; jö Folgetiddi die Folgezeit; 

dl^t RSiäegijl, das Reisegeld; jö Bjameköhl^ die Tränkgrube; dat 

f'rag^ken, das Fragezeichen; de Plegefidder, der Pflegevater; 

^t Gdgelspai, das Gaukelspiel; de Tänkesträg, der Gedanken- 

Hrieh; de Bahsegäst^ der Badegast. Aber diese Fälle sind seltener 

ds die mit der blossen Stammsilbe, wie: BlaasUelig, Blasebalg; 

de Brännwinn, der Branntwein; de HStsHjn, der Heizstein, d. i. 

der Feuerheerd. 

Diejenigen Zeitwörter, welche sich auf ein und em endigen, 
▼eriieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: de WaUerbuhmmf die 
KüUenwelle; de Tdmmermdnni der Zimmermann; dat Wddder- 
^>ähser^ Wetter zum Wittern des Heues, der Kleider und Wä- 
^he; jö Släserläsh, die Plaudertasche; jö Wjärpelshauwel , die 
'^orfschaufel; de Tontelstöck, der Klöppelstock; dat Nestelwierew , 
'^^Miütze Nebengewerbe? jö Prägelhohs , der Strickstrumpf; jö 
^^fdjngelboss oder Rajngelboss, von shräjngeln, rajn^eln, schellen, 

17 



150 

klappern» die Kinderklapper, Schellenbüchso ; de Gögehnann, wörU 
lieh: Gaukelmann, die Gliederpuppe, Dralhpuppe, Hampelmann, 
u. s. w. Einzelne verwandeln die Endung em in ere, "als: dat 
Gristerebaiufd, das Gässelbrett, Brot- oder Ofenschieber, auch de 
Gljärder genannt. Wenn sie sich auf nm endigen, bleibt ihn«Ei 
nur die Endung en, als: dät Ragenbwuck, das Rechenbuch; dll 
Tiekenbaucky das Zeichenbuch, u. s. w. Aueh zusammengesetUe 
Zeitwörter werden , wie jedes Zeitwcnrt, durch Yorsetzung des 
sächlichen Geschlechts, ganz wie im Deutschen, zu Substantiven 
erhoben, als: dit Trinniiimmnihen, das Rundumsprechen, und de 
TVtnnommentJb, wörtlich: der Rundumdenscfaober; dat MäßiemSl- 
lern, das Math wälzen; da Tolqjtsluhggen ^ das Lamentiren; dit 
Tokier$gungen, das Zukehrgehen, u. s. w. 



Mit Zahl" und Fürwörtern. 

§. 99. Je Ijnbdgg, der Einbau, ein einzeln liegendes Ha«s, 
fem von andern, eine Einsiedelei, dän. en Enebolig; dat Idnhaum^ 
das Einhorn; de Tristäpe, von stäpen, stapfen, der Dreistqif, 
ein grosser hölzerner Dreifuss oder Tonnenbock, der besonders 
beim Brauen gebraucht wird ; de Trifäujtt , der Dreifuss ; dit 
Fierdingkdr, dän. et Fjärdingkär, das] Yiertelfass d. i. ^ Shipp; 
jö Saawenstäir^ das Siebengestim; dat jigendijl, das Achtel, als 
Buttermaass; de SoavemW/pert der Siebenschläfer; dat FierkSiU^ 
das Yiereck; dät Thugmarksstock , das Zweimarkstück; dit fjamr* 
Fiew^ Aagt' Tien- Twillew- Segstäin- Twmitig- FeerUgshaUrngsHoek^ 
das 4- 5- 8- 40- i 9- i 6- 20- und Yierzigscbillingsstück; de 
kunstler^ der Tausendkünstler; jö jillmägt, die Allmacht; de 
ienehondler^ der Alleinhändler; da Twdnlingshrauh^ere , die Zwil 
lingsbrüder; dat TwänUngepär, das Zwillingspaar; dät TriMeen 
das Dreiblatt; de S6llewliewde, die Selbstliebe; de Sillewmmurder 
der Selbstmörder. 



131 



Letsie Zugabe vcnmscAlen Inhalts. 

%. iOO. De SMr^ün, der Schornstein; jö uiUwig statt JUtoug^ 

im Feuersange ; de Faurtila, die Yordiele; dst Tunnenvähier , 

Aomiarwetler (dät fair Wihm, Gewitter); dit Naurdliägt^ das 

NordUcht; de Faarbäirig , das Vorgebirge; dät IhkhoUmg , die 

Jäicbenholzung; l^ St^jnkUpp, die Klippe, Fels; dftt SdmmeMdpp, 

auBmetne Kq>f« oder Stimbindo alter Weiber; dst BögsUnge" 

, der Hosenlata; de Rinboge, der Regenbogen; de Mihlddwwe, 

Ibhlthau; de Hdnfmgdiwwe^ der Honigthau; de FSdderruk, 

Heudiemen, Schober; de Ülwefihss, wörtL der Wolfsfist, d. i. 

er BoTistkugekchwamm (LyccqierdoQ Bo?ista L.); jö Biif die 

; TammMie, Brombeeren; Himbaie, JohanmMie oder Hans* 

; Saalbaie^ schwarze Johannisbeeren; Sückelsbäiej Stachelbee- 

; Jardbaie, Biehsbäie; dät Qudeksälwer, das Quecksilber; de 

^, Wästijn, Sl^siijn, JUsHJn, FlifMijn, MäOensl^, Mag- 

— ly gn, Möhrst^, u. s. w.; jö WäUnähs , die Wallnuss ; de 

Mbgitidelbubmm, dw Wachholder; de Galläpel; jö Biddersper^ 

4» Ritterqpom; da udpelkrölle, Kamillen; jö M^U, die Melde 

fitriptax); jö PawemkyU^ der Heerrettig; de Dünnhimnwr, der 

Bohr- oder Teiehkolben (Typha bitifotia); dit ^äswiU, Eiweisa; 

de jRsdaaler, der Eidotter; dät Shaasenist^ das Elstemest; jö 

Alrbtö, das Vogelkäfig; de Küfivarm, der Kohlwnrm; jö Skäi- 

MU9, Sehaafzecke; de Wällfdsh, der WaUfisch; de SieAtkm, der 

Siekimd; de ]^lhmboge statt jSllenbege, der Ellbogen; de Lonke- 

JMü, das Höftpolst^; jö KnaiblingePreel , die Koiesebeibe; de 

Utiürm, der Afler; jö Gißikinn, die Giesskanne; de BoUMck^ 

^ Pflogreute; jö WSnmS^üing, die Schwingwanne, voa ifföfmeii, 

^ Koni in einer flachen Mulde schwingen; de BißkmioeH, der 

BMkofeo; de BadOrSg; dät WälhrhoU, das Wellerholz; jö Sikm- 

9^, die ^tiangel nach Hechten; de Wi$mhii$in, der Windhund; 

de WmMper, der Weinza|rfer; dät Ögsehaad, i. der Ochsenkopf ^ 

2* das Oxhoft; dät Kämmesmd, das Kamisol ; jö MöhrshiesSy die 

Hauarkelle; da Watmingepdste , die Fensterpfosten; dät Rielaaken, 

^ Bettvorhang ; dst Bl&ußsMiggerjom , das Lasseisen , der 

°^Iinapper ; dät Hajnstedaken , die Pferdedecke ; jö Thiemstich y 



132 

jder Diebssleig (im Riesummoor] ; de Stkhbögel, der Steigbügel; 
de Drägtstring, der Zugstrang; de RägensHjn, der Rechenstein, 
Schieferstein, sonst auch bloss: dät Brdtt; de Shäi^lmäister , der 
Schulmeister; de Shantpuk , der Schandpfahl; dät Bränmnärk, 
das Brandmal; dät Tugthüss, das Zuchthaus ; de lAckbäre, die 
Leichenbahre; de TäsJienspdler , der Taschenspieler; de Shuirrelvp' 
per, der Schlittschuhläufer; de Addelmönn, der Edelmann; de 
Ställmäisterj der Stallmeister; jö Kättöhl, die Eule, nd. de Kai^ 
uhl (Katzeule); dät Nellehäigen, das Nadelkissen; de Idägisnäme, 
die Lichtschnuppe; de Wahserämmer, der Wassereimer; de WmU^ 
h(mm , das Waldhorn ; da GkheUtringe , die Geigensaiten ; d&t 
Minggwuß, das Mengelgut; deJßnnherringe, die Abenddäomieniiig, 
das Zwielicht; de Wdrkeldäi, der Werkeltag; de HälUgdai, der 
Feiertag; Hälligenn, Feierabend, aber Hilligenne, die heiligen 
Abende; dät Wmterkaumy das Winterkorn; de Sämmerrogge , 
der Sommerroggen; de Hänepeker^ der Hanfacker; jö Sanepiuijam, 
die Senfquern (Hai^dmühle); de Sällgortel, der Sattelgurt; de 
Wirkpule, der Zaunpfahl ; de Kantöffeläpel , die Samenäpfelchen oder 
Beeren der Kartoffeln; de Poppierboge , der Papierbogen; jöFdsher»: 
wähSf die Watbe, grosses Zugnetz; de Präckerfaaged oder Praeksr 
refaaged, der Bettelvogt; de Stjörmönn ^ der Steuermann; de 
RipslägeTj der Reifschläger, müsste heissen: de TAwsluhgger, Tan? 
Schläger, jenes ist nd. 

Anmerk. Die Benennungen der Himmelsgegenden erleiden» 
wenn sie bestimmungswörtlich mit andern Hauptwörtern verinm-^ 
den werden, folgende Veränderungen, als: Sossrihssem, Sosdo m 
halm, statt: Sühsserrihssem und Sühsserlonhalm ^ Südriesum nnd 
Südlindholm. Aus Sühssen , Süden , macht man gleichfalls söhser, statte 
mhsser. Femer : Nordrihssem , Nordlonkalm , statt : Naurd oder iVour«- 
der. Weiter heisst es: de ^stemaare^ de Westemaure ^ Oster? un^ 
Westermoor; dagegen sagt man aber: jfstermötebüll und Wiüer"^ 
snotebüUy Oster- und WesterschnatebüU; de ^sterhäUig^ Wesier-^ 
haUig, Söhserhällig^ Naurderhällig, Naurderläujnn und Söhserl&^im^ 
Naurderhßrn, Norderhöm, Söhserhjärn, Süderhörn; Naurderueh ^ 
Norderoog; aber wieder Nordsträvßn, Nordstrand; NordhackMh» ^ 
Mordhackstedt; ^sterdick, Osterdeich; Sohserdiek; Söhseruch, Sin--* 
deroog; dät u/sterläujnn und Westerläujnn z. B. auf Föhr; •^te»-— - 



hiwer, Westerhäwer ^ in Eiderstedt; u/slerhühssem , Osterhusum; 
jtdiueriünn , Osterlund ; Westergärde; ^sterijnne , Osterende; de 
Nordijnne und Naurderijnne. 



Einige Laut- oder Klangsynonymen. 

^ 101. Jö JBäi, die Beere, bäi, Praep. bei; dät ßauck, das Buch/ 

ick bauk, ich buk; jö Blähs^ die Flamme, von blähsen, intr., 

dtt Bleess, das Blatt; de JSröhk, der Zahlenbruch, de £rdcft oder 

Bfüdt, der Brauch, Gebrauch; de DioA;, der Deich, jö Diek, das 

Grubchen; jö Bohr, die Thüre, c^dAr, Praep. durch, hindurch; 

jö Brdft, die Trift, he drdfi, er treibt; de Fäll, der FaU, d3t 

FiU, 1. das FüUen, 2. FeU; jö Feest, die Faust, d9t Feesty das 

Fest; dät Fqßll, das Feld, jö Foi/, das Gefühl; jd Feel, die Feile, 

vi f&l, ich fiel; dat Fjdr$h, der Vers, jQf^ir«^, frisch, ungesalzen, 

ßksh Wähser, süsses Wasser; de GäU, der Borg, verschnittener 

Eber, he gällt, er weint; de Gedd, der Hecht, jd dö gedl ja, du 

solltest wohl!; de Grünn, der Grund, ick grünn^ 1. ich mahle, auf 

der Mühle, 2. gründen; de Gäihs, der Dünger, da Gm, die Gänse; 

jo ITäfifi, die Henne, jö Hdnn, das dünne Häutchen; dat Hart, 

das Herz, hdrd, hart; dät Hierd^ die Harde, ick hierd, ich hörte; 

de Aijip^ der Haufe, de Höpp^ der Hüpf, von höppen, hüpfen; 

joBull, die Mütze, dat H5ll^ der Hintere, das Gesäss; jö oder 

de BUl, der Holunder, jö H^ll, die Heide, Fussfessel; ;dat Ihr, 

das Jahr, ihr, eher, früher; de Mll, die Weihnachten, ick jüll^ 

^* ich wimmere, 2. ich gelte; dät Klapp, eine Kopfbinde, dat 

4Z%)p, der Hosenlatz; de Klämp, 1. die Elampe, 2. Schober, de 

^tiip, der KIoss, Klump und Klumpen; de Enopp, der Knopf, 

^ iEftofip, 1. die Schwammdose, 2. kleine harte Erhöhung; da 

^/te, die Kräfte, de KrSßCy der Krebs, Krebsfrass, (das Thier 

^ de Krabbe); dat Lack, der Lack, de 14c/;, der Leck; jö Läst^ 

^ last, jö Last, der Leisten; dät Lick, die Leiche; dät Liek^ 

• 

^^ Knabenspiel mit Schüssem; jö Lußy die Luft, jö Löfl^ die 
^^Knerdecke und der Boden, dän. et Loft; dat MäU, das Malz, 
40 üfaU, die Milz; dät Mäujty die Begegnung aus entgegengesetz- 
^^^ Richtungen, dät Mmjd, der Muth; jö Meel, die Meile, dit 



134 

Mahl, das Mehl; jö Jlhiss, ein weiblicher KopQ>utz, dät JHim», 
das Müssen, der Zwang; jö äiöhr , die Mauer, mmr, mehr; de 
Mass, die Messe in der Kirche, masSf miss, fehl; jö NSU, die 
Nadel, jö Nill, die Nessel; dat Pack, der und das Pack, dat 
Pä4ikf das Pech; dät Päss, der Pass, däiPass, der Harn; iePriss, 
der Preis, jö Priehs, die Priese; de Rßjdd, der Rath, jö Räihd, 
das Rohr; de Räng^ der Rang, jö Ränky die Ranke; dat ^/"^ der 
Fuchs, jö Riw, der Rechen, die Harke; de Riek, der Rauch, dat 
Rick, das Reich; de R5ck, der Spinnrocken, de Rock^ der Rock; 
jö Snär, 1. die Schleife, S. die Schlinge, jö Snaar, die Sehnur, 
Schwiegertochter, (jö Snaar, die Schnur zum Schnüren); de Skftt, 
der Stall, dat StdlUng, das Gestell, auch in SwdckstalHng , nm 
eine Graupenmühle, stall, stille, «(d/feit, 4. stillen, 2. stdkn, 
daher StdlUng ^ Gestell; de Slahg, der Stich, jö Steeg, der Steig; 
de Stocks der Stock, dat Stocks das Stück; de String^ i. der 
Strang, 2. die Saite, string, strenge; dat 7atp, das Tau, jö Thäm, 
die Tiffe, Petze; jö Wägt^ die Wache, jö Wagt, i. die Wage» 
2. das Gewicht, die Schwere; jö Waag, i. die Woge, 2. die Wage, 
von vmagm, wachen und wagen, wujn'e Waag sStten^, in die Wtg» 
setzen z. B. das Leben, jö Wäg^ die Woche; de Belle, die Btiile» 
de Ailfo, der Zuchtstier; de Jönge, der Junge, di Jung^, die 
Jungen eines Thieres; de Läpe, der Lappen, de Lappe, die Lij^» 
Lefze; jö Kuppel, die Koppel im Felde, de Koppel^ der Rödkeo» 
wenn man jemand huckepack darauf trägt, daher koppeln, jemani 
auf dem Rücken tragen : eine Koppel Pferde (eine Schnur) ist: ji 
Käwel Häjnste; de Shämmel, der Schemel , de Shdmmei ^ i. te 
Schimmel als Gewächs, 2. ein Pferd; de Räeker, der Sehiadev, 
de Racker, der Rekel, Bengel; dat Wäsen, das Wesen, dit Weemm, 
das Sein; jö Däged, das Gedeihen, jö Döged, die Tugend; dM 
FäUig, die Krache, fällig ^ ordentlich, recht, ßliig, fällig vmt 
Geld und Zinsen, Schulden; dat Shdp^ das Schiff, dst Shäp^ der- 
Schrank; de Shoot^ der Schuss und der Schoss, dat ShoU, da» 
Sehutzbrett; de Alk, (Albering) der Dtis, jö A'ik, der Alk, dK 
Wasservogel (Älea torda), jö uilk, die Dohle (Gorvus mcmedula L.)r 
jö Shrock, die Tasche in Kleidern, shrock, Adj. keine Eier mAar 
legend; dat SpaM, i. der Spiess, 2. ein Spatenvoll, dät SpäUy der* 
Späth der Pferde; dat M, das Feuer, jö JM, die Eile; jö Shiess^ 



155 

Löffel, jö SMehs, die Scheide; de Bahse, der NuUen, Yor- 

:^heil, i& Bahie, 4. die Bäder, 2. die es andern luvorihun; jö 

Mkling, die Heilung, iöHiJlUng» die Neige, jö Helling (H|iUing?), 

dUe Nachgeburt; jö Besldlling, 4. die Bestellung, 2. Bestallung 

^nes Beamten, joBestälUng, Bestallung der Tiehstände; dät LisSf 

fL Line, Glieder, ikLähge, Glicdmaassen , jöI»äAa, die Scheune, 

Scheuer, pl. d& Lähse. 



Sinnverwandte Wörter (Synonymen) aus dem bisherigen^ 

% 402. 4. Jö Bagg, jö Bdgning. Jö Bdgg ist der Bau, be- 

sonders in Jjnbdgg^ wörtlich: der Einbau, mit dem Zahlworte ein 

zusammengesetat, dän. en EneboUg, ein einzeln liegendes Haus, 

s. B. auf emer Heide oder in einem Walde ; jö Bdgning ist der 

Bau und das Gebäude. 

a. Dat Baurd und jö Plänk, das Brett und die Planke. 

5. Bäligen, bijlken und t&len. Baligen und bijlken ist beides: 

jemand sehr laut zu- oder nachrufen, damit er herkommen soll. 

Uel^gens scheinen beide Wörter in dieser Beziehung nur ihrer 

Abstammung nach verschieden, da bäligen von bälen, bellen, abge- 

hitet ist Tillen führt den Begriff des lauten Rufens nicht mit sich , 

luid sehliesst ihn sogar aus, wie in ifUeHen^ 4. jemand einrufen, 2. 

bei Jemand vorsprechen , 3. mit dem Nebenbegriffe ihn mitzuneh«» 

■len, wenn beide nach einem und demselben Orte, z. B. zur 

Kirche, zu Markte, zur Schule, u. s. w. wollen; totalen^ 4. jemand 

uireden, 2. einem derben Bescheid sagen, 5. ihn aus dem Schlafe 

wecken, wieknen. Tillen ist auch zählen, und totalen, zuzählen, 

da z. R he teüd harn dät Gijl to, er zählte ihm das Geld zu> 

daher nun: dmtillen, umzähleir, iftertillen, nachzählen, auftillen, 

abuihlen, faartillen, vorzählen, fortillen, erzählen. 

^. Dät Bdttf dät Mundstück Beide werden für Pfeifenspitze 
geltraucbt: dat Mündstöck (Hundstück) ist dem deutschen Worte 
AAebgemodelt» und findet sich auch an Blasinstrumenten; dät Bdti 
^ v«n bitten^ beissen, abgeleitet. 

^- I^t Jim, dat Hierd, dät Birk. Dat Jmt, das Amt, ist 
^öt^j» diesen dreien vom weitesten Umfange und sehliesst die 



136 

Halden und Birke in sieh. Dem Amte steht ein Amtmann, der 
Harde ein Hardesvogt und dem Birk ein Birkvogt vor. So bat 
z. B. das Amt Tondem gegen 50 Kirchspiele, iO Harden und nur 
einzehie Birke in den dänischen Streugründen. 

6. Bijlken , t^iten , shräien , shrulen. Daraus) entstehen : de 
Bijlk, ein Ruf, Nothruf; dat Tool, der Lärm, das Getöse; de 
Shräi, der Schrei; dät Shrulen, ungezogenes, lautes Weinen. 

7. Jö BUch, dat Laaken. Jö Blech ist überall das Laken, pL 
Bliche; dat Zaaken kommt nur in Rielaaken (Bettvorhang) vor. 
Von einigen wird auch Lmken statt Dauck (Tuch) als Stoffname 
gebraucht. 

8. Jö Boss, jö Flint, dat Gewahr, die Büchse , Flinte und 
das Gewehr. 

9. De £rdt, dat Wälling, De Bräi^ der Brei, die gekochte 
Grütze, ist dicker und fester als dat Wälling, z. B. Mähtträi, 
Tahserbräi, Buchweizengrütze, Rihssebräi, Reisbrei; dat Wälling 
ist dünner und kommt von wällen, wallen, aufwallen, kochen, 
im Dan. und nd. Yälling und Welling, eine Milchsuppe. 

40. Dät Brak, de Mängel, Dät Brak, von bregen, gebrechen, 
mangeln, wird so gebraucht , z. B.: Ick häw Brak faar Giß, ich 
bin des Geldes bedürftig, weil ich es gebrauchen muss; ick häw 
Mängel sagt man auch j wenn man überhaupt nur wenig hat. 
Ick häw wäßl Mängel ävßn Giß, aurs ick häw*r ock nijn Brak faar, - 
ich habe zwar Hangel an Gelde, aber ich bin desselben auch ^ 
nicht bedürftig; Gißbräk, Wähserbräk, Gjärsbräh He het n^ßmm 
Brak, er leidet keinen Mangel; dät hSl nijn Brak, das hat keinem 
Noth, hat nichts zu bedeuten. 

41. De Brück, de Wänigt, de Wihsse, de Shdcke, De Brück ^^ 
der Gebrauch, die Sitte; de Wänigt, die Gewohnheit; de Wihsse.^ 
die Weise; de Shdcke (Sitte), nd. de Shick, dän. en Skik, Sitten 
de Shdcke ist auch die Form , das Passende , als : dät het ja närm^ 
Shdcke, nd. dät het jaa keen Shick. 

42. Dät Brifjd, de Trölling, de oder dät Lief, Dät BHijd ise 
Brot, als nomen materiale; de Trölling y, ein geformtes Schwärs-* 
brot, nom. appellativum; dat Lief, der Laib, also gleichbedeutend 
mit Trölling. Dat Witlbrüjd, de Stjött, jö Käg, das Weissbrot » 



137 

die Semmel (nd. en Stuten), jö Käg, der Kuchen, dat WiUbrmdt 
das Weissbrot. 

i 3. Jö BraaM , der ßra ten ; jö Smurepdnn , die Schmorpfanne , zur 
Zeit des Schweinescblachtens, allerlei Geschmortes vom Schweine^ 

i4. De Brandy jö Brä^jnn, beides von bräunen, brennen, der 
Araiid und die Feuersbrunst; auch sagt man: Dirr's Ijll lüss^ da 
ist Feuer los (ausgebrochen), woraus man im Dan, das sonderbare 
^ibstantivum: en Ildlös (ein Feuerlos) gebildet hat. 

iK. De Broddy ein kurzer, spitzer Stift oder Stachel, dän« en 
Brod, ßräad, daher das Yerbum brddden, damit beschlagen, auch 
der bisectenstachel, der aber auch de Paurte genannt wird« Huhm 
iriddei mn H5Üsku/r^ wdn't isslägei het, man stachelt seine Uolz- 
scbuhe, wenn es geglatteist hat, 
. i6. Dat Loch, de Paurte, das Gefängniss und der Kerker. 

47. De Bück, dät Li ff, jö Wumm, der Bauch, der Unterleib, 
der Wanst, u. s. w. 

48. DuBünn, dät Pack, dat Päckenilken, de Bahnte, das Bund, 
der Pack , das Päckchen mit den Siebensachen , und das Bündel. 

i9. De Bush, de Töle; de Bush, der Busch, wie Bausebus/i^ 

Bosenbusch, u. s. w., de Töle wird nur von kleineren und kürzern 

I^flanzen gebraucht, als: de Böshetöle, Rinsenbusch, Cijärstöle^ 

Grasbusch, Baanetöle, Rainfarrenbusch, Klievertöle, Kleebusch, aber 

itur wie sie auf «dem Felde stehen, nicht abgerissen. 

20. De Bunk, de Hupp, de Flöse, dän. en Bunke, en Hob» en 
Flock, engl, a heap und a flock. Im Deutschen heissen alle drei 
Wörter der Haufen, aber jedes derselben in verschiedener Be- 
gehung. De Bunk braucht man z. B. von Heu- Stroh- Erd- und 
Sindhaufen, die unordentlich zusammengeworfen sind. De Hupp 
ist das deutsche Haufe und das nd. Hup, daher huppen, häufeln, 
bäufen, z. B. die Kartoffeln, dphuppen, aufhäufen; de Flöse ist 
nur auf Menschen und Thiere anwendbar, nicht auf leblose Din* 
f^€> wie: en Flöse Shäip^ Jungense, Manshene, Gäis, Hanne U4S.W. 
K7rd Hupp auf Gattungsnamen bezogen, so ist es en Hupen, als: 
^^drn'n Hupen Manshene, he het'n Hupen Giß, 'n Hupen Bjdme, 
^^dmgde, Menge, ist mit Flöse sinnverwandt. 
^*. Jö Bro, jö Slühs, die Brücke und die Schleuse, jö SUjU'^ 
^ ist aber das Steinpflaster. 

18' 



138 

22. Jö Daulis, de Eesh, de Bösh, de Klubbe, die Dom 
Sehachtel, die Büchse und der Kober. De Klubbe isi aber 
der hölzerne Klotz an der Fusskette der Ptoile, die man j 
anbindet, damit sie nicht über die Gräben der Fennen sjmi 
auch das dicke Ende einer Keule, und dergl. 

25. De Dauk, dät Kluss. De Dauk ist das Tuch als Galt 
name, dit Dauk als Stoffname, wie in: de Naatdauk^ Nasen 
de Shrockenaasdauk, das Taschennasentuch , de BSNUtuk (i 
dauk), de Ziekdauck, das Leichentuch; dat Klüss dient zum 
schlagen oder um etwas darein zu schlagen, als: he dregt 'i 
*n Klüss, er tragt's in einem Tuche. 

24. Jö £oA^ die Grube, jöDiek, das Grübchen, z.B. im K 
jö Kohl, dät Greef, die Gruft und das Grab. 

25. Dät uitr, die Narbe, jö Shrämm, die Schramme, deü 
der Riss, de Häw, der Hieb, die Schmarre. 

26. De Dkk, der Deich, wie: de Heefdick, de KäiediUA 
Sdmmerdick, de Dämm, der Damm, nur über Grabei^, wo 
Heck steht, de TdlldSmim, ein aus Brettern über den Grab« 
legtcr Damm« 

27. Dat Dof, dät Düppelse, die Tunke; dät Döf ist eine du 
mit Hehl oder dergl. versetzte Tunke, daher döunven, eintui 

28. De Dring, de Jonge, de Twitter, der Knabe, der Junge 
flinke Bursche, im Uebergange vom Knaben- zum Jünglingai 

29. De DrSnk, der Trunk, z. B. en Drönk Bier, de Dr 
der Trank, wie Kräutertrank, Arzneitrank; de Drönk istaucl 
Trunk als Laster, als: he as ätyn 'e Drdnk forßUen, er ist 
Trünke yeriallen. 

30. De DrSpp, dät Drüpp, dät Tiir, dän. en Draabe, ea ' 
engl, a drop. Man gebraucht alle drei Wörter ohne Unter» 
um etwas Weniges an Flüssigem zu bezeichnen, als: ditgh « 
Drapp Wahser, en Drüpp Winn, en Tur Mölke, gieb mir < 
Tropfen Wasser, einen Tropfen Wein, einen Tropfen Milch. 

31. Jö DüjnSj dät Wäsen, dät Läwent; jö Di^ns von duht 
bezeichnet das Tfaun , und hier ein übermässiges Zuvielthun , 
von das Halbe genug wäre; insofern ist es auch mit Läwmil 
Wäsen verwandt. Man sagt: dirr was en grott Düjns^ en groU 
sen und en mal Läwenl, ein grosses Thun (viele Umstände 



159 

groU Wäsen, viel Aufhebens, Wichtigmacbeos u. 6. w.; en sierem 

LäweiU, en mal Läwent^ ein tolles Leben, und: dirr loa en mal 

.JSte, da liegt ein böses Haus, da setzt es was ab! Von Düjns ist 

de DSjnte, ein Dönchen, abgeleitet, welches auch für Anecdöteben 

.gelten kann. 

32. Dät Facft, jö Shröck, jö TäsJtl: dtt Faek, die Fieke, eine 
JEIosentasclie; Jö Shroek, eine Rocktasche, Westentasche; jö Täsf^, 
^^ine lose Tasche, die angebunden und abgelöst werden kann» als: 
jci Kmfpläsh, jö Jägttash, aber da Rockshrocke. 

S. De Fäll, de TofäU, jö ßegäwenhäid, jö Hijnmng, de Slump, 
dorFall, der Zufall, die Begebenheit, das Ereigniss^.der Scblump. 
a^Skuap ist auch eme gute Menge, als: en Slump Güh eine 
Menge Geldes. 

34. D&t Fat, de SMer, jö SAifU, de Ddsh, dat Näps. Dät Fat 
ist das deutsche Fass, das dän. Fad und das engl, fat und vat, 
"Wird aber meistens nur für Schüssel gebraucht, obgleich man 
auch grössere Fässer Fähse nennt; de Silier y eine irdene Hilch- 
echfissd theils mit Füssen, theils ohne diese» zur Absonderung 
der Sahne; jö Shahly eine Schale mit einem oder swei borizon- 
talsQ Obren oder Henkeln am obem Rande; de AisA, eine klei- 
Me Schale von derselben Form zum Auffüllen , daher das Yer- 
im ifdaihen, damit auffüllen; dit Näps^ der Napf, ein Schälchen 
^t eioew Henkel und Guss; jö PeU, ein Topf mit Füssen und 
einem Griff, oder Sterz; jö Räjngel, ein grosser Topf ohne Füsse 
iBit einem oder zwei Henkeln. 

55. Jö Fäihs von fffdden, dän* at fode, engl, to feed, ernäh- 
i^, «nt^alten» ist das engl, food und feed, das dän. en Föde, 
<br Unterhalt; jö KSsi, die Kost, in anderer Beziehung auch die 
Hochzeit. 

36. Dät Fä^lky da Afanshene; dät Fäi^lk ist i. das Volk, 2. 
fie Leute, da Manshene, die Menschen, als: dirr was faale Fäujlk 
^ Uärkedf es waren viel Leute zu Markt, dir wjam manning 
^andiene, viel Menschen. 

57. Dat Fül, jö Treel; dät Fijl, pL Fiele, ist jedes Rad; jö 
IVeel, die Triele » eine runde Scheibe , die man auf der Kante fort- 
eilt oder trielet, daher treten; jö KnäiUingetreel, die Kniescheibe. 
38. De Fikss, der Fist, dän. en Fiis» engl, a fizz, fizzle. 



• n * 



foisty der Hosenjuchzer; de Fjärl, der Furz, dän. en Fjärt» engL 
a fart. Diefries. Terba heissen: fihssen und ßärten, die deatsehen 
fisten, fiesten und furzen, die dan. at fise und at ijarte» die eii|^ 
to fizz, to fizzle und to fart. 

39. De Frünn, de Wane; de Frünn ist i. der Freund, 2. der 
Gefireundte oder Verwandte, als: Wdi mn Frünne, wir zwei and 
Verwandte. De Wane bezeichnet jeden, mit dem man sidi gut steht » 
als: wtU sdn gauhs Wane^ wir sind gute Freunde. De Frütm eaU 
spricht dem deutschen Freund, und de Wane dem dän* Ven. 

40. ÜRi Gieky de Narr^ der Geck und der Narr, ganz wie im 
Deutschen, daher die Zeitwörter gkken und narren, so wie die 
Redensart: huhmfaar'n Geck hiwen, jemand absichtlich mit etwas 
täuschen. 

41. Jö* GU^d, de GWme, de Loge, dat Äimmere. Jö GU{ß, die 
Gluth, Kohlengluth, de GWme, ein geringerer Grad dear Hitie, de 
LogCy die Lohe, Flamme; dät Äimmere, die Emm^rn oder Am* 
mem, Glühasche. 

42. Dat Gröt, da Grubene; dät Grat ist überhaupt 
Korn, als: Bärgräi, Gerstengrütze, Tähsergröt, Buchweizengral 
im rohen Zustande; da Grubene sind feiner geschelfte Graupen _ 
wie PAlgrubene von päleny schelfen, oder Pirlgrubene, Perigraupei^^ 
wegen ihrer Aehnlichkeit mit Perlen. Beide Wörter sind 
genamen, Grot ohne Mehrheitsform und da Grtrifene <Aaie 
heitsform. 

45. De Gäihs, de Mjigs; de Gaihi ist der Dunger» wozu 
benutzt werden kann; de Mjigs ist der Mist. 

44. Dät J^igSf dät Slubb, dät Shjäm, dat Sndm, dSLi 
dit Glaumm; dat Vjogs ist überhaupt Schmutz, dät Shtbb ist di 
ner Strassenkoth und Aehnliches, dat Shjäm, der ünrath, 
Kehricht und dergl. , dät Snms ist Schmutz jeder Art, dst 
SVmm, der Schlamm, dat Mudder, der Moder, morastiger Bodcxi* 
in welchen man tief einsinkt, dät Glaumm, der Glomm, das 
Picke und Trübe im Wasser. 

45. Jö Grauf,]ö Gräwing, jö GrSft, dät GrSf, de SUüU.. Die 
vier ersten Wörter sind alle von griwen, graben, abgeleitet» de 
SlüjU von ilijtten, schliessen, einschliessen. Jö Grauf, ein troek* 
ner Graben zwischen Aeckero; de Slüjtt, der Wassergraben um i| 



141 

ei.ne Fenne; jö Gramng, ein breiter und tiefer Wassergraben um 
d4BB Warf; jö Greftf ein etwas kleinerer, der nicht rings herum 
gehen braucht; dat Gref, die Gruft, das Grab; jö Gräwing 
auch der Bach im Riesummoor» der zur Ableitung des Was- 
und zur Landscheide zwischen dem Oster- und Westermoor 
dLii^mty wesshalb man ihn in Lindholm auch jö Länshiehting nennt, 
dem Worte jö firatf/* bildet man das Zeitwort grauwen, solche 
zidien; es ist ein Intransitivum. 

46. De Graupp, de Grüppel, dat SM. De Graupp, die Mist- 
im Tieh- und Pferdestalle; de Grüppel, ein schmaler, nicht 

Abzugsgraben auf Aeckem und in Fennen; dat Sill^ eine 
»rrinne durch einen Weg gelegt, auch de Wähsertöfie von 
Sß, oder WähserOgte von tieen, ziehen» abgeleitet. 

47. Jö Häg^ dit Leess. Das Heck vor einer Fenne, in andern 
ft^&es. Ortschaften dat Leess genannt, welches sonst auch das Fu- 

heisst. 

48. De llato, de Süeck, von hdunven und sluhggen, hauen und 
thlagen, der Hieb und der Schlag. 

49. Dat Flägs, de ßfärl^ da Hqßde; dat Flägs, der Flachs, 
mirlf gehechelter Flachs, da Hajdde, die Hede, ist im Frie- 

^&«dien ein GoUectivum und ebenso im Dänischen, wo es Blaar 
^^«issL 

50. Du Heefy de Siee; dat Heef^ das Haff» das Meer, dän. et 
^^v; de Siee^ i. die See, 2. der See, dän^ So, engl, a sea. 

5i. Dat Knifft pl. Eniwwinge, der Kneif, engt a knife, dän. 
^niv, das Messer; de Ämledder, das Einlegemesser ^ 

03. Jö Hüdd, jö Hann; jö Hüdd, die Haut, dän. en Hud, engl. 
•^ hide, nd. de Hut; jö Hdnn, das dünne Häutchen, z. B. im Eie, 
^uf einer vernarbenden Wunde u. s. w. , dän. en Hinde. 



1 De Amledder, von dmledden, umlegen, ist wörtlich, der Um- 

teger, welcher der Form nach nur als Activ gedacht werden 

Icann, aber nicht das Umselegte. Das üebertragen der activen 

form auf den leidenden Gegenstand finden wir aber sonderbar 

senug in mehreren Fällen, wie nun hier in de Amledder, de 

Bidder (Reiter act., und Reitpferd pass.) für beides; de Setter, 

3. N. 34; de Sägler, als: de Shöner as en gmhsen Sägler; »Eilende 

Wolken, Segler der Lüfle'', Schiller. 



142 

55. Jö Hüdd, dät Shdm, jö Suhrd, dat Fddl, de Pak. Ü 
Hüdd gilt hier nur von dickeren Tiuerbekleidungen , wie yob 
Rindern und Pferden, als Köhüdd ; dat Shdtm , von dünnem 
Fleischübertügen, wie Lcuanmeshänn, Shäipeshdnn, A'lleringeßhdrm: 
j6 Suhrd^ die Schwarte, von Schweinen, und dät FdU^ Fell« 
kann sie alle umfassen, denn der Gerber ist de Fdllberehser. De 
Pdis ist ein mit zottigen Haaren bewachsenes Fell, zur Umhül- 
lung des Körpers. Von Fdll, Fell, kommt das Zeitwort faUen^ 
fiUen, schinden, abdecken. 

84. De Jim , de Gaawe , dat Jeß. De JSwe und dät Jefi sum- 
men heide Yon jiwen^ geben, ab. De Jewe ist zwar die Gabe^ 
aber nur in einor ziemlich eingeschränkten Bedeutung, wie kt 
Näiihrßj&we, Neujahrsgescfaenk, Uärkedfjäüe, Markigeschenk. Dät 
Jift ist ein Futter fürs Vieh, als: duhg dd Hdjnste e» Jeft, gieb 
den Pferden ein Futter« De Giume ist aus dem NiederdeutseheU 
und hat keine Wurzel im Nordfriesischen, wird übrigens für Gabe 
gebraucht, als: dö höhst de irme Mönn nSg en Güowe düjny du 
könntest wohl dem armen Manne eine Gabe thun, d. h. geben 
oder reichen. Gtuiwe steht sonst immer für Naturgaben, ab: he hä 
^amhs Gaawe, he hSt'r n^ (kume t6, er hat keine Gaben dazw 
Wenn geben so viel ist als darreichen, herlangen, so gebraucht 
man immer duhggen, thun, als: duhg me min Bauch, gieb mir naeui 
Buch. Das G^chenk, die Gabe, heisst sonst allgemein: jö Firih' 
ring^ von ^oriAr«», schenken. 

55. Dät Jßy de Tmo^ dät JjUinge, An Brännholt. «O'doder 
Jhdd ist der Tdrf als Stefiname , dat JfhUinge , Nom. coUecU die 
Feuerung) de Krw (Twrew) die Flagge, ein abgestochener Hei- 
denisen, BrämhSU^ das Brennholz, de Sujdde, der Tor^sode^ 
auch die Sode« 

56. Dät Stäjll, dat Jdrn, dat Staal. Dat Stäjll, das Eisen, 
der Stoffnamc dieses Metalles, dät Järn^ pl. Jörne, ist das Eisen 
als Werkzeug, wie VFirJ^örn, Plaugjorn, Strkhjom u. s. w.; dat 

ff 

Staal ist Stoff- und Gattungsname des Stahles, letzteres wenn 
es Werkzeuge oder Geräihe bezeichnet , wie Wilstaal , Fünlaä^ 
n. s. w. 

57. Dät Jäck, die Jacke, dat Wams, das Wamms; de Rqjnk^^ 
ist eine kurze, unten rund abgeschnittene Jacke; de Jäcker^ 



145 

das Diminutivum von Jäck , mit etwas veräoderlem Scbnitt ; 
dal Fauserhtfjnten, das Futterhcmd, de Rump, das Brusttuch, 

58. De Kant, die Kante, de Ränt^ der Rand, de Egge, die 
Tuchseite. 

59. Jö Karst y dat Shrünn, pl. Shrünne und Shränmge^ de 
Kisse, de Kuffer; jö Karst, die Kiste, Truhe, dat Shrünn, das 
deutsche Schrein, dän. Skrin, engl, shrine, die Lade, djd Kasse, 
der Kasten, de Kuffer, der Koffer» de Borke, die Beilade in La* 
den, Kisten und Koffern. 

60. De K&hr, de WallkShr, jö jKmt, de Walle, jö Waa/. De 
K&hr und jö ÜTf^r bezeichnen beide ein freies Wollen: do hähgt 
dän K&hr oder din Kier, kannst tbun, wie du willst; de Will" 
k&kr entspricht in sprachlicher Rücksicht dem deutschen Wtll- 
kühr, aber noch mehr, dem Sinn nach, dem dänischen Vilkaar; 
de Walle, der Wille, jö Waal, die Wahl«. 

61. De Klädd, de Pläck, de Spot; de Kladd, der Klecks, 
und Kladden, klecksen, auch klittern, verklittem; de Pläck, der 
Fleck, und placken^ flecken; de Spot, ein Spritzfleck, Sdmmerspöte, 
Sommerflecke im Angesichte , Sommersprossen , sdmmerspStig , 
sommersprossig. 

62. Jö Klöok, jö Uhr, Wie im Deutschen Glocke und Uhr; 
doch kommt der letzte Name nur in dem Worte Täshenuhr Tor. 
Man fragt kurzweg: wdt's e KlockF Was ist die Glocke? Ist aber 
vom Innern einer Uhr die Rede, sagt man dat Uhrwäirk, nicht 
Bdekewäirk. Dat Vhrj das Ohr, ist nicht mit jö Uhr zu ver« 
Wechseln. 

65. De Knähp, de Töhg, de Sträg, da Rdjnke. Der Kniff, der 
Zug, der Streich und die Ränke. Sie werden alle meistens nur 
IQ der Mehrheit gebraucht, kommen aber auch in der Einheit 
vor, mit Ausnahme des Wortes da Rdjnke, ein CoUectiTum ohne 
Singularis. 



* Ein altes Document, das in meinem Jugendalter noch gültig 
war, und die Gerechtsame, Freiheiten und Einschränkungen der 
Interessenten des Riesummer Kornkoges bestimmt, führt auch 
den Namen »de Wallkähr" obgleich dadurch die Willkühr ge- 
rade eingeschränkt wird, und hat hier den Sinn einer lieber* 
einkunft» 



144 

64. De Knähp, der Kniff, die Taille; dat Liff^ der Unterleib, 
hier in Beziehung auf seine Form, wenn das Wort mit Knähp 
sinnverwandt ist. Jö as smeely untig tinn äujn 'e Knähp ^ sie ist 
schmal oder dünn in der Taille; ^ockUwwet^ dickleibig, siddUwwei^ 
hangbäuchig. 

65. De Kläiy dat Hemm; de Kläi, der Klei, die angeschwemmt 
te Marscherde» dat lAemm^ der Lehm, den man auch auf der 
Creest findet Beide Thonarten braucht man zum Ziegelbrenneo; 
der Klei giebt lauter rothe Backsteine, der Lehm auch gelbe. 
Aus JT^ät bildet man das Zeitwort kläien, kleien, im Klei arbei* 
ten, graben, und daraus wieder de Kläier^ der Kleier» 

66. Jö Kniep, jö Spung; jö Kniep entspricht 4. der Schnalle, 
und 2. in einzelnen Fällen, der Spange. Jö Spung , die Spange, 
dient bloss zum Zusanunenhalten , wie Kragen- Hemd- und Ann« 
Spangen; die silbernen Hemdspangen der Frauenzimmer sind herz- 
förmig und haben nur einen Stift. In Riesum heisst das Flügelthor 
des Kirchhofes, das oben von einem Mauerbogen bedeckt und 
von innen vermittelst eines eisernen Ueberschlages an einen in 
den Mauerlöchern ruhenden Querbalken befestigt ist, da Spunge, 
wird aber, in dieser Bedeutung, nie in der Einheit gebraueht. 
Shurkniepe, Bienekniepe, Schuh- und Knieschnallen. 

67. De Knopp, de Knost; de Knopp, 1. die Knoq>e, 2. die 
Schwammdose, 5. jede harte, knotenförmige Erhöhung, z. B. ein 
Ueberbein, ein Auswuchs an Baumstämmen und dergl. De Kn69$, 
der Knast, im Holze, auch de Knäst, der Knorren, der Knon, 
so auch das dicke Ende einer Keule mit dem Stiel in eins ver- 
wachsen, wofür man auch de Knubbe sagt. Ein sehr schmack- 
hafter Käse aus Klunkermilch, jö Haawel^ heisst de HaawelknoiL 

68. De Kup, de Händel, jö Prung ^ der Kauf, Handel und 
Tausch, von kupen, handeln und prungen. 

69. Dät Lück, jö Bohr, dät ShoU, dat Shöf. Dat Lück, die 
Luke, jö Bohr, dieThür, dät ShoU, i. ein Brett zum Vorschieben, 
2. Schutzbrett an Schleusen und Wasserwehren; dät Shöf^ ein 
grösseres oder kleineres Brett zum Vorschieben, auch ein Deckel* 
der in Seitenfugen oder Gängen eingeschoben wird; dat Wdn^ 
mngeshöfy der Fensterschieber, Fensterladen, der von innen vot- 
geschoben, nicht vorgesetzt wird. Aus dät Luck wird mcken. 



145 

zumachen» belücken, einsperren. Dat Shöfyon shüwwen^ schiebeni * 

70. De Bähs, dän. en Bas, nd. en Baas, de Mmter; de Bähs^ 
Tom alten Adjeetivum bass , der Positivus von besser (bässer)» 
bezeichnet einen» der es andern in einer Sache zuvorthut. Von 
derselben Wurzel stammt de Bähse^ der Nutzen, Tortheil» und 
das Terbum hahsen^ nützen, Nutzen gewähren; de Maister^ der 
Heister. 

7i. Dat Lddd, de Dackel; dat Lddd ist ein Deckel, der bloss 
aufliegt , ohne anzuschliessen , die Stürze , Dackel jeder andere 
Deckel. 

72. Jö L&ujddy ieFlohse, deMdjngde; jö L&ujdd von läii^dden^ 
laiehen, rammeln, sind zusammengelaufene Thiere in der Brunst- 
zeit , wie Hunde, Hasen, Katzen und dergl., de Flohse, s. oben 
untor N. 20. De Mßjngde, die Menge. £n FlSse Gäis^ udnerte^ 
Sgerhanne, Shäip, Swinn, Spärrigey Mdnshene, Faujlk (Leute) u.s.W4 

75. Dat lAff, dat Lawent, Leib und Leben, wie im Deutschen^ 
ak: he waaget lAff an Lawent dir äujn, er wagt Leib und Leben 
daran, he as V faar ma Uff an Latent, md lAff an Siel, mit Leib 
und Seele. Dät gongt ham into *t Lawent, es geht ihm bis ans 
Leben. De Läwentslup, der Lebenslauf, en mal Hüss hi^lleny en 
mal Lawent hüjllen. 

74. Jö Mahr, jö Mirrigt^ grobe Schimpfnamen für gemeine 
Weibsbilder; jö Mähr ist wörtlich die Mähre, dän. en Mär; jö 
Mirrigt, die Metze, das Mensch; jö Nächtmahr ^ Nägtmahr, der 
Naehtmahr oder Alp. 

75. De Puck, de Käme, Beide sind sogenannte Hausgeister« 
Pück, oder gewöhnlich Ndshe Pück^ ist guten Herrschaften und 
treuen Dienstboten gewogen, spielt aber den schlechten manchen 
Possen. De Käme, ein spottender Hausgeist« Huhm bäi'e Käme 
fi^n^ ist '.im Scherz jemand an der Nase zupfen. 

76. Dat Majlt pl. Mäile, jö Mäjüidd, das Mahl und die Mahl- 
seit. En Mßßl Mölke, so viel Milch, als eine Kuh durch einmaliges 
Heiken giebt, en Mäjl Wahser, so viel Ham, als man auf einmal 
lässt, en Mqjl Ähse, eine Portion Essen. 

77. JöKränkhäid, jö Segt, jö Krängd; jö Krönkhäid, die Krank« 
heit, jö Segt, die Sucht und die Seuche, jö Krängd, die Vieh« 
Seuche. 

19 



146 

78. Jö Mm^fm, dät Shrünn, de Kaurew. Jö Mwijnn bezeichnet 
sowohl einen grossen Korb mit zwei Seitengriffen ^ als einea Ka- 
sten ohne Deekel zum Aufbewahren gewisser Dinge, wie Holz» 
Torf, Kohlen, Knäule u. s. w. So heisst der hölzerne, unter Aesk 
dortigen Garnwinden angebrachte Kasten, jö Mwujnn , und das 
Wickelholz, auf welches die Knäule abgewunden werden, heisst: 
de Mäujnnepldck , weil es seinen Platz in diesem Kasten hat. •-4-. 
ShrünHy s. o. 

' 79. De Mdnn, de Kjirl, der Mann, der Kerl, en dügtigen SjM^ 
ein tüchtiger Kerl, en braawen M&nn, Ick bdn V de JWönns fmr^ 
ich bin dir Manns dafür. 

80. Dät JSfuhl, dat Sägt; dät Jlfuhl, das Ziel oder Ende elBer 
Rennbahn, eines Wettlaufes, das man zu erreichen strebt; bdm 
Spielen mit Schüssem eine bestimmte Gränze , die man niobt 
überschreiten darf; dät Sägt, das Ziel oder die Richtung, die 
man beim Schiessen nimmt , daher sägten, zielen.nach oder auf etwas. 

81^ Dät Mark, dät Känniieken, das Merk, ein eingeschnittente 
Zeichen , z. B. in den Füssen der Gänse , den Ohren der Schafe 
und dergL, ein gelegtes Merkmal bei einem Yogelneste, ein ZdcheD 
in einem Buche bei irgend einer Stelle, daher: marken, merken 
dät Känntieken, das Kennzeichen. 

. 82. Dät Neet , du Pdss ; dät Neet, aller, gesammelter Har^ 
zum Färben, altdeutsch: der Netz, vergleiche: netzen; dät Am 
der Piss, der Urin von Menschen und Thieren; passen, pissen. 

85. Dät Nüjtt, dät Bäist; dät Nüjtt, dän. et Nöd (1. NöhsK 
engl, a neat, das Rind, pl. NüjUe, Rinder; dät Bäist , dän. «■ 
Beest oder et Bast , engl, a beast (Bestie) , wird auch aa. 
grober Schimpfname gebraucht und bezeichnet ebenfalls Barm 
vieh. Man sagt Bäistefläsh und Nü^ttefläsh, und beides ist RiM 
fleisch. 

84. Dät Thier, dät Diert, dät Hiesendijl; dät Thier, wie U 
Deutschen, dät Diert, nd. dat Deert, dän. et Dyr; dät Hiesen&i 
ist buchstäblich das Heidending , und bezeichnet jedes Thies 
aber besonders die Hausthieie von Seiten ihrer Yernunftlosigkeft^ 
so wie das dänische et Umälende sie als die Sprachlosen bezeiehoie 

85. Jö Nohst, de Bjdrnetrög; de Bjarnetrög, ist der Born- oA^ 
Tränk trog, von bjämen, hörnen, tränken. Beide sind Yinfßid 



147 

viereckige Wasserbehälter in Ställen , aus welchen das Vieh ge- 
tränkt wird, und in welche man das Wasser aus der sogenann- 
teo Soböp^osse, jö Uhsgaahs, von ulisen, schöpfen, einlaufen 
lässt. De Bjdmetrög^ auf welchen auch wohl der Name Nohst 
ibertragen wird, ist immer aus Brettern gemacht, wogegen jö 
Vfohd nur aus einem einzigen Stein ausgehauen ist. Der Sage 
nach, sind ilie meisten derselben» 2ur Zeit der Ebbe, auf dem 
Scblick gefunden worden, und Ueberreste der untergegangenen 
(^scbaften Mordfrieslands; man soll sie ehemals als Särge ge- 
Irttucht haben. Im Gothischen heisst eine Leiche Naus, wor- 
•aus sich das« Wort Naust, jö iVo^s^ der Sarg, als Leichenbehält* 
niss bildet. 

86. Jö Hwurd, de SjjurkhaatD, Jö Hwurd^ der Kirchhof oder 
fioluesacker, ist mit Hürde und Hort, Umzäunung, Schutz, ver- 
wiindt. In der Bewaldungsaeit des alten Frieslandes waren sicher 
die ersten Einfriedigungen der Begräbnissplätze »nur Hürden. De 
SJürkkaaw hört man zwar seltener, als }ö Haurd, aber im Oster- 
oiDor -sagt man noch überall: Ick wall to Haaw^ anstatt to ßjürk. 

87. ' De Häge, dfit Stai, De- Hage, der Hag, ist eine starke 
iQndhobe Einzäunung aus Planken und Pfählen, <in welchen das 
Hera- und Wollen vieh von dem Flurhirten, de KSrnjürder^ einge- 
Ilfereht wird, wenn es sich vom Spannstrick, dem Tjüdder, losge- 
rissen hat, wofür dann eine kleine Brüche, oder ein Löseschilling 
tai den Hirten, und wenn der angerichtete Schaden bedeutender 
iH,4iach' unpartheiischer Schätzung, an den Beschädigten bezahlt 
^id« ' -De 'iTi^e wird dort der Schüükoben, Sck&tkafen genannt, 
^enn man das Wort verdeutscht. Dät Stai ist jeder Koben, als: 
^Mmie^i, Shuipestaiy Gosestäi, Schweine- Schaf- und Gänsekoben, 
^ün. en Stie (einsilbig) , engl, a sty. 

88. Dat Pläss, dst Rümm, dät Stähs. Der Platz, der Raum« 
^^ Stelle und der Ort. Do bdst in Kjärl im dm Pläss! ein Kerl 
*^Äf dem Platze. 

-89. Jö Pernio dat Shoot, jö Shaahs\, jö Länk. Jö Penn, ein 
^^^bemer, nur mit einem Nagel befestigter Wirbel, mit dem man 
Allüren und Läden von innen oder aussen verscbliesst; dät Shol 
^^ird vorgesteckt, und hangt gewöhnlich an einem Bande neben- 
"^ö; jö Shaahs ist der Riegel, und jö Länk die Kettel und die 



148 

Haspe; jö Pinn ist das engl, pen, der Pferch, to pen the sh^ 
da Shäip inpennen; hähst*e Döhr pennet F hast du den Wirbc 
vorgedreht? Die Yerba pinnen, shdten, shaahsen und länken & 
klären sich aus ihren Hauptwörtern. 

90. De Koppel y de RSgg, de Puckel. Alle drei Wörter aLm 
Benennungen des menschlichen Rückens, und de Regg der eigen! 
liehe Name desselben. De Puckel entspricht dem deutschen Bu 
ekel, und ist dasselbe aus dem Nd. entlehnte Wort: denn es ha 
keine Wurzel im Nordfriesischen. De Koppel ist der Rücken no: 
dann, wenn man jemand huckepack auf demselben trägt, im 
das Zeitwort ist koppeln. 'Aw 'e Koppel satten y drSgen u. 8. w. 
auwer koppeln, auf dem Rücken hinübertragen. 

91. Jö Prauss, de BiUer. Jö Prauhs, ein elendes» dünne 
Licht, das wenig leuchtet, und oft nur aus einem Fettdocht< 
besteht, weshalb man immer am Schnuppen oder der Schnuppe 
stochem, purren oder prausen muss. De Boiler eine aus Talg odei 
Wachs gewundene Kerze in runder Form, zu welchem das alu 
Adjectivum boll (rund) die Wurzel ist. Das Zeitwort prausen^ verb 
intr. , hat eine so allgemeine Anwendung erhalten , dass man ei 
von jedem gebraucht, der mit einer Handarbeit oder dergleiehei 
nicht fortkommen kann ; he stönt dirr to prausen, ick harn V Mi 
prauset , habe aber nicht damit zurechtkommen können » lieg 
dann als Neben- oder Folgebegriff darin. Do hast en Prauser, ji & 
en Prauhs. Prausen ist dann auch mit mingen, njäsen und somm 
verwandt, d. i. mit zaudern, zögern, säumen, davon die Haupa 
Wörter: Prauseräi, JUingeräi, Njaseräi. Nö maust ai säme, nm 
darfst du nicht säumen. 

92. Jö Rauy jö Roy jö Weel. Jö Rau und jö Rö heissen beid 
die Ruhe; jö Rau bezieht sich aber nur auf körperliche RulM 
jö Jfto mehr auf innere, auf Gemüthsruhe, inneren Frieden. ST^ 
Gewaten iSt kam nijn R6, sein Gewissen lässt ihm keine Rul^^ 
Das Adjectivum ünrauig bezieht sich sowohl auf innere, als äiK 
sere Zustände. Die Unruhe, jö Unrauw, ist auch die Unruhe tfi 
einer Uhr. Weelen. ist ein wenig ausruhen, und ist das deutsoft 
weilen, dän. at hvile, daher jö Weel, 'Üttrav£n, ausruhen, l^ 
veiphpet eine längere und gemächlichere Ruhe als weelen, das o 



149 

nur einige Minuten dauert» und besonders von ermüdeten Fuss- 
gängem und Lastträgem gebraucht wird. 

95. Dat Reess, jö Steem. Dät Reess, dän. en Rost, die jedem 
Einzelnen eigenthümliche Stimme , an der man ihn erkennen 
kann; en gräw, en fün Reess, grobe, feine Stimme. Da das deut- 
adie d am Ende einer Silbe im Friesischen so häufig in hs und 
SS übei^eht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Reess und die 
Rede, so wie das dänische Rede, at rede, dasselbe Wort sind. 
Jö Steem, die Stimme. 

94. Dat Jücker, dst Twich. Dat Jücker ist eine Gerte, ein ab- 
geschnittenes Reis, eine Ruthe, als dät Bükijücker, vom Holun- 
der, dät Mäijücker von einem Weidenbaume, u. s. w. Dät Twich 
ist sowohl der Zweig, als der Ast. 

95. Dat Röhn, dät LäpeUe. Dät Röhn, das Rinnsal, Rinnsei, 
dat Läpelse, das Lab. Beides gebraucht man, um damit die süsse 
Milch gerinnen zu machen, besonders beim Käsen. 

96. Dat Sann, dat Hart, dat Baad, Sinn, Herz und Kopf, 
sind nur von Seiten ihrer Schlechtigkeit mit einander verwandt, 
als: he hSl en äirig Sann, en hijnn Hart, an en mal Haad, er hat 
einen argen Sinn, ein schlechtes Herz und einen tollen Kopf; 
mälhaadet, tollköpfig, Idgtsannig, leichtsinnig. 

97. De Sich, de Pose, de Pung; de Sich, der Sack, de Pose, 
nd. de Paas, dän. en Pose, ein kleiner Sack, ein i^äckchen; de 
Pung, i. der Beutel, % der Hodensack. 

98. Jö Shätt, da Üt^ifte. Die Schätzung, die Steuer und die 
Abgaben, wie in Lönshätt, Landsteuer, Brönshätt, Brandschat- 
zung; jö Kopshätt statt Haadshätt, die Kopfsteuer. Da ÜmSfte 
sind i. überhaupt Abgaben, die auf etwas haften, 2. Ausgaben 
oder Auslagen im Allgemeinen. 

99. Jö Shal, jö Pal, Jö Shäl entspricht überall der Schale als 
Umhüllung, jö Pd/ dagegen der Hülse, der Schote und der Schelfe. 
Sie Zeitwörter heissen shälen und palen. 

100. Jö Shäujn, jö Händling und jö Daahs, Alle drei Wörter 
sind zeitwörtlicher Abstammung, jö Shäiujn von shäien, gesche- 
hen, im zweiten Mittelworte (Participium) shäin, und bezeichnet 
eine schädliche Handlung; jö Daahs, von duhggen , doi, dßin, 
ist die That; jö Händling, von handeln, handeln. 



150 

401. Dät Shjäm, dät Sndws, dät Grüss. Dät Shjärn ist übei 
haupt der Unrath, wie z. ß. Kehricht und dergl., dät Sndwi 
SchmutB, Unreinigkeiten und alles, was nichts taugt, dät Grüss 
der Schutt, Gries und Eies. . 

i02. En Shjarn, en ßlen Mdnshe. Bat Sltjarn ist ein Mensel 
von schlechter Gresinnung, der andern Unrecht thut und Sbhadei 
zufügt, doch bezeichnet en ßknMdnshe hier noch stärker. 
. i05. De Präcker , diku, en Prakker, nd. de Pracher» de £iller 
de Kiltring. Präcker und Biller siehe im Vorhergehenden, Ku 
tring soll ronden alten Gelten, Kelten, herstammen, und bedeute 
jetzt ganz gemeine Leute, die sich zanken , schimpfen und>raof(Ni 

104. Dät Shörn,.de SfiUmmeli die Hitsche und der Schemel 
Oft gebraucht man das eine für das andre, was indessen nich 
immer geschehen kann. So nennt man die an den altmodisdiei 
Tischen angebrachten Bretter zwischen den Füssen derselben, di 
Faujttshämle, FussschemeU wo i^^önL durchaus unpassend wäre 
und dagegen den l^äueltisch , zum Bläuein oder Klopfen de 
Wäsche, dät Böhgsham, wo de Shämmel eben so verkehrt steh« 
würde. Bögen odev böhgen ist klopfen, pochen. 

iOS. Dät Shäm\ }ö'£löged. Du Shäm, dän. en Sk^m, eagl 
shame , die Schande. iöBlöged, von dem Adjectivum blöeh,\}Mde 
gebraudit.man^ wenn man sich in der Seele eines andern, od» 
einer unanständigen Handlung schämen muss; auch besdeutei 
Blöged, die Blosse, die Schäam. Die Zeitwörter heissen: fmm ßhm 
mm und harn blögen, sich schämen und sich erblöden, beide sine 
verba reciproca. Wenn Sh&m für die menschliche Schaam ge 
braucht wird, ist es weiblich, sonst gebraucht man es sächlich 
für Schande. 

106. Dat Shöhr, de ^ujnfäll. Dat Shöhr ist der Schauer 
9is: he kai en amär Shöhr ^ ^ hatte einen schweren Schauer^ z. B 
Tom Fieber: he hit sin male an gauhse Shöhre, er hat seine toUei 
und seine guten Schauer. De Äujnfäll ist der Anfall, als: m 
Anjnfäll fon 'e Gigt, fon Liffwärk u. s. w. und bedeutet noch be 
sonders die Schwerenoth oder Epilepsie. 

107. Dät Shöhr, jö Tiddlong, jö Tidd. Dät Shöhr ist hier di< 
Weile , und dieser Zeitbegriff ist auch schon in der Bedeutung dei 
Wortes mit eingeschlossen, wenn es Schauer heisst; die Zeitlang 



151 

ist jö Tiddlong, und jö Tidd, die Zeit. Ick häw hitr äU en gauhs 
Shohr wähn, ich bin hier schon eine gute Weile gewesen. 

4 08. Da t Shruhb , von shrubben , scheuern , reiben , ist die Krätze » 
dät SfnirreWy die Räude der Schafe. 

r i09. De Kug, de Hämme, jö Fenn, jö Koppel, jö To/l^. De 
£K^,.der Kog» ist ein grosseres , dem Meere durch Eindeichung 
abgewonnenes Stück Land; jö Fenn; ist die kleinste Abiheilung 
darin, und entspricht in so fern einer. Koppel auf der Geest» nur 
dass die Fenne mit einem Wassergraben» de Sl^, die Koppel 
dagegen mit einem Walle oder Zatin» öder mit beiden umgeben 
ist« De Hämme, der Hamm, die Hamme, Henune, richtiger die 
Hämme, heisst eine Reihe neben einander liegender = Fennen im 
Herrenkoge, die durch einen breiteren Graben von dem übrigen 
Landie getrennt oder abgehemmt sind. Der Hauptbegriff ist: Ab- 
Mnnung durch Zäune, Gräben, Einfriedigung, Gehäge. Hehrere 
Ortsnamen werden durch Ham , Hem und Hemme bezeichnet » 
wie Hamdorf, Hammelef, Hamburg, Hem, Hemme in Eiderstedt, 
Hemme an der Trene, Hemmelmark bei Eckemförde, Hemmingr 
hörn, zweimal in Eiderstedt, Hamberge an der Trawe, Hamdorf, 
Hamfeld, Hammoor, Hamwedel, Hemme in Norderditmarschen, 
Hemdingen , Hemmeisdorf, Hemmerwurth , Hemmingstedt. Jö 
Tofl. ist ein kleines eingefriedigtes Stück Land am Hause, das 
oft noch mit dem Warf, de Wäirew, in Verbindung steht. 

ilO. Jö Sliep, de Sliep, de Sndpp, Jö Sliep ist der Aufschlag 
an Aermeln , de Sliep , der Zipfel , de Sndpp , der Schnippel , 
Schnipp. 

ili. Dät Tweel, de Frohse, dät SpüHy dät Spätling. Tweel^ 
der Quiel, der dünne Speichel, welcher kleinen Kindern und 
alten Leuten aus den Mundwinkeln, da Njäshe, fliesst, davon 
dat Tweelbörtjen, Sabbertuch; de Frohse, der Geifer, dän. Fraad, 
Fraade; dät Spult, der Speichel, altd. die Spütze; dät Späiling, 
das Gespiene. Die Zeitwörter heissen: twelen, quielen, frohsen^ 
geifern, spülten y spützen, Marc. 7, v. 55, Marc. 8, v. 25. Johan. 
9, V. 6, und späien, speien. 

112. De Säirk, das Mannshemd, de Smock, das Frauenzimmer- 
bemd; im dän. heisst letzteres en Särk, und das Mannshemd en 
Skjörte. 



143. De Sfdpps, von snappen^ de S5pke von süppen, nd. supen» 
bedeuten beide ein Glas Branntwein, Rum, Geneyer, Gognae und 
dergl. die nicht über einen Schluck betragen. Das Wort Säpke 
ist in der verkleinernden Form gebildet und also ein Diminutivum* 

114. Jö Snär, dän. en Snäre, engl, a snare, ist die Schleife, 
dän. en Slöife; jö Sling^ engl, a sling, dän. en Slynge, die 
Schleuder; die Zeitwörter sind snären und sKngen, 

119. Jö Shär, die Schnarre, Rattel, engl, a rattle; jö Bajngk* 
bos8 oder Shrajngleboss ^ von rcjingeln, shrcjjngeln, dän. en Rangle« 
bösse, von en Rangle, die Schelle, die Kinderklapper» Schellen'» 
büchse; jö Snürr , von snutren, schnurren, die Schnurre, eine 
bleierne, am Rande ausgezackte, runde Scheibe, mit mehreren 
Löchern in der Mitte, durch welche man wollene Fäden sieht, 
die an den Enden mit einander verbunden werden, worauf man 
das bleierne Rädchen so lange um seine Achse schwingt, bis die 
Fäden sich fest zusammengedreht haben , und diese dann mit 
aller Kraft wieder zurückzieht , wobei das Rad wieder stark 
schnurrend zurückläuft. Jö Rummelpott , der Rumpeltopf , ein. 
Topf mit einer straffgespannten Blase überzogen, in deren Hittfl^^.e 
ein Stück Schilfrohr befestigt ist , an welchem man mit etwaa^ Mi$ 
angefeuchteten Fingern auf und nieder reibt, wodurch der hohlg^Je 
Rumpelton oder das Rummeln hervorgebracht wird^ 





* ^Ale diese Dinge sind keine Synonymen, und nur als Spid 
Sachen der Kinder hier zusammengestellt. Mit den sogenannte] 
Löpem, Schüssem, Knickern, Marmeln und Schnellkugeln, Bull 
kugle y werden mancherlei Spiele getrieben. Diese mögen hie 
zugleich einen Platz finden: 1. 'Aw'e Ring spälen, auf dem Ring«^ 
spielen , hier macht man eine kreisförmige Rinne auf ebener Erde -» 
de Ring, innerhalb welcher die thönemcn Schüsser gesetzt, unc3 
mit Marmelkugeln u. s. w., vermittelst des Daumens und Zeigefim'* 
gers ausgeschossen (geschnellt) werden, wobei viele Reseln zvs 
beobachten sind; 2. äujn't Longliek spälen, im langen LeOc; hier 
werden die Schüsser in eine lange Reihe gelegt, etwa in der 
Entfernung einer Elle von einander, und mit Marmeln eben so 
geschossen ; 5. dpijnspalen oder ^pijnuch , j^pijnsmiUen , gegen 
die Wand werfen. Wer einem andern auf eine Spanne nahe 
konmit, der gewinnt einen Schüsser; 4. äujn'e Groltköhl spAle»g 
hier macht man ein grosses rundes Loch in der Form eines bau-* 
chigen Topfes, und wirft aus einer jedes Mal genau bestunmten 



153 

4i6. Jö Spirr, de ShöU Jö Spiir von ^pirreii» däm at $plre» 
ea Spire, ist der eben hervorkommende Keim» de Skol, von shijt* 
(0f»9 schiessen, der Schoss, Schössling. 

417. Jö Sdjörr, jö 5jä//, jö Räigel, jö Ordning. Die Verba sind: 
s^aifTM» fällen, räigein und or^^n^. i7t{;U S^rr au; da wilh Jm- 
getmse, steure den wilden Knaben; ick kön 'r nijn Bäigel &ujnkQjUes 
ieh kann keine Regel (Ordnung) darin halten; d/irr as nun S§all 
ä^ffi» dät sjillet ja gaar nint, das hat ja gar keine Art; ddt 
lickmU ja nitU, es gleicht ja nichts. lAcknm und ^ällm sind 
smnyerwandt. 

118. De Spärk, de SHjU, de Puff. Yerba: »parken, dän» at spiar^ 
ke y Hijtten, stossen, puffen. De Spärk, ein Stoss mit dem Fusse» 
de SHjUy der Stoss überhaupt. 

119. De Bausem, de Stall. De Bausem ist diejenige Ablhei- 
lung eines Bauernhauses, in welcher die Ställe oder Viehstände 
sicli befinden; de Stall, ein einzelner Stand für Rinder oder Pfer- 
de , auch für zwei Stück. De Bausem ist sonst auch der Boden 
oines Fasses. 

120. De Splähs , von splitten, spleissen , spalten , also die Spleisse » 
SfMdte, der Spliss; de Rähw, von riwwen, reissen, der Riss. 

iSi. De Stier, de Ögse, de Bulle. De Stier und de Ögse sind 
beide verschnittene Stiere, de Bulle, der Zuchtslier, engl, a buli 
^nd a steer. 

422. De Taus (Täis), de Kaise. De Taus, der Zahn, de Kaise, 
i^d« Kuhs» der Backenzahn, Malmzahn. 

423. De Struhmm, dät SiUtog^ jö Wähserliesing , der Strom » 
der Fluss, die Au, wörtlich der Sielzng, jö Wähserliesing , die 
W'asserleitung oder Lösung , um das Wasser los zu werden ; 
^^tmAmnien, strömen, si//en, fliessen, treiben. Dät Sill, das Siel, s.o. 

i24* Dät Swijty dät Bläiyd; ersteres ist das warme Blut ge* 
^^lilachteter Thiere , letzteres ist Blut überhaupt ; Sw^t , der Schweiss. 



^tHfemung (dät Muhl genannt] die Schüsser da hinein; 5. m^n 'e 
^^'^MikpoU, äiujn*e Idjtt Kohl untig äw Tunnringe, d. i. nach der lon- 
^^pschen Weise, späten. Hier dreht man mit dem Absatz des 
^t^iefels eine kleine Höhlung in Form einer Halbkugel aus, und 

spielt darin Gerade oder Ungerade, Pär untig Ünpär. 



on 



1B4 

435. IMrt Swär, jö ÖntHrd, die Antwort, von stMiranund «n 
urdeif. Swdren und dät iS'ioär kann überall für antworten un 
Antwort stehen; önturden und jö OtUurd findet be8<md6r8 beb 
Examiniren und Abfragen Statt. 

126. Jö Leen, de Faarrup, dat /?eep, dat Tati;. Jö ZaMy dj 
Leine, besonders die Hinierleine am Wagen, mit welcher in 
Wiesbaum auf Heu- und Getreidefiihren gebunden wird ; de Faan 
mp, die Vor- oder Vorderleine, welche über den Kopf des Bb 
debaumes geht; dat Tdw, das Tau; dat Beep kommt nur noe 
in dem Worte Reepsläger, Reifschläger vor. Der Binde- odi 
Wiesbaum ist de Panteme, und die Tritze oder Blockseheibe (Hi 
seblock) heisst de Hauek. 

427. De Täms, dät Sähw. De Täms, ein Haarsieb, aum Seihe 
der Milch und zum Sichten des Hehles; dät Sähw^ das Sieb, eng 
a sieve. Ein älteres Wort für Sähw hiess dät Säil, wovon noc 
das jetzt gebräuchliche «otlen, sichten; aus Täms wird audi tA^ 
sen, wofür aber säüen gebräuchlicher ist. 

128. Jö Tiem, de Bässel, de Trans. Jö Tiem, der Fahrztm 
bei Wagenpferden; de Bässel, der Reitzaum; de Trans ^ ein eil 
facher Kapzaum, die Trense. Aus Tiem wird tiemen^ diemen» df 
Heu zum Diemen (Schober) vermittelst langer Leinen und eim 
schmalen Brettes zusammenfahren. 

i29. Dat Tjöch, Tjög\ dät Sanken, das Zeug und die Sache 
Beide Wörter sind GoUectiva ohne Mehrheitsform, und woia 
für Vieh und Sachen gebraucht. Beispiele: Wirr as min Tjo^ 
nd. Wo 18 mien Tug? dän. Hvor er mit Töi? meine Kleider m 
sonstige Sachen. ljUjög\ Feuerzeug, Wäirktjög'y Räiseijög', u«8. " 
Jag H Tjöeh inn! Treibe das Vieh ein; hähst 't Saaken inßngm 
Hier umfasst Saaken alle Hausthiere mit einander, so wie a3 
drausscn liegenden Sachen , die herein sollen , wie Hühner , Ente 
Tauben, Gänse, Schafe, Schweine, Rinder, Pferde, Pferdtfl 
schirr, u. m. a. Läßt min Tjög oder Saaken ladde , lass me 
Zeug oder meine Sachen liegen. Ick hähw min Tjög* äujn *t Shröm 
ich habe mein Zeug in der Lade. Bin Saaken drdfl äü 6nkd 
deine Sachen treiben immer herum. 

150. De Töhle, de Snütte, de Flähhe, de Müss. De Müss, d 
Mund, At¥labhe, diePläbbe, Hängemaul, de Snülte, dieSchnaus 



im 

de Töhk, das Maul; de Frähte, die Fresse, Gosebe. Ganz grobe 
Ausdrücke sind: Hüjll ddn Takle, h^ll 'e SnüUe, de FÜbbe an 'e 
Frähte. De Frähte von freksen, fressen. Aus Fläbbe wird fläbben, 
das Maul hangen lassen, aus Snütte, snäjtten, schnauzen« 

431. De TüU, de Göth, die Schnauze» an einer Kanne und 
dtiffß,; de GM, der Guss, von gißten, giessen. 

iSa. Dit Tri^, der Zwirn, de Trßidd, der Faden, dat Cüdm, 
iroUenes Garn; de Träjdd ist auch ein einzelner Draht, de Pdck', 
ir^dd, Pechdraht. 

435. De Träeh, jö Ujlling, der Trog und die Mulde; beide beis- 

inoi dän. Trug (K Trubg). 
134. De Thräs, von trecseUy treten, der Tritt; de Stäp^ von 
stapfen, der Stapf, langer Sehritt; de Stäpe, die Sta|^e, 
migedriickte Spur vom Fusse; dat StäpslähSy der Siegel, zum 
üebersteigen; de Tristape s. o. 

435. Jö TrSpp, jö Lädder, die Treppe und die Leiter; de Lad- 
ierißjlke, der Leiterbalken, da Sprdjnke^ die Sprossen , SingoL 
de Sfrijnke, 

436. De WäU, de Dick, de Dmm, de Shänse, der Wall, der 
Doicb, dm* Danun und die Schanze. 

437. Dät Wäirk, dät u/rbed, das Werk, die Arbeit; arbeitrai 
ist aber büen, daher de jff^^, der Arbeiter, de u/rbedsmann, der 
AibditsmanD. 

438. iö Wäig, von wätgeUf auf und nieder wiegen; jö Wipp^ 
'^m wippen; jö S^öi, daher stjöien; jö Wö^^, daher wäggen. . Jö 
Wiigf, ein langes Brett, in der Mitte auf einer hohen Unteriage 
Yttheod, auf welchem sich zwei Personen, eine an jedem Ende 
dmelben, abwechselnd zum Yergnügen auf und nieder wiegen. 
UWipp, die Wippe, besonders eine Falle mit einer Wippe, zum 
hngmi der Mäuse und Ratten, die durch ein Stückdien gebra- 
teien Speckes angelockt, in ein darunter stehendes, zur Hälfte 
Bit Wasser gefülltes Gefäss fallen. Jö 5{/oi, die Sehaukel^ jö 
^ügg, die Wiege. 

439. Jö Drägt, dät Joek. Jö Drägt ist die Tracht oder das 

^hnlterioch, an welchem Wassereimer, Milcheimer, Körbe und 

^i*gl getragen werden; dät Jock jedes andere Joch. Jö Drägt, 

^^n dregen, tragen, hat übrigens alle Bedeutungen des deutschen 

20* 



156 

Woi*(es Tracht, und heisst noch besonders die Wage ander Deich- 
sel mit ihren Schwengeln, da Swäingle, 

t40. De jfUe, de u/Uähtey «wei verschiedene Benennungen fut 
Grossvater. 

Hi. De Bakse, de NjüUe, dat Gagen, de Fordijl De Bahse, 
dän. en Baade» Verb, at baade, hatte; deutsch: baten, hatten, 
Nutzen bringen; de Njütte, der Nutzen; dat Gagen ^ dän. Gavn, 
engl, gain, das Frommen, der Nutzen» Verb, at gavne, friea. 
gägnen; de Fordijl, der Vortheil. De Ldjtte kön all Gagen difjm, 
der Kleine kann schon nützliche Geschäfte verrichten; wdl tö Gä- 
gens düjn, etwas recht machen, so wie es sein muss. D& vmC 
de ai faale bahsCy das wird dir nicht viel baten. 

442. De Egge, jö Sidd^ de Kant. De Egge kann nur durd 
Seite übersetzt werden, wobei aber der Begriff sehr unvollatim 
dig bleibt. Diess Wort, welches auch noch im Dänischen» abes 
in einer weit eingeschränkteren Bedeutung, vorhanden ist» ha 
dnen sehr umfassenden und vieldeutigen Sinn, der nur dure~ 
Beispiele klar gemacht werden kann. 'Aw 'e söhser Egge 't Hüsm 
auf der Südseite des Hauses; äw 'e Ndrderegge, auf der Harc. 
Seite; äw 'e udsteregge, zu Osten, de Westeregge, die WestaeilG 
im 'e Leeftegge^ zur Linken; äw 'e rogte Egge, auf der rechtes 
Seite; uw 'e HugerSgge satten, über jemand sitzen, einen höhec 
Platz einnehmen, äw*e Läigerigge, niedriger sitzen; de hirr Egg^ 
oder 'umstandswörtlich: de hirrigge, diesseit» de jdnnerSgge^ jem 
seit, ^^w huhmsen Egge hast do? Auf wessen Seite bist du? um 
wem hältst du es? Bat Kniff as blank äw biese Egge, das Messm 
ist blank auf beiden Seiten; dät shjärt md biese Egge, es schnei 
det mit beiden Kanten, mit der Schneide und dem Rücken» od^ 
es ist zweischneidig geschliffen. Be büUer Egge , de bdnner Eg^^ 
oder: m *e bütteregge, äw *e bdnneregge, ausserhalb und inn^J 
halb; de rogte Egge, de forkierde Egge, die rechte Seite und di 
Kehrseite von gewebten Stoffen. Das Zeitwort davon ist eggen. Mm 
iggen, und bedeutet verlocken, anreizen zu etwas. Im Dän. heisi 
de Egge, e» Egg', und wird nur auf die Schneide und die Tuet 
kante angewandt; at egge nogen, ist einen aufbringen, zum Zok* 
reizen; engl, an edge, Verb, to edge. 



157 

443. De Främde, dät UUläuynn, .die Fremde, das Ausland; 
flr^md, Q/ik üUlmjnsh. 

444. Ga/iyd ä^jn Stande wesen, gut im Stande sein; en gauhs 
I^^mged heven, gutes Gedeihen , gute Gedeililichkeit haben, von 
<f Asen» woraus jö Däged sich bildet, welches Wort man aber nicht 
ncmit Döged von daagen (taugen), die Tugend, verwechseln darf. 

-445. De Kempe, de Riese, De Kempe, der Kämpe, bezeichnet 
dL^n Riesen von Seiten seiner Stärke, seiner Tapferkeit und des 
kräftigen Körperbaues; de Riese von Seiten seiner ungewöhnli- 
dicn Länge; riesen heisst in die Höhe richten. 

^146. De Kimm, deKlots, de Knolle, deKldwwer. BeKlönne, der 
Klonz, bezeichnet den Menschen in Rücksicht auf seine Plumpheit, 
Derbheit und Schwerfälligkeit; de Klöts, in Bezug auf seine Grob* 
heit; de Knolle, ein vierschrötiger, derber und gedrungener Kerl; 
de Kldwwer, von }öKldw, die Klaue (Hand), einer, den tüchtig an- 
fassen und arbeiten , oder mit den Klauen etwas los machen kann. 

447. De Läpe, de Fldck, de KlüU, de Plünne. De Läpe, der 
Lttppen, de KlüU, ein Lappen zum Flicken und Ausbessern, de 
^iäek, der Fleck, z. B. aus Leder, ein Absatzfleck, de Agter- 
fiäck, de Plünne, der Lumpen; die Verba sind läpen, flocken 
^nd klüUen. 

148. Jö Fortelting, die Erzählung, dat Tdhl, das Mährchen, 
Jö Faabel, die Fabel, de Dehnte, das Döhnchen oder Anecdötchen. 

449. Jö Begäwenhaid , die Begebenheit , dät ^wertürr , das 
^Al>entheuer, at(;en^urr^/;,abentheuerlich, auch gefährlich , gewagt. 

150. De MmUe , die Mühe, dät Unmeek , dän. Umäge, recht 
^el Mühe. 

151. hePaurte, die Pforte, dät Dohr^ das Thor, däi u/hk, 
^^B Scheunenthor. De Paurte ist auch der Kerker und der Sta<- 
9hel , 8. o. 

4. $2. De Stünner, der Ständer, de Piller, der Pfeiler, de Stif- 
te » die Stütze. 

4.53. Jö Twöng von twingen, jö Tücht von tie-en, ziehen, jö 
th, von kushen. Der Zwang, die Zucht, die Kusche, Ein- 
^^liüchterung. 

"f 54. De Grünn, de Ursäge, der Grund und die Ursache. 
i5ö. De Slörre, dät Mingen, dät Njäsen, De Slörre,^ von «/orv 



158 

ren, hinstehen lassen, ist die Fahriässigkeit, slorrig, fahrlässig; 
de Minger zaudert , weil er mit der Arbeit nicht recht fort- 
kommen kann, AtNiäser^ weil er nicht will; daher nun Mingerai 
und Njäseräi, von mingen und tyäsm. 

156. De Spahse, jö GUmw; diese ist ein gewöhnlicher Spa* 
ten, dagegen de Spahse ein Spaten zum Abstechen der Beide* 
flaggen oder des Heidetorfes, dessen Katt von der Mitte an ein 
schräg aufwärts stehendes Dreieck bildet. Selbst der Torfspates^ 
welcher an der rechten Seite des Blattes eine aufstehende, schar* 
fe, drei bis vier Zoll hohe, eiserne Kante hat, heisst jö IjdgUmm* 

i57. Da Twwge, dat Jest^ da Gäre, Da Twage (CoUectivum) 
sind die ünterhefen, dät Jest, der Gäscht, und ik Gäre^ jedes 
Gährmittel. 

158. De Brück, de Maude^ de Wänigt^ Gebrauch, Mode und 
Gewohnheit! 

i59. De Wale, de Wällering, de Wjärsing. De Wale ist l.die 
Strieme, z. B. nach einem Peitschenhiebe, 2. etwas zusammenge- 
rolltes , wie Heu, Grummet, Krummstroh, etwa von der Biekt 
eines groben Ankertaues, oder eines derben Obersdienkels; de 
Wällering y von wällem, wälzen und wällern, z. B. eine gekrett" 
pelte Flocke Wolle und dergl.; de Wjärsing, der eingestrichoiea 
Hauptschwaden beim Heuen. De Tingwäle (verdreht zu Tijng- 
wale), ein kurzer, eiserner, walzenförmiger Stab, oben mit einemi 
Ringe versehen, der von Haus zu Haus geschickt wird, um dies 
Dörfler an einem bestimmten Ort zu gemeinschaftlichen Berathun- 
gen zusammenkommen zu lassen, hat seinen Namen von der wal- 
zenförmigen Form, obgleich man ihn auch viereckig hat. 

160. ^irig aujnhppen , to Mäjite kämen ^ änjnkämen (A^ffm). 
Ahig äujnluppen , übel anlaufen; hijnn äujnkämen, übel ankom- 
men u. s. w. To Mäjtte kämen, braucht man, wenn z. & jemand 
auf der Strasse fällt und ein Bein bricht, oder beim Aufhängen 
eines kostbaren Spiegels denselben entzwei fallen lässt u. s. w.^ 
so sagt man: dirr kaumm*ick elandig to Mäjtte. En Ohling fuhg^ 
gen, sagt man, wenn jemand, der es wohl verdient hat vani: 
dem man es gönnt, um bedeutende Summen betrogen wird, od^J 
wenn ihm sonst irgend ein empfindlicher Streich gespielt wird 
Dann heisst es: Dirr hct *r en gauhs Ohling füngen! En gau^ 



159 

Lming^ von lörren oder iorett, lauern, auch jölorin^, bezeichnet 
dasselbe; im Worte selbst liegt aber der Begriff des Absichtli- 
chen, des Lauems, und das Wahrnehmen der Gelegenheit, jemand 
einen Streich zu spielen. Huhm en Sträg spate», jemand einen 
Streich spielen. 

i6i. De Spicker, de Nägel, de Brödd. De Spicker, ein Nagel, 
dän. et Sp^er, Spiger, von einiger Grösse; de N&gel, ein klei- 
ner Nagel, wie Wänningenägel, Fensternagel» auch der Nagel an 
Finger und Zehen; de Brödd, dän. en Brod, ein kleiner spitzer 
Stift. En Nagel, engl, a nail, verb. to nail. Spickern, mit grös- 
seren Nägeln befestigen, nageln, mit kleinern, brödden, mit noch 
kleinem, ohne Köpfe. 

i62. De Slüngel, der Schlingel, de £ajngel, der Bengel, de 
SlSf, nd. de Slef , de Slubber, de Köter, Schimpf- und Scheltwör- 
ter. De Slubl)er, von Slubb, dünner Strassenkoth, slubbem, den 
K^oth einschlürfen , wie die Enten ; de Köter , der Köter , als 
^^himpfname, und ein Köterhund. 

i63. En UjU wdlsh Biß, en Idjtt ni^ogsig Krät, en IdjU däsig 
'H?^ 9 en Idjtt däsig Krät , sind alle in der Bedeutung so ziemlich 
eins ; wdish Biß, quersinniges Ding, mjögsig Krät, schmutziges 
^^thier; laßt däsig Biß, kleines albernes Ding; IdiU däsig Krät, 
kleines albernes Geschöpf oder alberne Kröte; lauter Schimpf- 
'^örier. 

i64. Jö Bössel, }ö Kugel Jö Bössel, eine Kugel zum Werfen 
^stimmt, als: jö Kägelbossel, jö Issbössel, Kegelbossel, Eisbos- 
^el; jö Kugel, jede Kugel und die Bossel mit; bosseln, mit der 
'^ssel werfen. 

i65. Jö Käwel, jö Koppel, jö Snaur, En Käwel Hdjnsle, en 
Goppel Hünne, und en Snaur Häjnste, Käwel und Koppel scheinen 
nier einsdeutig, doch wird Käwel nur von Pferden, Koppel von 
Hunden gebraucht. Bei der Schnur gehen die Pferde hinter ein- 
*^der, was eben bei einer Kawel und Koppel nicht noth wendig 
*^'- Da Hälskäwle sind die Halssielc der Wagenpferde. 

"•öß. Jö Pott, jö Rdjngel Beide sind Töpfe, aber der eine, 

J^ -Pott, hat immer drei Füsse und einen Sterz; jö Rdjngel ist 

^l^ne Füsse und hat einen bis zwei Henkel. Bajngle heissen auch 

^^ Schellen am Schlittengeschirr und an der Schellenbüchse, 



160 

daher rdjngeln, schellen, verwandt mit shrqjngeln, dän. at rai 
und en Rangle, en Rangleslange, die Klapperschlange. 

167. Dat Wunner, ddt Wunnertieken, dat Miraakel. Das V 
der, das Wunderzeichen, das Mirakel; letzteres wird aber i 
stens für verwirrten Lärm , Getümmel gebraucht , wie in 
Ausdrücken: en grott Miraakel, fädle Miraakel mögen, 

168. Jö Tihssing ^ Zeitung, Nachricht, jö Naarögt, dasse 
dieses Wort ist dem Niederdeutschen nachgebildet. 

169. En Sink, en ^drl, en Bdjtte, en Bröckling , en J 
und en Lurlierläiet. En Kink und en LurUerläiet bezeichnen 
kleinsten oder unbedeutendsten Theil von etwas; en l^arl^ 
Kömchen, en Bdjtte, ein Bissen, en Läiet, ein wenig, Weni 
en Brockling , ein Brocken; daraus wird bröckeln, bröckeln. 

170. Dät Ofer, das Opfer, de Gdawe, die Gabe, jö Forihr 
das Geschenk. 

171. Verwünschungen und Flüche. Dät de de Segt^ de Raai 
deDäuner, de Banker, deBäutsher, deBmwel, deBüwel, dejE 
ger, de Wünnen, da Fiewwünnen, de Kränked, de Racker! '. 
dich die Sucht (Fallsucht) ergreife! de Häjnger, der Henker 
Fiewwünnen, dass dich die fünf Wunden (Christi) brennen * 
schmerzen mögen ! de Kränked , die Schwerenoth ; de Bd 
(sonst Racker), der Scliinder. Die übrigen Wörter sind la 
Namen des Teufels. 

172. DätPäckhüss, de Kaumspicker ^ der Kornspeicher und 
Packhaus. 

175. Jö Formaak, jöHöhg. Jö Formaak, von formagen (wie 
Lat. recreare , reficere) , das Wohlgefallen : He het 'r sin Farn 
ütt, wdnnWe Jängense io wräseln füjn kön, er hat sein Wol 
fallen daran, wenn er die Jungen zum Ringen oder Balgen 1 
gen kann. Jö Höhg, von högen, erfreuen, wird mit äujn (in, 
verbunden, und so gebraucht: Birr het'r sin Höhg ä/ujn^ d; 
hat er sein Behagen, seine Freude. 

174. Jö Währ, da Krefte, jö Formogt. Jö Währ, von we 
sich wehren, vertheidigen , braucht man besonders von Kindi 
die einer Arbeit noch nicht recht gewachsen sind, daher n 
wahrig, en währigen Jönge, ein kräftiger Junge, he het nijn Wi 
keine Kräfte; \ö Formogt ^ das Vermögen, aber nur in Bezieh 



161 

auf Körperkräfie, als: Hdll an Haad ndg, aurs läiet Farmägt^ Gc* 
säss und Kopf sind gross genug, aber wenig Kraft Von einem 
stark gebauten Menschen, der dennoch nur wenig Kräfte bat, 
ßk Krifte, die Kräfte, de Krifte^ der Krebs, Krebsschaden. 

175. Dlt Spaii, pl. Spähse und Spdtte, der Spiess; de Piekt 
die Pieke. 

176. DeEme, dän. en £eni, der Brodem, heisser Wasserdampf; 
de Dämp, der Dampf überhaupt, daher 6men und dämpen, brod« 
men und dampfen. Dämpen ist sowohl ein. Yerbum intransitivum, 
als ein transitivum, und heisst also auch dämpfen. Brodeln ist 
bobbeln. 

i77. De Wjärd, von wair, wahr, die Wahrheit; de Wjart, von 
^äri, werth, der Werth; de Wßrth, der Wirlh. 

178. De Gong, jö Träw^ von gungen und träwen, der Gang im 
Schritt, und der Trab; jö Hünneträw, der Hundstrab. 

^79. De Hdjt, von hijtt^ heiss, nd. hilt, daher die Hitze; de 
^ÄY^nK^e, die Wärme, von wärm; hißten und wärmen , heizen und 
wärnacn. Wärmen ist Wärme von sich geben; wiermen, erwär- 
^^Tk und sich erwärmen. 

i80. Dät Färrew, dät Bläi, jö Kolör. Dät Färrew wird nur 
^on gefärbten und gemalten Gegenständen, so wie von Farbe- 
^^offen gebraucht; dät Blai sowohl von natürlichen, als aufgetra- 
genen Farben, und Koiör besonders von starken, leUiaflen Fai*- 
^Q. Do höhst en gauhs ßläi^ du hast eine gute, gesunde Ge- 
^^htsfarbe ; hocken Bläi het dän näie Rock, dän Riddhadnst an dän 

m 

^^^e HünnF was für eine Farbe hat dein neuer Rock, dein 
'Reitpferd und dein junger Hund? 

I8i. iöHäiw, jö Gässing, }ö Formausing, Jö Häiw, von hätwen^ 

^^ Warten, dass etwas eintreffen oder geschehen werde, also die 

^i^artung in dieser Bedeutung; jö Gässing^ von gössen, dän. at 

S^sse, aus gewissen Merkmalen oder Anzeichen schliessen; jö For- 

^'^^using, die Vermuthung. 

182. De Siuhpp, dät Stöp^ de Ömmcr. De Stuhppy der Stauf, 
^^namt vor in Tjärestuhpp, die Theermesle, de Krüdstuhpp, Blu- 
'^^^Hstauf, Swennestuhpp , die Schweinsgelte ; de Ömmer^ der Eimer; 
^t Stop, siehe Siuhpp. 
"t 83. Jö Elms, de Gaawe, s. oben; jö Elms, das Almosen. 



484. De Wihsse, de Mauhse, die Weise, die Art, dän. en 
Maade; dät ds nS sff sdn Wihsse, seine Weise, sdn Mause, seine 
Art; de Brück, de Wdnigt, siehe oben. 

i85. De Twitter, de Fäger, Beide Wörter bezeichnen einen 
jungen, flinken Burschen. Man sagt: dät ds en flinken Twitter, 
und en ditgtigen Fäger, von dem Adj. fäge, schnell, rasch, ge- 
schwind, welches noch im Dänischen vorhanden ist. 

486. Jö oder dst Molke, die Milch; dlt Bjäst, die Biest, Bienst, 
die erste Milch nach dem Kalben, Neumilch; da Aune, Collect. ^ 
die Buttermilch. 

487. De Stile, de Slajngel, de Struck, Süei , Stengel und Strunk j 

488. Jö Gäsem, die Gäspe; jö Häujnfolly eine Handvoll. 

489. De A'mgöng, jö SSgL De jfmgong ist eine umgehende ^ ^ 
grassirende Krankheit, jö Sigt, die Sucht und die Seuche. 

490. De Rock, de Mämtel, dRi Wams, dsLiKdmmesaul, de Kittel 
Rock, Wamms, Mantel, Kamisol und Kittel. 

494. Jö HuU, jö Kapp, jö Kabuts, dät Hut, Jö Hüll, dl 
Mütze, jö Kapp, die Kappe, jö Kabuts, die Gaputze, dst Hü^^ji 
die Kulte. 

492. De Ställbrauhser , de KammeracU, de Mäcker , der Sta! 
bruder, der Kammerad, der Genosse. 

493. Namen einiger Fische. De Gedd, der Hecht; de Söller, 
Schleihe; de Piepfdsh, der Schlammpitscher ; jö Karutsh, die 
rautsche; de Brässem oder Bräsmer, der Brachse; jö AiUrmM^^r, 
die Aalmutter; de ^j7, pl. Mle, der Aal; de Baars, der Barscii; 
de Stöhr , der Stör; de Snäpel , der Schnäpel; de Dorsh , 
Dorsch; de Shdlfdsh, der Schellfisch; de Häiring, der 
jö 5Ao22, wozu alle Seitenschwimmer gehören; de Bldjnker, öbs 
Rothauge (Cyprinus Erythrophthalmus); de Lax, der Lachs; de 
Sonbaars, der Sandbarsch; de blander, der Alander; de SMM» 
der Stint, u. s. w. 

494. Namen einiger Insecten. Jö Pödd, der Käfer; }ö Flieg, die 
Fliege; jö Nöpp, der Floh; jö Lüss, die Laus; jö Uchlüss, die 
Wanze; jö Tähg, die Zecke, die Schaflaus; jö Bi, die Busne; 
jö Brdhms, die Bremse; jö Mdgg, die Möcke; jö Jftg^^, dl« 
Milbe; de Gölsmass, die Libelle; jö Hdjnstepddd, der Mistkäfer; J^ 
Gödshänn, das Gotteslämmchen , u. s. w. 



165 

195. Namen einiger Feld fruchte. De WijUe, der Weizen; de 
Rdggey der Roggen; de Bahr, die Gerste; jö Häwer, der Hafer; 
de Thaser, der Buchweizen; Sdmmerkaum und Wonterkaum, Som- 
mer' und Winterkorn; dku/rte, die£rbsen; dk Buhne, die Bohnen; 
dk Wicke, die Wicken; dkBaane, i.der Rainfarren» 2.derBeifuw» 
jene heissen göhl (gelbe) Baane (Tanacetum vulgare), diese grd 
Baane (Artemisia vulgaris); dat Mälkrüdd, der männliche Tüpfel* 
farme (Polypodium felix mas); dk Gösekrülle, Kamillen, JpefkrüUe, 
die wohlriechenden Kamillen; dat Lawdndel, der Lavendel; jö 
NUken, die Nelke, u. s. w. 



VIERTES CAPITEL 



DAS BESTIMMUNGSWORT (Adjectivüm). 



§. 103. Die Bestimmungswörter sind theils Wurzelwörter , 
tbeils abgeleitete und theils zusammengesetzte. Die Stammwörter 
sind durchgängig sehr einfach, als: 



kr&nk, krank, 
sifm, gesund. 
ßbh, falsch. 
/TNin, rund. 
surt, schwarz* 
wiU, weiss. 
brünn, braun. 
gräm, grün. 
r^ddf roth. 
göhl, gelb. 
wkm, blau. 
grd, grau. 
braukei, bunt. 
ipaaweit, s. o. 
noßjU, nsiss. 
$orr, sauer. 



Salt, salz. 
bdtter, bitter. 
tSnn, dünn. • 
tjöcky dick. 
blinn, blind. 
auf, taub. 
iäm, lahm. 
häU, hinkend. 
stärk, stark. 
grott, gross. 
/4;7^, klein. 
ii;Jrm, warm. 
hijit, heiss. 
Mt^7, kalt. 
!äi, lau. 
&än/i, barsch. 



Aar(2, hart. 
uhk, weich. 
fier, fem. 
widd, weit, 
/ofk^, lang. 
Auiur/, kurz. 
wieh^ übel. 
^leA, bleich. 
munter, munter. 
sauber f sauber. 
junk, dunkel. 
hall, heU. 
Uär, klar. 
Ijägt, licht. 
hädder, heiter. 
wieker, wacker. 

21 *» 



164 



fiar, eng. 
spdss, spitz. 
Ugt^ leicht. 
swär, schwer. 
amen, offen. 
tdgt^ dicht. 
stiff, steif. 
tö^> geschmeidig. 

»RteMg, 

(/änfd, gut. 
hijnn^ schlecht. 
gröf, grob. 
fien, fein. 
(lt{;(M, todt. 
läbben, lebend. 
ßtt, fett, 
mdlgfer, mager. 
äirig, arg. 
äteen, eben, 
oiioefi, leise. 
sJjogt^ schlicht. 
vnll, wild, 
/öffini, zahm. 
«Ai», scheu. 
«Aaf|i, scharf. 
Ml^ stumpf. 
biUt, stumpf. 
9igtt seicht. 
fläche flach. 
!äigi niedrig. 
AiioA, hoch. 
diep^ tief. 
shBr^ schroff. 
steil j steil. 
6/äiift, blank. 
rien, rein, 
(//ai, froh. 



shrädd, schräge. 
ito/Zy stössig. 
«ee/*/, sanft. 
millf mild, 
^nn, arm. 
rick, reich. 
6/ocA, blöde. 
rocAy rauch. 
dröghy trocken. 
wqjtt, nass. 
ßst^ fest 
/t»M» los. 
^, frei, 
not, neu. 
üjll, alt. 
jung, jung, 
rd^/, recht, 
«/d//, stille. 
sägt, sacht, 
/ooiy faul. 
lickf gerade. 
krümm, krumm. 
shief, schief. 
träi^ müde. 
Ai^» voll. 
lähsig, leer, 
tooir, wahr, 
rj/ipy reif. 
wdlei, welk. 
50//, satt 
bar, bar. 
tear, bar. 
etpigf, ewig. 
swäcky schwach. 
str&mm, stramm. 
struf, straff. 
säker, sicher. 



nägel, nackt. 
twirr, quer. 
mürrig, mürbe. 
wdss, gewiss. 
trong, bange, 
/^acft, frech. 
äien, eigen. 
fta(/» nett 
tapper f tapfer. 
hastig, hastig. 
Ucft, leck. 
locker, lecker. 
hüss^ heiser. 
däsig, albern. 
idder, frühe. 
lähs, spät 
aagtem, nüchle 
ähsrig, nüchten 
grottem, laut 
sterem^ sehr hei 
stoUy stolz. 
«/rt9i(7, streng, 
nögf, gar, genu) 
rosA, rasch, 
/rau, treu. 
jöhr, theuer. 
briß^ breit 
smil, schmal. 
rd, roh. 
natc^, genau. 
gdWf geschwind. 
sldppf schlaff. 
däik, alltäglich. 
meek, sehr zaho 
hohl, hohl. 
sier, weh, wun< 
^jöl, plump. 



165 

käim, spröde. fägy feige. hier, kürisch. 

g^inn, glüb. /Str, stark. liess^ leid. 

kriesSy keck. klamm, klamm. plump, plump. 

Femer : 
bücket y bauchig, dick von Leibe; waUg^ stark; sidd, weit herab- 
hängend, von Kleidern; stumpet, kurz, zu kurz, von Kleidern; 
orkel , stürmisch , unruhig , vom Wetter ; gremet , schmutzig schwarz- 
gestreift im Angesichte, auch von Kühen; ßhl, boshaft; füll, 
schmutzig; hälUg, feier, heilig, hillg, heilig; fug {fuch), bange; 
nögen, genügsam; $älig, nur faalbklug, albern; flawy flau; träwel, 
nd.'hUd, viel zu thun habend, dän. travel; lumsh, tückisch; klien, 
dünn und schwach; mal, toll; wriess, böse, zornig; dgty echt; 
mü88, nett, sauber; snaud, schnöde; rank, schlank, schlank; saig, 
zähe ; shäier , spröde ; härsh , ranzig , dän. härsk ; glöbsh , nd. glubsch , 
dän. glubsk; shitTy schier; sollen, selten; stamm, i. schlimm» 2. 
gescheidt; stasigy stätig, stettisch, von Pferden, die nicht vom 
Fleck wollen; stähsig, stetig, anhaltend; knäp, knapp, geizig; 
gUUy glatt; hämper, hart in der Rede; neesh, zart von Haut; 
spie, neulich geboren, en spie Bjäm; fihsy unartig; wujnnet, un- 
gehorsam; baish, dän. beesk, unangenehm bitter, wie z. B. Wer- 
muth; pimk, flink; «no//, schnell, schlau; firaam, fromm; trongiick, 
ängstlich im Geben, geizig; ongiiek, ängstlich im Blick; könnig, 
kundig; snäwsh, rotzig, von Pferden; shdll, schmutzig, von Scha* 
fen und Rindern, die den Durchfall haben; äinkeit^ i. einfach, 2. 
einzeln, nd. und dän. enkelt; döwelt, doppelt; iröweit^ dreifach; 
gemieny gemein; snähsig^ schliku; bleehs, mild, freundlich; wdnlick, 
freundlich; swäju, süss; skrubbet, rubblig, rauh; lief, lieb; glaumig^ 
glumm, trübe, vom Wasser; hädder, heiter; slönig^ schleunig ;)}'dr- 
dig, fertig; freuiick, fröhlich; drunken, trunken; gritsh, hofiar- 
tig; groUhdriigy stolz, aufgeblasen; hijl, ganz; mekliek^ bequem; 
wiekne, wach; fägel, fehl; klauk, klug; fldrsh, 4. süss, vom Was- 
ser, 2. ungesalzen, vom Fleische; plät, platt; trinn^ rund; krühs- 
seiy kraus; swänger, schwanger; swdnlick, schwindlicht; klöftig, 
spasshaft, drollig; spätsh, spöttisch; möhglick, möglich; kndpsh, 
knipsh'i schnippisch; rddlick, redlich; faamdmen, yomehm; swdlisen, 
gesengt, sengerig; söngeiig, von angebrannten Speisen; tünnen, 
geschwollen; forkierd , verkehrt; sdnnig y 1. sinnig, 2. sonnig; 



166 

sahnig, sehnig; gratUick, gräulich; kläwig, klcberig; rdset , ver- 
fault; iieflick, lieblich; driflick, weidlich, treiSich; rickiick, reieh- 
lieb; fällig^ ordentlich, recht wie es sein muss; iäwentig, leben« 
dig; tnjögsig, schmutzig; rostig ^ rüstig; näüick und naishirrig, 
neugierig; üjllklauk, altklug; shrdwlick, kränklich und verküm- 
mert; geest, nd. güst, d. i. sieg^ keine Milch gebend; tnäjlk, melk, 
d. L Milch gebend; wägsen, erwachsen; iruiS^en, wügsen, gewachsen; 
shrqinkel, sehr dünn von Beinen; shrädd, schräge; näi, nahe; vnss, 
weise, üntoiss, un weise, aber de mhsse Mann, der weise Mann; 
lihssig, reinlich, in Beziehung auf sich selbst, auf Kleider und 
Ungeziefer; ürUihssig, das Gegentheil davon; aagsen, aus de Ögse, 
oehsig, von Kühen in der Brunst; wru, von Säuen; wräwel, von 
Schafen; wdüig, willig, von Stuten; lä/ußsh, von Katzen und Pet- 
zen; trüff, recht gesund, wohl auf; täss, ziemlich gesund; 1^. 
kitzlich, ein Primitivum, aus dem das Verbum kitten, kitzeln, 
gebildet ist; Uster, aufgebracht, zornig; päll^ platt auf einer Stdla 
festliegend; kief, dän. kjed, überdrüssig; sii^h, spröde, kokett 
zurückstossend; tarnen, wer etwas nicht übers Herz bringen kann 
he ds'r so tarnen am, er kann sich nicht bezähmen es zu thmu 
Idmplick, von Idmpen^ glimpflich zu Werke gehen, heisst wörtlidu 
glimpflich y sonst schwach, besonders vom Befinden eines Menseheu 
stuff, dicht vor der Linie, ohne dieselbe zu berühren. 

Anmerkungen. 

Unter den Adjektiven mit bestimmten Endungen, deren Ab 
stammung sich schwerlich nachweisen lässt, finden wir, wie in 
Hoch* und Niederdeutschen, im Dänischen und zum Theil in 
Angelsächsischen, nur die Nachsilben eiy eh, en^ er^ em und ig 
wie in träwel (vielleicht von träwen , traben) , wo alles geschwisi 
oder im Trabe gehen muss, was den richtigen Grundbegriff giebt 
nagelf spaawelt, domeü, satten^ aagtem, hädder, Sdder (früh), säum 
per, hämper, shäier, wäligylänig, sälig , stßllig, geputzt, geschmückt 
wielUg, ausgeschmückt, geziert mit Kleidern, u. s. w. 

Bei andern lässt sich die Wurzel nachweisen, wie in: sierenm 
von sier^ weh, wehe; hattet, von hüten, beissen, wie bitter vec 
nd. bietten, bitt, was auf der Zunge beisst; gröttem, von grotM 



167 

wieker^ von wieken, wiekne, wach; smimg, von smiUen, was. sich 
leicht wirft. 

Das Wort wieh, übel zum Erbrechen, auch weh, in WiehdSge, 
Weh tage, wird gedehnt ausgesprochen, nicht wie das deutsche 
w^ie, daher hier das h als Dehnungszeichen, das aber wieder 
in der Hehrheit wegfällt, als: da wie-e Dringe häwe ällefaale 
fVinn drunkm, an nö shdn 's jdm brege, untig späte, die Knaben, 
denen so übel ist, haben zu viel Wein getrunken und nun sollen 
sie sich erbrechen oder speien. Ick bdn 'r so wUh ifter, mir 
"w^assert das Maul so darnach. 



Die Ableitungssilben des Bestimmungswortes. 
§• 104. Diese sind: ägtig, baar, en, em, et, ig, lick, ish, sh. 



't. -dgtig, bezeichnet eine Aehnlichkeit, eine Annäherung zu 
, und entspricht den deutschen Nachsilben haft, lieh und 
, als: fägelägiig, fehlerhaft, äweägtig, äiEsch, dringeägtig, jön- 
9^9^seägtig, knabenhaft, $ur^ä^%, schwärzlich, rüjddägtig, röthlich, 
^^^ugtig, holzicht; auch entspricht es dem deutschen artig ^ wie 
^^^t^rkägtig , storchartig, fdshägiig ^ fischartig, jörlägtig^ hirschar- 
^*8 > u. s. w. 

3. baar, entspricht der Silbe frar, als: frugtbaar, tänkbaar, ihr' 

'«»r, u. s. w. 

S. en oder ern, wie im Deutschen, nur bei Ableitungen von 
^^offnamen, den Stoff eines Dinges bezeichnend, wie lännen^ Ici- 
^^O, häjdden, heden, aus Hede, selwern, silbern. 

-4. et, entspricht bald dem dänischen et, und bald dem deut- 
**^iicn t^, wie in bücket, dickbäuchig, bärbienet, barbeinig, dän. 
^^»•benet, kaurt halset , kurzhalsig, krümmregget, krummrückig. 
^. ig, deutsch und dän. ig, wie blmjddig, mäujddig, gitsig, 

Q. Ikk, deutsch lieh, dän. lig, wie ricklick, wdnlick, omtlick, 
^**^enllich, auch ordentlick, mänshlick, u. s. w. 

V, ish, sh, deutschstem, diisistüjnsh, stolz zurückstossend , rusS' 
*^* , sachsish, spänsh, spanisch, steif, gezwungen, wdish, welsch. 



quersinnig» holläujnsh, holländisch, stäish, stettisch, von Pferden. 
8. saam, deutsch sam , dän. som , wie frügtsaam , furchtsam , tLS.w. 



Bildung des Bestimmungswortes. 
a. Aus BestinunuDgswörtcm selbst. 

§. 103. Hier finden wir nur die Nachsilben lick und ägtig, als: 
kränk, krönklick, fäish, fälshlick, frinn, tnnniick, surtlick, surtägtig, 
wittlick, wittägtig , ri^ddlicky rüjddägtig, brünn, brimn(icky brünnägiig, 
gräin, gräinlick , gräinägiigy grälick , grdägtig , swäjit , sw^jUUek, 
swäjttägiig, sörr, sörrUck, bditer, bätterlick, hdrd, hdrdiick, ndi, 
näükk, üjll, üjilägiig, von Menschen: älierägiigy läng, longliek^ 
Idngägtig, kaurt, kaurtlick, när, närlick, närägtig, swär, swärlick^ 
düßdd, düjddlick, i, tödlich, 2. sterblich, lick, gleich, lickUck^ 
ähnlich, wäir , wjärlick , wahrlich, wddderlick, widerlich, voi 
towddderne wesen, zuwider sein; rienlick, ermlick, ricklick, rogtUck 
swäcklick, säkerlicky traulick, tronglkk , onglicky u. s. w.; femei 
brijddägtig, smelägtig, orkelägtig, däikägtigy von däik, i. alltags 
2. schlicht und recht, geradezu, fägelägtig, 

b. Aus Hauptwörtern. 
1. Mittelst en oder ern. 

§. 406. Dät Gäujll, gäujllen, golden; dät Dauck, daucken^ ti 
chen; dät Järd, järden, irden, u. s. w. Folgenden Substantiv! 
wird bloss en angehängt, als: dat Liemm, der Lehm, jö Biri 
die Birke, jö Ihk, die Eiche, jö ßäik, die Buche, jö Fair, d: 
Föhre, jö Ldnn, die Linde, de Zdnn, der Lein, dät Flägs, di 
Flachs, da Häjdde , die Hede, de Drdll, der Drillich, de 
kämm, der Fünfkamm (ein Zeug), dät Uli, die Wolle, dät Burt 
die Borke, Baumrinde, dät Hjärt, das Harz, dätWägs, das Wach. ^^ » 
dät Sihssen, die Seide, de Hänep, der Hanf, dät Pack, A^^ms 

Pech, de Slijny der Stein, dät Tdnn, das Zinn, de Kalk, > 

dät Holt, das Holz, dät Bldck, das Blech, de Knaake, A^^t 
Knochen, dät Haurn, das Hom, jö Hill, der Holunder, dät Ej^m^^ 

A 

tun, — , dät Papier, — , jö Esh, die Esche, dät Kripp, ^^s>v 
Krepp, de Kläi, der Klei, dät Hiehs , die Heide, u. s. w. F^:^^" 
gende bekommen nur^i, als: dsLi Häier, häiern, hären, in,i Silur* 




169 

das Silber; dit Kaawer, das Kupfer; jö Iper, die Ulme; jö Aller y die 
EUer, Erle; dät LMser, das Leder; dät Jücker, das Reis. Nach- 
stebende bekommen ern: dät Sträi, das Stroh; duBlie, das Blei; 
de Snie, der Schnee. 

2. Mit der Ableitungssilbe ig. 

%, 107. Wir wollen hier zuerst die wenigen unregelmässigen 
Bildungen hersetzen, da man dann den übrigen Wörtern nur die 
Silbe ig anzuhängen braucht, um das Adjectivum zu bilden. Un- 
regelmässig sind deütnn, der Regen, rSnig; dät Stof, der Staub, 
sttHoig; dUßleess, das Blatt, blehsig; jö Gaus, die Gans, gödg; dät 
Smähr, dasSchmeer, smirrig, [Folgende sind regelmässig, als: dät 
Bim^dd, blm^ig, blutig; dät Uli, de £an^ dät Sävjn, dätJärd, dät 
lAemm, A^lKlai, deKläi, de Turst, de Hunger, deDunsly deDämp, 
de Riek, de Qualm, deWdinkel, dät Sndws, del^ogs, dRiWahser, 

_ 4 4 

de Wäfc, dät Edder, der Eiter, de Edder, die Ader; de jiadel, 
der Adel; dät Ahl, Mistjauche, altdeutsch auch A'ddel; de Walle, 
de Güs, jö Müss, mühssig, die Maus, de Müss, der Mund, eben- 
so : mühssig y wie in grottmühssig , grossmäulig; de Gnähse^ de Geist, 
dat €järs, dät Sträi, dät Födder, de Saß, dät JHähl, dät Kaa* 
^er , dät Holt, de «^Hn^ (hier die Faser, sonst Strang, Saite); jö 
^o^hn, die Sehne; de Kolle, dat Flash ^ Slimm, pHüdd, jöHänn, 
dät Jf udder, dRi Siubb, dät -^/«W, de Fähser, dät DÄnw, Daunen, 
Flaumfedern; dät Shrubb, jö Ätirsi, dät Jr, die Narbe; de Rust, 
de Rrdddy dät 6?n*ss, grühssig, griesig; dät Selwer, dht Esh, Asche; 
^4 uigene oder 'u^gne, coli. Spreu; da Shäwe, coli. Shäben, jö 
'^Wn^, die Granne; jölFiipp, die Aehre; de W^iww, Wind; jöLufl, 
^« Du/)t, de Ddwwe, de ^isf, Nebel; jö Lw/, jö Böhser, dät 
^uhser, de 5ann, die Sonne; dät «^anw, der Sinn; de Sjäme^ 
^hatten; de Plünne, de Löpe, dät Forgdft, de TVäwe, de jfjäre, 
d^t Pack, dät £&drf, dat Iss, ihssig, de Locke ^ de Knote, de 

^^ge, ddXKitt, dliSiep, jö Prägt, dtJirem, jö Häujnn , hävjnnig 
v^Uch hantig, hijnnig), händig; deFdinger; jöRäujtt, Wurzel; dät 

^^tn, der Seim; dät Mos; de Maure, das Moor; jö /{»fin, die 

^^*^de; dät Bjärd, der Bart; jö Kldwer, die Kralle; jö Ä7aw, die 

^*^^e; de Ohme, der Odem; dät Aar/; de Bast; de Bunk; jö 

*^^l; dätJPAwer, der Pfeffer; dät Sucker; de Ruhmme, der Rahm; 

22 





dät SMnrn; dat Sw^tt; de Galle; dat Uhr, das Ohr; jö Pid; jö 
Shm; jö Shäjl; de FroAs«; dePJcÄ;e, da Pocke; jö PdW (Perle); 
dat Jädder, das Euter; de Bäirig; dat /Ar; de Splahs; de SluHuh 
mel; Aq Klump; jöTidd; dat Twkh; jö Jfä^^, mdgtig; dRtSwämp; 
dat Pf2nn; da Räide^ das Rohr, Schilfrohr; de Puckel; jö C/ir/, die 
Warze; dät W^wr^, die Würze beim Brauen; jö Shäl; jö Flugt, 
ftUgtig; jö £ti^^; jö Tugt; de Stand, ständig; jö Kraft; de Barre, 
die Klette; de DieA, c^i^f teigig; jö i[dA/, die Grube; jö ZKdk, 
diekig, grübig; de Senne, die Sünde; jö Daahs, die Tiuit; 
Rä^dd, der Rath; de £/dto; jö Gunst; de Forständ, forstandig; 
Gewdld, gewdldig; dät Mdujdd; de i^%n; jö Bläihs; dat fttdk; 
jö u^aW, aardig; jö Bräujn, brmjnnig, brandig; jö Bjärst^ 
Borste; jö Fläg, der Regenschauer; dat Geck; 6^1 Kalk, der Kalk^ 
de Klädd, der Klacks; de Knöst; dät £rä^, das Gethier, ei 
Schimpfwort; dät Mä^ll, das Mill; dät Hiehs; jö iVa/t«» die Nii 
(Läuseei) ; jö Bau; dät Wäi; da ^une; dät Siep; jö i^/tn^, kleii 
Schlucht im Wagengeleise; de Snahs, der Schnitt, Pfiff; de Sp^^ ^ 
der Fleck, die Sommersprosse; jö Spirr, der ausbrechende Keiiacm ; 
dat Spick; de Spdun, der Spann; de Splinn, der Splittiv; ja 
l>ra/)f, drdftig, betriebsam; dat Twß/; da Finne, die Flossen; ^^X^ 
Grause, die Gruse; de iiC/ase, der Büschel, die Traube; dat Jfötib^ ^ 
de Pose; de Stauppel; da Slurre, sturrig, in aus- und aufwäpC^fi 
gehende Falten hervorstehend; dat Graum, Eingeweide. 

Mehrere der vorigen Adjeciive auf ig kommen nur mit andersoi 
verbunden vor, wie kaurtösmig, kurzathmig; tuhghwuynnig , iwem« 
händig; Icfihijnnig, statt häujnnig, links, linkshändig; tjacksimigr f 
dickseimig; tienihrig, zehnjährig; stiffbjärstig , steifborstig; 
urig, pockennarbig; wönräjddig, wahnräthig^ grötthartig, grosshe: 
zig, d. i. stolz. 

5. Durch die Endung ägtig , dän. ägtig. Sie entspricht abwccFm- 
selnd den deutschen Nachsilhen artig, haft, icht, isch, 
förmig und licL Vergl. §. 105. 

§. 108. Sie kommt meistens bei Beslimmungs- und Hauptwörteim 
vor, drückt immer eine Yergleichung , Aehnlichkeit oder Ani^^' 
herung zu dem im Stammworte Bezeichneten aus, als: wäini^' 
iig, bläulich; tjockägtig, dicklich; bliekägtig, blässlich; größgiiS^ 



171 

gWiblidi; fienagtig, fein, feiolich; däikägtig, alltagsmässig; mal- 

ägüg^ einem Tollen ähnlich; stringägtig, etwas scharf von Ge« 

Mhniaek; to^jüägtig, nässlich, u. s. w. — Mönägtig^ mannhaft; 

wö/feSgtig, weibisch; bjdrnägtig^ kindisch; thiewägtig und ihiewe' 

Sgiig, diebisch; fordijlägtig , vortheilhaft ; mäJiUgtig , mehlicht; 

iMiMr^(^,kupfericht; lähserägtig , ledericht; ullägtig, woUicht; 

pir^ägtig^ birnfcmiig; plömeägtig, pflaumenförmig; rukäglig, scho- 

berfirmig; höckeägtig^ garbenförmig; ijd [iM), ijdägtig, torfartig; 

kriUigtig; s§ßjtägiigfüseDwcüg;ßdderägtig, heuartig, heuicht;me- 

^Hg, riesenartig, riesenförmig; gjärsägüg , grasartig; liemmägtig, 

lebmichtythonartig; kläiägtig, kleiicht; toAmmö^^t^, baumartig; äi- 

«^fAjfy eiförmig; stmjnnerägtig , leuchterförmig; bösselägtig, bossel- 

ockr kugelförmig; kugelägtig; trelägHg, scheihenrörmig rund; fijläg' 

^, ndförmig; stäiragtig, sternförmig; häterägtig^ haricht; swjärdäg' 

^»schwertförmig; ^na^j^^t^, schneckenförmig; würmägtig, wurm* 

^^°^>siig; HiijiiägUg, steinicht; mölk^iig, milchartig; gät^ldgtig, 

soldicht; sUwerägtig ^ silberartig; winnägUg^ weinartig, u.s. w. 

Da maa diese Ableitungsilbe mit allen Hauptwörtern, die 
^HrUiche Dinge bezeichnen, und zum Theil auch mit andern 
'^^^^bindea kann, wenn eine Yergleichung Statt findet, so ist es 
ciflAeuehtend, dass sie sehr fruchtbar zur Bildung neuer Adjec* 
^▼e sein muss. Sie wird zwar auch mit einigen Zeitwörtern, 
^)>er nur mit einzelnen, die etwas Fehlerhaftes oder Verächt- 
''diM anzeigen, verbunden. So wird aus släsem (schwatzen, 
PWudera, klatschen), släserügUg; aus (/äsen, ^ä^Ug, rappelig; 
^^^ iljäim, pjäsägtig und f^äsig, zauderhaft; aus sWrren, slarrig 
^Uicl üorrägtig; aus $p5tm, spotten, spötagiig^ spötig und spöish. 

4. Durch die Silbe et , dän. et, deutsch ig. 

^ 109. Sie kommt meistens nur in Zusammensetzimgen vor, 
M ^ie einzeln in einfachen Bestimmungswörtern» die von Haupt« 
"Wörtern abstammen, als: haumet, gehörnt; placket, fleckig; ndp' 
P^, flockig; kröppety beleibt; rüttet, gewürfelt; tappet, mit einem 
Pederbüschel auf dem Kopfe, wie en tappet Laash, die Hauben- 
^»«he, en tappet Hätm, eine Henne mit einer UuUe, Holle; 
**ö*e^, bauchig, dickbäuchig; strippeU, gestreift, streifig; rauhset, 
feblumt, rosig; jäAn^, gehelmt, von Kühen, mit einer weissen. 



«« * 



172 

helmförmigen Zeichnung am Yorderkopfe ; blehset , von de £h 
mit einer Blässe an der Stirn» von Pferden; pigget^ gestach« 
stachlig, u. s. w. — Composita : siddliwwet, lang in der Taille; säU 
get, hohl- oder sattelrückig; kaurihälsei, wennuget, kurzhalsig \ 
blauäugig; hdrdnSket , hsiTimckig; mälhaadet , toUköpfig, jähzoni 
spdsmaaset, spitznasig; sagelbtenei, sichelbeinig; 'plätfä/ujtM o 
plätfäjitet, im pL, plattfüssig; bärfät^itet , barfuss; rpjddiieei 
rothbackig; brijdshullert , breitschultrig; löngbienet, langbeii 
spdssiöiet^ spitzschnauzig; tj6ckkndllet , dickknöchlich ; shärphi 
ket^ scharfknochig; löngkdnnet, langkinnig; tjöcklappet, dicklefi 
brijdfläbbet , breitmäulig; grottölety grossmäulig; tjockldsset, d 
gliedrig ; idnguhret , langohrig ; siumpstjdrtet , stumpfschwän: 
buttwingei, stumpiSügelig , wie der Kiebitz im Fluge; fjauerig 
vierseitig; fierkatUety vierkantig; segstunet, sechszehig; /jocft^tkl 
dickhäutig; wittsndppetf weissschnippig; tjockkäiset, dicke Malmzä 
habend; shdrptünnei, scharfzinkig; smSlbiSset, schmalblätterig; sfu 
iäisei, scharfzahnig; gröfJ^drlet, grobkernig; löngstinget, langgrani 
spdssöddet , mit einer spitzen Spitze versehen ; buttöddet o 
stnmpoddet, das Gegen theil davon; kaurtsliewet, kurzärmel 
rvßddnöppet , rothflockig ; stiffbjdrstet , steiiborstig ; blänkshä 
blankschuppig; tennrdbbet, dünnrippig; trinnliwwet , rundleili 
tjockthieget , dickschenkelig ; klienbienet, shrdinkelbienet , düna 
nig; huchwrdstet, hoch von Risten, dän. und nd. Wrist» fries. 
Wrast; /^^ä^«/e^,langfersig; lickstdmmet, geradstämmig; krün 
riggety krummrückig; gröfburket, grobrindig von Bäumen, gi 
borkig; kahlstrükket , kahlstrunkig ; spdsslSnket, spitzhüftig; gi 
kläset, grossbüschelig; tjocktökt, dickbüschelig, vom Grase und dei 
tjockspaulet , dickspuhlig; surtuget, schwarzäugig; fienhüddet, f< 
häutig; sharpregget, scharfrückig ; hädderuget, Idbbenuget, hei 
äugig ; uhkpäpet , weichbrüstig von stillenden Müttern , de 
Milch sich leicht aussäugen lässt , hdrdpäpet , das Gegentheil dav 
fästfläshet, festfleischig; tennspecket^ dünnspeckig, u. s. w. 

Anmerkungen, 

Vergleichen wir die beiden Ableitungssilben ig und ei 
einander, so ergiebt sich der Unterschied zwischen beiden 
leichtesten aus einigen Beispielen, wie: de Rock as fähserig^ 



175 

ßhserigen Bock, ein Rock, an welchem Federn hangen, en wüt* 
ßhseret Gaus, eine weissgefiederte Gans; smig Flash, sehniges 
Fleisch, tjoeksänet Ld/ise, dicksehnige Gliedmassen; shawig Hajdde^ 
schäbige Hede, gröfshäwet, grob von Schaben; stingig, was Gran* 
nen enthält, löngstinget, lang von Grannen. Alle zusammenge- 
setzte Adjcctive auf et, die durch ein einfaches Merkmalswort im 
Worte selbst näher bestimmt werden, lassen sich hier durch von 
mit dem im Worte genannten Gegenstand auflösen, als: rüjddsie' 
ket, roth von Backen, longhälsel, lang von Halse, u. s. w. Wer- 
den aber zwei Hauptwörter auf diese Weise mit einander zu 
einem Bestimmmungsworte verbunden, so steht das erste der- 
selben vergleichend , z. B. in sägelUenet, sichelbeinig, gekrümmt wie 
feine Sichel, sällrSggel, mit einem Sattelrücken, gäujishälet, gold- 
sehappig, selwerfärwet , silberfarbig, u. s. w. 

Wird das im Adjectiv enthaltene Hauptwort durch ein Zahl- 
^w^ort näher bestimmt, so muss man bei den Zahlwörtern von eins 
bis drei auf das Geschlecht des im Bestimmungsworte enthalte- 
nen Hauptwortes, so wie auf das Geschlecht desjenigen Gegen- 
standes, dem man das Merkmal beilegt, Rücksicht nehmen. Diese 
drei Zahlwörter heissen ijn, tuhg, trie im weiblichen und säch- 
lichen Geschlechte, dagegen im männlichen an, twäier, trd, daher: 
™* anstammet, twäierstdmmet, trdstammet, ein- zwei- dreistämmig; 
'^* - ijnwinget , tuhgmnget , iriewinget , ein- zwei- dreiflügelig ; 
^- ^fnblehset, tuhgblehset, trieblShset, ein- zwei- dreiblättrig. En 
^^Astdmmeten Buhmm, en tuhgtvinget Gaus u. s. w. (Vergl. §. 125). 
Die Wörter Fäujtt, Fuss, und Stäpe, die Stapfe, sind beide 
Männlich, und dsi Faujtt und Stäpe hier beide in der Einheit 
bellen, so müsste es de Trdfaujit und de Trdstäpe^ der Dreifuss» 
^^issen, obgleich man auch Trifätfjtt und Tristäpe sagt, was aber 
^^^ dem Altfriesischen stammen muss, wo irie auch ^r^ heisst. 
^^Ti sagt richtig: en an- twäier' trdtünneten Kauhmm, ein ein- 
»• dreizahniger Kamm; en ijn- tuhg- trielünnet Faurk, eine ein- 
^i- dreizinkige Gabel; en ijn- tuhg- irieblehset Kliewerblihss , ein 
®>^^^- zwei- dreiblättriges Kleeblatt, und so in allen ähnlichen 
"■^llen. 

Die Bestimmungswörter auf et darf man nicht mit dem zweiten 
Mittelwerte des regelmässigen Zeitwortes verwechseln, das zwar 



174 

auch beslimmungswörtlich steht, aber dabei immer deo Begrij 
von einer vorausgegangenen Veränderung in der Zeit voraussetzt 
was bei jenen nie der Fall ist» z. B. walet, von wälen, welken 
dragetf getrocknet» shräwet, geschabt» thieset, gezupft, högH 
geklopft, u. s. w. Jene Adjective fühi*en nie diesen Zeitbegril 
mit sich, z. B. haumety gehörnt, rSgget, rückig, voller Riickeo 
krSppet, beleibt, öddet, mit einer Spitzt versehen. 

c. Aus Haupt- und Zeitwörtern. 
1. Mit der Silbe baar, bar, däu. bar. 

§. iiO. Sie kommt nur als Ableitungssilbe bei Haupt- und 2Mi 
Wörtern vor, und hat die Bedeutung von tragen, altdeutsch baren 
dän. at bare, fries. beeren, engl, to bear. — a. von Hauptwörtern 
jö Frugt, frugtbaar, de Tdnk, tonkbawr^ dät Wunner , wunner baar 
de Ihre, Virbaar, ehrbar, de Shin, shinbaar, scheinbar, de Mann 
männbaar, de Gang, göngbaar, de Stridd, striddbaar, de Fägid 
ünfägettaar, unfehlbar, de Toll, töUbaar, zollbar, deTijnst, i^nti 
baa/r, dienstbar, jö j/chi, ächtbaar, dat Middel, middelbaar, | 
Sigt, sigtbaar [s^öhnliek, to^öhns), sichtbar, u. s. w.; b. aus Zeb 
Wörtern: hielen, hielbaar, heilbar, teilen, täibaar, zählbar, kauen 
kosibaar , brännen , brännbaar , brennbar , brücke» , brüekbaar 
brauchbar, sonnem, sannerbaar, sonderbar, farihnen, ferihnbaoM 
vereinbar, strafen ^ sträfbaar, drdjnken^ drä^nkbaar, hieren, him 
baar, hörbar, faihn, fäilbaar, fühlbar, u.s.w« 

2. Mit der Silbe lick, lieh, dän. lig, engl. ly. 

§. iii. Sie steht bei Bestimmungs- Haupt- und Zeitworlen, 
und ist, nächst t^, die fruchtbarste Ableitungssilbe. Beim B^ 
stiramungsworte vergleiche §. iOS. Beim Hauptworte hat sie die 
Bedeutung von gleich, so wie, eben so wie oder ak» Beispide; 
de Frünn, früwntiick, freundlich, de Wäne, wdnück, auch fireund- 
lidi, deKrdst, krdstlick, christlich, deMdmhe, mdnshUck, inen8di< 
lieh, de Brauhser , brauhserlick, brüderlich, ftdderlick , väter 
lieh , nmdderück , mütterlich , bjärnlick , kindlich , ridderlidt , 
fürstlick, jümferlick, jüngferlich, jungfräulich, presterück, groM» 
liek, gräflich, kdiserUck, dntiick, entlich, lanück, ländlich, dag* 
Uck, von Däif täglich, nägtUck, nächtlich, järlick, 1. jähriiebi 



175 

2, ehrlich, ihrlick^ ehrlich, shähslick, schädlich, ugenbldcklick ^ 

augenblicklich, shomlick, schimpflich , sAaiu^/icA , schändlich , shrdft" 

Uek, sehriftlich, hüsslick, häuslich, kunstlick, rmmlick^ geräumig, 

uhnUck, i. frühlingsmässig , 2. jedes Frühjahr, sammerlkk^ som- 

Bieriich, harrewstUck, herbstlich, wänterlick, winterlich, punciUek, 

pünktlich, bmuAstewlickf buchstäblich, natilrrlick, personli€k,ängst^ 

Uek, bürgerlick, änUlick, amtlich, ndmentlick, namentlich, wräb' 

Kck, weltlich, sännlick^ sinnlich, mündlick, mündlich, stündlkk^ 

wdgliek, wöchentlich, fiendlick, feindlich, härtlkky herzlich, nijd* 

iickt von jö Nüjd, die Noth, mdnierlkk. 

Aus Zeitwörtern, als: marken ^ märklkk, merklich, Userlkk, 
leserlich, bewäglkk, kuplkk^ käuflich, shrdcklkk , schrecklich, 
hrnksen^ hdsslkk, hässlich, dokn^ däilkk, gedeihlich, kännen, 
k^nnHek, kenntlich, klagen, kläglkk, kläglich, fordregen, fordreg' 
U^ky verträglich, was man vertragen kann, farlkken, sich ver^ 
f^leichen , forlkknen , vergleichen , das eine mit dem andern , 
davon: ünforlkkentlkk oder ünfarlkkentiig , unvergleichbar, fähsen^ 
f&A^elick, fasslich, prihssen, prihsHck , preislich, trästen , iräsU 
^iok, tröstlich, befinnen, befintlkk^ f orbinnen, forbintlkk, rä^dden, 
^^"^lidUck, räthlich, dräwen, drdflkk, trefflich, shdcken, shdcklkk^ 
scbieklich, Uewen, glauben, davon Ikwlkk, glaublich, Ikwen^ 
Weben, davon Ikflkk , lieblich, oder vom Adjectiv Ikf, lieb; 
fi^t^ttijUen^ fortr^tUck , verdriesslich , fornUesen, fonmesUck, ver- 
'leidlich , bewihssen , bewihslkk , beweislich , döhssen , döhsUek, 
deutbar, zu deuten, dötlkk, deutlich, brSgen, gebrdcklkk, gebrech- 
lich , ßlligen, ßlliglkk, folglich, sörrigen, i. sorgen, 2. trauern, 
^^^TigUck, begrippen, begriplkk, begreiflich, Henen, tknlkk, dien- 
"^1ä, ufunnem, wunnerlkk, wunderlich, fräuen, fräulkk^ fröhlich, 
fi^^vären, forswärück, verantwortlich, skren^ skrlkk, zierlich, 
^'^'^^Mgen, möglick, möglich, betanken, betänklkk, bedenklich, /br- 
^^^^t^en, fardäwlkk, verdaulich, behagen, behäglkk, üUdrüeken, ütt' 
^'^Acft/icft, grihssen, grausen, grihslkk, grässlich, gruen, grulkk, 
8**S.iilich, argem f drgerUck, ärgerlich, forgöngen, forgdinglkk, ho- 
^'^^99^, hSwentUck, hoffentlich, forännem, fordnnerlkk, veränderlich, 
9^^men, grämlick, grämlich, behSlpen, behüpUck, besiegen, bestSg^ 
^^^, i. bestechlich, 2. besteiglich, ersteigbar, bebögen, beböglkk, 
'^'^ohntar. 





176 



3. Mit der Silbe ig. (Vergl. §. 107). 

§. ii2. Sie steht nur bei Haupt- und Zeitwörtern und etwa 
vier Bestimmungswörtern, als: käiyll, kalt, daher käilig, kühl; , 
rögt, recht, davon rigtig; äir, altfr. äirig, arg, Comparativus ät«, ,^ 
Superl. errigst; ijn (ihnn) ein, ihnig, einig. — ^Mit Zeitwörtern: ,^ 
wären^ wärig, dauerhaft; durig, dauerhaft zum Gebrauche; künnig,^ 
kundig; häppen, gierig mit dem Munde oder Maule nach etwa^^ 
schnappen, daher häiypig, auf Erwerb erpicht, an sich raffend: ^ 
nSren, närig, nähren, nährig, übertrieben erwerbsam, besondere ^—i 
im Kleinen; Ijäsen, tjäsig, rappelig, albern geschwätzig; 
njäsig, säumig, rauderig; slörren, slörrig, nachlässig, saumselij 
fahrlässig; prausen, prausig, humpeln, hümplerisch, der mit d« 
Arbeit nicht fortkommen kann; mingen, 1. zaudern, 2. mischen 
mngig, zauderhaft; piesern, albernes Zeug sprechen, pieserig; g* 
sen, gänseln,wie eine Gans sprechen , ^ö^, gänsig, albern; slien 
slierig, schmeichlerisch, kosig; räiren, räirig, rührig; rßji 
räjddig, räthig, wer sich in Verlegenheiten immer zu rathen 
zu helfen weiss; snäken, snäkig, gesprächig, auch snäksaam; hien 
1. hören, 2. gehorchen, hierig, gehorsam, auwerhierig, das Gege 
theil davon; iieren, sich gehehrden, üntierig, ungebehrdig ; /iAs^i 
leiden mögen, lihssig, reinlich in Kleidern, u. s. w., ünliki 
unreinlich; grihssen, grausen, grihssig; iäsen, necken, foppej 
iasig, gricklich, von sich beissend; fläsen, ausplaudern , 
ausplauderisch, klatschhaft; fällen, fällig, recht ordentlich, gai 
wie es nur sein muss, dass es gut fällt; jewen, geben, jeßi* 
ergiebig; tjdweln, tjdwlig, ränkisch; spräweln, strampeln, sprawlii 
stramplig, zappelig; stjürren, steuern (wehren), stjürrig, wie 
bällstjürrig , dän. balstyrig, unbändig; dregen, dregtig, trächti( 
bändig, bändig, unbändig, unbändig; fällen, fällig, fallig, 
Schulden; läwen, leben, läweniig, lebendig; beliewen, beliewig^ 
liebig; daagen, taugen, dügtig, tüchtig; rddden, räddig, wer sic^^ 
selbst retten kann, en räddigen, wärigen Dring; strädden, gräiei 
grätschen, sträddig; stämmern, stottern, stämmerig, stotterig; 
len, spälig, von jungen Hunden und Katzen, die gerne spielt' ^***» 
siräwen , i, streben, 2. streiten, sträwig , 1. strebsam, 2. str^^"*^' 
süchtig; kiwwen, keifen, kixvwig, kcifisch; löwern, schwülen, ^^^^ 




177 

einem Gewi iter , löwerig , gewi t tersch w ül ; lieren , 1 . lernen , 2. lehren » 
üeriQy IdgtHerig^ leichtlernig» bildsam; lören, lörren, lauern, lör» 
rig, laurig, listig; söngern^ anbrennen, von Speisen, söngerig^ an- 
gelirannt; huppen, häufen, hüpig, häufig; bjawsen, bellen, bjdw^ 
siff, von Menschen, die in einem bellenden Tone um sich beissen; 
plummern, plummerig, trübe, vom Wasser, durch starkes Umrüh- 
ren; krdwweln, kriechen, kräwlig, kriecherig; fämmeln, tappen, 
fämmelig, täppisch; sjdmmern, schimmern, sjdmmerig, schimmerig, 
dämmerig, hervordämmernd. 

4. Mit der Endung isli oder sh (und er, inge). 

§. iiS. a. Aus Hauptwörtern. Dät SwinUy swinsh^ schweinisch; 
^tinnsh, hündisch; gecksh, geckisch; kinsh, kindisch, von alten 
I^euten, die wieder kindisch werden; shdlmsh, schelmisch; Mw- 
^9^elsh, himmMsch ; jdrdish, irdisch; bibelsh, biblisch ; ÄW/ai(;wsÄ , aus- 
ländisch; djngelsh, englisch; holläußnsh, holländisch; swedish.rmsish, 
P^eusish, islmjnshy sieläujnsh, seeländisch; finläujnsh, tonnersh, 
tonderisch; W/sÄ, kielisch, pommersh, arabish, holstenshy persish, 
^^uiish, ungershy römish, loimsh, grie-ish^ sdksish, bdirish, bömish, 
^^^^Utmsh y sklavisch; tjüsh, deutsch; fränsh, französisch; dänsh, 
^Änisch; frdsh, friesisch; polsh, polnisch; wdlsh, in käserwdlsh, 
*^uderwelsch. 

Die Silbe er kommt nur bei Ortsnamen vor, als: Hamburger 
Ware , Waaren ; AUonäer Bier ; Longhaurner Märked; Mler j4mslieck , 

Kieler Umschlag; Shiedammer Genewer; dät Hühssemer Märked; 

• •• 

J^ Arröer Böhser, die Arröer Butter; dät Glückstäkser Tugthüss, 

dfts Glückstädter Zuchthaus; Hälliglävjnner Shdlfdsh, Helgoländer 

Schellfisch; Lübecker Krajvgle, Lübecker Kringeln, u. s. w. Aus- 

^i*dem hat man auch noch die alte Endung inge bei Ortsnamen, 

^'ie: Lmhülm, de Lmhallinge; Fair, de Fäiringe; Sali (Silt), de 

Sillringe, der Silter; Ömrem, de Ömringe, der Amerumer; de 

^Aihüllinge, der Niebüller ; de Maure , de Mauringe ^ der Moringer; 

^ ciaibüllinge Milien, Maasbüller Mühle. Man sagt daher sowohl 

^^^inge als Rihssemer, ick bdn en Rihssinge und ick bdn en 

^^^issemer. 

1^- Aus Zeitwörtern. Bitten, bittsh, beissig; knipsh , schnip- 

P^sch ; spoten, spotsh, spöttisch; glöbsh, dän. und. hd. glubsk, 



178 

glubsch; snöwwen, hier schnauben, snäwsh, rotzig, von Pferden; 
sprigen, spräksh, i. gesprächig, 2. gut oder schlecht zu sprechen; 
jämen , sich recken und gähnen , jämsh , das Befinden nach ein^ 
rerschwelglen Nacht, dän. jamsk; wrijnshen, wiehern, wrienth^ 
i, von geilen Hengsten, 2. von einem einhodigen Hengst; humh^ 
tückisch, hinterlistig, dän. lumsk, nd. lumsch. 

5. Mit der Nachsilbe saam. 

§. 114. a. Aus Hauptwörtern, wie frügisaam^ furchtsam; iAr« 
saam, ehrsam; gewdltsaam; mäutsaam, mühsam; b. aus Zeit- 
wörtern: betänksaam, betdgtsaam , bedachtsam; wirken, wirksaam.^ 
sparen, spärsaam; snäken, snäksaam, gesprächig; ägten, ägtsaam 
graumam; näigen^ näigsaam, genügsam; c. aus Adjectiyen: iängm 
saam, langsam; ihnsaam^ einsam; sdlten, siltsaam, seltsam; gm 
miensaam, gemeinsam. 



Zusammensetzung des Bestimmungswortes. 

§. 115. Das Bestimmungswort wird auf mancherlei Weise mil 
andern Wörterklassen zusammengesetzt, wie in: Gödfrügtig, got* 
tesfürchtig; wrällkünnig, weltkundig; wrällbekännd, weltbekannt; 
lönsfiierlick , landesherrlich; mönnshnch, mannshoch; 6te/^[/iiiiik, so 
finster, wie in einem Blasebalge; fräudedrunken , freudetrunken; 
baucklierd, buchgelehrt; husswäne, hausgewohnt; lüjddrögt, loth- 
recht; ihrgitsig, ehrgeizig; ßulkrick, volkreich; sdnnbränd , son* 
nengebräunt; wähsertdgt, wasserdicht; prisswjärdig , preiswürdig; 
hcMdlüss^ kopflos; fägelfri, fehlerfrei; gjärsgräin, grasgrün; Adm* 
melwennp himmelblau; höntiingswäjtt , honigsüss; isskävjl, eiskalt; 
slijnhdrd, steinhart; fahserldgt^ federleicht; hdriensgäujd , herzens- 
gut; müssdiijdd, mausetodt; siockmäger, stockmager; spägelblänk; 
bläujdrick, blutreich, fögelfri, vogelfrei; snaurlick, schnurgerade; 
4iadelstolt^ adelstolz; shötßdrdig, schussfertig; helprick, hüUreieh; 
helplüsSy hülflos. 

§ .116. Besonders gehören hieher noch die vergleichenden und 
verstärkenden Zusammensetzungen , bei denen die Betonung sidi 
nach dem zu vergleichenden oder zu verstärkenden Gegenstande 
richtet, wie in: buhmmstark, baumstark; bläujdrüjdd, Uutroth; 



179 

blä^jung^t blutjung; blmjdsürr, blutsauer; Umjderm, blutarm; 

siaalhdrd, stahlhart; äjthsürr, essigsauer; siijnrick, steinreich; 

st^gnUjü, steinalt; safrängölü, safrangelb; pdckmrt^ pechschwarz; 

fee9iij6ck, faustdick; sp4ckij6ck, speckdick; pdckjunk, pechdunkel; 

sniemii f schnee weiss; stäirwenskrönk , sterbenskrank; stdckduf^ 

siSekbiinn, stockdumm; speckfäit, Speckfett; bäirighuch, berghoch; 

piashmjUy platschnass; düssbliek, todtenblass; issgiatt, eisglatt; 

Sjpiintemägel , splitternackt, nagelnackt; splinternäiy spUnierfunkel- 

fwi, nagelneu; lieridjtt, luriieridju, winzigklein; ijllru^dd^ feuer- 

rofth , u. s. w. 

Anmerkung, 

Viele zusammengesetzte Bestimmungswörter sind nur als abge* 

(derivata) zu betrachten , wie z. ß. göhhegtig von jö GöM- 

n Gelbsucht; lömhierlkk von Lönshiere, Landesherr; sijäpmud- 

*^cf ÄC& , von Sfjäpmudder, Stiefmutter; pöckärig, von Päckär, 

^e Pockennarbe; sdmmerspotig , von Sdmmerspöte, Sommerspros- 

Z iSnshdplick, von Lönshdpp, Landschaft, u. s. w* 

». 447. Hit einem Bestimmungs werte voran , wie in brünnrüjdd, 

'ii^^minroth; mUfrämd, wildfremd; iyliklauck, altklug; hdfigräin, 

'^Ugrün; ^ägtwenn, lichtblau, hellblau; ödtterwriess, bitterböse; 

^^^^riaietf bitterwenig; äienkiauck^ eigenklug; äienmäget, eigenge- 

^'^^^^t, selbstgemacht; bliekrvjdd, blassroth; dufstumm; dummdris- 

^ » gräingöhl, grüngelb; hdrdnekei , hartnäckig; surtpläcket ^ 

^Arzfleekig; longmönet, langmähnig; sljögineked, schlichtnackig 

kolbigen Rindern» die keine Hönier haben; wissnäsig, nase- 

; iennhmnet, dünnhäutig; tennshdnnel, dännfellig; tjöckshälet, 

ui^Huichalig; üigsidmmet, niedrigstämmig; krümmhäiset, krumm- 

lig; shießälsetf schiefhalsig , u. s. w. 

418. Ferner gehört hieher das zweite Mittelwort (Partici- 

V^'^^Vk) des Zeitwortes mit einem bestimmenden Substantiv oder 

'^d jeetiv voran , wie in sträitiggd , strohgedeckt ; surtswäsen , 

^^31'wapzgesengt; wäjlläsen, wohlgelitten; släipdrunken , schlaf trun- 

"^^^3; stijnbeläid , steinbelegt; krümmwrähsen , krummgedreht; 

'^^^^^^ämwügsen , holzumwachsen; wittbeiägen, weissbezogen ; idgtbe- 

^'^Ö^^rf, dichtbebaut; löngtägen, langgezogen; tennbesiäien , dünn- 

*®«€hlagen ; grdklähss , graugekleidet ; hdllbestracUet , hellbe- 

23 >» 



180 

strahlt; flänjddmwaaget , fiulhumwogt; rickbeiäsen, reichbeladen 
frishähm, freigeschaffen; rippbetägen, reifbezogen; ängstbenümmen 
angstbenommen; ijlidmidget, feuerumflammt ; gldttsträgen, gl&tigt 
strichen ; hdrdfräsen , hartgefroren ; siersläien , wundgeschlagen 
füngrünnen, feingemahlen; idgtbegräjn, dichtbewachsen; huchsti 
gen, hochgestiegen; diepspldn, tiefgesplissen; tienshräwen, reingc 
schrieben; ßstbünnen, festgebunden; wäjlbürgen, wohlgeborgen 
fienspünnen, feingesponnen; äjmmgnähsen , wundgerieben; shdrj, 
siähm, scharfgeschliffen; wäjlgunnd , wohlgegönnt; wäßlhekänni 
wohlbekannt; Idgtwunnen, leichtgewonnen, u. s. w. Auch da 
erste Mittelwort gehört hieher, welches sich, wie im Deutschen 
auf end endigt, als: de ißllsfpäiende Bäirig , der feuerspeiend 
Berg; de ihreliewende Mann, der ehrliebende Mann; da äielSddenc 
Hanne, die eierlegenden Hühner; huchträwend Urde, hochtrabend 
Worte ; de fläshähsende Hünn , der fleischfressende Hund ; c 
twittwäddende Wüssede, die salbadernden Frauenzimmer, u. s. iir 
§. il9. Zusammensetzungen mit iüss, rick, fri, wjärdig, fui 
fast, girrig, wallig, klauck, hdrtig, ßärdig, mmjddig, sigtig, im 
faurmig, sdnnig, rogt, wihsse, gleichen sehr den deutschen dei 
selben Art, als: kraftiüss, helplüss; lähselüss, los in den Glieden 
und Fugen; traulüss, treulos; sdftlüss,gewäteniüs8; ärwlüss, erblos 
säitlüss, salzlos; hälslüss, von Handlungen, die den Hals kosten 
Hflüss, leblos; ihrelüss , ehrlos; brüjdlüss, brotlos; brägenü» 
hirnlos; frugüüss; fäillüss, fühllos; täisiüss; shdmlüss, schaamlos 
mllüss, seelenlos; mmjdlüss, tällüss ; hdrtlüss, herzlos; urdHa 
wortlos; sd/nnlüss, sinnlos; shäselüss, schadlos; tögtlüss, gedan 
kenlos; gödlüss]^ gottlos; fidderlüss, mudderlüss; twönglüss, zwanf 
los; raucMüss, ruchlos; tijnsilüss, dienstlos; bjdrdlüss, bartlois 
grünnlüss, grundlos; smäglüss, geschmacklos: släipiüss, schlaflos 
hüddlüss, hautlos; häierlüss, haarlos; haurtUüss, hornlos; wärklüst 
schmerzlos; ämelüss, athemlos; nömelüss, namenlos, u. s. w. - 
rick, reich: urdrick, wortreich; dögedrick, tugendreich; frugtriek 
fdshrick , fäulkrick ; iierrick , lehrreich ; kjärlrick , kemreich 
holtrick; winnrick, weinreich; sdftrick, säUrick, gjdrsrick, blät^ 
rick , wähserrick , tällrick ; tögienck , gedankenreich ; sdnnrkh 
sinnreich; ijdrick, torfreich, u.s.w. — fri: töllfri, zollfrei; shäUfrt 
shölfri, schussfrei; fogelfri, vogelfrei; gewätensfri, gewissensfrei 



181 

Hjfislfr'h dienstfrei; postfri; iwön^fri, zwangfrei, u.s.w.-^wjärdig: 
prisswjärdig , preiswürdig, lobenswerth; ägiwjärdig , achtungswiirdig; 
ihrwjärdtg, ehrwürdig; sträfwjärdig ; betvunnemsv^ärdtg , u. s. w» — 
fuU: shömfull, schaamvoll; saftfull, kraflfuU, räjnkefull .ränkevoll; 
mäutefuUy mühevoll; fortijnstfull ; maujddfuli, muthvoU; kummer- 
fuli, U.S.W fast: sali fast ^ sattelfest; kapiielfäst; hänfäst, hand- 
fest; shötfäst, schussfest; ijllfäst, feuerfest; änkerfäst, grünnfäst; 
bausemfäst, bodenfest , u. s. w. — girrig : gijlgirrig, geldgierig ; hlwujd' 
girrig, maurdgirrig, mordgierig; ruwgirrtg, raubgierig, u.s.w. — 
vaUig: iijnslwdilig, dienstwillig; fHwdllig, gäujdwdllig, äienwdUig, 
mat^dwallig y u.s.w. — klauck: äienklauck, eigenklug; sSUewklauck , 
.^llklauck, dummklauck , u. s. w. — härtig : grötthdrtig , stolz ; trauhdr- 
%, ähmenhdrtig, bärmhdrtig, ünbärmhdrtig ; fäghdrtig^ feigherzig, 
.U.S.W. — fjärdig: tijnstßärdig, Idgtßärdig , räisefjärdig , shötfjärdigy 
äigelfjärdig, kumt fjärdig; spräickßärdig , sprachfertig; müssßärdig, 
maniUeriig; huchßärdig , hoffahrtig, u.s.w. — mäujddig: huchmäujd- 
4ig, hochmüthig; ijnmdvjddig , einmüthig; frimäujddig, freimüthig; 
üuwermoMJddig , übermüthig; wiehmmjddig , wehmüthig; mäsmäujd' 
dig , missmüthig, u. s. w. — s^tig, von Segt , die Sucht, wie: 
.mnimisSgtig y göhlsegtig, wähsersegtig , fälkSgtig; iwersegtig, eifer- 
süehtig; blieksSgtig , striddsegiig , u. s. w. *. — ^tn: fäulkirtn; 
bUujderm, i. blutarm, arm bis aufs Blut, 2. arm an Blut; kaum- 
.irm, komarm; urderiUy wortarm; fntgtSrm, u. s. w. — faumdg: 
ijnfaurmig, einförmig; ijnsfaurmig, einsförmig; bogefaurmig, ku- 
gelfaurmig, ringfaurmig; sndggefaurmig , schneckenförmig; stonge- 
fmrmigy stangenförmig; täpefaurmig, zapfenförmig, u. s. w. — 
sännig: Ugtsännig, shärpsdnnig, stifsdnnig, starrsinnig; käujlsän- 
nigy kaltsinnig; äiensdnnig ^ eigensinnig, u. s« w. — rogt: lußdd- 
rogt, lothrecht; wäjnkelrogt, winkelrecht; räigelrögt, regelrecht, 
u. s. w. — wihsse: krüsswihsse, kreuzweise;. lägwiJisse, schicht- 
weise; dräppwihsse, tropfenweise, u. s. w. 



^ Es gibt auch Zusammensetzungen mit segtig, welche herzu- 
leiten sind vom Verbum sie-en^ sehen, wovon jö Sigt und dät 
Sdgty Verb, sägten, zielen; z. B. kaurts^tig, widdsSgtig, klarsegtig, 
woneben aber auch kaurlsigtig u. s. w. bestehen. , Von dät Sagt 
gibt es auch Zusammensetzungen mit sägtig, wie: faarsägtig und 
Jaarsigtig, u. s. w. 



182 



Anmei^kimgen. 

Die Zusammensetzungen mit Umstands- Zahl- und Yerhältniss- 
Wörtern kommen zwar häufig vor, aber die meisten derselben 
sind von Haupt- oder Zeitwörtern abgeleitet. Die Silbe ün (un) 
steht überall, wie im Deutschen, aufhebend oder das Gegcntheil 
anzeigend, wie: ünklauck, unklug; üntyüttig, unnütz; üntofrehse^ 
unzufrieden; ünroyt; ünmdnshlick, unmenschlich; ünnemöglick ^ 
unmöglich; ünäiwcn, uneben; ünkrdstlick, unchristlich; ünpär^ 
unpaar; ütiiick, ungleich, u. s. w. Mit Zahlwörtern, wie in ^ 
ßilltg, einfältig; twifärig, i. zwiefertig, vom reifenden Getreide, 
2. misslich, zweifelhaft, bunt verwickelt; twiflauget , zweifügig, 
von einem gewebten Zeuge; ijnfärwet ^ einfarbig; tuhghienet, 
zweibeinig; en segsfdjngerien Manshe, ein sechsfingriger Mensch, 
^ras^nn^e^, dreisaitig, en tienihrigen Dring , ein zehnjähriger Knabe, 
en fiewihrs KS, eine fün^ährige Kuh , u. s. w. 

Mehrere bekommen bei der Zusammensetzung ein eingescho- 
benes s, wie: gödsforiähn^ gottesvergessen; iäwentsträt, lebens- 
müde ; läwentssätt , lebenssatt ; stäirwenskrönk , sterbenskrank ; 
wdnshensuijärt^ wünscbenswerth; äujnddgisfull , andachtsvoll, uaw. 
Besonders gehören hieher die von solchen Substantiven abge» 
leiteten Adjective, wo die Hauptwörter sich auf ing, ^shapp und 
häid endigen, als: erfäringsrick, erfahrungsreich; hiershappsmäsig, 
berrschaftsmässig; frihmdsliewend, freiheitsliebend. 

Das Adjectivum frcden, nd. friens^ von fräien, steht als reines 
Bestimmungswort, ohne Zeitbegriff, und bedeutet: heirathssüchtig. 



Abänderung des Bestimmungswortes. 

§. 420. Nur wenn es vor dem Hauptworte steht, leidet es im 
männlichen Geschlechte und in der Mehrheit eine unbedeutende 
Abänderung, die bloss darin besteht, dass man demselben bei 
dem bestimmten Geschlechtsworte ein e anhängt, und mit dem 
unbestimmten ihm die Endung en giebt, z.B. de grötte Mann, 
en grotten Mann, da grötte Mann; weiblich und sächlich: jö groU 
Gaus, dät grött Hüss, pl. da grötte Gäts, da grötte Hühssinge, en 
grött Gä/us, en grött Hüss, pl. grött Gäis, grött Hühssinge. 



183 

Abänderung: Einheit, männlich , 1 Fall, de grotte^ 2. Fall, de 
grottes, wenn es absolut steht; weiblich, I.Fall, jö grött, 2. jö 
gr-ctts; sächlich, dat grött, dät grolls; pl. da grotte, Genitiv, da 
ff9^ttes. Weder mit dem bestimmten , noch mit dem unbestimmten 
Gcschlechtsworte wird das Adjectiv je abgeändert, wenn es bei 
dem Hauptworte steht , und dieses bekommt dann in beiden Zah- 
len das Zeichen des zweiten Falles, nämlich ein s, angehängt, 
al$: de ricke Monns Sahn, des reichen Mannes Sohn; jö läjtt 
Jf^^mmens Süster, des kleinen Mädchens Schwester; dat suhrt 
jS^Jioips Laumme; da lajtte Dringes Fiddere, der kleinen Knaben 
"Vater. Auf diese Weise wird jedes regelmässige Adjectivum ab- 
^^ndert. 

Diejenigen , w eiche sich auf et endigen , bekommen im männ- 
lichen Geschlechte und in der Mehrheit die Endung de, wenn 
sl€ das bestimmte Geschlechtswort vor sich haben, wie z. B. 
i^rmckei: jö Waucket Köwel, der bunte Weiberrock; dät braucket 
J^^a, die bunte Farbe; de brauckede Rock, da brauckede Kiuhse, 
die bunten Kleider. Ohne Geschlechtswort: braucket Kluhse; mit 
clem unbestimmten Artikel: en braucket Twefig, eine bunte Färse; 
cn braucket Kulew, ein buntes Kalb. Dagegen beim männlichen 
Geschlecht: en braucketen Rock, en braucketen Hdjnst, ein buntes 
I^fepd. Dasselbe gilt von dem zweiten Mittelworte auf et, wenn 
es bestimmungswörtlich steht, wie z. B. plaget: en plägeten Manshe, 
^e piägede Manshe, da plägede Mdnshene. 

Folgende, die sich auf/* endigen, verwandeln diesen Buchstaben 
^^ u, als: duf, gröf, siiff, shief, kief, lieft struf, taub, grob, 
^^eif, schief, überdrüssig, lieb, straff, als: de duwe Mdnn, jö 
duw Wöffi dat duw Bjarn, pl. da duwe Bjame, dät stiw Bijn, 
^as steife Bein; de shiewe Sträg, der schiefe Strich; de liewe 
ß^, der liebe Gott; da kiewe Stünne, die langweiligen Stunden; 
^^t grow Länert , die grobe Leinewand; da growe Kluhse, die 
g'Hjben Kleider; de shiewe Hals; de struwe Tögel , der straffe 
Zügel , u. s. w. 

Die beiden Wörter gäujd (gut) und käujl (kalt) verlieren den 
Umlaut und dasj, wenn sie vor dem Hauptworte stehen, und bei 
icLujd geht das d in das sanfte hs über, als: de M&nn as gäujd, 
^^ gauhse Mann, en gauhsen Mann ; gauhs Mdnshene, dägauhseMän* 



184 

shme; dät gauhs Bauck, da gauhse Bauche; de Wonter as kä^jl, 
de iaule Wonler, en kwuien Wonter; jö kwul Haujnnj da ka/uk 
Häujnne, 

Nachstehende, die sich auf 55 (sz) endigen, verlieren den Um 
laut, und lassen das ss in das weiche hs übergehen; es sind. 
lüss, snüsSf wriess, hüss, Hess, los, nett, zornig, heiser, leidl 
als: deiuhse Pule, de snuhse Mdnshe, de wrehse Fidder, en wr4M 
sen Mönn, de huhse Dring, u. s. w. 

Die Wörter huch, roch, hlöch^ fach, driech, hoch, rauch (b« 
haart) , blöde , bange , verschlagsam , lassen ihr ch in g übergehe:« 
wenn sie dem Hauptworte vorgesetzt werden, als: dehugeBäir^m 
jö huhg Türm, dät huhg Hüss, pl. da huge Bäirige, u. s. w.; c 
röge Ramm, der rauche Widder; de blöge Jönge, de fuge Tiener^ 
de driege Trolling, das verschlagsame Brot. 

Adjective mit der Endung elt behalten ihr t, auch in der Mehr« 
heit, wie döwelt, als: de döwelte Söme; de tröwelte Trqjddf Act 
dreifach gezwirnte Faden; de spaawelte Urder, der weiss und 
gelb gesprenkelte Enterich ; da prägelte Hose , die gestrickten 
Strümpfe, u. s. w. 

Adjective auf en gehen nach der Regel, z. B. tarnen, wer sich 
nicht zu etwas bezähmen kann, als: de tämene Fidder, jö tämm 
Mudder; de stäjllene Häge, en stäjllenen Häge, eiserner Haken; jS 
stabilen Faurk, die eiserne Gabel; en stabilen Faurk; da stäjllmu 
Faurke, stäjllen Faurke, eiserne Gabeln. Ebenso beim zweiten 
Mittel Worte auf en, wie de grünnene Rogge, der gemahlene Rog- 
gen ; jö trügen uigs , die gebrochene Axt , u. s. w. 

Diejenigen Adjective, welche sich auf einen Yocal endigen, 
werden regelmässig abgeändert, nur muss derselbe scharf betont 
werden, als: fn, frei, ra, roh, grd, grau, wie, übel, spie, zart« 
läi, lau, laai, faul, näi, neu, nai, nah, shu, scheu, wru, brün- 
stig, von Säuen. De fri-e Mönn, en frien M5nn, da frie ä/änUs: 
so auch de rde Shdjnkel, der rohe Schinken, en rden Shajnkei 
und ebenso bei den übrigen: de^ra^, en^ra^, de wiee, cn tme» 
de spiee, en spieen, de läie, en läien, de laaie, en laaien, de nak^ 
en näien, de näie, en näien, de shue, en shuen, dk wrue Sdg^ 
die brünstigen Säue. 

Das einzige Adjeclivum stäkeis, arm, bedauernswürdig, voi 



185 

de Stükel, erleidet nie eine Abänderung, in welchem Geschlechte 
und welcher Zahl es auch stehen mag, als: de stäkeh Dring, 
a. Mkels Dringe, en stäkeis ermen Jfdnshe; jö stäkeis Wüssed, 
LS arme Frauenzimmer, u. s. w. 
Hinter den Hauptwörtern oder nach denselben stehend, be- 
Imalten alle Bestimmungswörter ihre unveränderte Form , und eben- 
im weiblichen und sächlichen Geschlecht in der Einheit, wenn 
denselben vorgesetzt werden. 
Die Abänderung ohne Geschlechtswort kommt meistens nur in 
d<Nr Anrede vor, als: gauhse Früwn, wdt waht? guter Freund, was 
illst du? tiille Stäkel, kam md, alter Armer, komm mit! Liewe 
^rauhser, pl. liewe Brauhsere, lieben Brüder; liew SUster, w4hs 
wriess, liebe Schwester, sei nicht böse. — Unverändert steht 
das Adjectiv, ohne Geschlechtswort, in der Mehrheit, wenn man 
allgemein spricht, wie z. B. huhg Jfelkne häwe de mäste Winn* 
/Ü119, hohe Mühlen haben den meisten Windfang; üjll Fävik kan 
harn äi sellew helpe; ahmen Möhre läjtte Winn in, offne Mauern 
l^flsen Wind ein. 

Steht ein bestimmtes Zahlwort vor dem Bestimmungsworte, 
80 wird das letztere nicht abgeändert, als: twäier grott Hünne, 
2Wei grosse Hunde; tuhgjung Kälte, zwei junge Katzen; iräbrünn 
Ba^nste, drei braune Pferde; fiew üjll Secke, fünf alte Säcke; 
^d riijdd ^ple, drei rothe Aepfel; twäier ^nkre Bier, zwei An- 
^er Bier ; tri blank Daalere , drei blanke Thaler ; hunnert nai 
•^Qucke, hundert neue Bücher. Nur das Zahlwort an macht hier- 
von eine Ausnahme, als: an Idjlten Fögel , ein kleiner Vogel; 
^^ gauhsen Uwnshe hm ick dog fünnen, einen guten Menschen 
^ftbe ich doch gefunden; an Mann as nög faar ijn Wöff , ein 
Uaiin ist genug für eine Frau. Der zweite Fall hat auch hier 
^iu «, wie z. B. an gauhsen Manshes Help as bähsere, as tien 
Siüngeles, eines guten Menschen Hülfeist besser, als die von zehn 
^hlingeln. Dasselbe gilt von dem allgemeinen Zahlworte nän 
(kein), als: dät as nän üjllen MSnn, das ist kein alter Mann; nän 
9^oitm Shäse, kein grosser Schade; ebenso: jö Ko het nän Ion- 
9^^ Stjärt, die Kuh hat keinen langen Schwanz; de Hünn hei 
^^n> sp<issen Töle, der Hund hat kein spitzes Maul; hähst nän 

24 



1»6 

näien Rögge? hast du keinen neuen Roggen? nän näien Bihrf 
nän üjllen Säihs? u. s. w. 

Die zueigneijiden Fürwörter: man, mein, ddn, dein, sdn, sein 
harren, ihr, im männlichen, und min, din, sin, harr, im weibli 
chen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit, so wü 
unken und junken im männlichen, unk und junk im weiblicbes 
Geschlechte der Zweiheit(im Dualis), und ühsen (unser) im mJknm 
liehen, so wie ühs, jdrringe und jdre im weiblichen und säehlichca 
Geschlechte und in der Mehrheit, bewirken dieselbe Abänderu« 
des Bestimmungswortes, wie das Geschlechtswort, was eben« 
in der Apposition beim persönlichen Fürworte: ick, do, he, d& 
hat, jff, pl. we, jdm, jd, wdt und jdi gilt, nur dass bei den !&& 
tem der zweite Fall fehlt. Einige Beispiele mögen diess erläu- 
tern, als: mdn Srme ßrauhser, ddn witte Häujdd, sdn Idjtte Nor- 
bdcker, hdrren kronke Sahn, meiti armer Bruder, dein weisser Hot, 
sein kleiner Norbacker (Pony), ihr kranker Sohn; im Pluratiis: 
min, din, sin, hdrr für alle. Weiblich und sächlich: min bräiHb 
Dögter, din üjll Hüss, sin jung Wo ff, hdrr ndi Kapp, pl. minbraawi 
Dögtere, dvn üjlle Hühssinge, u. s. w. Dualis: unken näie Wäien^ 
unser (beiden) Wagen; junken ricke Fidder, euer (beiden) reiehei 
Vater; weiblich und sächlich: unk kränk Süster, junk wiU Ajei, 
unsre kranke Schwester , eure weisse Stute ; pl. unk näie Siäiwle^ 
unsre neuen Stiefeln ; junk gräine Rocke , eure grünen Röcke, u, s. w.; 
ühsen grotie Tünn , unser grosser Garten; weiblich und sächlich: ihi 
grd Gaus, unsre graue Gans; ühs fätt Sioinn, unser fettes Schwein, 
pl. ühs grde Gäis, ühs fälle Swinn; jdrringe grölte Klämp, euei 
grosser Schober; jdre gräin Hüss, ihr grünes Haus; jdrringe sukri 
Shäip, euer schwarzes Schaf; jdrringe düjdde Shdip, eure todten 
Schafe, u. s. w. Ick erme Mönn, ich armer Mann; me inm 
Mönn, mir armen Manne, und: mich armen Mann; do erme StaM 
du armer Wicht ; üss erme Mann , uns armen Männern , und : unr 
arme Männer; de erme Mönn, dir und dich armen Mann; dB 
erem Fdmmen, dir armen und dich armes Mädchen; we imm 
Mdnshene, üss Srme Mdnshene, jd erme Stäkle, sie armen Wichte 
u. s.w. Dualis: wdt erme Dringe, wir zwei arme Knaben; JG 
erme Jöngens, ihr zwei arme Jungen; unk erme Stäkle, uns zw* 



187 

armen Wichten; junk erme ßldnshene, euch zwei armen Menschen, 
uind: euch zwei arme Menschen. 

Sie allgemeinen Zahlwörter: alle, faale, mdnning, haaw, fmn, 
^9/^, Wei, alle, viel und viele, einige, keinen, keine, wenig 
und wenige, wohin auch sdm, etliche, gehört, werden so ge- 
Jbrauaht: all mm rüjdde winn ds drunkeUi all mein rother Wein 
t getrunken; all min göhl Böhser ds dp, alle meine gelhe Butter 
auf, nämlich verzehrt; alle gauhse Mdnshene bähsige an büe, 
«ille gute Menschen heten und arbeiten; hähst dö> faale suhrl 
^Siaiwrke sqjnF hast du viele schwarze Störche gesehen? he het 
"ww^^anning suhrt Hdjnste käfty er hat viele schwarze Pferde gekauft; 
Ji häw haaw tvitt Spärrige säjn, ich habe einige weisse Sperlinge 
; ick häw all haaw jung Laumme s^n, ich habe schon 
nige junge Lämmer gesehen; he het nän grollen Tünn bäi 't 
^to, er hat keinen grossen Garten am Haus; jö hSt nijn näi 
an Smdcke säid, sie hat keine neue Manns- und Weiber- 
!::■. runden genäht ; he het man läiet rvjdd Ke , aur$ faale grd , er hat 
mjur wenig rothe Kühe, aber viele graue; sdm üjll Mdnshene siee 
e OS manning *n jungen Twitter , einige alte Leute sehen 
, als mancher junge Bursche; hähst noch mörr üjllen WinnF 
du noch mehr alten Wein? 



Anmerkungen. 

i. Eine Eigenheit der uordfriesischen Sprache ist es, dass sie 
^ueh dem zueignenden Fürworte das Geschlechtswort dann vor- 
letzt, wenn nach jenem ein Adjeclivum folgt, als: de man Idjtle 
X>nn^, mein kleiner Knabe; jö din grott Ddgter, deine grosse 
1*oeliter; de sdn grotte äujnnete Jdnge, sein grosser unartiger Jun- 
ge; de ddn grde Rock, dein grauer Rock; de harren kränke Brauh- 
^^9 ihr kranker Bruder; jö min Idjtt Getren, meine kleine Gatha- 
'ine; de ddn rüßdde Kräjdder, dein rother Hahn. Sogar wenn 
das Pronomen possessivum allein vor dem Hauptworte steht, 
^Ul man oft demselben auch noch das Geschlechtswort vor, 
•*.B. de man Dring, jö min Ddgter, u. s. w., was aber nicht zu 
'^gen sein dürfte. Man sagt aber auch ohne Geschlechtswort: 
*"*» Shauchf min Döww, hdrren Häujd, hdr Short, unken Wäien, 
^k Gijl^ ühsen Hünn, jdrringe Bjdrne, ühs Jöngense, 

24* 



188 

2. Stehen mehrere Adjeetive vor einem Hauptworte, welche 
dasselbe näher bestimmen, so werden sie immer wie das erste 
abgeändert, je nachdem Geschlecht und Zahl es erfordern, z. B. 
de iijUe, däsige Mönn, der alte alberne Mann; de Idjtte, suhrte, 
wänlicke Hünn, der kleine, schwarze, freundliche Hund; enldjtten, 
suhrten, wdnlicken Hünn, dat lajtt n^ogsig, fordürwen Krät, das 
kleine, schmutzige, verdorbene Ding. 



Die Steigerung (Comparalio). 

§. 121. Der gewöhnliche Stand des Bestimmungswortes (Posi- 
tivus} wird dadurch in den vergleichenden (Comparativus) erho- 
ben, dass man jenem die Silbe ere anhängt, und der höchste 
Stand (Superlativus) wird durch ein angehängtes st gebildet , 
wie: läig, läigere , läigst , niedrig; fast, f ästete , fastest, fest; 
string, stringerc, stringst, strenge; diep^ diepere, diepst, tief, u.s.w. 

Folgende sind mehr oder weniger unregelmässig. 

driech, driegere, driechst, verschlagsam , lange vorhaltend, dän. 
dröi; blöch, blögere, blöchst, blöde; roch, rögere, röchst, rauch; 
huch, hugere, huchst, hoch; fuch, fug ere ^ fuchst, bange; gm^, 
bähsere, beest, gut; käujl, kaulere y käujlst und kauist, kalt; duf, 
duwere, dufst, taub; stiff, stiwwere, stifst , steif; gröf, grawere, 
grofst, grob; shief, shiewere, shiefst^ schief; struf, slruwere, strufst, 
straff; lüss, lusere, lasest, los; snüss, snusere, snusest, nett; fier, 
fdrre, fdrrest, fern, auch fier ere, fier st (im Räume, jenes in der 
Zeit); wriesSy wresere, wresest, böse, zornig; äirig, erre^ errigtdt, 

9 

arg; nai^ nirre, näist, nahe; iijll, allere, älst, alt; long, längere, 
längst, lang; lähs, lähsere, lest^ spät; faale, mörr, mäst, viel; 
läiet, mdnnere, mannst ^ wenig; mdnning, mörr, mäst^ viel, man- 
che; edder, ihr^järst, früh; öfling, öfiingere, dftingst, oft; bück^^ 
ket, bückedere, buckelst, dick, und so bei allen, die sich auf e^ 
endigen, wie braucket, brauckedere, braucketst, bunt; und eben* 
so beim zweiten Mittel worte des regelmässigen Zeitwortes auf 
et , wie bedröwwet, bedrüwwedere , bedröwwetst, betrübt; huppet, 
huppedere, huppetst, gehäuft. Alle übrigen sind regelmässig und 
bekommen nie den Umlaut. 



189 



Einige Klangsynonymen. 

§. i22. Witt, weiss, widd, weit; läi, lau, laai, faul, träge; 
/tinÄ;» dunkel, ^'tinX:, euch beide, euch beiden; hall, hell, hälly 
gerne; swär, schwer, swär! antworte; Idbben, lebendig, lebhaft, 
läbben, släbben, auflecken; fätt, fett, dat Fat, das Fass, die 
Schüssel; segty seicht, segt, gesucht, jö SSgt^ die Sucht; gläi, 
froh, glaai! schlüpfe; rick, reich, rieck! räuchere; säti, satt, 
satt, sitze; bär^ entblösst, baar, haar vom Gelde; wdss, gewiss, 

A. 

was, war; lack, leck, dat Lack, der Lack; Sdder, früh, de Ed- 
der, die Ader; lähs, spät, /eeAs/ lies; string, strenge, de String, 
der Strang; noch, noch, nö^, i. genug, 2. gar, 5. wohl, als: 
iek bdn hirr noch, ich bin noch hier; dät as nog, das ist 
genug; dat Flash as nog, das Fleisch ist gar; trau, treu, trau 
hdm äi! traue ihm nicht; sidd, zu lang, von Kleidern, jö Sidd, 
die Seite; sdnnig, sinnig, sahnig, sehnig; hüss, heiser, deHühs, 
die Heimath; stijnnen, steinern, ja stijnnen, sie standen, ick häw 
sUjnnen, ich habe gestanden; allem , ellern, aus EUernholz, al- 
lem ^ altem, Verb.; kief, überdrüssig, dät Kiff, die Keife, von 
keifen; ßllig, ordentlich, gebührlich, f dllig ^ fällig, von Schulden; 
saalig, selig, sdlig, nur halb klug; wägsen, wächsern, wägsen, 
erwachsen, (unkA^en, gewachsen); wriess , böse, ick wriess , ich 
drehete, von wrihssen; röjdd, roth, AsxRuit, eine Krankheit des 
Rindviehes, die vom Blute herrührt; irüff, recht gesund, tröww! 
drohe; bdtter, bitter, bdtt *r? beisst er; dat Lähser^ das Leder, 
lähsere, später; deJönge, der Junge, Knabe, de Junge, der Junge, 
Jüngere; stäjllen, eisern, jVi stäjllen, sie stahlen. 



Sinnverwandte Wörter aus den Adjectiven, 

§. i25. i. Vom Befinden: maai, so ziemlich, erträglich; äselick, 
nur sehr mittelmässig; idmplick, nur so so! hijnn, schlecht. 

2. Sünn, gesund, tähss, ziemlich gesund, trüff, kerngesund. 

3. Snurrig^ kortsmliig, klöftig, drollig, Kortsmllig, von jö KortS' 
will, die Kurzweil, heisst auch überhaupt spasshaft, scherzhaft; 
Uößig ist am nächsten mit drollig verwfindt, enthält aber zu- 



190 

gleich den Nebenbegriff des Sinnreichen, ünerwarlelen und üe- 
berraschenden in sich , wie jö Klöfi, aus welchem Worte es 
gebildet ist, dän. klögtig, von klög (klug), en Klögt, wörtlich die 
Klugt; snurrig und drollig, wie im Deutschen. 

4. Sörr, bäish, bitter, struf, härsh, Sörr oder surr, sauer; 
bäish, widerlich sauer und bitter, wie z. B. der Wermuth, ^u 
alt gewordner Rahm und die daraus bereitete Butter; bäJter^ bit- 
ter; struf, stramm, herbe; härsh, ranzig. 

5. Trung, önglkk, angst, fach, shu , fäg, mäiijdlüss. Trung 
(trong) bezeichnet besonders die Beengung der Brust, welche die 
Furcht mit sich führt, daher auch noch tt^ngburstig für engbrü- 
stig; önglick, die innere Angst, und ein unheimliches Furchtg^- 
fühl, das sich im Blicke zeigt, daher: he tauchet so önglick, et 
sieht so angstvoll; angst, wie im Deutschen; fuch, das plötzliche 
Erbangen, so auch forshrdcket, erschrocken; shu, scheu; mäujä- 
lüss^ muthlos. 

6. Sharp, string, scharf, strenge; Shärphäid, Stringhäid, 

7. Klien, tenn, shrtynkel, Klien ist dünn und schwach, aiißb 
klein; sonst ist klein aber Idjit, nd. lüjtt, als: en Idjtten Hunt^, 
en loßtt Stock; t&nn, dünn; shräjnkel, dünn und schwach vpjp 

[ Beinen; shrdjnkelbienet , dünnbeinig; wdt kaurt an klien mögen, et- 
was kurz und klein machen. 

8. Gäujd, ordentlich^ trau, fällig, von Arbeiten, die man (hu^ 
und macht. Ordentlick, trau und gäujd entsprechen den deutschen 
Wörtern: ordentlich, treu und gut; fällig und to Gägens, jsa, 
dass nichts daran auszusetzen gefunden werden kann. 

9. Lüjddrögt, sdjnkrogt^ lick dp an dähl, lothrecht, senkrecht, 
gerade auf und nieder. 

iO. Stramm, stramm, struf, straff, när, enge, knäp, knapp. 

ii. Trästlüss, trostlos, ünträstlick, untröstlich. 

i2. Mal, wriess, bister, dpbrögt, ünwdllig, täsig, hdflig, mll, 
forbdttert. Mal, toll, mälhaadet, mal äujn 't Haad, tollköpfig, 
jähzornig; en mal Läwent, ein tolles Leben; en malen Jönge, 
ein wilder Junge; tvriess , zornig; bister, ganz in Harnisch; 
dpbrögt, aufgebracht; ünwdllig, unwillig; täsig, gricklich, von 
tosen, necken; hdflig, heftig, will, wild, forbdttert, erbittert. 

13. Hijnn, schlecht, eldndig , elend, grämlich, grämlich, klag- 



191 

dick, kläglich, von klagen; dätsjogt man hijnn, eldndig, grämlkk, 
Mcläglick ütU 

14. Länig, biegsam, gelenkig; smiesig, geschmeidig. 

15. Plump, plump; njöl, häwen fällig, Njöl bezeichnet den 
höchsten Grad der Plumpheit, Derbheit und Scbwerfälligkeit ; 
F9 Owen fällig bezieht sich mehr auf das Ungeschlachte und Töl- 
pelhafte im Benehmen. 

16. Däsig, albern, ijnfujlUg , einrältig, hulewbägen ^ halbge- 
backen, nur halb klug; wdlsh, welsch, quersinnig; auwerlänsh, 
^aivörüich: oberländisch, womit man einen Menschen bezeichnet, 
der sich albern und übermüthig, kurz, wie ein Narr geberdet, 
tind Nichtachtung oder gar Geringschätzung gegen Andere dabei 
zeigt. 

17. Bedeget, üjll, ällerägtig, toihrs, üttläwet. BedSget, betagt, 
^il^ alt, ällerägtig, ältlich, toihrs, bei Jahren, üUldwet, abgelebt. 

18. Ndtt, nett, snüss , geschniegelt, propre, sauber, flaid, 
geputzt, wijllig, stjülUg, staatlick, stattlich; dpflaid^ in Bezug auf 
die Kleidung , wijllig und stjülUg beziehen sich besonders auf 
dcte bunten Farben Wechsel im Schmucke oder Anzüge, stoütlick 
auf Pracht und Kostbarkeit; dpfläid, aufgeputzt, herausgeputzt, 
von flaien, i. ausbessern, 2. aufputzen; smuck, hübsch. 

19. Braucket, bunt, sprdjnkelt, gesprenkelt, spaawelt, gelbge- 
^pr'cnkelt auf weissem Grunde, spötet, scheckig, placket, fleckig. 

20. GöddlüsSy gottlos, godsforjähn, gottesvergessen , raucklüss, 
^f'Uchlos, fohl, boshaft. 

2i. 6n/t£$/ic/;, grässlich, hässlick, hässlich,a6$^ätiItcA;, absehen- 

22. GröUshf wörtlich: grössisch, grotthdrtig, huchßärdig, huck- 
^^clvjddig, lauter Bezeichnungen für die verschiedenen Arten und 
^^adc des Stolzes, die sich leicht übersetzen lassen. 

25. Stüjnsh , zurückstossend stolz und kalt , dän. sprynsk ; 
^'^^ähpsh oder knipsh, schnippisch. 

24. Käim, geziert blöde; sdmper, geziert, zimperlich, spar- 
^^m im Zulangen, wenn etwas zum Genüsse dargeboten wird; 
^Äif» ist auch empfindlich. 

25. Sannig, sinnig, faarsdgtig, vorsichtig, betögtsaam, bedacht- 
sam. 



192 

26. Mmjddig^ muthig, tapper, tapfer, forwaagen, verwegen » 
dristig, dreist, kriess, keck, kühn. 

27. Ünaardig, unartig, mhöfflick, unhöflich, ünforshaumet , 
unverschämt. 

28. Drunken, trunken, besähm, besoffen, berühsset, berauscht, 
beshängd, wörtlich: beschenkt. 

29. Gäujd, gut, wäjl, wohl, braaw, brav. 

50. Dügtig, tüchtig, drd flick, trefflich, yon dräwen, treffen. 

51. Käserwdlsh, kauderwelsch, ündötlickf undeutlich. 

52. Twdrr, quer, wrdhsen, verdreht, krümm, krumm, shief, 
schief. 

55. Kätyl, kalt, kjölig, käiiig, kühl, läi , lau. 

54. Tämm, zahm, meek, überaus zahm, kirre, von Hausthie* 
ren, als: en meken Udjnst, ein Pferd, das sich jede Behandlung 
gefallen lässt, wenn sie nicht in Grausamkeit ausartet. 

55. Klüm, klamm, fugtig , feucht, wäjU, nass; de Wäji, die 
Nässe. 

56. Klamm, stiff , forkolligt. Klomm, steif, vor Kälte, stiff, steif, 
forkölligt, fast vor Kälte umgekommen; forkolligen , vor Kälte 
umkommen; forklaamen, von klomm. 

57. Kränk, krank, krönklick, swäck, schwach, swäcklick, än- 
s&nn, ungesund, shrdwlicky nichts vertragen könnend, ohne zu 
kränkeln. 

58. Wärm, warm, hijU, heiss, läi, lau; de Wärmd, de JLdta, 
ein lauer, schützender Ort; de HßiJU, die Hitze. 

59. Labten, i. lebendig, 2. lebhaft; hädder, heiter, läwentig, 
lebendig, noch am Leben. 

40. Hastig, hastig, slönig, schleunig, wiecker, wacker, gdw, 
geschwind. 

4i. Mörrig, mürbe, nög oder noch, i. genug, 2. gar, von ge- 
kochten Speisen; mörrig Flash, mürbes Fleisch, dät Flash as noch, 
das Fleisch ist gar; das Gegentheil von rd, roh. 

42. Mörrig, s. o.; röset, faul, verfault, hröglick, brüchlich; 
rdset, vom Holze, morsch. 

45. Nägel, bar, bar, amen, Nägel ist nackt; bar, bar und 
am,en, bloss, bar, unbedeckt; amen ist übrigens: offen, und ist 
das Gegentheil von dicht, und von zu oder geschlossen. Man 



195 

m^t : barbienet und bärfäujttet , so wie ämenhaadet statt 6ar* 
der nägelhaadeL 

44. Läig, niedrig» diep, tief, sA^» schroff, steil, steil. Die 
ilie Tiefe eines Sees oder irgend eines Gewässers ist dat 
'ßiöTf und diess ist auch der ursprüngliche Hauptbegriff in dem 
^Kiglischen Worte a shore, nämlich ein schroffes oder jähes Ufer. 
>^t gongt shör dp an dähl, jähe auf und nieder. 

45. Jöhr, theuer, kostbaar, kostbar. Aus jökr wird de Jöhrke^ 
Ler theure oder zu hohe Preis, welches Wort auch für Theurung 
gebraucht werden kann, sonst joAr Tidde, theure Zeiten, genannt. 

46. i)d^/icfc, deutlich, klär^ klar, begripplick, begreiflich, fäfise- 
ick, fasslich. 

47. Klär, ßärdig. Klär, fertig mit etwas, ßdrdig, fertig in 
^twas, als: Ick bdn klär md min u/rbed, ich bin mit meiner Ar- 
beit fertig; he ds ßärdig äujn't Rägnen, er ist fertig, geübt im 
Etechnen; tö *t Ihnne oder to *t Jjnne, zu Ende. 

48. Aiwen, sljogt, fläck. Jliwen, eben, von Flächen; sliogt, 
schlicht; fläck, flach, seicht, vom Wasser: äw äiwen Sljögte, ist 
^hue alle Veranlassung, ohne eine erkennbare Ursache, wie e. B. 
^« slaug ine dw äiwen Sljogte, er schlug mich ohne alle Veranlas- 
sung dazu; he fSll äw äiwen Sljögte, er fiel ohne Anstoss; dät 
^^^U4fn äw äiwen Sljögte, es kam von selbst, u. s. w. Sijögt und 
^äfiQ steht auch für schlecht, niedrig, als: en sljogteuy en läigen 
S^VYi^, ein schlechter, niedriger Streich. 

'49. Aiwen, sägt, sdnnig, md Ldmpe, älläiwen. Jliwen^ leise 
>Xk Sprechen und Gehen; beim Sprechen das Gegentheil von 
^^ötlem, laut, beim Gehen von gdw, hastig, geschwind; sdnnig, 
^Onig, ohne Geräusch; älläiwen, allmählig; ifler 'e Hävjnn, nach 
^x^fl nach; md Lampe, mit Glimpf, gelinde; huhm md wdt Idmpen^ 
Stünde mit etwas verfahren, huhm efter en Ausern Idmpen, sich 
^^t^h einem fügen. Äiiven, als Adverbium, ist eben» neulich, als: 
^^ hit hirr äiwen wähn, er ist eben hier gewesen. 

SKK Sierem, swär^ hdrd. Sierem, stark, nachdrücklich beim 
kollagen, en siermen Slieck, ein heftiger, schmerzhafter Schlag; 
^rostandswörtlich ist es: sehr, als: he ds sierem rick , sierem 
*^««A, sierem mal, er ist sehr reich, krank, entrüstet; swär, 
^hwer; hdrd, hart. 

26 



194^ 

5i. Äiensdnnigj eigensinnig, äimwallig, eigenwillig, menrßjd- 
dig, eigenräthig, wähserwannig statt wähserwijnnig , wetterwen- 
disch. Ferner: twdrr, quer, twdrsdnnig, quersinnig, hdrdnSket, 
hartnäckig, starrköpfig. 

52. JSftig , von jewen , geben , abwerfen , ist ergiebig , vom 
Cetreide und von Feldfrüchten; frugtbaar, fruchtbar, vom Boden. 

55. Tmfärig {twißdrdig), zwieferlig , t»fz/tcA; , ungleich, brauche, 
bunt. Twißdrdig sagt man vom Getreide, das gleichzeitig gesäet 
worden ist, aber nicht gleichzeitig reift, z. B. Hafer auf einem 
und demselben Acker. Auch gebraucht man tmfärig von Sachen, 
deren Ausgang noch zweifelhaft ist, und sagt dann: dät ^ogt 
noch tmfärig ütt! dät sjogt brauchet ütt! es sieht bunt aus. 

54. Laaiy traug^ löngsaam, Laai, faul, traug, träge, beson- 
ders von demjenigen, der schwer an die Arbeit zu bringen ist; 
längsaam, langsam. 

55. Twidöhssig, zweideutig, forblömet, verblümt, ünäientliekf 
uneigentlich. 

56. Ndw, genau, gitsig, geizig, trönglick, filzig, knauserig, 
knäp, karg. 

57. Gröf, grob, ünforshaamet, unverschämt, shömlüss, schaam- 
los. 

58. Främdy fremd, ütt/ävjnsh, ausländisch, auwerlänsh, s. o. 

59. Jung, jung, frish, frisch, näi, neu. 

CO. Edder, früh, tiddig, zeitig, tisnög [tidsnog), früh genug; 
das Gegentheil ist /ä//s, spät. 

6i. Bloch, blöde, trung, bange, foriägen, verlegen, befangen; 
Cregentheil: dristig, dreist, frimäujddig, freimüthig. 

G2. Hijlj ganz, fulhtdndig, vollständig; hijl en all, ganz und 
gar. 

63. Tjöglick, von tjöck, dick, etwas beleibt, kröppet, beleibt, 
bücket, dick , däilick , von däien, gedeihlich, Subst. jö Däged; 
unnersdtsig, untersetzt, vierschrötig, tjöck ^ dick, nur von Sachen 
und Schwängern, bücket, von Menschen und Thieren , aus de 
Bück, der Bauch. 

64. Bequähm^ bequem, miklick, gemächlich, topäss, zupass. 

65. jäagtem, nüchtern, wenn man des Morgens noch nichts 
genossen hat, ähserig, nüchtern, wenn man nicht besoffen ist. 



195 

. Häll^ gerne y wdllig, willig, ga4ijdwdllig , gutwillig. 
, Nijdlick {nüjdlick), kummerlkk, när , inknähm , sind besonders 
erwandt, wenn von einem kümmerlichen Sitze die Rede ist; 
ck, von Nüjd (Noth), wenn man sich nur mit genauer Noth 
Q und bewegen kann; när, eng, inknähm, eingekniffen. 

Ldm, lahm, hält, hinkend, daher: Immen, lahm gehen, 
imen, erlahmen und lähmen ; hoßnken, auf einem Beine hüpfen; 
n» hinken. 

Wiehf übel zum Erbrechen, weh, mel, übel , hijnn to- 
\8, schlecht zu Muthe. Wärk- an WiehdSge, Schmerz- und 
agc. 

l^ägt, licht, hall, hell, klär, klar; daher Ijögten, leuchten, 
lo^er, die Leuchte; der Leuchter ist de Stänjnner, d. i. der 
ir. 

Fähs, äujnnet (ünnjött), üngetaagen, will, üUiel, fortägen, 

^dig. Lauter Unarten der Kinder bezeichnend. Fahs, kin- 

albern aus Yerzogenheit, äujnnet, ungehorsam und unnütz, 

aagen, ungezogen, wi/i, wild, üttlSl, ausgelassen, forlägm, 

»gen, ünaardig, unartig. 

. Marsh, barsch, string, strenge, wriess, böse, unwillig. 
. £oll, stumpf an der Schneide; slump oder stumpet be- 
net den Mangel der Spitze an einem Dinge. Das Gegen theil 
boil ist Sharp, von stumpet und butt, spdss, spitz. 

Gröf, grob, butt, grob und bärbeissig; he swäret ältidd 
U, äs so butt; butt, ist auch kurz und dick. 

Gläi, froh, dän. und engl, glad; fraulick, fröhlich, häd- 
heiter, fornäigd, vergnügt, äprömd, aufgeräumt, dpläid, 
legt, tofrese, zufrieden, Ucklick, glücklich. 

Rien, rein, rienlick, reinlich, lihssig, von lihssen, leiden 
o. Rien und rienlick kann überall angewendet werden, wo 
i Deutschen steht; lihssig wird aber vorzugsweise nur von 
eben (bisweilen von Hausthieren) gebraucht. Wer sich rein 
sauber, und von Ungeziefer frei hält, der ist Wissig; das 
itheil ist ünlihssig, 

Aiefi, eigen, wdlsh, quer, tounnerlick, wunderlich. 
. Wäir, wahr, wäss, gewiss, säker, sicher, töforlajUig , zu- 



196 

verlässig, üfUwiwelbaar ^ unzweifelhaft. Von wdss ist de WiLsse, 
die Gewissheit. 

79. Plünnig, lumpig, forräwen, zerrissen» slörrig äu^ e Kluhse, 
nachlässig in den Kleidern. 

80. u/gnig, spreuig, stingig, grannig, shäwig, schäbig. 

8i. Rßjddig, rathig, wer sich immer zu rathen und zu helfen 
weiss; aujnsfilägig , anschlägig. 

82. Swär, schwer, pünnig, pfundig, wägtig, gewichtig. 

83. Pidgtig, verpflichtet, forbünneh, verbunden, shüllig, shqfl' 
Ug, schuldig. 

84. Strippelt, gestreift, rüUet, gewürfelt, gerautet, rotiMf, 
geblümt, von Geweben. 

85. Bältstjürrig, üntiengj ungebehrdig, unbändig^ unbändig. 

86. Sfämm^ äirig , hijnn, sljögt, schlimm, arg und schlecht. 

87. S/omm, kiauek, sndll, wiss, Slamm ist hier so viel als 
verständig, he as sldmme nag, er ist gescheidt genug; en tlöm' 
men Manshe^ kann daher heissen ein schlimmer und auch ein 
gescheidtcr Mensch, nach der jedesmaligen Geltung des Wortes; 
klauck, klug; sndll, dän. snild, pfififig; wiss, i. weise, 9. bei 
Verstände, hedsäißllig wiss, er ist nicht recht klug; forstdndigf 
verständig, fomuftig und fomünftig, vernünftig, klöftig, snarig, 
schlau, verschmitzt. 

88. Seeft, sanft, liehs, gelinde, leise, sähgt, sachte. 

89. Forsläien, verschlagen, d. i. schaal, von Bier und Wein, 
u. s. w.; fldw, flau, matt, von gleichen Getränken. 

90. Fldw, flau, trät^ müde, ütthälet, wörtlich: ausgeholt, d. L 
ganz erschöpft. 

9i. Höflich, höflich, äujnstdndig ^ anständig, aardig , artig, 
wßildpdrägen, wohlerzogen. 

92. Uitsig, hitzig, iwrig, eifrig, happig, forhäppei dw, erpicht 
auf, glöbsh Sfter; happig, von kappen, gierig mit dem Munde 
oder Maule nach etwas schnappen, daher erwerbgierig, an sich 
raffend, verwandt mit ndrig. 

93. j£prigtig, aufrichtig, dmenhdrtig, offenherzig, tratiAar%, 
treuherzig, lickto, gerade zu, aane ufmstande, ohne Umstände. 

94. Ihriick^ ehi'lich, rddlick, redlich, trau, treu. 



197 

95. Bdllj bald, strägs, stracks, gelick, gleich, släujnnen Fä^lis, 
stehendes Fusses, dm en läiet^ über ein Kleines. 

96. Dristig, dreist, ünforsägiy unverzagt, ünforfjdrdei , uner- 
schrocken. 

97. Durig f wärig, driech. Durig und wärig sind beide dauer- 
haft, wobei durig zugleich auf die Stärke und Festigkeit des 
Dinges Bezug hat; driech, ist verschlagsam, dän. dröi, was lange 
vorhält, ohne Rücksicht auf die Masse; das Gegentheil von dröi 
ist siöi, also unverschlagsain, fries. ündriech. 

98. Jljmm, neesh, spie. Jijtnm, ist wund, schmerzhaft, ohne 
Verletzung der Haut; neesh, zart, von der Haut; spie, zart, von 
neugebomen Kindern, dän« späd (1. spähs); aimhräjmy empfindlich 
gegen körperliche Berührung und Eindrücke, z. B. beim Ver- 
binden einer Wunde, u. s. w. 

99. Vnihrlick , unehrlich , ihrlüss , ehrlos , bedrigersh , be- 
trügerisch. 

iOO. Snaudy schnöde, hunish^ höhnisch, stolt^ stolz. 

iOi. IJnrogt, unrecht, ünrigtig, unrichtig, farkierd, verkehrt, 
ßbh, falsch, en fäishen Mdnshe^ ein falscher Mensch. 

402. SarrigfQjllig , ist wörtlich: sorgfaltig, aber der Sinn ist: 
traurig, sorgenvoll, wo die Sorge oder Trauer das Angesicht in 
Falten wirft; bedröwwet, betrübt, forsläien^ muthlos , verzagt, 
dähisläien, niedergeschlagen. 

405. Mingig, njäsig^ somig, slonig^ säumig, zauderig, fahr- 
lässig. 

404. Wddd^lick, widerlich, tawdddeme^ zuwider. 

405. Bürgen, geborgen, säker, sicher, hülpen, geholfen. 

406. Genäigd, geneigt, gunstig, günstig, to Walle, zu Willen. 

407. Hillig, heilig, hällig, heilig, feier; en hillig Lawent, ein 
heiliges Leben, en hilligen Mann, ein heiliger Mann, Göd ds hil' 
Kg, Gott ist heilig; dagegen en hälligen Däi, ein Feiertag, Aö/- 
lighüjllen, feiern, Hälligenne, Feierabend; aber HäUiglät^nn, Hel- 
goland, heisst dem Sinne nach: das Hallig/and, von Hällig, de 
Hällig, wie noch alle kleinem Inseln der Westsee heissen. Da 
Hällig friesisch und vom männlichen Geschlechte ist, so muss 
es auch der Hallig und nicht die Hallige heissen, welches der 
Plural von Hallig ist. 



198 

i08. Tugtig, züchtig, ihrbaar, ehrbar, äujnstdfidig , anständig. 

i09. Listig f fißOi snäsig, listig, schlau, verschlagen. 

iiO. Ldgtsdnnig , leichtsinnig, Idgtßärdig ^ leichtfertig, iMe» 
tögtsaam, unbedachtsam. 

iii. Wissnaasig , naseweis, naishirrig, neugierig. Man spricht 
näi'Shirrig, als ob es neuschierig wäre, d. h. der sich um alles 
Neue schiert; eine Erklärung, die wirklich dem Sinne des Wortes 
genau entspricht. Die richtige Abtheilung ist aber nats-girrig, 
d. h. neugierig. 

4i2. Shötnlick, schimpflich, shdndlicky schändlich; dät ds ja en 
Blöged, was Beschämendes. 

115. Gähslick, von de Gäsing, was einem gerade passt, dät 
'8 mdn Gäsing oder dät ds tne gähslick, das ist mir eben recht; 
döglick, von daagen, taugen; brücklick, 1. zum Gebrauche be- 
quem, 2. gebräuchlich. 

114. ü[o%, frostig, von Menschen, von de Kölie, die Kälte; 
käujl, kalt, forkaild, erkältet, forköiligt, erfroren, s. o. 

115« Sörriglüss, sorglos, ünbesörrigt , unbesorgt, glickguUUgt 
gleichgültig. 

116. GlaMy glatt, glahserig^ glitschig, schlüpferig. 

117. Kldwig, kleberig, iwägig^ zusammenklebend wie Hefen, 
kldstrig, kleisterig, von de Kloster, der Kleister. 

118. Tünnen, geschwollen, holten^ bdllent oder hölinei, ge- ^ 
schworen, von de JSölle, Eiterbeule , Schwäre; üttsläien, ausge-^-, 
schlagen. 

119. Röbbelig, rauh, uneben, shrübbet und shrubbelig, kratzig ^ 
krätzig, rauh, ünäiwen, uneben. 

1^. Brösig, nd. brösig, wohl eigentlich brühssig , das Gefic 
der sträubend, wähserwdllig , widerwillig, wdish, twdrr, s. o. 

121. Duf, taub, von Nüssen; swöng, leer, von Aehren; dtfA% 
Nähse an swöng Woppe, taube Nüsse und leere Aehren. 

122. Widdluftig , weitläuftig , dmstdndlick , umständlich, 
ßärlick, ausführlich (aber üttfäirlick, ausführbar). 

123. Vnräjddigy unschlüssig, twiwlrß^ddig, zweifelräthig » nid 
wissend was man thun soll, ünwdss, ungewiss. 

124. Kätyiblä^jddig , kaltblütig, ünhjärd, ungerührt, glickgt 
dig^ s. 0. 



199 

i25. ßarmhdrtig, barmherzig, mdUhssig^ mitleidig, tarnen, s.o. 

426. Bjärnägtig , kindisch , kinsh , kindisch , nur von alten 
JLevten, die wieder kindisch werden. 

-127. Hdndtig, geschickt zu mechanischen Arbeiten; häujnniQf 
liändig, wie ijnhävjnnig ^ tuhghävjnnig , ein-, zweihändig, u. s. w.; 
ic^/tliijnnig , links . linkshändig , von hijnnen , mit den Händen 
a^ji.£angen. 

-428. Locker, lecker, wer immer nur Leckereien haben will; 
, kür, kürisch, kürig, wer jeden Bissen kehrt, um sich den 

sten auszuküren. 

-129. Behelplick, behülflich, beforderlick , forderlich. 

-130. Fährlick, gefährlich, mdsslick, misslich, waaglick, waglich. 

^5i. Unsägt, entzweit, ünijns, uneins, ünihnig, uneinig. 

^32. Fläck, flach, plät, platt, brijdd, breit. 

d55. Issgrd, eisgrau, stijnüjll, steinalt; en issgrden, sHjnüjllen 

134. Widdluftig, weitläuftig, hier verwandt mit wUl, wild, lie- 
^^9^lick, liederlich, üttswäwend, ausschweifend. 

135. Forgdinglick , vergänglich, forkrdinklick , verkränklich, 
v^^^eslich, ünforgdinglick und ünforkräinklicL 

-436. Bloch, blöde, befangen, befangen, shügtern, schüchtern, 

i^^^ttigtsaam, furchtsam, forshaamet, verschämt. 

< 

-137. Efterlähsen, nachlässig, ünordenilick, Hederlick, 

138. Billig , billig , rögtfjdrdig , gerecht , rddlick , redlich , ihrlick , 
^l^rlich. 

139. Fähhy falsch, ündgt, unecht, forfälshet, verfälscht. 

-140. MudderwUsig , mutter witzig, sldmm, sndll, klauck, s. o. 

144. Behäglick, gefällig, lief, lieb, lieflick, lieblich. 

d42. Njüttig , nützlich , fordielägtig , vortheilhaft; to huhms Gagen. 

d43. Hurtig, hurtig, hastig, hastig, gdw, geschwind, rash, 
^^sch, wieker, wacker. 

144. Unnatörlick, unnatürlich, auwernatörlick , übernatürlich, 
^^Ahsernatörlick , widernatürlich. 

445. Däik, 1. alltags, 2. schlicht im Umgange, nicht vornehm, 
•^«« däike Kluhse, meine Alltagskleider, en däiken Mdnshe, ein 
alltäglicher Mensch, einfach im Betragen, 3. einfältig, als: he ds 
*^«n däik, en läiet däik, ein wenig einfältig. 



200 

446. Wählig, stark; wählig, sagt man nur von Menschen und 
Thieren, nicht von Sachen; stark, nur von den letztem, aber nie 
wähUgj so wie man auch nie stark von Thieren und Menschen 
gebraucht, um ihre Kräfte zu bezeichnen: en wäfiligen Ejärl fon 
stark Knaake an Lähse^ ein tüchtiger Kerl von starken Knochen 
und Gliedmassen. 



FUNFTES GAPITEL 

DAS ZAHLWORT (Numerale). 



1. Allgemeine Zahlwörter. 

§. i24. Durch die allgemeinen Zahlwörter fasst man nur eine 
kleinere oder grössere Menge gleichartiger Gegenstände zusam- 
men, ohne die Anzahl der Einheiten zu bestimmen. Diese all- 
gemeinen oder unbestimmten Zahlwörter sind folgende: 

u/U, alle, alles, all, aller» e, es, pl. alle; haawen, haaw, einiger, 
e, es, pl. einige; sdm, etlicher, e, es, pl. e; drken, drk, jeder» 
e, es, pl. jede; faale^ viel, vieler, e, es, pl. e; mdnning, viel und 
viele; Idiet, wenig, er, e, es, pl. e; nänn, kein, er, e, es, pl. e> 
weiblich und sächlich, wie im pl. nijnn; nint, nichts; wdt, etwas; 
tnörr, mehr; ältemäie, allzumal, alle mit einander. 

u/ll, äi/e, alles, j/ll steht im Singul. und Plural von Stoff- 
Menge- und Gattungsnamen unverändert, immer mit dem eigent- 
lichen Fürworte oder dem Geschlechtsworte unmittelbar nach 
sich, wie z. B. all mdn gauhse Winn ds spüllen, all mein guter 
Wein ist verschüttet, oder gespült; all sin Fäujlk was ütträihsd^ 
alle seine Leute waren ausgereist; all hdr Shäip sdn drängd^ 
alle ihre Schafe sind ertrunken ; all min Böhser ds dp , alle meine 
Butter ist auf; jö het all hdrren Hjdrl spannen , sie hat allen 
ihren gehechelten Flachs gesponnen. Das Geschlechtswort steht 
dann, wenn von einem bestimmten, eben erwähnten oder gegen- 



201 

^«rärtigen Gegenstände die Rede ist , z. B« all de hijnne Rögge hei 
"w forkäft^ an all de gauhse tobähg behüllen, all den schlechten 
Roggen hat er verkauft, und all den guten zurückbehalten; all 
dd graUe Dringe shä^jn ütt to tienen, alle die grossen Jungen sollten 
aus zu dienen; ick däi harn twontig Daalere, an all dät G^l hii 'r 
fbrspaiety ich gab ihm 20 Thaler, und all das Geld hat er verspielt* 
^lU kommt allein in der Mehrheit ohne Zusatz vor, als: alle 
3idnshene tnäujn stäirwe, alle Menschen müssen sterben; alle Swäl* 
isene sdn wdgtägen, alle Schwalben sind weggezogen; alle Staurke 
sdn noch äi kiemen, alle Störche sind noch nicht gekommen; he 
gongt alle Dege ütt, er geht alle Tage aus; alle u/gene smdU'r 
wag^ alle Acheln (Spreu) wirft er weg. Dass hier auch Bestim- 
mungswörter vor dem Hauptworte stehen können, versteht sich 
von selbst , wie : alle flijttige Dringe , alle fleissige Knaben ; de 
^'ilring hei alle junge Döwwe ahn, der Iltis hat alle junge Tauben 
gefressen; alle Mdnshene sidde sö^ alle Menschen sagen so; aber 
in dem Ausdrucke ^llemdnshe säit so heisst u/llemdnshe so viel 
wie jedermann, und steht daher auch in der Einheit. 

^Hes steht allgemein, wie in folgenden Sätzen: dät ds alles 
VMU ick hoAV, das ist alles, was ich habe; alles untig nint, alles 
oder nichts; Gödd wijt alles, Gott weiss alles; ick häw alles däjn, 
wit ick köhs, ich habe alles gelhaU) was ich konnte; he het alles 
foriahsen, wdt V äujn 'e Shrock häi, er hat alles verloren, was 
er in der Tasche hatte, nämlich im Spiele; he hit alles sldn^ 
veU V äujn 'e Shrock häi , er hat alles aus der Tasche verloren , 
vas er darin hatte; he forkäft alles ^ wdt *r het, er verkauft 
alles, was er hat; jö säit alles, wdt 's w^t, sie sagt alles, was 
sie weiss. 

Baawen^ haaw. Haawen, im männlichen Geschlecht vor Stofif- 

^^<i Mengenamen, so wie in der Einheit vor männlichen Gat« 

tungsnamen, für irgend einen, jemand, irgend welchen; haaw im 

^^iblichen und sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit. Bei* 

^iele: J's V haawen Säihs , haawen Winn äujn 'e TjaalerF Ist 

®*oigep Käse, einiger Wein im Keller? Hähst haawen Rögge tür* 

*^en/> hast du einigen Roggen gedroschen? hähst haawen Mdnshe 

^n 'e FSnn säjn? hast du irgend jemand in der Fenne gesehen? 

*'^*au; Böhser het 's forkäft, jö auhser het 's insläien, einige Butter 

26 



202 

hat sie verkauft , die andre eingeschlagen , nämlich in Fässer. 
Ick häw all haaiv Lieppe säju^ ich habe schon einige Kiebitze ge- 
sehen; dirr sdn all haaw Spriene kiemen, es sind schon einige 
Staare gekommen; ick häw haaw Laumme slägtigi, ich habe einige 
Lämmer geschlachtet, "^w haaw hunnert Daalere kämt 't harn ai 
äujn, auf einige hundert Thaler kommt es ihm nicht an. 

Säm, dän. som, somt, pl. somme, steht durchaus unverändert 
in allen Geschlechtern, und hebt aus der Menge, so wie aus 
einigen oder etlichen, noch einzelne besonders hervor, als: tdfc 
häw haaw Spärrige shähn, aurs sdm dirrauf ujäm noch äi di^d, 
ds ick 's dpsämmelt, ich habe einige Sperlinge geschossen , aber 
einige davon waren noch nicht todt, als ich sie aufsammelte. 
uivjnjö Forsömmling wjärn haaw, dirr nän Winn drunken, auhserCy 
dirr nän Säihs äjUen, dn sdm mahn wihsser Böhser untig Brvjd, 
in der Versammlung waren einige, die keinen Wein tranken, 
andre, die keinen Käse assen, und etliche mochten weder Butter 
noch Brot. He het faale Buhmm^ äujn sdn Tünn, haaw sdn ü^U, 
aurs sdm dirrauf drege noch gäujd, er hat viele Bäume in seinem 
Garten, einige derselben sind alt, aber etliche davon tragen noeh 
gut. Sdm Buhmme wägse hastig, sdm äi so bdll, einige Bäume 
wachsen geschwind , einige niqht so bald. Ick häw haaw Ba^eke 
Jungen, aurs sdm dirrauf häw ick äi bestdlld, ich habe einige- 
Bücher bekommen, aber etliche habe ich nicht davon bestellt. 
Sdm kann auch für wörtlich stehen, als: sdm sedde so, da auhserm 
so; sdm häwe sSgs Tune äw drken Fäujt an segs Fäjngre dw drib 
Häujnn, einige (Menschen) haben sechs Zehen an jedem Fussa 
und sechs Finger an jeder Hand; sdm Winn äs ai to dröjnke»^ 
einiger Wein ist nicht zu trinken. 

ufrken, ärk, wirken im männlichen, und drk im weiblichen 
und sächlichen Geschlecht. Anwendung : alle Mdnshene häwe em 
Tung, aurs drken het sdn diene Smäge, alle Menschen haben einfli 
Zunge, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack; auf min tiem 
Hajnste ds drken man ßauwer Ihr, von meinen zehn Pferden iat- 
jedes nur vier Jahr; he was äujn drk Hüss, an het md drk Finm 
men snäket, er war in jedem Hause, und hat mit jedem Mädch^'i 
gesprochen ; dirr ds en Bing äujn drken Ijnne , es ist ein Bing a^ ' 
jedem Ende; dät Slot hei en Turn dw drk Hjarn, das Schloss h^ 



205 

einen Tliurm auf jeder Ecke; dät duhg ick drk Töchy das thue 
ich jedes Mal« Fürwörtlich: ufrken säü sö^ jeder sagt so; dät 
wijl drkenän^ das weiss ein jeder, oder jedermann; drk ijriy eine 
jede, ein jedes*. 

Faale , viel, aber auch vieler, e, es, pl. e, steht vor Stoff- 
und Hengenamen in der Einheit und vor Gattungsnamen in der 
Mehrheit, als: Ick hdw faale Giß üUdäjn, ich habe viel Geld aus- 
geliehen; he drö^kt faale Winn^ er trinkt viel Wein; wäsW faale 
Fäfujlk äw't ji'pböd? waren viel Leute auf der Versteigerung? 
he Töckt faale Tobäck dp , er raucht viel Taback auf; faale Winn 
ds ii io drdjnken an faale Böhser äi to ä/isen , vieler Wein ist 
nicbl zu trinken und viele Butter nicht zu essen ; ke hei faale 
Kantöffle bürgen, er hat viele Kartoffeln geemtet; de^ dirr äi 
ftULh hity kun ock äi faale üttdv^n, wer nicht viel hat, kann auch 
oicht viel ausgeben ^. 

Afänning, dän. mange, engl, many, viel, viele, kommt nur in 
dep Mehrheit vor Gattungsnamen, so wie mit an und ijn verbun- 
den in der Bedeutung von mancher, e, vor, als: he hei mdnning 
Bitticke läsen, er hat viele Bücher gelesen; he hei mdnnifig Daa- 
lere forspälet, er hat viele Thaler verspielt; harr mänmng u/ie 
kuJUe dirr äujn't NSstF wie viel Eier liegen da im Neste? äujn 
et» Armee sän mdnning Sdldaate, in einer Armee sind viele Solda- 
ten; hörr mdnning Bjdrne hähst? wie viel Kinder hast du? wann 
flMMMMii^'tfn Ermen dät man häi, wdt mdnning 'en Ricken wdgsmdltt 
W'enn mancher Arme das nur hätte, was mancher Reiche weg* 
w^irft! mdnmngijn mijnt Wunner wdt 's ds, manche meint Wun- 
der, was sie sei; mdnning 'en braawen Mann ds dirr fSllen, man- 
cher brave Mann ist da gefallen. 



* Arken hat im zweiten Falle drkens , wenn es jeder, jcder- 
''^^nn bedeutet, als: dät häi drhen däjn, das hätte jedermann 
gethon; he ds drkens Geck^ er ist jedermanns Narr. 

^iese, beide, kann immer nur mit dem Dualis wdt und ja^, 
**95l mit alle voran oder ohne dasselbe gebraucht werden; ivdt 
^^Urti*r biese; jd kaummen ällebiese; jdt sdn jd biese krönk, ihr 
^^m ja beide krank. 

Hörr faale F wie viel? und so faale, so viel, werden auch zu- 
^•^mengezogen, hörr faale in hüllivc und so faafe in süllwe, 

26* 



Laiet, wenig, ist das Gegentheil von faale und mdnning^ und 
steht unverändert vor Stoff- und Mengenamen, so wie vor Gat- 
tungsnamen in der Mehrheit» als: dirr was man läiet Fwujlk to 
Haaw, es waren nur wenig Leute zur Kirche; laiet Mdnshene, 
wenig Menschen; ick k5n man läiet Brännwinn f&rdrige, ich kann 
nur wenig Branntwein vertragen ; dö hähst man läiet Buhmme 
plantet, wenig Bäume gepflanzt; ick häw alte läiet Ißägte to de 
grotte Saal, ich habe zu wenig Lieble für den grossen Saal; 
läiet Gijly wenig Geld; dät läiet, wdt ick häw, äs ball fortjärdf^ 
das Wenige, was ich habe, ist bald verzehrt; de ihne het faale, 
de auhsere man läiet, der eine hat viel, der andre nur wenig. 

Nänn, nän, im männlichen Geschlechte vor Gattungs- Stoff- und 
Mengenamen, im sächlichen Geschlechte und in der Mehrheit , 
nijnn, nijn, keiner, e, es, pl. e. Es ist aus dem bestimmten Zahl- ^ 
Worte an und ijn, durch Yorselzung des Buchstabens n ent- ^- 
standen, und heisst so viel als nicht ein. Beispiele: Jö Fömmen^B^ 
hU noch nänn Bredgome, das Mädchen hat noch keinen Aräuti-^^J 
gam; ick häw nänn Winn drunken, ich habe keinen Wein ge — ^ 
trunken; he häi nän Häujd äw an nän Rock äujn, er hatte 
Hut auf und keinen Rock an; dirr was nijn Böhser, nijn Brvjd 
nijn Mahl, nijn Spick an Flash, an nijn Mölke ät^n*t Hüss, es 
war keine Butter, kein Brot, kein Mehl, kein Speck und Fleii 
und keine Milch im Hause; hähst nijn Ijllinge? hast du 
Feurung? de Säldaat häi nijn Boss an nän Saabel, der Sddi 
hatte keine Büchse und keinen Säbel. Von nän oder nänn U 
nähn, nein, zu unterscheiden, welches weit gedehnter 
eben wird. 

Wdt, was, etwas, ist unabänderlich und steht unbestimm 
als: hähst wdt äujn'e Shrock? hast du etwas in der Tasche? 
wäht heweF was willst du haben? hel'r de wdt säid? hat er &ir 
was gesagt? he het wdt market, er hat etwas gemerkt; wdt uniig 
nintl etwas oder nichts; dät äs wäjl wdt, aurs dät's äi nög, das 
ist zwar etwas, aber nicht genug. 

Mörr , mehr , steht im vergleichenden Stande , und ist der . ^ 
Comparativ von haaw, faale und mdnning, wo der höchste Stand 1^ 
fnäst heisst, als: ick häw haaw Baare säjn, he hSt mörr sqjn, an 1^, 
man ßrauhser h$l da mäste säjn, ich habe einige Bären gesehen, läp 



205 

er liat mehr u. s. w.; he het faale G^l, aur$ sdn Näiber hit märr, 
4m de ricke Jöhse het mäst, er hat viel Geld, aber sein Nachbar 
hat mehr, und der reiche Jude hat am meisten; we häwe man- 
ning Sh&p, jdm häwe mörry aurs ja häwe da mäste, wir haben 
viele Schafe, ihr habt mehr, aber sie haben die meisten. 

Auch läiet, wenig, ist steigerungsfähig , und hat folgende Stu- 
fenformen: läiet, männere, mannst, weniger, wenigst, oder minder, 
mindest. 

^Itemäle, alle, allzumal, alle mit einander, alles. Beispiele]: 
San alle Shaulere AiemmenF Ja, ja sdn hirr ältemäle, sind alle 
Schüler gekommen? Ja, sie sind alle hier; he häi's ältemäle ütt' 
j^get, er hatte sie alle mit einander hinausgejagt; wäht 's ältemäie 
h^we? willst du sie alle haben? wäht't ältemäle hewe? willst du 
es alles haben? wirr as dät Holt blawen? ick häw't ältemäle far- 
k^ft, wo ist das Holz geblieben? ich habe es alles verkauft. 

Die Wörter hijl, ganz, hulew, halb, djnkelt, einfach, döweit, 
doppelt, und tröwelt, dreifach, bestimmen zwar auch die Grösse 
der Dinge, werden aber abgeändert, wie das Bestimmungswort. 

Anmerkungen über die Synonymen in den allgemeinen 

Zahlwörtern. 

1. u/Ues , ältemäle. uilles fasst auch das Verschiedenartigste 
Zusammen, z. B. alles, wdt ick häw , äs Göds Gaawe; ältemäle 
^Immt bei Stoff- und Mengenamen auch den kleinsten Rest, und 
bei Gattungsnamen die letzte Einheit mit, als: dirr hähst*t alte* 
^näle, da hast du es alles mit einander; we sdn ältemäle Sennere, 
"Wir sind allzumal Sünder. 

2. Haaw, säm. Haaw, einige, etliche, umfasst bloss eine un- 
bestimmte Anzahl von Dingen, von denen sdm wieder einzelne 
aushebt, z. B. he Im haaw Shäip iö forkupen, aurs sdm dirrauf 
V)jdm shürrewt, er hatte einige Schafe zu verkaufen, aber etliche 
tlerselben waren räudig. 

5. Faale y mdnning. Faale ist das deutsche viel, und umfasst, 
wie dieses, nur die Masse und die Menge; mdnning ^ das deut- 
sche manch, dän. mange, engl, many, entspricht dem deutschen 
vieler, e, es, pl. e, so wie mancher, e, es, pl. e, mit an und 
ijfi verbunden, als: mdnning 'en an, mancher, manningijn, manche, 



206 

pl. mätming. z,B. Do säist, dö häfistfaaieDöwwe, hörrmanmng hahü 
ddnnF du sagst, du habest viel Tauben, wie viele hast du denn? 
Mäiining Mänshene kaane nijn JSökser ähse, aurs faale kaane mit- 
ijns en hiel Tann fortere, viele Menschen können keine Butt^ 
essen , aber viele (Menschen) können auf einmal eine ganze Tonne 
verzehren. 

4. Nänn, nijn, niemmen, nänne mdnshe. Niemmen und itäime 
mänshe sind gleichbedeutend, niemand, kein Mensch; nänn, keit 
ner, ist männlich; nijn weiblich und sächlich, und steht auch in 
der Mehrheit. 

2. Bestimmte Zahlwörter. 

§. 125. Diese sind theils Grundzahlen, theils Ordnungszahlen; 
jene geben genau die Anzahl, diese die Ordnung und Aufeinan- 
derfolge gleichartiger Dinge an. Die Grundzahlen sind folgende: 

an 1. twäier 2. trd 3. ) . . i- i n ui i 

^ , _ ) im mannlichen Geschlecht. 
an i. twdnne 2. tranne 3. j 

.. . , , ^ . . ^ ) im weiblichen und sächlichen Ge- 

tm i. tuhg 2. tne 3. ) ,, . 

^ ) schlecht. 

ßauweVy 4, fiew, 5, sSgs, 6, samven^ 7, aagt^ 8, njögen, 9, tien, 

iO, ällwen, il, twSlleWf twelwen, i2, trdtäiny i3, fjauwertäin, i4j. 

ßftäin, 15, sSgstäin, 16, saawentäiny 17, aagttäin, 18, r^erUäin^ 

19, iwmtig, 20, dortig, 30, /cr%, fäirtig, ßärtig, 40, /ö/lt^, ÖO^ 

8Ö$tig, 60, söwentigj 70, tdchentig, 80, nägentig, 90, hunnert, 100^ 

dusend, 1000, tiendmendy 10,000, hunnertdusend , 100,000, cfatöMifl 

JÖCÄ6 dmend oder ^n Million , 1,000,000. 

Die daraus hervorgehenden Ordnungszahlen werden folgenda;^ 

massen gebildet, als: de jdr^^ß, der erste, de lähsere oder de 

ausere, der zweite, de tredde, de fierde, de ^ä/l(e, de segele, de 

saawente, de ao^fe, de njogfen^e, de diente oder de /tjm^e, de dUe^F^ 

te, de twellewte, de trdtäinste, de fjauwertäinste , de füftainste, de 

sigstäinste, de saawentäinste , de aagttäinste, de njögeniainste ^ twom^ 

tigste, dortigste j fertigste, füftigste, söstigste, söwentigste, tdchentiy 

ste^ nägentigste, htmnertste, dusendste, u. s. w. Diese Ordnung^ 

zahlen, die sich alle auf e endigen, gelten nur allein für da^ 

männliche Geschlecht; beim weiblichen und sächlichen Geschleclm 

verlieren sie das e am Ende: jö järst, die erste, dät järst, dcK 



207 

erste; jö trid, die dritte, dat tred, das dritte; jö fierd, dät fierd^ 
f^fty sSgst, saawent, aagt, njögent, u. s. w. Bloss de lähsere, 
dev zweite, bleibt unverändert in allen Geschlechtern, als: de 
l&hsere Monn, jö lähsere Wöff, dftt lähsere Bjdm, der zweite 
Mann , die zweite Frau , das zweite Kind. Statt lähsere gebraucht 
mein auch de ausere, der andere, als: de ausere, ]ö auser, dftt 
ote^^r. De lähsere und de ausere werden nur aus Mangel eine$ 
aiKlern passenden Wortes als Ordnungszahiwörter gebraucht, weil 
msm aus tuhg (zwei) nicht de tuhgde, wie im Deutschen (der 
zweite) machen kann ; auch im Dänischen muss man hier der 
andre, den anden, gebrauchen, nd. Aetwete, altfries. the otfiemnA 
thc twede. De lähsere ist der vergleichende Stand von lähs, spät, 
un<l heisst der spätere, letztere, im Superlativ ISst, de ISste, jö 
l^s^, dät lest, da Uste, der, die, das letzte, die letzten. De ausere^ 
voäi aurs, anders, ist der andre, als: dug me de ausere Häujdd, 
j^ nuser Brdll, dät auser Bauch und da ausere Stäiwle, gieb mir 
den andern Hut, die andre Brille, das andre Buch, und die an- 
dern Stiefel t. 

Die drei ersten Zahlwörter , dän. een^ to, Ire , nd. en , twe , 

d'T'Cy engl, one, two, three, altfries. en, iwa, thrju oder in, twene, 

ihre, oder in, twa, thrid (nach Rask), haben im Nord friesischen 

folgende abweichende Formen: a. im männlichen Geschlecht: an, 

^•«'«ier, trd, und an, twdnne, trdnne, b. im weiblichen und säch- 

liolen Geschlechte: ijn, tuhg, trie, Twdnne ist im Dänischen 

tt>efide, das ältere deutsche zween, und trdnne ist trende. Zählt 

na an Gegenstände vom weiblichen oder sächlichen Geschlechte, 

ocicr in unbenannten Zahlen, so gebraucht man immer ijn, tuhg, 

^'**«?, auch mit den Zahlen von zwanzig bis neunzig, oder wo sie 

^^v immer vorkommen mögen. Sind aber die zu zählenden 

JJinge männlich, so muss man überall, wo sie nur immer stehen, 

**** iwäier, trd, gebrauchen. Beispiele, weiblich und sächlich: 

^^> tuhg, trie Gäis; ijn- tulvg- irieantivontig Hühssinge; he hei ijn- 



t 



-.^. En Ausern steht auch für unser einer, unser eins, als: so wdt 
^^^ en Ausern ja aller to sieen , so was bekommt unser eins ja nie 
}^ sehen; dirr unjt en Ausern ja nint auf, davon weiss ja unser 
^^«r nichts. 



animmtig , tuligantwontig , trieantwontig Poppe fmr änaniwoniigt 
twäierantwonlig an trdaniwontig Daalere käft^ er hat 21, 22, 23 
Pfeifen für 21 , 22 und 25 Thaler gekauft ; ke dad me änanßr- 
tig jiple (aar ijnanfüftig Plöme, an trie Plöme faar twäier jiple; 
ick wall de irdansösiig jiple faar iuhganfüftig Plöme düjn, 

Twdnne und irdnne wird immer nur von Personen , nie von Sachen 
gehraucht, als: hörr mdnning wjdm's am hamF Jd wjdm twdnne 
uniig irdnne am ham^ wie viele waren sie um ihn ? zwei oder 
drei. Jd sdn jd man twdnne , sie sind ja nur ihrer zwei. Dirr 
^dm man en twdnne, irdnne kiemen, wdt wajn jd wäjl ütlrigteF 
was wollten die wohl ausrichten ? (Vergleiche die Anmerkung 
nach §. 109). 

Auch die Male werden bis drei aus den drei ersten Zahlen 
gebildet, wie im Englischen, als: ijnsen, iwäie, iräie, engL onee, 
twice, thricc, d. i. ein- zwei- dreimal. Jjnsefi ist hier das deut- 
sche eins, in der Bedeutung von einmal, und iwäie, das deutsche 
zwi-er, Lucas 18: v. 12; im Alldänischen: iösser, von tö, zweL^ 
Zwischen dem Friesischen und Englischen ist hier die Aehnlich— ^ 

keit am wenigsten zu verkennen. Träie mag vielleicht das alt 

fries. thria sein. Was über drei hinausgeht, bekommt Tdche, Male ^ 
zugesetzt, als: fjauwer Töche, iwontig Toche , mdnning Töche. 

Die deutschen Wörter: erstens, zweitens, drittens, viertens , 
u. s. w. , kann der Nordfriese nicht nachbilden, sondern muss sicJbs 
der Form: fürs erste, fürs zweite u. s. w. bedienen, als: faar *^ 
jarst, faar'i lähsere, faar't auser, faar't tred, fierd, füft, sigi^ # 
u. s. w. 

Die Namen der Zahlzeichen sind weiblich, und nehmen i0B 
Plural ein e an. Sie heissen: jö Ijn, jö Tuhg, jö Trie^ jö Fjauwer p^ 
jö Fiew, jö SSgs, jö Saawen, jö ^agt, jö Njögen, jö Tien, jö Null *• 



« Substantivische Zahlwörter , die als Grössen- oder Theilb^* 
Stimmungen dienen, sind folgende, als: enDäujiien, 3 Schillinge » 
efi Dausenn, 12 Stück, ein Dutzend; enSniehs, das Stieg ; jö 7Va«cr«. 
eine Stiege Garben, 40 Stück; en Shock, 60 Stück; dät TdU, *9 
Stück Bretter, der Zwölfter, Tult; dät Wdll, 80 Härinffe; dMt 
Hunnert, dat Dusend; ebenso: de Drilling, der Dreiling; de Sig^ 
Kng, der Sechsling; de Träsing, der dritte Theil eines Dematbs; 
de Fierditigy ein Viertel desselben, so wie ein Viertel überbaupi^ 



SECHSTES GAPITEL 

DAS FÜRWORT (Pronomen). 



§. 126. Das Fürwort vertritt die Stelle eines Hauptwortes. 
Aber nur das Pronomen personale steht allemal anstatt eines Haupt* 
Wortes, andere werden demselben auch vorgesetzt. Dieses per- 
sönliche oder eigentliche Fürwort ist im Nordfriesischen folgendes: 
Ick, dö^ he^ jö, hat, dät, im PI. we, jdm,jd^ im Dualis uro^ und jo^. 

Abänderung desselben, 

Einheit. 
|ste Person. 2'e Pers. 3*« Pers. männl. weibl. 
iFall. kk da i he jö 

2 — mm dm 2 sin hdr 

3ii.4f»e de 3u. 4 hdm hdr 

Mehrheit. Dualis, 

ist« Pers. 2tePers. o»ePers. istePers. 2^P^rs. 
i Fall. we jdm ß wdt jdi 

2 — ühs jdringe jdre unk junk 

3 u. 4 üss jdm jdm unk junk 



sächl. 


sächL 


dät 


hdt 


sin 


sin 


hdm 


hdm. 



d&t Jfgendijl, ein Achtel als Buttermass ; da Twdnnlinge , die 
Zwillinge, Trdnnlinge, Drillinge. Dahin gehören ferner die Namen 
verschiedener Silbermünzen, als: en Tredhälwen^ ein Drittehalb- 
schillingsstück ; en Fjauwer- Fiew- Jagt* Tien- Twillew- Twontig- 
FirligshdUingstock, ein Yierschillingsstück , u. s. w. 

Die deutsche Endung tel (theil) zur Bezeichnung der Bruch- 
theile, als: das Drittel, Viertel, Fünftel, wird durch Dijl oder 
Part gegeben, wie: en hulwen, männlich, ein halber; weiblich 
und sächlich en hulew^ de hulewe^ jö hulew^ dat hulew, pl. da hulwe; 
en Tredendijl oder en Triddepärt, en Fierdendijl, en Fierdepärt^ 
en jiagtendijl, en Aagtepärt. Mit Dijl (Theil) zusammengesetzt 
bekommen die Ordnungszahlwörter ein n angehängt. Bei den 
Benennungen mit halb gilt die deutsche Weise, als: auserhdlwen, 
anderthalb , tredhälwen , fierdhdlwen , u. s. w. , d. i. die nächstvor- 
hergehende Zahl ganz, und von der nächstfolgenden das Halbe. 
Der Däne kehrt es um und spricht: halvanden, haktredie^ haUh 
0erde, u, s. w. 

27 



210 

Die Gleichheit mancher Fälle , so wie der gänzliche Mangel des 
zurückkehrenden Fürwortes sich fPron. reciprocum) , kann oft Un- 
bestimmtheit und Zweideutigkeiten verursachen , besonders in 
nackten Sätzen. Sage ich z. B. He hit kam stäi, so kann dies« 
heissen: er hat sich gestossen, und: er hat ihn gestossen; jo hit 
hdr shjäm, sie hat sich oder sie geschnitten; ick häw jdm nag 
säjn, kann heissen: ich habe euch oder ich habe sie wohl ge- 
sehen. Diess ist indessen keine wirkliche Zweideutigkeit, denn 
der richtige Sinn geht immer aus dem Zusammenhange der Rede 
hervor. Spreche ich zu denen, die ich gesehen habe: iek h&m 
jdm nög säju, so heisst es: ich habe euch wohl gesehen; spreche 
ich von andern, so heisst es: ich habe sie wohl gesehen. Wdt 
shäset dät BjämF hat hSl hdm't Haad äujnstöhg ßllen, was fehlt 
dem Kinde? es hat sich den Kopf entzwei gefallen. Wirr auuHsr 
gSlli ddn Brauhser? he hit häm md en Faurk mjn 't Vhg stägen, 
worüber weint dein Bruder? er hat sich mit einer Gabel ins Auge 
gestochen. Wir wollen hier kurz bemerken , dass der dritte und 
vierte Fall bei allen Personen und in den drei Zahlen das zurüek« 
kehrende Fürwort sich vertreten, wie in folgenden Sätzen durch 
alle Personen in der Einheit, Zweiheit und Mehrheit, als: Iek 
häw nte forkäjld, dö hähst de — , he het hdm — , jö het hdr — , 
dät hit hdm — , hat hit hdm — , wdt häwe unk — , jdt häwe junk 
— ^, we häwe üss — , jdm häwe jdm — , jd häwe jdm — , ich habe 
mich, du hast dich, er hat sich, sie hat sich, es hat sich, wir 
zwei haben uns, ihr zwei habt euch, wir uns, ihr euch, 
sich erkältet. Dasselbe gilt für den Dativ der Person, als: 
häw me, dö hähst de, he hit hdm, jö hit hdr, hdt hit hdm, wdt 
häwe unk, jdt häwe junk, we häwe üss, jdm häwe jdm , jd häm€ 
jdm en Hüss käfi, ich habe mir, du hast dir, u. s« w. ein Haus 
gekauft. Däi forstänt hdm^ das versteht sich! 

§. iä7. Beispiele zur richtigen Anwendung dieses Fürwortes: 
Ick häw min Shäip all slägtigt , dö höhst din jd noch Aw '/ Gjim 
gongen, ich habe meine Schafe schon geschlachtet, du hast deine 
ja noch auf der Weide (dem Grase) gehen ; he hit sin Bjärd amf* 
nämmen, jö hit kdrr Häier briset, dn dät Bjärn hU sm Hän^nne 
twäienf er bat seinen (eigenen) Bart abgenommen» sie hat ihre 
Haare geflochten und das Kind hat seine Hände gewaschen ; kk 



211 

wM me wtU togauäe di^, idi will mir gütlich ihun; dö leUlel 
de sikr wurde, du lassest 's dir sauer werden; he dit häm MÖMte, 
er giebl (thut) sich Mühe ; jö kön hdr selleiv hSlpe , sie kann sich 
selber helfen; wirrfaar gälU dä$ £jämF weshalb weint das Kind? 
Swär: de Fijnger dU hdm sier, Antwort: der Finger thut ihm 
wdi; de Hüm hü me äujn't Bijn bdn, der Hund hat mich ins 
Bein gehissen; jö Kätt het de kläiset, die KaUe hat dich gekraut; 
de Hajnst häi hdm släien, das Pferd hatte ihn geschlagen; he be- 
hmtdeU här man h^n, er behandelt sie nur schlecht; däl Bjäm 
kit him faräh», hdi mmyt nö hungre, wm"t tidm käme shäl, das 
Kind hat sieh verfressen, es muss nun hungern, wenn es sich 
erholen soll; däi Stoinn wall äi daie, hat het hdm'e Täis ültbdn, 
4a8 Schwein will nicht gedeihen, es hat sich die Zähne ausge- 
trissen; we häwe ühsen Winn drunken, wir haben unsern Wein 
Setrunken; jdm häwe jdrringe Giß forfjard, ihr habt euer Geld 
^«rsehrt; ja häwe jdre Swinn dilUng slägtigt, sie haben ihre 
Sehweine heute geschlachtet; we möge üss nint dirrüttt wir ma- 
chen uns nichts daraus; jam häwe jdm forsqjn, ihr habt euch 
versehen; ja häwe jdm sSllew oh/h 'e l^ägleitijnneH, sie haben sich 
sdber im Lichte gestanden ; ick häw jdm dät Gijl däjn , ich habe 
euch oder ihnen das Geld gegeben , je nachdem es auf die zweite 
oder dritte Person in der Hehrheit sich beziehen soll; wdt kaane 
jimk äi hilpe , aurs jdt höhn unk ndg hilpe , wir beide können 
euch beiden nicht helfen» aber ihr beide könntet uns beiden wohl 
helfen; läwe junk jilleme noch? leben eure Eltern noch? unk $dn 
Ol langem diöß^ unsre sind schon längst todt, im Dualis; ick 
wUljmk wdt $idde^ ich will euch beiden was sagen; jdt kaane 
imi genge^ ihr zwei könnt nur gehen. 

$.138. Die Fürwörter der dritten Person stehen nur dann 
unverändert, wenn unmittelbar nach denselben ein Zeitwort folgt, 
eis: Man ßrauhser ds to Bidd gingen^ he wort wäjl krank wesen^ 
meip Bruder ist zu Bette gegangen, er wird wohl krank sein; 
ja Hänn kägeU, jö hit wdss en jii läid, die Henne gackert, sie 
hat gewiss ein Ei gelegt ; dät Läiujnn äs so drökg , dann dät hit 
£11 langem nän Binn fangen , das Land ist so trocken, denn es 
hat schon längst keinen Regen bekommen; dd Höjnste sdn so 
hungrig ^ ja häwe dilling noch nint to ähsen fangen, die Pferde 

27 '» 



212 

sind so hungrig, sie haben heute noch nichts zu firessen bekom- 
men. Eben so nach einer Frage , wenn das Fürwort in der 
Antwort voran steht, als: wirr ds man Häujdd? he IwU aw'e 
Shew, wo ist mein Hut? er liegt auf dem Tische; mhU mäget di» 
Süster? Jö köget Unnems^ was macht deine Schwester? sie kocht 
das Hittagessen; wirr häwe jdi da Fmh füngen? wat häwe's 
ungelt, wo habt ihr beide die Fische her? wir haben' sie 
geangelt. 

§. i29. Stehen aber die Fürwörter der dritten Person selbst 
unmittelbar nach dem Zeitworte» so nehmen sie eine durchaus 
veränderte, nicht mehr kenntliche Gestalt an, und ihre ursprüng- 
liche Form geht gänzlich verloren. Dann werden die männlichen 
Fürworter he und hdm durch die angehängten Buchstaben r 
und n, das weibliche Geschlecht durch s, das sächliche durch t, 
und der Plural wieder durch 8 vertreten. Hier ein Beispiel zum 
vorigen und zu diesem §. De Fögel ds ütt flogen ^ he mäujt nö far* 
hungre, der Vogel ist ausgeflogen, er muss nun verhungern, de 
Fögel ds iUt flögen^ nö mäiujt V for hungre; min Wo ff ds kränk, dfrr" 
faar kän's di mdkdme, meine Frau ist krank, daher kann sie 
nicht mitkommen; he kon sin Hüss di längere beböge, auwer däi't 
so ahmen ds, an dirrfaar shdl'r nö n^dme ütttijn, er kann sein 
Haus nicht länger bewohnen, weil es so offen ist, und deswegen 
soll er nun morgen ausziehen ; min Vgene sdn nö bäksere, iek 
häw *s drken Mjdm md Idi Wähser twäien, meine Augen sind nun 
besser, ich habe sie jeden Morgen mit lauem Wasser gewaschen; 
hähst dö de male Hünn söjn? ja, ick säch 'n faar en läiet, hast 
du den tollen Hund gesehen? ja, ich sah ihn so eben; wdi skm- 
set ddn Hünn? kän'r äi gonge? was fehlt deinem Hunde? kann 
er nicht gehen? dät Bjdrn gällt, hSt't kam forligt brännd? das 
Kind weint, hat es sich vielleicht gebrannt? dirr stönt en Mann 
faar'e Bohr, frag hdm, wdt'r wdll, es steht ein Mann vor der 
Thür, frage ihn, was er will; dd Dringe stäujnne dirr dn täiwe, 
wdn's äi md? die Knaben stehen da und warten, wollen sie 
nicht mit? — Bisweilen stossen auf diese Weise zwei Fürwörter 
zusammen und werden dann so ausgesprochen, als ob sie nur 
ein Wort ausmachten, als: he sdit dät'rt (dättert) didu^ kon, er 
sagt, dass er 's nicht thun kann ; jö sähs, däts 't nög kewe wi^'l. 



213 

sie sagte , dass sie 's wohl haben wollte ; dö hakst min Bjame 
Späüjock läwei, häwe8*t älifüngen? du hast meinen Kindern Spiel- 
zeug versprochen , haben sie 's schon bekommen? da Jöngens nüm- 
**^cn mdn Släse, häwes'n all wiksser hrdgt? die Jmigen nahmen 
deinen Schlitten, haben sie ihn schon wiedergebracht? In der 
Ft^e: wai wallt? was willst du? wird dö (du) immer ausgelassen, 
^'^enn man jemand geradezu nach einem Begehren fragt, ohne 
^^Iremden oder Trotz ausdrücken zu wollen; ist letzteres der 
^cill» dann wird das Fürwort nicht im Zeitworte verschluckt, 
H>iidem mitgenommen und stark betont, wie: wät wähl dö? wat 
tocUl dö me wä^l dv^n? was willst du? was willst du mir wohl 
anhaben? Ist eben die Rede von einem männlichen, weiblichen 
oder sächlichen Gegenstande, so fragt man: wat wdllW, wat wdirs, 
Vfit wdirt? PL wät wdn'm [wdnnem), wät wdn's? und so mit allen 
Zeitwörtern, die damit in Verbindung gebracht werden können, 
als: dat kön 'r nSg, das kann er wohl, dät kän's, das kann 
sie, dät kaanes , das können sie, dät kän't^ das kann es, 
dat kaanem, das könnt ihr. Soll aber Befremden dabei ausge- 
drückt werden, oder Zweifel, Erstaunen u. s. w., so sagt man: 
wat wdU he, — jö, — hat, — jdm, — jd? kön he, — jö, — hat, 
— jam, — jd dät düjn? — Auf dieselbe Weise werden diese 
stellvertretenden Zeichen des Fürwortes in allen ähnlichen 
Fällen mit Zeit- Binde- und Omstandswörtem verbunden. So 
heisst z. B. ob er, sie, es, PI. sie, mit dem Fürworte, wirr he^ 
wkr jö, wirr hat, wirr dät ball käme shaujl^ und im PL wirr jd 
hall käme shäujn? bald kommen sollten; mit den Zeichen, wenn 
vorher die Rede von ihnen war, aber: wirr'r {wirrer), wirr 's, 
ufirrH, Wwirr's hall käme 9 Unpersönlich: wirrH äi gonge shäujl? 
ob *8 nicht gehen sollte? wirr 's wäjl wese maage, wo sie 
wohl sein mögen; wirr maages wäjl wesef wo mögen sie wohl 
sein? ickshdljdm frage, wirrem häne wdn, ich soll euch fragen, 
wo ihr hin wollt; ick shdl jdm frage, wirr 's häne wän, ich soll 
sie fragen, wo sie hin wollen. Wirrem (statt wirr jäm) zeigt hier 
die zweite , und wirr 's (statt wirr jd) die dritte Person der 
Bfehrheit an. 

Spreche ich zu einem: wähl mä, so kaast käme, dann wird das 
Fürwort du von den Zeitwörtern wähl und kaast {känst) ver- 



214 

scblungen. Sage ich: wähl dötnd, so kaast käme, dann darf das 
Fürwort im Nachsatze nicht wiederholt werden Mvenn ich aber 
das dö gleichsam hindeutend gebrauche und sage: wäht dö mi, 
80 kaa$t dö och käme^ dann muss es im Nachsatze wiederholt 
werden. Sogar mit Färwörtern werden diese stelivertretenden 
Zeichen verbunden, wie in folgenden Sätzen: da u/ie wjdm äUe- 
male raset, an dirrfaar häw kk's üUsmdn^ die Eier waren alle 
faul, und deswegen habe ich sie ausgeworfen; he Mi sdn bSsU 
Ht^t forkäfty er hat sein bestes Pferd verkauft; hUem forkäft? 
hat er 's verkauft? In dem Worte hitem, in welchem zugleidi 
der Accusativ des männlichen Geschlechts bezeichnet ist, liegen 
die Wörter: hat er tAn, oder die friesischen: hit he kam, einge- 
schlossen. Ick häw häm en Daaler bahn^ aurs he wäßVen äi hSwe, 
ich habe ihm einen Thaler geboten» aber er wollte ihn nicht 
haben; wäjlem äi hewe? wollte er ihn nicht haben? wirr ds hdrr 
Ddgter? jö hSt's iUt io tienen sänd; hitses üttsänd? hetses, hat sie - 
sie, oder dieselbe? hiter* n, hat er ihn? heier 's, hat er sie? 
Sing, und Plur., häer't^ hat er es? hSts'en, hat sie ihn ? kits'ee 
hat sie sie? Sing, und Flur., hSU't, hat sie es? hilet'en, hat es ihn 
hStet hdr, hat es sie? im Sing., Mietet, hat es es? hetet's, hat e^ 
sie? und so mit allen Zeitwörtern, die nur in solche Yerbindun — 
gen treten können. 

§. 150. Die beiden sächlichen Fürwörter dät und hat heisse^K 
beide es; jenes steht aber nur unpersönlich und stellvertretend 
für leblose Gegenstände oder Sachen, dieses hingegen bloss fo^MC 
lebende Wesen vom sädilichen Sprachgeschlechte, als: dät five^ , 
es friert, dät toit, es thaut, ist Thauwetter, dät däwet, es thaufe^ 
es fallt Thau, dät rippet, es reift, dättutmert, läidet^ rinnt y snOht, 
hägeUf wäit, staumU^ es donnert, blitzt, regnet, schneit, ha- 
gelt, weht, stürmt; dät händ häm, es begab sich; dät gongt, 
es geht, u. s. w. Dät Bill ds klär, tmrs dät lickent nint, das BiU 
ist fertig, aber es ist nicht ähnlich; dät Bijn ds tünnen, awn 
dät dM me ai sier, das Bein ist geschwollen, aber es thut mir 
nicht weh, u. s. w. Wdt shäset dät ShäipP hat läppt ja äU trimh 
dm, was fehlt dem Schafe? es lauft ja ^immer rund um; dit 
Bjam Mt sdn Äirem brägen, hdt mäi^t to de Lahsesetter, das Kind 
hat seinen Arm gebrochen, es muss nach dem Gliedsetzer (Ein- 



215 

renker]; wirtHuwer gälü dät £jäm7 hAl hSi hdm äw m Spieker 
fämfen, worüber weint das Kind T es hat sieh an einem Nagel 
geiHssen. 

Xie Sätze: es war einst ein Mann, es wird erzählt, es braeh 
l^^e^er aus, es giebt Menschen, u. s. w., werden aber nicht durch 
I, sondern durch dirr (da) ausgedrückt, als: dirr was ijnsen 
M&nn, dirr w&rt fortilld, dirr bräik Ijll Uli, dirr s6n Jfdnshe- 
s dirr tdjn JSöhser ähse, die keine Butter essen. Dieses dkr 
itspricht dem dänischen der, z. ß der fortälles, dirr wort foT" 
t^tld; der siges, dtrr wört säid; der var ingen hjemme, dtrr was 
^9fi^mmen inne; der döer mangen ung Mand, dirr $tirrewt mdnaiin- 
9^n jungen Mdnshe. 

Aber in den friesischen Ausdrücken: dirr ^mge*s, dirr snäke's^ 
^irr dSnse's, dirr sluhgge's, dirr spale*8 u.s.w. ist das s am Ende 
des Zeitwortes das Zeichen der Mehrheit in der dritten Pers(m 
tiir: jd, sie, und dirr gonge's heisst: da singen sie. Diese darf 
i^an nicht mit den dänischen Ausdrücken : der synges , der 
Bnakkes, der dandses, u. s.w. verwechseln, so ähnlich sie einan- 
der auch in den Formen zu sein scheinen. Die dänischen lassen 
sich nur durch werden, die friesischen nur durch jd, sie, in 
Verbindung mit dem Zeitworte auflösen. Der dandses , es wird 
da getanzt, oder da wird getanzt, dirr dänse's, da tanzen sie 
(nämlich die Leute). Ein paar Beispiele mögen diessklar machen» 
als: wdt mäget dät Fätylk dirr? dirr riese*s en Hüss, was machen 
die Leute da? da richten sie ein Haus; dirr släwe's en Stijn, 
da schleppen sie einen Stein; dirr luppe's to widds, da laufen sie 
in die Wette. 

§. i5i. Wenn die Fürwörter zurückkehrend gebraucht werden, 
80 stehen die gewöhnlichen Fälle unverändert , das Fürwort mag sich 
nun auf Personen oder Sachen beziehen und in der Einheit oder 
Mehrheit vorkommen, als: ick me, dö de, he hdm, jö hdr, hat 
hdm^ dät hdm, pl. we üss, jdm jdm, jd jdm, im Dualis: wdt unk, 
jdijunk, d. i. ich mich, mir, du dich, dir, er sich, sie sich, es 
sich, wir uns, ihr euch, sie sich. Dual, wir (zwei) uns, ihr (zwei) 
euch (Vergl. §. 126). Beispiele: De Dring hit sin Bijn stät, dät dit 
hdm sier, an nö wdll'r hdm ai tofrihse jewe, der Knabe hat sein 
Bein gestossen, es thut ihm weh, und nun will er sich nicht 



216 

zufrieden geben; de Buhfnm het hdm biedy der Baum hat sich 
gebogen; dät Hüss hSt hdm gäujd hüllen, das Haus hat sich gut 
gehalten; jö hit hdr forsäjn, sie hat sich versehen; dd JSngem 
häwe jdm bähsei ^ die Jungen haben sich gebadet; dät wdll hdm 
flog finne , es wird sich schon finden ; dät jSß hdm n6g , das giebt 
sich wohl. — Stehen sie nicht zurückkehrend, so kommen die 
Fälle nach Geschlechtern und Zahlen vor, als: hälist dö dß 
drunkne Mann säjn? hast du den trunknen Mann gesehen? jä, 
ick säch hdm nog, aurs ick wäjl nint md hdm io duhggen hSwe, ja, 
ich sah ihn wohl, aber ich. wollte nichts mit ihm zu schaffen 
haben; höhst ddn näie Wäien ällfüngen? Ja, ick, häw'en to de Smdss 
sänd, am'en beslüjn to läjtten, an wdner'en besläien het, shdUer'n to 
de Maler bringe, hast du deinen neuen Wagen schon bekommen? 
Ja, ich habe ihn zum Schmied geschickt, um ihn beschlagen su^ 
lassen, und wenn er ihn beschlagen hat, soll er ihn zum Malern 
bringen. Sächlich: ick häw dät Kulew gäujd fausert, hdt ds nö faü^ 
an dirrfaar wdll ick't ock mjärne slägiige, ich habe das Kalb gui^ 
gefüttert, es ist nun fett, und deswegen will ich 's auch mar ^ 
gen schlachten; dät Hüss ds üjll an forßllen, an dirrfaar wdUer'^ 
dählbrege, das Haus ist alt und verfallen, und deshalb will erl^ 
abbrechen. Pluralis: wirr sdn din DöwweF Mdn Näiber sähs, c^H 
A'llring häi's nümmen, oder: dät de Allring' s nümmen häi, meik^ 
Nachbar sagte, der Iltis hätte sie genommen, oder: dass d«=» 
Iltis sie genommen hätte. 

§. 152. Der Dualis wird im Nordfriesischen nur von Persone^a^ 
seltener von Thieren und nie von Sachen gebraucht, es sei desLWM, 
dass man sich dieselben persönlich denkt und sie redend einfülurf, 
wie im Mährchen utid in der Fabel. Sind zwei Menschen bei 
einander, so nennen sie sich nicht we, wir, sondern wdt, d^ i 
wir zwei oder wir beide; und redet man zwei zugleich an, SQ 
nennt man diese nicht jdm, ihr, sondern jdt, d. i. ihr zwei oder 
beide, wobei weder in dem einen, noch in dem andern Falle das 
Geschlecht berücksichtigt wird, als: wdt sdn hirr man älUem, 
wir beide; wirr häwe jdt wähn? wo seid ihr gewesen? jdt km^ 
älliene gonge ^ wdt wdn äi md, ihr beide könnt allein gehen, wir 
beide wollen nicht mit. Treibe ich zwei Lämmer, Schafe, Rinder 
u. s. w. vor mir her, so kann ich sagen: wdn jdt gonge! ick wM 



217 

ju/nk nog stjorre. So z. B. En leiten Dring säks io dn iwäier Pire* 
bwAhmme: jdt hinge so füll auf Pire, ick wall junk ijnsen skuddef 
d^djü's falle lajite, ein kleiner Knabe sagte zu seinen zwei Bim« 
bavmen: ihr hanget so voll Birnen, ich will euch einmal schüt- 
in, dass ihr sie fallen lasset. 

Der zweite, dritte und vierte Fall heissen immer unk xiudjunk, 

: do dähst unk Ünrogt, du thust uns Unrecht; het de BaM^ 

^itf^&m jwnk bestSllenF hat der Bettler euch bestohlen? wät kaane 

t>«»db äi ijn junk stäujnne; jdt kaane junk ai md unk mdjtte; hukm 

hSg junk wdt dajn? wer hat euch was gethan? wdt wdn unk nog 

fi^vswäre (verantworten) , an junk nint Sftefjewe (nachgeben). 

§. 135. Zu bemerken ist hier noch das persönliche Fürwort sSllew, 
selbst oder selber , welches den bezeichneten Gegenstand in 
seiner ganzen Eigenthümlichkeit darstellt, und die Verwechslung 
desselben mit andern unmöglich macht, als: icksellew, dö sSllew, 
^, jo, dät, hat, we,jdm,jd, wdt, jdt sSlleiv, Es ist unabänderlich 
Und hat den Redeton, als: ick häw't sSllew hierd (gehört); wdi 
^t^m sSllew iostese (zugegen); he het me dät Bauck sellew far^ 
ihret (geschenkt); jö hei hdr sellew ambrögt, sie hat sich selbst 
Umgebracht oder entleibt; he spregt alt auf hdm sillew, er lobt 
sich immer selbst; dirr hähst de sellew mjn'e Ljägte sHjnnen (im 
Lichte gestanden); dö bast'r sellew Shäjl äujn (Schuld daran). Mit 
dem Geschlechtsworte zusammengesetzt, entspricht es den deut- 
schen Fürwörtern: derselbe, dieselbe, dasselbe, dieselben» als: 
xuännlich desell'we, weiblich jösellew, sächlich dätsSllew, pl. da» 
sSll'we. — Dät ds desell'we Mann, jösellew Wo ff, dätsSllew Bjärn, 
dirr ick enjörsne säch (gestern sah), dät sdn ddsSll'we Mdnshene. 

Wo das Wort selbst im Deutschen umstandswörtlich steht, 
braucht man im Nordfriesischen sögaar, sogar. 

Anmerkung. 

§. 154. Die Nordfriesische Sprache hat das mit der dänischen ge- 
mein, dass sie auf die Frage: huhm ds dirr? wer ist da? weit öfter 
den vierten, als den ersten Fall der Person setzt, und spricht: 
dät ds me, das ist mich, statt: das bin ich; was aber nicht angeht» 
wenn das Fürwort in der Antwort voran steht, wo man antwor* 
teo muss: ick bdn 't, ich bin 's; he äs't, er ist 's, u. s. w.. Die 



218 

gewöhnliche Antwort durch alle Personen beider Zahlen ist daher 
folgende: dät ds tne, de, hdm, hdr^ üss^ jdm, unk^ jwnh Doeh 
kann man auch sagen: dät bdn ick^ dät ds he, jö, dat so» we, 
jdm, jia, wdt^ jdt. Auf die Frage: hast da dirr? ds he, jö, dirr? 
antwortet man: ja, ick bdn hirr, he ds dirr, u. s. w. Aber die 
Ausdrucke: dät was hdm sSllew, hdr sillew, üss,jdm sellew, sind 
weit gebräuchlicher, und schcfinen gewissermassen der Sprache 
eigenthümlicher zu sein als: he wäs't sellew, er war es selbst; 
ick umsst äi dät*t d4 was (dass es dich war), aber auch: däi dö*i 
wjarst, dass du es warst. 

§. 155. Die deutschen Personwörter: jemand, einer, man» 
niemand, keiner, werden durch Au/^m, jemand, einer, man, lUid 
niemmen, niemand, keiner, vertreten , als: hähst huhm säjn? hast 
du jemand gesehen? huhm mäujtet doch däjn hSwe, jemand (ii^end 
einer) muss es doch gethan haben; dirr ds niemmen inne, da ist 
niemand zu Hause; dät kön jd niemmen lese, das kann ja niemand 
lesen; huhm säit so, man sagt so; huhm km *t äi wdhse, man Laim'a 
nicht wissen; kön me dät huhm sedde^ kann mir das jemand sa- 
gen? huhm köhs't ndg [tanke, man konnte es wohl denken. Bukm 
hat im männlichen Geschlechte des Genitivs huhmsen, im weiUi- 
eben, sächlichen und der Mehrheit huhms, als: dät ds h$^hmim 
äiene Fordijl, wdn'm flijttig ds, es is eines (unser) eigner VortheU, 
wenn man fleissig ist ; de Jöhsc sähs : huhm mäujt huhmsen äiem 
Fordijl äujn u/gt ndme, der Jude sagte: man muss seinen eigenen 
Vortheil in Acht nehmen; huhms dien Gagen, jemands eigener 
Nutzen; wdn'm [huhm) äi sünig ds, so ds huhms Gijl ball forijärd, 
wenn man nicht sparsam ist, so ist eines Geld bald verzefartu_ 
huhms Läwefit wäret man kaurt, eines Leben dauert nur Lurz;^. 
huhms Däsighäid mäujt 'm (1. mävjttem) oßing jöhr betäle , seil 
Thorhcit muss man oft theuer bezahlen ; huhms Bjdrne 
huhm jd doch äw't Hdrt, unsere Kinder liegen uns ja doch 
Herzen; wörtlich: eines Kinder liegen einem ja doch u. s. w. ^ 
huhms Tagte kön jd niemmen räjdde, eines Gedanken kann ja nie- 
mand errathen ; huhm wdll huhms äien jd doch ndg tokuppe li^üm' ^ 
man will ja doch gerne das Seinige zusammenhalten. 

Niemmen hat im zweiten Falle niemmens, niemands, als: 
wUl niemmens Tiener wese, er will niemands Diener sein; he 



219 

niemmeni Frünn, er ist niemands Freund; dö shäht uiemmetis 
gauJisen Ndme krdjnke, du sollst niemands guten Namen kränken 
(lästern). 

Das zueignende oder besitzanzeigende Fürwort 
(Pronomen possessivum). 

§. 136. Die zueignenden Fürwörter heissen im männlichen 
Geschiechte: mdn^ ddn, sdn, harren ^ sdn, ühsen^ unken^ junken, 
jirringe, jdre, im weiblichen, sächlichen und in der Mehrheit: 
mm, din, sin, hdrr, sin, ühs, unk , junk , jirringe , jire. Sie stehen 
sowdil vor, als hinter dem Hauptworte, sind aber sämtlich keiner 
Abänderung fähig. Anwendung: MdnHäujd, ddn Rock, sdnWäien^ 
harren Sfdnn, deHäiyd dsmdn, de Back dsddn^ de Wäiends sdn, de 
Mann ds harren. Dät Kulew hei sdn Hals fordrdid; we häwe ühsen 
Wijtte bürgen; unken Fidder ds slürwen; junken Wäien ds dmsmdn; 
jdrringe Fäu^lk ds tofäjlle; jd häwe jdre Kälte drangd; junken naie 
Slähse ds kiemmen, u. s. w. Ferner: JUin Wo ff, din Fämmen, sin 
Süsier, harr Ddgter, üks Hüss, jdrringe Tünn, u. s. w. Dät Björn 
kk sin Naas räwen (gerissen); ühs Brvjd ds dp, unser Brot ist 
auf; wä;t häwe unk Gijl üUdajn (ausgegeben); jdt kaane junk Krämm 
behielte (behalten) ; jdre Fäujlk ging md jdrringe to Fäjlle , ihre 
Leute gingen mit den eurigen zu Felde; — min Hüss, man Hünn^ 
din Bjdm, ddn Tfiäte, sin Bräif, sdn Plaug, harren Äirem^ hdrr 

A 

FäjU, ühs Läujnn, ühsen Eher, unken Springstdck , junk Wönräjdde^ 
eure Thorheiten; jdrringe Süss, jdre Frünne. De Wäien ds mdn^ jö 
Swöhw ds din, an dat J^k ds sin, man Rock ds näi, ddn ds 01, 
din Glees ds tenn, min ds tjock, ühs Tjöch ds fätt, jdrringe ds man 
mager, unser Yieh ist fett, eueres ist nur mager. — Dät Min an 
din, das Hein und Dein, wie im Deutschen. 

§. 157. Im zweiten Falle nimmt das Hauptwort beim zueigoea* 
den Fürworte das Zeichen dieses Falles, nämlich ein s an; diess 
gilt für alle Geschlechter und beide Zahlen, als: Man Brauhsers 
Sahn, min Süsters Dögter, din Mudders WiekdSge (Weh tage), üfis 
Bjjdmes Spaltjöch, unk Sösshenes järwepärt, unserer (zwei) Geschwister 
Erbtheil; jdrringe Döwwes Junge kaane all ütlflijn^ eurer Tauben 
Junge können bereits ausfliegen; ühsen Kinnings Modder ds näjlke 
sisirwen, unseres Königs Tante ist neulich gestorben. 

2«* 



220 

§. 158. Die drei Fürwörter: ük8,jdiringe und jdre, stehen auch 
substantivisch, wie im Dänischen, für Haus, Familie^ z.B. dau 
Braukser äs ö^U Ühs, min Süster ds äjU Jdrringe, an ajU Jdre ki- 
we's Främde, Wirr was dät? oder wirr skdid dät? wo geschah es? 
Jjtt Uhs, äjtt Jdrringe, ajtt Jdre, d. i. in unserm, euerem, ihrem 
Hause, oder bei uns, euch, ihnen. 

§. 159. Es ist ferner eine Eigenheit der Nordfriesischen Sprache, 
dass man, besonders beim ßedauem, Schelten und Schimpfen, 
statt des ersten Falles der zweiten Person den zweiten, nämlich 
das zueignende Fürwort dein und deine setzt, je nachdem das 
Geschlecht es erheischt, als: ddn Idjtte stäkeis Dring ^ dein kleiner» 
armer Junge, statt: du kleiner, armer Junge; ddn groUe SHingel, 
du grosser Schlingel; din stäkeis Fammen! du armes Mädchen; 
din laßt dasig Krät, du kleines, albernes Ding; ddn irme Stäkel, 
du armer Wicht. Diess ist ebenso im Dänischen der Fall, als: 
din stakkels Dreng, din elendige Karl, u. s. w. 

§. 440. Es ist schon früher bemerkt worden, dass man nicht 
selten dem zueignenden Fün^'orte das Geschlechtswort vorsetzt, 
was noch häufiger geschieht, wenn das Hauptwort zugleich em 
Bestimmungswort vor sich hat, als: de man Sahn, jö min Dogter^ 
de kdrren Jänge, jö hdrr F&mmen, de man Hjlle Häjnst^ jö dim 
jung Söhg, dät ühs näi u/hk, Scheunenthor (Yergl. die erste 
Anmerkung zu §• i20). 

Das hindeutende Fürwort (Pronomen demonstrativum). 

§. i4i. Dies lautet im männlichen Geschlechte: de hirre, i$ 
dirre, dejdnner, d. i. dieser hier, dieser da, und jener; weiblieh: 
jö hirr, jö dirr, jöjdnner; sächlich: dät hirr, dät dirr, dät jim- 
ner; pluralis: dd hirr, dd dirr, dd jdnner für alle Geschlechter. 
Anwendung: de hirre Buhmm ds man, de dirre ddn, an de jdnner 
sdn, dieser Baum ist mein, der da dein, und jener sein; dehim 
Mann kaast liewe, de dirre ai so gäujd, an de jdnner ds gaar äi t» 
trauen f diesem Manne kannst du glauben, diesem da nicht so 
gut, und jenem ist gar nicht zu trauen; jö hirr Rauhs ds smuek^ 
jö dirre ds smuckere, aurs jöjdnner ds doch jö smuckst, diese Rose 
hier, diese da, aber jene u. s. w; dät hirr Hüss ds vjll, dät dbrre 
ds allere an dät jdnner ds älst, Wdt faar trd Fögle h&hsl dirr gun-^ 



22 t 

gen? de hirre ds en Kukuk, de dirre en jigerhänn, an dejdnner en 
Kämkwänker , dieser hier ist ein Kuckuk , der da ein Rebhuhn ^ 
und jener eine Wachtel. Plural: da hirr Gäis sdn ßU, da dirre 
sdn füttere i aurs da jänner sdn doch fättst; dd hirr Häujdde sdn 
finere as dd dirre an dd jdnner, diese Hüte sind feiner, als diese 
da und als jene. — Wenn diese nicht als hindeutende Fürwörter 
stehen, so bedeuten sie auch: der hiesige, der dasige und dortige, 
als: de hirre Prester, der hiesige Prediger; de dirre Melier, der 
dasige Müller; ja jdnner Sjürk, die dortige Kirche. Statt de j6n* 
ner, jö jdnner, dät jdnner, sagt man auch: de jdnte, ja jdnte, dät 
jdttte, dd jdnte, welches sowohl die dortigen, als die jenseitigen, 
bezeichnet. 

§. 142. Obgleich die hindeutenden Fürwörter: de hirre ^ de dirre, 
dejdnner, u. s.w., als solche, durchaus unabänderlich sind, so be- 
kommen sie doch das Zeichen des zweiten Falles, wenn sie zu- 
gleich das Hauptwort selbst mit vertreten , z. B. huhmsen Bibel ds 
dStF dät äs de hirrs, de dirrs, dejdnners, dd jdnners, wessen Bi- 
bel ist das? dessen hier, dessen da, jenes dort, jener dort; huhms 
Käwel äs dät? dät äs jö hirrs, jö dirrs, jö jdnners, wessen Weiber- 
rock ist diess ? deren hier , deren da, jener da ; huhms Bauche sdn dät? 
dit Sdn dd hirrs j dd dirrs, dd jdnners Ba/ucke, es sind die Bücher 
dieser hier, da, jener; wdt faaren Bjäms Bälle äs dät? dät hirrs t 
dät dirrs, dät jdnners; eben so im Pluralis: dd hirres, dd dirres, 
dd jdnners. 

§. i43. Da die Nordfriesische Sprache sich nicht zur Schriftsprache 
eriioben hat, so kommen die hindeutenden Fürwörter in den 
Nachsätzen nicht so vor, wie im Deutschen, wenn man nicht die 
bezeichneten Gegenstände wirklich vor Augen hat. Wenn daher 
drei Dinge mit einander vergleichend zusammengestellt werden, 
80 muss man sich der Wörter: de jdrste, de lähsere an de Uste, 
(der erste, der zweite oder letztere und der letzte) bedienen, 
als: Dät Beef, de Hünn wn de View {Ölw) käwe faale md enauser 
tofälle, aurs dät jdrst ds snäsig (schlau), de lähsere trau, an de 
Uste glübsh (reissend). Aber hier, wo wir die Wörter im Satze 
vor Augen haben, kann man die hindeutenden Fürwörter alle 
drei gut und bequem anwenden, als: de Hünn, de Ölw an*t Beef 
hüwe faale md enauser tofälle, aurs dät kirr äs listig, de dirre 



222 

glübsh an de jänner trau^ der Hund, der Wolf und der Fuchs 
)iaben vieles mit einander gemein, aber dieser hier ist listig, 
dieser da grimmig, imd jener treu. 

Das vorwärtsdeutende Fürwort (Pronomen delerminalivum). 

§. i44. Dieses Fürwort ist, der Form nach, ganz dem Ge- 
schlechtsworte gleich, nur mit dem Unterschiede, dass es immer 
den Redeton mit besonderm Nachdruck hat, als: De Mänshe d$ 
locklicky dirr en rien Gewäten hSt, der (derjenige) Mensch ist 
glücklich, welcher ein reines Gewissen hat; jö Tidd, dirr ^nsen 
spülten dSf kamt äi wUisser, die Zeit» welche einmal verloren ist, 
kommt nicht wieder; dät Swinn, dirr we enjörsne slägtigten, käi 
fßole Tonte, was tontig^ das Schwein, welches wir gestern schlach- 
teten, hatte viele Finnen, war finnig; da Mdnshene^ dirr Hän Göd 
liewey sdn awne Träst äujn't Untock, die Menschen, welche keinen 
Gott glauben, sind ohne Trost im Unglück; oder: da, dirr äi 
äujn Göd liewe, sdn äujn't Unlock aane Träst, diejenigen, welche 
nicht an Gott glauben, sind im Unglück ohne Trost; de', dirr id 
kiere wäll , mäuit falle , derjenige , welcher u. s. w. (Hier kann 
auch huhm (wer) stehen, als: kukm äi hiere wäll, m&ujt ßUe, 
wer nicht hören will, muss fühlen); de, dirr ga/ujd smjärt^ l^irt 
gäi^, wer gut schmiert, fährt gut; dd twäier Hünne, dirr märUng 
nhähn würden, ujäm biese nial, die zwei Hunde, welche diesen 
Morgen erschossen wurden, waren beide toll; jö Wo ff, 4irr ft 
Aagedege haadigt würden äs, käi karren Mdnn forjäwen, die Frau 
welche vor acht Tagen enthauptet worden ist. hatte ihren 
vergeben* 

Das zurückdeutende Fürwort (Pronomen relativum). 

^ 145. Die zurückdeutenden Fürwörter sind: dirr, huhm ui 
wät, Dirr entspricht den relativen Pronomen der, die, das. pK « 
die, und welcher, e, es, pl. e, z. B. Nero was en Mann, dirr d^m^^ 
send Ünsküllige pienige Ut , dm hdm äujn jdre Kwaal to hogem' » 
riero war ein Mann, der tausend Unschuldige martern liess, lUK^ 
sich an ihren Qualen zu ergötzen ; dät is jö Wöff, dirr härr^^^ 
Mann, harr wägsen Dogter an hdrr Idjtt spie Bjdrn forjäwen hiS , 
das ist die Frau, die ihren Mann, ihre erwachsene Tochter ucxcl 



223 

ihr kleines zartes Kind vergeben hat; jö Stäir, dirr dntenne so 
klär shindy wäs'e {jö) Venus, der Stern, welcher gestern Abend 
80 hell schien» war die Venus; dät Hüss, dirr he dät f&rre Ihr 
bdggdy ds märling außrännd, das Haus» welches er im vorigen 
Jahre baute, ist diesen Morgen abgebrannt; dät Bjärn, dirr fmr 
en UUei dähl äujn'e Süss feil, häwe's noch Ubhen wihsser dptägen, 
das Kind, welches vor einer kleinen Weile in den Brunnen fiel» 
haben sie noch lebendig wieder heraufgezogen; da mite inerte, 
dirr mddde ühs tdmme gingen , sdn nägtling wag flogen ^ die wilden 
Enten, die unter unsern zahmen gingen, sind diese Nacht weg- 
geflogen. — Huhm (vergl. §. i55}, heisst wer, hat im zweiten 
Falle hvJimsen und huJims, wessen und dessen, deren: huhmsen 
beim männlichen , und huhms beim weiblichen und sächlichen Ge* 
schlechte, so wie auch in der Mehrheit. De Monn, huhmsen Äirenn 
aufshähn äs, kaum hirr näilke faarbäi, der Mann, dessen Arm 
abgeschossen ist, kam hier neulich vorbei; jö Wähs, huhms 
Dogter stürmen äs, wäll här nö wihsser befräie^ die Wittwe, deren 
Tochter gestorben ist, will sich nun wieder verheirathen; .<fä^ 
Bjam, huhms u/llerne stürwen sdn, häw ick to me nümmen, das 
Kind, dessen Eltern gestorben sind, habe ich zu mir genommen; 
dd Fögle, huhms Fäjtt ahmen sän, kaane äi swumme, die Vögel, 
deren Füsse offen sind, können nicht schwimmen. Auch in all- 
gemeinen Sätzen, wo ein Hauptwort die ganze Gattung vertritt, 
steht huhmsen und huhms im Nachsatze, als: De Wällfäsh, huhm- 
sen Töle so grott, an huhms Swällig so när äs^ kän man Häiringe 
släjnke, der Wallfisch, dessen Maul so gross und dessen Schlund 
(Schwalch) so eng ist, kann nur Häringe verschlucken; jö Gäus^ 
md huhms Dummhäid so öfling spotet wort, ds üss äi so faale mdn- 
nere to grott Gagen md hdrr Fähsere an harr Flash ^ die Gans, 
mit deren Dummheit so oft gespottet wird , ist uns nichtsdesto- 
weniger von grossem Nutzen mit (durch) ihren Federn und 
ihrem Fleische; dd Ricke, huhms gause Dege huhm jdm öfling mds- 
gönnt, sdn sdlten so locklick, ds we miene, die Reichen, deren 
gute Tage man ihnen oft missgönnt, sind selten so glücklich, als 
wir wähnen. — Wdt, was, steht nur im sächlichen Geschlechte, 
aber nie nach einem eigentlichen Hauptworte, als: dät äs alles, 
wät ick häw, das ist alles, was ich habe; dukg, wdt'r säit, thue. 



was er sagt; dät ds dat Best, wat dö diijn kaast, das ist das Beste » 
was du than kannst; all dät Gäujd an Jlirig, wdi we dqjn hawe, 
kdnU äw ühs äien Räkning, alles Gute und Böse, was wir gethan 
haben, kommt auf unsere eigene Rechnung; huhm tört ai älüdd 
düjnj wät*em wall, man darf nicht immer thun, was man will; 
alles, wäi's hety dsGods Gaawe, alles, was sie hat, ist Gottes Gabe; 
alles, wdt Ohme hei, law ühsen Hiere! alles, was Odem hat, lobe 
unsem Herrn ! 

Anmerkungen. 

i. Huhmsen richtet sich nicht nach dem Geschlechte und der 
Zahl des Grundwortes , wie im Beutschen dessen und deren 9 
sondern allein nach dem Worte, vor welchem es steht, als: dal 
Kameelj huhmsen Hals so long ds, das Kameel, dessen Hals so 
lang ist; jö Ldw, huhmsen Stjart en Töle long Haier än^n't Iß 
kety der Löwe , dessen Schwanz einen Büschel Haar am Ende hat^^ 
im weibl. und sächl. Geschlechte und im pl. inuner nur kuhms. 

% Dirr heisst auch da, was aber nicht leicht mit dem hl*^» 
rückdeutenden dirr verwechselt werden kann , wie im dem Satie s 
dirr ds de Mann, dirr me släien hH, da ist der Mann, der 
geschlagen hat; dirr ds dät Gijl, dirr ick de löwet haw, da u 
das Geld, welches ich dir versprochen habe. Ebenso heisst 
nicht allein was, etwas, sondern auch wir zwei, als persönlichem 
Fürwort der ersten Person im Bualis, als: wat häwe wat SpaUjexfJk 
mdbrogt to da Lajtte , wir (zwei) haben etwas Spielzeug mitgeI»iid:mC 
für die Kleinen. Beide diese wat stossen beim weiblichen Go- 
schlechte und in der Mehrheit oft mit dem Buchstaben s zusaOB* 
mcn, als: Iqjtt's düjn, wät's wäll, lass sie thun, was sie will; 
Ißitt's mäge, wäVs wän, lass sie machen, was sie wollen; ja frS^ 
geten unk, wirr wät's hewe n^än, sie fragten uns beide, ob wir 
sie haben wollten; dirr sän haaw Röte äujn'e Kämmer, wirr wäi'^ 
wüjl fange kaane? es sind einige Ratzen in der Kammer, ob wiP 
(zwei) sie wohl fangen können ? Ber Satz: Wjtt's düjn, wäi'swäU^ 
heisst ohne Zusammenziehung, vollständig ausgeschrieben: bt^ 
här düjn, wat jö wäll, und lajtt's düjn, wäVs wän: läjttjam dSß» 
wdt ja wdn. Bieser Fall tritt auch wirklich dann ein , wenn man 
zwei Parteien gegen einander stellt, als: ick duhg, wät ick wiUf 



225 

kar nö difjn, wät jö wäll; we duhgge, wat we wän, IßjU jam 
di^f w&t ja wän, wobei dann die Fürwörter allemal stark be*» 
werden. 



§. 146. Noch ist hier das Fürwort: solcher^ e, es, pi, e, m 
b^sierken. Es heisst in allen Geschlechtem der Einheit vor Gat» 
tmMg»iamen, so wie vor männlichen Stoff* und Mengenamen: socken, 
voar weiblichen und sächlichen Stoff- und Mengenamen und in dei; 
Iff^hrheit sock^ als: socken grollen Buhrrnn häw ick noch oller säjn^ 
ei Kien solchen grossen Baum habe ich noch nie gesehen; socken 
a^H Milien kaast ja äi mör brücke, eine solche alte Mühle kannst 
d.^ji ja nicht mehr gebrauchen; socken Hüss mähs ick nög hiwe, ein 
solches Haus möchte ich wohl haben; sock Tähie mäVr hall ktercp 
solche Mährchen mag er gern hören ; socken Winn häi he noch oU 
l99^ smägei; socken Bär, socken Wijtte, socken Rdgge, solche Gerste, 
solcher Weizen, solcher Roggen; socken Witten Snie, solcher weis- 
ses^ Schnee. Dagegen: sock Tjöeh, solches Vieh; sock Fäujlk, solche 
LfGute, solches Volk ; sock Gjärs, sock FSdder, sock Sträi^ solches Gras, 
Seu» Stroh, u.s.w. PI. sock hijn Kluhse, solche schlechte Kleider; 
9wik grott Plöme, solche grosse Pflaumen; sock läjtt däsig Kräte, 
solche kleine alberne Dinger; sock läjtt mjogsig Diele, solche schmut- 
tige Dingerchen. — Statt socken gebraucht man auch sünn für alle 
Geschlechter der Einheit, aber dann in der Mehrheit wieder sock, 
als: sünn Mann ^ sünn Wöff, sünnBjäm, pl. sock Mann, sock Wo ff e, 
9Öck ßjame. Ein solcher, eine solche, ein solches, pl. solche, 
bieisst sockenäni sockenijn, pl. sock, oder sünnän, sünnijn, pl. sock. 
Sötk Spick, sock Flash, sock Brüjd, sock Järd, sock Gröt, sock 
Bäier, sock Häwer, sock Böhser, sock Liem, socken Kläi, solcher 
Speck, solches Fleisch, solches Brot, solche Erde, solche Grütze, 
Elches Haar , solcher Hafer , solche Butter , solcher Lehm , 
olchcr Klei. 

Das Fragende Fürwort (Pronomen inlerrogalivum). 

§. 147. Die fragenden Fürwörter sind: kuhm, wer? huhmsen, 

^Anw, wessen? und wät, was? Beispiele: Huhm äs dirrF wer 

da? huhm het dät säid? wer hat das gesagt? huhm hähsl sprä* 

'•? wen hast du gesprochen? huhm häi dät togtF wer hätte das 

29 



226 

gedacht? huhtns Hüss ds dän huhmsen Hünn hä de bdnF wessen 
Hund hat dich gebissen? hufims Bjame sdn däi? wessen Kinder 
sind das? ick fünn hin en Pung ma Giß, huhmsen äs't? ich 
fand hier einen Beutel mit Geld, wessen ist's? Wät wird so 
gebraucht: wdi mögest F was machst du? wdi wäht? was willst du? 
mt säks'rF was sagte er? wit ds dätF was ist das? wdt faar'en 
Fdsh ds dät? was für ein Fisch ist das? loa^ faar'eu Tai mögest 
dö dirr? was für einen Lärm machst du da? 

Die deutschen Ausdrücke mit welcher^ bei Ausrufungen und 
beim Verwundern, als: welcher Glanz! welch ein Held! und der- 
gleichen werden durch hocken und hock ausgedrückt» als: Mckem 
Tot! welch ein Lärm! hocken äujnneten Dring! welch ein ungeio- 
gener Knabe! hock gauhs Lege höhst dö, welche gute Tage hast 
du! hock göhl Böhser! welche gelbe Butter! hocken HdU bdst döt 
welch ein Held bist du! Wenn aber hocky hocken nicht in Aas- 
ruf ungen vorkommt, so wird es fragend gebraucht, wenn man 
die Beschaffenheit eines Dinges wissen will, z. B. bocken Hijml 
hallst dö käfl? en tredihrigen Brünnen ^ ma ßauwer witt Fäjtt, en 
Stair faar't Haad, an en Witten Sndpp äw'e Naahs, was für ein 
Pferd hast du gekauft? einen dreijährigen Braunen , mit Tier 
weissen Füssen, einem Stern an der Stirn und einem weissen 
Strich auf der Nase; hock Böhser liähst to forkupen? näi Stomp- 
pelböhser, neue Stoppelbutter. So wie hocken, hock nach der Be- 
schaffenheit eines Dinges fragt, so giebt socken und soek die 
Antwort darauf, als: hocken Pupp wäht hewe? söckenijn, dijödkr, 
was für eine, oder welch eine Pfeife willst du haben? eine sol^, ^ 
wie diese da. Man fragt auch mit höckenän, hockenijn, pL hoA, ,^ 
hünnän, hünnijn, pl. hock, und die Antwort darauf ist söckenmn,, 
söckenijn, sock, sünnän^ sünrdjn^ sock, als: höckenän mähst 
hhsseF was für einen magst du am liebsten leiden? söekef^tn^ 
de hirre, solch einen, wie diesen hier; hock dst md de? ist 
lieh: wie ist's mit dir, d. i. wie befindest du dich? 

Das deutsche wie heisst hörr^ als: hörr wallt? wie wills? 
gfmgVt de, wie gehts dir? liörr höhst 'et? wie hast du 's? 




227 



Anmerkung über die Zusammenziehungen in der 
Nordfriesischen Sprache. 

§. i48. Sie hat deren eine ungeheuere Menge» die man auf den 
ersten Anblick leicht für Zusanunensetzungen halten könnte, was 
sie jedoch keinesweges sind. Ohne dieselben wäre die Sprache im 
Umgange weniger fliessend» und würde, an Kürze dabei verlie- 
rend» sehr abgebrochen und holperig sein» weshalb sie nothwen* 
dig sind. Dahin gehören nun besonders die Geschlechtswörter 
und Fürwörter in Verbindung mit Umstands- und Zeitwörtern. 
Idi will hier einige dahin gehörige Beispiele auf eine dreifache 
Art niederschreiben, erstens so» wie die Sätze gesprochen würden 
und werden müssten, wenn man jedes Wort vollständig mitnähme; 
zweitens so zusammengezogen , wie sie im täglichen Leben lauten , 
und drittens mit der Andeutung der Zusammenziehungen» als: 
Lwdnn he äi md wall, so kön he dät läjtte, ^.wänner äi ma wall, 
9ö kännert lajite^ 3. wann'r äi md wall, sökön'r't lajUe; i. kan 
j6 käme, so mäujt jö dät, 2. kons käme^ so maxtjts^ 3. kön*s käme, 
sS m&u^t's; 1. wann huhm äi waaget, so wmt huhm nint, 2. wan^ 
«em M waaget, so wäntem nint, 3. wmn'm äi waaget, so wdnt'm 
mMl. Die Sätze heissen: I. wenn er nicht mit will» so kann er's 
kflsen» 2. kann sie kommen» so muss sie 's, 3. wenn man nicht 
wagt» so gewinnt man nichts. — i..Dirr he äi köhs, dirr ja äi 
höhn, 2. dirrer äi köhs, dirrs äi höhn, 3. dtrr'r äi köhs^ dirr's äi 
hShn, du er nicht konnte» da sie nicht konnten. 1. häwe ja dirr 
wUm? 2. haweser wähn? 3. häwe's'r wähn? sind sie da gewesen? 
i.wirr he dät wus^, dät he dät hewe sh&ujl? 2. wkrert wusst, 
dauert hewe shäujl? 3. wirr'r't wusst, dät'r't hiwe shmfjl? ob er's 
wusste, dass er's haben sollte? \,wirr huhm dät waage dort? 2. 
wirremt waage dort? 3. wirr'm't waage dort ?oh\msji's wagen darf? 
i. wirr slept he? 2. wirr slepter, 3. wirr slipt*r? wo schläft er? 
i. wirr slept jö? 2. wirr slSpts? 3. wirrslept's? wo schläft sie? 
i. wirr sUpt hat? 2. wirr slSpiet? 3. wirr slept *t? wo schläft es? 
I. wirr sWipe ja? 2. wirrsWipes, 3. wirr släipe's? wo schlafen sie. 
Die Buchstaben r» s, und t, sind die Abkürzungszeichen für die 
verschiedenen Geschlechter , r für 's männliche, s für's weibliche 
und die Mehrheit» und t für*s sächliche' Geschlecht; r steht für 

29 * 



228 

de und he^ s für jö, jd und da, t für dät und hit^ m für huhm 
(vergl. §. i29). 

Da s das weibliche Geschlechtszeichen bei den Zusammenziehun- 
gen ist, so können die beiden Wörtchen ds, als und wie, und 
ds, ist, bei weiblichen Hauptwörtern kein ferneres Geschlechts- 
zeichen bekommen, und eben so wenig in der Mehrheit, s. B. 
ds kaum, stöhs'e Wäien all faar'e Döhr, als sie kam, stand der 
Wagen schon vor der Thüre; ds inne? ist sie zu Hause? ds kawm" 
men, läi ick awebed, als sie kamen, lag ich im Bette; d$ gange 
wäjl, als sie gehen wollte; ds smuek? ist sie hübsch? Im mann* 
liehen und sächlichen Geschlechte dürfen die Zeichen nicht fehlen, 
z. B. ds'r kaum, als er kam; wirr dsW? wo ist er? In fol- 
genden Fällen steht das t hinter ds beim weiblichen Geschlechte 
anstatt dät (es), als: ds't hdr? ist sie es? oder auch: ist es ihr? 
(gehört's ihr?) ds*t hdr sillew? ist sie es selbst? 

Auch bei den Yerhältnisswörtern richten sich diese Zeichen 
nach dem Geschlechte der Hauptwörter, als: dw't Hüss, auf dem 
Hause; dp dw't Hüss, aufs Haus; dw'e TMe^ auf der Diele, dem 
Fussboden; äw'e Haurd, auf dem Kirchhofe; utmer'e ShSw, un* 
term Tische; unner't Bedd, unterm Bette, unter 's Bett; OMwer'i 
Wähser, über dem oder das Wasser; ät^n'e Süss, in dem oder 
den Brunnen; äjt'e Hühs, in der Heimath; auf't Ldss \ aus dem 
Gelenke; ifler't Märked, nach dem Markte; hdVe Wäi^^sn Wege; 
dor'e Waage, durch die Wogen; dör't Wdnning, durch's Fenster; 
ijn't Uch, gegen die Wand; ijn'e Wäll^ gegen den Wall; fim'$ 
Hühs, von der Heimath; fm't Liff, um 's Leben; dm'e Naurde^ 
dm'e Sühsse, gen Norden, gen Süden; dm't Asten ^ dm't W4stmi 
faar'e Wäien, vor dem Wagen, u. s. w. 



SIEBENTES GAPITEL 

DAS ZEITWORT (Verbüm). 



§. i49. Das Zeitwort ist theils ein Stammwort, theils ein ab- 
geleitetes. Die Wörterklassen, aus denen es vorzugsweise als 
derivatum gebildet wird, sind Haupt-, Bestimmungs- und Zeitwör- 
ter selbst, wodurch jedoch die übrigen Wörterklassen, als Wur- 
zeln desselben, keinesweges gänzlich ausgeschlossen sind. Die 
einfachste und ursprüngliche Form desselben ist das Wandelwort, 
das sich, wie im Deutschen, allemal auf en oder n endigt, und 
auch die Endungen ein und ern mit dem deutschen Zeitworte 
gemein hat, als: läwen, leben; sträwen, i. streben, 2. streiten; 
shaameHf sich schämen; sägeln^ hintaumeln, in Ohnmacht fallen; 
prigeln, stricken; wjärpeln, worfeln; gräpeln, grapsen; läwerUf 
liefern; häwem, zittern; knabbern, klappern, u. s. w. 

Bildung des Zeitworles. 
a. Aus Hauptwörtern. 

§. ISO. Da die deutschen Stammwörter sich hier leicht aus 
dem Zeitworte erkennen lassen, so soll dieses, mit üebergehung 
<i^r deutschen Substantive, bloss erklärend beigefügt werden, als: 

fcS Aart, aarten, arten. de Bairig, bäirigen, bergen. 

^^•t Jller^ allem, altern. dät Bidd, bidden, betten, 

l^ Jhiker, ankern, ankern. de BjärseU Ijärseln, bürsten. 

LÄ-t udr, ären, narben. dät Blämjd, bl^jdden, bluten. 

•^ ^rw, ärwen, erben. dät Bjäm, Ifjämen, kindein. 

*^^ .4^6, äwen, nachäffen, efter- de Bjäm, bjämen, börnen. 

^wen. de Bunk, bunken, aufhäufen. 

^ -Baan, baanen, bahnen. dät Bill, billem, bildem. 

^ ßälle, ballen, den Ball auf- dät Bijn, btjnseln, abstiefeln. 

fangen. jö Blähs, blähsen , flammen, 
^ Säik, bäiken, beuchen. lohen. 

^^ -Bajitel, bäjtteln, meisseln. jo Bläihs , bläisen , Blasen werfen. 



230 



dät Bless, bWisen, blättern. 

dät Block, blocken f blocken. 

jö Blossem, biossmen, blühen. 

de Bolle, böllnen, schwären. 

de Bossel, bdseln, bosseln. 

dat Buhrk, buhrken^ borken. 

de Brödd, brodden, stacheln. 

de Dämp, dampen, dampfen. 

de Ddsh, däshen^ auf- oder ein- 
füllen. 

de D&wwe, ddwwen, thauen. 

de Dick, dicken, deichen. 

de Dömm, dämmen, dämmen. 

de Dröpp, droppen, tröpfeln. 

jö Druhg, drugen, seihen, sei- 
gen. 

de Druhm, driemen, träumen. 

de Drüpp, drüppen, träufeln. 

< 

de Ebbe, ebben, ebben. 

dat Edder, eddem, eitern. 

de Egge, eggen ^ anreizen. 

de Enn, innen. Abend werden. 

de Eme, emen, brödmen. 

dat Färrew, ßrwen, färben. 

dat Fall, fallen, fillen. 

dat Fäll, fallen, nachlaufen. 

de Fdsh, fdshen, fijschen. 

jö Fäig, fäigen, fügen. 

jö Fäihs, fäjdden, unterhalten. 

de Fähser, fähsem, mausern. 

dat Fä^^lk, befw^lken, bevölkern. 

jö Feel, feien, feilen. 

jö Fislel, fisteln, fitzen, abfitzen. 

dat Fauser, fausern, i. futtern, 

2. füttern, 
dat Fick, f ecken, fachen, 
de Fläbbe, fläbben, s. §. i51. 



jö Flog, flögen, regenschauern. 
de Flagge, flaggen, flaggen. 
jöFlaait, flaailen, flöten, 
jö Fläijydd, Fläujdden , fluthen. 
deFUjlle, füjlkn, falten. 

fmiligen, die Hände falten, 
jö Fragt, fragten, frachten. 
duFargäfl, forgdften, vergiften, 
jö Frugt, firugten, fruchten, 
jö Furrig, furrigen, furchen, 
de Flock, flocken, flecken» flicken. 
jö Faurk, fäirken, aufgabeln. 
deFäu^tt, fäjtteln, anfüsseln. 
deFßinger, fa^ngem, fingern, 
de Frünn, befrünnen, befreun* 

den (sich). 
deFaurme, faurmen, formen, 
jö Fäihsem, fäUismen, fadmeo. 
de Gaawe, begaawen, begaben, 
de Gäihs, gäihsen, düngen, 
dst Gaußl, forgillen, vergolden, 
jö Gaus {Gös), gosen, gansein. 
de Grünn, grünnen, gründen, 
de Qjärd, gjärden, gürten, 
dat Graum,gräimen, eiusweideam^ 
dat Grüss , grühssen , grieaen 

gröhsen, knirschen, 
de Grdnse, gramen, gränzen. 
de Gnähse, begnähsigen, begn^K« 

digen. 
dat C^ärs, gjärsen^ i. graseim 9 

2. grasen, 
jö Gunst, begünstigen, begüna^i* 

gen. 
de Gläns, glänsen, glänzen« 
jö Grauf, grauwen, graben, 
de Grüppel, grüppeln, s. S.1S1« 



251 



de Güs, gilsen, geizen. 

jö Härrew, hdrrewen, eggen. 

de Hämmer ^ hämmern ^ hämmern. 

jö Häwel, häweln, hobeln. 

dat Häier^ häiren, hären. 

de Haupp, hauppen, reifen. 

de Häge, hägen, haken. 

de Hagel, hageln ^ hageln. 

jö Hagel, hageln, hecheln. 

jö Hesp, hispen, haspeln. 

jö Hüdd^ hüdden^ häuten. 

de Huftp^ huppen j häufen. 

de Hocke ^ hocken, garben. 

de Hunger^ hungern, hungern. 

du Haad , haadigen , köpfen , 
enthaupten. 

jö Hähg , hägen , das Heck 
schliessen. 

dät Hüss, hühssen, behausen. 

jö Häujnn {Hön), handeln, han- 
deln. 

jö Häujnn, hijnnen, auflPangen, 
hijnnigen, inhijnnigen, einhän- 
digen. 

lö Hijll, hijllen, beiden. 

jö Hjärn, hjarnen, s. §.151. 

de Ihs, he-ihsigen, beeidigen. 

dät hs, ihssen, eisen. 

de lljnne, ijnnen, enden. 

dät Jädder, jäddern, eutern. 

dllt Jock, jögen, jochen. 

de Jörder, jördern, (Hirte), hüten. 

jö jKiaar, haaren, karren. 

jö Kaard, kaarden, karten (spie- 
len). 

de Kalk, kalken, kalken. 

dät Kann, kdnnen, kinnen. 



de Käntp kanten, kanten. 

de Kägel, kägeln, kegeln. 

jö Käwel, käweln, koppeln. 

de Kele, kSlen, keilen. 

jö Kohl, kolken^ a. §.151. 

dat Küt, kitten, kitten. 

dat KldUer, kldstem, kleistern. 

de Kläi, kläien, kleien. 

jö Kldmk, kldinken, klinken. 

de Klomp, klömpen, klampen. 

de Klump, klumpen, klumpen. 

de Klütt, kUUten, flicken. 

Ae Kohle, forkohlen, verkohlen. 

de Kurde , kurden , karden , 

krämpeln. 
da Kluhse, kluhsen, kleiden, 
de Knepel, knepeln, knüppeln, 
jö Kniep, kniepen, schnallen, 
de Knopp, knoppen^ knospen, 
de Knöpp, knappen, knöpfen, 
de Knöle, kniten, knoten, 
jö Krack, kracken, krücken. 
de Kräns^ kramen, kränzen, 
dät Krämm, kramen, kramen, 
dät Kräwei, kräweln, krüppeln. 
dät Kritt, krUten, kreiden. 
däii Krüss, krühssigen, kveuzlf^en, 
dät Kulew, kulwen, kalben, 
de Kläck, kläcken, kläcksen. 
dät Kaum, kjarnen, körnen, 
jö Kjärl, kjdrlen, gerinnen, 
jö Kldw, kldwern, klauem. 
de Klönke, klonken, werfen, 
de Kaumm, klemmen, kämmen, 
de Koppel, koppeln, tragen, 
de Kropp, krdppen, sieh bekör* 

pem, beleiben. 



232 



jö Engel, higdm, kogelD. 

de Kunäf kunstein, künsteUi. 

dät iMoger, laagem, lagern. 

dit Läek, lacken, lacken. 

jö Länkj länken, ketten. 

dat Läth, läihen, latten. 

de Läpe^ t&pen, ausbessern. 

dat Laumm, laiummen, lammen. 

dät LSm^nn, län^nnen oder U»^- 
nigen, landen. 

dät Lees, Ihen, laden. 

dät Lös, Uten, losen. 

dät Umm, Immen, leimen. 

dat Ldjdd, Hijdden, löthen. 

dät Ia^, Innen, lohnen. 

jö LäU^ lasten, leisten. 

dat Lock, locken, glücken. 

de Locke, locken, löckeln. 

jö Luft, lüften, lüften. 

jö Lüss, Wissen, lausen. 

de Laper, Wpem, schüssem. 

jö Lierk, lierken, s. §. i5l. 

dät Lädi, lücken, schliessen, 
belücken, einschliessen. 

dat Malt, malten, malzen. 

de Mäister, mäistem, meistern. 

jö Mßidd, mßidden, mähen, ma- 
then. 

de Mist, wüsten, neheln. 

de Mjogs, mjogsen, ausmisten. 

jö Mohr, möhren, mauern. 

jö Müss, mühssen, mausen. 

dat Mudder, muddem, aufschläm- 
men. 

dät Munster, münstem, mustern. 

jö Jtftiii^, mänten, münzen. 

jö Mölke, mölien, melken. 



de NäujUe, n&ujtten, melodiein. 
dat Näfb, nSbben, schnäbeln, 
jö Nill, nillen, nesseln, aidi 

daran brennen. 
datiVi^, nistein, nisten, nistehi. 
de Njütte, flutten, nützen, 
jö Niijdd, nißdigen {n^dsigeä), 

durch Zwang nöthigen. 
de Narr, narren, narren, 
dät Öfer, ofem, opfern, 
jö Öngel, ongeln, angeln, 
de Ohme, ohmen, athmen. 
dät Pack, pagen, pichen, 
jö Pal, paien, schdfen. 
de Päpe, päpen, an der Brost 

saugen, 
jö Pari, pdrlen, perlen, 
dät Päwer, pawem, pfeffern, 
dat Pdss, passen, pissen, 
jö Päujn, päiynnigen, pfänden. 
jö Penn, pennen, mit dem hS- 

zemen Wirbel, der Penne, 

verschliessen. 
de Pick , picken , picken , staeheliu 
jö Pielsh, pietshen, peitsehen. 
dät Pär, pären, paren (sich), 
de Pläck^ placken, flecken. 
AsX Piaaster, plaastem, pflastera. 
de Pla^g, plaugen, pflügen, 
jö Plant, piönten, pflanzen, 
jö Prau&s , prausen , trödeln , 

tünteln, faseln, 
jö Präms, prdmsen, premsen. 
de Plöck, plöcken, pflöcken, 
de P&jnle, pöjnlen, würfeln, 
de Pose, pösen, bauschen. 
AePung, üUpungen, ausbeuteln. 



255 



d 
d 



de Pfägely prägBln, stricken. 
de Pule, aufpulen 9 abpfählen. 
jö Pump, pumpen, pumpen. 
de Prd>ck, prdcken, pricken. 
<ie Prijnn, prijnnen, pfriemen. 
«lat Puser, pusem, pudern. 
dät Qualster, quälstern, quäl- 

Stern. 
jö Rank, ranken, ranken. 
dät Bauser, rausem, rudern. 
de Bäßdd, räjdden, i. rathcn, 

2. erratben. 
jö Säigel, räigeln, regeln« 
jö Räsp, räspen, raspeln. 
jö Meew, rSwen, harken, rechen. 
de Rieck , necken , räuchern , 

rocken, rauchen. 
de Rinn, renen, regnen* 
de Ripp, rippen, reifen. 
de Ruk, ruken, schobern. 
de Ruhmme, ruhmmen^ rahmen» 

sbrahmen. 
i^t, Rümm, rümmen, räumen» 

^hmen, Gelass haben. 
^^ Rup, rupeln, ein Tau auf* 

reifen. 

Russ, berühssen, berauschen. 

Rimm, rimmen, reimen. 

Saal, forsaalen, versohlen, 

Saabel, saabein, säbeln. 

Sähg , sägen, sägen. 

Sali, sällen, satteln. 

t Säil (jetzt dät Sähw) , säilen , 

sichten. 

t Salt, Balten, salzen, 
^"^t Sann, besannen, besinnen. 

t Sägel, sägein, segeln. 



» »■ -^ 



d 

• ^ 

J 
J 



dät Sägel, farsägeln, versiegelil» 
de Senne, sinnigen^ sündigen. 
dRi Siep, siepen, seifen, 
dät Selwer, forselwern, versilbern» 
dät Shdp, shäwen, schiflPen. 
jö Shaahs, shaasen, verriegeln» 
de Shauch (Sho), shöien, schuhen > 

die Pferde; ihnen Hufeisen 

unterlegen, 
jö Shauwel, shauweln, schaufeln* 
iöShäl, shälen, schälen, 
dät Shdmmel, shdmmeln, schim- 
meln, 
de Shänse^ shänsen, schanzen, 
de Shäse, beshäsigen, beschädi'' 

gen. 
de Shäne, shänen, beschienens. 
jö Shruw, shruwen, schrauben^ 
deShöcke, shöcken, hocken. 
deSeck, sScken, sacken, sacken» 
de Sdrkel, sdrkeln, zirkeln, 
de Sdmmer, sdmmern, sommern» 
jö Själl, själlen, s. §. iSl. 
dät Shümm^ shümmen, schäu^ 

men. 
jö Shüll, beshülligen, beschul« 

digen. 
jö Shäjl, beshäjlligen, beschul»' 

digen ) richtiger als beshüU 

ligen- 
dät Smahr, smeren, schmieren» 
dät Slubb, slubbern, schlürfen» 
de Snie , snäien, schneien, 
jö Sling, slingen, schleudern» 
jö Snär, snären, schnüren« 
jö Sjärn, ^arwewj buttern, 
de Säihs, säihsen, käsen. . 



234 



de Slump, slumpen, schlumpen. 

jö Spor, sparen, spornen. 

dät^ypör, sparen y spuren. 

de Slim/My slimmen, schleimen. 

de Sjätne, jammern, schimmern. 

de Slähse, slähsen, (der Schlit- 
ten). 

de Spicker, spickern^ nageln. 

dät Spägel, spägeln, spiegeln. 

de Shuller, shullern, schultern. 

jö Spann, spännen, spannen. 

dät Stöf, stöwwen, stieben. 

de String, bestringen, besaiten. 

dat Spät, spähsen, spiessen. 

de Stijn^ stienigen, steinigen, 
de Slräujn, sträujnnigen , stran- 
den, 
de Staurm, staurmen, stürmen, 
de Slämn^, stämmeti, stammen, 
jö Stjöi, stjöien, schaukeln, 
dät Sulew, sulwen, salben, 
de Stall, Ställen, stallen, 
jö Spung, spungen, spangen, mit 

der Spange befestigen. 
iäi Staal, forstaalen, verstählen. 
de Späse, späsen, abspaten, 
de Staapel, staapeln, stapeln, 
jö Shätt, beshätten, beschatzen. 
däiSlömm, slömmen, aufschläm- 
men, 
de Sndjtter, sndjttem, tischlern. 
de Sötter, söUern, schustern, 
de Shrüjdder, shrüjddem, schnei- 
dern, 
dät Stoaawel, swaatveln, schwefeln, 
jö SpirTy spirren, keimen , spros- 
sen. 



de Slraal, straalen, strahlen. 

de Stümper, stümpern, stümpern. 

dätSminkf smmken, schminken. 

dät Smull, smullem, krümmeln 
(to crumble). 

de Släiwel, staiweln, stiefeln. 

jö Spaul, Spanien, spulen. 

dät Spünn, spünnen, spunden. 

dat Spült, spülten, spützen. 

jö Stjörr, stßörren, steuern. 

de Swierm, smermen, schwär- 
men, 
dät Stähk, stäken, stakzäunen. 
jö Strädd, strädden, grätschen, 
jö Staurk, staurken, storchen, 
de Stelle , stellen , stelzen, 
dät Sträi, sträieln, streuen, 
de Suhmm, suhmmen, säumen. 
jö Stoiep, swiepen, einwindeln, 
dät Swiert, swierten, schwärzen«, 
de Stücke, stücken, aufstauchen« 
de Stippe, stippen, stützen, 
dät Steef, stSwen, dauben. 
dät Sucker, suckern, zuckern, 
de Swäck, swdcken, zwicken. 
dät Swinn, swennen, Schweine 
dät Swijtt, swdtten, schwitzen., 
de Täms, tämsen, sieben, 
dät Tann, fortännen, verzinne 
dät Tiecken, tiecknen, zeichne vi. 
jö Ticm, tiemen, dicmen. 
de Tögel, tögeln, zügeln, 
de Toll, tollen, zollen, 
de Topp, töppmi, s. §. 45i. 
jö Trel, trelen, rollen, 
de Täpe, täpen, zapfen, 
de Tjäre, tjär^ , thecren. 



335 



dat Tjüdder^ tjüddern, töddern , 

tüdern. 
de Tjdwse, tjäweln^ zanken, 
da TofUle, tonteln, klöppeln, 
de Träst, trösten ^ trösten, 
jö Träw^ träwen, stiegen. 
de Trmel^ träweln, auftrieseln. 
dat TwSl, twelen, sabbern, 
da Twdge, twagen, ankleben, 
jö Trommel, trommeln, trommeln, 
de Trägter, trägtigen, trichtern, 
jö Trüs, trüsen, tritzen. 
jö Twjäm, tujjdmen, quemen. 
de Tünne, tünneuy zinken, 
dai Vhg, ugen, äjtugefi, streben, 



anhalten mit der Arbeit. 

de Uhrs, uhrsen, lenzen, Früh- 
ling werden. 

jö Wägg, wäggen, wiegen in der 
Wiege. 

dat WägSj wägsen, wichsen. 

dät Wähser, wäsern, wässern. 

de Wälle, bewdlUgen, bewilligen. 

de Wärkj wärrigen, schmerzen. 

de Wjärt, beujärten, bewirthen. 

dat Wirk t wirken , ein Wirk 
setzen. 

jö Wöffy wöwwen, weihen. 

de Wonter, wontem, wintern. 



Bemerkungen über diejenigen der vorstehenden Zeitwörter , 
welche nicht genau den deutschen entsprechen oder in 

der Bildung abweichend sind. 

§• i51. Bjämen, verb. pass., geboren werden, als: wirr bäst bjär* 
netF wanne bist bjämet,^ wo, wann bist du geboren? hähst't Tjöch 
IdämetF hast du das Yieh getränkt? Buhrken, ist nicht allein 
abborken, sondern auch gerben, als: dät Lähser ds äi nög buhrket^ 
das Leder ist nicht gar gegerbt. Brddden, mit kleinen scharfeq 
Stiften beschlagen, um auf dem Eise sieben zu können. Dämpen, 
iu sowohl dampfen, als dämpfen. Basken^ mit einer kleinen geöhr- 
ten Schale auf*, ein- oder umfüllen , diese heisst (^e Do^A. Emen, be- 
zeichnet das Aufsteigen heisser Wasserdämpfe oder des Brodems. 
Fallen, von dät Fäll, das Füllen, ist einem nachlaufen, wie ein 
Füllen der Mutterstute. Die Wörter /I^A;en, secken, hocken, shocken, 
werden nur vom Getreide gebraucht, und heissen fachen, sacken, 
garben und hocken, als beim Einfahren, dät Kaum (ecket gäujd, 
fällt gut im Fach oder füllt die Fächer gut; dät hocket gäußd, 
garbet gut; shocket gäujd, hocket gut; secket gät^d, träwet gäuß^ 
schlägt gut in die Stiegen. De FläbbCy fiäbben, die Flabbe, dän. 
en Flab, at fläbe, das Maul herabhängen lassen. Fä^ttelny ist 

30* 




236 

Vorschüben, Füsslinge an Strümpfe stricken, dpfäjlteln. Grünnen, 
gründen, darf nicht mit grünnen (to grind), auf der Mühle mahlen, 
verwechselt werden. Grühssen, ist 1. zu Gries malmen, ä. mit 
Gries belegen, z.B. die Gänge im Garten. Gröhsen^ bezeichnet den 
knirschenden Laut und die damit verbundene unangenehme Em« 
pfindung, den z. B. Sandkörner und kleine Steinbrocken zwischen 
den Zähnen verursachen. Grauwen, ist trockne Graben 
oder aufwerfen; //rt^ppe/n, kleine Abzuchteu graben. Hauppen, v. tr. 
ein Fass reifen. Hägen, das Heck zuschliessen. Hijllen^ die Held 
oder Fussfessel anlegen. Hjämen, von jö Hjäm, die Ecke, dec~ 
Winkel, ist Kranke besuchen, um sich nach ihrem Befinden zu 
kundigen , wo man dann gewöhnlich zu Raupten des Bettes i 
Alkovenwinkel (jö Hjärn) sitzt, fjnnen, ist i. beendigen, vol^E^]. 
enden, ü. enden, 5. dem Ende sich sichtlich nähern, als: 
liaast'et ijnneF wann kannst du es vollenden? hörr wall dät ijfM 
wie wird das enden? dät u/rbed änt nint, die Arbeit schrei 
nicht vorwärts, dem Ende zu. Bäii Jädder , jäddem , eutem, 
die Zeit des Kalbens, von Kühen: jö Köjäddert nö gäi^jd, die 
entert nun gut. Kolken, mit Schüssern oder Knickern (Löpere) in 
einem Grübchen spielen. Jö Kldjnk, die Klinke, kldjnken, i. <^ie 
Thürklinke in die eiserne Falze fallen lassen oder drücken , % eti^r-as 
zusammennieten. Klömpen, i. klampen, 2. die grossen Heu- is^vd 
Getreideschober aufsetzen. Kläwern, klettern, aber mittelst der 
Klauen , d. i. der Hände , bei Menschen. Koppeln , jemand huekepctek 
tragen. JoLierk, eine kleine, flache, krause Brannteweinflasclse, 
die man in der Tasche tragen kann, wovon die Liebhaber fldsfiy 
ein Schlückchen zu nehmen pflegen, was man lierken nennt:, «i 
hit*r all üUlierket, wdt dirräujn was, Dät Lüek, lücken, die Lule 
zumachen , und überhaupt zuschliessen. Räjdden , i . rathen , einem, 
2. errathen, 5. zu befehlen, gebieten haben. De/ttip, s. oben, engl 
a roap, davon dbrupeln, das Tau in einen Kranz zusammenreifelo. 
Berükssen, i . berauschen , 2. verschüttet werden, z.B. vomGeroUe, 
einem Bergsturz und dergl. Sdcken, ist sich mehr nach untCD 
ziehen. Själleiiy nach etwas aussehen, etwas gleichen oder ähnlich 
sein. Jö Shüll, ist die Geldschuld; jö Shdjl, die Schuld an einem 
Uebcl, Ursache, und doch heisst beschuldigen immer beshüUig^ 
Statt beshßjlligen, Smretiy ist auch in der Schlinge fangen. Sjdm^ 



I 
s 

/ 
u 

ßi 



257 

r^ern, voa Sjänie , wie im Deutschen schimmern, von Schemen. 
7lahsen, Schlittenfahren. Spännen ist auch mjnspännen, faarspän- 
en^ aufspannen, an- vor- und abspannen. Ställen, d. auf den 
»tall setzen, 2. von Pferden: pissen. Späsen, mit dem Spaten ab- 
techen; späsen, dasselbe. Stäiweln, stiefeln, nösläiweU'r auf, nun 
tiefelt er ab; bijnseln, nun beinelt er ab, d.h. er läuft. Stjörren, 
tieuern, wehren, hemmen. Stäken, ein Stak oder Staket setzen. 
Sträieln, von S^rdi (Stroh, Streu), ist überall streuen. Stücken, ist 
Torf aufstauchen. Stewen, ein Fass mit Dauben verseben. Tiemen, 
leu zum Diemen oder Schober zusammenschleifen, von jö Tiem, 
1er Fahrzaum. Toppen, d.das Maass häufen; 2. mit einem Büschel 
luf dem Kopfe versehen. Dat Tjüdder^ tjüddem, tödderQ, tüdem, 
l. i« an den Spannstrick mittelst eines kleinen Pfahles (de Tjüd- 
lerpule) aufs Gras setzen. Twägen, zusammenkleben, und zwar 
mit dickem Hefen, oder wie mit demselben gekleistert. Tünnen, 
ron de Tünne (Zinke), etwas mit Zinken versehen, z.B. en Härrew 
ünnen, eine Egge bezinken; sonst ist tünnen auch als verb. pass. 
guaschwellen, aufschwellen. Wirken, ein Wirk, das ist, einen bret- 
temen Zaun aus wagrechten Brettern machen. Jö Wöff, wöwwen, 
sportlich: weihen, d. i. dem Weibe beiliegen. 

Anmerkung. 

Ausser den unregelmässigen Bildungen des Zeitwortes aus 
dem Hauptworte, wie forgSllen von Gäujl, bläßden von Blä^j^d, 
kiemmen von Kaumm, u. s. w., finden wir unter denselben nicht 
wenige, die auch sogar in der Zeitäbwandlung (Conjugation) un- 
regelmässig sind, was bei den Zeitwörtern dieser Art im Deut- 
schen und Dänischen fast nie der Fall ist. Dahin gehören z. B. 
fargillen, fäirken, blqjdden, stöwwen, kiemmen, römen, teilen, von 
jö Täll, die Zahl; hijnnen, nämen, von de Nöme; kniten, beman- 
nen, von de Mönn, pl. Mann; gräimen, spännen, snäien, bäirigen, 
fallen (fiUen), grünnen, shenen, ijnnen, kolken, kluhsen, lühssen, 
rmen, smeren, slingen, stjöien, swiermen, fäjdden, räjdden, drie-t 
men, shäien. 



258 



§. 152. b. Aus Bestimmungswörtern. 



kränk, kränken, kranken, krajn» 
ken^ kränken. 

fälsh, farfähhen, verfälschen. 

gräiny gräinen, grünen. 

hdrd, hdrden, härten. 

groU, forgrottern, vergrössern. 

wörm, mermen, wärmen^ wär- 
men. 

kaajl, käilen, kälten, forkäüen, 
erkälten. 

blieek, hliecken, bleichen, Verb, 
tr. und intr. 

kijU, hijUen, heizen. 

wUt^ wüten f weissen. 

blank ^ blanken, blanken. 

kawrt, kaurten, kürzen. 

ripp, rippen, reifen. 

klär^ klären, klären. 

surr, surren, säuern. 

swäcky swäcken, schwächen. 

uhk, uken, weichen. 

sljögt, sljögten, schlichten. 

lick, licknen, gleichen. 

dröhg , drögen, trocknen. 

struf, struwen, straffen. 

stramm, strammen, strammen. 

widdy widden, erweitern. 

brijdd, brijdeny ausbreiten. 

^ock, Rocken, verdicken. 

wßitt, wäjlten, nässen. 

fiigtig, fugtigen, feuchten. 

trauy trauen, trauen. 

Hill, milen^ älteln. 

tinn, fortennen, verdünnen. 

junky junken, dunkeln. 

spdss, sfydsseni spitzen. 



stump, Stumpen, stumpfen. 
billig, billigen, billigen. 
stiff, stiwwem, gerinnen. 
häU, halten, hinken. 
löm, laamen, lahmen. 
rösety rasen, faulen. 
krüssedy krühssen, kräuseln. 
tdgty tagten y dichten. 
will, forwillern, verwildern. 
Willy forwilligen, verirren. 
lief, liewen, lieben. 
bitter, forbdttern, verbittern. 
Sharp, sharpenj schärfen. 
hohl, ütthohlen^ aushöhlen. 
krümm, krömen, krümmen. 
smel, smelen, lächeln. 
äiwen, äiwnen, ebnen. 
diep, fordiepen, vertiefen. 
Uck, lacken, lecken. 
steil, steilen, sich bäumen. 
fiin, forfienen, verfeinem. 
shräddy shräddeny schrägen. 
hillig , hiUigen, heiligen. 
ßardig, forfjärdigen, 
irm, forermen, verarmen* 
blöeh, blögen, sich erblöden. 
äien^ äinen, eignen. 
lüss, Uesen, lösen. 
fri, 6e^rien, befreien. 
frish, äpfrishen, erfrischen. 
lagt, forldgtern, erlekhtem. 
huch, hie-en, erhöhen. 
näiy fornäierny erneuen. 
rick, berickern, bereichern. 
rigtig, berichtigen y berichtiget 
rogt, rögten, rechten. 



239 

Ställen y stillen. fägel^ fägeln, fehlen. 

, besaaltgetiy beseligen. swär, beswirenf beschweren. 

ßllen, füllen. säJcer, säkern , sichern , farsäkem » 
sähsigen, sättigen. versichern. 

formiren, mehren. stumm, forstummen , yersiummen, 

forewigen, verewigen. mdnnere, mdnnern und formamr 
er, 6e5wän^em, schwängern* nem, mindern. 

jungen. Junge werfen. ijn, ihnen, forihnen, einen. 

rienigen, reinigen. shirr, shirren, s. §. 155. 

7, händigen, bändigen. glatt, glätten, glätten. 

forldjngern, verlängern. mill, ndllern, mildem. 

kielen, heilen. nog, näigen, genügen. 

Bemerkungen, 

153. Auch bei der Bildung des Zeitwortes aus dem Adjec- 
Snden wir nicht allein mehrere unregelmässige Bildungen , 
rn auch wieder irregulaire Zeitwörter vor. Die Verba: for- 
•n, männern, formännem, formllern, henckern, forldjngem, 
rn, sind aus dem vergleichenden Stande des Bestimmungs- 
s (dem Comparativ) gebildet, wie auch forbäsern aus bösere, 
'. Die Wörter härden, bliecken, uken, surren, klären, drögen, 
, hieen, können sowohl transitiv als intr. gebraucht werden» 
ihdem der jedesmalige Sinn es erheischt, als: he härdet dät 
, er härtet das Eisen, dät Staat härdet, der Stahl härtet, 

sich; jö bliecket hän^ Lauert, dät Lauert bliecket, sie bleicht 
Leinewand, die Leinewand bleicht; ick uhk da Jhrte, da 
uke, ich weiche die Erbsen, die Erbsen weichen; jo surret 
ih, de Dkh surret, sie säuert den Teig, dieser säuert; he 

Brännwinn, er klärt Branntewein, dät Wähser kläret, das 
r wird klar; ick dröhg min Kluhse, ich trockne meine Klei* 
nin Kluhse dröge (trocknen); dät Piaaster hielet min Häujnn^ 
Baster heilt meine Hand, jö Wünnen hielet nö, die Wunde 
jetzt; ick wälljö Shew en läiet hied hStve, ich will den Tisch 
enig erhöht haben, dät Wähser hiet, das Wasser steigt oder 
It an. Sliör (steil), shören, steil werden, steil machen, 
st auch fertig, und das davon gebildete Wort klären giebt 

ganz andern Sinn, und gestattet eine vielfachere Anwen- 



240 

düng, als: kaasl'r älUene klär ma wordeF kannst du allein damit 
fertig werden? Hörr ging't Mm dw't udnUhüssF Oh, he klärH 
hdm gäuyd; ick wäll me nög kläre, ich will mir schon helfen; will 
mich schon verantworten; he kläret hdm gä/uid^ er half sich gut 
aus der Klemme, u. s. w. Die mehr oder weniger unregelmässi- 
gen Zeitwörter sind hier: wiermen, käilen, hijUen, brijddm, 
voajUen, liewen, kramen, hieen, stallen, meren^ farmeren, u. s. w. 

Käuen, ist i. kalten, 2. kälten, 3. kühlen; hytten^ heizen, ist 
nicht mit hijUen, heissen, einen Namen haben, zu verwechsehi; 
rippen ist hier reif werden; das andere rippen ist auch reifen, als 
Verb. Impersonale, und ein Fass reifen ist hauppen; stiwwern 
(steifem) ist gerinnen, vom Blute, als: stiwwret Bläujdd; will ist 
d.wi]d,2. irre, daher: /brtw7/ern, verwildern , und huhm forwilligen ^ 
sich verirren; lacken ist hier einen Leck haben; huhm blögen, 
sich schämen, erblöden; stallen ist hier stillen, sonst auch stellen; 
aus läng oder lung wird auch: lingen, i. langen, und % sidi 
sehnen, forlvngen^ dat Forlingen, das Verlangen; shirren, ist Eier 
schieren, um zu sehen, ob sie frisch oder faul sind, und zum Be« 
brüten taugen oder nicht. 

c. Aus andern Zeitwörtern. 

§. 154. Die eigentlichen Vorsilben des nordfriesischen Zeit- 
wortes sind folgende: 

i. ätijnt{eni)y in einzelnen Fällen vor dem Zeitworte önt, wie 
in dnturden, antworten, dät Önlass, das Antlitz. Goth. and, 
althocbd. ant, int, in, angels. ant und on, dän. und, in: äujntkA* 
men, entkommen, äujntgongen, entgehen, u.s. w. 

2. be (be), goth. bi, althd. bi, pi, ba, pa, angels. eng. und 
dän. be, wie in begrippen, begreifen, beläwen, erleben, betäJm, 
bezahlen. 

3. er (er), nur in einzelnen, dem Deutschen entnommenen oder 
nachgebildeten Wörtern, wie in erklären, erfären, erkünnigen, 
erkundigen. 

4. for (ver), althd. far, fir, fer, angels. und dän. for, wie in 
forjehsen, vergessen, forgongen, vergehen, forlingen, verlangen. 

Die vorzüglichsten Umstands- und Verhältnisswörter, welche 
zur Umbildung des Zeitwortes gebraucht werden, sind diese: 



241 

1. äp (auf, heravf)» mit ito Terbanden • bnattf^^DgLiip, vpon^ 
I. tmd nd. op, als: ipsUk^nnen, aufstehen, äftfangm^ aufgehM^ 
aien, aufthauen, dpsUllen, aufsehleissen, 
L Aiif{Bh), engl, off, of, dän. af, heisst sowohl ah b\s wn, 
i in auftieen, abziehen, außälen, abholen, oufMgen, abbreehen» 
)nSgeH, abmachen. 

L ^Aw (auf), engl, upon^ dän. }Kia, alst äwshhggmt aufschla- 
I, darauf losschlagen ; in einem Buche heisst es: dpsluhggen; 
ftm^efi, anfechten, iwstUen^ aufsetzen s. B. den Hut; ipUttm^ 
n die Höhe richten, 2. hinaufsetzen, 5. aufschieben. 
'. Bai (bei), goth. angels. dän. und nd. bi, engl, hy^ als: bdi- 
gm, beigehen, sich etwas lassen, baibliwwm, beibleiben, fori« 
ren. 

. Döhr oder d&r (durch), angels. ihurh, enghthrough, nd. der ^ 
därstSgen, durchstechen. 

. In (ein, hinein, herein), goth. althd. angels. und engl, tn, 
. indf als: ingangen, eingehen, innamm, einnehmen, infriesen^ 
Weren, insttten, einsetzen. 

. Faar (vor und für), goth. faur, fa/ura, angels. fore, dtkn.for, 
L fore^ nd. ßr oder vor, als>* faamiägen, vormachen, fttarbie- 
vorbeugen. 

. HAne (hin), angels. hin, dän. und nd. Aen, als: häneMIfikn^ 
BQOijigen, hingehen, hänesläwen, hinschleppen. 
. Jurt, jurte (her, zu, herbei), angels. hider, engl, hither, zu 
im heran, als: jurikämen, herkommen. 
). Dähl (nieder, herab, hinab), nd. daal, engl, iiown, als: 
kluhggeny erschlagen, däblßllen» niederfallen, dählshriwtoen , 
lerschreiben ^ 

I. ii'^fft (in, an), angels. on, dän. i undpoa, engl, on, als: ä»^ 
en, ankommen, äujntieen , anziehen sich, in^sluhggenf m^ 
Igen, än^nsmitlen, hineinwerfen. 



JMA/ steht auch in Verbindung mit ätf^ (hinein) , äw (auf) 
dm (um): dähl äujnt Greef, ins Grab, dähl äu>*e Teele^ auf 
Fussboden, dähl dm*t Törp, unten ums Dorf. Wenn dähl 
\ den Ort des Befindens bezeichnet, so heisst es dSle, als: gong 
! geh hinunter! ick bdn all dele, ich bin schon unten. 

81 



242 

i% Man {miaß4 SM), in den alten verwandten Sprachen mm; 
daher missen, febkchlagfen, und misten, missen, entbehren: wk 
in mdsslocken, misslingen, missgiäeken. 

45. Mi (mit), goth. müh, angels. mid, dän. med, als: mMamen, 
mitkommen, mispUen^ mitspielen. 

d4. Efter (after, nach), goth. aftra, angels. äfter, engl afler, 
als: ^krlamen, nachleben, ifterßlHgen, nachfolgen. 

45. Äuwer (über), angels. ofer und ufer^ 6m. wer, engl, oasr, 
nd. OMT^ als: AnAmotucmfo»^ sich übereilen, auwerlSdden, überier 
gen. 

46. Am (um), altfries. umbe^ dän. om, omme, nd. tim/ds: iai- 
/Sttßfi, umfallen, dmUdden, umlegen, daher: de A'mlSdder, das 
Einlegemesser; dmbringen, 4. umbringen, tödten, 2. etwi^s uuB 
Nachbar bringen, es ihm umbringen» sonst auwerbringen* 

4 7. Wag (weg) , wdgluppen , weglaufen , wdgbUwwen , wegUeibta 

48. Wihsser (wider und wieder), wäJiser (wider), goth. mihn, 
althd. wider, widar, angelsw vidher, dän. vMer, nd. wedder, ab: 
wihsserledden, widerlegen, wihsserkämen, wiederkommen, n. A ^ir^ 
Wühser nur bei Hauptwörtern, ak: de Wahserwalle, wähserwdUigf 
der Widerwille; ta wddderne, zuwider, wädderlick, widerlich; • 

49. Ijn oder ijnn (gegen), dpijn (gegenan), ät^t^, enlgege»^ 
angels. gegn, geän, dän. g^, engl, asaifist, als: äp^ngmfffen, ft- 
genangehen; dujntijngengen, 4. entgegengehen, 2. ^uwidef^hoi' 

20. T6 (zu), goth. du, althd. m, ze, u, zuo, altfries. te, en^. 
to, nd. to, als: tölingen, 4. zulangen ,^ 2. hinreichen; tdsUUynmä, 
de Toständ^ der Zustand. 

24. Fourl (fort), angels. ferth, ala: faurlugen, fortaiteiteti« 
22. ünner (unier), goth. undar, althd. tintor, altfiries. di«/uil 

engl, under, nd. uiifier^ als: tmnergangen, untergehen; mmsT' 
Sßfcken, untersuchen. 

25. Äjtt, engl, at, dän. ad, ab: ^ttdrSgen^ sich gebehrd<»'» be^ 
tragen, ij{jUmägen, fortmachen, äjttugen, fortarbeiten. 

24. Utt (aus), goih. und nd. ut, angels. ut^ dän. ud, engl on^, 
als: ültslukggen, ausschlagen, ÜUlSdden, auslegen, auch deuten. 



343 



Beispiete zur Anwetidung. 

g. 455. Büggen, bauen, he- far- ip-üü- fttar^aumer" ami^ und 
ämbäggen. \ 

Bodden, bitten und betteln» auf' ti^l« ferbddden. 

Bijdden^ bieten und gebieten, /ör- Ap^ W- in» mA* mii^ a»tlrer- 
Ubißde». 

Bieen, hiegeiaf ftn*- faar^ tanbiein. ^ 

Bianeny Unden, 6e- for* iw- idp- iäi^ m^ aumer^ dnh unner* 
tobinnen. 

BUuuen., blasen y auf- ävh op- üt^ inblaasen. 

Bliwwen, bleiben, for- auf- bat- auwer- Sßer- toag^ wnneblimmen. 

Bringen y bringen, for- /ontv mit/- c^ bai- tUt^ in^jUfi^bine^dähl- 
aujn- md- efter- auwer-i am* wäg- wiksser- to- faurt^ unnerbrmgkn. 

\B9^e»,\iVQf^u, für'- auf» ip^^ütt- döhr- fUhr^^. 

Brännen, brennen, for- auf- dp- üU- in*'^ dählbrännen. 

Brücken y brauehen, for^ auf- dpbrücken; 

Saawen^ toben, aufdaawen. 

Dielen, theilen, for- auf- ütt- in^mi- dnh iödielen, 

Bregen, tragen, be- for- auf- iuh dp- ütt-' bair ät^ fiMU ^Sfler- 
auwer- am- to- 4itt- faardregen. 

Drdjnken, trmken, be- for- auf- dp* ütt- tnddräinkeiL 

Dmmen^ treffen, be- an^ndräwen. 

Dräien, drehen, for- auf- dp- ütt- faar-in- dmdrAien. 

Büheeemy ^ deu4en , be- ültdühsseni 

jB)r9§0nf trocknen, auf- dp- ütt- indrogen. 

Drücken, drucken, be- for- dw- ütt- ifter- dmdrüchen. -^ Des 
deutsche drücken ist im Nordfries, krögen. 

vJMwwen, treiben^, be- für- faar-.aaf- dw- dp- hime- dähl- dujn- 
fno- efter- auwer- dm- wdg- faurt- todriwwen. 

Drillen, i. drillen, 2. preUen, necken, dor- indriUen. 
.Ennen, Abend werden, töSnnen, ganz Abend werden. 

Ä&M», essen, for- auf- dp- üitähsen. 

Aiamen^ elmen, üt$äiwnen, 

Annem, ändern, for- auf dmdnnern. 

Äinen, eignen, toäinen. 

Fären, fahren, i. einherfahren, S. schiffen (auf dem Wagen fah- 

ZI* 



244 

ren heisst käiren), be» er» for» auf» dp« dahh üU» dar" tu- dbffK 
mä' Sßer- auwer- dm- wag- tö- wihsserßren. 

Fairen, ilifaren, for- auf- dp» üU- in- faar- jurU hone- dähU ä^gte^ 
auwer- wäg- wihsser» tofäiren. 

Fäirken, mit der Heugabel äuflangen, dpfSirken. 

Fäileny fühlen, be- faar- dujnfailen. 

Fällen, fallen, be» fw» auf- dp- ütt- hat- ddt'faar- dahlfUUm^ 
herunterfallen, 2. sich todtfallen; äiifn- wag- töfalki^ 

Fähsen , fassen , besonders mit dem Verstände , be» 6i^ ^ 
infähsen. 

Flieen, fliegen, be» for^ auf» üü» m» dir- auwer- dm- wdg^.i^ 
fUeSn und tofl^. 

FolUgen, folgen, be» far» efterfUUgen. 

Finnen, finden, be» auf» dpfinnen, erfinden. 

Fläien, i. aufputzen, 3. ausbessern, 5. zuricbten, i^ titt-l»- 
fläien, sich besehmutsen. 

FSllen, füllen, for- auf» äw» dp» ÜU» äMJn» toftUm. 

FUjtten, fliessen, beflijUen, i. befliessen, 2. befleissen, fitr^'mf' 
ÜU» dar- in» auwer» am- tofUjUen. 

FrSsen, fressen,, far» auf» dp» üUfrheni 

Fausem, füttern und futtern, auf» dp» ÜU» unnerfausem. 

Gawen, gaffen, As- for» auf» dp- in» üU» dmgäwen. 

Gißten, giessen, be- for» auf» aiw» dp» üU» in» dn^ im^ü' 
wdggijlten. 

Gongen, gehen, be» for» auf- im» dp- üU» bdi» där-^in» mi^iptf- 
auwer» dm- häne- jurt» apyn» duynt- faur^ to» unner*' ^fftfwy^* 
aofechtem 

Grewen, graben, be- for» auf- dp» üU» dmgrewen. 

Grippen, greifen^ be- for- dp» ütt- in» faar» untwer» dm^ifkf' 
unner- togrippen, 

GUdden, gleiten, auf» üU» ingUdden. 

§. i56. um die Beispiele nicht ferner unnöthigerwdse au te^ 
mehren, da die vorstehenden hinreichen werden, die ABwamfaiDg 
der Vorsilben und der vorzusetzenden Dmstaads- und VerhalliiisS' 
Wörter zu zeigen, wollen wir nur die einfachen Zeitwörter ber* 
setzen , und bei einzelnen der bildungsfähigsten uns eine etwas 
ausführlichere Behandlung erlauben , als: hälen, I. holen, ieio 



245 

Seil oder Tau stntfer anziehen; härkm^ 1. horchen» ä.gehoFchen; 
hieren, i. hören, 2. gehorchen; hdwwen, 1. hauen«. 2. mähen; hSlr 
pen, hdfen; kühlen ^ halten; hdxen, hexen; hielen^ heilen; hingen, 
hängen; hieen, d. steigen, anschwellen, vom Wasser, 2. erhöben; 
hSwen, hoffen; h^nen, i. mit den Händen auffangen» 2. sich er- 
eignen, sich begeben; hijnnigen, händigen, mit ißh einhändigen« 
auf' abhäadigen; ijnnen, i. enden, beendigen, 2. gut fortschrei- 
ten mit der Arbeit; jagen, jagen; jäbben, jappen; jewen^ geb^n» 
wie z. B. Karten geben, 2. dem Vieh ein Futter geben, ^.ickjew^r 
fikU am, ich gebe nichts darum, mag es nicht; da Ut^jefle^ 4ie 
Ausgaben; jüdden, gälen; jögen, jochen; jüllen, d. gelten» 2.. wim- 
mern; kährenf fahren, mit dem Wagen; kämen ^ kommen, de Ap* 
kamst, das Emporkommen; de Ai^nkdmst, Ankunft; kieren, keh- 
ren; künmgen, kündigen z.B. ein Kapital; kaanen, können; kiem' 
men, kämmen; kanten, kanten, mit dm; kapern; kringen, drän- 
gen; kaaren, karren; kaarden, karten^ielen ; kupen, ki^ufen ; 
kdwwen^ kauen; kägeln, kegeln; kmvoen^ keifen; knippen^ kneifen; 
kieken, gucken; killen, kitzeln; kläwen, kleben; klädden, kladden, 
klittem; kloppen, klopfen; kluhsen, kleiden; knappen, knüpfen; 
knäsen, krachen; kriepen^ kriechen; käilen, kühlen; kögen, kih 
Ghen;.krdwweln, krauein, kriechen, besonders von ungeflügclten 
Insecten; klammem, klettern; klimoen, klimmen, auch übersiei^ 
gen; kräwen, mahnen; läwem, mit op- auftrieseln, z. Bw einen 
Strumpf; läwen, leben; lajtten, lassen; läken, lachen; {acfte»,. la- 
cken; löwem, verb. neutr., schwülen, schwül werflen; läntern, d.das 
Steigen der Beete in einem gewissen Kartenspiel, 2. so hinschlen- 
dem, als: dät läntert so auf!; länen, lehnen; Iddden, liegen; i«ä* 
den, legen; kmkken, lugen, sehen, gucken; lät^nnen, landen; 
lesen, 1.. lesen, 2. laden, beladen; liesen, lösen; lienen, leihen.; 
Ueren, lernen und lehren; jö Lier, d. Kenntnisse, 2. die Lehre; 
lunnem, das HuUem oder Lodern des Feuers im Stubenofen; lingen, 
i. langen, reichen, 2. mit efter, sich sehnen; jagten, hellen, er- 
hellen ; Ijogten , leuchten , de Ißogter , die Leuchte , Laterne ; liewen, 
i^ lieben, de Liewde, die Liebe, 2. glauben, de Luwe, der Glaube; 
Ijaagen, lügen, jö lAgen, die Lüge, dat Lägenier, der Lügner, 
veräefatlich statt Lägner; luhnen, lohnen, dat Lt(f'n, der Lohn; 
lupen, laufen, d^Lup, der Lauf , de Lopera tailfipelse, dasLaab 



246 

oder Riose} beim Käsen; Uren, oder lärren, Itttem, jö läkr und 
jö Lörr, die Lauer; tacken^ zuseUiessen; liwem^ liefern; 1^ 
ken, leicht einherbüpfen ; mögen, machen; maagen, mögen; mäk^ 
len^ mit Farben; marken^ merken; ma^tten^ 1. messen» 2. b^ipeg- 
nen; fRatf^n, müssen; miesen ^ meiden; mienen, meinen» jöHmt 
ning^; m6ren, mehren; mingen, d. mengen, 2. zaudern; n^idmen^ 
mofgnen. Morgen werden (wie degen, tagen); indren,. maiiem> jo 
Mohr; molken, melken; n^sen^ misten; münstem, musterai; mi^ 
sten, nebeln; muddemy aufschlämmen, baggern; nämefiY trennen; 
nemen, nehmen; n&ren, nähren; ndcken, nicken; 5 fem, opfern.; 
Ohmen t athmen, de Ohme, der Odem; ordnen, ordnen; crdMen,^ 
urtheilen; Owen, üben; pären, sich paren, gatten; ^löcAe», i..pa- 
eken, 2. sich packen, dat Pack, i. der Pack» 2. das Pack; päjmnu 
passra; pägen^ pichen; palen, scbelfen; päi^nnigen, pföodeii; 
shen, peitschen ;|n6isem, albernes Zeug schwatzen; picken, i^fickak^^ 

2. piek^ z. B. den Schlitten mit der Pieke oder dem PidiLstabs 
Torwarts treiben; plagen, jö Plag, die Plage; plaugen, pflügen^ 
plirren, blinzeln; pläsem, plätschern; planten, pflanzen; plecken^ 
pflöcken; placken, pflücken; phtmmem, trüben; pochen, auf sei- 
nen Reicbthum, (pochen v. a., schlagen » klopfen, ist klappen nnd 
bögen); präien, 1. sehr laut rufen, schreien, 2. mit etwas prafaleUi 

3. glänzen, scheinen; prägten, predigen; präiwen, prüfen, probi- 
nn; praiusen, mit einer Arbeit stümpern, humpeln; im Docht« 
stochern; prihssen, preisen, rühmen, de Priss, d. der Preis dncr 
Waare, 2. Lob, Ruhm; pumpen, pumpen; pulsen^ putzen; präcke», 
pricken; prägein, d. prickeln, 2. stricken; räjdden, i. rathen, 1 
errathen, 3. über etwas zu gelneten haben; ragen, i. den Bart 
scheeren, 2. hervorragen, 3. raken : iohupperägen , dählrägen; raasen, 
rasen; robben, rupfen; ran^, rennen, deRänster, der Renner; rath 
en, ruhen; raaieln, taumeln; räieln, riegeln, bei den Schneidern 
mit Riegelfaden heften, die wieder ausgezogen werden, davon 
nun: dat Spdnnräiel, Spinnewebe; räiren, rühren; ranken, wii 
ranken; rdnaM, reisen; rägnen, rechnen; riken, recken, daher 
datAidb, nd. dat Rick, als: Uännerdck, dieHühnerweime, Fähse- 
rAdt, das Sehüsselbrett, dat Ht^terdck, die Heuraufe, u. s. w; 
rditen, 4. das ausgedroschene Su*oh mit der hölzernen, zwieseK- 
gen Gabel aufschütten, damit das Kom aus den Halmen fällt, 



247 

S. raüeo, 3« ick waU d§ wdt raste! ja, ieh will dir was anderes! 
4; auf dem RosI braten, als: Äile rasten, Aale rösten; risen^ ur- 
spvänglkdi 4. reden, daher dat Resss^ die Stimme, allBi: en fim, m 
ffri» ReesSf dän. en RöH, 2. die Haare auskämmen, 5. {mi%üU) sieh 
mir einer irerwickelten Sache herausfinden oder herausreden; fi»- 
riml$, bereiten, toresen , zubereiten; riehen, räuchern; räofoii, 
rauehen; ridden^ reiten; riesen, sich in die Höhe richten, edie^ 
YxAf aufstehen, en Hüss riesen, ein Haus richten, davon: deBufee, 
der Riese; riwwen, reissen; rummeln, rumpeln; rosien, rust/in; 
tingm, läuten, de Ringster; regten^ rechten und richten, de Ad^ 
Ur^ der Richter; mdden, wild im Bette sich hin- und herwerfen, 
Tim ungezogenen Kindern ; aus Mulh willen einen Gang über einen 
Wall oder ein Schlupfloch in einen Zaun machen , da Kkihse fan *t 
Uff mdden; rösen, faulen; sägen, sägen; sällen, satteln; säUen, 
salsen; sinken, sinken; sänken, senken; sdUen, sitzen; setten, set- 
zen; sinnen, 1. sinnen, 2. sonnen; sägnen, vermissen; säicknen, 
auch vermissen, nicht finden können; solchen, suchen; säignnen, 
sanden; sägein, d.hinlaumeln, 2. sabbern; shaamen, verb. rec, sich 
schämen; shäfen, schaffen, in beiden Bedeutungen ; s/iän^e», schen- 
ken; Skalen, schälen; shSlwen, zittern; shäwen, i. schiffen, 2. von 
Schaben reinigen ; shäwwen, den weiblichen Hausvögeln unterm 
Sieiss fühlen, um zu erfahren, ob sie bald ein £i legen werden; 
shdeken, i.kuhm — , sich schicken, 2. schicken, senden; shytten, 
schiessen; «/iitf^en, scheiden; sheren, schneiden ;s//^«en, schänden; 
shinen, scheinen; shellen, schelten; shempen, schimpfen; sliräien, 
£Mdireien; shräwen, schaben; shriwwen, schreiben, jö Shräft, die 
Schrift; shudden, i. schütteln, 2. schütten, 5. schütiern; shruwen, 
sehrauben; ^ennt^en, sündigen; süppen, saufen; shöwwen, schieben, 
dst Shöff, dät Shöf, dat Shuf, da Shäwe; sluhggen, schlagen^ 
de SUeck, de Släg; släipen^ schlafen; släsem, plaudern, schwat- 
zen; «töti^ei), schleppen; stieren* schmeicheln; sUppen, schleifen; 
saien, nähen; slilten, i. aus der Tasche verlieren, 2. schleissen, 
3. jemand auf die rechte Art zu behandeln wissen, jö kki kam 
nög sWtte y ifotstönt harn gä/ujd tö slilten; slingen^ 1. schleudern, 
2. schlingen; smöken, schmauchen; smicheln, schmeicheln; Mt^en^ 
schmieren; sieen, sehen; sieen, säen; smoUcny schmelzen; stmgernf 
gellen; songem, anbrennen, von Speisen, sengern; samen, i. sieh 



248 

ikmidn, S. /säumen» zaudern, 5. aufeummeiiv ak: dät §ömM äp; 
sögeWj saugen; smurm, sdimoren; shridden ^ßchrtiitm; s/urielm, 
sehriWen; siUm, treiiben, auf dein Wasser; sühssen^ savsen-; säp* 
pm, sävtfea; sihssen, zischen; snaucken, stöbern; enägeniBdü^ 
«hcn; sWcen, löschen; stufen ^ i. stechen, de iS^a%, 2. stecken; stöttos, 
stehlen; spaien y speien; shunigen^ schonen; sonnem, sondern; 
sndittenj schnauzen, die Nase; sören, siechen, kränkehi; shrmm,^ 
schreien; Hjnnen, senden; sndppen^ schnappen; spälen, q>ielens 
Spruen y i. spalten, 5t.üttspijllm, speilem, de Spiflle^ der Speilers 
spinnen, spinnen; sparen, sparen; späilen, spühlen; slürren^ sehio — 
ren, schlören; stammen ^ i. stimmen, 2. herstammen; iprigen, i 
sprechen, jemand, 2. auf wat sprigen, es herausstreichen, vül^- 
men, davon de Spräike, die Sprache; üau^rnn, de Stand; be^^ 
stäujnnen, de Bestand ^ bestdndigy Beständighäid , ünbestäwK^, Ütm^ 
bestdndighäid; forstaujnnen , de Forständ, farstdndig, ßnfarstindig^ / 
dpstmjnnen, de Apstand; bäistäujnnen , de Baisländ; MstAynnem; 
faarstäujnneny de Faarständer; äujnstä/ujnnen, de Ät^ständy OMph 
händig, ünät^nstdndig , Aujnstdndighäid , XJnmjnstdndighäid; ängn^ 
stäwjnnen , auwerstäujnnen , mhsserslmjnnen , unnerstäujnnen , ti- 
stäujnnen, de Töständ, de A'mständ, pl. Amstwnde; forsHjnniff, 
ünfarsHjnnig , hukm forsiijnigen, sich verständigen, ßrstänükk, 
verständlich» ünforstontlick ; de Stäujnner, der Leuchter; de SMi* 
ner, der Ständer. Diess als Beispiel für die Behandlung der ohii* 
gen hier vorkommenden Zeitwörter. — Sprijdden, spreiten; tfi* 
ten, spotten; springen, springen; splähsen, splissen, ein Tau ins 
andre; swmen, schweben; swiermen, schwärmen; swälken, schi^ 
ken, sich herumtreiben, sowohl zu Wasser als zu Lande, u.a^w., 
daher de Swälker; swdtten, schwitzen; summmen, schwimmen; 
eivtnnen, Schweinen; swdjngeln, schwindeln, taumeln; spännei^t 
spannen; spihssen, speisen; stäirwen^ sterben; stißtten, stossen; 
swigen, schweigen; fangen y de Song, singen; stoppen, stopfen; 
staurken, storchen, mit dmhäi, herumstorchen, wie ein StorA 
auf langen Beinen; straalen, strahlen; snubbeln, stolpern; marteki 
stürzen; stricken, streichen; strägen, die Sense streichen, um sie 
zu schärfen; staurmen, stürmen; stjäwen, gaffend unherstorchen; 
sträweny d. streben, 2. streiten; strulen, struUen; tosen, foppm; 
tiSiwen, warten; tSren, zehren; teilen, zählen; täpen, iBpfen; He- 



349 

smhj ans einander zupfen; tienen, dienen; tie-en, ziehen; tii^m^ 
sieb gebehrden; tjögen, iw sich anschaffen » nd. lügen, 2. zeugen» 
iror Gericht; Hjnnen, zünden; trdckeHj am Stricke ziehen, z. & 
^in Rind; twingen^ zwingen; twiwweln, zweifeln; ^äßen, rappeln; 
Ipäddem, trampen, trampeln; iräwen, trahen; trögein, abbetteln; 
^röwwe», drohen; toppen, häufen, das Mass; waagen^ 4^ wachen, 
i. Waagen; wigen, wiegen und wägen; wirken, wirken; wännm, gewin- 
nen; wjdrpeln^ worfeln; «^//«m» wälzen; wippen ^ wippen; wirrigen ^ 
3rwüi|;en; wijnnen, wenden; wierwen, werben; wddderny wittern 
Bin der Luft und der Sonne; wichen ^ weichen; winnen, winden; 
wAhsen, wissen; wallen, wollen; wählen, welken; wällen^ wallen; 
wunnem, wundem; wamhen, wünschen; wjärdigen, würdigen; 
wmräseln, ringen mit einander; wringen, Wäsche ausringen; wrihs* 
sen, reiben» drehen; wrölen, wühlen, u. s. w. 

%. i57. Noch ein durchgeführtes Beispiel der vorstehenden 
Wortbildungsweise, als: gongen, de Gang, begongen; dat Begding* 
nUs: ä^Ugongen, anfechten; ätyngongen, de Aujngöng; äujjntgongen; 
fi»rgongen^ forgdinglick , jö Forgiinglickhäid , ünforgdmgUck^ jö Ün^ 
forgiinglickhäid ; de Gdinger, de Göngster; aufgongen, de Aufging; 
dpgongen, de A'pgöng; üttgongen, baigongen, ingongen, de Ingdng; 
de ÜUgSng; dörgongen, [de Dorgöng, d. Durchgang, 2. Durchfall; 
faargongen, jurtgongeuy hänegongen, dählgongen, de Faargötig, de 
Dählgöng; dmgongen, deA'mgöngy 1. Dmgang, 2. grassirende Krank** 
hcit; ijngongen, tögongen, de Tögöng, de AjUgöng; faurtgongen, 
de Faurtgöng; unncn^gongen , de Unnergöng; gängs wesen; gdjngig, 
gang und gebe; togöngs, zu Gange sein; dmgdinglick, umgänglich; 
togdinglick, üntögdinglick ^ Tögdinglickhäid, Untogdingli^^khäid. 

Thierlaule und Naturlöne, 

%, i 58. Kageln , gackern ; krdien , krähen ; bjdwsen , belfern ; baten , 
bellen; knurren y knurren; brummen, brummen; holen, heulen; 
Masern, blocken; gröjnten , grunzen; rüjUen, muhen; mjdwwen^ 
miauen; shrklen, schrillen und quieken j brulen, brüllen; nögern, 
wiehern; kndbbern, klappern, aber nur mit den Zähnen und dem 
Schnabel; äw en Stock Sucker, en Päwertralling kndbbern^ an einem 
Stückchen Zucker, einer Pfeffernuss knabbern; da Staurke kndb» 
bre, die Störche klappern; da Täis kndbbmien hdm äi0n*e Kolle^ 

82 



250 

die Zahne Uapperten ihm im Fieber, oder in d^ Kille; andi 
bmrpen und knarpen, vom Zerbeissen harter Speisen, knarpehi 
nnd knorpeln ; jö Meilen klappert ; tihsten , zischen ; gnatem , 
sdmKltem; Missen , sausen; brühssen, i brausen, 2. das Gefieder 
striuben, daher 6e Brüsskrq^dder , der Kampfbahn (Braushahn), und 
das Adj. hrösigf Brötighäid; rummeln, rumpeln; knäsen^ kraeben; 
tumiem, donnern; Ujtten^ laut schreien, daher dit Tot^ Lärm, 
Getöse; jüllen, wimmern; stöhnen ^ stöhnen; pläsem, platsehem; 
^iroffen, das dumpfe Klingen irdener oder thönemer Gefasse, die 
einen Riss oder Sprung haben; gröhsen^ knirschen, wie %. B. Sand 
«wischen den Zähnen malmen; shrajngeln, rdjngeln, SeheUenge- 
klinge! und dem Aehnliches bezeichnend, daher jö ShrdjngeUoss 
und Rajnglebass^ die Schellenböchse, nd. de Klöterbäss oder JSöh 
ierbüeks, von jö Rdjngle, die Schelle (dän. en Bängte)^ 2. ein Hen- 
keltopf; kldjngem, hell klingen; ringen, läuten; Mimt, beiem; 
shrtüen^ schreien; näujtten, sich eine Melodie (de Nänytte, Notco) 
einüben; n6cken, schlucken, den Schlucken haben; «tcJaiefi, 1. 
«eufzen, 2. schluchzen, beim heftigen Weinen, dät Sicken, der 
Seufzer; stämmem, stottern und stammeln; läken, lachen; fmesem, 
niesen; hosten, husten; sjungen, singen; flaaiten, i. üötok, S. 
pfeifen; snomwen, schnauben, schnaufen, auch schnupfen, daher 
dat Sndf, der Schnupfen, und snäwsh, rotzig, von Pferden; A«r- 
ken, räuspern, dphärken, ausräuspem, den Qualster; snärkem, 
schnarchen; snurren, schnurren; knappen, knipsen; bögen und 
klappen, klopfen; Kluhse bögen , Wäsche klopfen oder bläuein, 
daher de Kluhseböger, der BJäuel, und dät Böhgshäm, der Bläucl- 
tisch; knallen, knallen; kldtshen, mit der Peitsche knallen; dmr 
wen, toben; bummem, bezeichnet den Ton, der entsteht, wenn 
man auf dem Uohleise gebt oder sclilittert; daher dät Bummeri», 
Hohleis; de Bummerßdrl, der Bummerfurz; lunnem, bullern, lo- 
dern, Yom Feuer im Windofen ;^d^6/n, prasseln, knistern, ymm 
Feuer; pölshen, mit der Störstange ins Wasser plumpen und atf- 
ren, um die Hechte ins Netz zu treiben, daher de Polsher inad 
de Plumpsiöck; Rappen, sappen; s^unreit, nagen, von Mäusen, mit 
knispemdem Ton; hären, dengeln, die Sense; sUppen, sdileifen; 
pieken, wie die Taschenuhr; shulpen, Flässigkeiten umschütten; 
pösten, pausten; häclien, hauchen; blaasen, blasen; sbtbbem and 



JuM^m» schlurfen, von Enten im gl ummcn Wasser; knmertk» kno* 
pern» das kurze Gras ganz knapp an der Erde abbeisscn, von 
Pferden besonders, wovon ein Rasenstrich im Herrenkogc de 
£n€Wt'inge\\e\ssi\ bubbeln, von Sumpf blasen, die mit Geräusch auf 
die Oberfläche des Wassers steigen; sungeru^ gellen, in die Obren 
lilnein, und nachgellen; ktUrken, knirren, wie der Schnee im 
Larteo Froste unter den Füssen; trampen y trampen, trappeln, 
bart auftreten; shurren^ schurren, auf dem Eise, u. s. w. 

Endungen des Zeilwortes. 

§. i59. Dass die Wandelform desselben sich, wie im Dcul* 
£chen, allemal auf en oder n endigt, ist schon §. 149 bemerkt 
iKTorden. Ausser dieser Uebcreinstimmung finden wii* aber auch 
noch die Endungen nen, igen^ em und ein in beiden Sprachen 
wieder, wie z. B. rägnen, rechnen; renen, regnen; räiknen^ nach- 
suchen; sägnen, säickncn, tieknen^ licknen, sägneti, sickmn, twi' 
nen, luhnen, ränef^, kränen, reckhalsen (vergl. das deutsche der 
Erahn und der Kranich), u. s. w. 

Yiele von denen, die sich auf igen endigen, sind nicht allein in 
beiden Sprachen von ähnlicher Bildung, sondern auch oft in der 
Bedeutung gleich , als: begnäsigeti , begnadigen; beshäsigen , beschädi« 
geo ; bewdlUgen , bewilligen ; ätijntlähsigen , entledigen ; [sinnigen, sün- 
digen; künnigen, kündigen; tn/^^nn^en, einhändigen; sähsigen , sÄl" 
tigen; u. s. w* Oft hat aber auch das fries. Zeitwort die Endung 
igen, wo das deutsche nur gen hat, wie in bäirigen^ bergen, ßl- 
ligen, folgen; märrigen, merken; sörrigen, sorgen; baurigeti, bor- 
geo; wirrigen, würgen, u. s. w. 

In andern Fällen sind die friesischen Zeitwörter dieser Endung 
von den deutschen abweichend, als: bäligen, jemand sehr laut 
rufen; swieligen und swälligen, i. verschlingen, 2. ersticken, das 
deutsche schwelgen, dän. at svälge; jö Swielig oder Swällig, 
der Schlund, das dän. Svälg und das deutsche Schwaig; ßlligen, 
fuUgen oder fieligen , feigen , einen Acker brachen ; huhm hedärri- 
gen, sich sammeln, besonders wenn man aus dem Schlafe oder 
einer Ohnmacht erwacht; huhm farwilligen^ sich verirren; lihssi'^ 
gen, reinigen; haadigen, köpfen, enthaupten. 

Die. Silbe em zeigt eine Steigerung, Wiederholung, Fortsetzung 

32» 



252 

oder Andauer der im Zeitwortc liegenden Handlang oder Verän- 
derung an, wie in klammem ^ klettern; wällem, wälzen; shillem^ 
nögemy tögem, snäsem, pläsem^ släsem, plaudern und ausplau- 
dern, piesem, rappeln, wägem^ smäsem, schmettern, plummem, 
plempern, lowem^ läwem, auftrieseln, knowem, slajngem, schlen- 
kern , baumeln, kldjngem, glütem, blähsem, jägtem, lunnem, 
fungem, gellen, iöngem^ sengcm, anbrennen, billem^ bildem, 
sjdmmem, tdmmem, läwem, flänkem, flackern, stiwwem^ gerin- 
nen, knabbern, knawem, dnnem, äntern, entern, käntem, etwas 
über die Kanten wälzen, z. B. einen Balken, kentern, umstülpen; 
dat Bü^t käntert, das Boot kentert; klawwem, slubbem, Itibbem, 
hhibbem, lannem, lindem. 

§. 160. Bei manchen adjectivischen Zeilwcnctem geht die Bil- 
dung desselben aus dem Comparativ des Bestimmungswortes her- 
vor, wodurch die Endung em hier bewirkt wird, die dann den 
Steigerungsbegriff dem Zeitworte selbst mittheilt, als: finrndtmem, 
m annem ^ mindern; fcrgroUem, berickem^ allem ^ forwillem, frr- 
Iqjngem, forbäsem, millem, u. s. w. [Hiervon unterscheide man 
jedoch diejenigen Zeitwörter, welche von solchen Adjectiven 
stammen, denen die Silbe er schon eigen war, wie: bdUer^ säker, 
munter, Ideker, mager, edder u. s. w. , als: häddem, heitern, von 
hädder; forldckem, verleckern, u. s. w. In den von Geschäftsna- 
men abgeleiteten Zeitwörtern rührt die Endung em ebenfolls 
von der Endung des Hauptwortes her, wie in glaasem, gläsern; 
shrüjddem, schneidern; snäjUem^ tischlern; süUem, schustern; 
kriemem, krämem ; kraugern, krügern; ebenso in forswaagem, 
forbrausern, forsöslern, verschwägern, verbrüdern, verschwistem , 
von Swaager, Brauhser, Sösler, 

§. 461. Die Endung ein steht meistens wiederholend und mit- 
unter auch verkleinernd, wie in sticheln, ddjngeln, baumeln; rdfli- 
geln, rasseln, hellklingend; nesteln, nistein; sägein, rummeln, 
grummeln, wimmeln; ugdrpeln; sjöhsseln, pässeln; shrummeln, wie 
z. B. eine hohltönende Trommel; shumpeln, schüttern, z. B. ein 
Wagen auf einem holprigen Wege; gräpeln, grapsen; wrässeh, 
ringen; shrc^eln, humpeln; fisteln, vorfausten, von Handschu* 
hcn; fäjlteln, Vorschüben, von Stiefeln; ficheln, höckeln, heucheln r 
b^nseln , absliefcln , davonlaufen; swdjngeln, schwindeln; Ardip^ 



255 

toeln^ spriwweln, strampeln mit Händen und Füssen; säppeln, 
zappeln; sträielfiy staaweln, die Tabackspfeife ausräumen, daher 
dat Staawling, das Ausräumsel; spauckeln, spucken; fämmeln^ 
umhertappen; rubbeln^ über eine rauhe Fläche mit etwas hinfah- 
ren; tjäwweln, sich zanken. 

§. i62. Einige Zeitwörter verlieren bei der Umbildung in 
andre ihren Stammlaut, und diese bekommen dann eine ähnliche 
oder abgeleitete Bedeutung, wie in höwen, jö Hdw^ hoffen, häi- 
we»f jö Häiw, verrauthen; fähren, jö Faur^ jö Färi, fairen, 
jö Fähr, führen; rocken ^ rauchen, riechen, räuchern; s^ken^ 
suchen, sägnen^ vermissen; hungen , hangen, hingen, hängen; 
drajnken^ trinken, dränken, ertrinken und ertränken; säjnken, 
sinken, sänken, senken; tanken^ denken, täjnken, däuchten; lad- 
den, liegen, dat Lddd, der Deckel, ledden, legen; satten, sitzen, 
sMen, setzen; winnen, winden, w\jnnen, wenden; Halten, älteln, 
allem , altern ; stSgen , stechen , sticheln , sticheln ; springen , springen , 
spränken, sprengen, besprengen; grSwen, grauwen; klingen, klajn- 
gem;grippen, grawwen; slingen, sldjngern, i.wenn der Wagen von 
vielen kleinen Höhlungen und Unebenheiten in den Geleisen immer 
von einer Seite nach der andern geworfen wird , 2. schlenkern z. B. 
mit den Händen und Armen; smitten, schmeissen, werfen, srndt" 
ten, beim Weben der Leinewand den Kleister auf die Kette wer- 
fen, um ihn einzubürsten , davon dat Smdtting, der Weberklei- 
ster; kronken , krdjnken, kränken; wärmen, wiermen, wärmen; 
fällen, feilen, fällen, einfallend machen. 

Zusammensetzung des Zeitwortes. 

§. 165. Das Zeitwort wird nicht allein durch Vorsilben, Yerhält- 
niss und Umstandswörter und durch die Verwandlung seines 
Stammlautes umgebildet, sondern auch mit Haupt- und Bestim- 
mungswörtern aller Arten zusammengesetzt, wie z. B. hüsshüjllen, 
haushalten; bronshätten, brandschatzen; bläujdsluhggen , Ader lassen; 
räjdslägen, rathschlagen ; mößddewällern , sich mit jemand in der 
Math wälzen ; iss-slägen , glatteisen ; ronsägen , bis zum Rande , 
d. i. bis aufs Aeusserste nachsuchen; eßerräjknen, überall nach- 
kramen, herumforschen; killhälen, kielholen; hauckhüjllen , buch- 
balten; ölweloMJdden , wörtlich: wolflaichen, d. i. der Reihe nach, 



254 

wechselsweise über einander springen, ein Knabenspiel; Bitücke^ 
stSlen^ strunkenstehlen p nämlich Kohlstrünke, gleichfalls ein Spiel 
der Knaben; kältspälen, die Katze spielen, auch ein Knabenspiel 
päujusetteUf verpfänden; lönsetten, ans Land setzen; Idnmajüen 
landmessen; shönklütten , Schandflecken; ailebiiten^ egelbeisseii_ 
von Blutegeln, de Ailebitter, der Blutegel; uhgwiUigen^ einec: 
gerade zu, gleichsam in die Augen hinein, die bitterstea Yoh 
würfe machen; sdtnmerbüen^ wörtlich: sommerbauen , brachen, e^ 
Feld; dickteken, deichdecken , den Deich mit Stroh bestickerra 
ringetdppen, aus dem Ringe tappen, ein Yergnügungsspiel unt^ 
jungen Leuten beiderlei Geschlechts; potUemeshijHm, purselKn 
Purzelbäume machen; grauwedielen, Gräsungsgrahea vertheile^qi 
jö Grauwedieüng , die Graben vertheilung; shdmbijdden, schandbif^ 
ten; winndrögen^ windtrocknen; köpseUen, schröpfen; nijdsägem, 
durch Noth dringen, nijdsäget^ nothgedrungen ; spägelfägten , spie- 
gelfechten; hömesetten, Hamen oder Reusen setzen; kröhnspälm, 
kronspielen, ein Knabenspiel mit Sechslingen; issbosseln, eiabos- 
sein, eine Winterbelustigung; ringridden, ringreiten; ra/ujUsäümj 
räujttsluhggen , wurzeln; gnüstelbitten , im Schlafe mit den Zäboen 
knirschen, wörtlich: knorpelbeissen. Einige dieser Wörter bilden 
echte oder untrennbare, andre unechte [oder trennbare Zusam- 
mensetzungen. 

§. 464. Hit Bestimmungswörtern werden unter andern zusam- 
mengesetzt: frikännen, frisprSgen, freisprechen; hüUghpfllen, hei- 
lighalten, feiern; sljogthäweln^ schlich thabeln ; twdrrplaugen, que^ 
pflügen, quieren; stdllhi^llen ; gäujdsSdden , gutsagen, d. i. für 
etwas borgen; plätsluhggm , plattschlagen; wäirsedden, wahrsagen; 
groUmägen, tjackmägen^ dickmachen, schwängern; wäjlfären, wohl- 
fahren; trindmmeruken, rundum ^echen, salbadera, eigentlidi 
rund um den Diemen oder Schober laufen , daher nun de 
Trinimmeruk , ein fader Schwätzer; grottsprSgen^ grossspreehen. 

§. 465. Ausser den bereits angewandten Umstands- und Ver- 
bal tnisswörtem sind noch folgende bei der Zusammensetzung des 
Zeitwortes zu berücksichtigen, als: foll, voll; mäsSy miss; (dufte, 
binnen, inne; dmbäi, 1. vorbei, vorüber, 2. umher, 5. zu Ende; 
faarbäi, vorbei; tofaar, zuvor; lüss, los; tobähg, zurück; iofoUet 
U.S.W. Beispiele: follbringm, foll fairen, folUie-ent vollführen und 



255 

yolliiehen; mdssgunnen; bännehüjllenf bei sich behalten; banne- 
säten, binDeDnähen, beim Dachdecken, mit Seimen aus Stroh oder 
Simsen und Binsen*; ämbäigongen, dmbäistjäwenf gaffend umher- 
gehen; huhm töfaarkämen, jemand zuvorkommen; lüssgongen^ los- 
gehen; dät Tjüeh gongt lüss^ das Yieh geht los; nö gonget gelick 
lusSy nun geht's gleich los; tobähgkämen, zurückkommen; tofolle' 
kämen f in Erfüllung gehen; ämkämen, ist i. zu seinem Nach- 
bar umkommen, weil man gewöhnlich um das eine Ende des 
Hauses herum gehen muss, als: dö k<mst nög illing en läiet dm' 
harne; liegen die Nachbarhäuser aber so neben einander, dass die 
Tbüren derselben sich auf gleicher Seite befinden, so ist es: kam 
en läiet häne, hin; liegen die Hausthüren einander gegenüber, 
so spricht man: kam en läiet auwer^ komm ein wenig herüber; 2. 
umkommen, ums Leben kommen, als: dirr sdn mdnnmg ämkiem- 
men dujn dehirre Kolle^ es sind viele in dieser Kälte umgekom- 
men. 

Das Wort dähl^ nd. claa{,heisst nieder, aber auch todt, in dähl' 
sluhggen, dählshijtten , sonst: herab, herunter, wie in dählkämefi, 
dählgongen, dählfällen, de Mist släitdähl, der Nebel schlägt nieder. 

Echt und unecht zusammengesetzte, oder untrennbare und 

trennbare Zeilwörter. 

§. i66. Unter den §. i65 und i64 vorkommenden Wörtern 
bilden folgende echte Zusammensetzungen, als: brönshätten, rajd' 
slägeny majddewällern, issslägen, ronsägen y ölweläujdden , Idnsetten, 
päujnsetten, äilebitten, sdmmerbüen, dickteken, ringetdppen, winn- 
drögeny kapselten, nijdsägen, shömbijdden, spägelfdgten , issbösseln, 
trinndmmeruken. So auch twittwädden, Gewäsch machen; tjisstjä- 
sen, salbadern, dummes Zeug schwatzen; n^dttigtigen, nothzüch- 
tigen; käujllebäujtten ^ kaupeln, u. s. w. Unecht oder trennbar 
ist die Zusammensetzung dann, wenn das zugesetzte Wort den 
Uauptton bekommt; echt oder untrennbar, wenn die Betonung 
auf der Stammsilbe des Zeitwortes ruht, wovon bloss die beiden 



* Eine solche Seime heisst jö Täihg, pl. Täihge, von tie-en, 
ziehen; dagegen heisst das Band an der Peitsche: de SSme, die 
Seime, und ein Slrobseil im Dänischen en Sime, 



256 

Wörter: mdsshcken, misslingen, und agier flicken, hinterflecken»' 
eine Ausnahme machen, indem sie echt zusammengesetzt sind^ 
und doch den Ton auf dem zugesetzten Worte haben. Besonders 
bei den Zeitwörtern, die mit dm^ um, döhr^ durch, auwer^ aber« 
unner, unter, und wihsser, wider, zusammengesetzt sind, ändert 
die Betonung alles ab, als: ämbaggen, umbauen, &mbdggeny um- 
bauen: he bdggd sin Hüss dm, er baute sein Haus um, jö kiel 
Haurd ds md Hühssinge ambdggd, der ganze Kirchhof (Hort) ist mit 
Häusern umbaut; he jSfVe Kaarde dm, er giebt die Karten um» 
dat Ailäiijnn ds md Wähser dnyäwen, das Eiland ist mit Wasser 
umgeben; dö shäht dn^ewe, du sollst umgeben, noch einmal» 
hakst dnyäwen? hast du dem Vieh im Stalle von einem Ende zum 
andern ein Futter gegeben? ick jSw'r ninnt dm, ich gebe nichts 
darum, mag es nicht; dmhäcken, umhacken, dät kiel Bidd dnh 
kacken, das ganze Beet umhacken, ke dmkäckei de kiele TSle^ 
er umhackt den ganzen Busch ; dmwäien , umwehen , jö üjll MiUen 
wäit dm, die alte Mühle weht um, kmwdien, de Winn dmwail mß 

A 

fon arken Egge, der Wind umweht mich von jeder Seite; so auch: 
dmst^gen, umstechen, ämstSgen, umstechen; dmstruhmmcn, um* 
strömen, kmstrukmmen , umströmen; dmlie-en, umziehen, &mHe*en, 
umzieken: de kiele Hammel ds dmtägen; dmplonten, umpflanzen, 
amplönten, dät Hüss md Bukmme, das Haus mit Bäumen; dm- 
shriwwcn, umschreiben, kmshriwwen , umsckreiben; dmgongen, 
umgehen , ämgongen , wdt wdn*t Hdlting dmgonge , wir wollen 
die Holzung umgehen. — DoArbitten, durc/tbcisscn , döhr^t^tefi, 
durchbcissen ; (/öÄrgongen, de Träjdd gongt di döhrH Nellukg, der 
Faden geht nicht durchs Nadelöhr, döhrgongeUt durchgehen, hs 
wajrt Hölting liewere dökrgonge ds dökrkäire, lieber durchgehen 
als durchfahren; dökrhuren, (2urc//bohren , döhrbdren, durchbokren: 
dö borest dökr dät Baurd, Brett, he döhrböret kam md an Stähg, 
mit einem Stich u. s. w. — AuwerhQdden , u6^'bieten, auwerfr^ 
den, über6te/^: ke bjött auwer, ke auwerbjött me; auti;erbringen 
und auwer^nw^cn; auu^erilen und auweri/m, sich übereilen: he 
auwerilet kdm, asW auwer* t Marked ilet, er übereilte sich, als er 
über den Harkt eilte; auu;erkäiren , unerfahren mit dem Wagen, 
auwerArdtren, über/ct/ircn; auwerfahrcn , unerfahren (zu Wasser}, 
kc faur auwer, er fuhr über, he auwei* fahrt sin u/rbed, er über* 



257 

fahrt seine Arbeit; autverfäWen , t^^erfallen: he ßll auwer äw mir 
2r fiel auf mich über; stuwer fällen , überfallen: ja auwer fSllen 
k&m ä'^e Lonstraate ; autcerflieen , überfliegen ; jo Staiark flßogt 
mwer^t Hüss, der Storch fliegt über's Haus, dät Hännehjdrn au' 
(ferflug dät FögelnSst, die Hübnerweihe überflog das Yogehiest; 
mwerfäiren, öfrcrführen, auwer/äircn, überführen; aMW(?rj6wen, 
ibergeben, auwerjetren, über^e^en, auch sich erbrechen; auwer* 
feilen, u^^üllen, von einem Fass ins andre; Buwerf Sllen, über- 
Üllen ; atit&ergongen und auwergon^en : dirr as ham cn groll Vnlock 
,uwergingen, es ist ein grosses Unglück über ihn ergangen, hat 
hn belrolTen ; de Ihne auwergongt de Ausere, der eine übertrifft den 
indem; do hähst ham auwergingen, übersprungen; so auch auwer- 
pjtten und SiuwergijUen ; auu^erbingen und auwerhingen ; auwer- 
agen und Auwerjagen; atm;erhieren und auwerhieren; auwerkkmen 
md auwer/;amen; auwerUsen, und auwer/e$en, t«6erladen und 
iberladen; (mwerläjlten und anwerli^Uen, ä6et4assen und über- 
assen; auwerlufpen und auwer/tt;)pef»; auwerlkwen, he läwet de 
Vonter äi auwer, er lebt den Winter nicht über; auwerlawe», de 
!hne auwerläwet de Ausere; aut&erl^dden und auwer/Äfdcn; auwer-* 
i&menundauwerwamew/awwersijnnen und Siuwersijnnen ; auwerdriW' 
nren und amwerdriiowen ; auu^ertresen und auwer/resew; auwerdr^" 
5en und aawerdrigen ; aMtt^crswummen und auwerswummen , über" 
jchwimmen und überschwemmen; auM^ersicen und auwerstee»*; auwer» 
s6tten und Sinwersellen ; autc^spännen und auw er spännen ; auwer» 
spannen, u&erspinnen: de Konker spännt auwer to jö auser Sidd, 
ler Kanker spinnt über nach der andern Seite; he auwerspännt 
iät hiel Rütt,er überspinnt die ganze Raute, d. h. Fensterscheibe; 
itnrertieen und auwertieen; auwerstäujnnen und auwerstdujnnen , 
j. s. w. Einige mit auwer zusammengesetzte Zeitwörter sind 
lorchaus untrennbar, als: auwerljögen, überzeugen, atiwertronfern, 
iberwintem, auwerwdnnen, überwinden, auweränturden, überant- 
RTorten, aMwerdÄscw, überfressen. — Pnnerbinnen und unner^mn^; 
mnergr^wen und unnergrewen; tinn^hüjllen und unner//ö;7/ew ; 
mnershriwwen und unnershriwwen ; t^nnerstäujnncn und unner- 
Uäujnnen; unnertieen und unnertieen; wnwerluppen und unnerluppen: 
ke läppt unner'e Buhmme; de Nägel äs mä Bläujdd unnerläJtm.der 
<agel ist mit Blut unterlaufen , u. s. w. — Alle mit wihsser zusam« 



258 

nengesetzte Zeitwörter sind untrennbar, wenn es wider bedeu» «.^ 
^et» und trennbar, wenn es die Bedeutung von wieder (noeh ein- — ^ 
mal) hat, wie in; wibsser/istAr^ , wibsser/^cf^n, legen, iri^sMr-«^*^ 
IMden, wieder binlegen; wihsserräjdden , ratben; wibsser«litoii 
setzen, wibssers^ot^'nnen, sieben; wihsserspre^en, sprechen; 
wihsserkkmen , wiederkommen. — WibsserÄa/en , wiederholen , is 
untrennbar. — Bei Substantiven wird wihsser zu wahser, als: d 
Wähserwälle, der Widerwille, wähserwällig , widerwillig, wä 
sonnig f widersinnig, dat WähserspdlL das Widerspiel; wähserwtu^^^^ 
nifff wetterwendisch; widerlich dagegen ist: wddderlick, jö ^^ ^r^c 

derliekhäid, towdddeme wesen, zuwider sein. 

Klasseneinth eilung des Zeilwortes. 

. §. 167. Das Zeitwort zeigt entweder ein Bestehen, wie jq 

dem Worte sein, altlings wesen, oder ein Geschehen an, was a^- die 
Erklärung desselben ziemlich genau erschöpft. Aus dem 6eschet=ieii 
gehen nun drei verschiedene Zustände hervor , nämlich der thäti=^ .^e, 
der leidende und der unthätige Zustand, und das Zeitwort loiver. 
fällt demnach in das thätige (verbum activum) , in das leidende (^^^er* 
bum passivum) und in das unthätige Zeitwort (verbum neutri^^xo}) 

§• 168. Das thätige Zeitwort zeigt an, dass irgend ein Gedeih 
stand selbstwirkend ist, wie in den Wörtern: gongen, gehen ; I^^Sei$, 
arbeiten; luppen, laufen; stridden, streiten; sluhggen, schlagen; shti». 
wen^ schreiben; wrässeln, ringen; fangen, fangen; liewen, lieben; 
ringen, läuten; äjtugen, anhalten, u. s. w. Diesem Zustande ist iiua 
zunächst der unthätige entgegengesetzt, wie in: Iddden, liegen; 
sailen, sitzen; rauen, ruhen; welen, ausruhen, u. s. w. in beide 
Zustände kann ich mich willkührlich versetzen und sie wieder 
aufheben, sobald es mir gefällt. 

§. 169. Der leidende Zustand, welcher dem thätigen geraden 
entgegengesetzt ist, unterscheidet sich sowohl von diesem, al 
auch von dem unthätigen dadurch, dass er von meinem Wilb 
durchaus unabhängig ist, z. B. in: worden, werden; wesen, se 
äii^tstäujnnen , entstehen; forgongen, vergehen; waten, wellr 
stäirwen, sterben; dränken, ertrinken; wägsen, wachsen; ü^ 
älteln; sören, siechen; ^r$/^, bersten ;sdtn&en, sinken ;uf^Of 
ausgehen, erlöschen; aufshiesen, verscheiden , u. s. w. Hier ist 



259 

mU. reines Leiden, durchaus unabhängig von den Gegenständen, 
die demselben unterworfen sind, wie auch in: rocken^ rauchen; 
4dmpeny dampfen; kogen, kochen; wärken, schmerzen; wärrigen^ 
dasselbe; swieligen, ersticken; driwwen, treiben, auf dem Wasser; 
sUlen, sielen, treiben; shämmeln, schimmeln; gären, ^ärenihäiren ^ 
liaaren; fähsern, mausern; hüdden, häuten; böllnen, schwären; 
tünnen^ schwellen; hrännm, brennen; braasen, braten; farstienen, 
Tcrsteinern; forhoUen, verholzen; rösen, faulen; äprösefiy verfau- 
len; blieken, bleichen; häwem, beben; shelwen^ zittern; bläjdden, 
bluten; forbläjdden, verbluten; friesen, frieren; tdien, thauen; 
üptäien, aufthauen; hungen, hangen; swälteUj schwitzen; rüsten, 
rüsten; drögen, trocknen; forwälen, verwelken; gähsmen, gähnen; 
inslmpen , einschlafen ; äpwaagen , aufwachen ; swöhmen , in Ohnmacht 
fallen , schweimen , u. s. w. Hehrere Zeil Wörter mit der Vorsilbe 
ybr (ver) zeigen auch reines Leiden an, wie: forkämen^ vor Kälte 
und von zu starker Anstrengung fast umkommen; forkolUgen^yot 
Kälte umkommen; forermen, verarmen; forblieken^ verbleichen; 
fwitummen^ fortwiwweln, forünlokken, forwdddern, verwittern; fbr- 
smäglen ; forböUnen , verschwären ; fordrögen ; forwillem , ver- 
wildern. 

Viele der leidenden Zeitwörter haben den wirkenden Zustand 
neben sich, so wie auch manche Activa intransitiva den zielenden 
odar transitiven Zustand zur Seite haben, als: dränken, de Mann 
dränkt, ick dränk man Hünn; däi Holt dräfl, ick driw da Axne; 
dät Hüssbrännt, jö brännt Kaffebune; däi Wahser köget, jöFömmen 
kiget Soos, Suppe; jö Gaus braaset, ick braas en Hase; ddKluhse 
dröge, ick dröhg min Kluhse; de ShSrstijn rockt, ick rock Tobäck; 
da Wahser hie't, he hie*t sin Shiw en Imet; dät Lanert blicket ^ jö 
blicket hdr Lanert; jö Böhser smoli, ick smolt Blie; da Arte uke^ 
jö uket Kluhse , Wäsche ; dät Födder wdddert , jö wdddert hdr 
Ehuhse; dät Ljägt gongt ÜU, de Mönn ds üttgingen; dät Laujnn 
forgongt, dö hahst de forgingen; jö Wünnen hielet , die Wunde heilt, 
dät Piaaster hielet jö Wünnen, — Dass diese Zeitwörter, welche 
reines Leiden anzeigen, nicht mit der Leidensform aus dem zie- 
lenden Zeitworte zu verwechseln sind, bedarf kaum des Er- 
wähnens, indem sie nicht den wirkenden Zustand voraussetzen, 
der jene Form bedingt, z. B« släien worden, geschlagen werden, 

33* 



260 

und forlaamen, erlahmen; slöppen, los im Stifte sitzen, besonders 
von Einlegemessern , und fanget worden. 

§. 470. Das thätige Zeitwort zerfällt nun wieder in das zie- 
lende (v. transitivum) , und in das thätige, ziellose (verb. act. in- 
transitivum). Beim zielenden Zeitworte geht nämlich die Thätig- 
keit, welche dasselbe ausdrückt, immer als Wirkung unmittelbar* 
auf einen andern Gegenstand über, der diese Wirkung leidet , undL^ 
das Ziel oder das Object genannt wird , das ich daher nennen ode^ 
mir wenigstens denken muss , wenn der Sinn des Zeitwortes richti 
aufgefasst werden soll, wie z. B. bäggen, bauen; robben, rupfea 
slägtigen, schlachten; drugen, seihen; mögen, machen; betährt^ 
bezahlen ; duhggen , thun und geben ; als : he bdggfn Hüss ; ji 
räbbi^ hdr Gäis; ja slägtige en Ögse; jö Fömmen druget Jlfdlk^ 
de Sütter mäget Stäiwle; dö betälest dinShüll; hedäi me en Baue 
er gab (ihat) mir ein Buch. — Das thätige, ziellose Zeitw 
(y. aci. inlr.) zeigt ebensowohl reine Thätigkeit an, aber 
geht nicht, wie beim zielenden Zeitworte, unmittelbar auf eimei] 
andern Gegenstand über, der die Wirkung dieser Handlung leidet, 
wie z. B. in gongen, summmen, sträwen, slridden, springen, bü^n, 
u. s. w. Hier muss ich ein Umstands- oder Yerhältnisswort zu 
Hülfe nehmen, wenn diese Zeitwörter richtig verstanden werden 
sollen, als: ick gong to Hüss, ich gehe nach Hause; he gongt ß^$ 
Hühs, er geht daheim; ick gong ütt aw*tFäjll,ich. gehe aufs FeM; 
he gongt äw't Fajll, auf dem Felde; ick gong gdw, lagt , löngsaam, 
flink u. s. w.; ick gong dmbäi, häne, dp ajtfe Bäirig, den Berg 
hinan; dp äw*e Bäirig, auf den Berg; äw*e Bäirig, auf dem Berge. 
He swummt ütt äujn't Heef, auwer'e Sie-e, döhr*e Haawen, ins Vider, 
über den See , durch den Hafen, «fö sträwet md hdr u/rbed, sie 
strebt mit ihrer Arbeit; he sträwet ijne Wjärd, er streitet wiiet 
die Wahrheit; jd stridde dm Min an Bin, sie streiten ums Heia 
und Dein; he sprdingt ütt äujn't Wahser, ins Wasser; he svsumä 
äujn*t Wahser, im Wasser; auwer'e Slüjtt, über den Graben; if 
äw'e Wäien, auf den Wagen; tosidde, zur Seite; foiärütt, voraus; 
dalli y nieder. Ick bü äw en Shäp, en Bär Stäiwle^ ich arbeite afi 
einem Schranke, an einem Paar Stiefel. 



261 



Anmerkungen, 

i« Einige ihätige , ziellose Zeitwörter nehmen die Art des 
sieleoden Zeitwortes an , wenn, man den Gegenstand der Wirkung 
Busser ihnen setzt, als: en Dons dornen, einen Tanz tanzen; en 
Xämp kempen, einen Kampf kämpfen; he slSpt en ünrauigen Släipy 
er schläft einen unruhigen Schlaf; dö hähst en gauhsen Stridd strdn , 
du hast einen guten Streit gestritten. Hehrere zielende Zeitwör- 
^r können, umgekehrt, ohne den bestimmten Gegenstand ihrer 
m^irkung gebraucht werden, wenn man bloss die Art der Be- 
ascbäftigung ausdrücken will, als: wdt mägesl? ick shriww, icklees, 
mek tieken, ick mal, ick plönt, ick späl u. s. w. ich schreibe, lese, 
aeichne, mahle, pflanze, spiele u. s. w. Dass aber auch der Gegen- 
stand der Handlung hinzugefügt werden kann, versteht sich von 
selbst, als: ick shriww en Bräif; ick lees dät Wägebleess (Wochen- 
blatt); he üekent en Rauhs (eine Rose); jö malet en Fögel; ick grew 
-m Kohl (Grube); we plönte ßuhmme; ick bähsig dät Vaterunser; 
Jo spannt Sihssen, sie spinnt Seide, u. s. w. 

.2. Oft beruht es nur auf der Anwendung eines Zeitwortes, 
iä) es zielend oder ziellos ist, womach es denn bald mit hewen 
fmd bald mit wesen verbunden wird, als: dirr tjöglFäirwähserdp^ 
es zieht ein Gewitter auf, äs dptägen, ist aufgezogen ; jo Wägt 
ijogt dp, ds dptägen, die Wache zieht auf, ist aufgezogen; ick 
tie min Klöck dp, hähw dptägen ^ ich ziehe meine Uhr auf, habe 
aufgezogen; sin Bjdrne dptieen, seine Kinder auferziehen, hähw 
äplägen u. s. w.; ridden, reiten, he rdtt ütt, ds üttrdn, ist ausge- 
rkten; ick ridd dät Ajk, ich reite die Stute, habe geritten; käiren, 
fahren, he J^ärt ävßnt Fäjll, ds kjärd, ist gefahren, ickkäir Gäihs, 
ich fahre Dünger, hähw kjärd; dät Hännehjärn shüjtt dähl äw en 
Sjjückling , die Hühnerweihe schoss auf ein Küchlein herab, ds 
shähn; de Jäger shüjtt en BSf, einen Fuchs, het shähn; bregen,de 
Stock bregt, der Stock bricht, ds tragen, ist gebrochen; ick brSg 
man Äirem, hähw tragen; riwwen, reissen, dät Tjöchrdfty der 
Zeug zerreisst , ds räwen ; ick riww min Kluhse , hähw rdwen ; smöl- 
ten, schmelzen, de Snie smoltei, ds smolten; he smoltet Blie, het 
smolten; blicken, jö Färrew blicket, ds blicket; jö blicket Ldnert, 
hSt blieket; kogen, dät Wahser koget, dsk5get;ickkdg Soos{Supfe), 



262 

häfiw köget; brmsen, jö Gaus braaset, ds brauset; jö braaset Spiek^ 
het braaset; tresen, de Urder trel jö u/neiH, hei trähn; he trS^t im^ 
ds inträhn; dal Hüss brännly ds bränd; jd brätine SUene, hi%^m'^ 
bränd; ütUieen, däl Liefäulk tjögl Ml, ds ülUägen; he tuch im e^ 
Taus üU, fiel ülttägen; aufsläuinnen, he stöhs aufe Wäien^ 
aufsiijnnen; he stonl me sin Rögt auf, het aufslijtmen, u. s. w. 

§. 171. Unter den zielenden Zeitwörtern giebt es nun wii 
mehrere, die ihr Ziel allein in dem Gegenstände haben, 
welchem die Wirkung ausgeht, und diese heissen zurüchiMe^^ 
Zeitwörter (verba reciproca), als: he shaamet hdm, er schämt s^S, 
dö grämst de, du grämst dich; ick besdnnme, ich besinne mK^ci 
ick blöget me, ich schämte mich dessen; huhm shöjnten, sich ^Sfm 
ten; huhm behelpen, sich behelfen; kuhm weren, sich weh^c^ 
huhm unnersiävjnnen , sich unterstehen; huhm äw wdt forlßj^^gg^ 
sich auf etwas verlassen; ke forwunnert hdm dirrauwer, er y^ 
wundert sich darüber; huhm forkäilen, sicherkälten; huhmkäfnm, 
sich erholen; hc kdmt hdm, er geneset; huhm äjltdregetif sieb ge^ 
behrden; huhm tieren, sich wunderlich gebehrden; huhm än^ ^ 
nämen, sich hüten, in Acht nehmen; huhm wären, sich hüten; Ar 
wdll ick me tiog (aar wäre, davor will ich mich schon hüten; Ü 
maust de wäre, aus dem Wege gehen; huhm üttnämen, sich ha^ 
ausnehmen. — Dahin gehören besonders alle Zeitwörter mit der 
Vorsilbe for, wenn sie etwas Fehlerhaftes anzeigen, wie in: hukm 
forsieen, forsprSgen, forrägnen , forsläipen , fortSllen (sich yeriJkh\en)t 
u. s. w. Diejenigen Reciproca, welche im Deutschen das unper 
sönliche es vor sich haben, bekommen im Friesischen hdm, tt 
sich ziemen, hdm sömen, es ziemt sich nicht, dät sömet kamt 
sich passen, hdm passen; es giebt sich wohl, dät jeft hdm nag 
trifft sich so, dät dräwet hdm so; sich ereignen, zutragen, 
todrSgen; u. s. w. 

§. 172. Bei den bisher angeführten Zeitwörtern geher 
Veränderungen, welche durch dieselben ausgedrückt wr 
immer von einem Gegenstande aus oder an demselben vo 
ich daher nennen oder durch ein Fürwort ersetzen musf 
de Fögel läit uiie, aurs labben Junge fäitW äi, der Vogel le 
aber lebendige Junge bekommt er nicht; dät Wahser fri 
de Wärmde toiCt wihsser dp. — Wird aber das Geschehe 



265 

jmbekaimten Gegenstände oder einer Ursache zugeschrieben, die 
Dan nicht nennen kann, so gebraucht man das sächliche Fürwort 
UU (es) als: dät rint, es regnet; dät snäü, es schneiet; dät wäit, 
$8 webt; hagelt, hagelt; fröst, Meri;tunnert, donnert; läidei, blitzt; 
iaurmt, stürmt; dSget, ia^ei; junket, dunkelt; ddwwet, thaut (es 
äUtThau); töU, thaut auf; urset, lenzet; sammert, sommert, und 
vewtert, wintert. Dieser Eintheilung nach zerfallt nun das Zeit- 
¥ort in das persönliche (verbum personale) und in das unpersön- 
iche (verbum Impersonale). 

Anmerkung. 

Die unpersönlichen Bildungen: es heisst, es verlautet, es wird 
gesagt, es wird dort getanzt, gespielt, geschwärmt, geschlachtet 
u. 3.W., werden im Friesischen durch dät und bald durch dirr 
ausgedrückt, als: dät hält so, es heisst so; dät het nint tö sedden, 
es hat nichts zu sagen; dirr stönt shräwen, es stehet geschrieben ; 
dirr wort nint di^n, es wird nichts gethan; dirr wort dänset, spä' 
fei, slägtigt. Vergl. §. 130. 

§. i75. Ausserdem haben wir noch die drei Hülfszeitwörter: 
wurden, wesen und hewen, werden, sein und haben, so wie die 
Zwitterhülfszeitwörter: dürren, dürfen, den Muth haben; tür- 
reu, dürfen, verpflichtet sein, die Erlaubniss haben; A:aanen, kön- 
nen; lä^tten^ lassen, mävjttenf müssen; maagen, mögen; shdllen^ 
sollen; wällen ^ wollen, die mit den übrigen Zeitwörtern eigene 
Verbindungen eingehen. Diess sind die verba auxiliaria. 

§. 174. Es giebt ferner unter allen bisherigen Arten von Zeit- 
wörtern einige, die in der Abwandlung nach Personen, Zahlen 
und Zeiten einer genau bestimmten Regel folgen , wobei ihr Stamm- 
laut immer unverändert bleibt, und diese bilden das regelmässige 
Zeitwort (verbum reguläre) ; und andere , die in Personen , Zahlen und 
Zeiten sowohl mit ihren Stamm-, als Nebenlauten abweichen, 
und diese bilden das unregelmässige Zeitwort (verb. irreguläre) , 
wovon die nordfriesische Sprache eine bedeutende Menge und 
mehrere Arten hat. 

Bestimmung des Zeilivortes durch die Ausdrucksweise [Modus). 
§. 175. Die erste und ursprüngliche Form des Verburas ist 



264 

das Wandelw&rt, wie in: lawen^ leben; liewen, lieben, glauben; 
träwen, traben; sillen, treiben, schwimmen, fliessen; grdwwen, 
kläisen, krauen und kratzen, mit den Nägeln, u. s. w. Wenn wir 
das Wandelwort bloss als Art des Ausdrucks betrachten, so steht 
dasselbe in der Unbestimmtheit (Infinitivus) , als : stäirwen mi Ihm 
is bälisere, dann läwen mä ShSm, sterben mit £hre, ist besser, 
als leben mit Schande. Dd Vrhebdgere mjn uistindien^ da Gentoo'$ 
sSdde: stäujnnen ds bähsere ds gongen, Iddden ds bähsere ds satten, 
slaipen ds bäfisere ds waagen , an stähiven ds dät bist auf alles (steheo , 
gehen, liegen, sitzen, schlafen, wachen, sterben) u. s w. Ähsen 
an drdjnken, planten an sieen, sömmeln an sprijdden, alles het sin 
Tidd; ähsen, drdjnken an släipen, ds alles , wdt'r dSt, essen, trin- 
ken und schlafen ist alles, was er thut. Paar bär Huchm&uß 
huhm sSllew äi kännen; sin uillerne liewen an ihren, ds 'e Bjdmes 
Shüllighäid (Pflicht). 

Andere Formen der Unbestimmtheit sind: ick bliw sdtlen; k$ 
blief Iddden; ick fünn hdm släipen; ick fcül man Puls sluhggen:d9 
hähst gäujd snäken (reden); he helpt me drSgen; jö liert donsen, 
lesen, shriwwen; hirr ds*t di gäujd faurt to kämen; he gongt tobid' 
den, er geht betteln, u. s. w. 

Das Wörtchen to (zu) vor dem Wandelwortc bildet mit demsel- 
ben keine streng gerundische Form, sondern steht eigentlich mehr 
als Ergänzung des Sinnes bei Haupt- Bestimmungs- und Zeitw6^ 
tern, als: he pleget edder to Bedd to gongen, er pflegt zeitig za 
Bett zu gehen; dät ds swär to drSgen, das ist schwer zu tragen; 
ick häw mint to ähsen, ich habe nichts zu essen; ick fräu me, de 
wihsser to sieen, ich freue mich, dich wieder zu sehen; ick bdn M 
kiemen, dm md de to tjdwweln, ich bin nicht gekommen, um mit 
dir zu zanken; he hSt noch en Bräif to shriwwen , er hat noch einen 
Brief zu schreiben; jö het gaar nint to duhggen, sie hat gar nichts 
zu thun , u. s. w. 

Zu bemerken ist noch, dass das Wörtchen to bei echtzusam- 
roengesetztcn Zeitwörtern, wie bei einfachen, immer vor densel- 
ben steht, bei unecht zusammengesetzten aber so eingeschoben 
wird, dass es unmittelbar vor das eigentliche Zeitwort zu ste- 
hen kommt, als: dö hähst me nint to uhgwittigen, nichts vorzu- 
werfen; dät fanget äujn toissslägen, es beginnt zu gla tt eisen ; //«ds 



26S 

^1 to auwerwännen, zu überwinden; unecht: deThiefdsintöfSngen, 
cier Dieb ist einzufangen; dät äs äi üUtohüjllen ; so Buch: wigti' 
^egen, dptobregen, bailökämen, u. s. w. 

§. 176. Spricht man aber von einem bestimmten Gegenstande, 
so muss sicli auch die Form des Zeitwortes darnach richten, als: 
ick bdn kränk; de Hünn bjdwset; man Brauhser sterrewt; de Manne 
shint; man Näiber ds rick, aurs ick bdn en ermen Monn; de Snie 
läU noch tjock ämH Fäjll; dät Hüss wort bdggd. Hier ist in dem 
Jkusdrucke überall Gewissheit , weshalb auch diese Form die 
Gewissheit (Indicativus) genannt wird. 

§. 477. Obgleich die nordfriesische S^TBche für die Üngewissheü 
<Dubitativus) keine eigene Form des Ausdrucks hat , so liegt es doch 
in der Natur der Sache, dass man die Ungewissheit noih wendig da 
denken muss, wo man die Gewissheit einer Aussage nicht verbür- 
gen kann, z.B. He sähs^he häi'r ninte /onAterc^, er sagte, er hätte 
nichts davon gehört; en wlhssen Udnn sahs^ deMänshe häidirrfaar 
man an Müss an tuhg Uhre, dätW mannere snäke, an mörr hiere shäujl 
(hören solle). Daher gebraucht man, wo es angeht, häufig die gewe- 
sene Gegenwart (das Imperfectum) zur Bezeichnung des Dubitati- 
Tüs, als: ick häw hierd , dät do lägen hähst ^ ich habe gehört, dass 
du gelogen hast,d. h. ich bin Zeuge deiner Lüge gewesen; ick häw 
hierd, dät dö lägen häist , ich habe gehört (von Andern), dass du 
gelogen hättest; he säit, dö hälist lägen, er sagt, du habest gelo- 
gen; jd5et?de,tt/isew Pm/cr ds kränk, sie sagen, unser Prediger sei 
krank; he shdll kränk wese, er soll krank sein. 

§. 478. In den Sätzen: hörr locklick köhn 'e Mdnshene wese, 
wdns man bäJisere wjärn! wie glücklich könnten die Menschen 
sein , wenn sie nur besser wären ! he köhs bähsere läwe , wdn'r 
dt so faale forspdlel! kommt die bedingende Art des Ausdrucks 
(der Conjunctivus) vor. Wird aber die Bedingung als erfüllt 
betrachtet, so tritt auch die Gewissheit wieder ein; als: Ick 
mähs hall eth Räihs to man Brauhser mäge, wann ick'r man Giß 
tö häi; aurs ick räihs, söbdll ds ick Gijl fangen häw, ich möchte 
gerne eine Reise zu meinem Bruder machen, wenn ich nur das 
Geld dazu hätte ; aber ich reise , sobald ich Geld empfangen habe. 

§. 479. Bei der befehlenden Ausdrucksweise (Imperativus) 
wird das Zeitwort möglichst abgekürzt, und die einfachen bchal- 

34 



266 

tcn Dur ihre Slammsilbc, ais: gofig! lup! stäujnl äJisl grippl fäll 
äi! drajnk! u. s. w. Hierher gebort auch die wünschende Art,» 
als: wdnn'r doch käme wäßlll die erlaubende Art: he mäi näg 
ßhriwwe; die nölhigende Art: he mäigt shriwwe; die wagende 
Art: he törft düjn , er darf es zu thun wagen; die verpflichtende 
Art: he shall shriwwe; die vermögende Art: he kön shriwwe; die 
vertretende Art: he let shriwwe. 

Bestimmung des Zeilwortes durch Zeiten (Terapora). 

§. 480. Die drei Haupt Verhältnisse der Zeit sind: die Gegenwart 
(Praesens), jö Nötidd (Jetztzeit); die Vergangenheit (Perfectiim), For- 
gingenhäid; und die Zukunft (Futurum) , jö tokamen Tidd. Darnach 
richtet sich das Zeitwort in seiner Abwandlung (Conjugaüon), als: 
ick rögt, ich richte; ickword rogtet, ich werde gerichtet; ick ha» 
regtet , ich habe gerichtet ; ick bdn rogtet tvorden; ick word rögten, ich 
werde richten; tcA; word rogtet worden , ich werde gerichtet werden. 

Zeiten ohne Beziehung. 

§. i8i. Zeiten ohne Beziehung sind: die Gegenwart, die Ver^ 
gangenheitj die geschlossene Vergangenheit (Perfeclum praetcritun) 
und die Zukunft. In allen diesen Zeiten drückt das Zeitwort ein 
Geschehen ohne alle weitere Beziehung auf irgend einen Umstand 
aus , als : ick rogt , ick häw rogtet , ick häw rogtet häjd , ick wori 
regten. 

§. 182. Die Gegenwart sagt aus, dass etwas jetzt, von jeher 
oder immer geschieht, als: ick law, ich lebe;Äe «/ird/Jf , er schreibt ; 
jö säit^ sie näht; he bdggt en Hüss, er baut ein Haus; de Tieger 
ds en glöbsh Thier, der Tiger ist ein reissendes Thler; dd Staurke 
tiee to auhser Läujnne ; dirr ds ninl Näis unner'e Sdnn, es ist 
nichts Neues unter der Sonne. — Die Bildungsform dieser Zeit 
ist die blosse Stammsilbe des Wandelwortes ohne die Endung 
en , und bei den auf ein und em ausgehenden , ohne den Buch- 
staben n, als : gongen , ick gong , dö gongst , he gongt , pl. w$ 
gonge; kldwivern, ick kldunver , dö kldwwerst, he kldwwert, pL 
we kldwre; ddjngeln, ick ddjngl , dö ddjngelst ; he ddjngelt, pl. 
we ddjngle. 

Für den Leidenssland des zielenden Zeitwortes steht das zweite 



267 

MiUelwort mit dem Wandel worte worden (werden), wie: släien 
worden y geschlagen werden, ick word släien; drigen worden, 
gelragen werden; dät Lick wort drägen, die Leiche wird getragen. 
Für den daraus hervorgehenden Zustand in der Gegenwart, als 
andauernd und bleibend gedacht , steht das zweite Mittelwort 
mit dem Wandelworte wesen, z. ß. släien wisen^ geschlagen 
sein ; ick bdn släien , u. s. w. 

Anmerkung, 

Der Leidensstand der zielenden Zeitwörter zerfällt daher in 
einen doppelten Zustand, nämlich a, in den werdenden, entsto- 
Lenden, anhebenden oder beginnenden, und h. in den bleiben* 
^len , fort- oder andauernden Zustand , wobei die Wandclwörter 
"uarden und wesen mit dem zweiten Mittclworte bestimmungswört* 
lieh zusammengeslellt werden , jedoch immer mit ßeibehaltung 
des Neben begrilTes von einer vorausgegangenen Veränderung iü 
der Zeit, wie z. B. Ick bdn en släienen Monn, ich bin ein ge- 
schlagener Mann ; dö hast en hüllenen Kjärl ! du bist ein gehal- 
tener Kerl, d. i. einer der sich gni sieht ; he ds en plägeten Mdnshe. 

§. 185. Die Vergangenheit. Hier wird der Zustand ohne wei- 
tere Beziehung geradezu in die vorige Zeit gesetzt, als: Ick häw 
ahn , drunken , gräwen , släipen , ich habe gegessen , getrunken , 
gegraben, geschlafen; und beim leidenden Zeitwortc, so wie 
beim verb. act. intransitivum, wenn eine Richtung dadurch be- 
zeichnet wird , mit wesen , als : ick bdn feilen , wügsen, drängd , 
sunken , ich bin gefallen , gewachsen , ertrunken , gesunken ; he 
äs kjärd , gingen , flägen , wdgtägen , er ist gefahren , gegangen , 
geflogen , weggezogen ; jö ds äiijn 'e Süss sprängen , sie ist in den 
Brunnen gesprungen. 

Anmerkung, 

Die Bildungsformen dieser Zeit sind ebenfalls das zweite Mittel- 
wort mit den Hülfswörtern hewen und wesen, wie: läioet hew&n, 
gelebt haben ; shräwen hewen , geschrieben haben ; wügsen , stur- 
wen, drängd ivesen, gewachsen, gestorben, ertrunken sein. Das 
zielende Zeitwort hat hier im Leidensstande doppelte Bildungs- 
formen , eine für den anhebenden , und eine für den dauernden 

34 ♦ 



266 

Zustand ; für jenen das zweite Hittchvort (Parlicipium) mit würiien 
Wesen » als : gi'dm würden wesen , gegrifTen worden sein ; fanget 
würden wesen, gefangen worden sein, als: he ds fanget würden ^ 
er ist gefangen worden; für diesen das zweite Mittelwort mit 
wähn hewen, gewesen haben, statt gewesen sein, als: fanget wäJm 
hewen , gefangen gewesen sein ; ick häw fanget wähn ; de Fögel 
het all twaie fanget wähn , aurs he äs drk Töch wihsser wdgflägen , 
der Vogel ist schon zweimal gefangen gewesen , aber er ist jedes 
Hai wieder weggeflogen. 

§. 184. Die geschlossene Vergangenheit. Es giebt Handlangen 
und Zustände, welche die Vergangenheit schon als völlig abge« 
schlössen darstellt, indem keine Fortdauer derselben mehr denk- 
bar ist, als: ick häw de Gönner slägtigt, ich habe den Gänserich 
geschlachtet ; he het en Hase shähn (geschossen) ; man Fidder d$ 
stürwen, mein Vater ist gestorben; dät Bjdrn het häm düjd feilen, 
das Kind hat sich todt gefallen. Andere Zeitwörter setzen nar 
den Anfang eines dauernden Zustandes in die vorige Zeit, deuten 
aber zugleich eine Fortdauer des Ausgesagten an , als : ick hiw 
min Fähserkniff sldn , ich habe mein Federmesser verloren; iek 
häw me faarset , ich habe mir vorgesetzt; ick bdn ßllen^ ieh 
bin gefallen ; das Messer ist nun verloren , der Vorsatz gefasst , 
und ich liege nun da. Noch andere zeigen zwar die Vollendung 
der Handlung an , bestimmen aber zugleich das Dasein dessen , 
was durch diese Handlung bewirkt worden ist , als : He hei 'n 
Bräif shräwen, en Kaie mäget, en Büßt tämmerl , en Kohl grämen, 
en Shruw dräid, en Meilen bdggd; der Brief, der Schlüssel, das 
Boot, die Grube, die Schraube und die Mühle sind nun vor- 
handen. Soll aber etwas in jeder Rücksicht beendigt und abge- 
schlossen gedacht werden , so tritt auch eine neue Form dieser 
Vergangenheit ein , nämlich : häjd hetven und wähn hewen mit 
dem zweiten Mitlelwortc, wohin auch die letzten Beispiele der 
vorigen Anmerkung zu §. i83 gehören, als: Ick häw man 
Gijlpung sldn häjd, ich habe meinen Geldbeutel verloren gehabt; 
dät Shdp het sunken wähn , das Schiff ist gesunken gewesen ; ick 
häw üUridden wähn, bin ausgeritten gewesen; der Geldbeutel 
ist nun wieder gefunden, das Schiff aus der Tiefe gehoben, und 
ich bin wieder, nach Hause gekommen. 



269 

§. 485. Die Zukunft. Bie beziehungslose Zukunft zeigt gera- 
dezu an , dass künftig etwas geschehen werde , als : he wort 
mjdme räise , er wird morgen reisen ; he wort ä^l Sandäi präjtc , 
er wird am nächsten Sonntage predigen ; jö won^t dilling noch 
käme ^ sie wird heute noch kommen; ick word innebliivwe , ich 
werde zu Hause bleiben. Diese Zeit wird aus dem Wandelworle 
des Zeitwortes und worden (werden) gebildet , als : stäirwen wor- 
den , släien worden . släipen worden. Diese Bildungsform gilt 
sowohl für den Wirkungsstand , als bei allen ziellosen Zeil Wörtern. 
Beim anhebenden Zustand des Leidensstandes setzt man das zweite 
Hittelwort zwischen worden worden (werden v,' erden) : tvorden släien 
worden , worden fordräwen worden , worden fanget worden , als : ick 
word släien worden, we worde fanget worden, ja worde fordräwen 
worden. Beim andauernden Zustande tritt das zweite Mittelwort 
zwischen worden und wesen , als : worden m{;nlägen wesen , ja worde 
äujnlägcn wesen , he wort släien wesen , dät Hüss wort bdggd wSsen. — 
Auch bei Mulhmaassungcn wird diese Form gebraucht, als: he 
wort forligt mdgonge , he wort wäjl faale Gijl fortiene , ick liew , 
j6 wort hdr nög befräie, sie wird sich wohl verheirathcn; he wort 
nog dpkäme , er wird wohl aufkommen u. s. w. Statt worden 
gebraucht man auch wdllen (wollen) , wenn der Wille des Men- 
schen daran Theil nimmt , als : ick wall aurdemjärne ütträise 
(übermorgen verreisen) ; he wall sin Hüss forkuppe ; jö wall har- 
ren Mönn forläjtle , sie will ihren Mann verlassen. 

Zeilen in Beziehung, 

§. 186. Diese sind: 1. die Gegenwart in der Vergangenheit 
oder die gewesene Gegenwart (Imperfectum) ; 2. die gewesene Ver- 
gangenheit (Plusquamperfectum); 5. die geschlossene , gewesene Ver- 
gangenheit (Plusquamperfectum finitum), und 4. die Vei^gangenheit 
in der Zukunft oder die gewesene Zukunft (Futurum exactum). 

§. 187. Die gewesene Gegenwart. Dieser Zeit bedienen wir 
uns , um anzuzeigen , dass wir bei etwas Vergangenem gegen- 
wärtig gewesen sind , oder wenn etwas als gleichzeitig gesche- 
hend dargestellt werden soll , wovon das eine sich auf das andre be- 
zieht, weshalb dann auch der Satz allemal durch einen zweiten 
zu ergänzen ist, der mit als anfängt, und den man sich auch 



270 

da' immer hinzudenken muss , wo er nicht angegeben ist , z. B. 
Ick was tö haaw , ds 'e Prdwst präjtet , ich war zur Kirche , als der 
Probst predigte ; ick liewd min Süsler [ds noch läivet) , ich liebte 
meine Schwester (als sie noch lebte); ick släip in, ds ick Opium 
füfigen häi, ich schlief ein, als ich Opium erhalten halte; de 
ßürre ging just faarbdi, ds jö Mellenruhw aufßug, der Bauer ging 
gerade vorbei, als die Mühienruthe herabflog. Frage ich: huhm 
sähs dät? wer sagte das? so setze ich voraus, dass der Gefragte 
die Aussage des Andern gehört habe, sehr verschieden von: 
huhm het dät säid? wer hat das gesagt? wo bloss nach etwas 
Vergangenem ohne alle Beziehung gefragt wird. Diese Zeit wird 
häufig beim Erzählen längst und jüngst vergangener Begebenheiten 
und Ereignisse gebraucht, um dieselben lebhafter darzustellen, 
z. B. »An Jesus strigd sin Häujnn ÜU , hjärd hdm äujn, an sdhs: 
ick wdll't düjn, wSs rien!" Matth. 8 v. 5. »An Gödd magel en 
groit Ijägt, dirr'e Däi regieret, an en IdjU Ljägt,dirr *e Nagt regie- 
ret; dirtö og Släire, \ Mos. \ v. 16. 

§. 188. Die gewesene Vergangenheit, Die gewesene Gegenwart 
setzt uns so in die Vergangenheit zurück , dass etwas in derselben 
gleichsam vor unsern Augen oder in Gegenwart des Erzählenden 
vorgegangen ist, wogegen aber die gewesene Vergangenheit etwas 
angiebt , w as vor der Zeit geschehen ist , in welche wir versetzt 
werden , wie z. B. He häi dät ßräif all dtve Post hrogt, äs ick 
äujnkaum , er hatte gebracht , als u. s. w. He häi me dät all 
ihnsen ihr säid , er hatte mir das schon einmal früher gesagt 
(als eres mir zum zweiten Male sagte). — A'sick üUkjärd, häi 'täll 
äUfjnfänget tö renen ; de Thief was all ävjnlhiemen , ds efler hdm 
sagten; he häi üttridden wähn, ds wdt tö hdm kaumen ; de Jäger 
häi dät Reef all shähn, ds Paul sin Fängjörn (aar 't Haaling 
sldlld , der Jäger hatte den Fuchs schon geschossen, als Paul 
sein Fangeisen vor die Oeffnung der Grube stellte. 

§. 189. Die geschlossene, gewesene Vergangenheit. Wenn ich 
erzähle: he het sdn A'mledder sldn häjd, er hat sein Taschen- 
messer verloren gehabt , so unterscheidet sich diese Form nur 
dadurch von der der geschlossenen Vergangenheit, dass het in häi, 
(hat in hatte und hätte) verwandelt wird. Z. B. He häi dilling all 
ijnsen üttridden wähn , ds wdt (er und ich) md enauser tö ongeln 



271 

gingen , er war heute schon einmal ausgerillen gewesen , als wir 
mit einander gingen, um zu angeln; san sihssene Gijlpung , dirr'er 
all träie sldn häid hat , was nö wihsser wag , sein seidener Geld- 
beutel, den er schon dreimal verloren gehabt liatte, war nun 
wieder weg ; man Sahn fortelld , ds Paul ävjnt Shaujl kiemen was, 
häi V sin Baucke forjähn häjd, an dirrfaar wihsser tohüss gonge 
fnosl, dm 's iö häle^i, mein Sohn erzählte, als Paul in die Schule 
gekommen wäre, hätte er seine Bücher vergessen gehabt und 
deshalb wieder nach Hause gehen müssen, um sie zu holen; 
he häi sdn Lackte forjähn hajd^ m V dpsMde shäujU /jdi, er hätte 
seine Lection vergessen gehabt, als er hätte aufsagen sollen. 

§r i90. Die gewesene Zukunft, Wir können uns eine Vergan- 
genheit in der Zukunft schon als beendigt und abgeschlossen 
den|&en, wofür die nordfriesische Sprache sehr bestimmte und 
geläufige Zeitformen durch ihre drei Hülfszeit Wörter wesen^hSwen 
und worden zu bilden vermag, die sie alle drei in einigen der- 
selben mit einander verbinden kann, was in den ihr verwandten 
Sprachen nicht möglich und daher auch in denselben nicht nach- 
zubilden ist. Die Formen dafür sind folgende: 1. worden hewen; 
2. worden würden wesen; 3. worden wähn hmen; 4. worden wähn 
würden wesen; ö. worden wähn häjd hewen; aber nur in Verbin- 
dung mit irgend einer andern Vorstellung können wir diese For- 
men anwenden , als : he wort ahn hewen . ihr dö wihsser töbdhg 
kämst, er wird gegessen haben, ehe du wieder zurückkommst; 
he wort äujnset würden wesen, wdn 'e Kinning hirr kämt, er wird 
angestellt worden sein, wenn der König hier kommt; ja worde 
longens ült *t Rick wähn hewen , ihr*t *c Kaiser ävjnhäi kamt , efter 
jdm tö säjcken , sie werden längst aus dem Reiche gewesen sein , 
ehe es dem Kaiser in den Sinn kommt, nach ihnen zu suchen; 
we worde fanget wähn würden wesen, wörtlich: wir werden gefan- 
gen gewesen worden sein; we worde dirr wähn häjd hewen ^ ihft 
Ihr dm ds, wir werden da gewesen sein (gehabt haben), ehe 
das Jahr um ist. — Fernere Beispiele : Ick word üttsläipen hewen , 
ihr dö klär toorst , ich werde ausgeschlafen haben , ehe du fertig 
wirst ; de Slägier wort dät Laumm fdlld hewen , wdn 'e Klöck tien 
släit, der Schlächter wird das Lamm gefiUt haben, wenn die 
Glocke zehn schlägt; he wort wähld würden wesen, ihr *t Mdddäi 



272 

wort, er wird gewählt worden sein, ehe es Mittag wird; d 
Hüss woH bäggd unirden wSsen, wan *e uimtmBnn irUijn shall^ d 
Hatis wird gebaut worden sein, wenn der Amtmann einziehen so! 



Anmerkung. 

In dem Satze: dät Hüss wort bdggd wesen, wird der Zustar^^ 
des Hauses als andauernd in einer Zeit der Zukunft, die 
uns gleichsam gegenwärtig denken, oder als bleibend in 
Geigenwärt der Zukunft, bezeiehnet, entsprechend der Form der^^ 
Gegenwart: dät Hüss ds bäggd! das Haus ist gebaut. Dät Biüi 
wort bäggd würden wisen, druckt nur geradezu die Yollendttiig 
des Bauetis in einem Zeitpuficle der Zukunft aus, wodurch erat 
der andauernde Zustand bedingt wird, entsprechend der Fontf; 
dät Hüss wort bäggd worden , wird gebaut werden. — Dät JM*ir 
wort bäggd wähn hStoen , bezeichnet die Vergangenheit als irb|je- 
schlosscn in der Zukunft, entsprechend der Form: dät Hüss-NH 
bäggd wähn , ist (hat) gebaut gewesen. Dät Hüss wort bdggd vMH' 
häjd hSwen , drückt die geschlossene , verdrängte Vergangenheit iii' 
der Zukunft aus, entsprechend der Form: dät Hüss hSt big^ 
wähn häßd , wörtlich : das Haus hat gebaut gewesen gehabl«. 
d. i. ist gebaut gewesen. Der nord friesischen Sprache & 
diese Zeilformen eigen thämlich und leicht , weil sie sowöV 
h&wen und wesen , als auch in vorkommenden Fällen alle 
Hülfswörter , worden , wSsen und hewen , mit einander verbinde^tt: 
kann. 

Personen des Zeitwortes in beiden Zahlen. 

§. 191. Das Zeilwort verändert seine Endungen, je nachdem die 
ihm vorgesetzten Haupt- und Fürwörter in der Einheit oder Mehrheit 
stehen, als: deKräjdder kräit, der Hahn kräht, de Gönner snöserl t 
der Gänserich schnattert, da Hünne bjdwse, die Hunde belleD> 
da u^nerte swumme, die Enten schwimmen. Nach den Personen, 
bekommt es folgende Abänderungen. 

Einheit. 

Erste Person, Hier verliert das Zeitwort die Endung seiner 
Wandelform en, als: ick liew^ ich liebe, glaube; ick /dw, ich 



273 

lebe; ick gong, gehe; ick iHdd, reite; ick ähSy esse; ick shriww, 

sehreibe, u. s. w. Die Zeitwörter mit den Endungen ein und ern 

verlieren bloss ihren Endbuchstaben n, als: sprdweln, icksprdwel, 

loh strample; sjühsseln^ ick ^ühssely ich pässle; bäwern, ickbäwer, 

loh bebe , u. s. w. 

Zweite Person. Der Stammsilbe des ganz regelmässigen Zeit- 
^i^^ortes wird hier die Silbe est angehängt ; die mehr oder weniger 
unregelmässigen , so wie auch die auf ein und ern, bekommen nur 
den Buchstaben st als Zeichen der zweiten Person, als: dö borest, 
du bohrest ;({o klagest, du klagst; dö fragest, du fragst ;dödräwest, 
du triffst; ^^rätt^e^^, du trabest, u. s. w. Unregelmässig: (loMm^/, 
du l£ommst;(fo sjogst, du siehst; dö brajngst, du bringst ;(^^o;t^5if, 
du gehst, u. s. w. ShSllewen,dö shellewst ; kldjngern , dö kläjngerst; 
^^"^i^ngeln, dö rdjngelst; gräpeln, dö gräpelst, u. s. w. 

Dritte Person, Hier bekommt das Zeitwort die Endung ety 
oder auch nur ein / am Ende. Die ganz regelmässigen bekom- 
men et, die übrigen bloss t; als: he läwet, er lebt; jö hälet, sie 
holt; hat kröget, es drückt; dät rippety es reift. Unregelmässig: 
he gongt, er geht; jö satt, sie sitzt; hat gällt, es weint; dät 
**•*»/ , es regnet ; he stämmert , er stottert ; jö bjärselt , sie bürstet, 
'jenigen Zeitwörter, welche sich auf men endigen, wie gähs- 
, gähnen; brähsmen, sich erhitzen, vom Heu; fäihsmen, 
ftclmen; shwiermen, schwärmen; stiermen, riechen; hermen, här- 
, und ähnliche, bekommen das e vor dem m, als: he gäsenit, 
Födder bräsemt, he fäisemt, he shwiei^emt ambäi, jö stieremt, 
^^ JiSremt häm, er härmt sich. 

Zweiheit und Mehrheit. 

X)ie erste und zweite Person im Dualis sind den drei Personen 
^^ der Mehrheit gleich; das Zeitwort verliert hier seinen End- 
^Vichstaben n, und behält das e bei; als: wdt, jdt, we , jdm, 
J^ späte, grewe , snäke, hdrke , bdgge , stäujnne, gonge, u. s. w. 
^less gilt ausnahmlos für alle Zeitwörter ohne Unterschied in 
öer Hehrheit der Gegenwart ; wogegen die Mehrheit der gewe- 
senen Gegenwart , das Imperfectum , auch ohne Ausnahme , die 
Endung en bekommt, als: wdt, jdt^ we, jdm, ja spdleten, grau- 
fen, snäketen, hdrketen, bdggden , stijnnen , gingen, gräpeüen,kldjn' 



274 

garten, sldjngertefi u. s. w., wir spielten, gruben, sprachen, 
horchten , bauten , standen , gingen u. s. w. , für alle Persooea 
der Zweiheit und Hehrheit. 

Anmerkung. 

In altem Zeiten fehlte auch das Bad ^e im Hochdeutschen bei 
der ersten Person der Gegenwart, wie z. B. ich geh, ich bleibe 
ich dien , u. s. w. , wie noch jetzt im Oberdeutschen , wo man es 
häufig weglässt. Im Platt- oder Miederdeutschen findet man es 
so wenig, wie im Friesischen, als: ick8laap,ickwaakfickschriew, 
ick law u. s. w. Dagegen fügt der Däne seinem Wandelworte hier 
in allen Personen der Einheit den Buchstaben r zu, wie z. B,: 
at leve (leben): jeg lever, du lever, han lever ^ det lever, welches 
bei allen drei Personen in der Hehrheit wieder wegfallt, aU: 
vi leve, 1 leve, de leve. 

Eigene Bildungen durch die fVandelform des Zeitwortes. 

§. 192. Wie im Deutschen, geht die Wandelform des Z^itr 
Wortes mit den Hülfs Wörtern Vetren , wesen und u^orcfen, vermittelst 
des Wörtchens /o(zu), neue Verbindungen ein, als: to lesen hewen^ 
zu lesen haben ; to lesen wesen , zu lesen sein ; to forddwwen wor- 
den , zu verdauen werden ; to maßte käme7i worden , übel anlaufen 
werden. — Anwendung: dö hast to beklagen; dät ds äi ülüospri- 
gen , nicht auszusprechen ; dirr ds äi klauck ütt to worden ; ick 
häw faale to shriwwen ; ja häwe nint to bitten an to brännen ; dät 
Holt ds di to brücken ; dirr ds noch klär md to worden ; dät Rüimm 
äs äi dptöwiermen , das Zimmer ist nicht zu erwärmen ; dirr 
wort wdt to grewefi worden ; dirr ds nint tö hälen ; dirr ds man 
läiet to fortienen; dö hähst hirr nint to sMden; de Kolle ig äi 
iUttohpjllen ; dirr ds en Riese to sieen , u. s. w. 

Die Mittelwörter. 

§. 193. Die Hiilelwörter entstehen aus dem Zeitworte, und 
machen den Uebergang von diesem zu dem zeilwörtlichen Bestim- 
mungsworle , indem sie mit beiden , dem Zeit- und dem Bestim- 
mungsworte , etwas gemein haben , weshalb sie eben den Namen 
Hittelwörter führen; z. B. de liewende Fidder, der liebende Vater; 



275 

f 4hr^änede Mann, der ehrengekrönle Mann. Das erste Mittel« 
ort wird dadurch gebildet > dass man dem Wandelworte ein 
anhängt y wie im Deutschen, als: liewendy s^ongend, dänsend, 
Aiend, u. s. w. Ihr Gebrauch ist folgender: de flieende Fögel; 
t dönsende Dring ; de swummende Fish ; jö läkend Fömmen ; dät 
^nnend Hüss; de stäirwende jilthate (Grossvater) ; en flieendeii 
5ffel; en summmenden Fdsh ; en brännend Hüss; en liewend Möd- 
rr ; en stäirwenden Mthate, Hinter dem Haupt- und Fürworte 
elien sie unverändert, als: de Fögel äs flieend; de Fish is 
rummend; he äs släipendf dö hast hijnkend. 

§. 494. Das zweite Mittelwort endigt sich bei ganz regelmäs- 
fgen Zeitwörtern allemal auf et , und bei denjenigen , die mit 
311 Endungen men, igen, ein und em versehen sind, auf t^ wo 
Bivin die Endung men in emt verwandelt wird. Beispiele: lawet, 
siebt; släwet^ geschleppt; igtet, geachtet; drögHy getrocknet; 
^tigety gepflügt; belälet, bezahlt; gässemt, gegähnt; stieremt, 
^Pochen; hunigt, gehöhnt; wanigt, gewöhnt; hawelt^ gehobelt; 
^^iwelt , gekrüppelt; rupelt^ aufgewunden; släsert, geklatscht, 
^plaudert; hinnert, gehindert; lannert, gelindert. Das halb 
^gelmässige endigt sich auf (I, als: bekannd, bekannt, eingestan- 
en; brännd^ gebrannt; dräid, gedreht; felld, gefüllt; tSlld, ge- 
S.l]lt; bühd, gearbeitet; töid, gethaut, u. s. w. 

Sei dem ganz unregelmässigen Zeitworte finden wir eine Menge 
b'weichender Formen und Endungen, als: slängd, geschlungen; 
^U8s, geschieden; ret, gerathen , errathen ; häjtten, geheissen; 
SJin f gebeten; gram, gegriffen; slähm, geschliffen; si^ , ge- 
^en; Wen, gelegen; glin, geglitten; driwen, getrieben, u. s.'W. 
Siebe das unregelmässige Zeitwort). 

§. 195. Ein besonderer Ausdruck ist hier zu erwähnen, wel- 
cher, ebenfalls wie im Deutschen, die Bedeutung eines Participii 
Futuri Passivi hat. Er ist der Form nach dem ersten Mittel- 
worte ähnlich, mit vorgesetztem ^d, als: de to liewende Fidder, 
der zu liebende Vater; de äi to forbäsemde Sahn, der nicht zu 
bessernde Sohn; de huchtoforihrende Hiere, der hochzu verehrende 
Herr; de to brSsende Seme, die zu flechtende Seime; de to grün- 
nende Wijtte, der zu mahlende Weizen; de to beulende Söme, die 
zu bezahlende Summe; di to bdggende Hühssinge, die zu bauenden 

35 • 



276 

Häuser; da tö bewunnernde Wüssede yFvsnxenzimmcr; da to forägtende 
BedrSgere, Betrieger. Aber nur das zielende Zeitwort gestattet«;^ 
diese Form. Bekanntlich ist sie entstanden aus dem alten vm^ 
tö regierten Dativ des Wandelwortes (^ö liewene), mit euphonisdl^ 
eingeschobenem d. 

Abwandlung (Conjugalio) des Zeitwortes. 

§. 196. Das Hülfszeitwort wösen {sein). 

Mittelwörter: Istes: wSsend, seiend; 2tes: wähn, gewesen. 
Wandelwort: wesen, sein. Vergangenheit: wähn hewen^ gewe^^^i 
haben, statt sein; Zukunft: wSsen worden, sein werdeu. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Gewissheit in der 

Gegenwart (Indicativus) : 

Einheit: Ick bän , dö bdst, he^ jö, hat, dät ds; bin, bist, ist. 
Mehrheit: Wdt, jdt, we, jdm, ja sän; sind, für alle Personen. 

Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw wähn, dö hähst wähn, he,jö, hat, dal hei wähn, 
Mehrh Wdt, jdt^ we, jdrh, ja häwe wähn. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw wähn häjd^ dö hähst wähn häjd^ he hSl wähn hijd, 
Mehrh. Wal, jät, we, jäm, ja häwe wähn häjd. Die Bildungsfonn 

ist hier: wähn häjd hSwen (gewesen gehabt haben), die buid | 

im Deutschen nicht nachbilden kann. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd wesen, dö wördst wesen, he, jö u. s. w. wörd tveMüb 
Mehrh. Wdt,jdt, we, jdm, ja worden wisen. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart, 

Einh. Ick was, dö vjjärst, he, jö, hat, dät was. 

Mehr. Wdt, jdl, we,jdm,jä wjdrn; waren, für alle Personen. 

Gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi wähn, dö häist wähn, he, jö, hat, dät häi wähn, 
Mehrh, Wdt, jdt, we, jäm, ja häjn wähn; (hatten, statt waren). 



277 



Geschlossene, gewesene Vergangenheit. 

^ifih. Ick häi wähn häjd, dö häist wähn häßd, he hcü wohn higd. 
Wehrh. Wdty jdt, we, Jim, ja häjn wähn häjd. Die Bildungsform: 

wähn häßd hSwen (gewesen gehabt haben , gleichsam : waren 

gewesen gewesen) ist nicht nachzubilden. 

Bedingung. 

^inh. Ick Word wähn hiwen, dö wördsl wähn hewen, he ward wähn h. 
)tehrh. Wdt^ jät, we,jdm, jd worden wäim hewen, würden ge- 
^wesen haben, statt: würden gewesen sein. 

Bedingung. 

Einh, Ick Word wähn häjd hewen, dö wördst wähn häjd hewen, 

he, jö, hdt, dät Word wähn häjd hiwen. 
J^lehrh. Wdt, jdt, we, jäm, jd worden wähn häjd hiwen, wörtlich: 

würden gewesen gehabt haben. 

Befehl. 

Einh. Wehs! sei! wihs dö, he,jö, dät, 
Mehrh, WShs! seid! wShsejdt,jdm,jd! 

§. 197. Das Hülfszeitwort^ worden (werden). 

Mittelwort, Istes: werdend, werdend, 2. worden, worden. 
Wandel form: worden , werden. Vergangenheit: worden wisen, wor- 
den sein; Zukunft: worden worden, werden werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart (Praesens). 

Einh. Ick word, dö worst, he, jö, hdt, dät wort, 
Mehrh* Wdt, jdt, we, jdm, jd werde, werden, 

Vergangenheit. 

Einh. Ick bdn worden, dö hast worden, he ds worden u. s. w. 
Mehrh. Wäl, jdt, we, jdm, jd sdn worden. 

Zukunft. 

Einh. Ick word worden, dö worst worden, he wort wordefi u. s. w« 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, jd werde worden. 



278 



Bedingung. 

Einh. Ick ward worden, dö wardst worden, he wörd worden u. s. 
Mehrh. Wät, jät, we, jäm, ja worden worden. 

2. Zeiten in Beziehung, Gewesene Gegenwart. 

Einh» Ick wörd, dö wördst, he, jö, hat, dät wörd, 
Mehrh. Wdt,Jdt, we,jdm,jd worden, wurden. 

Gewesene Vergangenheit, 

Einh. Ick was worden, döwjärst worden, he, jö, hat, dät was wördctk 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja wjäm worden. 

Gewesene Zukunft. 

Einh. Ick word worden wisen, dö worst worden wSsen, he wart 

worden wisen. 
Mehrh. Wat, jdt, we, jdm, ja worden wördefi wesen, werden 

worden sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick wörd worden wisen, dö wördst worden wesen, he, fit 

hat, dät wörd worden wesen ^ würden worden sein. 
Mehrh. Wdt, jat\ we, jdm, ja worden worden wesen, 

Befehl. 

Einh, Word! werde! word dö, he,jö, hdt^ dät! 
Mehrh, Werde jdt, jdm, ja! 

§. 198. Das Hülfszeitwort höwen {haben), 

Wandelform: hSwen, Vergangenheit: häjd hSwen, gehabt haben, 
Zukunft: hewen worden, haben werden. 

1. Zeilen ohne Beziehung, Die Gegenwart, 

Einh. Ick hähw^ dö höhst, he^ jö, hat, dät het; habe, hast, ! 
Mehrh, Wdt, jdt, we, jdm, ja häwe, wir u. s. w. haben. 

Vergangenheit, 

Einh. Ick hähw häjd, dö hähst häjd, he, jö, hat, dät het h 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja hawe häjd, wir n. s, w. haben / 



278 



Zukunft. 

Inh. Ick Word hSwen, dö worst heulen, he, jo, hat wött htwm. 
ehrh. Wät, jdty we, jdm, ja wurde hiwen, werden haben. 

Bedingung. 

nh. Ick Word, dö wardst, he ward hiwen. 
'Jirh. Wät, jät, we, jäm, ja worden hewen, 

2. Zeilen in Beziehung, Die gewesene Gegenwart. 

th. Ick hai, dö hakt, he, jö, hat^ dät häi, hatte. 
hrh. Wät, jät, we, jam^ ja häjn, hatten. 

Gewesene Vergangenheit. 

^h. Ick häi häjd, dö häist häjd, he häi häjd, halle gehabt. 
hrh. Wdty jät, we, jäm, ja hajn häjd, hatten gehabt. 

Gewesene Zukunft, 

^h. Ick word häjd hewen, dö worst häjd hSwen, he wort häjd hSwen, 
^hrh. Wät, jät, we, jäm, ja worde häjd hSwen, werden gehabt 
laben. 

Bedingung. 

inh. Ick wörd häjd hewen , dö wördst hdjd hSwen , he wörd häjd hewen. 
ehrh, Wät, jät, we, jdm, ja worden häjd hh>en, 

Befehl. 

Inh. Hew! habe! hew dö, he, jö, hat, u. s. w. 
ehrh. HSwe jät, jdm, ja, u. s. w. 

Anmerkungen. 

. Die Abwandlung der beiden Hüifswörter worden und hewen 
\, mit der deutschen Gonjugation dieser beiden Wörter, werden, 
iben , übereinstimmend; nur endigen sie sich in der Mehrheit 
ich häufig auf e, und werfen das n ab, und nur bei Yermu- 
ungen behalten sie allemal die Endung en» was ebenso von 
\sen gilt, als: ick wäll dirr äi wese, ja wän dirr Uwise; 9ih 



280 

Vermuthung heisst es aber: he wort dirr wiseUt ja worde dirr 
wSsen, ja worde dirr wähn hSwen, u. s. w. Das Word' wisen hat 
zwei Zeitverhältnisse und eine bedingende Form mehr, als das 
deutsche sein, die aus der Verbindung desselben mit hemm 
entstehen. Altlings hiess diess Wort auch wesen im Hochdeut- 
schen, wie noch jetzt im Niederdeutschen und Friesischen; daher 
das Wesen, die Wesenheit , wesentlich y Verweser, u. s. w. 

2. Die deutsche Sprache hat darin einen Hange!» dass sie die 
Vergangenheit durch die Zeitformen des Hiilfswortes sein nicht 
als völlig abgeschlossen darstellen kann. Z. B. er erzählte^ der 
Prediger sei schon in der Kirche gewesen, als der Küster ankam. 
Hier bleibt es durchaus unentschieden , ob der Prediger noch bei 
der Ankunft des Küsters in der Kirche verharrte, oder ob er 
sich vor derselben wieder entfernt hatte. Nach dem Friesischen: 
he fortelldy de Prester hai all äujn 'e Sjürk wähn, ds 'e Küster 

r 

kaum , muss er noch da gewesen sein ; und wenn er sich vor 
des Küsters Ankunft wieder entfernt hätte, würde es heissen 
müssen: de Prester häi all wujn 'e Sjürk wähn häjd, ds 'e Küster 
kiemen was, wodurch die Vergangenheit völlig abgeschlossen wirdr 
So auch in der geschlossenen, gewesenen Vergangenheit, als: 
he häi V all twäie wähn häjd, ds V dät tred Töch Bohse ka/um^ 
er war schon zwei Mal da gewesen (gewesen), als man zum drit- 
ten Haie nach ihm schickte; in der Bedingung der geschlossenen 
Zukunft, oder richtiger in der geschlossenen Vergangenheit der 
Zukunft, als: tc^ wörd *r all longens wähn häjd hewen, wa/niok 
äi kränk wähn häi^ wörtlich: gewesen gehabt haben. — M 
würde schon längst da gewesen sein , ist wieder unbestimmt, 
weil hier die Andauer, so wie der Abschluss des Seins zweifel- 
haft bleibt. Andere Formen entsprechen wieder einander in bei* 
den Sprachen, wenn auch die Hülfswörter verschieden sind, als: 
wän ick dirr wähn häjd hähw, so wall ick to de käme, wenn ich 
da gewesen sein werde , so will ich zu dir kommen. Der Nord- 
friese kann die verwickeltsten Zeitverhältnisse in seiner Sprache 
mit Leichtigkeit anwenden. As *r sin Hüss träie wihsser dpbdggd 
häjd häi, brännd 'et hdm dät fierd Tdch auf, als er sein Haus 
drei Hai wieder aufgebaut gehabt hatte , brannte es ihm zum 
vierten Male ab. 



281 



$• 199. Abwandlung des regelmässigen zielenden 
Zeitwortes vermiUelst der Hülfswörter. 

idel/brm: r6gtisn, richten. 

ehwrtet : Astßs: ratend 9 2tes: rögtet 

A. Wirkungsstand (Actiruiri). 

itßitete Bildungsformen, Gegenwart: rogten^ richten. 

fongenheit: rögtet hiwen, gerichtet haben. 

hlossene Vergangenheit: rogtet häjd hewen, ger. gehabt haben. 

imfl: rogten worden, richten werden. 

hlossene VergangenkeU in der Zukunft: rigiel häjd hiwen wor* 

!»» gericbtet^gehabt haben werden. 

1. Zeilen ohne Beziehung. Die Gegenwärt. 

h. Ick rogt, dö rogtest, he, jö, hdtf dät rd^/e/, ich richten, s.w. 
rh. Wdt, jdt, we, jäm, ja rogte, wir richten u. s. w. 

Vergangenheit. 

h. Ich hähw rogtet, dö hähst rogtet, he, jö, hat hU rögtet. 
rh. Wat, jdt, we, jdm, ja häwe rogtet, haben gerichtet. 

Geschlossene Vergangenheit. 

h: Ich hähw rögtet häjd, dö hähst rögtet häjd, he hSt rögtet häjd. 
rh, Wdt, jdt, we, jdm, ja häwe rögtet häjd , lidbeti gerichtet 
ehabt. 

Zukunft, 

h. Ick word rögten, dö worst rogten, he wort ragten, 
rh, Wät, jdt, we, jdm, ja worde rögten. 

P^ergangenheit der Zukunft. 

h. Ick word rögtet häjd hewen, dö worst rögtet häjd hiwen, he 

ort rögtet häjd hiwen, 

rh. Wdt, jdt, we, jdm, ja worde rögtet häjd hewen, 

Bedingung. 

h: Ick Word rögten, dö wördst rögten, he word rögten. 
rh, Wdt, jdt, wCf jdm, ja worden rögten. 

3« 



282 

Einh. Ick wörd rogtet häjd hewen , dö wördst , he w'drd ragtet häjd hewe^^ 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja worden rogtet häjd hewen. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart, 

Einh. Ick rogtet, dö rögtetst, he, jö, hat rogtet, richtete. 
Mehrh, Wdt, jdt, we, jdm, ji rögteten, richteten. 

Gewesene Fergangenheit. 

Einh, Ick häi rogtet, dö häist rogtet, he häi rogtet, hatte gericl^^ ^^ 
Mehrh, Wdt, jdt, we, jdm, jd häjn rogtet, hatten gerichtet. 

Geschlossene, gewesene Vergangenheit. 

Einh. Ick häi rogtet häjd, dö häist rogtet häjd, he häi regtet k^ 
Mehrh. Wdt, jdt, we, jdm, ja häjn rogtet häjd, hatten gericlitef 
gehabt. 

Gewesene Zukunft. 

Einh, Ick word rogtet hiwen, dö worst rogtet hSwen, he wort rogtet h, 
Mehrh, Wdt], jdt, we, u. s. w. werde rogtet hiwen, "werden ^endliUl 
haben. 

Bedingung, 

Einh. Ick wörd rogtet h&wen, dö wördst rogtet hhoen, he wörd rogM> 
Mehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. worden rogtet hewen , würden ge- 
richtet haben. 

Befehl, 

Einh, Bogt! rogt dö! he,jö, u. s.w. Mehrh, Bogte jdt , jdm, U.8.W. 

B. Leidensstand (Passivuin). 

I. Anhebender Zustand» Abgeleitete Bildung s formen, 

Gegenwart: rogtet worden, gerichtet werden. 
Vergangenheit: rogtet worden wSsen, gerichtet worden sein. 
Zukunft: rogtet worden worden, gerichtet werden werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung, Gegenwart. 

Einh. Ick word rogtet, dö wer st rogtet, he wort rogtet, u. s. w. 
Mehrh, Wdt, jdt, we u. s. w. werde rogtet, werden gerichtet. 



283 



Vergangenheit. 

tUnh. Ick bdn ragtet worden, dö bäst ragtet worden, he ds ragtet 

worden. 
\ifehrh. Wdtjdt, we u. s. w. sdn ragtet worden , sind gerichtet worden. 

Zukunft. 

Slinh. Ick ward ragtet worden, da warst ragtet worden, he wort 

ragtet worden, 
ifehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. warde ragtet worden, werden gerichtet 

werden. 

Bedingung. 

Sink. Ick Word ragtet worden, da wardst ragtet worden^ he ward 

ragtet worden. 
Mehrh. Wdt, jdt, we worden ragtet worden, würden gerichtet werden. 

2. Zeiten in Beziehung. Gewesene Gegenwart. 

Büsüi. Ick ward ragtet, da wardst ragtet, he ward ragtet, wurde ge- 
richtet. 
IfeArA. Wdt, jdtf we u. s. w. worden ragtet, wurden gerichtet. 

Gewesene Vergangenheit. 

BifiA; Ick was ragtet worden, dö wjärst ragtet worden, he was ragtet 

worden. 
9iehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. wjdrn ragtet worden, waren gerichtet 

worden. 

Gewesene Zukunft. 

^inh. Ick ward ragtet worden wSsen, da warst ragtet worden wesen, 

he wart ragtet worden wesen. 
Ufehrh. Wdt u. s. w. warde ragtet worden wesen, werden gerichtet 

worden sein. 

Bedingung. 

tlinh. Ick Word ragtet worden wisen, dö wardst ragtet worden wesen, 

he ward ragtet worden wSsen. 
Mehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. worden ragtet worden wesen, würden 

gerichtet worden sein. 

36* 



284 



Befehl. 

Einh. Word rogtet! word dö, he,jö, hat rogtet! werde gericht^^ 
Mehrh. Worde rogtet, werde jdt^ wdt, jäm, ja rogtet! 

IL Andauernder Zustand. Abgeleitete Bildungsformem^ ^ 

Gegenwart: rogtet wesen, gerichtet sein. 

Vergangenheit: rogtet wähn hewen, gerichtet gewesen sein. 

Zukunft: rogtet wesen worden, gerichtet sein werden. 

1. Zeiten ohne Beziehung. Die Gegenwart. 

Einh. Ick hm rogtet, da hast rogtet , he ds rogtet. ich bin, u. 8.W. 

gerichtet. 
Mehrh. Wdt,jat, we u. s. w. sän rogtet, sind gerichtet. 

Geschlossene Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rogtet wähn, dö hähst, he het rogtet wähn. 
Mehrh. Wdt, jdt, we u. s. w. häwe rogtet wähn, sind geridlet 
gewesen. 

Geschlossene, nochmalige Vergangenheit. 

Einh. Ick hähw rogtet wähn häjd, dö hähst, he h6t rogtet vk^ 

häjd. 
Mehrh. Wät,jdt,we n. s. w. häwe rogtet wähn häjd, sind geridiiei 

gewesen gewesen , oder wörtlich: haben gerichtet gewesen 

gehabt. 

Zdikunft. 

Einh. Ick word rogtet wesen, dö worst, he wort rogtet wesen. 
Mehrh' Wdt , jdt , we u. s. w. worde rogtet wesen , werden gericbtei 
sein. 

Bedingung. 

Einh. Ick word rogtet wesen, dö wardst rogtet wisen, he wörd f^(^ 
wesen. 

Mehrh. Wät, jdt, we u. s. w. worden rogtet wisen, würden ge- 
richtet sein. 



265 



2. Zeiten in Beziehung, Gewesene Gegenwart. 

i. Ick was, dö vfjärst, he,jö, hat was rogtet, war gerichtet.. 
rh. Wätfjät, we u. 8. w. wjäm rögtet, waren gerichtet. 

Gewesehe Vergangenheit. 

i. Ick häiy da häist, he häi rd^/e/u;äAni war gerichtet gewesen, 

id wäre gerichtet gewesen. 

'•Ä. Wdtyjdt, we hößn ragtet wähn^ waren und wären gerichtet 

^wesen. 

Geschlossene, gewesene Vergangenheit. 

L Ick haiy dö häist, he häi regtet wähn hqjdy war und wäre 
^richtet gewesen gewesen. 

rh. Wdt, jdt, we u. s. w. häjn ragtet wähn hajd, wären ge- 
chtet gewesen gewesen. 

Gewesene Zukunft. 

i. Ick ward, dö warst, he wort ragtet wähn hSwen. 

^h. Wdt, jdt, we werde ragtet wähn hiwen, wir werden ge« 

shtet gewesen sein. 

Bedingung. 

u Ick ward, dö wardst, he ward ragtet wähn wesen^ würden 

^richtet gewesen sein. 

rh. Wdt, jät, we worden ragtet wähn wesen. 

h. Ick ward, dö wördst, he wörd rögtet wähn himen. 

rh. Wdt, jdtf we worden ragtet wähn hewen. 

i. Ick wörd, dö wördst, he wörd ragtet wähn häjd hewen. 

'h. Wdt, jit, we worden rögtet wähn häjd hewen, wörtlich: 

ir würden gerichtet gewesen gehabt haben. 

Befehl. 

i. Wehs ragtet! sei gerichtet! wehs da, he, jö ragtet! 
rh. Wehsejdt,jdm,jd rögtet! 

ie Formen : ragtet wähn häßd wesen , ragtet wähn häßd hewen , 
len ragtet wähn häjd wesen , und worden ragtet wähn häjd 
w , lassen sich im Deutschen nicht nachbilden , weil das 



286 

deutsche Zeitwort seine drei Hülfswörter nicht auf einmal ein- 
greifen lassen kann. 

Nur das reine, vorwärtszielende Zeitwort gestattet diese Ab- 
wandlung durch alle Zeiten und Hülfsformen , und kann daher 
auch nur allein als Musterwort dienen. Die reinen Passiva, wie 
sterben, verwesen, welken u. s. w. , die Neutra, wie ruhen, liege» ^ 
u. s. w., die Activa Intransitiva , wie gehen, arbeiten , klettern , ^e 
Reciproca und die unpersönlichen Zeitwörter haben alle keinen 
Leidensstand. Die Anwendung des rein zielenden Zeitwortes mag 
an folgenden Wörtern nachgewiesen werden, als: rogten; brisen, 
flechten; kielen, heilen; drögen, trocknen; plaugen^ püä^en;grewen, 
graben, und ähnlichen, wie: Gödd rogtet ärken,Goitr\c;hiel}eden; . 
dö ragtest nint ütt, du richtest nichts aus; he wörd da Hünne 
aufrögte, wän *r 't man forstöhSf er würde die Hunde abrichten, 
wenn er's nur verstände; he wart*s aufrogtet hewen, wän 'e Jagt 
äujngongt, er wird sie abgerichtet haben, wenn die Jagd angeht; 
he wörd's all aufrogtet hiwen^ wän 'r 's man ihr füngen häi, er 
würde sie schon abgerichtet haben, wenn er sie früher bekom- 
men hätte; he wörd*s all langem aufrogtet häßhSwen, wän 'r man 
ai kränk worden was, er würde sie schon längst abgerichtet ge- 
habt haben, wenn er nur nicht krank geworden wäre; rögt 
da da Hünne auf! richte du die Hunde ab; ragte jäm efter ms, 
richtet euch nach mir; de Senner wort dilling ragtet, der Sünder 
wird heute gerichtet; he wort mjame ragtet worden, er wird mor- 
gen gerichtet werden; he äs enjörsne ragtet worden, er ist gestern 
gerichtet worden; he wörd dilling ragtet worden, wän V äi krank 
worden was, er würde heute gerichtet werden, wenn er nicht 
krank geworden wäre; he was all ragtet worden, ds ick faarbäi 
rijdd, er war schon gerichtet worden, als ich vorbei ritt; he wart 
ragtet worden wesen, ihr *e Sann unnergongt, er wird gerichtet 
worden sein , ehe die Sonne untergeht ; he wörd ragtet worden 
wesen, wän V äi wäglahm was, er würde gerichtet worden sein, 
wenn er nicht entlaufen wäre; he wörd langem ragtet wähn hewen, 
wän 's häm shüllig fünnen häjn, er würde längst gerichtet gewe- 
sen sein, wenn sie ihn schuldig gefunden hätten; he ward ragtet 
wähn hSwen, wän *e Shärprogter äi kränk worden was, er würde 
gerichtet gewesen sein, wenn der Scharfrichter nicht krank ge- 



287 

^worden wäre. — Ick h&h/m mm SSme brSseiAck habe meine Sdime 
geflochten; ick häi *en all briset, ds Paul to me kaum; ick häi 
^en all ijnsen breset häjd, aurs he was wihsser dplähm, ich hatte 
sie schon einmal geflochten gehabt, aber sie war wieder aufge- 
laufen; he häi all twäie brSset wähn häjd, ds *er en wihsser dplä- 
'Wert häi, er hatte sie schon zweimal geflochten gehabt, als er 
sie wieder aufgetrennt hatte. — JöWünnen ds kielet, die Wunde ist 
f^heilt; jö hSt all ijnsen kielet wähn, aurs nö ds wihsser dpbrägen, 
sie ist schon einmal geheilt gewesen, aber nun ist sie wieder 
aufgebrochen; jö wort hielet wSsen, ihr dät Piaaster df brückt ds^ 
gie wird geheilt sein, bevor das Pflaster verbraucht ist; jö wörd 
hiel^ wSsen, häist *r man ihr wdt faar brückt, sie würde geheilt 
sein, wenn du nur früher etwas dafür gebraucht hättest; jö häi 
Umgens hielet wähn häjd, ds 'e Docter's wihsser dpsf^ärd, sie war 
längst geheilt gewesen, als der Arzt sie wieder aufschnitt; jcf 
hai Umgens hielet wähn häjd, wdn dö mdn Räjd ßlU'gt häist, sie 
wäre längst geheilt gewesen, wenn du meinem Rathe gefolgt 
wärest; jö was all hielet, ds ick 's wihsser dpstät, sie war schon 
geheilt, als ich sie wieder aufstiess. — De Rock häi all twäie dröget 
wühn häjd, ds jö fierd Flog kaum, der Rock war schon zweimal 
getrocknet gewesen gewesen , als der vierte Regenschauer kam. — 
He plauget sdn Eker, ds ick faarbäi ging, er pflügte seinen Acker, 

A 

als ich vorbei ging; de Eker häi all twäie plauget wähn, ds V 
atmerswümd wörd, er war schon zweimal gepflügt gewesen, als er 
überschwemmt ward. — En Spdier sähs faarütt , de Fijnd wördträie 
släien wähn wSsen, ihr de Krich dphüll, ein Wahrsager sagte vor- 
aus, der Feind würde dreimal geschlagen gewesen sein, ehe der 
Krieg aufhöre. — Wdn dö tagen wähn häist , so häist eck äujn *e Krich 
möst, wenn du gezogen gewesen wärest, so hättest du auch in 
den Krieg müssen; wdn dö tagen worden wjärst, so häist u. s. w. , 
wenn du gezogen worden wärest, so hättest du u. s. w. — Bei 
Vermuthungen: he wörd wi^l all twäie fanget wähn hewen, wdn V 
äi so snäsig wähn häi, er würde wohl schon zweimal gefangen 
gewesen sein, wenn er nicht so verschmitzt gewesen wäre. Statt 
der Bedingung setzt man auch, wie im Deutschen, sehr häufig 
die gewesene Gegenwart, als: häi V bähsere präjtet, so was V 
ock wähld worden; was 'r äi to Market gingen, so häie'r sin Oijl 



288 

ot fmrspalH, wäre er nicbt zu Harkte gegangen , so bStte er sein 
Geld nicht terspielt; häi *s *t hierd, ^ was wriesB wördtn^ hätte 
sie es gehört , so wäre sie böse geworden. 

Verbindung der Zeilwörler in der Vergangenheil 

mit häwen und wäsen. 

§. SOG. Mit hiuren werden verbunden: a) alle zidende Zei^ 
Wörter, sie mögen vorwärts- oder Kuröckzielend sein; b) alle 
thätige ziellose Zeitwörter, bei denen keine bestimmte Richtuig 
angegeben wird; e) diejenigen, welche einen unthätigen Zustand 
anzeigen, wie liegen, ruhen u. s. w. und d) alle unpersÖDliebe 
Zeitwörter. Z.B.: ännem, ändern; bdggm, bauen; binnen^hindea; 
btren, Geld einnehmen oder heben; bitten^ beifsen; badden^ hi^ 
ten und betteln; bräßdden^ brüten; bringen; bäirigen, beiden; 
bägen, backen; bäieken^ beuchen; binnen, fluchen (das deutsche 
bannen u. das dänische at bände); dänsen, tanzen; dieleUy tbiA» 
len; drittmen, treiben; duhggen und difjn^ thun; büen, arbeiten; 
fägten, fechten; brausen, braten; baanen, bahnen; siräwen, stre- 
ben , streiten ; kempen , kämpfen ; twjäweln , zanken ; ufräsetn'^ 
ringen; stridden, streiten; tanken, denken; sannen , sinnen; gru* 
beln, grübeln; njäsen, mingen, sömen, tögem, säumen; tög&m, 
zaudern; hSlpen, helfen; hämmern, hämmern; tdmmern, zimmeriii 
bäwern, beben; bläjdden, bluten; driemen, träumen; riehen, räu- 
chern; rocken y rauchen; sötlern, schustern; sArt^^em, schneidern; 
glaasern, gläsern; sndjttem, tischlern; fdshen, fischen; sh^mip 
scheinen ; (foairen , lohen ;bräshen, i. schreien, sehr laut sprechen^ 
2. prahlen, von Farben; spauekein, spucken; läken^ lachen; sm^ 
len, lächeln; gällen, weinen; fniesen, niesen; hosten, husten; 
harken, räuspern; jüllen, i, wimmern, 2. gelten; brulen, brültott; 
holen , heulen ; litten , sehr laut schreien ; shräien , schreien ; 
twibssen , zischeln , flüstern ; sihssen , zischen ; stiermen , riechen; 
stjtmken, stinken; brännen v. tr., brennen; shSllewen, zittern , dän. 
at skjälve ; Ati/tm grämen, sich grämen; auch als impersonale: 
dät grämt me, es thut mir leid; dät grämt me 6m de, estbulimr 
leid um dich, du dauerst mich; huhm biegen, sich schämen einer 
unsittlichen Handlung; huhm skaamen, sich überhaupt schämeb^i 
rSnen, regnen; hageln, hageln; tonnem, donnern,* snäien, schneien^ 



289 

C^fmaMffi» . krauen; ktüsen, mit den Nägeln kraUen; swäwm^ 
^hweben; wäigen, sich auf und nieder wiegen^ fläggem, flat- 
tern; sftubbeln, stolpern, straucheln; raaieln, taumeln; räiel», 
einen Faden einriegeln; wäUen^ wallen, brodeln; dajngeln^ 
biauineln; s^oien, schaukeln; rauerif ruhen; lädden, liegen; sd^/e», 
sitzen; hangen, hangen; hingen v. tr. hängen; stäufnneti, ste- 
ben; wälen, ausruhen; swSgen^ schweigen; küwen, v. tr« ankle- 
bau; riüpen, schlafen; imui^/eft, wachen; läweny leben; sprdwweln^ 
sirampeln; stämpen, stampfen; irämpen, trampeln; waaUen^ win- 
■cab;. wßinkßn, winken; häiwenf wähnen, vermuthen; /i^iereii; 
hoffen; tarnten, däuchten; mienen, meinen; gössen, dJin. at gisse , 
anfis. Geratbewohl schliessen, oder aus gewissen Merkmalen ver»- 
nrathen;. idl;^^, lassen; sören, riechen; himen^ nd. hiemen, 
feoebeny keichen; hacken, hauchen; i^os^en, pausten; bUmsen, Ua- 
seit; mUen, 1. wehen, 2. ein Brautpaar trauen, das deutsche 
^veihen, und das dän. at vie^ 

.;§. äGi. Hit wSsen werden verbunden: a) alle Zeitwörter, wel- 
«die. reines: Leiden anzeigen; b) diejenigen thätigen, ziellosen Zeit- 
.'WWtery bei denen eine Richtung auf irgend einen Gegenstand 
4>der nach einem Orte angedeutet ist, und c) diejenigen, welche 
ein Hervorgehen aus dem bisherigen Zustande anzeigen, als: 
^iäinaen , sterben ; brSgen , brechen ; riwwen , reissen ; smoUen , 
sehmelzen; bjärsten, bersten; iünnen, schwellen; sdjnken, sinken; 
diränken, ertrinken; gräien, wachsen, von kurzem Grase, Haaren, 
Wolle u. dergl.; wägsen, wachsen; fällen, fallen ;^/ii<fu;^n, gerin- 
nen; msten, rosten; friesen, \. frieren, 2. gefrieren; üjllen, älteln; 
JUI^m, altern, u. s. w. Besonders gehören hiezu diejenigen Zeitwör- 
ter mit der Vorsilbe for, welche reines Leiden anzeigen, als: for^ 
gütigen, vergehen; forrösen, verfaulen; forblajdden, verbluten; 
forwalen, verwelken; forböllenen, versch wären; forswinnen, ver- 
sehwinden; forkämen^ i. wegkommen, 2. verkommen; forkoUigen, 
vor Kälte umkommen; for fliesen, erfrieren; forsiijnnen^ verstei- 
nern; farsnäien, verschneien; forhölten, verbolzen; forünlocken^ 
.vemngläcken; fordierwen, verderben; forfliee9i,yevüiegen; forstüutf 
wenj verstieben; forirmen, verarmen; fordrögen, vertrocknen ; /br- 
smägten, verschmachten; for fällen, verfallen; farbliecken, verblei- 
chen; forwägsen, verwachsen. Eine Richtung andeutend, als: 

37 



290 

gtmgeny hfen , springen; ränenp rennen; klinmumf klettern; 

kriepen, kriechen; füeen, fliegen; $wäwen, schweben; siUen, trtt- 

ben» fliessen; driwwen, treiben; kippen, hüpfen; röMei»» reisen; 

märten f stürzen; tieiHf ziehen. Das Hervorgehen ans einem Zu» 

«lande andeutend, als: ä^intkamen, entkommen; Sn^nUpringet^t 

entspringen; m^fliem^ entfliehen; ä/i^ntglaaie»^ entschlüpfen; t» 

släipen, einschlafen; äpumagen^ erwachen; äM^tUstätynnehy entate* 

ben; worden ^ werden; apkämen, aufkommen; äps^at^fMefi, a»ifr 

stehen; üUgongen^ ausgehen; Mglidden, ausgleiten; dpt^en^ an^ 

tbaoen; dpsUgen^ aufsteigen; äpsdHen, aufsitzen; ütibrSgm, ans^ 

breehen (der Krieg bricht aus); iUtdätnpen^ ausdampfen; 4iUßUm^ 

aasfallen. Dieser Gegenstand lässt sich hier nicht ersdiöpfen^nnd 

man wird immer noch auf Ausnahmen stossen. So werden sAv«; 

smägten und krinken mit hiwen, dagegen rasen und sAmoMia 

mit wieen Terbunden, als» he het long sörei, emägtet an krenkei; 

de Säihs d$ rosei an de Trolling ds shdmmeU. Nicht selten tritt 

auch hiwen anstatt wieen beim rein leidenden Zeitwarte ein» 

wenn man den bezüglichen Gegenstand selbst als mitwifkaad 

gedacht wissen will, als: dät Födder het dilüng man laiei drdgttp 

das Heu hat u. s. w.; dät Sanep hit da liste Dige gäm^d r^^i 

der Senf hat die letzten Tage gut gereift. y 

Diejenigen Zeitwörter, welche sowohl zielend als ziellos ffi^ 

braucht werden, bekommen im ersten Falle hiwen, im letzten 

wisen, als: brigen, brechen: de Stock ds brägeny dö hähst de SiSA 

brägen; riwtDen, reissen: de Dauck rafft, ds räwen; ick rief de 

Dauck, häJiw räwen; blieken, bleichen: jö Rauks ds btieket, jö hä 

harr Länert (Leine wand) blieket; shiesen^ scheiden: he ds aufshtsif 

er ist Tcrschieden; deRögter shäss jdm fon en9nser,hit s/i£fs,dar 

Biehter scheidete sie von einander; fällen: dät Glees äs ät^nsMf 

f^len, he hit *e Naas mjnstohg ßllen; tieen, ziehen: da Stmah 

sdn wdgtägen, jö Wägt ds djfiägen; da Hdjnste tiee de Wmen^ kirn 

tdgeny ick häkw 'e Klöck dptägen; mßjtten, i. begegnen einen« 

2. messen: he dsme meet^ iek hähw Kaum mit; drögen^ troekncoc 

dät Födder ds drögel, ick hähw min Sluhse dröget; fordi erwa^ 

verderben: de Winn ds fardürwen^ dö höhst din Rauck fcrdürwe»; 

df satten, aufsitzen: da RüUere san wihsser dpsähn^ die Reiter sini 

wieder aufgesessen« ick hähw 'e hiel Nagt äpsähn, ich habe die 



291 

g^aaze Nacht aufgesessen; aufstä^^nnen: ja sm all tmfdijnnen, ke 
häi: me rin Hüis aufüijnnen; üUlupm^ auslaufen: däi Sii^n ät^nt 
SMtmeglße» ds üUlähm; de siürwene Böse hit üttlähmy der gestor* 
beoe Boihe hat ausgelaufen, läuft nicht mehr; ülUrSgen, austre- 
ten: de Slruhm ds ütUrähn; dö höhst din Foffle üttträhn; üUbrämn 
> audNPennen: däi Öhie ds üUhrännd; ick häiiw man Kmehle- 
Mbrannd; ütttieen, ausziehen: dät Idefäidk ds ütUägen, die 
lÜBBthsleote sind ausgezogen, he hil me m Tms ütttägen; inbrigeiSf 
Binbreehen: jö Nagt was all inbrägen; dd Thiewe häßn 'e Mohr 
inbrägen; dählsluhggen ^ niederschlagen und todtschlagen: de Rieck 
wlSii dähl, ds dählsläien; he släit de Ögse dähl^ hit dählsläiem; 
MitrSgen, ausbrechen, u. s. w. (Vergleiche die 2te Anmerk. tu 

^ dOS« Die Anwendung der Zahlen , Personen, Zeiten und 
Arten (Hodi) ist übrigens, mit wenig Ausnahmen, wie im Deut« 
sehen« Die Formen der Einheit und Hehrheit beim Zeitworte 
riditen sieh nach der Zahl , in welcher die Haupt* und Fürwörter 
, als: de Kukuk bäligt sd» diene Nome üU; dd Hanne ISdde 

9g f die Hennen legen Eier; dd Laashe ^onge, jd swn ältid 
iider dp, die Lerchen singen, sie sind immer früh auf; wdt wi/n 
MSdd, wir beide wollen zu Bette; he ufdll äi ma, er will nicht 
oU; IßjU jdm gonge, lass sie gehen; jd kowne sägt, sie können 
leicht auskommen mit ihrem Vermögen, stehen sich gut; auch: 
iA Mmj/nne jdm gdvjd, u. s. w. 

Anmerkungen. 

.1, Der Nordfriese redet jeden mit do (du) an, weil er kein 
wderes Fürwort dazu gebrauchen kann. Nur zu ganz alten Leu« 
leo sagt man JS, Ihr, welches im zweiten, dritten und vierten 
Falle jm (englisch y<m, ye, nd. ji, ju, dän. jer und eder) lautet. 
lUess gilt fürs weibliche und sächliche Geschlecht, so wie für 
die Hehrheit, im männlichen Geschlecht heisst es jauen, als: 
hSrr if/U sdn EF wie alt seid Ihr? ds jau Wo ff inne? ist Eure 
Freu zu Hause? hirr ds jauen Stock, hier ist Euer Stock; jou 
JUgter lit jau faale Gwujds sidde, Eure Tochter lässt euch viel 
Gutes sagen , d. h. sie lässt euch grüssen ; de Fdsher hSt jau en 
Brdsmer hrdgt, der Fischer hat Euch einen Brachsen gebracht; 



^91 

iek häiiw jauen Sahn sprägen, ich habe Euern Sohn gesprocheo; 
sin jau Bjäme äUemäk befraid? sind Eure Kinder alle verhei-^ 
pathet? jau Sijohn äs noch gmß, an E brücke noch nyn Brall^ 
Euer Gesicht ist noch gut, und Ihr gebraucht noch keine BriOe; 
whrmd km iek jau tiene? womit kann ich Euch dienen? 

2. Bei Grössen« die als Hasse in der Hehrheit stehen, wenn sie. 
auch die einheitliche Form behaltoi, setzt man das Zeitwort in die 
Hehrheit, als: dirr san twontig Mann; segs Mark sdn twOer Dath 
lere; ßauwer Pünn Tobäck kosteten fiew Mark; nö sdn V all tria 
litr forgingen, sunt dö kirr list wjärst; dirr worden twelleio Tänna 
Regge ävjnmeet: trie Glase Bier sdn spüllen ; dirr ßllen twaier SMa 
Bawer auf 'e Wäien; tuhg Sniese uiie sdn V forbrückt; iwonUg 
Träwe Longhulem; saawen Fäge Kaum; söstig Jaurde long; iien 
Ellne brijd; hunnert Fäjtt huch; twellew Faisme diep; trie Lßji 
Sikssen; fiew Baucke Papier^ u. s. w. 

§. 205. Kommen mehrere Grundwörter in der Einheit vor» 
die in gleichem Verhältnisse zur Aussage stehen, so muss. das 
Zeitwort die Mehrheitsform haben , z. B. Be Bdddmönn an *$ 
Kinning sdn biese Mdnshene; de Gidd an 'e Sillhünn kaane gimjt 
swomme, der Hecht und der Seehund können gut schwimmen; 
MSnn an Wo ff wjdrn forräisdy Hann und Frau waren verreist. 
Biess gilt jedoch nur von Gattungsnamen und solchen abstraetiCB 
Gegenständen, die man unter eine und dieselbe Aussage zusadh 
menfasst, als: Gauhshäid, Fraamhäid an Zuwe sdn Bögede, ibr 
'm äi ällerwägne fdnt, Güte, Frömmigkeit und Glaube sind Tu- 
genden, die man nicht allerwegen findet; GÜs, Mdsgunst an Näi' 
gongenhäid sdn Läslere, dirr drken miese mäujtt, Geiz, Missgunst 
und Nahegängigkeit sind Laster, die jeder meiden muss. Bei 
Stoff- und Hengenamen, so wie bei abstracten Gegenständen , die 
sich nicht auf die vorstehende Welse aiusammenfassen lassen , stdit 
dagegen das Zeitwort in der Einheit, z. B. Salt an Briyd magst 
^c Siecke rüßdd, Salz und Brot macht die Wangen roth; Liem, 
Kläi, Kldsler, Limm, Kdlk an Twäge bdnnt gäuß^ Lehm, Klei, 
Kleister, Leim, Kalk und Hefen bindet gut. Setzen wir aber 
diesen Wörtern das Geschlechtswort vor, so muss das Zeitwort 
in der Hehrheit stehen, als: dät Ziem, de Kläi, dät Limm an da 
Twäge biime gäuß^ w^cil Twäge ein Gollectivum ist, das in der 



295 

lllebrfaeit steht Flash, Speck an Brüjd fei gät^d, Fleisch, Speek 
mnd Brot nährt gut; Staal, Stäjll an Glees ds härd, Stahl« Eisen 
and Glas ist hart; Siep an Tulig ds smirrig, Seife und Talg ist 
Msbinierig; Mahl an Gröt ds dp, Mehl und Graupen sind auf, Mehl 
ftod Grütze ist auf, d. i. verzehrt; tPäwer an Salt äs äi to foräg^ 
iiefft, Pfeffer und Salz ist nicht zu verachten ; Krüdd an Liijdd ds 
^hrshähn, Pulver und Loih ist verschossen; Pulwer an Blie &% 
dp» — Birr ds Maurd an Di^släg, da ist Mord und Todtsehlag; 
§irr ds TH an Sldgeräi, es ist Lärm und Schlägerei da^ tuhg an 
ErJe äs fiew, zwei und drei ist fünf, aber nur in unangewandten 
iftfakn; twdnne ün Irdnne sän fiew; fiew an fiew ShdlUnge sdntien^ 
a« s> w. Däi Höppen an Springen fällt me swar, das Hüpfen und 
Springen fälk mir schwer , u. s. w. Wenn zwei Hauptwörter in 
dter Einheit durch und verbunden werden, und die Aussage von 
jedem einzelnen gelten soll, als: De VjlU an de Junge, het sin dien 
WrSll, der Alte und der Junge hat seine eigene Welt, aber auch: 
de tfjUe an de Junge hdwe biese jdre dien Wräll, der Alte und 
der Junge haben beide ihre eigene Welt; d^^ an ßlsh Frünnshapp 
wwtdfting md enauser forwackselt, echte und falsche Freundschaft 
"wird oft mit einander verwechselt. Ebenso, wenn das Zeit- 
W<Mrt sich auf mehrere Grundwörter im Singularis mit vcrschiede- 
tten* Aussagen bezieht, als: Tongle hiert io da hijnnere, Andräis 
id da bdhsere, an Karl to dd bisle S haulere, Danklef gehört zu 
den schlechtem , Andreas zu den bessern und Carl zu den besten 
Sdhülem. — Steht das erste von zwei Subjecten in der Einheit^ 
dis zweite in der Mehrheit, oder umgekehrt, so muss das Zeit- 
wort in die Mehrheit gesetzt werden, als: dät Shäip an ddLaum- 
me sdn wag, und: da Laumme an dät Shäip sdn wag; wihsser 
4}Sdd noch Mdnshene kaane hdm hSlpe, und: wihsser Mdnshene noch 
'6sdd kaane hdm hSlpe, obgleich diess, streng genommen, keines- 
Weges sprachrichtig ist. 

Anmerkung. 

• . Stehen zwei Personen des eigeotlichen Fürwortes als Subjectc, 
so werden diese durch den Dualis zusammengefasst • wonach 
dann das Zeitwort die Mehrbeitsform bekommt, als: dö an ick, 
wdl hdm biese nög fangen^ du und ich, wir haben u. s. w; ick 



294 

an dö, ukU sdn biese erm, arm; da an he, jdt maage Uese näm 
Kifjl, Kohl; min Wöff an «cft, wdt wdn bies6 to Märked; w6i lAem^ 
wdt twdnne, jdt biese, jdt twdime, wir beide, wir zwei» ihr beide» 
ihr zwei; aber Dicht: we biete, und jdm biese, weil we (wir) und 
jdm (ihr) immer mehr als zwei Personen bezeichnen, als: iek^ di 
an he, we häwe all Irdnne de KoUe, ich, du und er, wir babeo 
alle drei das Fieber; dö, he an jö, jdm häwe äUemäle n^ Gff!, 
du» er und sie, ihr habt alle drei kein Geld. 

§. SM. Der Gebrauch der Zeiten ist wie im Deutschen» und 
die gewesene Gegenwart Tertriit auch im Friesischen häufig die 
Bedingung der Zukunft, als: dät du ick äi AaU, das thäte idi 
nicht gern, statt: dal ward ick äi hall d^jn, und so in ähnliche 
Fällen. Ebenso steht die gewesene Vergangenheit atatt der Be* 
dingung der gewesenen Zukunft, als: ick häi hdm bösere Be^ 
shiest säid, ich hätte ihm derber Bescheid gesagt , statt : tdl 
Word hdm bäsere Beshiess säid hewen. Auf eine Zeit ohne Beii^ 
hung folgt auch im Nachsatze wieder eine beziehungslose Zeil» 
als: ick hSlp de, attwer dät dö me hülpen hähst^ ich helfe dir» 
weil du mir geholfen hast; ick hülp de, auwer dät dö me hülfm 
häist, ich half dir, weil du mir geholfen hattest. — Ok mwi 
man sich aber beim Erzählen und Erklären zu einer andern Zeit 
wenden, die nicht mehr in Beziehung steht, als: ick kmtmd him 
jö Tidd äi so gä»ijd, ds ick hdm nö kann, ich kannte ihn dmauh 
nicht so gut, als ich ihn jetzt kenne; dilling säch ick de JfoMi» 
dirr dö fon stiäket höhst; — märling was V man ijn BatAs tilfoprii- 
gen, nö sdn V all tien; — ick wijt, dät jdt enauser lief hßjn^ is 
jdt noch lajtt ujäm; — he het 't dilling äi sötTäwel,ds'er*tsnjör9SS 
häi (nd. he h^t 't hüt nich so hilt, as he '% güstem had). 

§. 205. üeber den Gebrauch der Arten hier noch Folgendem 
Die Gewissheit steht überall wie im Deutschen. Da man aber fir 
die Ungewissheit keine eigene Form hat, so wird diese durch die 
gewesenen Zeiten oder andre Hülfsmittel ausgedrückt » wo es thun* 
lieh ist, als: he fortSlld, he häi V bäi wähn, ds de Maurder hoadi^ 
wördy er erzählte, er wäre dabei gewesen, als der Mörder ent* 
hauptet ward. Bädd hdm, dät 'rme äi forjise mäi, bitte ihn»daaB 
er mich nicht vergessen möge. Kaumst dö wäjl to ms, wditm iefc 
de so behondeü häi? kämest du wohl zu mir, wenn ich djch ao 



298 

bebandelt hätte? Däi was, as^wänn wdt enauser all long kdnnd 
^M^ny es war, als ob wir einander schon lange gekannt hätten. 
Efo iduktt ärken wart kam sellew näisl wSsen, er denkt, jeder wird 
deh selbst der nächste sein; he tankt äUidd, arken äs häm sillew 
wäüip er denkt immer, jeder ist sich selbst der nächste. Köhs 
min Bnmser dog käme! könnte mein Bruder doch kommen ! Was 
Icsfc dig man üU *e Nüß! wäre ich doch nur aus der Noth! U& 
€k min Giß dog befiüllen/ hätte ich doch mein Geld behalten! 
EMi iek dog de Pung bai me stägenk^jd! hätte ich doch d^ Beutel 
KU mir gesteckt gehabt! Wä$ V dog man äi kränk worden! wäre 
BT doch nur nicht krank geworden! Wann V dog man äi krank 
yrirden was! 

Die regelmässigen Zeitwörter. 

§. S06. Das ganz regelmässige Zeitwort endigt sich in der ge- 
wesenen Gegenwart (Imperfectum) und in der Vergangenheit (Perfec- 
fum) allemal auf et, und diese beiden Zeiten sind sich in der 
Form immer gleich, als: rösen^ raset, faulen, faulte , gefault; 
fSgen^ füget, fegen; so auch plagen; sägneti, vermissen; braasen, 
liraten; shaasen, verriegeln; pSnnen, den Wirtel vordrehen; stoppen , 
sUipfen; blieken,b\eichen;riecken, räuchern; spirren^ keimen; dro» 
gon^ plaugen, mögen; huhppen, häufen; mören, mauern; härrewen^ 
eggen; baren, bohren; wälen, welken; lücken, glücken; kögen^ 
kochen; stäjcicen, in der Asche braten; rippen^ reifen, von Früch- 
tCD, so wie vom gefromen Thau; hauppen, reifen, cinFass; krä- 
wen, mahnen, Bezahlung fordern; mölken, melken; sögen, saugen; 
rigten, richten; ßlen, feilen; rddden, retten; plegen, 1. v. tr. pfle- 
gen, 2. die Gewohnheit haben; hären, hären oder dengeln, Sen- 
sen und Sicheln; Icänten^ kanten v. tr.; suhmmen v. tr., säumen, 
ein Tuch; sälten, salzen; fangen, fangen; hielen, heilen; höwen, 
hoffen; hälen i. holen, 2. ziehen, in der Seemannssprache, an 
einem Tau; hacken, hacken; sörren, sknem; jagen; späten, spie- 
len; spijUen 1. spalten v. tr. % speil^m; malen, mit Farben; /tkf- 
den, gäten; drücken, drucken; Jbrc^en, drücken; i^IucA:^, pflücken; 
plöcken, pflöcken; sliräwen, scharren, kratzen; fläcken, flicken, 
flecken v. tr.; smöken, schmauchen^ kliunoen, klimmen, klettern; 
brisen, flechten; Innen ^ lohnen; shürren^ scheuern; ^en, i. sich 



296 

anschaffen, 2. zeugen, vor Gericht; spifissen, speisen; pfärun, 
pressen; bäjcken, beuchen; saäen^ sichten; drugen, seihen; ifirm, 
ehren; wären, i. y. rec. sich wahren, ausweichen; 2. währen» 
3. verwahren , aufheben ; sparten, stürzen , u. s. w. Die übrigen 
regelmässigen Zeitwörter mit den Endungen ein, ern, igen, mm, 
und einige auf nen, werfen das n weg und bekommen bloss den 
Buchstaben t statt et, und die auf t^^ Tcrlieren die ganze Endung 
en und bekommen das t unmittelbar nach dem g (Vergleidie 
§• 191 über die Personen beim Zeitworte), als: gräpeln, grapsen , 
iek gräpel, iek gräpeü, kk häkw gräpeU, ich grapse, ich grapsele» 
ich habe gegrapset. — Ebenso: iräweln, träweü; sprdfpmeln,tprtm» 
weü; rummeln, rummelt u. s. w.; piesem, piesert; wällem, wälleti; 
glämmern, stämmert u. s. w.; shunigen, shunigt; hunigen, hunigt; 
9träi^nigen, strmynnigt u. s. w.; gähsmen,gä$emt; fäiftsmen, ßh- 
semt; bldssmen, blossemt; sägnen, sägent; rägnen, rägent; siefemii, 
riUcent (segnen, rechnen, seufzen); u. s. w. 

Wenn das zweite Mittelwort dieser Zeitwörter bestimmungswert* 
lieh gebraucht wird, so werden diejenigen Participia , welche 
sich auf et endigen, so abgeändert, wie die Bestimmungswörter 
auf et (Vergleiche §.120 nebst der Anmerkung). Im weiblieheD 
und sächlichen Geschlechte belialten sie die Endung et nnverin- 
dert, und bekommen im männlichen Geschlecht, so wie in der 
Hehrheit, die Endung ete oder cde, wo das t sich dem e nur hart 
und gezwungen anschlicsst, als: toppet, gehaubt, von Vögeln: j$ 
tappet Hänn, die gehaubte Henne; dät tappet ßjückling, das ge- 
haubte Küchlein; de töppede Kräjdder, der gehaubte Hahn; da 
töppede Fögle; jö roset Liwwer, die verfaulte Leber; en raset Uw' 
wer ; dät röset SpSck; de rösete Shdjnkel, der verfaulte Schinken; m 
röseten Shdfjnkel, da rosete Shöjnkle; und so mit allen dahin gehö- 
rigen Wörtern. Die übrigen mit den vorerwähnten Endungen be* 
kommen im Hase, und Flur, bloss te, als: de sträieüe Bär, die 
gestreute Gerste, da sträielte uirle^ Erbsen; de grüppelte Eker^ 
da grüppelte Fenne; de sträi^inigie Shöner, da sträi^nigte Mth 
trose, u. s. w. 

Die unregelmässigcn Zeitwörter, 
§. 207. Die am wenigsten unregelmässigen Zeitwörter sind 



297 

diejenigen, die im Imperfectum und Perfectum, statt der Silbe 
e^ oder t, den Buchstaben d unmittelbar nach ihrer Stammsilbe 
BUgesetzt bekommen, als: bdggenj bdggd; brauen^ hraud; hüm, 
hMdM' s* w. , wobei der Stammlaut unverändert bleibt, — begännen, 
begdnnd u. 6. w. Die übrigen unregelmässigen Zeitwörter sind so 
irregulär, dass es schwer hält, sie auch nur etnigermaassen nach 
einer bequemen Uebersieht zu ordnen, weshalb ich es nothwendig 
finde« hier einige Bemerkungen vorauszuschicken. Schon bei der 
Bildung des Zeitwortes aus dem Hauptworte finden wir über 
dreissig, die mehr oder weniger unregelmässig in der Abwandlung 
^nd (siehe §. 151 Anm.), wie römen oder rümmen, 1. in einen 
Raum anfnehmen, % denselben verlassen, frei machen, iir^ römd., 
4)der rümdf hähw rümd; tollen, 1. zählen, 2. jemand rufen, iek 
and; nämen, nennen, kk nämd; bemannen, bemannen, ick be- 
mSnnd; spännen^ spannen, ickspänd; »näien, schneien, dät snäihd, 
hü snaihd und Itet snäjn, geschnieen; fällen, iillen, ick fdlld; 
^rümneny 1. gründen, 2. mahlen auf derMühle,icA;^rdnn(l;5^^^, 
scheinen, ick shind; kolken, ick kölked, hähw kolket; lühssen^ 
lausen, iek lühssed, hühw lühsset; stjöien, schaukeln, ick sfjäihd; 
Striemen, träumen, ick driemd; shöien, Pferde beschlagen, behufei- 
8en, ick shiid; forgävjllen und forgellen, vergolden, ick fon^gilld; 
fiirken, mit der Heugabel auflangen, ickfürk, hähw fürken; blajd' 
den, bluten, ick bleet;' bäirigen, bergen, ick bürg, hähw bürgen; 
ijnnen, 1. enden, 2. dem Ende näher schreiten, personale und 
iflspers. , ick ändy dät änd; kijnnen, 1. mit den Händen auffan- 
gen, 2. sich begeben, ereignen; pers. und impers., ick händ, dät 
band hdm, es traf sich; kneten, einen Knoten schürzen, ick kneety 
hähw kneet; kluhsen, kleiden, pers. und impers., ick kläss, hähw 
kläs$, dät kläss hdr gävjd, es kleidete sie (stand ihr) gut; rinen^ 
regnen, dät rmd; smeren, schmieren, ick smjärd; sUngen, mit der 
Schleuder werfen, ick slängd; stviermen, schwärmen, swärmd; 
faßden, ernähren, unterhalten, ick fit; räjdden, 1. rathen, 
jemand etwas, 2. errathen, 5. zu gebieten haben, ick ret; gräimen, 
ausweiden, gräimd. — Wo hier nur allein das Imperfectum steht, 
da ist die Form der Vergangenheit dieselbe. Kolken, lühssen kön- 
nen auch regelmässig gehen; bäirigen hat ausser der obigen Ab- 
wandlung auch: ickbern^gt, hähw berrigt. Das Wort fällen, einem 



298 

wie ein Füllen nachlaufen, von däl Fäll, das Füllen, ist nickt 
mit fallen, schinden, von dät Fall (Fell), zu verwechseln; jenes 
ist regelmässig: he fallet me eßer, er läuft mir nach. 

Da die einfachsten Zeitwörter wenigstens allemal zweisilbig sind» 
so ist es ein wenig auffallend, dass folgende Wandelwörter» als: 
flieen, fliegen, sieen, sehen und säen, lieeti, ziehen, shien oder 
shäien^ geschehen, duhggen, thun, fuhggen, empfahen, shthggen, 
schlagen, und ^ti%.9ien, waschen, ihre ursprüngliche Form verlieren 
und eine ganz fremdartige bekommen: aus flieen — fl^f aus 
sieen — sijn ; aus tieen — tijn ; aus shien oder shäien — sh^ ; aus 
duhggen — düjn; aus fuhggen —füjn; 9ius sluhggen — slüjn; ^ustuhg' 
gen — tüjn; wenn sie mit dürren, dürfen, denMuth haben, türre», 
die Erlaubniss oder die Verpflichtung haben , kaanen , können , lä^Um, 
lassen, mäujtten, müssen, maagen, mö^en , shdllen , sollen» wdUm$ 
wollen, verbunden werden. Beispiele: de Fögel wall flijn; he därri 
'i äi sijn, sehen; kaast äi sijn? he wall sdn Rdgge sijn (säen); de 
ihne Hdjnst kön dät swär Leess äi tijn; läjtt *t shijn; dät MU 
äi shijn! ick könt düjn; dö mähst *t ndg füjn (bekonunen); 
dö wäth füjn; mäi ick 't fujn? wäth me slHjn? he wäjl wie 
dvjd slüjn; jö shdll hdr tüjn ^ u. s. w. Wahrscheinlich stam- 
men diese abweichenden Formen aus dem Angelsächsischen, von 
den nächsten Nachbaren der wailandigen Nordiriesen, worauf 
auch die Aehnlichkeit der obigen Wörter hinzudeuten scheint 
Im Angels. ist flieen, fleon {flijn);' sieen, seon [sijn); tieen y teon 
[tijn); duhggen, dön [düjn); sluhggcn, slean [slüjn); tuhggen, 
thvean [tüjn), — Bemerkenswerth bleibt es immer, dass hier die 
Zeitwörter beider Sprachen einsilbig sind, was sonst im Nordfrie- 
sischen nie, und im Angelsächsischen auch wohl nur selten vor* 
kommen mag. 
Ausser den obigen Hülfswörtem, kaanen, maagen u. s. w. , 
können wir auch noch andere Zeitwörter mit einander verbin- 
den, die aber keine weitere Veränderung in den gewöhnlichen 
Formen dadurch erleiden, als: gongen sieen; lädden bliwwen; spa- 
ten hieren; dregen helpen u. dergl. 

Die Mehrheit der gewesenen Gegenwart endigt sich immer auf 
en, als: ick ging , pl. we gingen; ick läkety we läketen, lachten; ick 
slauch, we stauchen, schlugen, u. s. w. Aber bei den folgenden 



299 

Wörtern: maagen, hiwen, duhggeti, sedden^ wallen ^ kaanen ^ stäujn- 
men und shdllen, wird die Mehrheit des Imperfectums auf folgende 
"Weise gebildet, als: maagen, ick mähs, pl. we mahn; hewen, 
siehe §. 198; duhggen, ick däi^ pl. däjn; sidden^ ick sähs, pl. we 
sahn, sagten; wällen, ick wäjl, dö wäist, du wolltest, pl. wäjn; 
haanen, ick köhs, pl. köhn, konnten; stäujnnen, stehen, ick stöhs, 
pl. stijnnen, standen '); shdllen, ick shäujl, pl. shäujn, sollten; dö 
shäust, du solltest, vergl. dö wäist 

Der Befehl (Imperativ) wird immer nur aus den Stammsilben 
der Zeitwörter gebildet, als: gongen, gong! stäujnnen, stäujn! sieh, 
11. s. w.; daher wir dessen nicht weiter erwähnen. 

Unter denjenigen Zeitwörtern, die in der gewesenen Gegenwart 
und In der Vergangenheit sich gleich bleiben , finden wir nun i) eine 
Jfenge von solchen, die sich in beiden Zeiten auf elendigen, und 
meistens ein a, äi, i, äj, ij oder jd zum Hauptlaute haben; 
2) solche, die in beiden Zeiten ein gedehntes ä oder 5 erhalten; 
5) mit dem tiefen e in beiden Zeiten; 4) mit ij und ie im Im- 
perf. und ein- oder zweisilbigem Mittelwort, das sich auf en, n 
oder m endigt; 5) mit üj, ij, und äi, äj im Imperf. , mit zwei- 
oder einsilbigem Mittel werte auf n; 6) mit au, äu, u und ü in 
der gewesenen Gegenwart und meistens zweisilbigem Mittel- 
wort. — Die nachstehende Tabelle über die Abweichungen macht 
diess deutlicher. 

Tabelle über die Abweichungen der unregelmässigen Zeit" 

Wörter. 

§. 208. Die Striche in der zweiten Spalte deuten an, dass 
die Personen der Gegenwart regelmässig sind; die Zahlen zeigen 
an, dass ein und dasselbe Wort verschiedene Bedeutungen hat. 

Die mit einem Sternchen bezeichneten Wörter können auch 
ohne Anstoss regelmässig abgewandelt werden. 



>) Der Plural müsste heissen: we stöhn , sidiii we stijnnen. Letzteres 
ist aber ganz allgemein , und stöhn hört man selten oder nie. 



38» 



300 



I 



Wandel- 


iste^ 2^0 und 8*0 Person 


Gewesene 


Zweites 


^ort. 


der Gegenwart. 


Gegenwart. 


Mittelwort. 


hingen 


hing^ hängst, hängt \hängd 


hängd 


hijnnen 2. 


— känst, hänt 


Mnd 


band 


ijnne^i 2. 


— änst, änt 


änd 


änd 


ktemtnen 


— kämst, kämt 


kämd 


kamd 


klingen 


— krängst, krängt 


krängd 


krängd 


lingen 2. 


— längst, längt 


längd 


längd 


mingen 2. 


— mängst, mängt 


mängd 


mängd 
ränd 


ränen 


— rannst, rannt 


rund 


sijnnen 


— sännst, sännt 


sünd 


sänd 


shijnnen 


— shännst, shännt 


shänd 


shänd 


$lingen 2. 


— slängst, slängt 


slängd 


slängd 


tijnnen 


— tännst, tännt 


tänd 


tänd 


trijnnen 


— trännst, trännt 


tränd 


tränd 


fvijnnen 


— wannst, wannst 


wand 


wand. 


wringen 


— wrängst, wrängt 


wrüngd 


wrängd 


ihrwen 


— ärrewst, ärrewt 


ärrewd 


ärrewd 


(äujn) strin- 

gen 
dränken 


— strängst, strängt 


strängd 


strängd 


— dränkst, dränkt 


drüngd 


drängd 


twenen *) 


— twännst, twänt 


twänd 


twänd 


ledden 


— läist, läit 


läid 


läid 


reken *) 


— _— — 


riggd 


riggd 


r&nen 


— dät rinnt 


rind 


rind 


skinen 


— shinst, shint 


shind 


shind 


sleken *) 


— 


sliggd 


sliggd 


slreken *) 




striggd 


striggd 


teken *) 




tiggd 


tiggd 


lienen 


— lijnst, lijnt 


lijnd 


lijnd 


mienen 


— mijnst, mijnt 


mijnd 


mijnd 


ringen 


— rdjngst, rdjngt 


räjngd 


räjngd 


klingen 


— klängst, klängt 


klängd 


klängd 


dielen *) 


— 


dijld 


dijld 


beren 


— bjärst, bjärt 


tjärd 


bjärd 


begeren 


— begjärst, begjärl 


begjärd 


begjärd 


fairen 


— ßärst, ßärt 


ßärd 


ßärd 


graten 


— grdist, gräit 


gräid 


gräid, gräjn 


käiren 


— Igärst, kjärt 


kjärd 


kjärd 


meren 


— mjärsty mjärt 


nyärd 


mjärd 


neren 


— njärst, njärt 


njärd 


njärd 


sieen 


— säist, säit 


Said 


säid, säjn 


8häien,8hieen 


— dät shäit 


shäid 


shäid, shäjn 


shiren 


— shjdrst, shjärt 


shjärd 


shjärd 


smircn 


— smjärst, smjärt 


smjärd 


smjärd 



Bas deuts^ 
Wandelw^ 

hängen y. 

auffangen. 

enden, be^ 

kämmen. 

drängen. 

reichen. 

mengen. 

rennen. 

senden. 

schänden. 

schleudern. 

zünden. 

scheren, vedS 

wenden. 

ausringen. 

erben. 

anstrengen. 

ertrinken. 

zwirnen. 

legen. 

recken. 

regnen. 

scheinen. 

löschen. 

strecken. 

ein Dach deckei 

dachen, 
leihen, 
meinen, 
läuten, 
klingen, 
theilen. 
Geld hebeft 
begehrea 
fuhren, 
wachsen, 
fahren, 
mehren, 
nähren, 
säen. 

geschehen« 
scheren, sdM 

den. 
schmieren. 



301 



Jel. 
n. 



2. 

i 



m *) 



Personen der Ge- 
genwart. 

- Sii^ärst, swjärt 

- tjärsty ijärt 

- wjärsty wjärt 

• swängst, swängt 

- suydngst, swajnst 



— spränkst, spränkt 



Iinperfec' 
tum. 

swjärd 

tjärd 

wjärd 

swängd 

swdjngd 

swüng 

sprängd 



Perfectum. 


Deutsches 




Wandelwort. 


swjärd 


schwören. 


tjärd 


zehren. 


wjärd 


wehren. 


swängd ^ 
swdjngd / 
swungenJ 




schwingen. 




spräfigd 


sprengen , bespr. 



II. 



n 


— brätst, brät 


brät 


brät 


ausbreiten. 


n 


— käfst, käfi 
•— shäst, shähs 


käfi 
shahs 


käfi 
shähs 


kaufen, 
scheiden. 


en 


— spratst, sprat 

— stätst, stät 


sprat 
stät 


sprät 
stät 


spreiten, 
stossen. 




mäi, mähst ^ mäi 
— bräjngst, bräjngt 
kän, kaast, kön 


rnähs 
brogt 
köhs 


mäht 
brögt 
köht 


mögen. 

bringen. 

können. 


n 


— maust, mäujt pl. 


möst 


möst 


müssen. 


2. 


we maujn 

— sSgst, segt 

— tankst, iänkt 


sogt 
tdgt 
swönid 


sogt 
tögt 
swomd 


suchen, 
denken, 
schweimen 




— sjögst, ijogt 


säch 


säjn 


sehen. 



III. 



n 

m 

n 

i 
llen 



i 

en 2. 



beret 
bietst, bist 
bretst, bret 
bretst, brit 



feist, fet 
forgellst, forgellt 



— hetsl, het 



letsty let 
mitst, met 
rStsty rel 

sä 

snelst, snet 
wetst, wet 
spredst, spret 



beret 

bist 

brSt 

brSt 

fSll 

fet 

forgelld 

flSt 

hSt 

knet 

ist 

meet 

rSt 

sei 

snet 

wet 

sp^'St 



beret 


bereiten. 


bist 


bluten. 


brSt 


brüten. 


brSt 


breiten, s. oben. 


fSllen 
fSt 


fallen, 
ernähren. 


forgSlld 

flSt 

hSl 


vergolden. 
s. §210. 
heizen. 


knSt 


knoten , schürzen. 


ist 


lassen. 


meet 


messen. 


rel 


rathen. 


sSt 


setzen. 


snet 


schnauzen. 


wet 


netzen. 


sprSt 


spreiten. 



1 



502 



IV. 



Wandel- 
form. 

bitten 

gliddeii 

grippen 

ridden 

shridden 

slidden 

slitten 5. 

shüten 

smitten 

splitten 

striddm 

iwitten 

bliwwen 

driwwen 

gnihssen 

lihssen 

shriwwen 

Hwwen 

slippen 

stricken 

swihssen 

prihssen *) 

wrihssen 



Personen der Gegen- 


Imper- 


Perfectum. 


wart. 


fectum. 




— bättst, bätt 


biß 


bann 


— glättst, glatt 


glijd 


gldnn 


— grdppst, gräppt 


griep 


gram 


— rätst, rät 


rijdd 


rann 


— shrdtst, shrdt 


shrijdd 


shrdnn 


— släddst, sldtt 


slijd 


sldnn 


— sldttst, sldtt 


sliß 


slänn 


— shdttsty shdtt 


shißt 


shänn 


— smdttstf smdtt 


smißt 


smdnn 


— spldttst, splätt 


splißt 


splann 


— strdttst, strdtt 


strijdd 


stränn 


— twdttst, twdtt 


twißt 


twdnn 


— bldfst, bldft 


blief 


bläwen 


— drafst, drdft 


drief 


dräwen 


— gndsty gndst 


gniess 


gnäsen 


— last, last 


Hess 


lähsen 


— shrdfst, shrdß 


shrief 


shräwen 


— räfst, rdft 


rief 


räwen 


— släpptst, sldppt 


sliep 


slähm 


— strdkst, strdckt 


striek 


Strogen 


— sivdsty swäst 


swiess 


swäsen 


— präst, präst 


pries 


präsen 


— W7'dst, wrdst 


wriess 


wrähsen 



Deutsches W~a 
delwort. 

beissen. 

gleiten. 

greifen. 

reiten. 

schreiten, 

glitschen, schlit' 
tern. 

verlieren. 

scheissen. 

scbmeissen. 

spleisscn. 

streiten. 

schnitzen. 

bleiben. 

treiben. 

reiben. 

leiden. 

schreiben. 

reissen. 

schleifen. 

streichen. 

sengen. 

preisen. 

entwinden , rin- 
gen. 



Y. 



bijddefi 


— bjötst , bjött 


büß 


bahn 


beflißten 2. 


— befljöttst, befljött 


beflüßt 


beflähn 


flißten 


— fljöttst, fljött 


flüßt 


flähn 


fortrißten 


— dät fortrött 


fortrüßt 


forträhn 


gißten 


— göttst, gött 


güßt 


gähn 


nißten 


— njöttst, njötl 


nüßt 


nähn 


skißten 


— shöttst, shött 


shüßt 


shähn 


slitten 5. 


— sljöttst, sljött 


slüßt 


slähn 


tißten 


— tjöttst, tjött 


tüßt 


tähn 


bädden 2. 


— bäddst , bddt 


bald 


bahn 


bregen 


— bregst, bregt 


brdik 


brägen 


ähscn 


— etst , et 


aß 


ahn 


duhggen 


— ddhst, det 


däi 


dajn 


frShsen 


— freist, fr et 


fiäjt 


frähn 


hißten 


— hältst, hält 


haßt 


haßten 



bieten, 
befieissen 2. B^. 

fliessen. 
fliessen. 
verdriessen. 
giessen. 
geniessen. 
schiessen. . 
schliessen. 
schreien, 
bitten. 

brechen , gebr. 
essen, 
thun. 
fres4tn< 
heisseii 



305 



del- 
m. 



n 



Personen der Gegen- 
wart. 



— slepst, slept 



— tretst, tret 

— läist, läit 



m 



^ forjelst , forjit 



Imper- 
fectum. 

knäjt 

säjU 

släip 

spräik 

stäik 

stäig 

stafl 

träjtt 

läi 

swäig 

wäif 

forjäji 



Perfectum. 


Deutsches Wan- 




delwort. 


jäwen 
knähn 


geben, 
kneten. 


sahn 


sitzen. 


släipen 


schlafen. 


sprägen 
stägen 


sprechen, 
siechen und stec 




ken. 


stägen 
stellen 


steigen, 
stehlen. 


trähn 


treten. 


läien 


liegen. 


sivagen 
wäwen 


schweigen, 
weben. 


forjähn 


vergessen. 



m 



m 



n 

2. 

n 

n 

i 



släist , släü 
twäist , twäit 



flßgst, fljögt 
dogst , dogt 
kröpst, kröpt 
Ijögst, Ijögt 
läpst , läppt 



snöfst , Sfiöß 
stöfst, stoß 



— Ipgst, tjögt 



~ 



VI. 

bauk 

drauch 

faur 

grauf 

kaumm 

hau 

laus 

stauch 

tauch , 

twäid 
wauch 

hurst 

duhrst 

drunk 

fluch 

duch 

krup 

luch 

lüpp 

shuf 

shuf 

slunk 

snuf 

stuf 

sup 

sunk 

tuch 

türsh 



tagen 


backen. 


drägen 


tragen. 


fären 


fahren, einher — 




u. s. w. 


gräwen 


graben. 


kiemmen 


kommen. 


hauen 


hauen. 


läsen 


lesen , 2. laden. 


släien 


schlagen. 


twäien 


waschen. 


wägen 


wiegen und wä- 




gen. 


bürsten 


bersten. 


duhrst 


dürfen, wagen. 


drunken 


trinken. 


flägen 


fliegen. 


dägen 


laugen. 


krähm 


kriechen. 


lägen 


lügen. 


lähm 


laufen. 


shäwen 


schieben. 


shähm 


erschaffen. 


slunken 


verschlingen. 


snawen 


schnieben. 


Slawen 


stieben. 


sähm 


saufen. 


sanken 


sinken. 


tagest 


ziehen. 


türshen 


dreschen. 



504 



Wandel- 
form. 

iürren 

wähsen 

binnen 

bürden 

fardierwen 

finnen 

/niesen 

friesen 

forliesen 

fuhggen 

helpen 

hungen 

hüjilen 

grünnen 2. 

sangen 

shellewen 

Spillen 

^Hinnen 

springen 

stäirwen 

swinnen 

s^junken 

tünnen 

twenen *) 

worden 

swingen 

twingen 

nämen 

leflen 

fäirken 

winnen 

wannen 

wierwen 

wudden 

gungen 

smölten 

krumpen 

shmmpen 



Pertonen der Gegen- 
wart. 



wijt, wiest, w^t 

— bannst, bannt 

— birigst, bMgt 

— fardSrewst, — ewt 

— fannst, fdnnt 



fröst, fröst 
farljöst, farjjöst 
fähsl, ßU 



— halst y hält 



spällst, spdllt 

sprajngst^äjngt 
st^ewsty sterewt 
swdnnst, swdnt 



iwdnst, twdnt 
warst f wort 
swdjngst , swajngt 
twäjngst, twäjngt 
ndmmst, ndmnU 



— wannst, wdnt 



— wuddest, wuddet 



Imper- 
fectnm. 

turst 

WUSt 

bünn 

bürg 

fordürw 

fünn 

fnüss 

früss 

forlüss 

füng 

hülp 

hüng 

hüli 

gründ 

süng 

shülw 

spüll 

spütin 

Sprung 

stürw 

swünn 

Stunk 

tünd 

twünn 

würd 

swüng 

twüng 

nümm 

lüft 

fürk 

wünn 

wunn 

würw 

wüdd 

smolt 

krümp 

shrump 



Perfectim. 



turst 

wüst 

bünnen 

bürgen 

fordürwen 

fünnen 

fnäsen 

fräsen 

forlä^en 

fangen 

hülpen 

hungen 

hüllen 

grünnen 

süngen 

shülwen 

spülten 

spännen 

Sprüngen 

stürwen 

swünnen 

stänken 

tünnen 

Iwünnen 

würden 

swängen 

twüngen 

nämmen 

lüften 

fürken 

Wannen 

wunnen 

würwen 

wäddeti 

gingen 

smolten 

krumpen 

shrumpen 



Deatschef Wen- 
delwort» 

dürfen. 

wissen. 

binden. 

ernten, bergmt 

verderben. 

finden. 

niesen. 

frieren. 

verlieren. 

empfahen. 

helfen. 

hangen. 

hallen. 

mahlen. 

singen. 

zittern. 

Spillen. 

spinnen. 

springen. 

sterben. 

schwinden. 

stinken. 

schwellen. 

zwirnen. 

werden. 

schwingen. 

zwingen. 

nehmen. 

heben. 

aufgabeln. 

winden. 

gewinnen. 

werben. 

waten. 

gehen. 

schmelzen. 

krimpen. 

schrumpfe. 



Noch sind zu erwähnen: 



formichsen 
wallen 

shdllen 



wähl, wall, pl. 

wdn 

shäht, shdll 



formahsd 
wäjl, pl. 

wiyn 
shäujl, pl. 

shäußi 



formahsen 
wäfjlt 

shäujlt 



vermeiden, 
wollen. 

sollen. 



508 

$. d09. Die durch Vorsilben oder Umstandswörter ti. s. Wv 
zusammengesetzten unregelmässigen Zeitwörter richten sich nach 
liren Stämmen in der vorstehenden Tabelle, wie z. B. forbijdden 
lach bijdden; begrippen nach grippeti; äujntßtät^nnen nach stauen*' 
Mit; bedrSgen^ fordr4gen^ ^tdregen nach dregen, u. s. w. 

Bemerkungen über einige der vorsiehenden Zeitwörter. 

§. 210. i. Hijnnen heisst 1. mit den Händen auffangen , z. B. den 
Ball; 2. sich ereignen, begeben, zutragen. Ijnnen i. beendi- 
gen, Yoilenden; 2. sich zusehends dem Ende mit der Arbeit nä- 
hern, wenn es mit derselben gut fortschreitet. Lingen 4. langen, 
peiehen; 2. sich sehnen, mit nach, aber nicht zurückzielend (re- 
ciprok) , z. B. ick ling efter man Sahn , ich sehne mich nach mei- 
nem Sohne. Mingen i. mengen, mischen; 2. zaudern, säumen. 
SUngen 1. mit der Schleuder werfen; 2. wie im Deutschen, aber 
nicht schlucken > verschlingen, welches sldjnken heisst^ Dränken ^ 
ertrinken , steht auch zielend für erlränken , als: he dränkt sdn Bünn 
an sin KütL Gräien, dän. at groe, engl, to grow, wovon das 
deutsche und englische Grass ^ Gras, und das dänische Gras ab" 
stammt, so wie en Gröde, die Gruse, wofür ich das Wort grasen 
als das entsprechendste gewählt habe. Man gebraucht gräien nur 
von dichtem , kurzem Grase > kurzen krausen Haaren und krau* 
ser Wolle, und sagt von der letzlern: dät Uli äs gäujd unner- 
igräjn, die Wolle ist gut unterwachsen. Das daraus gebildete 
Hauptwort heisst de Grause, entspricht dem dänischen Gröde, 
und dem deulschcn Grtise, Saft und Trieb des Pflanzen Wuchses; 
auch kommt es in dem Worte Edgrause, Nachgras, dän. Efter' 
gröde, vor. Weren, 1. v. rec.) sich wehren; 2. v. act. intr. , weer 
di Hdjnste, wehre den Pferden u. s. w. Shiren h. überhaupt 
schneiden, daher de Shjärder , der Schnitter; mit der Schere 
schneiden ist klappen, dän. at klippe. Tanken 1. denken; 
2. im Gedächtniss behalten. Fielen i. die im Tüdder stehen- 
den Schafe und Rinder auf einen andern Rasenfleck setzen; 2. 
umziehen von einem Hause in ein anderes, dän. at flölle, nd. 
ßüllen. MäjUen h. nicht allein messen, sondern auch einem be- 
gegnen, mit ihm zusammentreffen. Räjdden, 1. rathen, einem 

3d 



306 

etwas; ± errathen; 5. befehlen, z. B. dö hähst hin* ninl r^dde^-^ 
du hast hier nichts zu sagen , zu gebieten » zu herrschen u. s. 
in mehrfachen Beziehungen. SnäjUen, von de SnüUe, Schnai 
wird nur von der Nase und der Lichtschnuppe gebraucht » wo] 
Siuch de Snöte , dät Snöle, der Nasenschleim , Rotz, stammt. Spry^ 
den, spreiten, z. B. Mist spreiten oder streuen. Slitten 1. otr^ 
der Tasche , vom Wagen , auf dem Wege verlieren ; 2. schleis8eo, 
aufschleissen , z. B. die Kleider; 5. jemand auf die rechte Weise 
zu nehmen wissen, um mit ihm durchzukommen. Tufitknk 
auch überhaupt in Holz , oder Späne abschneiden. GnihsseUf m 
Stück Zeug oder dergleichen zwischen den Händen reiben. Wriht' 
sen 1. sich krümmen wie ein Wurm; 2. die Hände ringen; 3. ei- 
nem etwas drehend entwinden. Shijtten, verb. impers. , wird aueh 
so gebraucht: dät kötir me nint dm shijUe^ ich schere mich nicbt 
darum, mag es nicht u. s. w.; wdt kön de dät shijtte? was geht das 
dich an? was schiert es dich? Bddden 1. bitten, 2. bettdn. 
Pregen^ v. pass. und v. tr. , ferner: mangeln, fehlen, gebrechen; 
ä.'6ich erbrechen. Frehsen, fressen, wird nur von Menschen ge- 
braucht , wenn sie sich übermässig anfüllen , sonst von Men- 
schen und Thieren ähsen, essen. Frehsen y v. reg. trans. , heisfil 
friedigen. Jewen, geben, hat nicht die umfassende Bedeutoog 
des deutschen Wortes, und wird nur vom Kartengeben und Vidi* 
füttern gebraucht, als: dö shäht jewe ^ nämlich Karten; häh$t jA» 
wen ? hast du dem Vieh den ganzen Stall hindurch ein Futter ge- 
geben? Huhm jefl träie, man füttert dreimal herum. Ick jhft 
nint dm, ich gebe nichts darum, mag es nicht. Das gewöhnlidtt 
Geben heisst duhggeny als: duhg me dät Bauck, thu mir d. h. 
gieb mir. Spregen h. mit jemand sprechen, als: häh^ hdm ipri- 
genF hast du ihn gesprochen? auf huhm sellew sprigen^ sieb wt 
ber loben; das Sprechen überhaupt heisst snäken. Tresen, treten» 
wird auch vom Begalten der Vögel gebraucht. Shäfen h. audi 
herbeischaffen, zu Wege bringen, und ist dann regelmässig (Mh 
wen, V. reg. , h. bilden , formen , eine Gestalt geben ; he wißt H nSg ti 
shäwen, zu bilden, zu gestalten; 2. sich gebehrden; herr shi* 
west de? wie hast du dich?). Snöwwen h. nicht allein schniebea» 
sondern auch schnupfen, nämlich Taback. Tieen^ h. ziehen kl 
allen Bedeutungen des deutschen Wortes, ausser da, wo man 



307 

«in Tbier an eii)€iii Stricke zieht; dieses heissl: tmeken, dfnv 
at trikke, jö TrdckpoU, wörtlich der Zieh topf, d^ i. der Thee- 
topf , weil der Thce ziehen muss. Bäirigen hat auch die etwas- 
re^elmässigere Wandlungsform : birigt, im Imperf. u. Perf. For* 
liesen i. im Spiele, im Handel; zur See verlieren, untergehen , 
scheitern ; 2. entbinden , erlösen, eine Gebährende. In dem letz- 
t€»^n Sinne ist es regelmässig. Grünnefiy eng4. to grind^ h. auf 
der Mühle mahlen. 

Slüten, aus der Tasche verlieren, und slüten, schliessen, in 
allen Bedeutungen des deutschen Wortes, sind wohl von einander 
za unterscheiden. Ebenso sieen, sehen, und sieen^ säen; ersteres 
hat im Imperf. sach, dieses säid. Ferner hißten y heizen, und 
hijiim , heissen ; ersteres hat : hSt und hütt , in beiden Zeiten , 
dieses koijttund häjtten. Aus //^, heizte, geheizt, wird: de HSt' 
aWf», wörtlich der Heizstein, d. i. der Feuerherd. Hungen, han- 
gen, V, n., ist von hingen ^ hängen, v. tr. , wohl zu unterscheiden. 
9. Bei mehreren Zeitwörtern von gleicher Bedeutung hat man 
verschiedene Yocale zu Stammlauten , als : fieligen , fälligen und 
füligen , feigen , den Acker ; das Hauptwort heisst : dät Fulig ; fof' 
gatujllen und forgillen, vergolden; swiermen und swärmen, schwär- 
men , von Bienen , Ameisen , Mucken u. s, w. ; stiermen und ^dr^ 
men, riechen; die Substantiven heissen: de Swierem, Schwärm, 
und de Stierem, Geruch; swißten und swdtten, schwitzen, Subst. 
däi Swiß; ihrwen und ärwen, erben, Subst. jö udrw , de ^rwing^ 
das und der Erbe ; shieen und shäien , gesche^hen , Subst. jö 
Shäii^; bäirigen und birrigen, bergen; warken und wärrigeny 
sehmerzen, Subst. de Wärk, der Schmerz, wie Gigtwark, Gicht- 
brueh , Lahsewark , Gliederreissen ; swieligen und simtligen, 1. hinun- 
terschlucken , 2. ersticken , verb. pass. ; Subst. jö Swielig und ß 
Swällig, der Schlund, der Schwalg, die Schwelge, dän. at 
sfßälge , et Smlg; daher: schwelgen, engl, to sioailow; bäHgen 
und bijlken , laut rufen , bäligen , zurückrufen , bijlken , auch 
laut nachschreien, daher Subst. de Bijlk ; marken und matrif 
gen, merken, Subst. däf Mark, Mei^k, Merkzeichen; beide bedeu-^ 
te»: merken überhaupt, und marrigen gehraucht man noch beson- 
ders von Hausthieren, denen man ein Rennzeichen macht, z. B. 
Sehafen, in den Ohren oder mit Farben, Gänsett^^den^Fdiisilli^,. 

39* 



508 

Rindern mit dem Brenneisen in den Hörnern, Wirken h. i. über^^ 
baupt wirken, daher dät Wäirk, das Werk; 2. einen bretterne^ 
Zaun setzen, davon dät Wirk, das Wirk; ivirrigeUf 1. wüf^ 
gen , wdt dählwirrigen, hinunterwürgen , 2. erwürgen , einem d^ 
£ehle oder Gurgel (jö Slraahs) zuschnüren. 

Es mag in diesen Wörtern das eine Wandelwort aus ein ^ 
Zeilform des andern hervorgegangen sein. Wir haben ähnliclT^ 
Fälle im Deutschen, wie trügen und triegen, betrügen und bet^-^ 
gen, schnauben und schnieben, stäuben und stieben, sprossen ism^ic 
spriessen , träufen und triefen , u. s. w. , so wie in der Zeitform 
der gewesenen Gegenwart, als: barst und borst, drasch uod 
drosch, hob und hub, schwomnd schwur, spann und^pono, schlang 
und schlung , stand und stund u. s. w. 

3. Folgende der obigen Zeitwörter werden unpersönlich (j^e- 
braucht, als: 6r^ßn, mangeln, gebrechen: dät bregt me; shim 
oder shäien : dät shäit oller ; renen , regnen ; fortrijtten , verdries« 
sen; tdjnten, däuchlen, dünken; shijtten, sich scheren, käoi- 
mern; und bitten, wenn es jucken bedeutet: dätbdtt me, es juekl 
mich. 

4. Die Leidensform des zweiten Mittelwortes ist in einigea 
Fällen von der activen abweichend, als: ick hähw twänd, aber 
de Träjdd äs twünnen; ick hähw de Bär shjärd, aberc^ä^ Kaum is 
sheren. Selbst beim leidenden Zeilworte ist diess der Fall, als: i» 
hast wügsen , gewachsen , ick bdn wägsen , ich bin erwachsen ; ebei- 
so bei shäid und sh^n, gräid und gräjn u. s. w. Ebenso: iek 
hähw rdnn^ habe geritten, ick bän ridden, bin gerilten, d. i. ti 
Pferde; ick hähw gingen, habe (statt bin) gegangen, ick bin gim^ 
gen, d. i. zu Fusse bin ich hieher gekommen; ick hähw J^cM, 
habe gefahren, bdn käiren, zu Wagen; häw äget, gefahren, Ui 
agen, zu Wagen; hör bdst fären? wie bist du daran? 

§. 211. Die abgeleiteten Wortbildungen aus dem unregelmäs- 
sigen Zeitworte sind bald aus der Wandelform , bald aus der Ge- 
genwart und bald aus der Vergangenheit hervorgegangen. Duidk 
Yergleichung mit den genannten Zeitformen kann man leicht e^ 
kennen, welcher derselben sie ihre Entstehung verdanken, als: 
hingeni jöHing, dieThürangel, de Häjnger, der Henker, de Häng, 
4er Hang; hijnnen: jö Hi^nning, das ^reigniss; Admen.- de Mümst, 



509 

Wifilkdmst , der Willkommen , Ät^nkdmst , die Ankunft ; kringen : 
jo Krangd , die Viehseuche , Pest ; forlingen : de Forlängst , das 
Terlangen; ränen: de Ränstcr , Renner, in Faarränster; wijnnen: 
|ö Wijnmng j Wendung; tijnnen : dät Tänner, der Zunder; sliu' 
gen : jö Sling , Schleuder ; sfiiesen : de Aufsliiess , Abschied , jö 
Shiesing , Scheide, Feldscheide, Scheidung; slijtten: de SttjU, 
Sloss; sieen: }öSigt, dat Sjö/m, 1. Sehvermögen, 2. Erscheinung; 
skieen: jo Shäujn; brätinen: de Brand, jö Bräujn, Feuersbrunst; 
^äien: jö Gräjdd, der Rasen, de Grause, dat Gjärs; fähren: jö 
JPäJir, 1. die Fähre, 2. der Aufzug; räiren: jö i?atr, Apräir, Auf- 
ruhr; shSren, de Shähr, Schnitt; dat Slijärd , die Scherbe; de 
Shjärder, der Schnitter; glidden: de Glähs, der Glitt, wo dsVdw'e 
Glähs, nun ist's im Schub; de Gljärder, Brotschieber; £tß^; dät 
jSd^'d, i. Samen, 2. Saat, 5. Rapsaat; teren: jö Tering; ringen: de 
Bingsler, der Läuter; breyen: de Brähg, Bruch; Stegen: de Stähg, 
Stich, dät 5/aj/^, der Griffel; ähsen: dät il//5e, das Essen, die 
Speise; drdjnken: dät Drdjnke, deDronk, de Drönker, der Säufer; 
frihsen: de Frälhe, die Fresse, das Maul (gemein); Iddden: dat 
IiOi^ , der lose , flache Deckel , 2. der hölzerne Teller ; ledden : de 
Amlidder, Einlegemesser (Umleger); duhggen: jö Düjns, dasThun, 
viel Yf esens ; jewen: dät JSß, eine Gabe Futter, de J4we , nur in 
Näiihr^Sufe, Neujahrsgabe; selten: de Setter, die Setze, eine ir- 
dene Milchschüssel; spregen: de Spräjcke, Sprache, de Sprök, der 
Spruch ; wSwen : da Wäwle , Nom. collect. , der Webstuhl , de Wäwster , 
Weber; trSsen: de Trähs , der Tritt, da Trähse, Trelhölzer am 
Weberstuhle; falten: de Fäll, der Fall, jö Fäll, die Falle; fäjd- 
den: jö Faihs, der Unterhalt; läjtten: de Läjtte, in toläjtsluhggen ; 
nullten : jö iVäj/^ , das Maass , (i^e Mäjtte , die Maassen : dirr ds jd 
nän Mäjtte md , dän. der er jo ingen Maadc med , ihr haltet ja 
kein Maass , übertreibt es ; räjdden : de Räjdd , de Räjdder , in 
Wänräjdder , wörtlich: der Wahnräther, einer der tausend ver- 
kehrte Anschläge macht; de Räjddelse , das Räthsel; bitten: de 
Bitter (Beisserlein, Zahn), dät Bitt , eine gemachte Oeffnung im 
Eise zum Tränken des Viehes (eine vom Winde und der Strö- 
mung offne Stelle h. ]ö Wdnwaag) , dät Bdtt, die Pfeifenspitze, 
auch dät Müntstöck (Mundstück) genannt; de Bähs, i. der Biss, 
3. die Schärfe der Schneide; spliUen: de Splähs, die Spleisse, 



510 

Spelte; ridden: de Ridd, der Ritt, de Bidder , i. der Reiter: 
% das Reitpferd selbst; der Reuter beim Militair b. de fidta 
ier; shridden: de Shridd, der Schritt; stnitlen: de Smähs, de^ 
Schmiss, Wurf; dät Smdtting , Weberkleisler ; twilten: de Twk^ 
ter^ der junge Bursche; driwwen: jö Dräß, i. der Triebe 
2. Nachdruck, 3. Trift; grippen: de Gripp, ein Griff mit d»^ 
Hand, de Grdure, der Griff, als Handhabe an einem Dinge; ^M^Q 
wen: jö Shrdft, 1. jede Schrift, 2. die beilige Schrift; de 
wer, Schreiber; stricken: de Slräg, der Strich, deSlräge, 
eher zum Schärfen der Sensen; riwwen: deRähw, der Riss; 
sc«; de Wrdst, der Rist, der Spann, dän. en Vrist, von at 
shenen: de S^tn, Schein; renen: de J?tnra; gungen: de Gäng^ ^ 
Gajnger^ der Gang und der Gänger; säiken: jö iSäiik, das Veroo/s« 
sen; tanken: de 7ö^/e, der Gedanke, gewöhnlich nur im Plural, 
da Tagte; wannen: de Wanst, der Gewinn und der Gewinst; km- 
nen: de Konst, die Kunst; slävjnnen: de Stäujnner ^^^ der Leuchter; 
de Stüttner, der Ständer; de Stand, der Stand; ä«/n Stände itl^ 
sen, in Stande sein; ^teen; (2ä^ TJc^, i. der Zug, 2. das Mal; 
kniepen, kneipen: jö Kniep^ die Schnalle; bjärslen^ de Bäirsi, der 
Burst, Sprung, Riss; kriepen: dät Kräwel, wie im Deutschender 
Krüppel, vom niederdeutschen kruppen, und im Däniseheo ea 
Kröbling von at krybe, kröb, kröben ; söppen: de SSpke^ der 
Schnaps; Ijaagen: jö Lägen, die Lüge; s;tot(w;en: dät iSn^/', der 
Schnupfen; döwwen: dät Dö/*, die Tunke; sägnken und sänken: ]8 
iSdjff}/; und jö i9a«^, das Untersinken und Senken; s^tiwiren: dit 
S/iüff, pl. Shöwwinge, Scbieblade; dät Shöf, ein Vorschiebebreftt; 
dät Shuf, ein Schaub, ein Scboof Langstroh, eine Dienet« 
oder Lohngarbe, Zehntengarbe; binnen: dät Bünn, das Bond; 
dät Bijnn, das Band überhaupt, de Bijnn , ein einzelnes Bud 
zum Umbinden, als: de Hösbijnn, pl. da Bijwne (dät Bijn, dee 
Bein , pl. da Biene) , 2. der Band eines Buches; de ßänn , die Bande, 
als: de Bännstöck, der Bandstock, Haselstäbe zu Tonnenbänden 
oder Fassreifen; deBännhünn, der Kettenhund; finnen: deF§nä, 
der Fund; forliesen: de Forljüst, der Verlust; fordierwen: jo 
Fordierew , der Verderb , das Verderben ; friesen : de Frö«< , der 
Frost; hilpen: jö J7ß/j}, Hülfe; luppen: de I.»|), der Lauf; Liper^ 
der Knicker, Schüsser; dst Läpelse, das Laab, Rinnsel, de £»> 



511 

jßüsßt das Durchlaufen der Pferde: dd Hijnsit lüppen LäpelsB, 
skö liefeo durch; hijllen: jö Hijlling: l.die Neige; 2. die Nachge* 
Imrt; jö HijU^ die llelde, Fussfessel der Pferde; hüjllcn: jö 
JäHJlling, die Haltung; sangen: de Song, der Sang; bäirigen: de 
Berrigt, die Ernte; tünnen: de Tünnelse, die Geschwulst; s/jun- 
Jfceffi: de Stonh^ der Stank; bilden: dät ^ti/£^, das Gebot auf et- 
was; fiijUen: jö Fläujddy de Flöthe, der Fluss als Krankheit, 
flieaaende Fistelgeschwüre u. dergleichen; gijtlen: de Go/ä, Guss, 
Schnauze an einer Kanne u. s. w., jö Gaahs, die Gosse, in ühS' 
gaahi, die Schöpfgosse, durch welche das Wasser in den Tränk- 
trog läuft; »hißten: de Shöt, der Schuss und der Schoss, de Sho' 
|«r, der Sdiütze; fortnßten: dät Fortriß, der Verdruss; fahren: 
jö Faur, die Fuhre; hdwuwn: de ifato, der Hieb; grewcn: dat 
Cr«/*, das Grab, jö Greß, ein Wassergraben um den Warf, jö 
Grauf, ein Graben zwischen Aeckern , jö Gräwing , ein grosser 
und tiefer Schulzgraben; de Grewster, der Gräber, de Grauwer, 
«on jö Grauf; de Grüppel, schmaler Abzugsgraben, de Graup, die 
liistrinne im Stalle; stuhggen: de Sliek, der Schlag, Slieke pl. , 
Prügel; de Släg , 1. der Schlag, Gattung, 2. als Krankheit; wi^ 
gm^: jö Wägt, i. die Wage, 2. das Gewicht, u. s. w. 

§. 212. Es folgen hier einige Zeitwörter, welche, in Ueberein- 
siunmung mit §. 207, nur dadurch von den regelmässigen ab- 
weichen, dass sie in der gewesenen Gegen \%art und der Vergan- 
genheit statt der Silbe et nur den Buchstaben d bekommen, der 
ibrer Stammsilbe unmittelbar angefügt wird, weshalb es ganz 
überflössig wäre , diese Formen bei jedem einzelnen Worte wei- 
ter auszuführen. 

^Aien, ick äid, ick hähw äid, einem die Backen streicheln; be- 
häiwen, bedürfen; beliewen, belieben; beräiwen (beruwen) berau- 
hen; herauen^ beruhen; berühasen, i, unter Schutt begraben 
werden» 2. berauschen; betrauen, anvertrauen; bieen, biegen; 
iUlen, bilden; bräunen, brennen; brauen, brauen; brüggen, 
pflastern, mit Steinen, Subst.jö iSi^'n^rd; büen, arbeiten,jö^m>i<;, 
die Saatzeit im Frühling; däien^ gedeihen, Subst. jö Däged, das 
Gedeihen, die Gedeihlichkeit; dieen, überhaupt Heisses vertragen 
können , als heisse Speisen und Getränke , heisses Eisen anfassen 
können, ohne sich daran zu brennen, u. s. w. ; dielen, theilen; 



S12 

dräien^ i. drehen, 2. drechseln; driemen, träumen, Sahst. d»j 
Druhm, der Traum; drillen, i» prellen, 2. drillen; dät Drillbin^ 
der Drillbohrer; düllen, dulden; fällen, schinden; de Fäflber^^ 
ser, der Fellbereiter, d.i. der Weissgerber; fallen, fühlen,^ 
Fäil, das Gefühl; feilen, füllen, jö FSlling , die Füllung; fläie^^ 
putzen, schmücken, ausbessern, machen; forddwwen, verdauer — ^ 
forgellen, vergolden s. forgäujllen; forjüllen, vergelten; forkier^^^ 
verkehren v. tr.; fornäigen, i. vergnügen, 5t. v. rec. , sich veflc^^ 
gen; forliewen , v. rec, sich verlieben; forsmöien, verschraäh^^^ . 
forteilen, i. erzählen, 5t. v. rec, sich verzählen; fräien, freicgi. 
firäien, als reines Adjectivum, heiralhssüchtig, manngierig; fiimh 
en, freuen , de Fräude ; gällen, vi^einen ; glaaien, schlüpfen; gniese», 
das Maul nach einem verzerren; jö Gnieskätt , Zerrkstize , d.i. 
Fratzengesicht als Schimpfwort; graten, wachsen; grähnen, wim- 
mern , ächzen , engl, lo groan , und wahrscheinlich von gleicher 
Wurzel mit dem deutsehen greinen und dem dänischen at gme; 
grähsen, schauern ,jö Grdhsing , der Schauer, z. B. im Fieber; grVk^ 
sen, grausen; grdwwen, krauen, kratzen; gröhsen, 1. zermalmea, 
5t. einen knirschenden Laut geben , wie z. B. grober Sand unter 
den Zähnen; gräimen, ausweiden, von dät Graum, Eingeweide; 
gruen , grauen ; gunnen , gönnen ; häien , engl, to hide , einm 
die Wahrheit verbergen , mildernd für Ijaagen , lügen ; käiwtm, 
wähnen, muthmassen; hieen, v. pass. , anschwellen vom Wasser, 
steigen; 2. v. tr. , ein wenig erhöhen; fiteren, hören; hdvfwe^f 
i. hauen , 5t. mähen , und dann unregelmässig (siehe die Tir 
belle); Julien, 1. gellen, 2. wimmern, winseln; kännen, keiH 
neu; käilen, kühlen; hdwwen, kauen; kieren, i. kehren» t. tr., 
2. V. rec. z. B. huhm dujn wdt kieren, sich an etwas kehren; hUnf* 
pen, mit der Schere schneiden, 2. klappen, als Klangwort; kliah 
men, klemmen, Subst. jö Klamm; kliewen, klieben , spalten; 
knippen, kneipen; kräien , krähen; lieen, 1. miethen, 2. henem; 
jö Lie, die Miethe und die Heuer; lienen, Leiben, to Lien, iiir 
Leihe; Heren, 1. lernen, 2. lehren; jöLier, die Kenntnisse, de Im- 
rer, der Lehrer; liesen, lösen, jöLiesing, in Wä/iserliesing : Uewen, 
i. lieben, 2. glauben; de Liewde, die Liebe, de Luwe, der Gliu* 
be; mienen, meinen, j.ö Miening; n^dwwen, mjauen; nämen, nen* 
nen; näigen, v. rec, sich neigen, 2. sich genügen lassen: U^U dt 



315 

"ürrminäige^ lass dich damit begnügen; päUen, dän. at pöIe, pla- 
sehen» platschen, im und mit Wasser, nd. polen und solen, engl. 
siwa topuddle, davon däiPajl, dän. enPöl (gedehnt , also Pohl), 
las deutsche Pfuhl, aber in sehr verjüngtem Haasstabe; eine 
kleine Lache im Wagengeleise , selbst verschüttetes Wasser bildet 
3n Päjl Präiwen, prüfen, probiren; rauen, ruhen, Subst. jö Rau 
Lind jö R6: reken, recken, s. oben; rän^n, rennen; räisen, reisen, 
jö Bäihs; tiesen, 1. sich erheben, aufstehen, 2. emporrichten, 
als : en Hüss riesen ; dät Riess , das Vermögen oder die Kraft zum 
Aufstehen, fön *t Riess wSsen, von den Beinen sein, von kran- 
kem Vieh, das nicht mehr aufstehen kann; römen, räumen; röien, 
Tiemen, ein Boot mit dem Riem oder Treibruder schieben; säien, 
nähen; sillenj nd. sielen , treiben, v. pass., vom Wasser selbst, in 
und auf demselben ; dät Sill, das Siel, dit SilUöch, der Sielzug, 
Fluss, Au, «[. s. w., de Sillhünn, Seehund; shänken, schenken; 
Skalen, differiren, jö Shähl, der Unterschied im Fordern und 
ffieten beim Handeln , jö Forshähl , der Unterschied ; jö Shaihl h. 
sonst die Schale als Gefäss; shillen, schelten; shdwwen, die Hüh- 
ner unterm Steisse befühlen , ob sie zeitig sind ein Ei zu legen ; 
shdien, Pferde beschlagen; shrielen , \. schrillen, 2. quicken, von 
Ferkeln; shirren, schieren, Eier und Butter; shräien, schreien; 
smoien, aufstülpen z. B. die Aermel; snäien, drehen, ein Rad, 
den Schleifstein, sich; späilen, spülen, dat Spätling, Spülicht; 
spännen, spannen, jö Spann, die Spanne, dat Spann, das Gespann; 
späten, speien, dät Späiling, das Gespieene; späten, wahrsagen, 
de Spöier: spieen y verfitzen, wirren, v. tr.; stdllefi, 1. stillen, 
2. stellen; dät Sldlling, das Gerüst, jö Stdlling , die Stellung; 
sfdunren, stauen, das Wasser; staurmen, stürmen; s/a/men, stöhnen, 
dän. at stönne; stiepen, Lichte ziehen, durch wiederholtes Ein- 
tunken , sonst gijUen , giessen , als : stiept an gähn Lßägte , gezo- 
gene und gegossene Lichte; stieren, stören, jö Stier, Störung; 
stiermen , riechen ; sljöien , schaukeln , jö Stjöi , die Schaukel; stjürren , 
steuern , wehren , jö Stjürr ; straaien , gemächlich gehen ; stoäaien , 
schwenken , flattern lassen , dän. at svaie ; swiepefi , einwindeln , 
jö Swiep, die Windeln; swiermen, schwärmen; swummen, schwim- 
men; täiwen, warten, nd. töwen, dän. at töve; iSllen, i. zäh- 
len, 2. jemand rufen; tieren, v. rec. , sich zerren, gebehrden; töi- 

40 



514 

en, thauen, aufthauen; trauen, trauen (einem); uhsen, schöpfen 
uhlmen^ glimmen; waten ^ i. wehen, 2. (weihen), ein Paar trauei^ 
wilissen, weisen, zeigen; wräien, die Bettdecke aufdecken, n^ 
rückschlagen; waarshuen, warnen; wärmen y wärmen. 

Eine kleine Sammlung regelmässiger Zeitwörter ^), 

§. 213. Aanen, ahnen, jö Aaning, die Ahnung; ägen, lang&^ut 
fahren; ägten, achten; ännem, ändern. Bähsen, baden; bak^en, 
Nutzen, Yortheii bringen, davon: de Bähse, Yortheii; das Subst 
von bähsen (baden) ist dät BäU, pl. da Bähse » und ebenso kU' 
tet die Hehrheit von de Bähse; hosen, birschen, von Rindern 
in der Hitze; bäligen, rufen; bänken, klopfen; bägen, backen; 
bäsem, bessern; baurigen, borgen; befähsen, v. rec. , sich befi»- 
sen mit; bedröwwen, betrüben; ^e/an^en, y. rec, befangen mit et- 
was; befiien, befreien; behagen—; behondeln, behandeln; fo* 
jäen, bejahen; bekümmern, v. rec. , sich bekümmern um; belenm, 
belehnen; belaagem, belagern; beläwen, erleben; bemündigen ^; 
bemdgtigen , v. rec. , sich bemächtigen ; begnäsigen , begnadigen; 
belingen, belangen; berägnen, berechnen; berauen, beruhen; kr 
rauigen, beruhigen; berogten, berichten; berigtigen — ; beshm- 
gen 9 beschädigen; beshdcken, beschicken; beshaamen, besefai- 
men; beshülligen, beschuldigen; beklawen^ bekleben; behwfffmt 
behäufen; besläcken, belecken; bemalen — ; bemärken, bemerken; 
beslönigen, beschleunigen; bespären, ersparen; beslräwen, hesü^r 
h&a; bestärken, bestärken; bestjdrten, bestürzen; betälen, bezahlen; 
betahmen {läjtten — ), einen nur machen lassen , z.B. läjtt hdm mm 
betaJime, lass ihn nur machen, allein darum sein; auch: Ißjttm 
betijn, lass mich allein darum; betingen, bedingen; beträgten^ be- 
trachten; betjögen, bezeugen; blähsen, verb. act. intr., unter etwas 
flammen, um es zu kochen, mit lodernden Brennstoffen, wie 



*) Wo in diesem §phcn die friesischen Wörter ganz so lauten, 
wie die ihnen entsprechenden deutschen, ist nur ein kleiner 
Strich beigefügt. Diejenigen derselben, welche früher unter ei- 
ner andern Abwandlungsform vorgekommen sind, haben neben 
dieser aiich die regelmässige, wie z. B. bögen, ick bauck^ ick 
hähw bägen und ick bäget, hähtv baget. 



315 

Siroh, Späne und dergl., davon: jö ßlähs, dieses Flammen , däor 
Sit blusse» et Bius, engl, to blaze, a blaze; blaaseUy blasen; 
blocken f v. pass., bleichen, yerschiessen von Farben , dän. at blak* 
"kß ; bogen, wohnen; bannen, fluchen, bannen; Uönen, v. pass.» 
starke Hitze in den Backen haben; blähen ^ mit den Augen 
Tvinken, knicken; bedühssen, bedeuten; beumnnem, bewundern; 
Aewären, bewahren; bewändern — ; bewdlligen, bewilligen; be* 
ufoagen, bewachen; bewägen, bewegen; blicken ^ v. tr. und pass., 
Ueichen; brisen, flechten, engl, to braid; biegen, sich schämen; 
£«|^ctoi, beuchen; bummem, Schallwort, Bummeriss, Hohleis, en 
3ummerßärtt ein Bummerfurz; boren, bohren; brüsken, prahlen 
mit Farben, laut sprechen; bröckeln, bröckeln; bläsem, blocken; 
brüsten^ v. rec. — ; brühssen, i. brausen, 2. das Gefieder sträuben,. 
daher: de Brüsskräjdder, der Kampfhahn, Braushahn, und daa 
adjectiv brösig, Brösighäid; brulen, brüllen ; billitjen — ; brausen, 
braten; büffeln, büffeln. Dämpen, l. dampfen, 2. dämpfen; ddC' 
ken, decken; dulmen, nachlassen von Schmerzen; drönen, dröhr 
nen; drögen, trocknen; drücken, drucken; driegen, blühen, von 
Getreide und Gräsern, jö Drieging, 1. die Zeit der Kornblüthe» 
% die an den Achren hangende Blüthe selbst; ddjngeln, bau« 
m^; dräwen, treffen; daadein, tadeln; c^e^en, tagen, von de Däi^ 
der Tag, pl. Dege; dönsen , tanzen ; digten, dichten; dömln, doppeln; 
dSpen, taufen, de l>c^,die Taufe; drugen, seihen, von jö Druhg^ 
Ueeheme Milchseihe , 2. Traube ; dröppen , tropfen ; däwwen , thauen , 
de DatowCf der Thau; döwwen, tunken; döhssen, deuten, jö Döhs" 
smg; dötlick, deutlich; daren, bethören; ducken, tauchen, jßmen, 
aufsteigen, von hcissen Wasserdämpfen, de £me; Sbben, ebben; 
(Bnen, abenden. Abend werden; eggen, i. anreizen, 2, verleiten, 
verlacken. Fähsen , fassen ; fä/^en , fegen.; fällen , einem überall 
naehlaufen; fäng&n, fangen; färwen, färben; feien, feilen; fes- 
ten, fasten, da Fhte, 1. die Fasten, 2. pl. von jö Fest, die 
Faust; fihssen, fisten, ficsten, finseln, dän. at fise, engl, to fizz, 
U> fizzle, to foist; Subst. de Fihss^, dän. en Fiis, engl, a fizzle, 
a foist, deutsch: der Fist oder Fiest; fisteln, fitzen; fjärten, für- 
aen, Subst de Fjärt, dän. at Qärte, en Fjärt, engl, tofart, a fart, 
der Furz; fiedeln — ; fläsen, ausplaudern; fläbben, das Maul (die 
Flabbe) hangen lassen; flänkernr fltmmern, auflodern; fausernr 

40* 



516 

futtern, füttern; fäigen, fügen, auch rec.; flächen^ mit dmbai^ 
dmbäifläcken, sich herumtreiben, umherstreichen; /U^A^n, vorwärts- 
gehen mit der Arbeit, mit dem» was man unter Händen hat; ^m^- 
ien, fruchten ifämmeln^ herumtappen; /o^elfi, fehlen; flicken yspü" 
ten; füjlkn, falten; frügten, fürchten; ßlligen^ folgen. Gäsmm^ 
gähnen; gäwen, gaffen; gärm, gären; gissm^ dän. at gisse, at 
gjätte,engl. to guess, vermuthen, aufs Ohngefähr schliesseir; gi- 
senj gänseln, albern sein; gnudden, sich schütteln vor Ungeziefer; 
gesteUf v. tr., eine Kuh aufsiegen; gulpen, gussweise herausstiir- 
xen; gummeln, gäumeln, gnaupeln, knaupeln, muffeln; gjdrdm, 
gürten; gScken, narren; gräinen, grünen; grummeln, wimmeln; 
^«en, geizen; gögeln, gaukeln; gicheln, geigen; gräpeln, grapsen; 
grübeln, grübeln; gröten, grüssen. Hälen, holen; halten, hinken; 
hacken, auf einem Beine hüpfen; hacken, hacken; hägen, i. ge- 
fallen, behagen, 5t. an- oder aufhaken ; hasten, eilen, hasten; hdaeit, 
hexen, jö Box, die Hexe; häwen, heben, erhebe»; harken, i. hof- 
eben, 2. gehorchen; kämmen, i. säumen, v. tr., ein Tuch, 2. ein- 
hegen; hdmmen, hemmen; hähsen, hassen; kernen, hieben, kei- 
ehen, nd. hiemen; Hermen, v. rec, sich härmen; hielen, heUeo; 
hellen, fesseln; högen, v. tr., erfreuen; höppen, hüpfen, de H^; 
höwen, hoffen; handeln, handeln; holen, heulen; hocken, sich nie- 
derkauern, de Hocke, dujn'e Hocke sdtten, in dieser Stellung sit- 
zen; hosten, husten; hühssen, behausen; hummen, zu Pferden, 
wenn sie Platz machen sollen. Jösen, dem Vieh auf dem Stalle 
morgens und abends dreimal ein Futter (Jefl) nebst Wasser geben; 
jagen, i. jagen, % eX\en\ jobben, mit offnem Maule gaffen; jäppen, 
nach Luft schnappen; jüshen, einsühlen, beschmutzen; fimmem, 
jammern; Jüchen, jauchzen; iwem, eifern , dät Iwer; ihnen , einen; 
ilen, eilen; ihrwen, erben. Kdppen — ; kempen, kämpfen; käweh, 
zusammcnkoppeln von Pferden; haaren, karren; klagen — ; USU»' 
wen, klauben; klären, klären; killen, kitzeln; kläisen, mit den 
Nägeln kratzen; kUppen ,\i\oi^{en; A;/a5en,v. rec, sich huscheln, von 
de Klahse, die Traube, der Büschel (racemus und fasciculns); 
kldtshenf mit der Peitsche knallen, in die Hände klatschen, jö 
Kldlsh, die Schmitze an der Seime (de Sime) einer Peitsche, wd- 
che den Knall verursacht; kläwen, kleben; kldwwem, klsinem, 
klettern, überklettern; klitowen, klimmen, über einen Zaun stei- 



g^n; klammem von klammen , klemmen, indieHöheklettero, daher 
gewöhnlich mit dp, dpkldmmern, hinaufklettern; klß^em, klin- 
geln , schellen ; ktäcken , klecksen, Subst. de Kläek; kägeln, gackern ; 
kiecken^ gucken, jö Kieck, der Ausguck, äw^e Kieck stmjnnen, auf 
dem Ausguck, auf der Warte stehen; kiwwen, keifen, dät Kiff^ 
die Keife; knäien, krachen; knacken, 1. knacken, 2. knicken, de 
Knack y der Knack und der Knick; kndppeln, Spitzen klöppeln, da 
KndppeUe, ein Collectivum im Plural, dän. Kniplinger; Band klöp- 
peln h.<oii<e/n, und die Klöppel Tontelstöcke; klönken, von de Klönke, 
der Erdklump, Erdkloss, jemand damit werfen; kldmpen, v. tr., 
klampen, von de Klömp, die Klampe; klütten, flicken, ausbessern, 
von de Klütt, der Lappen, Fleck; krdwiveln, kriechen, krauein, von 
Insecten, 2. von Menschen und Kindern, auf allen Vieren krie- 
chen; sonst heisst es kriepen, s. o.; krünen, reckhalsen, vergl. 
der Kranich und der Krahn, engl, a crane für beides, 'dän. at 
krane, en Kran , der Krahn; klucken — ; kräicken, zuhaken, mit Ha- 
ken und Oehsen oder Oehren {Kräicke an Ause, Singul. jö Kräick , 
jö Auhs); krüllen, kräuseln; Jkaur/en, kürzen, de Eaurte, die Kürze; 
kräwen, mahnen, um Bezahlung anhalten; kregen, kriegen, de 
Erich, der Krieg, pl. da Krege; kosten, kosten, da Unköste, die 
Unkosten; ^r4;n^^, kränken; kröppen^ an Leibesfülle zunehmen; 
kännigen, kündigen, ein Capital, dpkünnigeny 1. dasselbe, % ein 
Brautpaar in der Kirche aufbieten; kräweln, krüppeln; knurren — ; 
knappen, knüpfen, z. B. den Rock; knöppen, 1. knospen, 2. zan- 
ken; kramen — ; killen — . Laagern, lagern; täsigen, einladen; 
länen, v. rec, sich lehnen, de Läne, die Lehne, de Ldnesläujl 
oder Lanstäyjl; läwen, 1. einlecken, wie die Hunde das Wasser, 
2. laben ; Idjnken , leicht einherhüpfen ; läwern , liefern ; Idn- 
nem, lindem; täpen, läppen, flicken; Idspen, lispeln, dän. at 
läspe, engl to lisp; tasten ^ leisten, wird nur da gebraucht, wo 
man, aus Hangel an Vermögen, etwas nicht leisten oder ertragen 
kann, z.B. beim Auflegen zu schwerer Abgaben: he kän 't di 
taste, er kann es nicht ertragen; Widen, blitzen, de Läid, der 
Blitz; längen, ketten; läwern, auftrieseln, v. tr,f dpläwern, als verb. 
pass., fasern; lören und Jdrren, lauem; löwen, geloben; locken, loc- 
ken, verlocken; locken, glücken, gelingen; licknen [lickenl), glei- 
chen, ähneln; lögen, lohen, flammen, lodern, de Löge, die Lohe; 



518 

löhnen, launen, maulen, de Löhne, die Laune; ffogten, leud^: 
ten, de I^ögier, die Leuchte, nicht Leuchter, de Stmjnner; 
ken, wedeln; laummen, lammen, von Schafen; limmenf y.tr., 
men; lullen — ; lauwen, v. tr., Heu und Getreide auf den Wag^^ 
laden {lauweny als Adject.,kalin, windstill); läken, lachen; läcke^^ 
Jacken, yersiegeln; läwen, leben; lacken, lecken, einen Leck 
ben; lecken mit der Zunge heisst sldcken; lühssen, laut 
Maanen, mahnen, vergl. kräwen; fonnaanen, ermahnen; 
machen; malen — ; malten, malzen; mangeln, i. mangeln, geb^^ 
eben, Subst. de Mängel, 2. Wäsche mangeln, mangen, roll<^^ 
sie mit der Handrolle {dhi Mängetjöch, MangeWaurd an Män^e^ 
stock) glätten; matten, matten, wie der Müller das Korn; mäsfie$, 
maseben ; mäistem , meistern ; marken , küssen , de Mdck , der 
Kuss (auch üppen); marken, merken; mdlden, melden; mässm, 
fehlschlagen , missen ; auch Gottesdienst halten und vor dem 
Altare singen, de Willermdss, während der Hesse; mästen, mift* 
sen, entbehren; männem, mindern; mqjdden, mähen; misten, ne- 
beln, de Mist, der Nebel, mistig: mjogsen, misten, ausmisten, 
huhm tömjogsen, einsudeln, rec; mölken, melken, mäilk, Adjeet., 
milch , eine milche oder melke Kuh , die Milch giebt , sonst ist 
sie gSst, sieg; münten, münzen; munstern, mustern; mudsm, 
mucksen; mören, mauern. Nacken, nicken, de Näck; nän^^ttm, 
trällern; nijddigen, durch Noth zwingen; so auch nißsägen, tu 
etwas genöthigt sein; zum Essen und Trinken nöthigen heisst: 
krdsen; njütten, nützen, de Njütte, Nutzen; nillen, sich «n oder 
mit Nesseln brennen; njäsen, zaudern; nijdtugiigen , nothzüditi- 
gen ; nocken , schlucken , den Schlucken haben , da Nocke colL 
pl.; neppen, zwacken, kneipen, in die Haut; davon jö Nipp, 
der Floh, de Nöpp , ein Zwack, Kniff mit den Fingern; nebben, 
sich schnäbeln; nünnen, lullen, trällern; näigen, neigen, jo 
Näiging, Ohmen ^ athmen, de Ohme, der Odem, Athem; öfem^ 
opfern; ordnen — ; önturden^ antworten, jö Önturd, die AmU 
wort, scmst auch dät Swär , von mären; orten, vom Stallvitsh, 
wenn es das vorgeworfene Heu und Strok nicht rein auffirisst, 
orten , also : am Orte liegen lassen ; ölen , öhien , jö '(^ing , die 
Oehlung , braucht man so : dvrr hei V en gauhs Oting oder hk* 
ring ßngen , da hat er brav was weg gekriegt ; öttem , äussern« 



Packen y packen; pägen^ pichen; päpen, an der Brust saugen; 
pmren — ; palend schelfen; picken, 1. picken, 2. pieken, mit 
der Pieke; piesen und piesern, rappeln; pSnnen, verschlies- 
sen; pdrlen, perlen; passen, 1. passen, ± im Kartenspiele; päs* 
sm, pissen; plagen — ; pldcken^ fMckcn ;plücken, pflücken; plaU" 
gen, pflügen; pläshen, plätschern; placken, flecken, Flecke set- 
zen; plumpen — ; plünnem^ plündern; pläsem, im Wasser herum 
jdatschen , plätschern ; plegen , pflegen , jö Pleg , die Pflege ; pUr" 
ren, blinzeln, dän. at plire; polen, v. tr. , dän. at p\\\e;p5senf 
bausehen, von Kleidern, Aermeln u. s. w. ; preßten, predigen: 
das Subst. heisst jö oder |dät Prajtäi, die Predigt; prdcken, dän. 
at prikke, engl, to prick, de Prdck, 1. der Stich mit einer Na- 
del oder dergl. 2. der Tüpfel, Punkt, z. B. über dem i; pochen, 
trotzen ; piepen — ; prungen, tauschen , jö Prung , der Tausch ; prau' 
sen, unübersetzbar, humpeln, pfuschern, stümpern, aus Unge- 
schicklichkeit mit einer Arbeit nicht fortkommen können und sie 
dadurch verderben ; äujnhupprausen, einem eine Sache , eine Arbeit 
so verwirren, dass sie nicht wieder gut gemacht werden kann; 
jö PrauhSy i. eine elende Rennkerze, bei der man immer im 
Dochte stochern {prausen oder purren) muss , 2. ein Frauenzim- 
met, das prauset; de Prauser, der prauset; purren, 1. stochern, 
im Lichte , an den Zähnen , daher , % aufwecken , 5. reizen ; 
forpurren, tr., vereiteln, einem sein Vorhaben; prdnten, dän. at 
prente, mit Fracturbuchstaben schreiben; pulsen, putzen, jö Puis^ 
4. der Putz, 2. der Possen; prälen, prahlen; pumpen — ; pjärsen^ 
pressen; pulshen, im Wasser slören, de Pulsher oder Plumpstöck, 
die Störstange; pulen, pfählen, einen Zaun; pietshen, peitschen; 
pragein, i. stricken, da Präglc, die Stricknadeln, SinguL de 
Pragel, % prickeln, 5. vertauben, von den Gliedmnassen. Bogen, 
i. den Bart scheren , 2. tohuperägen , zusammenraffen , schieben , 
dahlrägen , herunterschieben , z. B. vom Tische , ämrägen , etwas 
umrühren, z. B. Korn, torägen, das Feuer verwahren, es mit 
Asche bedecken ; jö Rähg , die Ofenkrücke , dän. en Rage , engl. 
a rake; de Rage wird so gebraucht: wenn jemand in seinen 
Vermögensumständen nach und nach so zurück kommt, dass er 
sich nicht mehr zu helfen weiss, so sagt man: dät ds äfven Rage 
mi hdm , gleichsam auf dem Leeren , Nackten ; ferner , wenn ein 



320 

Kranker faselt, oder ein dem Tode Naher das BeUzu[rfen 
ginnt, dann ist es äw 'en Rage mit ihm; rächen, mit (o, eins^^^ 
dein, übel zurichten; raupen ^ raspeln; rtkU^n^retteB; raaseut 
sen; raaieln, taumeln; räicknen, nach etwas herumkramen; ri 
sägen, dän. at randsage, überall, bis zu Rande, naehftu$li^^ji 
forschen; ndlen, rollen, jö Ihdl; rocken^ dän. at rokke, v^^nn 
Fleck rühren, bewegen; riwen^ rechen, harken, von jö A^/ 
rebbeny rülpsen; rausem, rudern, steuern; rteken^ räueborii; 
rägneny rechnen; ru^lten, muhen; rimmen, reimen, do JBkm, 
der Reim; ranken, ranken; robben, rupfen; rippen, i. ferh. iotp 
pers. , reifen; % v. pass. , reifen, als: da PWme rippe; ruhmiit 
üUrühssen, ausstürzen, ausrüllen, von alten Wällen, Mtuem, lb 
dergl. ; ru^en — ; ro$en, faulen; tdhupperoiten, zusammenrotten; 
rüsen, ritzen; röwen , vernarben, von Wunden; ruken, scfaobeai^ 
V. a. intr. Sägen, sägen; sägnen, vermissen; sällen^ satteln ;iti- 
si^efi, sättigen; sacken, mehr zusanunensinken, vom Korne ittA 
dergl.; säujnnen, sanden; sännen, sinnen; sömen, v. rec, richiiftr 
men; sören, siechen; siepen, seifen; fällen, gleichen; aätoi» 
salzen; sulwen^ salben; secken, sacken, im Sack fmiea:.4a £iK 
seckei gäujd , die Gerste sacket gut ; shälen , schälen ; ^mfenü 
schaffen, herbei; shäcken, 1. v.rec, sich schicken, 2wtr.,; spu- 
ken ^ senden; shaamen, v. rec, sich schämen; shänkm (shängd^^ 
schenken; sägnen, segnen; säppen, vom Wasser, das.. aicbK.-iMM, 
feuchtem, nassem Boden und Rinnen in ;eine Grube zieht;, dah«»i 
jö Säppköhl; shäsen, schaden, de Shäse; sägein, s^egelUi; sikmik^- 
zischen; säkern, sichern; sldcken, lecken; sUscken, mit.«Mi^^> 
ken, wägslucken, sich beschämt und muthlos davon schleloheo;, 
shläbben, schlabbern; slimmen, schleimen; slägtigen, ßch]siQhtABi. 
slubbem, schlürfen; slieren, schmeicheln, liebkosen; spgen,^ y»-..UkV: 
saugen; sögen, v. pass., de Bräi stöntan söget, von der.am^^i^;^. 
stehenden Grütze , in welche die Milch allmählig eingesQgen<i«g«ft;^^ 
shräwen, 1. schaben , 2. striegeln; sAutMen, schütteln '„shämn, 9^U^ 
fen; shölen, 1. gesenkten Blickes, wie ein HühnerdietU,»^v%4^ 
herschleichen: he gungt an shöht, 2. an einen Ortgc^hen» wo.jonip^ 
vor Wind und Regen geschützt ist, daher jö Shölil; .9b4fiUm^:, 
(huJim), V. rec. , sich sputen; shulpen, 1. Flüssigl^eiA^. in ^o^ni, 
Gefässe umschütteln , 2. wuwershulpen , überschwäppern , z. f^^^dl^. 



521 

Wasser im Eimer, wenn er zu voll ist; ßhunlgen^ schonen; sMf'* 
pen, schärfen; shimpen, schimpfen; snurren^ schnurren; smrenf 
bestricken , in Schlingen fangen ; snägen , schleichen , davon jö 
SndgQf die Schnecke; shrulen^ brüllen, aus vollem Halse schreien; 
shrdcken, schrecken, de Shräck; shrädden, mit tö, einen Richt- 
steig gehen , oder schräg hinüber ; shrämmen , schrammen , jö 
Shram; shacken, hocken, in Hocken setzen; shräjnken, mit in, 
einschränken; shraaien, 1. v. tr., nur halb gar kochen, 2. 
schroten ; shrubben , v. tr. , schrubben , scheuem , kratzen mit 
steifen Bürsten und Besen, z. B. den Fussboden (de TSle) und 
die MUchbottiche (da Fähse, sing, dät FSt); stäntem, schlendern; 
släsem, plaudern, klatschen; släwen, schleppen; shäiteny besteuern; 
shären, kratzen, wenns einen wo juckt, jucken; shäwen, sich 
gebehrden; shurwen, zernagen, wie die Mäuse; shrocken, etwas 
kranklich sein , von Menschen und Hausvögeln , die dann auch 
keine Eier mehr legen ; shrögen , bezeichnet den unreinen Ton 
eines irdenen Gefässes, das einen Riss oder Sprung hat; sägein, 
in Ohnmacht sinken; skknen, seufzen; släsen, im Schlitten fah- 
ren; släppen, schlaffen; slürren, aufschieben, hinstehen lassen, 
de Slürre, die Saumseligkeit; smägen, schmecken; smdtten^ 
y. iT.f schmitzen» bei den Webern, die Schmitte (dät Sndtting) 
auf den Aufzug werfen und einstreichen; smSlen^ lächeln; 
smoke» {smökt), schmauchen; snäken, sprechen; snärken, schnar- 
chen , auch snärrigen ; spalen , spielen ; sparen — ; spaaiten , 
spritzen; sparen, spüren; spirren, i. keimen, 2. sprossen; spds- 
sen, spitzen; sprdwweln, strampeln; späfisen, spiessen; spijllen, 
y. tr. u. pass., spalten; spucken, v. tr„ Speichen, ein Rad; sonnem, 
¥• tr., sondern; spihssen, speisen; spoten, i. spotten, 2. flecken, 
Flecke setzen, davon spotsh^ spöttisch, und spotig, fleckig, wie 
in «<imnißrsp^%, sommersprossig; splähsen^ v. tr., splissen, ein Tau; 
splmtem^ v. pass. u. tr., splittern, splinternäi, dän. splinterny , na- 
gelneu, splinternägel , splitternackt, nagelnackt, ein Doppelwort; 
sprdinken, v. tr., sprossen, eine Leiter, yon Sprdinke, die Sprosse; 
spütten^ ausspucken; spünnen^ v. tr., spunden; staaweln, mit üU, 
die Pfeife ausräumen , dät Staawling , das Ausräumsei ; stäjcken , 
in der Asche braten; stäpen^ stapfen; forstaalen, verstählen; 
stammen , v. n, — ; stämmern , stottern ; stämpen , stampfen , de Stämp , 

4i 



522 

€10 Stampf mit dem Fusse, jö Stämp^ die Stampfe, Stempel, 
SiömpeTi der Ladestock, und stdmpeln, stempeln; snaucken, s\ 
bern, de Sfiauckhünn, der Stöberhund; (dät Snauck in Killsnaue^:;^ 
der Eesselhaken über dem Feuerheerde, und Lämpesnauck, ^m^ 
Lampenkette zu einer Hängelampe, sind nicht von snaucken, ^^^ 
bern, sondern von einem andern Worte snaucken^ welches ^^^2,/. 
ziehen und niederlassen bedeutet, abgeleitet); snauppen, schi^^if. 
pen , sagt man vom Yieh , wenn es über dem vorgeworfoioei) 
Futter steht , ohne davon zu fressen ; ebenso von Menschen , "veoa 
man etwas Angebotenes, besonders Essen und Trinken, aus- 
schlägt : wäfit nint hewe , so kaäst snauppe , willst du nichts Al- 
ben, so kannst du zusehen; stoppen, i. stopfen, 2. steppeo, 
jö Stöppneil, die Steppnadel; staurken, mit ämbäi, herum st(N^ 
oben, von jö S/aurA; , der Storch; stiften — ; strafen — ; stuwen,mi 
dpy aufstofen, z. B. Kartoffeln, Birnen, geslofte Speisen; sliM- 
fon, strahlen; strömmen, strammen, von stramm, stramm, was 
nach allen Richtungen seiner Weite stark gespannt ist, z. B. ein 
vollgepfropfter Sack, stramme Hosen; bloss der Länge nach stait 
gespannt heisst struff, straff; sträujnnigen , t. pass., stranden; 
stringen, mit äujn, anstrengen; sträwen, i. streben, 2. slreiten, 
zanken; struhmmen, strömen; strulen, strullen , gewaltsam in ei- 
nem dicken Strahle herausfliessen ; stocken, anstücken; stüekm^ 
Torf stauchen, daher de Stücke, eine Stauche Torf; stun^^ 
von stump , stumpet , stumpfen , v. tr. ; staurmen , stürmen ; stumi' 
gen , sündigen , de Senne , die Sünde ; forsunigen , versöhnen ; 
forshunigen, verschonen; sjühsseln, dän. at sysle, susseln, pässehi; 
swieren, in Trinkgelagen schwärmen ; stiwwen, v. tr., steifen; sImk 
wem, gerinnen, vom Blute; spkkem, annageln; sörrigen, i, mh 
gen, 2. trauern, jö Sörrig, i. die Sorge, 2. die Trauer; sirilm, 
sich bäumen , von Pferden , aber nicht reciprok ; sülten , sulten , 
gekochten Speck in Salzlake legen; dat Sohl heisst die Salzlake, 
davon dat Süllt, die Sülze; sunicken, zwicken; swäcken, sehwi- 
eben. Taageln, v. tr., zagein, von de Taagelj der Zagel; täeken, 
V. tr., auszacken, de Tack; tählen , einen losen Boden legen, 
die Ilille, also hillen, zu Heu und Getreide: dat Tälif%g , die 
Uille; tdlten, v. a. intr., zelten, Zehe aufschlagen, wie beioi 
Eindeichen eines Koges, im Feldlager, u. s. w.; latnen^ z.B. hekint 



^ 325 

ii tarne , er kanns nicht übers Herz bringen , sieh niehl bezäb* 
men, es zu thun; ndjectiv tarnen, Tämenhäidy ohne Zeitbegriff., 
wie fräien, manngierig; täpen, zapfen; täsen, necken, reizen, 
anzapfen, täsig , gricklich, leicht gereizt, Täsighäid; tienen^ die- 
nen , de T^st ; tiemen , diemen , das Heu , von jö Tiem , der 
Fahrzaum ; taakeln , takeln ; tiescn , auszupfen ; tämsen , von de 
Toms, die Seihe aus Haartuch, auch Haarsieb, daher seihen und 
ffleben, sichten; tirren, v. tr., aufreizen; turen, ihtfknen; tjäsen, 
albern schwatzen; tagten, dicht machen; tieknen, zeichnen; trag- 
ten , trachten ; trägtigen , trichtern ; trampen , trampen ; trümmeln , 
wälzen, rollen, purzeln; trästen, trösten, deTräst; träwen, traben, 
jö Träw, der Trab; treten, trillen; trüwwen, drohen; twelen, sab- 
bern, quielen; tuten, tuten; tugtigen, züchtigen; twihesen^ flüs- 
tern, wispern; trdcken, ziehen; tingen, dingen, feilschen; tun^ 
nem, donnern; twagen, kleben; twägen, mit auf (ab), auflwägen, 
z. B. ein dickes Stück Brot ; trdlen , zaubern ; tdnken , danken , de 
Tmk, der Dank; twSnen, verb. regul. und irreg., zwirnen, davon 
im Tu^ärn, der Zwirn; twjämen, quernen, von jö Twjäm, die 
^erne, Handmühle, ügen, v. a. intr., arbeiten, beschäftigt sein, 
^fttiugen, foTiSiTbeiien luhsen, v. tr., schöpfen ; uken, v. tr. undpass., 
weichen, einweichen; ursen, lenzen, Frühling werden, von de 
ükrs. Wären, i. währen, dauern, 2. v. tr. , aufbewahren, 5. v. 
ree., sich wahren; wälen, welken; wdjnken, winken; wändern, 
wandern; tra/Zern, i. wälzen, 2. wällern; wdddem, sonnen, wittern, 
durch Luft , Wind und Sonne trocknen , z B. Betten , Kleider , Heu 
u. s. w. ; waatem , v. tr., einen Zeug wässern ; wähsern , wässern ; wdck- 
se^fi, wechseln, deWdckset; waaiten, winken; wärken, schmerzen; 
wärrigen, dasselbe; wirrigen, erwürgen; wirken — ; wicken, wei- 
dien; wüten, weissen; wählen — , jö Waal; waagen, 1. wagen, 
2. wachen; wdnshen, wünschen; wäggen, wiegen, von jö Wägg, 
die Wiege; wannen, wannen, das Korn in der Schwingwanne, jö 
Wonnüjlling ; wjärdigen, würdigen; wjdrpelnn worfeln; wippen — ; 
wSlen, ausruhen; wuppen, ähren, Aehren setzen, von jö Wupp, 
auch: die Aehren mit dem Aehrenbesen (de Wupper) abfegen; 
wüwwen, weihen, von jö Wöff, d.i. beiliegen, beiwohnen; wröten, 
wühlen, von Schweinen, Maulwürfen u. s. w. ; wäigen, auf und 
nieder wiegen; we/e)», wetzen; walken, walken; widdcti, ütlwidden, 

41 ♦ 



524 

ausweiten, erweitem; wontem, wintern, auwerwontern, überw*--»-^ 
tem; forwirren ^ verwirren; iwiwnem, wundern, u. s. w. 



Sinnverwandte Wörter aus den Zeitwörtern. 

§.214. 1. At^agtnämen, in Acht nehmen; shunigen^ scbaoen. 

2. Amngungen, angehen; shijtten, scheren, kümmern; bäikamn. 

5. Sieen, sehen; laticken, das deutsche lugen, engL to hok; 
kiecken, gucken; de Lauche^ der jedem Menschen eigenthümliehe 
Blick: he het en fölen Zaticke, einen bösen Blick, sieht verdäebtig 
aus den Augen. 

4. Biesen, sich aufrichten; dpstäujnnen, aufstehen; a/uwer^nM- 
stäMJnnen, aufstehen, wörtlich: überendestehen. 

5. Finnen, finden, üttfinnen, ausfinden, dpfinnen^ erfinden; op- 
dSgen, entdecken. 

6. Vtt fairen , ausführen ; ijnnen , beendigen , vollenden ; fltllßm, 

7. TJäsen, piesen, piesem , gasen, släsern,twittwädden, iis^ämt 
snicksnäken^ trindmsnäken , trinämmeruken, lauter Wörter für al- 
bernes, leeres Schwatzen; die weiblichen Hauptwörter sind hier 
folgende: jö Tjähs, }öPiehs, jö Göhs, jö Twiltwädd; diemännlidum 
bekommen meistens die Endung er, als: deTjäser, Pieser, Cöier, 
Släserer^ TwUtwädder, Trindmsnäker^ en Trindmmeruk. 

8. Fläsen, ausplaudern; släsern, klatschen; eßersedden, nach- 
sagen; de Fläspöse, der Ausplauderer; }ö Släsertäsb, die Plaude^ 
tasche, Klatscherinn. 

9. Üttmägen, ausmachen; bäiledden, beilegen; aufmägen^ abma- 
chen; sljdgten, schlichten; äujnt Rogt bringen, zu rechte bringen. 

10. Blaasen, blasen ; jm^/en , pusten; ahmen, athmen; hdchm, 
hauchen; de Hoch, de Püst. 

11. Snöwwen, schnaufen; snäiveln, durch die Nase sprechen. 

12. Hemen, hieben; trungburstig wesen, engbrüstig sein; iaart- 
ohmig wesen, kurzathmig sein. 

1 5. Tjögen , anschaffen , mjntjögen, dasselbe ; daher alle Kleidung«* 
stücke, alles was man auf einer Reise mit sich führt, alles Tieh 
mit dem Gollectivum dät Tpch bezeichnet wird, nd. dat Tüg. 

Trogen ist auch vor Gericht zeugen, de Tjöge, der Zeuge. 



525 

i4. ToUdden, zulegen» Kälber, Länuner, Füllen; dpüemt auf* 
ziehen, gross zieben; dpfausem, auffüttern u. s. w. 

15. Befähsen, v. rec, sich befassen mit; außewen, y. rec., sieb 
abgeben. 

16. Behüwen, bedürfen; brücken, 1. brauchen, 2. gebrauchen; 
nöhssig hiwen; jö Behäiw, der Bedarf; de Brück, der Gebrauch. 

17. Beßlen, befehlen; bijdden, gebieten; farcrdnen, faarshriw' 
wen; de Befahl, dat Bodd, jö Forordning, jö Faarshrdft, 

18. Bespränken, besprengen; bespaaUen, bespritzen; bespöten, 
befleck^i (sonst auch bespotten), betüpfeln; deSpaaü^ der Spritz; 
de Spät, der Fleck, dat Spot, der Spott. 

19. Befrieny befreien; forliesen, verb. reg., erlösen, entbinden; 
rddden^ retten; (forliesen ^ v. irreg., verlieren, de Farfjüst}; aus 
jenem: jö Forliesing, die Erlösung; jö Bdddning. 

20. Besörrigen , besorgen ; bestallen, bestellen; üttrögten, ausrichten. 

21 . Begeren, begehren ; forlingen, fordigen, verlangen und fordern. 

22. Bdgtigen, beichten; bekännen, bekennen; tostät^nen, ein- 
gestehen; ]öBdgt, die Beichte; ^o^/äujnnen ist auch zustehen , daher 
de Tosiänd, der Zustand. 

23. Bliwwen, bleiben; täiwen, warten; huhm dphüjllen, sich 
aufhalten; dat Aphüjll, der Aufenthalt, die Hemmung; dät Äp' 
äiu^thüjlly der Aufenthaltsort. 

24. Belesen , beladen ; befragten , befrachten ; bepacken , bepacken. 

25. Waamämen, wahrnehmen; ägtjewen, Acht geben; awmärken, 
aufmerken; dpmärken und dphieren, hoch aufhorchen; dphieren 
ist auch einem seine Lection überhören. 

26. Bjdrsten, hersleu; riwi&e», reissen ; springen, springen. 

27. Beräiren, berühren ; befählen, befühlen ; begräbbeln, begrabbeln. 

28. Besieen, besehen; besigtigen; belrägten; jö Beirägtning. 

29. Huhm besännen, sich besinnen; huhm betanken, sich beden- 
ken; huhm sammeln, sich sammeln; tohuhmsellew kämen, zu sich 
selbst kommen; huhm bedärrigen, sich sammeln, wenn man 
plötzlich aus einem tiefen Schlafe, einer Ohnmacht, oder dem 
Rausche erwacht; vom Ungewitter gebraucht , heisst es sich legen. 

30. Reken^ recken; tieen, ziehen; strSken, strecken; dät Töch, 
l.der Zug, 2. das Mal; de Töhg, pl. Thöge, der Zug, Streich. 

31. Häm sömen, sich ziemen; hdm passen, sich passen; hdm 



526 

shdcken, sich schicken; hdm mjnstmjttnen^ anstehen. 

52. BSreUy Geld heben; tfifuime», einnehmen; häwen, }öHäwir--^ 
die Hebung auf einer Amtstube, u. s. w. 

55. Tonken, danken, tänksedden, danksagen, fortönken, verdanlL^^ 

54. Gunnen, gönnen; u;(m5/<efi, wünschen, einem etwas. 

55. Häiern, haaren; fähsern, mausern; hüdden, sich häuteo. 

56. Stridden, streiten, rechten; slräwen, bloss mit Worten ti^/. 
etwas streiten; tjdwweln, sich zanken. 

57. iHihggen, thun; mägen, machen; forrogten, verrichten. 

58. Bimien, binden; kneten^ anknoten, dureh einen Knoteo. 

59. Heipen , helfen ; bäistäujnnen , beistehen ; jö H^lp , de Büständ. 

40. Regieren, regieren; räßdden, freie Handhaben; waitoMen 
hkoen, was zu sagen, zu befehlen haben. 

41. Holen, heulen; tijUen, aus vollem Halse schreien; simtkn, 
brüllend schreien; brulen, brüllen; dät Tot, Getöse, Lärm, Gezänk u>.&w. 

42. Lärmen, lärmen; daawen, toben; rdbällern, schmetterndes 
Geräusch machen; dät Ldrm, dät Rdbdller, 

45. Haxen, hexen; trolen, zaubern; forhdxen, behexen. '■' 

44. Hieren, hören; hdrken, horchen; Uren oder lörren, lauern; 
hieren und hdrken heisst auch gehorchen. 

45. Höppen, hüpfen; hdjnken, auf einem Beine hüpfen; halim, 
hinken, hinkend sein; de Höpp, der Hüpf. 

46. Kldjngerny klingern (Veröfterungswort von klingen); «^ 
geln , rasselnd klingen oder klingend rasseln , als verb. pass. ; skr^n- 
geht, dasselbe als v. act. intr. Alle drei Wörter bezeichnen das 
hell oder klar Lautende im Tönen klangbarer Körper, besonden 
der Metalle und des Glases. Kldjngern geht aber mehr auf das 
andauernde Erzittern des klingenden Körpers; rdjngeln mehr auf 
die Wiederholung des Klanges, und $hrdjngeln zugleich auf die 
veranlassende Ursache. Ein hingeworfenes Silberstöek Jkuf eioft 
harte Unterlage, eine freihangende Stahlstange, die man dareh 
einen Schlag mit dem Hammer erschüttert, und ähnliche Dnge 
klajngern; ein auf der Landstrasse daher fahrender Wagen, aut 
weiten Achsenbüchsen und lossitzenden Lünsen (Lense), rdjngeli; 
so auch die Schlittenschellen , und insofern sie «durch die Bewe* 
gungen des Pferdes oder durch eine Menschenhand zum Klmgen 
gebracht werden , shrdjngelt man damit; daher nun auch jö Bdfn" 



£)leboss und jö Shrajngleboss, in diesen beiden Beziehungen für 
Schellenbüclise, dän. en Ranglebösse, von Rangle, die Schelle, 
fries. jö Rdjngel, und ein Henkeltopf mit zwei Henkeln. Das 
deutsche A:/in<;en heisst auch im Fries, klingen; aber nur ein, etwa 
zum Nothbehelf gebildetes, Yeröfterungswort klingem könnte dem 
fries. Worte kläjngern entsprechen. 

47. Bögen, kloppen, bänken, heissen alle drei klopfen, pochen 
M. s. w., jedoch in verschiedenen Beziehungen; bänken bezeichnet 
«in starkes Klopfen; vom Pochen an eine Thür braucht man bän- 
ken und bögen; Kluhse bögen, Wäsche klopfen; dät Bögshom, der 
Släueltiseh; de Kluseböger , der Bläuel, das Bläuelholz; huhm äw*e 

Shullere kloppen, ät^'e Häujnne kloppen, u. s.w. 

48. Lienen, leihen , ^o /ien , zur Leihe; faarshijUen, vorschiessen ; 
auledden, auslegen. 

49. Lmen, lehnen; stippen, stützen. 

50. Lieren, lehren; unnerrögten, unterrichten; unnerwihssen, 
M. Prihssen, preisen; üttstricken, herausstreichen; prahlen — ; 

^iUspregen. 

52. Locken, locken; Sggen, toeggen, verleiten, anreizen zu. 

55. Huhm äjttdregen , sich gebehrden , betragen ; äjtlberen , 
dasselbe; huhmtieren. 

54. Daadein, tadeln; äw wat üttselten, aussetzen; hijn mägen^ 
schlecht machen, herabsetzen. 

55. Huhm wdt iihgwittigen , einem Vorwürfe machen; huhm wat 
unner^e Naas riwwen, einem was unter die Nase reiben; shönklüt- 
ton, verläumden, einem Schandflecke anhängen; beshänklütten. 

56. ßlalden, melden; bekänd mägen, bekannt machen; wähse 
Hatten, wissen lassen; mddielen, mittheilen. 

57. Mdmägeny mitmachen; eßermägen, nachmachen; Sßeräwen, 
nachäffen; Sfterduhggen, nachthun. 

bS. Jtfö«ern, modern; /bnwöser», vermodern; /örtt;cse» , verwesen ; 
raie», faulen, morschen; forrösen, verfaulen; dprösen, durch- 
faulen. 

59. Mienen, meinen; gdssen, engl, to ^uess ; häiwen, wähnen; 
formausen wesen, vermuthend sein, vermuthen, jö Formausing; 
tanken, denken; lieweHf glauben; tdjnten, däuchten; faardriwwen, 
einem vorschweben. 



528 

W. Draien, drehen; kieren^ kehren; wijfmen, wenden; mek 
drehen, z.B. den Schleifstein, ein Rad u. s. w., dän. at snoe. -~ 

61. Dullen, dulden; lihssen, leiden; üttstaujnnen , audsteh 
ütthvjllen; düliig, jö Düllighäid, Geduld, Duldsamkeit. 

62. Um y eilen; hasten, hasten; jä^en; huhm' shäjnten , sSch^i^^. 
ten; jö Ihl, jö Hast, jö Jagt. 

65. Inpremten, ein^TBgen; inshdrpen, einschärfen; äw^t 0iir^ 
ISdden, mjn't Gewäten shdrpen. 

64. Jfi^/o^^^ einschlafen; t6släipen, einschlafen; w^ SlSipfil- 
len, in Schlaf fallen. 

65. Intvijnnen, einwenden; wiksserspregen^ widersprechen. 

66. Fukggen, ß^, kriegen; erhüjllen, erhalten; erlingen,ethn' 
gen; bekämen^ bekommen. 

67. Äujntgmgen , entgehen ; äujntkämen , entkommen im^wigm, 
äujntwäig, mjntwägen, entweichen; mijntluppen, entlaufen; üi^ 
springen, entspringen. 

68. Mjärden, morden; dmbringen, umbringen; düjdsfuhgjen, 
todtschlagen ; dählsluhggen, erschlagen; dm't Liff bringen, Otti 
Leben bringen; fon't Li/f bringen, durch ewiges Plagen tmd Quä- 
len; wirrigen, erwürgen. 

69. Hukm äujntsetten, sich entsetzen; huhm for fairen, erse^fi^' 
ken; fuch oder trong worden, erbangen. 

70. Stellen, stehlen; ruwen, rauben; mühssen, mausen. 

71. Apluppen , einholen, jemand; inhalen, einholen. ' 

72. Fällen, fallen; stjärten, stürzen; dählsdjnken, medersitilktVL 

73. Fdgten, fechten; stridden, streiten; kimpen, kämpfen; fvr^ 
sein, ringen; deSlridd, de Kamp; de Kimpe, der Kätiipe, HeüAe, 
Riese, Recke. •'''' 

74. Stilen, sanft dahin fliessen; flijtten, fliessen; struhmn^'i 
strömen; strulen, struUen, de Struhl, der Wasserstrahl; dat<!M(, 
der Fluss, jö Fläujdd, die Fluth, de Struhmm, der Strom. ' *" 

75. Aehsen, essen, von Menschen und Thieren; splhsBen, a^i- 
sen; frehsen, fressen, allein von Menschen; de Fräthe, gtohets 
gemeiner Ausdruck für Mund, die Fresse. , ,V 

76. Miesen , meiden ; formiesen, vermeiden ; ävjntgongen, entgehen. 

77. Bldjnken, blinken; gldnnern, glimmern, glittern; glinihi^ 
glänzen; shenen, scheinen; glamen, hervorschhnmem; s^ämnierw^ 



schimmerD, däininern; davon: de BU^fik, de Glms, de iS/iin, de 
Gläme, engl, a gleam. 

78. Fairen^ führen; Hjdden, leiten; s^iürrenf steuern, lenken; 
jö Fähr^ jö Faur, jö S^jürr. 

79. Fi^dden, gebären; bfdrnen, geboren werden , kindein; ä^jfi't 
SöUembedd kämen, ins Wochenbett kommen; to Iddden kämefi, eu 
liegen kommen, geliegen, 1 Sam. 4. vs, 19, 1 Kön. 3, 17; äußnhup' 
smilten; min Mudder het me feet, geboren; wanne bäst bjämet? 
wann bist du geboren? fäjdden heisst sonst auch ernähren ,. un- 
terhalten; daher jö Fäihs, der Unterhalt. 

80. Shänken, schenken; forihren, verehren; jöForihring, Geschenk» 

81. Bögen, gefallen; behagen — ; ä^instmynnen, anstehen. 

82. Löwen, geloben; forspregen, versprechen; taaedden, zusagen. 

85. Kläisen, mit den Nägeln die Haut zerkratzen; riwwen, 
reissen ; grdwwen , mit den Nägeln aller gekrümmten Finger packen. 

84. Shmmmeln und rummeln, Klangwörter, rumpeln, u. s. w.; 
jö RummelpoU, Rumpeltopf, ein Spielzeug der Kinder, ein mit 
eijMr strammen Blase überzogener Topf. 
. 85. MunMneln, murmeln, nörgeln; knurren, knurren. 

86. Krögen, drücken; pjärsen, pressen; klammen, klemmen; de 
l^a/rae^ die Presse; jö Klamm, die Klemme, der Kloben. 

87. Säjcken, suchen; räicknen und r ansägen, s. §.215, S. 520. 

88. Rippen, regen; räiren, rühren: he kön fiam äi rippe an 
räire, d.i. regen und bewegen. 

{Bippen, reifen, l.alsv.pers., reif werden, 2. als impers. , es reif t , 
sind die beiden andern Bedeutungen dieses Wortes). 

89. jP%e», pflegen; huhm to Gause duhggen, sich gütlich thun. 

90. Nijddigen, durch Noth zwingen; nijdsagen, nothgedrungen 
sein. 

91. Späien, speien; huhm bregen, sich erbrechen; huhm auwer^ 
jiwen, sich übergeben; dät Spätling, das Ausgespieene. 

92. Läßnken, leicht einherhüpfen; höppen, hüpfen; springen — ; 
glaaien, schlüpfen; de Ldjnk, de Höpp, de Spring. 

(Glaaien heisst auch glühen; üttglaaien,Y. tr., ein Eisen ausglühen). 

9Z^, Bregen, tragen; leßen, heben; beren, baren, nd. boren, 
däiu.at bare; jö Bragt^ Tracht; de Bare — ; da Bere, nora. coli. 
pU. 4il& .jQebehrden ; huhm i^ttberen, sich gebaren und gebehrden. 



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530 

94. Friesen, frieren; kölligen, starke Kälte empfinden, von 
Kolle, die Kälte; de Froste der Frost. 

95. Tünnen, schwellen, v. pass. ; äptünnen^ anschwellen; ^ 
luppen, dasselbe; de Tünnelse, die Geschwulst. 

96. Hdm hijnnen, sich ereignen; hämdräwen, sich trej^^n. 
hdm todregen, sich zutragen; jö Hijnning, das Ereigniss; de ^ 
fällf der Zufall; de Slump, der Glückstreff, sonst auch: Hen^, 
Masse. 

97. Hijnnen, v. tr., mit den Händen auffangen ; dpfängen, 

98. Jjnnen^ faurtshridden, fortschreiten mit der Arbeit, dem 
Ende zu. 

99. Mingen, säumen; njäsen, zaudern; tögern, zögern; smm, 
säumen; prausen^ aus Ungeschicklichkeit mit einer Arbeit niebt 
fortkommen. 

iOO. Shdcken, v. iv,, schicken; sijnnen, senden; jö Sijnning, Sendung. 
iOi. Huhm shdcken, sich schicken; huhm dp fairen, sieh auffäh- 
ren; huhm äjttdregen, sich betragen; jö Apfäiring. 
i02. Begannen, beginnen; äujn fangen, anfangen, ie Ai^nfätii» 

105. Begdnnen, äujnfängen, äpstdllen, als: wdt shdll ick nö m^ 
fanget he wijt äi, wdi'r nö dpstdlle shdll; wdt begdnmt dö? ms 
beginnst du da? 

404. Begeren, begehren ; farlingen, verlangen ; fordigen, forden; 
dät BegSren; dät Forlingen; de Forlängst, die Sehnsucht; jö F»' 
dring, die Forderung. 

iO^. Neren , nähren, ernähren; fajdden, beköstigen, füttern; 
unnei'hüjllen, unterhalten; jö Näring, jö Fäihs. 

106. Huhm weren, sich wehren; huhm fot^swären, sich verant- 
worten, vcrtheidigen ; }öWdhr, Kräfte zum Verthcidigen ; jö fW« 
swär, die Fürsprache. 

107. Tresen, v. tr., treten; deVrdertritjoJfnert, der Erpel tritt 
die Ente; überhaupt vom Begattender Vögel; j^nn^en, v<tn, von 
grossem Säugethieren ; von Menschen, in der rohen Gesindel- 
Sprache: wöwwen, weihen, und miecken, von }öMieck, dieMuUo» 
scheide. Die weibliche Schaam heisst im Allgemeinen jö Puh»s; 
das männliche Glied, ^e Pille; der Hodensack, de Pung (Beutel), 
und die Hoden, da Stierte, Steine« 

108. Bdggen, bauen; dpbiggen,. aufbauen; dpfäiren, aufführen; 



apsttten, aufsetzen; jö J(jnbdgg, ein einzeln liegendes Haus. 

109. Fölligen, folgen; efterkamen, nachkommen; jö FöUig, die 
Folge, de Efterkdmst, die Nachkunft. 

ilO. WaageUf wagen; dürren^ dürfen; huhm fordtisten, sich er- 
dreisten; dät Liff äujn'e Waag sStten, das Leben wagen. 

41i. Trisen, v. a. intr., treten, schreiten; stäpeUy stapfen; de 
Trähs, der Tritt; de Trahs^ gewöhnlich im Plural/ da Trähse^ 
Trittbölzer wie am Webstuhle, an der Orgel u. s. w.; de Stäp» 
der Stapf, ein langer Schritt; de Släpe, die Stapfe, in Fäi^U' 
s^pe, Fasstapfe, Eindruck vom Fasse; dGTrislapey ein hölzerner 
Bock mit drei Füssen; dat Stäpstähs, der Stegel zum Ueberstei- 
gen; strädden, greten, grätsdien, jö Sirddd, die Grätsche, engl. 
lo stride, Subst. a stride. 

112. FlSten, umziehen in ein anderes Haus; dmtieen, umziehen; 
dät F/%auj(^, Umzugsgut; deBäjttünge, collect, sing., dieFahmiss; 
aucb die fahrende Habe einer Braut als Morgengabe, von deB^Ue^ 
das Bischen, also: die Bisslinge, Kleinigkeiten. 

115. SwömeHy schweimen; amsägelUf ohnmächtig hinfallen; de 
Swöme^ die Ohnmacht. 

ii4. Kriepen, kriechen; kriwweln, krauein, von Insecten, und 
von Menschen, auf allen Vieren kriechen; kldwwern, klauem, 
hinankriechen, von jö Kldw, die Klaue; davon wieder de Kldw' 
wer, der Klauer. 

115. I^aagen, lügen; häien^ die Unwahrheit sagen, um die 
Wahrheit zu verheimlichen, engl, to hide; jö Lägen, die Lüge, 
de Lägner und Lägenier. 

116. A'mbäisnöwwen, dmsnöwwen, dpsnöwwen, dpsntmcken, alle 
herumstöbern, aufstöbern, auswittern. 

117. Sldjuken, schlucken, hinunter; swälligen, mit dähl, ver- 
schlingen; jö Sldjnk, jö Swällig^ Schlund, Schwalg; auch wohl 
jöSwielig: vergl. schwelgen, dän. at svälge, engl, to swallow. 

118. Shellewen, zittern; bdwen, beben; bäwem, das Veröfte- 
mngswort von bdwen; iöBäwerisp, die Zitterpapel, Espe. 

di9. Mäjdden, mähen, von jö Mäjd, die Math; hdwwen, hauen; 
de Majdder^ der Mäher. 

120. Rudden, rdwweln, budden. Rudden und rdwweln heisst wild 
auf und niederfahren , z. B. von Kindern im Bette , über einen 

42* 



352 

YfäW, durch einen Zaun und dergl.; davon nun dlt Rudd, ~^ij^ 
solches Loch in einem Zaun, eine Schlupfstelle über einen W^^y 
wo Menschen und Thiere durchkriechen und übersteigen: v^w^ 
engl, to rout, a rout und a rut; buddeti, sich im Staube ballen 
wie die Hühner. 

121. Slieren, liebkosen; ficheln, nd. fiecheln ; smicheln, schmeiche//}. 

12S. Kränken, kranken; sSgen, siechen; sören, quienen, hiasie- 
eben; jö Segt, l.die Sucht, 2. Seuche: Swinnsegt, Göhhigt, Wäk- 
sersSgL 

125. Flirren, blinzeln; bldjnkeft, blinken, mit den Augen. 

124. Sungem^ gellen; kldjngem, s. o. 46. 

125. Stäjcken, in der Asche braten, rösten; braasen, braten; jö 
Braahs, der Braten; jö Smurepönn, von smuren, schmoren, Ge- 
schmortes. 

126. Laken, lachen; smilen^ lächeln. 

127. Drönen, dröhnen; knäsen, krachen; shrögen, sehadbaften 
Klang haben. 

i^S. Spürren, spüren; dp fragen, erfragen. 

129. Kräjcken, spungen, knappen , von jöKräjck, die Oehse, das 
Oehr, jö Spung, die Spange, de Knapp, der Knopf; von jölmf, 
die Schnalle, kniepen, damit befestigen. 

150. Klütten, Idpen, flocken, von de KlüU, de Läpe^ de Flick ^ 
ausbessern, flicken. 

151. Ldspen, lispeln; snäweln, näseln; stämmem, stottern. 

152. Twelen, quielen, sabbern; fräsen, geifern; von dät 7M, 
der Quiel, Sabber, und de Fräse, der Geifer, Schaum. 

155. Fläien, üttbäsern, in Stand setzen, ausbessern. 

154. Fläien, ausschmücken; putsen, putzen. 

155. Sägnen, vermissen, was man nicht mehr hat, noch haben 
kann; säiknen, vermissen, was man nicht wieder finden kann* 

156. Gägnen,bähsen,njüUen, Yon dai Gagen , de BähsefdeNjitte, 
— womit auch noch de Fordijl, der Vortheil, verwandt isl — 
heissen alle Nutzen, Vortheil gewähren, nur in verschiedencii 
Beziehungen und mit feinen Unterschieden, die nur aus Beispie- 
len und dem täglichen Gebrauche derselben zu erlernen sind. 

157. Skalen mxdshijlten, differiren, dät shält, dät shütt äi fädle, 
düTerirt ^jcht viel. 



535 

458. Wällem, wälzen; tiUmmebi, wlkhen, -wällern ;rui(en, rol- 
len; kontern, käntern, Kantern kann man nur, was Kanten hat, 
z. B. einen Balken; das Boot känlert; jö Trümmel, die Ackerwalze; 
de Wällerbuhmm, die Welle oder der Wellbaum in der Mühle, 
die grosse Axe. 

459. Bändigen, bändigen; stjürren, steuern, regieren. 

iM. Prungen, tauschen; dmsStten , umsetzen; hmjttehmjtten, 
kaupeln, das Eingetauschte immer wieder gegen etwas anderes 
und Schlechteres vertauschen; y^ Prang, der Tausch; de Am$its. 

141. Erklären, farklären, üttledden, auslegen; döhssen, deuten. 

142. Forihnbaaren, vereinbaren, v. rcc; ät^ntspregen , entspre- 
chen; auwerijnskämen ^ übereinkommen, de Auwer^nskdmst , die 
Uebereinkunft. 

145. Raasen, rasen; daawen, toben. 

144. Betanken, bedenken; auwerledden, überlegen. 

145. Betijn lä^tten, räjdde läjtten: läjtt me betijn, lass mich al- 
lein darum; läjtt me räjdde, lass mich freie Hand haben. 

146. Auwertellen, überreden; tosnäken, bereden; bewägen, bewegen. 

147. Uttwirken, einem Pferde die Hufe, davon dät Wirkj&tn, 
das Wirkeisen; uttwirken, auswirken, einem etwas, eine Sache, 
die Freiheit, eine Pension und dergl. 

148. Inräcken, iöräcken: beide Wörter werden 1. von tief ein- 
gefahrenen und kothigen Wegen gebraucht , 2. von übelbehandel- 
ten Sachen, die eingesudelt und in Unordnung gebracht sind. 
Aus diesem Zeitworte rücken ist der Name Racker, der Schin- 
der, dän. en Rakker, entstanden, welches Wort aber wieder nicht 
mit Racker (ddn grotte Racker!) zu verwechseln ist. 

149. Dräjnken, trinken; süppen^ saufen; de Dronk, der Trunk, 
de Dronker, Trunkenbold; de Süpper, der Säufer, de Sdpke, der 
Schnaps. 

150. Tokiersgungen f zu Kehr gehen; ioläjttsluhggen, ein grosses 
Elaggeschrei über etwas erheben; sin Säge äujngungen, rührend 
und mit leidenschaftlichem Gefühl und Heftigkeit reden. 

Anmerkung. 

Wo die deutschen Wörter in der üebersetzung zurückzielend 
stehen, da sind auch die friesischen reciprok, jedoch mit einzel- 



00* 



neu Ausnahmen. Das Zeitwort grämen ^ grämen, hat, ausser 
zurückzielenden Form , noch folgende unpersönliche, als: däign 
me dm de, dm hdm, dm hdr u. s. w., wörtlich: es grämt 
um dich, ihn, sie u. s. w., d.h.: es thut mir leid um dich. 

Das zurückzielende Zeitwort, v. rec, hat, wenn es aligen^^^ 
steht und persönlich gebraucht wird, allemal huhm bei ^i^st, 
als: huhm shaamen, sich schämen; huhm mäu^U huhm ja hlc^, 
man muss sich ja entsehen; huhm km huhm lagt forwillige, vat^ 
kann sich leicht verirren; huhm mäujU huhm doch järst betänkf 
man muss sich doch erst bedenken ; huhm kön huhm Idglere far- 
sprege, ds forähsey man kann sich leichter versprechen, als ve^ 
essen ^ 

Wird aber das Reciprocum unpersönlich gebraucht, so lut es 
allemal hdm nach sich, als; dät fdnt hdm nög, das findet sieh 
wohl; dät drüwet hdm nö so, das traf sich nun so; dät hmd hm^ 
es begab sich; dät sömet hdm ot, es ziemt sich nicht; dätfüg^ 
hdm wäjly es fügt sich wohl; dät kön hdm lagt käme, es kaoo 
sich leicht treffen. 



ACHTES GAPITEL 

DAS UMSTANDSWORT (Adverbiüm). 



§. 215. Das Umstandswort bestimmt überhaupt, wie die Aus* 
sage zum Gründworte (Subjecte) gedacht werden , oder in wie fern 



^ Es ist schon früher bemerkt worden, dass huhm, wenn es 
nicht zu Anfange des Satzes steht , zu *m zusammengezogen wif4. 
Ich füge noch einige Beispiele hinzu, als: dät säifm, das sagl 
man; dät kön'm äi wähse, das kann man nicht wissen; dät möi'm 
ja man äi düjn, das mag man ja nur nicht thun; dirr snäket'm 
dm, davon spricht man ; wdt shdll'm'r {lies shdllemer) dp ma stalle, 
was soll man damit aufstellen ? wdt fäit'm'r faar? was bekommt 
man dafür? wdt mäujtt'm'r ja doch bdi düjn, etwas muss man ja 
doch dabei thun; wdn'm*r dmhcme köhs, wenn man umhin könnte. 
Vergleiche §.148/ über die Zusammenziehungen. 



335 

sie gelten soll, 2. B. mdn Brauser ds näilke, kaurtlkk^ elling, mär' 
Ung, Antenne, dnjörsne, longens, aiwen, nö, faar en läiet Atem- 
meny mein Bruder ist neulich, kürzlich, heut Abend, heute Mor*^ 
gen, gestern Abend, gestern, längst, eben, jetzt, vor kurzem 
gekommen; he kaum doch dntlick an tolSst, er kam doch endlich 
und zuletzt; he ds hirr nochäi äujnkiemmefi, er ist hier noch nicht 
angekommen; he kamt hiß an all äi, er kommt ganz und gar 
Bieht; he ds forligt kiemmen, vielleicht; he ds wdss, säker ktem» 
men, gewiss, sicher; he kdmt oller, er kommt nie, u. s. w. 

§. 216. Wir haben Umstandswörter i. Der ZeU^ als: Idngens, längst, 
läng, länge, faar Idngens ^vorlUngst; Mr,eher, früher; üjlUngs^sofc 
Alters , weiland ; ihrtidds, vormals, in früheren Zeiten ; ijnsen, i. ein 
Hai, ± einst, dereinst, in Bezug auf Vergangenheit und Zukunft ; aurs, 
sonst, anders; düling, elling, märling, järling , heute, heut Abend, 
heute Morgen, heuer, in diesem Jahre; lähs, spät; idder, früh; 
(tefa%, zeitig; dntenne, gestern Abend; dnjörsne, gestern; dnihr- 
fitwne, vorgestern; dnjörsne Mjdm, gestern Morgen; dnjörsne Mdd- 
däi, gestern Mittag; dnjörsne Ihremdddäi, gestern Vormittag; Ihre» 
mdddäi, heute Vormittag; Faaremdddäi, Vormittags, heute Vor- 
mittag; Sßermdddäi, auf den Nachmittag; dnjörsne enne, gestern 
Abend, siehe dntenne; dnihrjörsne enne , vorgestern Abend ; mjdme, 
morgen ; mjärnedder , morgen früh ; mjdrnihine , morgen Abend ; 
nyänzeE/i^enndc^a», morgen Nachmittag; nägtling, in dieser Nacht; 
aurdemjärne, übermorgen, zusammengezogen aus: auwer de Däi 
mjdme (über den Tag morgen); all, schon, bereits; nö, nun, jetzt; 
noch di, noch nicht; gelkk, gleich; äujn't Ugenbldck, im Augen- 
Miek; strägs, stracks; dffwen,eben, soeben; näis, neulich; näilke, 
jüngst; kmrtlkk, kürzlich; faar en läiet, vor einer Weile, vor 
kurzem; dm en läiet, über ein kleines, nach einer kleinen Weile; 
dm Däiem, des Tags, am Tage; dm Nägtem, des Nachts, in der 
Naeht; dm Mjarnem, des Morgens; dm Ennem, des Abends; dm 
Mdddäiem, des Mittags; dm Eflermdddäiem , des Nachmittags; 
am Faaremdddäiem, des Vormittags; dmWontrem, des Winters; 
dm Sdmmrem, des Sommers; dm Ursem, im Frühling; dm Hdrre- 
siem, im Herbste; ofling, oft; sälten, selten; auf an to, ab und 
2u; dän an wdn, dann und wann; mdtjdrst, mit dem ersten; 
däglick, täglich; nägtlick, nächtlich; forgingen Ihr, voriges Jahr; 



536 

dät fdrre Ihr, das vorvorige Jahr; tökämen Ihr, künftiges Jahr; 
fargingen Wäg, vorige Woche; tokdmen Wäg; aUeedder, alzufrüh; 
ältelähs, zu spät; bdll,held;älUidd, allezeit; sd/ater^ sofort; faurtt, 
gleich; tissnög, früh genug; strägs eßer, gleich darnach; hkrli^ 
bisher; jümmer^ immer; olkr, nie, niemals» nimmer; oUerm», 
nimmermehr; will und wUlerty während; sunt, seit» altd. sioti 
noch in sintemal; mhsser^ wieder; dntlick, endlich; jötidd,i9i^ 
mals; efterdäis, nach diesem; Willems, bisweilen; unn^mia, mit- 
unter; järstf erst; lest, letzt; tolist, zuletzt; järstkämend, näd' 
kämend, erst-, nächstkommend; efler, nach; hirreßer.^ bemaehi 
nachher; middlertidd, mittlerweile; khäp, kaum; bit, bis; wänaef 
wann? dann, dann; söbdll ds^ sobald als; hörr bdllF wie. baUt 
twdshe in, mitunter, zwischen durch; noch alt oder noch äUtUi, 
noch immer; dnjorsne Aagedege, gestern vor acht Tagen; diUm§ 
Aagedige, heute vor acht Tagen, oder über acht Tage; mdi^» 
sogleich; dftinge nSg, oft genug; dm mdnägtem, um Mitternacht; 
noch so ofting, noch so oft; dät*s noch en läiet häne, es ist nodi 
etwas — einige Zeit — bis dahin; hörr lung ds't sunt? wie lange 
ist es her? dirr's noch wdt to, es ist noch lang bis dahin. 

§.217. 2. Des Ortes, als; wirr F wo? dirr, da; Atrr, hier; 
jdnner, dort; atiwer, über; auweräll, überall; ällerwägen^ alierwe* 
gen; ndrringe, nirgends; bdawen, baawne, oben; baawen äw, oka 
auf; unner, unter; unner mddde, dazwischen; dele, unten; Mtf«, 
aussen; ütte, draussen; bdnne, binnen; bütte an bdnne , aussen and 
innen; twdshe, zwischen; wirr, irgendwo; unnerwäiSy unterwegfli; 
büttendicks, aussendeichs ; bdnnendicks, binnendeichs; widd, weit} 
widd wdg, weit weg; widd auf, weit ab; widd fon, weit tob; 
fier, fera; fonfierense, von ferne; stuf, hart daran; trindm, imf/h 
um; näi, nahe; tdgtebäi, dicht dabei, diclu daran; Ofi/irCi 
vorne; dnädre, hinten; fon'e büttne, von aussen, auswendig; ^ 
'ebdnnene, inwendig, von innen; äjtt, in, zu, bei; qjtt'e fltfti 
zu Hause; inne, zu Hause; fmrde, im Stalle oder der ScheMr; 
traage, in der Stube; lönwäis, landwegs; bdnne faar^ inntthalb; 
bütte faar, ausserhalb; üttfaar, ostwärts vom Dorfe; dpfaar, weit« 
wärts vom Dorfe; bäito, beiher, neben her; büttebäi, nebenan; 
auwerfaar, gegenüber; föreäujn, vornean; äderäujn^ hintenan; 
äderefter, hinten nach, hinter her; d^lebai, untenan; hirrfm. 



337 

Ton hier; stuf^, hart an; ßre; vorne; bifte, hinten; aurs iwrr, 
sonst wo; äwehirrSgge, diesseit; äwejannerSgge , lenseii; rogt, rechts; 
ISft, links; äiwenst, eben, im Augenblick. 

§. 218. 5. Der Richtung und Bewegung von und nach einem 
Orie^ als: dmhuch, aufwärts, hinauf; am/äigf, niederwärts, herun- 
ter, hinunter; dp, auf, hinauf; dähl, nieder; dp andähl, auf und 
nieder; aufstähs, fort, vorwärts; iö, zu; wdg, weg ;ßurt, in den 
Stall oder nach dem Stalle ; troch , in die Stube oder nach der Stube; 
in, ein, herein, hinein; mjn, hinein; häne, hin; jurt , her , auch 
jurte; jdnl anjurt, hin und her; hänelö^ hinzu; hirrin, hierein; 
hitrüU, heraus , hinaus ; hirrdm, herum; dmbäi, umher; faarbäi, 
vorbei, vorüber; äujnt mäujH^ entgegen ; dmhäne, nmhln; hänedm^ 
hinnm; wirrhdne? dirr» hirr-jdnnerhäne, dfi- hier- dorthin; dirrtöy 
dBtn; hirrto , hierzu, bis hieher ; dpäw , hinauf; ape/Üßr , nach oben; 
dihlSfter, nach unten; ütteßer, nach aussen; inSfler , einwärts, 
nkdh innen; dmefter, um nach; auwerefter , über nach; ädere fter, 
hüntennach ; tösidde , seitwärts ; tobäkg, zurück ; äderüU , hintcnaus; 
foreüU, voraus; fon förne, von vorne; fon ädeme, von hinten; 
töhAss, nach Hause; opät/jn, hinauf und dann hinein, auf, in mit 
d^lti Acc.; dpauwer, auf über, auf der Geest; dm 'e ^ste^ Weste, 
Sühsse, Naurde, gen Osten, Westen, oder ost- west- süd- und 
nofdwärts; äujnt u/sten, Westen, Sühssen an Naurden, im Osten 
ü. s. w.;ifler't Asten, WSsten,nHeh dem Osten u. s. w.;regglings, 
rücklings; haadtings, haüptlings (hinfallen) ; sällrings ridden , wie im 
Damensattel zu Pferde sitzen; töhoMJnne, heraus, aus einem Loche, 
einer Oeffhung; t6liffs,z\i Leibe; am&ö//, umfallend, dän. omkuld; 
siädlongs , «eitlings ; bütterbijns und hdnnerbijns dw 'e Shurre luppen, 
biimen-undaussenbeins auf Schlittschuhen laufen; aussenbeins, im 
Bogen; tmnerbdnne md (kämen), hinter etwas (kommen) ; dpijn, ge- 
gen, gegenan; längs, längs; äujntlängs, entlang; bdi wäilöng , 
weglängs , z. B. plaudern ; bdnnericks , binnenreichs ; büttericks , aus- 
senreichs; bdnnedörs, innerhalb der Thüre; dwer//c/;, oberlich, nach 
dben zu; ndserlick, nach unten zu, niederlich; tdllhävjnninge an 
fbnhäujnninge , von Wagenpferden, zuhändig oder linksgebend, 
afehändig oder rechtsgehend ; hiehr ! sagt man , wenn am linken 
Zaümslrang gezogen wird , und am andern : förrig ! — Der Pflüger 
sagt zu seinem Pflugtreiber : to de ! zu dir ! wenn er hiehr, und fon de, 

43 



538 

von dir, wenn er förrig lenken soll. Beim Antreiben der Pferde 
heisst es nd / nd ! ; beim Stillbalten sagt man : prrr, I 

§. 219. 4. Des Umfanges und der Zahl , als: töglicky zugleieh; 
mdefiauser, miteinander; djnkelt, einzeln; sdmtlick, sämmllicb; 
ältemale , allzumal, alle mit einander; dijls , iheWs; faale,m\; 
läiet , wenig; mdnning , viele; mörr , mehr; hüpig^ häufig ;mäst, 
meist; mästendijls, meistentheils ; hulew ^ halb; hijly ganz; äUA^, 
ganz ; hijl an all, ganz und gar; faar 't järst , für 's erste; fawt 'i 
lähsere , für 's zweite ; faar H tredd , für *s dritte ; faar *t fierd , ^, 
segst , saawent u. s. w. ; tölest , zuletzt ; äw *i hugst , höchstens; a/ujn't 
mdnnst, wenigstens, mindestens; töhup, zusammen; äÜefBuikt 
allzuviel; ülteldiet, allzu wenig; !)dka^ , beinahe ; dmentränt,m' 
gefähr; ungefähr , dasselbe; gär äi, gar nicht; nint, ninte, niebto; 
nög , i. genug , 2. wohl ; man , nur , bloss ; sierem, sehr ; hürrfaak? 
wie viel? hüllwe? wie viel? söfaale, süllwe^ so viel; fonenauiutt 
von einander ; efterenauscr , nach einander ; dmenau^er , um eirnn* 
der; ijnsen, twäie, träie , ein- zwei- dreimal; ötterst, äussersi; 
dörütt , durchaus; gaar, gar; sögaar , sogar; gaar di, gtf 
nicht; ball, bald, fast; ällicksö, ebenso; efter *e Häujnn, nich 
und nach; $ö näi, his auf; bäi widdem äi, bei weitem nicht; triftf 
häne, weit hin; long häne, lange hin ; rtoA://cA; , reichlich; häf, 
knapp, kaum; auwei* flöhsig , überflüssig; pur^ bloss; döweU ^ iGf' 
pelt; fröiücW , dreifach ; dörgdjngig y dörgongSy durchgängig; dor *i 
Bank, durch die Bank; unner 'e Hävjnn , unter der Hand; Ott* 
wer *e Mäjtte , über die Massen ;' ungeheuer , ungeheuer ; en lurlierlaielt 
ein winzig klein Bischen. 

§. 220. 5. Der Gewissheit und Ungewissheit, der Bejahung i»i 
Verneinung , der Beschaffenheit , der Vergleichung und des Zvd' 
felns, der Ausdehnung und Beschränkung u, s. w. , als : ja , ja; 
nähn, nein; wirklick, wirklich; äi, nicht; forldgt und fw^) 
vielleicht; dw nän Wihsse, auf keine Weise; hijl an all ai, 
ganz und gar nicht, keines weges; rigtige nög, zwar; fßojl, 
wohl, zwar; wdss , gewiss; säker, säkerlick, sicher; uyärKek, 
wahrlich ; rigtig , richtig ; höwenllick , hoffentlich ; swärlick, scliwiff- 
lieh; tt/dird/)5i3f, wahrhaftig; sömöd, bei Gott; — eine Bekräftigrmg; 
hdi Godd ! dasselbe ; segott! Gott segne die Mahlzeit ; söged , prMl 
prosit! jdwäjl^ jawohl; sömijn, allerdings; faarwäir , fürwahr; 



359 

t as, so wie, als ob; äujnslöhg , entzwei; autt;eru^/, überaus; 
jäws,Yevgehens;dmensonst, umsonst; äujnhupy ganz in Unord- 
Dg, in Verwirrung; lägt, leicht; sägt, i. leichtlich, 2. sachte; 
t , just ; mdsslick , misslich ; äselick , schlecht , mittelmässig ; 
fUf ziemlich, erträglich; hijn , schlecht; ä//tc^M;d[/7 , gleichwohl ; 
twdshe biese , so zwischen beiden ; äw^t best , auf 's beste ; äl- 
iick, ernstlich; hiemlick y geheim; äs wann , als ob; so, so; 
JO, so, so; södäinig , ahd. sothanig, dän. saadan; hörr? wie? 
rdäinig ? dän. hvordan , wielhanig , wie ? mä Lampe , glimpflich; 
forsiäns, oder ünforsäjns , unversehens; aiiwerordentlick und 
erürdentlkk, ausserordentlich; gcmimi , gemein mit einander; 
^ernten, ungemein; drdflick, d^n. drabelig, weidlich, tüchtig; 
irdfflick , vortrefflich ; töläinglick , hinlänglich , zureichend ; äujn 
9*Mtl/, im Scherz, zur Kurzweil; topäss, zupass; tö fülle , in 
füUung; tofälle, mit einander gemein, dän. tilfälles; tokaurt 
imen), zu kurz (kommen) , Verlust leiden ; tömäujds , zu Muthe ; 
BÄ, ZU Wege (bringen); iöwäis, auf den Weg; unnerwäis, unter- 
^; tokup , zu Kauf, feil ; sdns , gesonnen ; gängs , (gäng) versehen: 
t; auwerijnne, aufgerichtet; äujnhäiy in den Sinn, im Sinne; 
traane , entohnigt ; ndw , genau , geizig ; purig , karg ; towädderne, 
wider; befaar, bevor; boppe, oben; auwerhijnnig , überhands, 
Q. overhaands; töninte, zu nichte ; tömd , zumal ; dirrtömd , über- 
'Ss ; älliene , allein ; aurs , 1. anders , 2. aber , 5. sondern , 4. sonst ; 
W, gerne, hallerey lieber; u. s. w. 

Aiimerkung. 

Die Adverbien hall , gerne , päll (dän, pal) , flach und fest auflie- 
nd, und stuf, hart an, sind steigcrungsfähig ; als: hälL hällere,^ 
llst; pällf pallere, pällst;stuf, slu/fcre\ stufst. 



Bildung des Umstandswortes. 

§. 22i. Die Umstandswörter sind, wie die andern Wörlerklassen, 
eils Wurzel Wörter , als: lähs , spät; äi, nicht; noch, noch; nog, 
wi%;bäll, bald, u. s.w.; theils abgeleitete , als: löngens, von- 
ig; märling und mjärne , von de Mjärn; dilling, von Däi; rigg- 
g$, von de Regg ; theils zusammengesetzte, als: mjärneddcr , 

43 ♦ 



340 

morgen früh ; aurdemjäme^ übermorgen ; auwerüU , überaus; amköll, 
über den Haufen ; bäinäi, beinahe. 

§. 222. Bei den abgeleiteten finden wir die Endungen: e, i, 
ing , ings^ iQft, lick, st, elt , em , ne, nebst noch andern, iind 
vielfältig den Umlaut, der oft ganz unregelmässig ist, so wie die 
oft unentbehrlichen Vorwörlchen : an, dm, bäi, tö, u. s. w. 

(e). Äp, auf, hinauf, — äppe^ auf, aus dem Bette sein; in, 
ein, hinein, herein, — inne, binnen, im Hause; üU,slus, hinaus, 
heraus, — ütte, draussen; faurt, in den Stall, nach dem Stalle 
zu , — faurde , im Stalle oder der Scheune ; tröch , aus dem Stall in 
die Stube , — traage , in der Stube ; dähl, hinunter, her unter,—defe, 
unten; faar, vor, für, — ßre, vorne. Wenn diese das e nicht ha- 
ben , so zeigen sie immer eine Ortsveränderung an , bei der ma& 
im Deutschen die Yerhältnisswörter mit dem vierten Fall p* 
braucht. — Beispiele : sl&ujnn äp ! steh auf! nämlich aus 4m 
Bette, ick bän all dppe, ich bin schon auf; kam inn! komo 
herein! ins Haus, he ds inne, er ist innen, d. i. zu Hause, üb 
Hause; wähl ült? willst du aus? nähn, ick kdhw all üUe wik^t 
nein , ich bin schon draussen gewesen ; he hing faurt , er ging in 
den Stall , he ds faurde, er ist im Stalle ; gong troch! geh in die Stolle 
aus dem Stalle , jö ds traage, sie ist in der Stube; ick mäi Uewen 
faurde äs traage wese, ich mag lieber im Stalle, als in der Stute 
sein; kam dähl! komm herunter! wdt shäll ick deleF was seB 
ich unten ? trehs faar me häne, tritt vor mich hin , ick mäi ü 
fore gonge, ich mag nicht vorne gehen. So auch baawen vxA 
baawne , sils : he wäll älltidd baawen ütt, er will immer oben hinaas, 
he sät dirr baawne , er sitzt da oben. Ferner : n^ärne , von de 
Mjärn ; dntinne , von de £nn ; näilke , von näi ; twäshe, vom altfries. 
twä ; twäie , von twä ; träie von trd , engl, twice , thrice ; tohät^taief 
von jö Häujnn; bütte, fon'ebüttne, auswendig, 
(s). Gangs , von gongen : hörr bdst gängs ? wie bist du versehen , 
z. B. mit Gelde, mit Mitteln zum Fortkommen? $an$, gesonnen» 
von dät 5ani},der Sinn; löngens, längst; längs, längs, von läng*, 
iijllings, yoviVßll\regglings, haadlings, sällrings , von Regg , Hwi 
und Sali; tissnög, von Tidd, also: tiddsnög; ijns, von ijn. 

(ling, ing), Dilling , von de Däi; jdrling , von dät Ihr, altfir. M 

4 

Jer; elling , de Enn ; märling^ de Mjärn ; dfty öfting. 



541 

{ig), Tiddig , purig , lörrig, von /orr^ , lauern ; södäinig u. s. w. 

{t, elt, ert). Will, läiet , Idjttet^ von läßt, klein; djnkelt, döwelt, 
Mirmelt^ mllerU 

[Ikk), KaurUick, von kaurt ; däglick , von Däi ; nägtlick; dnilick, von de 
Jjnne^ dät äni; järstlick; ncklicky von nck^ reich; mdsslick^ drdf- 
Uck, äselick. 

{st), Järst, ISst, mäst, mannst ^ längst , huckst^ utterst, dnnerst, 
bdnnerst, lauter superlativische Formen und Endungen. 

(em). Am Däieni^ dm £nnem, dm Mjärnem, dm Sammerem^ des 
Sommers. 

{ne). Antenne, dnjörsne, dnihrjörsne, 

§. 225. Folgende mit tö zusammengesetzte Adverbien endigen 
Mich auf s, als: ^(!/aj^/$,zuFusse; togöngs, in Gang; tobijns (dän. 
tObeens) , flink zu Fuss ; töliffs , zu Leibe ; tö^öns, zum Vorschein ; 
tiwäis, auf den Weg; todijls^ zum Theil; iolupps, zu Lauf; tögägens, 
dän. tilgavns; towäirks, zu Werke; tokiers , zu Kehr; totögs, in 
den Zug , im Zuge ; töwedds , in die Wette ; todäis , zu Tage ; 
tanifids, zur Noth. 

.Dahin gehören auch folgende umstandswörtliche Ausdrücke , als : 
io Ankers, vor Anker; tö Bauks, zu Buche ; tö Bausems ^ bis 
auf den Grund ; tö Dörs , zur Thür ; tö Läujnns , zu Lande ; tö 
WäserSf zu Wasser; tö Mönns, f(ui den Mann; tö Muhls, nach 
dem Ziele; tö Wäiens, zu Wagen; ^d Hdjnsts, zu Pferde; tö 
Shdpps, zu Schiffe; töBüjtts, zu Boote; tö Grefls , zu Grabe; tö 
SMSy zu Kois. 

Andere mit tö verbundene haben dieses s nicht , als : töbähg , 
zurück; tödüjdde, zu Tode: töfäjttey zu Füssen; töfuUe," in Er- 
füllung ;-/d/a/fe, gemein mit einander; iöhdujnne^ heraus, aus 
einem Loche, oder dergl; töhup, töhuppe, zusammen; töhüss^ 
nach Hause (d[;7^ 'eHühs, zu Hause, in der Heimath); tökaurt, tö- 
kaurte, zu kurz; tömäjtte, i. übel an, 2. zupass, zu Danke; tö* 
päss, zupass; töstehse, zur Stelle, anwesend, zugegen; töivege, 
zu Wege; tömd, dazu noch, überdiess; iöwdlle, zu Willen; tö- 
kämen, zukünftig; töläjt, mit grossem Elaggeschrei ; töhälgens 
and töhulwens y zur Halbschied ; /d^up , zu Kauf; tögause, zu Gute; 
töwddderne, zuwider; töbedd, zu Bette; töglick, zugleich; tömäujd, 
zu Mulhe; töihrs , bei Jahren; töwedd, in die Wette, u. s. w. 



542 

§. 224. VerbinduDgen mit den Wörtern: m^, auwer, unner, 
ütt, fon, äw, dp, dm^ md^ in,äUe {älld}, dähl, dele , bülte ,bänne^ 
sind folgende : 

Aujn : äujnstöhg , entzwei ; äujnhup , in Unordnung ; äti^'Hjn , ent* 
gegen, zuwider; äujnälles, in allem, insgesammt; äujntmdnnst, 
mindestens, wenigstens; mjnimäujt, entgegenkommend; ät^ 
'e Gong, in Gang, im Gange; äujntrögty zurecht (bringen). 

Auwer: auwerijns , überein; auwerfaar , gegenüber; auwerHU^ 
überaus; auwerhdne , überhin; auwerwdg, darüber binweg;a 
if^ä//, überall; auwerhijnnig , überhand. 

Unner : unnerdör , unterdurch ; unnermd, mitunter ; »nfterftamfc« 
md, hinter eine Sache (kommen); unnerwäis , unterwegs ; unnermddS^ 
zwischen unter; unnerüU, unten heraus. 

Ütt : üttbäi , längs ; üUdm , aus dem väterlichen Hause zu frem- 
den Leuten , aus zu dienen , oder auf Schulen u. dergl. ; üUfaar, 
in die Fennen hinaus; üUlängs, entlang; üUfon, ab, abstehend. 

Fon : fon äderne , von hinten ; fon före , fon förne , von vomi; 
fon 'e büttne, von aussen, auswendig; fon 'e bdnnene, von inn^, 
inwendig; fon baawne, von oben; fon näserne, von unten; /bs 
fierense , von ievne ; fon ausere y fon enauser , voneinander, auseinan- 
der. 

'Aw: äw *t Töch, i. auf's Mal, 2. im Zuge; äw*e Sljogte, auf dar 
Ebene; äw äiwen Sljogte, ohne Veranlassung; äw 'e Ldjngde,wt 
die Länge ; äw *e Hdllefl , auf der Hälfte , auf halbem Wege ; ot 
*e Ldgte, auf eine leichte Weise; äw *e Näigde, in der Nähe; 
äw 'e Droge, ins Trockne, auf dem Trocknen; äw 'n Slumpt 
schlumpsweise. 

Ap: dpäw, hinauf, und oben auf; dpäujn, erst hinauf und dann 
hinein ; dpbäi , obenbei , erst hinauf und dann bei oder neben ; dp^iii 
gegenan; dpauwer, auf und hinüber; dpunner, auf unter , z. 8. 
auf unters Dach; dpmd, mit auf; dpdm, auf um; dpfaar,^xd 

vor , auf die Acker hinauf; dpto , auf zu ; dp fon. 
Am : dm *n läiet , über ein Kleines ; dm 'n tränt , ungefähr ; änf- 
ftjn5,mityorsatz, gerade deswegen; dmhuch, in die Höhe; dmläig, 
nach unten ; dm^di , i. herum, und umher, 2. vorbei, vorüber, zu 
Ende, 5. aus mit, gestorben; dmefler, um nach; dmhäne, umhin; 
dmfaar , um vor ; dmid , umzu ; dmkoU , über den Haufen. 



343 

Jüd: md Hijns , miteins ; md'tmne , zur Yesperzeit ; md 'tunnerne , die 
I des Vormittags , wenn die Arbeiter ihr Zwischenessen halten. 

In : itiäujn , hinein; inbäi^ in , an der Seite hinein ; indmf ins Haus 
inein; inunner , unter, mit dem Acc; inauwer , erst ein und dann 
I>er; ick kdn *t äi inauwer füjn, ich kann's nicht hinunter brin- 
en, nicht schlucken , z. B. eine widerliche Arznei; inäw, ein auf; 
%twdshey zwischen hinein; twdske in, mitunter; indör , hindurch, 
urehhin. 

^Ue {älto) : ältemäle , allzumal , alle mit einander ; älleäirig , zu 
rg; ältehijnn, allzu schlecht; ältefaale, allzu viel; älteldiet, 
llzu wenig ; ältelähs , allzu spät ; äüeedder , allzu früh. 

Dähl: dähläw, niederauf ; dähläujn, hinunter in; dählbäi, bin- 
inter bei; dähldm, unten um; dählauf, herunter von; dählfaar, 
lach dem Dorfe zu , als Gegensatz von üUfaar und dpfaar; dähl-' 
mner ^ nieder unter; dählijn, nieder gegen; dähltwdshe, nieder 
'Wischen. 

Dele : delennner , unten unter ; delebäi , unten bei , unten längs ; 
lelefmr, unt6n vor, unten am Dorfe; deledm, unten um; dih' 
ifv , unten auf. 

JSütte und bdnne: bütteäw , aussen auf; büttebäif nebenbei; 
&itefaar , aussen vor , ausserhalb ; büUedm , aussen um ; bdri- 
-c/aar, binnen vor, innerhalb; bdnneäujn, binnen in, innerhalb, 
a^xndig. 

^225. Mit wjdrts, wärts, und wihsse , weise, werden folgende 
Iixistandswörter gebildet , als : üttwjdrts , töwjdrts , dp» dähl- sidd- 
t«€er- wester- naurder- oder nörder- sohser* rogt- leftwjdrts ; stock' 
^hsse, stückweise; krüsswihsse^ kreuzweise [auwerkrüss, über- 
treuz) ; lägwihsse , schichtweise ; dröppwihsse , tropfenweise {bdi 
Jhöppe , bei Tropfen) ; stijUwihsse , stossweise , u. s. w. 

§. 226. Besonders zu berücksichtigen sind die mit hirr, wirr und 
dirr zusammengesetzten Umstandswörier, als: hirräw , hirräujn, 
hirräm, hirrfaar^ kirrbäi, hirrdör, hirrauwer, hirrunner, hirrijn , 
hirrfon, hirrnäist, hirrto; — wirrdw, wirräujn , wirram , win*md , 
mrrfaar , mrrauwer , wirrunner , wirrdör , wirrijn , toirrbäi , wirr- 
ruUsty wirrauf, wirrfon , wirrto ; — dirräw, dirrävjn , dirrauf, dirrdm, 
iirrbdi, dirrauwer, dirr f aar, dirr fort, din*dör , dirrijn, dirrtöy 
iirrtomd. 



544 



Wenn diese Wörter Ortsverhältnisse , eine Richtung im Racune 
und dergl. bezeichnen , oder geradezu auf sinnliche Gegenstände 
Bezug haben , so ruht der Ton auf dem letzten Worte, und die 
Zusammensetzung ist dann unecht oder trennbar , als : LMd däi 
Bauch hirr äw , lege das Buch hier auf (oben auf die andern 
Sachen); dät Büjtt kön hirr äi auf käme, das Boot kann hier nicht 
ab kommen; kam hirr dm tö me, komm hier herum zu mir;djrr 
wijt ick nitit auf, davon weiss ich nichts ; dirr ds tdfU bä to 
mögen, dabei ist nichts zu machen; dirr hast da ShqjUinfjni 
daranbist du schuld; kaast dö dirrtadt bäidüjn? kannst du etwis 
dabei thun ? hähst dö dirr wdt ijn ? hast du etwas dagegen ? oder: 
hähst'r wdt ijn? wdt hähst dirrijn? -^^ wirr kämt he fan? m 
kommt er her? wät wäht dirr md? was willst du damit? oder 
wdt Wäht'r md? kaast dirr nögdörkäme? kannst du da wohl dnreh 
kommen ? nähn , ick kön 'r {dirr) äi dör käme ; dirr ha/n tcA /b» 
auf, damit bin ich ab, bin darum gebracht; auch: auf rnitärr 
hdn ick auf md , damit bin ich ab ; ick hähw ijnsen äujnfangä Ü 
tiekneti , aurs ick bän > wihsser fon auf kiemen , ich habe einmal 
angefangen zu zeichnen , bin aber wieder davon abgekommea 

Stehen aber diese Wörter nach etwas Yorhergegangmiem , k- 
sonders zu Anfange des Nachsatzes als folgernd, schliesoend, 
grundangebend , auf eine Ursache hindeutend , so sind sie eeht- 
zusammengesctzt oder untrennbar, und dann haben die Wörter 
hirr, dirr und mrr die Betonung, als: hirräw swäret 'r, bicrtnf 
antwortete er ; hirrauf köhs'm nög üttnäme , hieraus konnte am 
wohl entnehmen ; aurs hirrävjn kön's doch äi Shqjll wSse , aler 
hieran kann sie doch nicht schuld sein ; hirrhäi was n&A t> 
hemärken, hierbei war noch zu bemerken; hirrdm wäjn's nM 
hiere , hiervon wollten sie nichts hören ; an hirrmd was Y dpi 
ock ältemäle faarbäi, und hiermit war es denn auch alles vorbei; 
hirrauwer würden 's inäl äujn 't Haad, hierüber wurden sie Ke 
im Kopfe; mrrijn 'm jd doch egentlick nint inwijnne Mb» 
wogegen man ja doch eigentlich nichts einwenden konnte ; Mr- 
näist fortelld 'r, hiernächst erzählte er ; dirrnäistliajtt 't, demnielist 
hiess es ; he het drken bedrägen , dirrdor hei 'r sin ricke Dtg^, 
er hat jeden betrogen , dadurch hat er seine reichen Tage (Reich- 
thum) Eben so zu Anfange einer Frage , als : wirrbäi köhn 's 



345 

dät walise ? woran konnten sie das wissen ? wirrim wä^ 's äi 
na? warum wollten sie nicht mit? wirrfaar dähstdätF weswegen 
thust da das? wirrauf wiest dät? woher weisst du das? 

Erläuterungen nebst Sinnverwandtschafllichkeiten. 

§. 227. 4. Näis, dnnäis , najlke, kaurtlicks. Die drei ersten 
Wörter stammen alle von nai, neu, und näis bezeichnet hier 
die kürzeste Zwischenzeitdauer. Darnach folgt dnnäis , und näilke 
und kaurtlicks fallen so ziemlich mit einander zusammen. Näis 
und drnms beziehen sich nur auf Stunden und Stundentheile ; 
nßilke und kaurtlicks gestatten längere Zwischenräume von Tagen 
und Wochen. Eine kürzere Zeit als näis und dnnäis bezeichnen: 
äwen^ eben, äiwenst, ebenst , und faar en Ugenblack — Näis h. im 
Danischen: nys, und näjlke h. nylig, — neulich, jüngst, kürzlich, 
nnlängst. 

% Fojurt h. i.fort, als: faurtmd häm! fort mit ihm; mag faurt, 
mach fort, 2. nach dem Stalle zu, he gongt faurt. 

S. Tissnog sollte eigentlich heissen tiddsnög , was man aber 
nie hört. As H noch tissnög io haaw ? ist 's noch früh genug in die 
Kirche ? — üneigentlich : dirr bäst tissnög kiemmen, da bist du früh 
genug gekommen. 

4. Mfter , nach (after) , efter 't , nachher, zusammengezogen aus 
ifler dät , nach diesem , als : ^fter 't wall ick de 't sSdde , nachher 
will ich dir*s sagen, oder: efter*t wall ick*t de sedde, nachher 
will ich 's dir sagen. Im letzten Satze muss die Abkürzung durchaus 
stehen, denn man darf nicht sprechen: Sfter't wall ick dät de sedde; 
aber im ersten Satze darf ich auch sagen : Sfler 't wäll ick de dät 
stdde. Auch: ick wäll* t deefter't sedde, ich will's dir nachher sagen. 

5. Fon 'e bütlne, auswendig, von aussen, wird auch vom Lernen 
gebraucht, als: fon 'e büttne lieren^ auswendig lernen; ick km 't 
f(m'ebiUtne, ich kann's auswendig; fon'e bdnnene lieren, inwen«" 
dig , im Buche lernen , bis man 's fertig lesen und verstehen kann ; 
dän. indenad und udenad. 

6. jimhuch, in die Höhe, ämläig , niederwärts, nach unten 
au. Tie de Seck dp, so gongt 'r amhuch; läßtt 'n dmläig, so gongt'r 
dähl, lass ihn herunter, so geht er nieder. 

7. A*mbai, faarbäi, [A'mbäi hat einen umfassenderen Sinn als 

44 



346 

faarbäi , als : he kämt tvidd dmbäi , er kommt weit umher ; he kämt 
de dmbäi, er überholt dich ; dmbäistjäwen , herumstreichen; dät 
äs nö ämbäi, das ist dud nicht mehr so ; dät '$ dmbäi md iam, 
es ist aus mit ihm ; dät 's faarbäi md häm , hat denselben Sinn. 
He ging hirr dilling faarbäi, er ging hier heute vorbei; dät ü 
nö faarbäi , das ist nun vorbei ; ds wdt töwedds löppen , kimn V 
me ijnsen faarbäi , aurs he köhs me doch äi dmbäiluppe , als wir in 
die Wette liefen, kam er mir einmal vorbei, aber er konnte mich 
doch nicht überholen. 

8. A'p ätü, dp OAijn , dp dm. — A'p, auf , bezeichnet immer nur die 
Richtung nach oben , äw , auf , bloss den Ort des Befindens oder 
Hingelangens , als : ling medät dp, reiche oder lange mir das auf; 
lauk dpi sieh auf! de Sdnn kämt dp, die Sonne kommt auf; däi 
Brüßd ds dp, das Brot ist auf; dät Bauck läil äw'e Shew,i»& 
Buch liegt auf dem Tische; äw't BMd, auf dem Bette, dv't 
Hüss, auf dem Hause; ledd dät Tjauling dp äw 'e Shew, lege 
den Knaul auf den Tisch , wenn er nämlich auf dem Fussbodea 
liegt; sonst häneäw, hinauf , Jd^/du;, wenn er höher liegt, als der 
Tisch steht; dp äujn, auf in , erst hinauf und dann hinein ; als: ßl 
de Bär dp äujn'e Tann, fülle die Gerste auf in die Tonne; ndmdw 
Köwel dp dm de , zu einem Frauenzimmer , das im Eolhe oder 
Regen geht: nimm deinen Rock auf um dich; steg dät Mädsam- 
merskrüdd dp unner 'e Ldft, stecke das Johanniskraut (Sedum 
Telephium) auf unter den Boden. Hieraus lassen sich die übrigen 
Zusammensetzungen mit dp schon erklären. 

9. Fore äujn, faarütt, före ütt, Fore äujn, voran im Zuge; 
faarütt, voraus; he ds faarütt gingen, er ist voraus gegangen; de 
höhst faale faar me faarütt, du hast viel vor mir voraus; /«re 
ütt, vorne hinaus. 

10. Siddlöngs^ siddlängs, sällringe. Siddtöngs, seitwärts gehend» 
als: de Krabbe krüppl siddlängs, der Krebs kriecht seitwärts; 
siddlängs, an der Seite hin; sällringe, zu Pferde ritzend mit beiden 
Beinen auf einer und derselben Seite. 

11. A'mköll , auwerijnne. Diese beiden Wörter sind einander ent- 
gegengesetzt, denn man spricht: ick fäll dmköll, an ick stA^ an- 
werijnne, ich falle um (umkollernd) und ich stehe überende, 
d. i. ich stehe wieder auf. Die friesischen Bauernjungen siogen : 



347 

tAs ick en IdjUen Jürder was, dann säjt ick aujn*e Grmfdjnne; As 
ick en läiet grottre würd, dann stöhs ick auwerijnne, als ich ein 
kleiner Hirte war , sass ich im Grabenende ; als ich ein wenig 
grosser ward, da stand ich überende. Im Nd. würde diess etwa 
so lauten: As ick en lüjtten Härder was > daa seet ick in 'e Grofsende; 
OS ick en lüjttet grötter word, daß stün ick överende, und im Dä- 
nischen: Da jeg en liden Hyrdevar, sadjeg % Gröftens Ende; da 
jegenSmule större blev, da stod jeg overende. — Amköll ist im Dan. 
emkuld, und auwerijnne ist overende, nur mit dem Unterschiede, 
dass werende im Dänischen zwei einander entgegengesetzte 
Bedeutungen hat, da es gleichbedeutend mit omkuld ist, und 
dann wieder das Gegentheil davon bezeichnet ; denn man sagt : 
Ol falde omkuld und at falde overende, und wieder: at staae 
(Hferende. 

12. Ijn, gegen, äujntijn, entgegen, zuwider, dpijn , gegen an, 
häneijn , gegen , von der Zeit gebraucht , als : ijn 'e Winn sillen , 
gegen den Wind segeln ; de Winn ds äujntijn, der Wind ist entge- 
gen; enauser ät^ntijn gongen, ge^en einander an gehen, in entgegen- 
gesetzten Richtungen; äujntmäujt gongen, entgegengehen; dpijn 
Ueh smitten, gegen die Wand an werfen 1); he gongt lick dpijn 
'e Wjard, er geht gerade gegen die Wahrheit an. 

45. Bütterhijns oder büttrebijns, bännerbijns oder bdnnereUjns , 
etwa aussenbeins und binnenbeins. — Beide Wörter kommen nur 
beim Schlittschuhlaufen {äw 'e Sfiurre luppen) vor. Büttrebijns 
huppen ist: sich von einer Seite auf die andre legen und aus- 
wartsgehende Bogenzüge machen; bännerbijns, nur gerade weg, 
um weiter zu kommen. 



4) Verschieden sind die beiden Ausdrücke: dpijn Ueh smitten 
und äp^ *t Ueh smitten, Ersteres, welches auch bloss dpijn 
smitten genannt wird , ist ein Enabenspiel , wo man mit Schnell« 
kügelchen (Schüssern , Knickern , Löpern) , Zahlpfennigen , me- 
tallenen Knöpfen , Dreilingen , Sechslingen und dergl. gegen eine 
beliebige Wand wirft , wobei die Spanne das Maass für den Ge- 
winn abgiebt. Von jedem andern Gegenstande , den man gegen 
eine Wand wirft, sagt man: dpijn 't Ueh, als: smittjö Pott apijn't 
üch , wirf den Topf gegen die Wand an ; he smijt me dpijn H Ueh , 
er warf mich gegen die Wand an. 

44» 



348 

44. Unnerbdrme md wiU kämen ^ ist der eigenthümliche Ausdrack 
für : hinter eine Sache kommen , als : ick will 'r nag unnerhäme 
md käme, ich will schon dahinter kommen. 

45. u/lleSf ältemale, md enauser^ ällhijl^ hiß an all. u/Ues, 
alles; ältemale y ohne den kleinsten Rest; mdenauser, mit einaLudet, 
das eine mit dem andern; ällhiß^ ganz; hiß an all, ganz und gar; 
dirr hdhst 't ällhiß, da hast du es ganz ; dirr hdhst 't kyl an aU, 
da hast du es ganz und gar , für immer. 

16. T6 hdlgens {hdlwens), tö hulinge, zur Halbschied , zur Hälfte 
mit einander haben; letzteres besonders von liegenden Gründen, 
die der Eigenthümer einem Andern für die Bearbeitung imd 
Besäung derselben überlässt , wo jener dann die Hälfte des Ertrages 
dafür erhält. 

d7. Bai näi äi und bäi widdem äi, kann beides nur durch U 
weitem nicht übersetzt werden. Ersteres ist im Dänischen: ikkefOA 
naget när, letzteres: langt fra ikke, 

48. Gaar, sögaar. Goar steht bisweilen fürso^aar, wie im Deut- 
schen, als: huhm wäjl gaar sidde, man wollte gar sagen; sogoiv 
steht überall für : sogar , als : huhm säit sögaar , man sagt sogar; 
he sögaar oder sögaar he hSt 't dajn, er sogar oder sogar er 
hat es gethan. Gaar äi, gar nicht; gaarM äi, durchaus nidit; 
absolut äi. 

19. jllk ds 9 ällicksö. u/lk ds, eben so , so wie , kann nie ohne 
ds (als , wie) und also nur in Beziehung stehen , als : icft mag *t 
älk ds dö, ich mache es wie du; dagegen kann ällicksö, aueii 
ohne ds, absolut stehen, als: ick mag' t ällicksö ^ ich mache es eboi- 
so. udlk ds wann, und ds wann, als ob, als wenn. Ick bdn äKM 
gäujd ds dö; he dregt hdm djtt , älk ds wann V drunken was, er 
beträgt sich, als ob er trunken wäre. 

20. Pur , man, bloss, nur; ick hdhw man an Shdlling, ich habe 
nur einen Schilling ; an he hSt pur en Drilling , und er hat bloss 
einen Dreiling. 

21. Sömod, söged, sömijn, faarwäir, ujärlick, sind lauter Be- 
kräftigungswörter, von denen nur faarwäir, fürwahr, und w/järlidi, 
wahrlich, übersetzbar sind. Ja, dö ged! ja du! du solltest woUl 
Jäwäil, jdwds, jawohl; ja was ockl warum nicht gar? du wolltest 
wohl ! jd nög , eine bejahende Einwilligung. 



349 

22. Forfäws, dmensonstf faar nint an wihsser nnU. Fatjäws, i« unent' 
gelilich, umsonst, als: he hel't meforjäwsdß^fer hat es mir um« 
sonst gegeben ; dät was forjäws , das war vergebens ; faar nint an 
wihsser nint , für nichts und wieder nichts ; dmensonst ist immer 
umsonst« 

23. Ät^nhup , in Unordnung , in Verwirrung , mjnhupproMsen , 
m^f^uphringen ; äujnhupsmitten ist noch besonders: die Wehen be- 
kommen, gebären, kreissen. 

24. Gangs, fären. Hörr hast gängs? wie bist du daran? he ds 
man h^n fären, er ist nur schlecht daran; he ds gät^d gängs, 
uniig ätyn gauhs Amstdnde , an ick bdn ock gätyd fären. 

25. Avjnhäi, dän. ihu. Dät wdlltne äi ät^nhäi käme, es will mir 
nicht beifallen; ät^nt Sdnn, im Sinn; nö het'r wdt ätynhäi, nun 
hat er was vor , im Sinne ; auch : wdt äm^nt Sdnn, 

26. Tofdlle, genden, gemein mit. Ja stämmere biese, dät häwe 
*smd enauser tofdlle, sie stottern beide, das haben sie miteinander 
gemein; ick hähw nint md de gemien, ich habe nichts mit dir 
gemein. 

27. A'm't äiwenst, md ndwwer Nüjd. — Kaumst tissnogF kamst 
du früh genug? Antw. Dät was man dm *t äiwenst, es war nur 
so eben. Köhst dedörkringe? konntest du dich durchdrängen? Dät 
ging md ndwwer Nüjd , es ging mit genauer Noth. 

28. Vttdm , aus dem Hause heraus , siehe oben §. 224 ; indm . 
in 's Haus hinein: höhst dät Tjöch indm füngen ? 

29. Inauwer, dähl, tolifs. Jnauwer , erst hinein und dann über; 
iähl, hinunter; tölifsy zu Leibe. Von widerlichen Speisen , Geträn- 
ken, Arzneien u. s. w. sagt man: ick kön 't äi inauwer füjn, wo 
das Wort Zunge ausgelassen ist. Vollständig sollte es heissen : ick kön 
't äi inauwer 'e Tung füjn , ich kann 's nicht hinein , über die Zun- 
ge bringen ; ick kön 't äi dähl füjn , ich kann 's nicht hinunter 
bringen ; he heten hiel Fat fall Bräi tölifs set , er hat eine ganze 
Sehüssel voll Grütze zu Leibe gesetzt ; aber he wall me tölifs, er 
will mir zu Leibe. 

. 30. Tofäjtts , töbijns. He ds lägt töfajUs , er ist leicht zu Fusse , 
geht leicht ; he ds flink töbijns , flink auf den Beinen ; huhm töfäjtie 
fällen, einem zu Füssen fallen. 



350 

51. Tögongs, tötögs, t6lup8,äw'e Glahs, Togongs, in Gang; 
mjn'e Gang, im Gange; wdt mäujn tögöngs, wir müssen geben, 
uns auf den Weg machen ; fuhg jö Klöek tdgängs , setze die Uhr 
in Gaug; totSgs, in Zug, im Zuge; läjtt hdm mänjärst tötögs käme, 
lass ihn nur erst in Zug kommen ; he ds gäujd tötögs , er ist gut 
im Zuge; he ds äw 't Tög , im Zuge; t6lups,z\x Lauf setzen, 
Reissaus nehmen; äw 'e Glähs, von glidden, gleiten; wdt äw 'e 
Glähs bringen f etwas in Gang, auf den Glitt bringen; nö ds't äw'e 
Glähs, nun ist's im Gange, im Fortrücken; c{dJ74/^te selten tölupSf 
ds'e Trommel hierden, die Pferde gingen durch, als sie die Trom- 
mel hörten. 

52. Töhäujnne, hirrütt. Tohäujnne, wörtlich: zu Händen» aber 
aus einem engen Behältnisse, einem Loche, einer Rinne u. s. w. 
hervor, als: kam tohäujnne! konun hervor! höhst 't tohm^fm 
füngenF hast du es herausgebracht, hervorgezogen? hirrüU, 
heraus. 

55. 'Aw äiwensljogte , fon hdm sellew. "Aw äiwensljogte , ohne alte 
Veranlassung, ohne eine erkennbare Ursache, als: he ßll iti 
äiwensljogte , er Hei ohne Veranlassung dazu ; he slaug me w 
äiwensljogte, er schlug mich ohne die geringste Ursache dazo; 
dät kaum äw äiwensljogte , es kam von selbst , z. B. ein Ldbes- 
schaden , ein Seitenstich , ein geschworener Finger u. dergl. ; fm 
hdm sSllew , oder auf hdm sellew , von selbst. 

54. DSlewäis, delebäi. Dilewäis, niederwegs, unterhalb des 
Weges; dSlebäi, unten an, entlang, unten längs hin; $hän wü 
dör 't Törp , untig dSlewäisP sollen wir durch 's Dorf oder unten hinoiB 
geben? dilewäis bogen, niederwegs wohnen. Das Gegentheil voa 
delebäi ist baawen dm, oben um. 

55. Dähläujn, erst nieder und dann hinein, als: lidd'tdähl&^jn't 
Shüffy leg es in die Schublade nieder, nd. daal in. DäMäßijß 
(untrennbar) ist der eigenthümliche Ausdruck für einplumpen , in 'b 
Wasser fallen , als: he ßll dähläujn, er plumpte hinein ; bäi't Shmfre" 
luppen hähw ick ofting dähläujn wähn, beim Schlittschuhlaufen 
bin ich oft eingebrochen gewesen. 

56. At^tlängs, längs y üttbäi. Aujnttängs, entlang; längs, längs; 
üttbäi, gerade aus und zugleich an der Seite von etwas hin. 



5^1 

DaTonnun die Ausdrücke : längs 't Tdrp, üUbai't Törp, und 'tTorp 
äi^längs gongen. 

37. Am'Ujns, dm *t sellew, faar't sSllew, Alle drei Wörter 
bedeuten etwa: gerade darum, eben deswegen (dän. for det 
samme), sind aber unübersetzbar. Anwendung: ick räisd dm'tijns 
tö Sldswick , ds jö Catalani dirr s^oi^ge shäujl , icb reiste bloss des- 
wegen nach Schleswig , um die Catalani zu hören ; he dit 7 dm'' 
(^, er thut 's vorsätzlich, aus Trotz; läßt unk dm'tijns hänegonge, 
lass uns bloss deswegen hingehen ; dm 't sellew , eben deswegen ; 
faar *t sellew^ 1. darum, ± mit in den Kauf. 

38. Dirr faar , dirrdm, Dirr faar , 1. daher, deswegen, 2. dafür, 
und davor; dirrdm, deshalb. 

39. Jd und ja! /d bejahet unbedingt, ja oder jäh bedingt 
und zweifelnd, wie das dänische ja und jo! — Wäht ddnn gaar äi 
md? willst du denn gar nicht mit? Antw. Jdh, ick liew , ick 
gong doch md, ja , ich glaube , ich gehe doch mit. 

40. JMa >Fd//e , mit Willen , faarsdtslick, vorsätzlich; dm'((/n^, s. 37. 

41. Bei Ortsveränderungen hat man meistens bestimmte Umstands- 
und Yerhältnisswörter , als: dm to mdn Näiber, um zu meinem 
Naehbar , wenn man um das eine Ende seines eigenen Hauses 
gehen muss; auwer to mdn Näiber, über zu meinem Nachbar, 
wenn die Thüren einander gegenüber liegen ; auwer to Ndibät^l , 
über nach Niebüll , weil der Weg über 's Feld geht ; dp to Näibäujl, 
auf zu » weil man es sich dann als höher liegend denkt ; dähl to 
Närdrihssem , hinunter nach Nordriesum ; ütt to Företoft , weil der 
Weg dem Meere zugeht; ütt äujn'e Euch oder Kug , in den Koog; 
dp dw 'e Gast, auf die Geest hinauf; dm to Lonhdlm, um nach 
Lindholm; dähl dw 'e Strävjnn, hinunter auf Nordstrand; dw 
PöUwäirem , nach Pellworm ; dähl äw 'e Hällige , hinunter auf die 
Halligen; tö Tunner, to Fldnsburrig, nach Tendern , nach Flensburg. 
Andere sind wieder wie im Deutsehen, als: he ging hirr faarhdi, 
er ging hier vorbei; he ging faarbdimin Hüss, er ging an meinem 
Hause vorüber; he ging min Hüss faarbdiy er ging mein Haus vor- 
bei » übersprang es, nahm es nicht mit, übersah es; dät'snöfaarhdij 
es ist nun vorbei; dät's faarbdi md hdm^ es ist aus mit ihm. 



352 

.§. 228. Bei den Umslandswörtern und umstandswörtlichen Re« 
detheilen überhaupt haben wir, nach dem Yorausgegang^en, 
nur noch von der Stellung derselben im Satze und von ihren 
Verhältnissen zu andern Wörterklassen das Wesentliche anzih 
führen. 

Sie stehen nämlich bei Haupt- und Fürwörtern, bei Bestim- 
mungs- und Zeitwörtern, so wie bei allgemeinen Zahlwörtern, 
und zwar vor oder nach denselben, im Satze, als: Godd ältim 
de Ihre ! Gott allein die Ehre ! dö inäust de besonners amjn e/f 
name , du musst dich besonders in Acht nehmen , oder : besonnen 
dö maust u. s. w. ; tvdnn he man järst ijnsen kämt , wenn er nur 
erst einmal kommt ; dät äs ämeniränt en Ellen long , das ist 
ungefähr eine Elle lang; dät 's nö ball en Ihr sunt, es ist nun bald 
ein Jahr her (seit); dät 's bäinäi, ungefähr AagedSge sunt, es ist 
beinahe , ungefähr acht Tage her ; he was en läiet bedröwwet, er wir 
ein wenig betrübt; jö was sierem blShs, sie war sehr mild; dätis 
grihsslick käujl , es ist gräulich kalt; he wort ball erm, er wird bald 
arm; jö ds üngemien flijttig , sie ist ungemein fleissig; he kM 
ball, dm en läiet, mjärne, wds^ fo^l^gt, noch elling , noch ijnsen ^ 
er kommt bald , nach einer Weile , morgen , gewiss , vielleicht, 
noch heut Abend, noch einmal; jö stürw näjlke, sie starb nen* 
lieh; he lüpp hirr ämbäi, er lief hier umher und herum; jö viB 
äi mä, sie will nicht mit; dät Brüjd ds dp, das ßrot ist avfi 
jö Döhr äs dp, oder amen, die Thür ist auf oder offen; de SSng' 
ds ütt, das Lied ist aus; de Häujdd ds wäg, der Hut ist weg; 
de Häujdd ds äw , der Hut ist auf; jö Hüll ds auf, die Mütze ist 
ab; jö Tidd äs dm, die Zeit ist um; de Dring ds md, der Knabe 
ist mit; de Hünn ds noch äw äderegge, der Hund ist noch hinten; 
he ds noch tobähg, er ist noch zurück; de Paurte ds tö, die PfortiB 
ist zu; dät Baurd äs dör , das Brett is durch; jö Shaahs as fim, 
der Riegel ist vor; man Siäiwel äs äujn, mein Stiefel ist an' 
he ds äujnstöhg , er ist entzwei; jö Flog ds auwer, der Regmn 
schauer ist vorüber ; he ds dnföre , er ist vorne an , u. s. w. — 
Zusammengesetzte Zeiten bewirken eine andere Stellung des 
Umstandswortes , als : he d^ dilling siürwen , er ist heute gestor- 
ben; jö shäll dnjörsne klemmen wSse, sie soll gestern gekommen 



»r L# »J 



sein; iek häkw hdm oller »äßn, ich habe ihn nie gesehen; ickhähw't 
de all öfling säid, ich habe es dir schon oft gesagt. — Fängt das 
Umstandswort den Satz an, so folgt das Zeilwort unmittelbar 
darnach, als: kaurtlicks slürw man Fidder, kürzlich starb mein 
Vater; md wdn's äi, mit wollen sie nicht; wag wäs*r, weg war 
er; aiujnnet sdn's älllidd, ungezogen sind sie immer, oder: älUidd 
sdn's äujnnet^ immer sind sie u. s. w. — Fangen Mittelwörter 
oder Bestimmungswörter den Satz an , so tritt das Umstandswort 
an 's Ende desselben, z. B. farnäigd ds'r oller, vergnügt ist er 
nie; fähs bdsi älUidd, unartig bist du immer (nur zu Kindern); 
allere wort*r tösieens, älter wird er Zusehens; üttsläipen Mi's all 
Umgens, ausgeschlafen hatte sie schon längst; fläid dsr öfting, 
geputzt ist er oft; näilick sdrCs sierem, neugierig sind sie sehr; 
dpstijnnen sdn's noch di, aufgestanden sind sie noch nicht. 

§. 229. Durch die Stellung der Umstandswörter wird der 
Sinn der Rede oft verändert, worauf man genau achten muss,z. B. 
dö alliene kaast ddt düjn, oder: alliene dö kaast't düjn, oder: 
dö kaast't alliene düjn: du allein kannst es thun; allein du kannst 
es thun, und: du kannst es allein thun. Wäirdßig, mdn Brauser 
hei lägen, wahrhaftig, mein Bruder hat gelogen; mdn Brauser 
kU wäirdftig lägen, mein Bruder hat fürwahr gelogen. Dö for- 
mausentlick häJist hdm en Strdg spdlet, du vermuthlich hast ihm 
einen Streich gespielt; formausentlick dö hähst hdm u. s. w. , ver- 
muthlich du hast u. s. w. ; dö hähst hdm formausentlick u. s. w. , 
du hast ihm vermuthlich u. s. w. He het long äi släipen , er hat 
lange nicht geschlafen; äi he het long släipen, aurs de ausere, 
nicht er hat lange geschlafen, sondern der andere; he het di long 
släipen, er hat nicht lange geschlafen. T6 Jirbed, äi to Lähsiggong, 
zur Arbeit, nicht zum Müssiggang; to ^rbcd äi, to Lähsiggong, 
zur Arbeit nicht, zum Müssiggang. Gödd, äi de Mdnshe, regieret *e 
Wrällf Gott, nicht der Mensch, regiert die Welt; Gödd dt, de 
Mdnshe regieret 'e Wräll, Gott nicht , der Mensch regiert die Welt. — 
Obgleich selten Wortverbindungen der angeführten Art vorkom- 
men, die nicht in beiden Sprachen übereinstimmen, so giebt es 
doch immer einzelne Ausnahmen , wie z. B. der Satz : « du hast 
auch dieses gesagt,'' kann im Friesischen nicht heissen: dö hähst 
och dät säid ; denn diess wäre ganz krebslings gesprochen ; son- 

45 



354 

dern es muss heissen: ock dö hähst't säM, oder dö hähst't oek 
säid, oder: dö ock hähst't säid, je nachdem der wahre Sinn her- 
vorgehoben werden soll. Dagegen aber wohl: dö hähst ock däi» 
sellew säid, du hast auch dasselbe gesagt, wieder verschieden von : 
dö hähst *t ock sellew säid, du hast es auch selbst gesagt. 

§. 230. Wenn die Wörter wirr , wo , und wanne , wann , so 
wie die meisten mit wirr zusammengesetzten, den Satz anfangen » 
so stehen sie allemal fragend, als: wirr äs he? wo ist er? mr 
hähst wäJmF wo bist du gewesen? frag häm, wirr'r wähn het, 
frage ihn , wo er gewesen ist ; wirräw hähst 't läid , worauf Imt 
du es gelegt? wirräujn hSt V 'tfeld? worein hat er 's gefölU! 
wirrdm wäht äi md? warum willst du nicht mit? wirrdör ds he 
rick würden? wirrauf wiest dö dät? wirrfon käme's? woher kom- 
.men sie? wirrmd hähst dät mäget? womit hast du das gemacht? 
wirrbäi kaast dät wähse? woran kannst du das erkennen ? trirr^ 
wäht *t brücke? wozu willst du es gebrauchen ? — Wanne komd 
tobähg? wann kommst du zurück? wanne wäht räisel wann willst 
du reisen ? u. s. w. 

§. 231. Bei Fragen setzt man, wie im Deutschen, oft das 
Umstandswörtchen äi, nicht, als: wäht äi md? kaast äi gonge? 
ds't äi so? köhs ick't aurs mäge? konnte ich es anders machen? 
köhst't äi aurs mäge? wäht inkäme? wäht äi inkäme? könüi 
Bjärn äi släipe? ds't äi wäir? kon de Jönge dann gaar äi korke? 
wäht dö't me äi sägt sedde^. mäi's äi ähse? mag sie nicht essen? 
het's't äi hewe wäjltt hat sie 's nicht haben wollen? — Auehin 
Sätzen, wie folgende: hörr klauck dö äi bdst? wät dö äi aUa 
wiest! wie klug du nicht bist! was du nicht aUes weisst! 

§. 232. Wenn man durch die Wörter: nint, oller, niemmm\ 
nän und nijn — nichts, nie, niemand, keiner, kein und keine-— 
etwas verneint, so gebraucht man diese Wörter im Nordfriesisohea 
bald richtig, bald unrichtig, als: ick hähw nijn Giß, nän jRoet, 
nijn Brüjd an nijn Frünne, ich habe kein Geld, keinen Rock, 
kein Brot und keine Freunde. Aber fehlerhaft sind folgende 
Sätze , wie man sie täglich und allgemein sprechen hört , ah: 
he säit oller nint, er sagt nie nichts; he wall oller nini, er will 
nimmer nichts; he het me oller nint däjn, er hat mir nie nichts 
gethan; jö wäll oller nint sedde, sie will nimmer nichts sagen; 



555 

dkr's oller niemmen iime, nie niemand zu Hause; ick hahw oller 
nän Gräinläujnner säjn, nie keinen Grönländer; ^e wijl oller nint, 
er weiss nie nichts u. s. w. Hier müsste statt nint — wdt , statt 
niemimen — huhmy und statt nän — an oder en stehen. Von reisenden 
deutschen Handwerksgesellen habe ich indessen die Nordfriesen 
hierin noch übertreffen hören , indem sie z. B. sagen : da ist nie 
keiner nicht zu Flause. — Dagegen spricht man immer richtig: 
he asäi inne, er ist nicht zu Hause; he ds oller äjtl'e Hühs, er ist 
nie zu Hause , oder nie daheim , sondern abwesend , oder auswärts. 
Dasselbe gilt von verneinenden Zeitwörtern, als: forbijdden, 
verbieten; lochnen, leugnen; twiwwcln, zweifeln; forhännern, 
verhindern u. s. w. He forbüjd me, ddt ick't äi düjn shäujl, 
er verbot mir, dass ich 's nicht thun sollte; hier müsste äi weg- 
fallen. Dagegen sind folgende Sätze richtig: he forbüjd me 't to 
duhggen, er verbot mir 's zu thun; ick twiwwel, däl*r kamt, ich 
zweifle, dass er kommt; he löchnet, dät'r't säid het, er leugnet, 
dass er 's gesagt hat; he forhdnnert me, dät to duhggen j er verhin- 
derte mich (daran) , es zu thun. 

Zu$ammen%ieAungen, 

§. 253. ßei vielen Umstandswörtern linden dieselben Zusam- 
roenziehungen statt, die wir bei den Für- und Zeitwörtern vor- 
gefunden haben, und es sind hier wie dort die Geschlechts- und 
Fürwörter, die abgekürzt und den Umstands- und Yerhältniss- 
wörtern angehängt werden. Ein angezogenes e steht hier als 
Zeichen für das männliche und weibliche Geschlecht und für die 
Mehrheit, so wie für die Fürwörter derselben Geschlechter und 
derselben Zahl, anstatt de, jö und da, so wie für he, jö. Ein 
angezogenes r bezeichnet die dritte Person im männlichen Ge- 
schlecht, und vertritt das Fürwort he; ein angefügtes s bezeich- 
net das weibliche Geschlecht und die dritte Person der Mehrheit , 
anstatt jö, da und jd; und t das sächliche, anstatt dät und hdt; 
ein zugefügtes m vertritt das Fürwort huhm (man und wer). 
Man muss die angezogenen Buchstaben immer so lesen, als ob sie 
mit dem Worte , dem sie beigesellt sind , wirklich verbunden 
wären, wie z. B. mjn'e, lies: äujnne; unner't, hunnert; äw't, ],äwt; 

45* 



356 

dw's, 1. äws; wirr'e, 1. toirre; wirr'Vy 1. wirrer; dtrr'e^ L dirre; 
dirr'r, 1. dirrer; dirr't, 1. dirrt; dirr's, 1. dirrs; wirr'Sj 1. irwr* 
u. s. w. — Beispiele: 
ihr y ehe: ihr'e, ihr'r, ifir's, ihr't, ihr*m. 

sunt, seit: sunt'e, sunt'r, sunfs, sunt't, sutU*m: 

bUt, bis: Htt'e, bitt'r, UiVs, bitt't, biU'm. 

ds, als: ds'e, d«V, ds, äs't, äs'm. 

harr, wie, wenn: Äorr'c, harr'r^ hörr'Sf hörr't, hörr'm, 
wirr, wo, ob: wirr'e, wirr'r, wirr's, wirr*t, wirr'm. 
wann, wenn: wdrin'e, wdnnW, wdnn*s, wdnn*t, wdnn'm, 

dtrr, da: dirr'e, dirr*r, dirr's, dirr'l, dwr'm. 

Anwendung. — He kaum ihr'e Tidd dm was, er kam, ehe die 
Zeit um war; ihr'r dät däi, ehe er das thäte; jö mSst hdr jard 
mjntijn, ihr's käme köhs, sie musste sieh erst anziehen, ehe ae 
kommen konnte; ihr 's dät füngen häjn, bevor sie das empfangen 
hatten; ihr's't füngen, ehe sie's empfingen; ihr'm käme, beyof 
ihr kommt; ihr'm sä wdt det, mäujtt' m huhm doch järst betanke, 
ehe man so was thut, muss man sich doch erst bedenken; 
he stöhs dp, ihr*t Däi würd, er stand auf, ehe es Tag ward; 
ihr't Enne , vor Abend; ihr*t ältelähs wort, ehe es zu spät wird; 
sunt'e Paashe, seit Ostern; sunt*r äujn'e MäisUnge läi, seit er 
an den Masern danieder lag; sunt 's iöbähg kiemmen ds, seildeoi 
sie zurückgekommen ist; sunt't snäid het, seitdem es geschneit 
hat; sunt'mW nint fon hierd het, seitdem man nichts davon gehört 
hat. Ebenso mit hörr, win', dirr, u. s. w. Bei den übrigen, 
die auch als reine Yerhällnisswörter stehen, finden wir nur die 
beiden Geschlechtszeichen e und t vor, als: äw't Ekre, auf den 
Aeckern; äw'e Shew, auf dem Tische; unner'e Bank; unniBr*i 
Wanning^ Fenster. Das Wörtchen ds (als) bekommt im weiblichen 
Geschlechte und in der Mehrheit kein weiteres Geschlechtszeichen, 
weil es sich schon auf s endigt; ds dirr wähn hat, als sie dt 
gewesen war; äs dät säiden^ als sie das sagten, u. s. w. Des 
Zeitwort giebt hier allemal die Einheit oder Mehrheit zu fi^ 
kennen. 



NEUNTES CAPITEL 

DAS VERHÄLTNISSWORT (Praepositio). 



§. 254. Das Yerhältnisswort ist eigentlich ein Umstandswort, 
hat aber das Eigene an sich, dass es Gegenstände mit einander 
in ein gewisses YerhäUniss setzt, und mit den Endungen e, t^ 
und en verbunden wird, als Zeichen des Geschlechts und der 
Zahl; als: äw'e Tele, auf der Diele, dem Fussboden; äw't Hüss, 
«uf dem Hause; äw*e Hühssinge, auf den Häusern; äio'en Prdck, 
auf ein Haar, u. s. w. 

Die Yerhältnisswörter sind folgende: 

i. Aane, ohne; 2. dnädrey hinter, hinten; 5. änföre ,' yor , vorne, 
voran; 4. dm, um; trinndm, ringsum; ^.i^tt, z'i, in, an, engl, at; 
dpäjU, inäjU, dähläjtt,' 6. op, auf, in die Höhe; dpäw, aufauf; 
dpdm, auf um; dpbäi, aufbei; 7. auf, ab, von, dän. af, engl, of; 
8. äujn, in, ein, hinein, an; inäujn, dpäujriy dmäujn, faaräujn^ 
bdnneävjn, dähläujn; 9. auwer^ über, dän. und engl, over, nd. 
öwer; dpauwer, dählauwer; auwerbäi, auwerijn, auwerfaar, baa- 
wenauwer^ oben über u. s. w. ; 10. auwerfaar, gegenüber, nd. 
öwerför , dän. overfor, engl, over against; ii. auwerijn, übergegen — 
auch gegenüber. 12. dw, auf, am Orte befindlich; dpdwy aufauf, 
dän. op paa, engl, upon; i3. dwehirregge, diesseit; i4. dwejdnner- 
igge , jenseit, auch bäijante, engl, beyond; 15. baawendw , oben 
auf, nd. baawe.n op, dän. oven paa; 16. baawne , oben, nd. baa- 
wen, engl, above; auch oberhalb; 17. bdi, bei, nd. bi, dän. 
ved, hos, bi, engl, by; 18. bdnne, binnen, innerhalb; 19. banne- 
faar, innerhalb; 20. bütlefaar , ausserhalb; büttebdi, büUedWp 
büttedm; 21. dör [dö/ir), durch, nd. dör; 22. delebdi, unterhalb; 
deledm, unten um; 25. efter, dän. efter, engl, after; 24. faar, 
vor und für, dän. for; äujntstähs faar, anstatt; 25. faaraane, 
ausser, ohne; 26. fon, von; 27. faarbäi, vorbei; 28. formiddelst, 
vermittelst; 29. hänijn, gegen, engl, against; besonders von der 
Zeit; ZO.ijn, gegen; dpijn , gegenan ; änjrUijn, engl, against; 



358 

iwjtilmäiijt , entgegen; Zi. längs, längs, dän. längs med, engl. 
along, alongst; Z2.mä, mit; 55. näist, nächst; tönäist, zunächst; 
näistbäi, näisteßer; 54. sunt, altd. sint, dän. siden , engl, since; 
55. tö, zu, nd. to> engl, to; 56. tdäw, zuwärls; tomd, äwlöf 
i, auf zu, auf los; 2. als Zygabe (etwas bekommen); iöivdddeme, 
zuwider; 57. ütl, aus, dän. ud, nd. ut, engl, out, out of; 
ütthäiy üttfaar, ültdm, üUäujn, [üttäiv, üUlängs, ütlauf, üttauwer; 
58. trotSy trotz, dän. trods; 59. unner, unter; unnermädde, 
unnermd; 40. in, ein, dän. ind, engl, into; inäujn, 

§. 255. Da die Yerhältnisswörter, im eigentlichen Sinne g^ 
braucht, immer Raum- und Zeitverhältnisse anzeigen, so könnte 
die Anzahl derselben , durch eine Menge einfacher und zusanh 
mengesetzter Umstandswörter, welche diese Verhältnisse bestim* 
men , noch bedeutend vermehrt werden , was hier aber über- 
flüssig sein würde, indem das Wichtigste davon bereits vorge- 
kommen ist. Wir wollen daher den Gebrauch der vorstehenden 
hier etwas näher kennen lernen. 

§. 256. ""Aw, auf; dän. paa, engl. on. 

i. ^Aw bezeichnet erstlich die obere Stelle eines Gegenstandes, 
wo sich etwas befindet, als: äw'e Bäirig; de Bälle Hit aw*t 
Hüss; he feil äw*t Iss; jö gongt äw'e Straate; äw'e Stijnbro, auf 
dem Pflaster; äw't FäjH, dem Felde; äw'e Löft, dem Boden; Ä« 
d$ äw*e Jagt, he läit äw'e Räihs , ds äw't Shäifjl, ist auf def 
Schule; he sdtt me äw'e Regg; ick spät äw*t Klavier; he d^ dw'e 
Baan, äw't Spar, äw sin Pläss; dd Stäire äw'e Hammel yVm 
Himmel; he het nijn Kluhse äw'e Kröpp, er hat keine Kleider am 
Leibe; he stönt äw'e Spring, er steht auf dem Sprunge; Shur 
äw'e Fäjtt heweUy Schuhe an den u. s. w.; dät Burk äw'e Buhnm, 
die Rinde am Baume; jö stönt ^ läit, bläß äw ijn Stähs^ sie steht, 
liegt, bleibt auf einer Stelle; dät Bill ds äw't Uch kläwet,9iXi 
die Wand geklebt; huhm äw wdt brännen, sich an etwas brennen; 
he liert äw sdn Lachse, äw'en Song, er lernt an seiner Leetion, 
an einem Liede; dd Hinge äw'e Bohr, die Angeln an der Thür; 
jö Tann läit äw'e HijUing , die Tonne liegt auf der Neige; Böh$ff 
äw't Brujd; äw'e Bröge wesen, in oder auf dem Trocknen sein; 
äw'e Bick käiren, auf dem Deiche fahren; äw't Wähser sillen^ 
auf dem Wasser treiben; äw'e leeß Häujnn, zur Linken; äw' 



359 

Spicker hingen , an einem Nagel hangen ; äw 'e Bare dregen , auf 

der Bahre tragen; äw'e Shämmel ridden, auf dem Schimmel reiten; 

iw'e Sidd Iddden, auf der Seile liegen; äw'n Shäp bdggen^ 

an einem Schiffe bauen; äw'en Höfts prägein, an einem Strumpfe 

stricken; äw'efi Bräif shriwwen, an einem Briefe schreiben; däi 

skäid äw'en Sändäi, es geschah an einem Sonntage; dät äs äw*t 

Market^ äw't Apothek, äw't Posthüss tö fuhggen; huhm äw*en 

Knöppnill riwwen, sich an einer Stecknadel riizen; äw'e Käst bäi 

hnhm wSsen, bei jemand in der Kost sein. Dät d$ äw'en Rüge 

tnd kam, d.er faselt, redet irre; 2. er ist ganz herunter ; äw wdl 

hacken y ohmen, pusten, blaasen, hieren, slufiggen, fällen u. s. w., 

auf etwas hauchen, athmen , pusten, blasen, hören, schlagen, 

fühlen. 

2. Eigentlich und uneigentlich bezeiclinet äw eine Richtung 
auf einen Ort zu , oder auf einen Zeitpunkt hin , und erleidet 
eine mannigfaltige Anwendung, als: he ds äw'e Wönter belögt, 
er ist auf den Wihter bedacht; he jaget sin Tjöch äw't Gjärs, 
er treibt sein Yieh aufs Gras; äw huhm täiwen, auf jemand 
warten ; he lörret äw jöhr Prihsse , er lauert auf theure Preise ; 
forläjtt de äw Gödd ; äw de Luwe ds'r krdstent, auf den Glauben 
ist er getauft, wörtlich: gechristnet; äw din Urd wall ick't waage, 
auf dein Wort will ich's wagen; he lijnt äw Päujn , er leiht auf 
Pfänder ; he baurigt äw mdn Nome , er borgt auf meinen Namen ; 
äw wdt ägien, auf etwas achten; äw huhm shellen , kiwwen, auf 
jemand schellen , keifen ; he ds wriess äw me , er ist böse auf 
mich; dät ging äw gauhs Lock, das ging auf gutes Glück; äw'en 
büfäll kämen, auf einen Einfall gerathen; äw Bedregeräi tanken, 
auf Betriegerei denken; he släitH äw tien Daalere ciujn, er schlägt 
es auf zehn Thaler an; dät gongt äw Düss an Läwent , das geht 
auf Tod und Leben; wdt äw't A'pböd sSlten, etwas zur Versteige- 
rung (zum Aufgebot) stellen; äw't u/rbed gongen; forpäkket äw 
wdt Wesen, erpicht auf etwas sein; äw tjüsk, äw dünsh, äw 
hollävjnsh, äw frdsh, äw aingelsh, auf deutsch, dünisch, hollän- 
disch, friesisch, englisch; äw'en Präck dräwen, auf ein Haar 
treffen; äw'e tred Häujnn, auf die dritte Hand; .;a^ du; /mm, treibe 
ihn an; wdt äw tö kdwwen hewcn; äw sin üjlle Dege, auf seine 
alten Tage; he fahrt äw Holläujnn, er fährt auf Holland; äw längs 



360 

Udden, der Länge nach legen; äw twirrs, der Quere nach; äw^e 
Shrädde, auf der Schräge,* äw*e Gkhel, äw*e Flaaü späten, auf 
der Geige, auf der Flöte spielen; dö bdst äi äw ddn Siräg^ bist 
nicht bei Laune; äw'e Glähs weseriy im Schub sein; jö Döhr 
stönt äw'e Kldink, die Thür steht angelehnt, auf der Klinke; 
äw Räjdd finnen, Rath, Auswege finden; äw huhmsen Post wSsen, 
auf seinem Posten sein; äw'e Ldjngde, auf die Länge; äw AagedSge, 
auf acht Tage; äw*en Ihr^ auf ein Jahr; äw drken Fäll, auf jedeii^ 
Fall; äw't Ridküss, auf dem Rathhause; forliyU de äw me, üms^ 
hdm, verlass dich auf mich, auf ihn. Abweichend sind folgende :^ 
he ds äw*e Näigde, in der Nähe; hörr gongt 't äw'e NäujUe ^ 
nach welcher Melodie geht es? äw'e Ldgte, auf eine leichte 
Weise, leichten Fuss; äw'e Mail, auf der Mitte; äw'e N%rrigg& , 
diesseit, näher; äw'e widderegge, jenseit, weiter ab; äw^tnäsi^ 
auf's nächste; äw't best, auf *s beste; he läü häm äw'e Spräicke, 
er legt sich auf die Sprache, oder auf die Sprachen; im 
Dänischen legt man sich darnach [efler): at logge sig efler Yidenr 
skaberne, sich auf die Wissenschaften legen. 

§. 257. A'päw , aufauf; dän. op paa, engl. upon. 

A'p bezeichnet immer die Richtung nach oben und äw hier, 
in diesem Compositum, das auf der Oberfläche eines Gegenstandes 
ruhende oder sich befindende, woraus sich zugleich das Ofi/auf 
erklärt, wo das erste auf die Richtung, das zweite den Ort des 
Hingelangens und dann des Befindens bedeutet, wo wir im Deut- 
schen beides zugleich durch den vierten Fall bezeichnen ; auch 
kann dpäw immer nur von wirklichen Dingen oder Gegenständen 
im Räume gebraucht werden, als: help me dpäw'e Hdjnst, hilf 
mir aufs Pferd; he ds dpäw*e Löfl gingen, er ist hinauf auf den 
Boden gegangen; äpäw*t Hüss, aufs Haus; ick wäll dpäw'e Bäirig 
ich will auf den Berg (hinauf). Yergl. dpäjlt, dpävjn , dpbai 
dpijn, dp f aar, dpauwei* , dpunner: s. §. 227, N. 8. 

§. 238. Am, um. 

Am, um, steht i. wie im Deutschen, als: dm't Hüss gong 
dm*t Haad binnen; huhm dm't Liff nämen, jemand um 
Leib fassen ; dm Gnahse bädden ; dm Gijl spulen ; dm' e 
kempen, um die Ehre kämpfen; dm Gunst bddden; dm^t 
stridden; dm't Mm an Bin, um's Mein und Dein; dm Forlöf fi 



561 

um Erlaubniss; ja sträwe am en Urd, sie streiten um ein Wort; 
körrdsH de dm't Hart? wie ist's dir um's Herz? dät was dm jösSl' 
iew Tidd, es war um dieselbe Zeit; de Haiipp sdt dm'e Tdnn^ 
der Reif sitzt um die Tonne; dm'e Hjärn kieken^ um die Ecke 
gucken; dm'e Wäjl gongen, um den Weiher gehen; dm alles äujn'e 
Wräll di, um alles in der Welt nicht; he gälll dm sin Bauck, er 
weint um sein Buch ; dät grämt me dm de , es grämt mich um 
dich, oder: du dauerst mich; dm nint an wi/isser nint, um nichts 
und wieder nichts; dm wdt säjckefi, um etwas suchen; dm huhm 
Wesen ^ um jemand sein. 

2. Bezeichnet dm einen Verlust, eine Beraubung, als: dm't Li ff 
harnen, um's Leben kommen; he kämt dm'n Hals, er kommt um 
den Hals; he het me dm alles brSgl, er hat mich um alles gebracht. 

3. Steht dm für von, nach, als: he driemd dm gäujllen Bäirige , 
ihm träumte von goldenen Bergen; he het gr^tt Tögte dm hdm sei- 

J^w, er hat grosse Gedanken von sich selber; hähst wdt dm'e Krick 
hierd? hast du etwas vom Kriege gehört? jti snäketen'r dm, sie 
sprachen davon; tvirr segst dm? oder: dm wdt segst dö? um was, 
oder wornach suchst du? ick säjk dm mdn Stock, um oder nach 
meinem Stock. 

4. Am Däiem, dm Nägtem, dm Mdddäiem, dm £nnem, dmMjdr» 
nem, dm Sdmmerem, dm Wonlerem u. s. w. , am Tage, oder des 
Tages, in der Nacht, oder des Nichts, des Mittags, des Abends, 
des Morgens, des Sommers, des Winters. 

5. Ferner: Jö Treel läpt Irindm hdr sellew, die Triele (runde 
flache Scheibe] läuft rings um sich selbst; dd Buhmme stäujnne 
trindm't Hüss; dmentränt, ungefähr, ümstandswörtlich : kier dm! 
kehre um! binn de Dauck dm, binde das Tuch um; dm an dm, 
um und um ; tie de dm , zieh dich um ; sie de dm , sieh dich um ; 
hejeftW nint dm, er giebt nichts darum, mag es nicht; dö snäkest 
trindm, du sprichst rundum, im Zirkel; daher: dät Trinndmsnäk, 
der Rundumscbnack; de Trinndmsnäker , der Rundumschwätzer, 
und das Verbura trinndm 'cruken, so wie das Subst. de Trinndm 'e- 
ruk, wörtlich: der Rundumdenschober. — Am't lest kdmt'r doch, 
endlich und zuletzt u. s. w. As'r wdt dm? ist etwas daran? 
näiplich wahres an einem Gerüchte. Jö Tidd ds dm, die Zeit ist 
um. — r Am so faale ihr, dm so faale mörr , Idgtere, bähsere, 

4€ 



362 

hijnnere, um soviel eher, mehr, leichter, besser, schlechter; 
dm en Stünns Tidd, dm AagedSge, dm en Aagedege , nach Verlauf 
einer Stunde, nach acht Tagen, nach etwa acht Tagen. 

Die Ausdrücke: du hättest es um ein Haar (breit) getroffen, 
um einen Tag zu spät , um einen Zoll zu kurz u. s. w. , kann man 
wörtlich nachbilden, und auch dm hier weglassen, als: dät 's dm 
en hiel Mlen älteläng , oder en Ellen ältelöng. 

§. 259. 'Aw, fon, auwer, efler, bat und faar sind in verschiedenen 
Beziehungen mit dm sinnverwandt, als: he gälli dm sdn Brauser 
und he gällt auwer sdn Brauser , er weint um seinen Bruder, weil 
er ihn verloren hat, und er weint über ihn, weil dieser ihn etwa 
beleidigt hat. Am en Urd und auwer en Urd sträwen, um und 
über ein Wort streiten, u^'m wdt fragen und efter wdt fragen, 
um und nach etwas fragen. Ick frägW nint efler, ich frage nichts 
darnach; dät kön'r menint dmshijite, ich mag 's nicht, schere mich 
nicht darum. HähstW wdt dm hierd? hast du etwas darüber 
erfahren? hähsl'r wdt auf hierd? hast du selbst etwas davon mit 
angehört? hähstW wdt fon hierd F hast du überhaupt davon spre- 
chen hören? ick hierd 't auf hdm, unmittelbar von ihm, aus sei- 
nem Munde; ick hierd 't dm hdm, es betraf ihn; ick hierd ' t fim 
hdm, ich hörte es von ihm sagen, andere sagten 's von ihm. i'm 
wdt säßcken und efler wdt säjcken, um und nach etwas suchen; 
dm huhmsen Ihre kempen, um seine Ehre kämpfen , die Ebre ist 
hier das zu erringende Ziel; faar sdn Ihre stridden, für seine 
Ehre streiten, um sie zu bewahren, oder um sie nicht zu ver- 
lieren; dm en Daaler gongen, um einen Thaler gehen, ihn zu 
holen : faar en Daaler gongen , um ihn zu verdienen ; bdi en Prdek 
dräwen, um ein Haar breit treffen; äw en Prdck, auf ein Haar, 
gerade auf den Punkt. A'm en Idiet , nach einer kleinen Weile; 
Sßer en Idiet, dasselbe; faar en Idiet, so eben; dm*e Naurde, dm'e 
Sühsse, Weste, uisle^ gen Norden, nach Norden, Süden, Westen, 
Osten. 

§. 240. Ajtt; dän. ad, engl, at, 

Ajtt steht i. für an, als: dirr's nint äjtt hdm, es ist nichts an ihm; 
zweideutig. Dirr's nint äjtt de Säihs, es ist nichts an dem Käse, heisst 
entweder: er taugt nichts, oder er ist so klein, dass er nichts ver- 
schlägt. — Eine von den beiden Bedeutungen hat äju immer, sobald 



363 

es in dieser Verbindung vorkommt, und es ist dann aus dem Zu- 
sammenhange leicht zu erkennen, welcher Sinn jedesmal gelten soll. 
Zwei Beispiele können diess einleuchtend machen , als: horr gongt' t 
de ma ddn näie Plaugdriwwer? wie geht 's dir mit deinem neuen Pflug- 
treiber ? Antw. de Jönge äs gauhse nög, aurs he ds man so IdjU an klkn, 
dirr's nint äjtt ham, der Junge ist gut genug, aber er ist so klein 
und dünn ; es ist nichts an ihm. — Hier ist der Wille des Knaben 
gut, aber es fehlt ihm an Fleisch, Knochen und Kräften; dän. 
der er ikke nogel ad ham. Aber: hörr häget de dm naie Bokndgt^ 
wie gefällt dir dein neuer Bauknecht (Grossknecht, Ackerknecht)! 
Antw. dät äs en grollen wähUgen Kjärl, aurs dirr 's aurs nint äjit 
hdmy es ist ein grosser wähliger (starker) Kerl, aber es ist sonst 
nichts an ihm. Das erste aurs im letzten Nachsatze , welches statt 
aber sieht, ist ganz tonlos, das zweite, für sonst oder übrigens p 
ist dagegen stark betont. 

% Steht äjH bei Ortsverhältnissen, wo es dann entweder das 
Befinden an einem Orte, oder das Bestreben, nach demselben zu 
gelangen, anzeigt, als: he äs ajU'e Hühs, engl, he is at home; 

m 

äjU ühs, bei uns, in unserm Hause; äjU Järrvige, bei euch, eurer 
Familie; äjttjäre, bei ihnen; a^tt Frosters, in des Predigers Hause, 
beim Prediger; äjtt Faageds, beim Vogte; äjtt Meilers, beim 
Hüller; ä^U Kriemmers , zu Krämers. Auch nennt man bloss die 
Vornamen der Hausbesitzer, und spricht: äjtt Siewerts, äjtt GSshens, 
äjü Mommms, äjtt Sänkens, u. s. w.; äjtt huhms höhst wähn? bei 
wein, in wessen Hause bist du gewesen? 

Bewegung nach einem Orte zu, als: ja kaummen in äjlt'e bohr, 
QJU't Wännitig, äjtt't Jfhk, äjtt't uälkenier, sie kamen ein durch 
die Thür, durch 's Fenster, durch *s Scheunenthor, durch die Er- 
kerluke ; äjtt 't Wännitig instegen , engl, to enter at the window , 
dän. at süge ind ad Vinduet, Äjtt huhm läken, engl, to laugh at 
one, dän. at lee ad Een, über jemand lachen. Apäjtt'e Bäirig 
gongen, den Berg hinan gehen; dähläjtt'e Bäirig, den Berg herab; 
dpäjtt't Uch kriepen, die Wand hinan kriechen; dät shrdt äjtt't 
Ijnne^ es schreitet dem Ende zu; äjtt't lest, engl, at last; äjtt't 
mannst, engl, at least, wenigstens. Umstandswörtlich bei trennbaren 
Zeitwörtern: wät gongt de äjtt? was ficht dich an? dän. hvad 
gaaer der ad dig? hörr drSgst de äjtt? wie gebehrdest du dich? 

46» 



564 

hier ^Ü ! merk auf; he uget älUidd äjU , er strebt immer fort. 

§. 241. Mehrere andere Verhältniss Wörter sind hier sinnver- 
wandt, als: äujn, auiüer, auf, dp, bäi, dm, als: he äs äjU'e Hühs, 
er ist zu Hause: he ds bäi'e Hühs, er ist in der Heimath, nicht 
auswärtig; äjU huhm läken und auwer wdtläken, ifter wat läken: — . 
Ick läk äjtt de, dich betrifft das Lachen, aber: iek läk dtrr^ 
auwer, dät dö de so däsig ößltdregst, ich lache darüber, dass du 
dich so närrisch beträgst; efter huhm läken, würde heissen, die 
Lache eines Andern nachahmen, oder ihm nachlachen, wenn er 
wegginge. So sind auch die Ausdrücke; äujn't Ijnne, äjtt't Jjnw, 
bäi't fjnne, dem Sinne nach verschieden: äujn't Ijnne, im Ende» 
ajU't Ijnne, gegen das Ende zu, hdi*t Ijnne, beim Ende, und 
zu Ende. Yerschiedene Ausdrücke sind auch: äjlt't Lest, a^'t 
Lest, äw'tLest und dm't Lest. 

A'päjtt , hinan, dpäw, hinauf; dähläjtt, auf der Fläche abwärts, 
dählauf, herunter, von einem erhabenen Standpunkt; äjithar' 
ken , aufmerken, um etwas zu fassen, dphdrken, aufhorchen; 
aufmägen, mag auf, streben, dass man fertig wird; eti Säge auf» 
mägen, eine Sache mit jemand abmachen; äjttugen, anhaltend, 
stetig fort arbeiten , aber ohne Eile. 

§. 242. Auf, ab , von ; dän. af, engl, of und off. 
i. Auf, von, ist mit fon am nächsten verwandt, und heisst: un- 
mittelbar von , als : dät Bräif fon man Brauser füng ick auf mw 
Dögter , den Brief von meinem Bruder erhielt ich aus den Hän- 
den meiner Tochter; de Fidder hält faale auf sdn Sahn, der Yaier 
hält viel auf seinen Sohn, hat ihn lieb; de Hävjdd auf't Haad 
nämen, den Hut vom Kopfe nehmen; he däi't auf sin äien Hijtting , 
er that es von selbst, aus eigenem Antriebe; wörtlich: von seinem 
eigenen Geheisse; he baurigt en Baaler auf me, er borgte einen 
Thaler von mir, wenn er denselben unmittelbar von mir selbst 
erhalten, fon me, wenn ein Anderer ihm den Thaler gebracht 
hat ; auf huhm hähst dät Bauck füngenF wer hat es dir unmittelbar 
gegeben? fon huhm hähst 't füngen? Antw. fon mdn Brauser, he 
het't me md de Post sänd. — Bat ds auf ijn Bläi, das ist von einer 
Farbe; de Ömmer ds füll auf Wähser, der Eimer ist voll von 
Wasser; dähl auf'e Löß kämen, vom Boden herabkommen; duhg 
me wdt auf dän jfpcl , gicb mir etwas von deinem Apfel ; an 



565 

mf da twänne rrmtji'i doch wähn hewe, einer von den beiden 
muss es doch gewesen sein; he läwet fon sin Rönte, aurs auf Ähse 
an Drajnke , er lebt von seinen Renten , aber durch (unmittelbar 
von) Essen und Trinken; he plucket drk Plöhm auf*e ßuhmm, 
er pflückt jede Pflaume vom Baume; kam dähl auf'e Buhmm^ 
komm herab von dem Baume; gong fon'e Buhmm, geh von dem 
Baume weg ; ick wijt nint auf järe Düjns , ich weiss nichts von 
ihrem Thun und Treiben; he slürto auf Forgdft, er starb an Gift; 
jö ds mager würden aufe KöllCy sie ist mager geworden vom Fieber; 
dät Shdnn ds auf en Baar, das Fell (Schind) ist von einem Bären; 
dät 's Brüjd auf man äine {diene) Rägge , das ist Brot von meinem 
eigenen Roggen; ijn auf min Baucke^ eines meiner Bücher; aufe 
Hdjnst stäiynnen^ vom Pferde steigen; aufe Wäien fällen y vom 
Wagen fallen ; dät ds auf en gauhsen Släg , von gutem Schlage. 
2. Steht auf für aus, als: de Airem ds auft Ldss, der Arm ist 
aus dem Gelenke ; he kdmt aufe Sjürk , er kommt aus der Kirche, 
wenn er zur Kirche gewesen ist, aber; he kdmt fon'e Sjürk, wenn 
er bei derselben gewesen ist, etwa als Arbeiter, Handlanger u. s. w.; 
dät ds aufe Maude, aus der Mode; jö Shiess ds auf Blie, auf 
Tann, auf ßJesing , auf Selwer , auf Gäujl, der Löffel ist aus 
Blei, Zinn, Messing, Silber, Gold; en Häujdd auf Sir di, en Mann 
auf Snie, en Seme auf Baawle, en Snaur auf Hänep, ein Hut 
aus Stroh , ein Mann aus Schnee , ein Seime aus Seebinsen 
(scirpus lacustris), eine Schnur aus Hanf; he kdmt dähl aufl 
Hüss , vom Hause herab ; dähl aufe Bäing , wenn er auf dem- 
selben gewesen ist : dähl äjtt 'e Bäirig , den Abhang hinunter , 
dähl fon 'e Bäirig , von dem Berge her, nach einem niedrigem Orte; 
he däi 't auf Föhlhäid , auf ^ngst , auf Nüjd , auf Zdgtsdnnighäid , 
er that es aus Bosheit, Angst, Noth, Leichtsinn; dät ds me aufe 
Tagte kiemen , es ist mir aus den Gedanken gekommen; auf de 
Säge ds di klauck to worden, aus der Sache ist nicht klug zu 
werden ; ick wijt H auf Erfäring ; aufe Tijnst gongen , aus dem 
Dienste gehen; aufe Shew nämen, vom Tische nemen, abdecken; 
ndm de Stäujl aufe Shew, nimm den Stuhl vom Tische herun- 
.ler : ndm 'en fon 'e Shew , wenn er dabei oder daran steht ; he 
wäjl *t auf me wdse , er wollte es von mir wissen ; säg en Stock auf 
dät Baurd , säge ein Stück von dem Brette ab : säg en Stock ütt 't 



366 

Baurdy säge ein Stück aus demselben; dpauf'e Süss, aus dem 
Brunnen herauf, u. s. w. — Umstandswörtlich: ndm ddn Häujdd auf, 
nimm den Hut ab; dirr wort nint auf, es wird nichts daraus; 
wiest 'r wdt auf, weisst du etwas davon? auf an to ^ ab und zu; 
sedd kam auf, sage ihn ab ; üe din Kluhse auf, zieh deine Kleider 
ab. — Auf ist der reine Gegensatz von äw (auf), dählauf von 
äpäw. In Zusammensetzungen , besonders mit Zeitwörtern , ent- 
spricht auf durchgängig dem deutschen ab , als : aufmägen , auf' 
nämen, auflänken, aufdrögen, auffinnen u. s. w. 

§. 243. Utt und fon (aus und von) sind mit a»/* sinnverwandt, 
als : ÜU *t Hüss gongen , aus dem Hause gehen : ütt auf't Hüss (t^ 
eUy aus dem Hause wegziehen; ütt't Shdnn gongen, aus der Haut 
fahren: auf't Shdnn gongen, dasselbe, aber in Beziehung auf das 
Verlassen derselben ; auf sin Urde to slitten, und ütt sin Urde ti 
slittefi, aus seinen Worten zu schliessen ; ick kam auf'e Wägt, 
ich komme von der Wache , wenn ich selbst Wache gestanden 
habe: he kamt fon 'e Wägt, er kommt von der Wache her; 
auf't Shäujl bliwwen , aus der Schule bleiben : ütt *t Shmil Ut«- 
wen , eben so , fon 't Shäujl bliwwen , nicht iii die Nähe dersel* 
ben oder an dieselbe kommen; bliw fon'e Shew ! bleibe vom 
Tische weg ! bliw auf'e Shew, du darfst nicht auf denselben kom- 
men; Gödd help üss auf jö hirr Nüjdl Gott hilf uns aus dieaer 
Noth: Gödd bewär üss faar sön Nüjd, Gott bewahre uns vor 
solcher Noth ; en Stock fon twäntig Ellne , ein Stück von zwanzig 
Ellen: en Stock auf twöntig Ellne, würde heissen: ein Stück, das 
von zwanzig Ellen abgeschnitten wäre ; he würd shähn auf m 
Säldaat, er ward von einem Soldaten erschossen; fonjö Tidd auf^ 
von der Zeit an ; fon nö auf äujn , von nun an ; fon min stgst 
Ihr auf, von meinem sechsten Jahre ab: fon min segst Ihr aitßjn, 
von meinem sechsten Jahre an ; auf häm wort nint, und üU him 
wort nint, aus ihm wird nichts ; en ßräif auf twäier Böge fon s^gstim 
Sidde, ein Brief aus zwei Bogen von sechzehn Seiten; de Md$Mi 
läwet äi alliene auf Brüjd, der Mensch lebt nicht allein von Brote: 
he läwet fon sdn Brauser, er lebt von seinem Bruder; ijn auf 
tuhg! eins von beiden: ijn fon iuhg bldft ijn, eins von zwei bleibt 
eins; wirr bldfst auf? wo bleibst du ab? auf nint kämt nint, aus 
nichts kommt nichts; ütt auf't Sellshwp gongen, aus der Gesell* 



367 

Schaft treten: fon*t Sellshdp gangen, davon weggehen; dät Soo$ 
ds auf, die Suppe ist aus oder auf. 

§. 244. Äujn , inäfj^n. 

Äujn steht i. da, wo wir im Deutschen in mit dem dritten 
Falle bei Zeit- und Raum Verhältnissen gebrauchen, als: äujn'e 
Stähs bögen , in der Stadt wohnen ; ävjn Toffle gongen , in Pan- 
toffeln gehen; Gijl äujn'e Shroek hewen, Geld in der Tasche ha- 
ben; äujn en Stünn, in einer Stunde; äujn'e Juli, in den Weih- 
nachten ; aty« 'e PaasAe , in den Ostern; ätijn 'e Pdjngsdege, in 
den Pfingsten ; äujn 'e Tögte hewen ; he het en läiet äujn H Haad , 
er hat was im Kopfe ; äujn Frehse läwen , in Frieden leben ; äujn 
'e Gong wesen ; dät Tjauling läit äujn 7 Shrönn , äujn *e Borke , 
üvjn'e Mäujnn ^ der Knaul liegt in der Lade, in der Beilade, im 
Kasten der Garnwinde. 

2. Steht es für an, als: äujn din Slähs, an deiner Statt; dät 
lau äujn de, es liegt an dir; he läit äujn'e Kolle, äujn'e Mäislinge^ 
ät^n'e Bjärnepöcke^ äujn'e Spdjnkel, äujn'e Wähsersegt u. s. w. , 
er liegt am Fieber , den Hasern , Kinderblattern , dem fleckigen 
Faulfieber , an der Wassersucht danieder ; he et hdm satt äujn an 
Bogt, er isst sich satt an einem Gerichte; Dijl äujn wdt näinen^ 
Theil an etwas nehmen; Smäge äujn wdt finnen, Geschmack an 
etwas finden; dö hast Shäjll äujn min Unlöck,' du bist schuld an 
meinem Unglücke; hörr faale hähst äujn Gijl? wie viel hast 
du an Gelde? 

3. JBei Zeitwörtern» die eine Richtung anzeigen, steht äujn^ 
inäujn, üttäujn, dähläujn, dpät^n u. s. w. , da, wo wir in mit dem 
vierten Falle gebrauchen, als: ick liew äujn Gödd, ich glaube an 
Gott; he gongt inäujn'e Sjürk, er geht in die Kirche hinein; tr^hs 
inäujn'e Dörnsh, tritt in die Stube; huhm äujn't Önldss sluhggen, 
jemand in 's Angesicht schlagen ; dähläujn 'e Tjaaler gongen , hinun- 
ter in den Keller gehen; üttäujn *e Luft gongen^ an oder in die 
freie Luft hinaus; dähläujn' e Slüjtt fällen, in den Graben fallen; 
äujn't Slübb fällen, in den Koth; ick däi't hdm äujn'e Häujnn, ich 
gab's ihm in die Hand. 

Gemischte Beispiele: äujn'e Kluhse wesen, in den Kleidern sein; 
äujn *e Ijägte stäujnnen , im Lichte stehen ; huhm äujn 'e Bock tie- 
en^ einen am Rocke ziehen; wiit äujn'e Hüdd wSsen, weiss in der 



368 

Haut sein; äujn min Ttäd, äujn üjll Tiddt^ zu meiner Zeit, in 
alten Zeiten; äujn 'e Junke , im Dunkeln; äujn*t Zäwent wesen, 
am Leben sein. — ümslandswörtlich : dirr's nint äujn, es ist nichts 
darin; tie de äujn, zieh dich an; wirr läU't äujn? woran liegt es? 
dät ist gäujd äujn , es lässt gut an ; dät gongt nög äujn , das geht 
wohl an; dirr hähst Bogt äujn, daran oder darin hast du Recht.— 
In Zusammensetzungen entspricht es dem deutschen an, als: äujn- 
fangen, äujngongen, äujnstringen , ät^nsieen, äujnwijnnen, äujnbri»* 
gen u. s. w. 

§. 245. Utt und auf (aus und ab) sind oft reine Gegensätze 
von äujn , als : huhm äujntieen , sich anziehen : huhm auftieen , sich 
abkleiden; inäiijn't Hüss an üttauf't Hüss gmgen, in 's Haus und 
aus dem Hause gehen. Dagegen sind auf, äw und bdi auch bis« 
weilen mit äujn sinnverwandt, als: he het Fräude äujn sin Bjäme, 
die Kinder selbst sind seine Freude: he het Fräude auf sin Bjärne, 
sie machen ihm Freude; he stürw äujn'e Mäislinge, er starb an dea 
Masern : he stürw auf'e Mäislinge , an den Folgen derselben ; h 
et hdm satt äujn an Bögt, an einem Gerichte: auf an Bogt, von 
einem Gerichte; he fdnnt Smäge äujn 't Tieknen, er findet Geschmack 
am Zeichnen: nö het'r Smäge äw man gause Winn füngen, nun 
hat er Geschmack an meinem guten Wein bekommen; he tußh 
me äujn 'e Bock und bäi 'e Bock , er zog mich am und beim Rocke. 

§. 246. A'nföre, dnädre, före, hefte. 

Änföre heisst eigentlich vorne, und dnädre hinten, före und bifle 
eben so; sie stehen aber auch statt vor und hinter, als: he ^ongt 
an före me,dö gongst dnädre me, an ick gong twdslie junk , er geht vor 
mir, du gehst hinter mir, und ich gehe zwischen euch beiden; gong 
dö an före , so wall ick dnädre bliwwe. — Sinnähnlich sind hier: färeti 
und föreäujn , voran; faarült, voraus; föreütt, vorne aus, voraus; dtfa- 
föregge, wörtlich vorseits , wie in diesseit und jenseit; äderäujn, hia- 
tenan; äderütt, hinieneius; äwäder egge , hinterseits, hinter. Mehrere 
dieser Wörter werden aber nur umstandswörtlich gebraucht. 

§. 247. Auwer , über; dän. und engl, over, nd. öwer. 

Auwer entspricht dem deutschen über mit dem dativ und accus. , 
als: dät Bohr hungt auwer 'e Shew, das Bauer hangt über dem Tische; 
jö Naas sät auwer 'e Müss, die Nase sitzt über dem Munde; auwer'i 
Lesen insläipen, über dem Lesen einschlafen; he sprüng auwer 'e 



369 

SH{iUy er sprang über den Graben; auwer*4 Hüss smUten, über 's 
Haus werfen; anwerbe Tele straaien, über den Fussboden gehen; 
dät gongt auwer man Fwständ; Udd en Taller auwer dät Flash; he 
ü8 äujn'e Shüll dp auwer' t Uhre, er ist in Schulden bis über die 
Ohren; dät wegt di auwer segs Pünn, es wiegt nicht über sechs 
Pfund; dät kostet aawer fiew Mark, aurs däl*s ock auwer tien EUne 
läng, es kostet über fünf Hark, aber es ist auch über zehn Ellen 
lang; ick feil auwer en Stijnn, ich fiel über einen Stein; ick würd 
irong auwer de^ ich ängstigte mich über dich ; dirr ds älltidd Hiere 
auwer Hief*e^ es ist immer Herr über Herr; Gödd let sdnSdnndp- 
gonge auwer da Äirige an Gause, an lett reue auwer da Rögtßdrdige 
a#» Ünrdglßdrdige , Gott lasset seine Sonne aufgehen u. s. w.; at»- 
wer wdt eßertänken, gälten, sörrigen, läken, tjdwweln, über etwas 
nachdenken u. s. w.; huhm auwer m erbarmen^ shaamen. Mögen ^ 
fräuen, grämen, sieh über einen erbarmen» schämen, entsehen, 
freuen, grämen. Vergl. dm, §. 239. 

Umstandswörtlich. De Rinn ds auwer, der Regen ist vorüber; 
dät läpt auwer an auwer, es läuft über und über; dät köget auwer, 
es kocht über; riw't auwer, reiss ^s über; jö hiel Nagt auwer ^ dife 
ganze Nacht hindurch; dät gongt n3g auwer , das geht wohl vorüber; 
he ds auwer äjU Jdrringe , er ist drüben bei euch, in eurem Hause. 
§.248. Auwer faar, gegenüber; dän. overfor, engl, over against. 
Ee sdt lick auwer faar me, er sitzt mir gerade f^egenüher ; shrädd 
auwer faar me, schräg gegenüber; dät Hüss läit lick auwer faar 'e 
Sjürk, das Haus liegt der Kirche gerade gegenüber. 
§. 249. Awwerijn, gegenüber, gegen einander an; engl, over against. 
Da Fijnde stäujnne lick auwerijn enauser, die Feinde stehen ein- 
ander gerade gegenüber, gegen einander; jd feilen auwerijn en- 
anser, sie fielen gegen einander an; he fSll auwerijn' t Uch, er fiel 
gegen die Wand über. 
§. 250. Aane, ohne. 

Aane bezeichnet die Abwesenheit eines Gegenstandes , und, um- 
standswörtlich gebraucht, die Abwesenheit eines Zustandes, oder 
die Unterlassung einer Handlung, als: he kaum aane Häujd, rät 
aane Spore , gongt aane Fairer^ ds aane Sörrig, er kam ohne Hut, 
reitet ohne Spornen, geht ohne Führer, ist ohne Sorge; aane Gijl 
let ham nint üttrogte, ohne Geld lässt sich nichts ausrichten. — 

47 



570 

Aane t6 wSlen anlö siäipen,räisdenwetwäier Dege, ohne auszuruhen 
und tu schlafen, reisten wir zwei Tage; aane me wät io seddm 
an aane hdfn dmtdsien, ging'r fonme, ohne mir was zu sagen und 
ohne sich umzusehen, ging er von mir. 

§. 25i. 'Awehirregge, äwejdnneregge , diesseit, jenscit. 
AwehirreggeH Grefy diesseit des Grabes; dwc/dnwer^(;c'i Grifj^en- 
seit des Grabes; äwehirr^gge an äw^änneregge de Wäi^ diesseit und 
jenseit des Weges , u.s.w. Für äwejdnneregge gebraucht man auch das 
kürzere M^'dft/e, engl, beyond, \on jdnte , jdnner , welche bieide dort 
bedeuten, als: dät Törp läit baijdnle de Bäifig, oder äwejdnnereggi, 
das Dorf liegt jenseit des Beides. — Die übrigen mit'£^ 
zusammengesetzten, Raum- und Flächenverhältnisse bezeichnenden 
Wörter sind: äwäwerSgge, äwenähseregge , oberhalb , unterhalb ; dv- 
dnnereggef äwütteregge, innerhalb und ausserhalb; äwebdnner^e, 
äwebütterSgge y auf der Binnenseite, binnenseits und aussenseits; 
äwebaaweregge, oberhalb; dt£^e/dt^^^<7^e, unterhalb, niederhalb; dv0> 
fdregge, vorderhalb, vor; äwäderegge, hinterhalb, hinter; äwenirr' 
^gge, näherhalb, näher bei; äwefierSgge, fernerhalb, ferner von; 
ämisterSgge, äwew^stei'^gge , äwenird^ge, äwesöhserSgge , an der Ost- 
West- Nord- und Südseite; äwehuger^gge , höherseits, höherwärts; 
äwerögtegge, äweleßSgge, zur Rechten, zur Linken (Vergl. §.102. 
N. i42). 

§. 252. Baawen, haawne, baawenäw, über, oben; nd. baawen, 
baawen op, engl, abwe. 

He het sin Haad baawen' t Wähser, er hat seinen Kopf über dem 
Wasser; baawen* t u/lkenierlück ds eti Swälkenn^st, über der Er- 
kerluke ist ein Schwalbennest; jö Naas sdt baawne MüsSy die Nase 
sitzt über dem Munde. — Baawen wird in Verbindung mit dv, 
axißn und nuwer gebraucht: baawen äw, oben auf; baawen ot^ih 
oben an; baawen auwer, oben über; fon baawne, von oben. Ab 
blosse Ortsbezeichnung heisst baawen, baawne, auch boppe, beson- 
ders in Lindholm. Baawne ist der reine Gegensatz von d^, so 
wie dp von dähh 

Auwer ist mit baawen sinnverwandt, nur mit dem Unterschie- 
de, dass baawen bloss einen höheren Ort bezeichnet, ohne das 
Wechsel verhältniss zwischen auwer und unner anzudeuten, z. & 
he sdt baawne me, er nimmt einen höheren Platz ein, als ich 



371 

auwer me, kann auch heissen, er sitzt so über mir, dass ich dea 
Kopf unter seinen Füssen habe; ik hähw nö all trie Nagte auwer 
de Eronke mhn, ich habe nun schon drei Nächte über den Kran- 
ken gesessen. — Daher ist auch der Sinn in folgenden Sätzen 
nicht ganz derselbe, als: jö Naas sät baaume de Müss und ja $dt 
auwer 'e Müss; he hälft Haad baawen't Wäh$er und auwer'tWähsier. 
Derselbe Unterschied findet im Niederdeutschen zwischen baawea 
(baaben) und öwer statt. He ds bdaume, er ist oben; de Ihm is 
baawen äw, an de Äusere dSle unner, der Eine ist oben drauf» der 
Andere unten. — Düt Lieh ds noch baawen't Gref, die Leiche ist 
noch über dem Grabe, oberhalb des Grabes; hier würde auwer 
ganz unrichtig stehen, und einen verkehrten Sinn geben.. 

§. 2S5. £di, bei, an. 

Bai giebt i. die Nähe eines Gegenstandes in Beziehung auf 
einen andern an, als: he stönt bdi me, er steht bei mir; de 
Prins rat bäi'e Kinning, der Prinz reitet bei dem Könige; dät 
SfBJärd hungt bäi*e Sidd; jösdt bäi'e Döhr; he ds bai't jfrbed, bei 
d^ Arbeit; he gongt bäi'e Kracke, er geht auf Krücken; bäi'n 
Stock, an einem Stocke; he stont bai't Rauser, ersteht am Ruder; 
Göddds bäi de, Gott ist bei dir; de ßuhmm stönt bäi'e Tünn, der 
Baum steht am Garten; bäi'e Kriemmer sdn Wäre, bei dem Krä- 
mer sind Waaren; he gongt bdi Ddi an Nagt, er geht bei Tag und 
Nacht; bäi Ljägt, bei Lichte (lesen z. B.); huhm bäi huhm betan- 
ken, sich bei jemand bedanken; wdt bäi'e Häujnn hiwen, etwas 
bei der Hand oder zur Hand haben; huhm bäi'e Uäßjiinn nämen, 
jemand bei der Hand fassen; bäi üss ds dät äi Mdude, bei uns 
ist das nicht Mode. » Trau stäujnne jdt me bäi, bäi'e Shh) an bäi'e 
Bräif" treu stehet ihr mir bei, bei dem Tisch und bei dem Brei. 
He bldfl äi bäi'e Säge, er bleibt nicht bei der Sache; bäi gcmhs 
Sunnhäid, bäi Forständ, bäi Giß wesen, bei guter Gesundheit, bei 
Verstände, bei Gelde sein; bäi Gödd! bei Gott! bäi min Siel an 
Saalighäid! bei meiner Seele und Seligkeit! bäi'e Türke ds dät 
Brück (Sitte); he böget bäi'e Wäjl, bäi't Hölting, bäi'e Strät^nn, 
er wohnt am Weiher, am Gehölze, am Strande. 

2. Dneigentlich, als: bäi söeken Krönkhäid äs nint ütltörögteny 
bei einer solchen Krankheit ist nichts auszurichten; bäi't Lesen 
gälld's, beim Lesen weinte sie; jö gälld bäi't Lesen, sie weinte 

47* 



Ol** 

behn Le^cn; häi't Slülen kamt nint ütt, beim Stehlen kommt 
nichts heraus ; bat unk Frünnshdp beswer ick de , bei unserer Freund^ 
Schaft beschwöre ich dich; dät as bat Strafe forbähn, es ist bei 
Strafe verboten. 

5. Gemischte, zum Theil abweichende Beispiele, als: huhmbaXt 
Vrd nämen, hüjllen, jemand beim Worte nehmen, halten; he hält 
Mm bäi't Hmer; huhm bäi't (Ihre fukggen, jemand bei den Ofarei 
kriegen;: bat en Präck dräwen, bei einem Haar treffen; nö asW 
bäi't J^nne, nun ist er beim Ende {t6*t Ijnne, zu Ende). Aber dar 
Ausdruck: dät 's bäi't Ijnne, heisst: es ist vorbei, es^ ist aus da- 
mit, als: dät äs bäi't Ijnne md hdm, es ist aus, vorbei mit ihm. 
He böget bäi'e Prhter, kann heissen: in dessen Hause oder ne- 
ben an ; he böget bäi 'e Presters (Hüss) , in der Nähe des Predi- 
gers; he böget äjtt Presters, in dessen Hanse. — Uttbäi heisst der 
Länge nach an einem Gegenstande hin, längs, als: uttbäi 't Törp, 
längs dem Dorfe; uttbäi 't Rä käiren^ längs der Reihe fahreD, 
beim Einfahren des Getreides; bäi Wäilöng Iddden bliwwenf am 
Wege liegen bleiben. Hänebäi, gegen, häneijn, gegen, als: dm 
wjdrn hänebäi en twontig Mdnshene, es waren gegen zwanzig 
Menschen da ; häneijn 't Jßnne , gegen den Abend. . Sinnverwandte 
Ausdrücke sind : bäi *t Ijnne , äujn 't Ijnne , äjtt *t Ijnne , to't fy^ne, — 
Ambäi i. vorbei, 2. umher; faarbäi, vorbei; büttebäi, aussen vor; 
delebäi u. s. w. 

§. 254. Banne, binnen, innerhalb, inner. 

Banne Bohr wesen, inner der Thür sein, d. i. im Hause; binm 
en Ihr, binnen einem. Jahre, oder innerhalb eines Jahres; bam» 
AagedSge, binnen acht Tagen; banne Ihr an Dat, binnen Jahr 
und Tag, binnen Jahresfrist; dö shäht me äi mar banne Bohr 
käme , du sollst mir nicht mehr inner der Thür , über die Schwelle, 
kommen. — Bütte an banne blank, aussen und innen blank; 6dfme- 
faar, binnenvor, innen vor; bdnneäujn, nd. binnenin; bdnnetö, nd. 
binnento; fon'e bdnnene, nd. van binnen; unnerbdnne md kämen y 
hinter etwas kommen. 

§. 255. Bor (döhr), durch, hindurch; nd. dör, engl, througli, 

i. Eigentlich, als: d&r't Kauren, dör't Smjnn, dör't SluMf, 
dör'e Snie gongen, durch das Getreide, den Sand, den Koth» den 
Schnee gehen; dör't Ijll, dör'e Stähs, dör'e Euch iieen, durch *s 



373 

Feuer, durch die Stadt, den Koog ziehen; döi^'t Wdnning , dör'0 
Fa^gre laucken, durch's Fenster, durch die Finger sehen, u.s.w. 

% Uneigentlich, ein selbstwirkendes Mittel oder eine Einwir- 
kung andeutend, als: ick let't dör man Brauser besörrige, ichliess 
es durch meinen Bruder besorgen; dät shäid dör en Unlöck , es 
geschah durch ein Unglück; dör Ünfaarsdgtighäid, durch Unvor- 
sichtigkeit; dör sin GröUhdrtighäid an sin Huchmäujdd ds*r dm sin 
Frünne kiemmen, durch seinen Stolz und seinen Hochmuth ist er 
um seine Freunde gekommen; dör Middle kaast de noch käme, 
durch Mittel kannst du dich noch erholen; dör Händel toürden^s 
riek, durch Handel wurden sie reich. — Umstands wörtlich: gong 
dör! geh weg! scher dich fort; de Träjdd gongt äi dör, der Faden 
geht nicht durch; ick kön äi dör käme; huhmdörkringen, sich durch- 
drangen; dördringeny durchdringen, h6 drängt dör oder drdjngt dör. 

Sinnverwandt sind hier bisweilen auf, fon und md, als: hewürd 
haadigt dör'e Shärprogter mä*t Swjärd, er wurde durch den 
Scharfrichter mit dem Schwerte enthauptet ; he würd haadigt auf'e 
Shärprogter , vom Scharfrichter. Dör'e Winn het de Meiler sin ricke 
Dege, aufe Winn worde da Ruwe dräwen, an dirrfaar säit'm, dät 
de Melier fon'e Winn läwet, durch den Wind hat der Müller seinen 
Reichthum, von dem Winde werden die Flügel getrieben, und 
daher sagt man, dass der Müller vom Winde lebe. Jö Kaar würd 
shäwen auf en Slaawe md da Häujnne formiddelst*t Fijl, der Kar- 
ren wurde von einem Sklaven mit den Händen und vermittelst 
des Rades geschoben. 

§. 256. Delebäi, dählbäi, deledm, dähldm, delefaar, dählfaar. 

Delebäi'e Wäi, unten am Wege, unterwegs, mitenwegs, nieder- 
wegs, als Gegensatz von oberwegs, baawenwäis, wovon der reine 
Gegensatz wieder delewäis heisst. Vergl. §. 227. N. 34. Delebäi* e 
Dick käiren, unten am Deiche fahren; dählbäi* e Dick käiren, vom 
Kamm des Deiches das sogenannte u/hk hinunter fahren; deleäm, 
unten um; deleäm harr Köwel äs en brißden Stijtt, unten um 
ihren Rock ist ein breiter Stoss, Besatz, Borte aus breitem Bande; 
dähldm, herabhangend, als: da Köwle honge här, an'e Bogslinge 
hdm dähldm^ die Röcke hangen ihr und die Hosen ihm herunter; 
glidde dähldm, gleiten herab; delefaary am untern Ende eines 
Ackers dem Dorfe zunächst; dpfaar, nach dem obern Ende zu 



574 

oder an demselben; üHfaar, vom Dorfe ab, in die Fennen hinaus; 
dählfaar gongen, dem untern Ackerende zu. 

§.257. £fter, dän. efter^ engl, after. 

i. jSfter bezeichnet das spätere Dasein oder Wirken eines Ge- 
genstandes in Beziehung auf einen andern, und ist der Gegen- 
satz von faar, vor, als: he kämt efter me, er kommt nach mir^ 
ist doppelsinnig, je nachdem es betont wird, und kann heissen: 
er kommt später als ich, oder, wenn der Ton auf Sfter ruht, er 
setzt mir nach, um mich zu greifen; 6fier' e Sandai föUigV e Mam' 
däi, nach dem Sonntage folgt der Montag; he stürw efler sinWüff, 
er starb nach seiner Frau; eßer huhm snäken, gangen^ präjUn, 
nach einem sprechen, gehen, predigen, d.i. nachahmen; ifkT*e 
Captain fölligt'e Lieuinant; ^fter jöTidddäi'r nint^ nach der Zeit 
that er nichts; Sfter Mddsdmmer , nach Johannis; Sfter 'e JüU, uaeh 
Weihnachten; efter dät hirre Läwent ßlligt en auser, nach diesem 
Leben folgt ein anderes ; efter hunnert Ihr sdn da mäste nö Li- 
wende düjdd. Umstandswörtlich: do kamst ja wäjt Sfter F du kommst 
Ja wohl nach? kirrSfter , dirr Sfter, wirre fter, 

2. Deutet Sfter die Richtung eines Gegenstandes auf etwas^ an, 
als: ick rögt me Sftei^ de, ich richte mich nach dir; huhm Sfter* t 
Klöck ragten; jö Blöhm dräit hdr Sfter* e Sann, die Blume dreht 
sich nach der Sonne; ja donse Sfter 'e Gichel^ sie tanzen nach der 
Geige; he gongt Sfter Brüjdd, er geht nach Brot; he sj&ngt Sfter 
Näujtte, er singt nach Noten; Sfter min Miening, nach meiner 
Meinung ; Sfter sdn Räjdd, efter hdrren Wdnsh^ nach seinen 
Bathe, ibrem Wunsche; Sfter Göds Wdlle, nach dem Willen Got- 
tes; Sfter' e Matide, nach der Mode; Sfter sin Ihringe ds*r mänlajtt, 
nach seinen Jahren ist er nur klein; Sfter huhm Ivngen, sich nach 
jemand sehnen; Sfter wdt lingen, auch nach etwas reichen, lan- 
gen; he kldmmert efter en Fögelnest, er klettert nach einem Yo- 
gelneste ; wdt frag ick Sfter de ? was frag ich nach dir ? ick fräg'r 
nint Sfter, ich frage nichts darnach; efter 't Swjärd grippen; hi 
shüjtt efter en Rauck, er schoss nach einem Raben; jö stauch SfUr 
me, sie schlug nach mir; dät kämt nög efter' e Bät^nn, das kommt 
schon nach der Hand, nach und nach; Sfter 't A'mstdnde, den 
Umständen nach; jö het't eftei^'e Modder^ sie leidet an Mutter1)e- 
schwerden, hat hysterische Zufälle. 



375 

Am, um, ist hier oft synonym: dm wät si^cken und Sfter wdt 
sänken, um und nach etwas suchen; am und ifter wdt fragen, 
um und nach etwas fra i^en ; he gongt dm Wähser und ^fter Wähser, 
er geht um Wasser (zu holen) und nach Wasser; he shrdft Sfter 
en Bauck, er schreibt nach einem Buche, nämlich ab: he shrdft 
dm en Bauck, er schreibt darnach, um es zu bekommen. * 

§.258. Faar, vor «nd für; dän. und engl, for, nd. vor. 

a). i. Steht faar bei Raum- und Zeitverhältnissen, als: he 
stäni faar me, er steht vor mir; dd Buhmme stäujnne faar't Hüss, 
die Bäume stehen vor dem Hause; binn kam wdt faar't Vgene, 
binde ihm etwas vor die Augen; dirr's nijn Döhr faar'e Kammer, 
es ist keine Thür vor der Kammer; nijn Slot faar't Gijlshrön, 
kein Schloss vor der Geldlade. — Faar tuhg Ihr, vor zwei Jah- 
ren; fiwr min Tidd, vor meiner Zeit; shöw jö Shaahs faar'e 
Döhr, schiebe den Riegel vor die Thür; ick liew hdm faar haawen 
Ausem, ich glaube ihm vor irgend einem andern. 

2. Eine Ursache, ein Hinderniss, einen Zwang andeutend, als: 
ick kön äi faurt faar jdm käme , ich kann vor euch nicht durch- 
kommen; he flügtet fSar'e Fijnde, er floh vor den Feinden; ß ds 
freng faar'e Düss, ihr ist bang vor dem Tode; hejülltfaarWärk, 
er wimmert vor Schmerz ; jö köhs faar Jlngst äi snäke , sie konnte 
vor Angst nicht sprechen; faar bär Träwelhäid km'r äi üUkäme, 
vor lauter Geschäftigkeit kann er nicht auskommen; faar Fräude 
gällen, vor Freude weinen; he wijt hdm faar fingst äi tö läjtlen^ 
tat weiss sich vor Angst nicht zu lassen. 

h). Steht es i, wenn es für vertritt, da, wo angezeigt werden 
soU, dass zum Besten oder zum Schaden und Nachtheil etwas 
für einen Gegenstand geschehe; als: dät's gäujd faar de, das ist 
^t für dich; dät's en Middel faar'e Kolle , das ist ein Mittel für 's 
Fieber; jö ds en Münster faar Ausere, sie ist ein Muster für An- 
dere; ick bdn Faarmünner faar sin Bjärne, ich bin Vormund für 
seine Kinder; dat sömet hdm äi faar de, das ziemt sich nicht für 
didi, es ziemt dir nicht; gong dirr häne faar me, gehe für mich 
dahin; he dH faale faar me, er thut viel für mich; he stürw faar't 
Fidderlmjnn ; ick ging dör't Ijll faar hdm, ich ginge durch's Feuer 
färihn; he sörrigt faar sin Bjärne, er sorgt für seine Kinder; aber 
he sörrigt auwer sin Bjärne, er trauert über seine Kinder; he 



376 

^8örrigt dm sin Bjärne, um seine Kinder. Gödd sörrigt faar drken; 
Gott sorgt für jeden; ick bdn faar me selleWy ich bin für mich 
allein, habe keinen Haushalt; he ds faar'e Krich^ aurs ick bdn 
faar'e Frese, er ist für den Krieg, aber ich bin für den Frieden; 
snäk dö faar hdm, sprich du für ihn, ist doppelsinnig, wie im 
Deutschen. 

2. Steht faar bei Erstattungen, Ausgleichungen, Sicherstellim- 
gen u. s. w., als: faar en Gaawe tanken, für eine Gabe dankeo; 
ick wall de faar ddn Mäute betäle, ich will dir für deine Möbe 
bezahlen; faar Gijlkupen, für Geld kaufen ; faar huhm instäi^nnm, 
für jemand einstehen , bürgen ; an faar alle , an alle faar an Möm, 
einer für alle, und alle für einen Mann stehen. 

5. Zweckanzeigend, als: en Bauck faar Bjärne, ein Buch för 
Kinder; Ijllinge faafe hiele Wonler, Feuerung für den ganzen 
Winter; Faarräjd faar Aagedege, Vorrath für acht Tage. 

4. Beim Dafürhalten und Ausgeben für, als: he hält hdm s^ 
lew faar en grollen Mönn, er hält sich selbst für einen grossen 
Mann; ick hüll hdm faar en A'mhiper, ich hielt ihn für einen 
Refftr«ägcr oder Tabulcttenkrämer; he jeft hdm ütt faar en Doäor, 
er giebt sich für einen Arzt aus; ick nümm dät Stock Giß faare» 
Daaler , ich nahm das Stück Geld für einen Thaler an ; he erkänni 
hdm faar sdn Sahn , er erkannte ihn für seinen Sohn; hukm faar en 
Shdlm, en Bedreger , en Thief, en Äsel ültshdlen, jemand für einen 
Schelm, einen Betrüger, einen Dieb, einen Esel ausschelten. 

5. Für wegen, als: faar me mähst* t Kall dvjn, meinetwegen 
darfst du es gern thun; ick ägt hdm faar sin Gaushäid, iA 
schätze ihn seiner Güte wegen; faar din Shäjll wdll ick't dBjjn, 
deinetwegen will ich 's thun. 

Gemischte Beispiele: Faar'e 1)üss ds nijn Krüdd wügsen^ für den 
Tod ist kein Kraut gewachsen; he drdft faar'e Winn, er trdbi 
vor dem Winde; he kön hdm di hüßlle faar Laken , faar Gälten, 
er kann sich des Lachens, des Weinens nicht enthalten; wÜ 
faar*e Täis hewen , etwas für die Zähne haben , z. B. einen guten 
Schinken. — ümstandswörtlich : Ick bdn'r faar, he ds'r ijn\ ich 
bin dafür, er ist dagegen; wdt hähst faar? was hast da vor? wk 
ddhst me dirrfaar? was giebst du mir dafür? dirr kön ick mnt 
faar, ich kann nichts dafür; wdt faar en Mönn, wdt faar m Fd* 



577 

gel ds dät? was für ein Mann, was für ein Vogel ist das? jo hit 
en Short faar^ sie hat eine Schürze vor, u. s. w. 

Sinnverwandt sind hier bisweilen dm und auf, als : faar Gijl 
shriwwen, für Geld schreiben; he shrdß dm't Ihre, er schreibt um 
die Ehre, d. i. der Ehre wegen, um sie zu erlangen; dm Gijl 
shruvwen, um oder nach Gelde schreiben; faar Stolthäid und auf 
bär Grölshhäid niemmen kännen, vor Stolz und aus Stolz niemand 
kennen; faar Liewde und auf Liewde blinn wSsen, vor und aus 
Liebe blind sein. 

Steht faar zweckanzeigend, so stimmt es nicht immer mit für 
überein, als: en Bwuck faar Bjäme, ein Buch für Kinder geschrie- 
ben; aber: ich habe ein Buch für dich gekauft, das du haben 
sollst, heisst: ick hähw en Bauck to de käft; — hirr sdn haaw Fögle 
tö de, hier sind einige Vögel für dich (zu dir); dirr's en Rock to 
me, da ist ein Rock für mich; war dät to mjärne, hebe das für 
morgen auf; ick hähw Stjütte to jdm käft, ich habe Semmel für 
euch gekauft; ick hähw wät to de; nd. ebenso. 

Wenn faar die Bedeutung von vor hat, so wird es gedehnter 
ausgesprochen und stärker betont, als wenn es anstatt für steht, 
z. B. dö stönst ja faar me, du stehst ja vor mir; do stönstjd faar 
me, du stehst ja für mich, an meiner Statt. 

§.259. Foraane, ohne, ausser; dän. foruden. 

Ick Word nög klär foraane de, ich werde schon ohne dich fertig; 
foraane hdm könWt niemmen mäge. — He rdtt foraane Spore, er 
reitet ohne Spornen (die er wohl bedürfte, oder sonst zu gebrau- 
chen pflegt); he rdtt aane Spare, er reitet ohne Spornen anzu- 
haben. Foraane wSsen heisst wörtlich : entoknigt sein, aber der Sinn 
ist: entbehren, als: ick mävjtt so faale foraane wese, ich muss so 
vieles entbehren ; Gijl koh'm äi foraane wese , des Geldes kann man 
nicht bar sein. 

Foraane hdm was niemmen to StShse, ausser ihm war niemand zu- 
gegen ; foraane en Bauck däi V me ock noch en smuck Bill , ausser u.s.w. 

§.260. Fon, von. 

Fon bezeichnet die Entfernung eines Gegenstandes von einem 
andern, und ist dann das Gegentheil von bdi, als: da Staurke 
tiee wach fon üss, die Störche ziehen von uns weg; ick kam fon 
Jdrringe, ich komme von euerm Hause; he gongt fon me, er geht 

48 



378 

von mir; fon Mjämem to'i £nnem, von Morgen bis an den Abend; 
we käme fon't Unnerne, wir kommen vom Mittagessen; fon'e 
Hühs, vom Hause, von der Heimath; fon't Fashen^ fon't Dicken, 
fon't Märked, vom Fischen, vom Deichen, vom Markte; fon'e 
Stähs, von der Stadt; sin Häujnn fon huhm auftieen, seine Hand 
von einem abziehen; fon'e Säge aufgongen, von der Sache abge- 
hen; he gongt fon't Stock, von Sinnen; fon F&i^ständ, von Ver- 
stände; fon üjll Tidde, von alten Zeiten; fon't s^gst Ihr auf, vom 
sechsten Jahre an; fon forgingen Ihr, vom vorigen Jahre. 

Fon und auf müssen hier wieder in Beziehung gebracht wer- 
den. Auf ist nämlich der reine Gegensatz von dem deutschen 
auf, und würde am besten durch ab, im Sinne dieses Yerhält- 
nisswortes, bezeichnet werden, als: ick kam fon't Märked, vom 
Markte her: ick kam auf't Märked, komme ab dem Markte, wo 
ich als Krämer gestanden habe; ndm de Häujdd auf't Haad, ninun 
den Hut ab dem Kopfe; aber: de Rinn dräppet fon'e Häujdd, der 
Regen tröpfelt vom Hute; gong fon'e Hajnst, geh von dem Pferde 
weg: stäujnn auf'e Hajnst, steige ab dem Pferde; dät Shünm 
hängt de Hajnst bäi'e Töle, anfällt hdm fon'e Töle, aursde Bitter 
fällt auf'e Hajnst, der Schaum hangt dem Pferde am Maule, und 
fällt ihm vom Maule, aber der Reiter fällt ab dem Pferde; bÜ9 
fon'e Waten, komme nicht an den Wagen; aber: bliw antf'e 
Wäien, besteige ihn nicht; huhm ndmt auf'e Shew, wit'r iw 
läit, fon'e Shew, wät'r bäi stönt, man nimmt ab dem Tische, 
was darauf liegt, von dem Tische, was daran steht. — Wenn 
fon bloss auf die Entfernung* eines Gegenstandes von einem an- 
dern geht, so bezieht auf sich allein auf das Verlassen des ge- 
genwärtigen, obern Standpunktes, als: de Matröse feil däJil fon'e 
Mäsikaurew, der Matrose fiel vom Mastkorbe herab: he feil dähl 
auf'e Mäsikaurew, er fiel ab demselben; de Blieteker fill däU 
fon'e Thüm und dähl auf'e Thürn, der Bleidecker fiel von dem 
Thurme und ab dem Thurme; he feil dähl auf*t Hüss, ab dem 
Hause: he kaum dähl fon't Hüss, er stand am Hause, oder kam 
aus dem Hause und ging nach einem niedrigem Standpunkte, 
z. B. den Warf hinunter; de Snöte hängt hdm dähl fon'e iVooi, 
der Rotz hangt ihm von der Nase hinunter; dröhg dät Blävjid 
aufe Naas, wische das Blut von der Nase ab; dät was äi au/e 



379 

Wii, das wäre nicht aus dem Wege; üU attf^e Nüjd kämen; fon 
Fierense, von ferne; fon und auf*t Shäiyll kämen, von und aus 
der Schule kommen. 

Bei Bestandtheilen von Dingen steht allemal auf, virenn man sie 
als solche betrachtet, z. B. jo Burst auft Laumm, oder eti Burst 
auf en Laumm, die Brust ab dem Lamme, oder eine Brust ab 
einism Lamme ; en Fähser auf en Kräjdder, en Shänn auf en Sill' 
hüfm, en Wing auf en Swuhn, eine Feder ab einem Hahne, ein 
Fell ab einem Seehunde, ein Flügel ab einem Schwane. Im Dä- 
nischen und Englischen ebenso, als: Brystet af Lammet, oder et 
Bryst afet Lam, ihe breast ofthe lamb, oder a breast of a lamb, — 
In der Bedeutung von aus, wenn ein Gegenstand in einen andern 
umgebildet wird, steht gleichfalls auf, als: en Shew auf Holt, 
ein Tisch aus Holze; jö mäget en Häujdd auf Sträi, sie macht 
einen Hut aus Stroh; en Swöhw auf Jückere, eine Peitsche aus 
Weidenruthen; en Bohr auf Wirr, ein Bauer aus Eisendraht; auf 
hdm wort nint, aus ihm wird nichts; wdt wälVr doch auf wwde? 
was wird doch daraus werden? 

Bei Herstammungen steht fon, als: ick ban fon Bihssem, ich bin 
von oder aus Riesum; he ds fon Aadel, er ist von Adel; jö ds fon 
Hälligläujnn, sie ist von Helgoland u. s. w. — Ferner: alle gauhse 
Gaawe käme fon Gödd, alle gute Gaben kommen von Gott; en 
Braif fon Altena, fon Berlin u. s. w. — De Bäger hähw ick noch 
fon man u/Uhäte fangen, den Becher habe ich noch von meinem 
Grossvater bekommen, wenn er ihn mir nämlich geschickt hat; 
iek hähw en auf hdm fangen , wenn er ihn mir selbst gegeben hat. 

In folgenden Fällen steht /on, als: fon Idjtt dp, von klein auf; 
fön Bjäms Biene, von Kindesbeinen an; fmi Bogts wägen, von 
Rechts wegen; fon ungefähr; ick bdn fon drken forlet, ich bin 
von jedem verlassen; fon huhm kön'm dät sedde? von wem kann 
man das sagen? en Mdnn fon hunnertdusend Daalere, ein Mann 
Ton hunderttausend Thalern; he ds man klien fon Knaake, er ist 
nur klein von Knochen (dünn); dät ds't Ijnne fon't Stock, das ist 
das Ende vom Liede; en Gong fon en Stünn; enWäifontienMele, 
ein Weg von zehn Meilen; en u/ller fon hunnert Ihr, lein Alter 
von hundert Jahren; swär fon Wägt, schwer von Gewicht; he ds 
tagt fon Begripp, leicht von Begriff; fon't Bodden läwen, vom 

48* 



580 

Betteln leben; he wijt fon alles mätosnäken, er weiss von allem 
mitzusprechen ; he tjärtfon sin Gijl, er zehrt von seinem Gelde , 11.8. w. 

Umstandswörtlich steht auf, als: dirr wijt ick nint auf, davon 
weiss ich nichts; dirr wort nint auf^ es wird nichts daraus. 

§.261. Am und auwer sind mit fon sinnverwandt, als: he 
snäket dn^ drken, er spricht von jedem, über jeden; he hält hdm 
auwer drken dp, er hält sich über jeden auf; en Tähl dm Häie- 
sahl, ein Mährchen von Rübezahl (handelnd); en Sang dm huhm 
mögen, ein Lied auf oder über jemand machen; de Sang äm'e 
Klöck auf Schiller, das Lied von der Glocke von Schiller; wA 
snäke dm'e Erich, wir sprechen vom Kriege; he kön dm alles imi- 
snäke, er kann über alles mitsprechen; he wijt wdt dm drken , er 
weiss an jedem etwas auszusetzen ; he mjt wdt fon drken to fuT' 
teilen, er weiss von jedermann etwas zu erzählen; dw alles kanW 
en Song mäge, auf alles kann er ein Lied machen; hähst'r wil 
fon hierd? höhst* r wdt dm hierd? hdhst'r wdt auwer hierd? hast 
du etwas davon, darum, und darüber gehört? 

§.262. Faarbdi, vorbei, vorüber. 

He ging me faarbdi, he kaum me faarbdi y er ging, er kam mir 
vorbei; he ging faarbdi me; he ging min Hüss faarbdi^ er ging 
mein Haus vorbei; he ging faarbdi min Huss, an meinem Hause 
vorbei; he kaum hirr faarbdi, er kam hier vorbei; jö Flog is 
faarbdi, der Schauer ist vorüber. 

§.263. Ijn, gegen, wider. 

J^n , als gegen, bezeichnet den Gegenstand der Richtung, als wUer, 
zugleich das Ankämpfen gegen denselben, als: ijn'e Winn gongen, 
gegen den Wind gehen; ijn*e Struhmm swummen, gegen oder wi- 
der den Strom schwimmen; ijn*e Wjdrd snäken, wider die Wahr- 
heit reden; wdt ijn*t Ijägt hüjUen, etwas gegen das Licht halten; 
ijn'e Sdnn hucken, gegen die Sonne sehen; hähst wdt ijn hAmf 
hast du etwas gegen ihn? hörr bdst sdns ijn hdrF wie bist da 
gegen sie gesinnt? he bewihsst Liewde ijn sin u/llerne, er beweis! 
Liebe gegen seine Eltern; ijn sin Bjdrne, gegen seine Kinder; 
ijn drken, gegen jeden. Bisweilen zeigt es eine Abneigung oder 
Missbilligung an, als: he ds ijn*e Erich, ijn'e Dons, ijn't I^aagm^ 
er ist gegen den Krieg, den Tanz, das Lügen. 

Wo zwei Gegenstände einander mit den zugekehrten Flächen 



381 

berühren, bekommt es dp vor sich, als: he hüll dät Bill dpijn't 
Wdnning, er hielt das Bild gegen das Fenster an; smiH de Slijn 
dfdjn't Uch, wirf den Stein hin an die Wand; he hüll iuhg Pläte 
dpijn enauser, er hielt zwei Platten gegen einander an; $et dd 
Läte dpijn't Hüss, setze die Latten gegen das Haus an; he gtmgt 
lick dpyn'e Wjärd, er geht gerade wider die Wahrheit an; he 
flug lick dpijn me, er flog gerade gegen mich an. 

Gegensätze bilden hier faar und md, für und mit, als: md de 
Winn sillen^ faar'e Winn driwwefi, an ijn'e Winn sägein, mit und 
vor dem Winde treiben, und gegen den Wind segeln; de dirr äi 
ma me ds, he ds ijn me, wer nicht mit mir ist, der ist wider 
mich; huhm äi faar me ds, he ds ijn me, wer nicht für mich ist, 
der ist wider mich. 

§.264. Hänijn, gegen. 

Wird meistens von der Zeit gebraucht, und zeigt eine Annähe- 
rung an, als: hänijn Enne, gegen den Abend; hänijn'e Mdddai, 
gegen den Mittag; dät ds nö hänijn hunnert Ihr, es ist nun gegen 
hundert Jahre her; hänijn Däi, gegen Tagesanbruch. So auch: 
däi kästet hänijn tumitig Daalere; dät ds hänijn 't Jjnne auft Törp^ 
es ist gegen das Ende des Dorfes zu. 

§.265. AujnHjn, mjntmäujt, entgegen. 

Afi^tijn heisst entgegen, zuwider, dän. imod, und bezeichnet, 
als entgegen, nur die Bewegung zweier Gegenstände, die in ge- 
rader Richtung auf einander zu kommen; äujntmäujt enthält zu- 
gleich den Begriff des Begegnens , dän. imöde , nd. in e Möt, — De 
Winn ds üss äujntijn, der Wind ist uns entgegen; huhm dt^^ 
mäi^t gongen, einem entgegen gehen; ät^ntmäujl kämen, entgegen 
kommen; he ds me äujnlijn^ er ist mir entgegen, sucht mein Vor- 
haben zu hintertreiben; aber: he ds me towdddeme, er ist mir 
zuwider, ich kann ihn nicht ausstehen'). 

§.266. Längs, ätijntlängs, längs, entlang; dän. tofi^$, engl, along. 



<) Towddderne wird nur da gebraucht, wo widerliche Eindrücke 
auf das Gefühl und die Sinne Statt finden, als: de Brännwinn, jö 
Medidn, dät Kätteläujdden ds me towddderne, der Branntwein, die 
Arznei, das Katzengeschrei ist mir zuwider; daher de Wähser* 
walle f der Widerwille. 



582 

Längs heisst der Länge nach an, nebea oder auf etwas hin, 
als: längs* t Törp gongen, längs dem Dorfe gehen; längs' e Siruhmm 
sillen, längs dem Strome treiben, oder auf demselben; längs'e 
Stähs käirenf längs der Stadt fahren; en Eher längs lupen, längs 
einem Acker gehen, d. i. hier: der Länge nach auf demselben 
hin, oder an der Seile desselben auf einem Fusswege. Wenn es 
neben oder an der Seite eines Gegenstandes bezeichnet, wird es 
gewöhnlich mit md (mit) verbunden, als: längs md't Torp, langt 
md't £kre, längs md de Siruhmm gongen, 

Äujntlängs zeigt an, dass man der ganzen Länge nach, bis an's 
Ende des bezeichneten Gegenstandes gelangt, als: kaast längs de 
Büjlke gonge? kaast de Büjlke längs ijfongeF kaast längs md de 
Büjlke gonge? kaast de Büjlke äujntlängs gonge? Ick bdn*t hicl Törp, 
jö hiel Stähs, dät hiel Hölting, de hiele Dick äujntlängs klemmen, 
ich bin das ganze Dorf, die ganze Stadt, den ganzen Wald, den 
ganzen Deich entlang gekommen, oder: ick hin dät Torp, jö 
Stähs u. s. w. ällhijl äujntlängs klemmen. 

Bor (durch) und üttbäl, neben dem Gegenstande hin, sind hier 
sinnverwandt, als: dor't Törp gongen, längs' t Törp an ütthäi Törp 
gongen, durch, längs und neben hin; ütlbäi'e Dick kairen, den 
Weg unten am Deiche fahren. Uttbäl Törp gongen, wird meistens 
nur da gebraucht, wo das Dorf aus einer Häuserreihe besteht; 
dör't Törp, wenn es der Länge und nicht der Quere nach ge- 
schehen soll, kann man nur sagen, wenn das Dorf wenigstens 
zwei Häuserreihen hat; üttbäl Törp gongen, gebraucht man auch 
von Klätscherinnen, die von einem Hause zum andern im Dorfe 
herumlaufen. — ^Aw längs, der Länge nach, äw twdrs, der Quere 
nach; dö maustet äw längs ISdde, der Länge nach legen. 

§.267. ßld, mit; dän. med. 

Md bezeichnet i. ein Mittel, als: he sldlt md en Stock , he shrift 
md en Fähser, tänt sin Pupp md en Brännglees, smdtt md Stiene, 
jaget md Hünne, säit md Sihssen, späjlt md Wähser, er schlägt 
mit einem Stocke, schreibt, mit einer Feder, zündet seine Pfeife 
mit einem Brennglase an, wirft mit Steinen, jagt mit Hunden» 
näht mit Seide, spühlt mit Wasser. — 2. Zeigt es eine Vereinigung, 
eine Verbindung, ein Versehensein mit etwas an, als: Ick gong 
md de, he ging töbedd md Stäiwle an Spore, he ßlU'e Boitel md 



583 

Brännwinn, bestäit $d/n Ridder mä s6lwern Hdjnsteshttr , ich gehe 
mit dir, er ging zu Bette mit Stiefeln und Spornen, er füllt die 
Flasche mit Branntwein, beschlägt sein Reitpferd mit silbernen 
Hufschuhen; he forsjogt hdm sellew md Giß, beklawet de Uch md 
Bille, er versieht sich selber mit Gelde, beklebt die Wand mit 
Bildern; ick hähw en Pung md Giß sldnn^ ich habe einen Beutel mit 
Gelde verloren; huhm md wdtbefähsen, sich mit etwas befassen; md 
huhrnsnäken^ handeln, ähsen, drdjnken, mii jemand sprechen, han- 
deln, essen, trinken. — 5. Bei Zeitverhältnissen bezeichnet «nd das 
Gleichzeitige, das allmählig Fortschreitende , eis: md de Sdnn 
dpstätj^nnen an töbedd gangen, mit der Sonne aufstehen und zu 
Bette gehen; mdJSnnanäll, mit dem Einbruch des Abends; md'e 
Tidd, md't Ihringe, md't järst, md'tijns, mit der Zeit, mit den 
Jahren, mit dem ersten oder nächstens, mit einemmale. — 4. Steht 
es statt wider, gegen, als: wdi sträwe md enauser, wir streiten mit 
einander; wdt späle md enauser dm Giß, wir spielen mit einander 
um Geld; dd Russe an Pole krige md enauser, die Russen und Po- 
len kriegen mit einander. — 5. Steht es, wenn etwas gleichzei- 
tig und mit einander verbunden vorfällt, als: jö Fömmen feil md 
hdrren Ömmer, das Mädchen fiel mit ihrem Eimer; he smiß dm 
md dät hiel Lees, er warf um mit dem ganzen Fuder; jd dräng- 
den md enauser, sie ertranken mit einander. 

Gemischte Beispiele: Md Lampe töwäirks gongen, mit Glimpf zu 
Werke gehen, glimpflich verfahren; he gongt noch md en üßl- 
maudsh Päruck, er geht noch mit einer altmodischen Perüke; 
Bugt md huhm fuhggen, mit einem fertig, seiner Meister oder 
Herr werden; unnerbdnne md wdt kämen, hinter eine Sache kom- 
men ; ick füng tien Bräiwe md de lesle Post , ich bekam zehn 
Briefe mit der letzten Post; dät Äik ds md Fall, jö Kö ds md 
Kulew, dät Shäip md Laumme, de Hünn an'e Kätt sdn md Junge, 
die Stutte, die Kuh, das Schaf, die Petze (jö Tähw, die Tiffe) 
und die Katze sind alle trächtig; md wdl swegen, mit etwas 
schweigen; md wdt prälen; huhm md wdt trästen, sich mit etwas 
trösten; huhm md wdt helpen, zweideutig: i. sich mit etwas hel- 
fen, 2. einem andern mit etwas helfen, z. B. mit Gelde; huhm 
md wdt behelpen ist immer reciprok; hörr ds't md de? wie befin- 
dest du dich? 



584 

Umstandswörtlich: wähl ma? willst du mit? dät gongt alles md, 
es geht alles mit; ick hähw min Dogter md, ich habe meine Toch- 
ter mil; dirrtomd, überdiess, ausserdem. 

§.268. Näist, nächst; dän. näst^ engl, next, next to. 

Näist bezeichnet das Nächste in Beziehung auf einen andern 
Gegenstand» als: dät Hüss läit näist 'e Sjürk, das Haus liegt nächst 
der Kirche oder zunächst; näist 't Döhr, nächst dem Thore; näät 
Gödd hähw ick de dirrfaar io tönken^ nächst Gott habe ich dir 
dafür zu danken; näist 'e Kinning hSt he mäst tö sedden^ nächst 
dem Könige hat er am meisten zu sagen (gebieten); he sät me 
näist, er sitzt mir zunächst; dät Törp läit'e Stähs näist, das Dorf 
liegt der Stadt zunächst. — Näist steht auch bisweilen statt de 
lähsere, der zweite, als: ick bänjärst, dö bdst näist, beim Spie- 
len. 'Aw't näist, nahe daran, beinahe, bald; äw't näist sdn't ndg 
tien Daalere, es sind wohl nahe an zehn Thaler; dö hähst't äw't 
näist dräwet, du hast es beinahe getroffen. Näislbäi, näistSfter. 

§.269. Sunty seit; altd. sint, engl, since^d'sja. siden, nd. södder. 

Sunt bezeichnet den Anfang von der Dauer einer Zeit oder 
eines Zustandes, als: sunt forgingen Ihr hSt'r hirr äi wähn, seiU 
dem vorigen Jahre ist er hier nicht gewesen; sunt dät fdrre Il^r 
hähw ick nijn Swune säjn, seit dem vorvorigen Jahre habe ich 
keine Schwäne gesehen; suntjö Bräujnn ds*r so forsläien, seit der 
Feuerbrunst ist er so niedergeschlagen ; sunt hdrr Söllembedd het's 
nint dägen, seit ihrem Wochenbette hat sie nichts getaugt, d. h. 
sie hat seitdem gekränkelt; sunt märling, sunt änjörsne hähw ick 
shräwen, seit heute Morgen, seit gestern habe ich geschrieben; 
sunt dntenne, seit gestern Abend; sunt wanne bdst dö hirr? seit 
wann bist du hier? min Wöff hSt läien, sunt dö hirr wähn hähst, 
meine Frau hat gelegen , seit du hier gewesen bist , d. i. sie hat 
ihre Wochen gehalten *). 

Als Umstandswort heisst es her, als: dät ds nö all long sunt, 
das ist nun schon lange her; dät ds man en hulew Ihr sunt, 
ds'r dirr lest wähn het, es ist nur ein halbes Jahr her, seitdem 
er zuletzt da gewesen ist. 



*) Kämt din Wöff ball äujn't SöllembeddF kommt deine Frau bald 
in's Wochenbett? und: shdU's ball to Iddden? wird sie bald gelie- 
gen^ sind gleichbedeutende Redensarten. 



385 

§. 270. TV, zu; engl, to, nd. to. 

T6 hat unter allen Yerhältnisswörtern den vieldeutigsten Sinn 
in seinen verschiedenen Verbindungen mit Haupt- und Fürwör- 
tern, und bezeichnet i. das Ziel einer Richtung, als: he kierd kam 
to me^ er kehrte sich zu mir; to hdr, to unk, to junk, zu ihr, 
zu uns beiden, zu euch beiden; jö sack häne to harr Dögter, sie 
blickte zu ihrer Tochter; ick kam to de, ich komme zu dir; he 
gongt to de Süss, er geht zu dem Brunnen; ick tank me häne to 
man Frünn, ich denke mich hin zu meinem Freunde; huhm to 
Döhrs ßlligen, jemand zur Thür begleiten, wenn er weggeht; 
huhm to'e Bohr fölligen, ihn bis zu der Thüre eines Hauses hin 
begleiten. — 2. Wird ausser dem Ziele auch oft noch ein bestimm- 
ter Zweck angedeutet, wo to dann dem Hauptworte ohne weitere 
Geschlechtszeichen zugesetzt wird, oder wo das Hauptwort ein 
s als Zeichen des zweiten oder dritten Falles bekommt, als: to 
Milien bringen, zur Mühle bringen; to Haaw gongen, zur Kirche 
geben; to Bdjnst satten, zu Pferde sitzen; to Lkk, to Airebier, tS 
Stingster^ne , to Käst, to Dons, to Comedie wSsen, zur Leiche, zum 
Ehrenbier (Begräbnissmahl), zum Läutungsabend, zur Hochzeit, zum 
Tanze, zur Gomödie sein; to Fäujtts, to Wäiens, to Shdpps rät- 
sen, zu Fusse, zu Wagen, zu Schiffe reisen; to Dicks käiren, zu 
Deiche fahren; to Stäujls gongen, zu Stuhle gehen; toWSdslupen, 
in die Welle oder um die Wette laufen; to Wäis mäujtten, auf 
den Weg müssen; to Siee gongen, zur See gehen; to Hüss kamen, 
nach Hause kommen; to Lävjnn räisen, zu Lande reisen; to BSdd 
Iddden, zu Belle liegen; to Shew satten, zu Tische sitzen; to Kup 
hSwen, zu Kauf haben; to Popier bringen, zu Papier bringen; to 
taucks fairen, zu Buche tragen; to Foßlle tieen, zu Felde ziehen. 
— 5. Deutet to eine Vereinigung oder etwas mit einander Ver- 
bundenes an, als: he H Spick tö't Brüjd, er isst Speck zum Brote; 
Ruhmme to de Brai, Rahm zur Grütze; Winn t6*e Braahs, Weiu 
zum Braten; dirr ds Päwer to de Shdjnkel, da ist Pfeffer zum 
Schinken; Puwerräujtt to't Flash, Meerrellig zum Fleische. — 4. 
Steht es bei Verwandlungen und Umbildungen , als : wdt to Giß 
mögen, etwas zu Gelde machen; Holt to Eesh brännen, Holz zu 
Asche brennen; toMähl, to Grot grünnen, zu Mehl, zu Graupen 
mahlen; to Maus kögen, zu Muss kochen; Kork to Bdbbe sheren, 

49 



386 

Kork zu Pfropfen schneiden; Holt to Plöcke tmtten, Holz zu Pflö- 
cken schnitzen; to Wähser worden, zu Wasser werden; Homer to 
Häckelse shiren, Hafer zu Häcksel schneiden; wdt to Pulwer stiit- 
ten, etwas zu Pulver stossen. — 5. Dasselbe gilt, wenn irgend 
jemand in ein neues Yerhältniss gesetzt wird, als: u/n to Burger» 
mäister, to Pr^ster, to Faaged, to Organist^ to Küster, toPrdwst, to 
Shäujlmäüter wählen, einen zum Bürgermeister, zum Prediger, 
zum Vogte, zum Organisten, zum Küster, Probst, Schulmeister 
wählen; sin Tijnstßmmen to en Wöff namen, seine Dienstmagd zur 
Frau nehmen; en Wöff to en Hüsshüjller, eine Frau zur Haus- 
hälterinn; sdn Kndgt to en Forwälter mägen, seinen Knecht zum 
Verwalter machen; u/n to en Lägner, en Thief, en Shdlm mägeUf 
jemand zum Lügner, Diebe, Schelm machen; to en Maurder^ en 
Riese, en Geck worden, zum Mörder, Riesen, Gecken werden; 
huhm an to Frürme mägen, sich jemand zum Freunde machen. — 
6. Steht es bei Verhältnissen des Angehörens, als: de Kaie to'e 
bohr, der Schlüssel zur Thür; jö Shaahs tö't Slot, der Riegel 
zum Schlosse; de Böge to 'e Gichel, der Bogen zur Geige; de Döbbe 
t6*t Läiling, der Pfropf zum Lägel; de Tdchelse to de Wäien, die 
Deichsel zum Wagen; de Trog to de SUppstißi, der Trog zum 
Schleifsteine; de Shäwring tö't Hijnserneljöch , die Ziehstange zum 
Brunnenschwengel; dät Lück to't u/lkenier, die Lücke zum Erker. 
— 7. Gicht es den Gegenstand an , der für einen andern bestimmt 
ist, als: G^l to Brüjd, to Kopshätt {Haadshätt), to Tobäk^ Geld zu 
Brot, zur Kopfsteuer, zu Taback; en Pung to Giß, en Shöff ti 
Bräiwe, en Neet to Fdshen, to Tjaulinge, ein Beutel zu Gelde, 
eine Schublade zu Briefen, ein Netz zum Fischen, zu Knäulen. — 
8. Steht to, wenn einem etwas zum Vorlheil oder Nachtheil ge- 
reicht, als: dät*s to man Shäse, to ddn Fordijl, to din dien Bist, 
dät äs me to Last, to ddn Ihre, to min grott Fortritt, das ist zu 
meinem Schaden, zu deinem Vortheil, zu deinem eigenen Besten, 
mir zur Last, dir zur Ehre, zu meinem grossen Verdrusse. Eben- 
so in ähnlichen Fällen, z. B. ick kaum to Shäse, ich kam zu Scha- 
den; he mäget de to Shomm, er macht dich zu Schanden; h$ 
brögt hdm to Forsiänd, er brachte ihn zu Verstand; j6 hülp hdm 
to Giß, sie half ihm zu Gelde; he beret hdm to de Diiss, er be^ 
reitet sidi (oder ihn) zum Tode; dät Kaum äs ripp to de Berrigt, 



387 

die Saat ist reif zur Emdte , oder ta de Shjärdlihsse , zur Scbnit- 
teremdte; he fäit füflig Daalere to Lüjn^ er bekommt 50 Thaler 
an Lohn; jö füng en Rinnshirm to Forihring^ sie bekam eioen 
Regensebirm zum Gesebenk. — 9. Stebt es bei Grössen- und Ge- 
.wichtsbestimmungen , als: en Fierding to fiewanßrtig Jmrde^ ein 
Tierteldemath zu 45 Rutben; en Mark to sSgstäin Shdllinge, eine 
Mark zu 16 Schillingen; en Häujjdd to trd Daalere, ein Hut zu 
5 Thalem; en Träw to fertig Hocke, eine Stiege zu vierzig Gar- 
ben. — iO. Bezeichnet es den Ort des Befindens, als: he gongt ^ 
9dt me to Sidde, er geht, sitzt mir zur Seite; dät ds me ai to 
Hdt^rme, es ist mir nicht zur Hand; he feil hdm to Fdjtt, er fiel 
ihm zu Füssen; he gongt hdm to de Häujnn, ergeht ihm zur Hand, 
an die Hand, ist ihm behülflich. — 11. Verbindet es die Zeit des 
Seins und Geschehens, als: dö kaast't to drk Stünn f^n, du 
kannst es zu jeder Stunde bekommen; kam to rigter Tiddy komm 
£U rechter Zeit; nö tö Däis gongt' t so, beut zu Tage geht es so; 
nö to Tidds, zur jetzigen Zeit; he läwet tö jö Tidd^ er lebte zu 
der Zeit ; alles wdt shäit, mavjt doch to en Tidd shijn, alles 
was geschieht, muss doch zu einer Zeit geschehen ; to Mdddäi 
wdirr käme an to Maundäi hirr bliwwe, zu Mittag will er kom- 
men und bis zum Montag hier bleiben. — 12. Steht es statt für 
und an, als: ick hähw to hdm shräwen, ich habe ihm, oder an 
ihn geschrieben; he kierd hdm dm t6*t Fäujlky er wandte sich an 
oder gegen die Leute; hinn de Hdjnst to de Buhmm, binde das 
Pferd an den Baum; dirr wort en Gulig tö hdm bdggd, es wird 
ein Galgen für ihn gebaut; jö mäget en Böshe tö me, sie macht 
ein Butterbrot für mich; kier de dm tö*t Uch, to de Seime, wende 
dich nach der Wand, gegen die Vorderseite des Bettes. — 13. Statt 
nach und auf, als: ja gingen tö Kost, sie gingen auf die Hoch- 
zeit; he räist tö Hamburg, er reist nach Hamburg ; jd gonge to Lönhdlm, 
iö Hühssem, sie geben nach Lindholm, nach Husum; huhm hdne 
tö wdt hüjllen, sich auf etwas beziehen; ick hüjll me tö din Urd, 
ich halte mich an dein Wort; he hält hdm tö me, er hält sich 
zu mir, und er hält sich an mich; dagegen: er hält sich an 
mir, damit er nicht falle , he hält kam bai me ; he lingt dp tö 'e 
Löft, er reicht bis an die Decke. 
Tö steht im Nordfriesischen nicht in folgenden Redensarten, 



388 

wo man im Deutschen zu gebraucht, als: er hat Geld zu Scheifelif^ 
zA Tausenden, he hSt Giß bai Shippe, bäi Dusende; die Störche 
zogen zu Schaaren fort, da Slaurke tuschen wäg bäi hiel Flöhtet 
oder äujn (in) hiel Flohse; ich habe sie zu Hunderten gesehen , 
ick kähw's bäi Hunnerle säjn, — Zur Schule gehen heisst nicht 
io Shäujl, sondern äujn 't Shäujl gongen. 

Gemischte Beispiele: T6 de Nagte ^ auf die Nacht; eigentlich: 
zu den Nachten; tö Prester^ to Adfekät^ to Doeter studiren, Thep- 
logie, Jurisprudenz und Medicin studiren; tö Folie kämen, in Er^ 
fullung gehen, wörtlich: zur Fülle kommen; he hü alt so faak 
io Kup, der hat immer so viel zu Kauf, soll immer seinen Seitf 
zu allem geben; Liewde tö huhm hSwen, Liebe zu jemand haben; 
Äujnläge tö wdt hewen, Anlage zu etwas haben; vninn^t tö 't Stock 
kämt, wenn 's zum Stück kommt; gäujd tö Mävjds wesen, gut zu 
Muthe sein. — Ferner unterscheide man noch: tö'e Meilen, bis 
zur Mühle, und tö Meilen, zur Mühle; tö Märked käiren, zu 
Markte y tö't Märked, bis an den Markt; tö Döhrs und tö'e Döhr, 
s. 0.; tö Hüss gongen y nach Hause, tö *t Hüss, bis an 's Haus; tö 
Sjürk, zur Kirche, tö'e Sjjürk, bis an dieselbe. — Die Ausdrücke: 
huhm tö en Thief, en Shdlm mögen u. s. w. lassen sich nur durch 
tö mit dem unbestimmten Geschlcchtsworte auflösen. — Folgende 
Sätze: ick hähw hdm shräwen, ich habe ihm geschrieben; ickhähw 
tö hdm shräwen, ich habe zu ihm geschrieben, wie ich zu ihm 
schicke; ick hähw't hdm shräwen, ich habe es ihm geschrieben; 
ick hähw't tö hdm shräwen, ich habe es zu ihm oder an ihn ge- 
schrieben; ick hdhw't hdm töshräwen, ich habe es ihm zuge- 
schrieben .(gemeldet); ick hähw hdm min 3Iiddle töshräwen, ich 
habe ihm mein Vermögen zugeschrieben (verschrieben); ick häh» 
äujn hdm shräwen, ich habe an ihn geschrieben; ick bähw efler 
hdm shräwen , ich habe nach ihm geschrieben , d. h. dass er kommen 
möge; ick hähw äjtt hdm shräwen, ich habe an ihn selbst ge- 
schrieben, d. h. dass er kommen solle; ick hähw dm hdm shräwen, 
an einen andern, dass dieser ihn mir verschaffen möchte: — sind 
alle mehr oder weniger sinnverwandt, und können zum Beweise 
der Mannigfaltigkeit des Ausdrucks durch die Yerhältnisswörter 
und als Beispiel ähnlicher Zusammenstellungen dienen. 

ümstandswörtlich: auf an tö, ab und zu; j6 Dohr ds to, die 



389 

Thür ist zu; hörr faale dähst to? wie viel giebst du zu? jiw me 
dät to, verzeihe mir das; dät gongt wunnerlick to, das geht wun- 
derlich zu; hier nö to! hör nun zu! huhm hiert dät to? wem ge- 
hört das zu? 

ZusammensetzuDgen mit to sind: ämto, dpto, auwerto, bäito, 
dähüo, äwtö, i. bei einer Zugabe, 2. bei einer Richtung; ütttö, 
mdto, mitunter, u. s. w. 

§. 27i. Trots, trotz. 

Wie im Deutschen: Trots min Trüwwen däi*r't doch, trotz mei- 
nes Drohens that er's doch; he läppt trots de beste Hdjnst, er läuft 
trotz dem besten Pferde; he bannet trots en Matrose, er flucht 
trotz einem Matrosen; trots dät orkel Wähser ging'r ütt to bähsen, 
trotz des schlechten Wetters oder trotz dem schlechten Wetter 
ging er aus zu baden; trots min Waarshuing gingen da Jöngense 
ütt äw't Fss an drängden, trotz meiner Warnung gingen die Jun- 
gen auf's Eis und ertranken. Aber: he dSt't me to Trots, er 
thut's mir zum Trotze. 

§. 272. Vtt, üttauf, aus; dän. udaf, engl, out of. 

UU bezieht sich im eigentlichen Sinne bloss auf das Erschei- 
nen eines Gegenstandes, der so eben das Innere eines andern 
yerlässt oder verlassen hat, und wird, in den meisten Fällen, 
noch mit auf verbunden, als: he kamt ütl'e Tünn, ütt'e Bohr, 
ütt'e Kohl, ütVe Süss, ütt't Hüss, er kommt aus dem Garten^ 
aus der Thür, der Grube, dem Brunnen, dem Hause, d. h. er 
yerlässt in diesem Augenblicke den Garten, die Thür u.s.w. Spre- 
chen wir dagegen: he kamt üttauf'e Tünn, üttauf't Hüss u. s. w., 
so wird der Sinn etwas verändert, und auf mit ütt verbunden 
erweckt hier zugleich die deutliche Vorstellung in uns, dass der 
verlassene Gegenstand den Verlassenden umschlossen oder in sich 
gefasst hatte, was im Deutschen nur durch ein zweimaliges aus, 
aus — heraus, und dennoch nicht so bestimmt ausgedrückt werden 
kann; denn »er kam aus dem Hause heraus'' erweckt noch 
immer jene Vorstellung nicht so leicht und richtig wieder, als 
üttauf 

JJtt't Shäujl bliwwen, nicht in die Schule hineingehen: auf^t 
Shäujl bliwwen, aus der Schule wegbleiben, wenn man dieselbe 
besuchen sollte; en Bliss ütt en Bauck, üttauf en Bauck und 



390 

auf en Bauch riwwen, ein Blatt aus einem Buche, aus einem 
Buche heraus und Yon einem Buche reissen; en Stock ttU m 
B^jlke, üttauf en Büjlke und auf en Büjlke sägen, ein Stück aus 
einem Balken, aus einem Balken heraus und von einem Balken 
sagen; de Pläck gongt ütt't Tjöch, der Fleck geht aus dem Zeuge, 
wenn er darin sitzt: he gongt auf*t Tjöch, wenn er darauf sitzt; 
de Airem äs ütt't Ldss und auft Ldss, der Arm ist aus dem 6e- 
lenke und ab dem Gelenke. — Ult ^ngst^ auf ^ngst und ßär 
jingst^ aus Angst, von Angst getrieben, und vor Angst; däJt ia 
me ütt'e Tagte kiemmen, es ist mir aus den (jcdanken gekommen, 
nämlich auf eine Zeitlang: dät's me aufe Tagte gingen, aus dem 
Gedächtniss. — Huhm üttmägen und huhm aufmägen, ist beides ihn 
schelten, aushunzen; he niäget*t ütt mä hdm, er machte es mit 
ihm aus; ick wall de Säge nög aufmage, ich will die Sache schon 
abmachen. 

Umstandswörtlich: he wall ütt, er will aus; dät Zjägt gongt 
ütt, das Licht geht aus; dirr wort nint ütt, es wird nichts da^ 
aus; he slauch en Butt ütt, er schlug eine Scheibe aus; ütt an in 
gongen, aus und ein gehen. — Uttdni , üttbäi , üttfaar, u.s.w. 

§. 275. Unner, unter; dän. under, nd. unner, engl, under. 

Vnner, das Gegentheil von auwer und baawen, baawne, ftopp, 
zeigt einen tiefern oder niedrigem Standpunkt in Beziehung 
auf einen höhern an , als : unner *e Bank lädden , untor 
der Bank liegen; unner *t Ausing stäujnnen, unter der Traufe ste- 
hen; unner segs Ihr wesen^ unter sechs Jahren sein; wät unner 'e 
Hävjnn forkuppen, etwas unter der Hand verkaufen; he stäntufh 
ner'e Kinning, unner 'e Burgermäister ^ unner* t Amtmann, er steht 
unter dem König, dem Bürgermeister, dem Amtmanne; he for* 
stäik sin Föhlhäid unner'e Shin fon Idewde, er verbarg seine Bos- 
heit unter dem Scheine der Liebe; dät kaaget unner 't Zddd, et 
kocht unter der Stürze. — Steht unner bei räumlichen Verhält- 
nissen, wo es im Deutschen mit dem vierten Falle gebraucht 
wird, so nimmt man andere Umstandswörter zu Hülfe, als: häne, 
dähl, dp, auwer, u.s.w. als: dät Bjärn krüpt unner 'e Shew, ins 
Kind kriecht unter dem Tische herum: hat krüpt inunner'e Sh^, 
es kriecht unter den Tisch; ebenso häneunner'e Shiw; unner't 

m 

Spaniel hängen, unter dem Spiegel hangen: dpunnerH Spägel 



391 

hingen, unter den Spiegel hängen; däl Mddsdmmerkrüdd sät tin- 
ner*e Büjlke, das Johanniskraut (Sedum Telephium) sitzt unter 
dem Balken: wiL dpunner'e Büjlke siegen ^ etwas unter den Bal- 
ken stecken; unner'e Tage Iddden, unterm Dache liegen: auwer- 
unner'e Tage smitte^iy unter 's Dach hinüber werfen; de Könker 
krup dählimner'e Shiw,. die Spinne kroch hinab unter den Tisch: 
he krüpt unner'e Shew, sie kriecht unter dem Tische. Uneigent- 
lich gebraucht steht bloss unner, als: unner't Auwerrogt stäujn* 
nen, unterm Obergerichte stehen; unner' t Auwerrogt kamen, unter 's 
Obergericht kommen; dö kämst unner 'e Fäjtt, du kommst unter 
die Füsse, von den Beinen; he ds unner 'e Sdldaate gingen, er ist 
unter die Soldaten gegangen; he ds bekännd unner de Ndme, er 
ist bekannt unter diesem Namen ; Brüjd unner da £rme üttdie- 
len^ Brot unter die Armen vertheilen; huhm unner 't Airme grip» 
pen, einemunter die Arme greifen; unner Julien an Granen ^ unter 
Wimmern und Aechzen. 

Umstandswörtlich: dirr siegt wdt unner, es steckt etwas dahinter; 
auch he heVr wdt unner, er hat etwas darunter, nl. verborgen. 

§.274. Sinnverwandt sind hier bäi, mddde, twdshe , äw und 
&^jn, als: dät ds unner swär Strafe forbähn und bäi swär Strafe, 
unter und bei Strafe; he stont unner 't Militair, he ds bäi't Mili- 
tairt he gongt unner' e Sdldaate, er geht unter die Soldaten; he 
gongt mddde da Sdldaate, er geht unter den Soldaten umher; he 
rät twdshe twäier Husaare, er reitet zwischen zwei Husaren. Un- 
ner ^ OMJn, äw und bäi huhmsen Nöme, unter, in» auf und bei 
eines Andern Namen, als: he gongt unner de an de Name, er geht 
unter dem und dem Namen; äujn Gödds N5me wall ick't düjn, in 
Gottes Namen will ich es thun; unner en främden Nöme baurigen, 
unter einem fremden Namen borgen; äujn en Auserns Nöme, im 
Namen eines Andern; äw en Auserns Nöme baurigen, auf den Na- 
men eines Andern borgen ; äw Jesu Nöme und äujn sdn Nöme krdstent 
worden, auf und in Jesu Namen getauft werden; dö shäht äi swire 
bäi Gödds Nöme , du sollst nicht schwören bei dem Namen Gottes. 

De Sann gongt unner, die Sonne gehet unter: de Sdnn gongt 
dähl, die Sonne gehet nieder, wenn 's über Mittag ist. 

§. 275. Mddde, twdshe. 

MMde heisst unter, wenn dieses das Befinden in der Menge 



392 

bezeichnet, als: dirr ds Unkrüdd mddde de Wißte, es ist Unkraut 
unter dem Weizen; mddde min Baucke kän ick't ai finne, untor 
meinen Büchern kann ich 's nicht finden; wdt mddde enauser min- 
gen, etwas unter einander mengen; dät läit mddde enauser of 
Födder an Strdi^ ds Krüdd an Röwe, es liegt unter einander wie 
Heu und Stroh, wie Kraut und Rüben. — Twdshe ist in der Mitte 
von zwei Gegenständen, z. B. twdshe Holt an Burk satten, zwi- 
schen Thür und Angel sitzen, wörtlich: zwischen Holz und Rin- 
de; he sdt ds en Lüss twdshe twäier Nagle, er sitzt wie eine Laus 
zwischen zwei Nägeln; de Spräikliere stmt *twdshe de Bibel an't 
Söngebauck, die Sprachlehre steht zwischen der Bibel und dem 
Gesangbuche. Hörr stdnt't? wie steht's? so twdshe hiese, so zwi- 
schen beiden; dirr's unk wdt twdshe kiemmen, es ist etwas zwi- 
schen uns beiden vorgefallen, in die Quere gekommen. 

Man kann sagen : unner dd Erme üttdielen und mddde da Erm 
üUdielen, unter die Armen vertbeilen. 

Noch Einiges über die Zusammenziehungen, besonders in Fällen, 
die von der gegebenen Regel abzuweichen scheinen, 

§. 276. Es gilt zwar als feststehende Regel , dass die angehängten 
Geschlechtszeichen sich durchgängig nach dem Geschlechte der 
Hauptwörter richten, und dass man dieselbe bei allen Zusammen* 
Ziehungen und Abkürzungen befolgen muss. Doch wird man 
auch hier noch hin und wieder auf Ausnahmen stossen, die mir 
selbst anfangs unerklärlich waren, indem ich fälschlich hier das 
sächliche Geschlecht als untergegangen voraussetzte. Bei genau- 
erer Forschung und einer vergleichenden Zusammenstellung der 
abweichenden Fälle dieser Art, ergab sich folgendes, in der Spra- 
che begründete Resultat. Alle Hauptwörter, die sich mit einem 
Grund' oder Doppellaute (Vocal oder Diphthongen) anfangen, bekam' 
men, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Zahl, den Buch» 
Stäben t als Zusammenziehung szeichen, ganz so, wie beim sächlichen 
Geschlechte , weil zwei Vocale , hier das e , sich nicht zwanglos ufd 
ohne Absatz an einander anschliessen können. Solche männliche 
und weibliche Hauptwörter sind z. B. folgende, als: jö u^gs, die 
Axt; jö Auhs, die Oese; de Auwen, der Ofen; da Aune n. coli., 
die Buttermilch; da ^r^e, die Erbsen; de Jnker, der Anker; de 



395 

jii^mg, der Erbe; }ö^rwy das Erbe; di^nnertinge, die jährigen 
Hutterlämmer; de Äjl, der Aal; dkAawente, die Schnürleiber; da 
u/iSy die Eier; de Äirein, der Arm; de Jpel, der Apfel; }öJlneriy 
die Enie; de J^c^er, die Ader; de JSker, der Acker; de Jßnn, der 
Abeod; jö Elms^ das Almosen; jö Ellen ^ die Elle; de Eesh, die 

M 

Schachtel; jöEesh, die Esche; da Ennhörringe, die Abenddämme- 
rung» das Zwielicht (wörtlich : die Z wielichten , dennesi^tim Frie* 
sischen ein Nom. coli); de£m^, derBrodem; de Elefant; deEgge\ 
die Seite; jö Ihk, die Eiche; jölhper, die Ulme; de JA«, der Eid; 
de ^nne, das Ende; de IllgeTy der Aalstachel, Aalgabel; de Ihre^ 
die Ehre; de Ödd , die Spitze > z. B. eines Messers ; de Otter, die Otier^ 
Fischotter; de O/itne, der Odem; deO^^m, der Oheim; deÖrne, der 
Eber; deOgse, der Ochse; deOmmer, der Eimer; jö Orgel; jö ij/- 
Ung, die Mulde; de Vch, die Wand; deUhrs, der Frühling; jöUrt, 
die Narbe; de Ursäge, die Ursache; de UnnemCy das Mittagessra; d& 
UjlUngsmänn , die Odelsmänner, genannt Oldiogsleute. 

§. 277. Wenn die vorstehenden , so wie andere ihnen ähnliche 
Wörter mit Umslands- Binde- und Yerbältnisswörtern in Verbin- 
dung treten, bekommen sie das erwähnte Zeichen, als: de StSle 
sSt bäi't jfpiA, der Stiel sitzt am Apfel; dät KUlss läit äw't ^ple, 
das Tuch liegt auf den Aepfeln; duhg Sierep äujn't Aune, thue 
Syrup iri die Buttermilch; jö Kräjk sdt äujn't Auhs, der Haken 

A 

sitzt in der Oese; he gongt äw't Ekre, er geht auf den Aeckern; 
äujn*t Ennhörringe satten, im Zwielicht sitzen; huhm wdU äw't 
J&rem binnen {äw'e Sliew), einem was auf den Aermel binden; he 
sldingert md*t Airmey er schlenkert mit den Armen; he sSgl dm*t 
^nnerlinge , er sucht die jährigen Mutterlämmer; dm 't, bäi *t, äw 't, 
auwer'ty faar't, äujn't, äjtt't, unner't Jjnne; he stauch Haaling 
äw't Edder, er schlug Loch auf die Ader; heshüjttdät Reef äujn't 
Ugene, er schoss den Fuchs in die Augen; he sagtet efler't Urder, 
er zielte nach dem Enterich; he spälet äw*t Orgel, er spielt auf 
der Orgel; t6*t Vhrs wall ick Buhmme plante, zum Frühjahr will 
ich Bäume pflanzen; jö Söhg slidll tö't Öme, die Sau soll zum 
Eber; he was üttauf't Ohme, er war ausser Athem; stjärt da 
^te äujn't Vjlling, schütte (stürze) die Erbsen in die Mulde; ja 
säUe bäi't Vnneme, sie sitzen beim Mittagessen; da Aiie Iddde 

„ A 

wuin't Onnmer, die Aale liegen im Eimer; häneijn't Enne, gegea 

50 



394 

den Abend; dät Bijnn lau öx^'t Esh, das Band liegt in der 
Schachtel; Jö mäget Snaurhaalinge äujn't Aawente^ sie macht SchnCof^ 
löcher in die Schnürleiber, u. s.w. 

Wird aber nicht zusammengezogen, so muss das rechte 6e* 
sdilechtswort stehen, und besonders wenn ein Bestimmungswort 
Yorhergeht, als: de ürder tvH jö Jnert; he trU jö spaaweU Airt; 
da sihssene B^tme Iddde äujn de gräine Esh, die seidenen Bander 
liegen in der grünen Schachtel; he sldingert ma de ihne Jtirem, er 
sdilenkert mit dem einen Arme; de Stile shall to de näie lUger, 
der Stiel soll zu dem neuen Aalstachel; de ^we ritt äw de gritU 
Elefimt. Ebenso erfordern allgemeine und Ordnungszahlwdrter 
das volle Geschlechtswort vor dem Hauptworte, doch jene nieht 
in allen Fällen, als: he segt am jö lähsere Jlnerty er sacht aaeh 
der zweiten Ente; all da rüjdde Jple sin toset ^ all die roth» 
Aepfd sind faul; aber: älk rüjdde 2ple; nijn ripp Flame, keine 
reife Pflaumen; haaw göhl Pire, einige gelbe Birnen, u. s.w. 

Anmerkung. 

Ohne die gebräuchlichen Zusammenziehungen würde die nord- 
friesische Sprache, sowohl im täglichen Verkehr, wie auch ab 
Schriftsprache, zu der sie sich zwar nie erhoben hat, den jetii* 
gen Friesen sehr schwerfällig vorkommen; die ZusammenziehuD* 
gen machen sie dagegen geläufig, aber erschweren auch das E^ 
lernen derselben den nicht gebornen Friesen, woraus es sich e^ 
klärt, dass Nicht-Einheimisebe sie so schwer und selten lernen. 



ZEHNTES GAPITEL 

DAS BINDEWORT (Conjunctio). 



§.278. Das Bindewort ist eigentlich ein Umstandswort, welches 
seinen Namen davon erhalten hat, dass es Wörter und Satse flul 
einander verbindet, und anzeigt, in welchem VerhältoisBe dfesil- 



59& 

boo zu einander gedacht werden sollen. Die gewöhnlichsten und 
wichtigsten derselben sind folgende : 

Däi (dät'r, dät's, dät't, dät'm, pl. dät's), dass; dät ai, damit 
Dicht. 

An, und; biese — an, beides — und; äi älliene — aurs ock, 
nicht allein — sondern auch; ocksögaar, auch sogar; ockäi, auch 
nicht; äi hallere oder hällere äi, auch nicht, dm,ikke heller oder 
heller ikke. 

üntig, oder; äu^ntwihsser {dntwihsser) — untig, entweder — oder; 
wihsser — noch, weder — noch. 

Aurs, aber; aurs dochy aber doch. 

Wmn — dann, wenn — dann (denn); söball ds, sobald als; dj 
goball — ds, nicht sobald — als, kaum — als, knäp — ds, kaum-^ 
als; hit, bis; willert, während. 

A's, als, wie; so — d«, so — wie; ällicksö^-^ds, eben so als; sä 
ds, sö's, so wie; säwäjl — ds, sowohl — als; ds wdnn^ als ob;, ifter 
ds, nachdem, so wie; je — je und je — desto, ganz wie im Deutschen. 

Dirrfaar , daher , desswegen ; dirrauwer , desshalb ; dkrdm , darum ; 
älsöf also; dirr — so, da — so; ddnn, denn; wuwer dät, (über das), 
weiL 

Wann — so, wenn — so; hörr — «ö, wenn — so; wann oek — so 
dioehy wenn auch — so doch; wajl — aurs doch, zwaj^ — aber doch; 
herrwäjl — so doch, obgleich — so doch; älliekwäjl, gleichwohl» 
dennoch. 

Wirr, ob. 

j^nmerkung. 

Die Zusammenziehungen mit r, s, t, m u. s. w. kommen nur bei 
denjenigen Bindewörtern vor, die unmittelbar vor den persönli- 
chen Fürwörtern stehen können, und finden nur dann Statt, wenn 
die Personen und Gegenstände, welche das Fürwort vertritt, eben 
vorher erwähnt worden sind, und als völlig bekannt vorausge^ 
setzt werden können, als: Man Frünn shrdft me, dät'r dilling äi 
käme kän, an dät sin Wöff säid häi, dät's mjärne md kaum, aurs 
dät't Wähser'rjd dilling äi efter was dm ütt tokäiren, mein Freund 
schreibt mir, dass er heute nicht kommen könne, und dass seine 
Frau gesagt habe, das» sie morgen mitkäme, dass ja aber heute^ 



396 

das Wetter nicht darnach sei, um auszufahren. -^ UnmittellNir 
vor Hauptwörtern werden diese Bindewörter, wie die Umstands* 
üifid Verhältniss Wörter, mit den Geschlechtszeichen der Hauptwör- 
ter zusammengezogen , als : wann *e Rinn dphält , wenn der Regen 
aufhört; wdnn'e Sßrk bdggd ds, wenn die Kirche gebaut ist; 
wdnn'i Hüss klär ds, wenn das Haus fertig ist; wdnn'r't Hüa 
klär hSt, wenn er das Haus fertig hat. 

jinwendung der Bindewörter, 

§.279. Dät, dass. — He m^nt dät'r'r (1. dätterer) ndg klär mi 
wort, er meint, dass er wohl fertig damit wird. Das erste V 
nach dät steht statt des persönlichen Fürwortes he (er), das zwei- 
te statt dirr (da), welches von md (mit) getrennt wird. Wollte 
man diesen Satz dem deutschen nachbilden, ohne die Eigenthüm- 
lichkeit der nordfriesischen Sprache zu berücksichtigen, so würde 
er vollständig also lauten, und trotz seiner schwerfälligen and 
zwangvollen Form auch von jedem Friesen eben so gut verstan- 
den werden: he mijnt, dät he dirrmd nog klär werde wall; aber 
so hört man keinen Friesen sprechen. — Jö sähs, däVs käme wijl, 
sie sagte, dass sie kommen wollte; jö tdgt, dät's'r (hdätser) regt 
ivdt funnen häi, sie dachte, dass sie da etwas Rechtes gefunden 
hätte {dät's'r, statt: dät jö dirr); dät't shief gonge wäjl, hähw idt 
all longens tdgt, das es schiefgehen würde, habe ich schon längst 
gedacht; huhm wijt ja nög, dät'm äi mdtelld wort^), man weiss 
ja wohl, das man nicht mitgezählt wird; dät'r't säid hSt, is 
wäir^ dass er*s gesagt hat, ist wahr; jö wdU't äi töstäujnne, wrs 
dät's*t däjn het, kön ick betjöge, sie will's nicht gestehen, aber 
dass sie's gethan hat, kann ich bezeugen; ja häjn säid, dät't fd 
wäjn, sie hatten gesagt, dass sie mit wollten. 

§.280. jDä^ äi, dass nicht, damit nicht. — Ick bqjd kam int» 
to bliwwen, dät'r äi äujn en Unlock käme mälis, ich bat ihn, xa 
Hause zu bleiben, damit er nicht in ein Unglück gerathen möge; 

<) Das 'm steht als Zusammenziehungszeichen für die Pronomina 
jdm und huhm, als: wänn'm md wdn, so mävjn'm käme^ wenn 
ihr mit wollt, so müsst ihr kommen; wdnn'm nint hierd an sßjn 
het, so kon'm ock nint betjöge, wenn man nichts gehört und ge- 
sehen hat, so kann man auch nichts bezeugen. 



397 

iek mdst de Hünn dränke, dätW nijn Laumme mörr bißt, ich mosd« 
te den Hund ersäufen, damit er keine Lämmer mehr bisse; sijnn 
Mm dät Bauck, dät'r't äi längere sägne shdll, sende ihm das 
Buch, damit er*s nicht länger vermissen möge. 

§•281. An, und, wie im Deutschen. — Do an ick, du und ich; 
Mann an Wo ff an Bjäme, Mann und Weib und Kinder; an he 
kaum an säch an forßärd hdm, und er kam und sah und ent- 
setzte sich; an ddt wällt an koget an brühsset an sihsset, »und 
es wallet und siedet und brauset und zischt.'' 

Biese — an, beides — und. — Biese he an jö, beide er und sie. 

§.282. ^Ai älliene — aurs ock — sögaar, nicht allein — sondern 
toich, sogar. — 'Ai älUene sin Wo ff, aurs ock sin Dogter ds stürwen, 
nicht allein seine Frau, sondern auch seine Tochter ist gestor- 
ben; äi älliene de Shdmmel, aurs ock de Foss ds hält, nicht allein 
der Schimmel, sondern auch der Fuchs ist lahm; he het hdm di 
alHene üttshilld, aurs ock sögaar släien, er hat ihn nicht allein 
ausgeschoiten , sondern auch sogar geschlagen. 

§. 285. Ock dii auch nicht. — Jdt mdujn V di auf ähse an de 
Buhmm ock äi äujnräire, ihr (zwei) dürft nicht davon essen, und 
den Baum auch nicht anrühren; dät wäs't ock noch äi ältemäle, 
wdt'r forlängd, das war's auch noch nicht alles, was er verlang- 
te; läjtt de nint marke faar hdm an ock äi (aar hdr, lass dich 
nichts gegen ihn merken und auch nicht gegen sie. 

§.284. Hällere äi oder äi hällere, auch nicht, eben sowenig.-^ 
Jdrst büjdd ick hdm fiew Daalere, an tolest tien, aurs dät wäjl'r äi 
hällere, erst bot ich ihm fünf Thaler und zuletzt zehn, aber das 
wollte er eben so wenig. Eben so wenig wird aber auch wört- 
lich so übersetzt: [dät kon'r ällicksö läiet, das kann er eben so 
ivenig; dät kön'r äi hällere, das kann er auch nicht, wörtlich: 
dät kon'r ock äL 

§.285, Vntig, oder. — Ick untig dö, ich oder du; he untig en 
ausem, er oder ein anderer; wdt untig nint, etwas oder nichts; 
w&ht uniig äi? willst du ocier nicht? bring me en Glees Bier untig 
Jen Glees Winn, bringe mir ein Glas Bier oder ein Glas Wein. 

Äu^wihsser [dntwihsser) — untig , entweder — oder. — Dö maust 
myfUwihsser sellew käme, untig me ock shriwwe, du musst entwe- 
der selbst kommen, oder mir auch schreiben; äujntwihsser ds'r en 



398 

Geck, untig ock man hulew klwuk, entweder ist er eio Geck, oder 
aueh nur halb klug; jo ds äu^twif isser krSnk, tmlig oek dHjdiy 
sie ist entweder ki'ank, oder auch todt; kem&ujtt&uinlwihsser be- 
täle, untig ock äujn't Loch äw Wähser an Bruß^ er muss ent- 
weder bezahlen, oder auch in's Gefängniss auf Wasser und Brot. 

§• 286. Wihsser — noch — aurs man , weder — noch — sondern 
nur. — He ds wihsser gitsig, noch rüff, aurs man sünig, er ist 
weder geizig, noch verschwenderisch, sondern nur sparsam; däi 
Wähser ds ja wihsser käi^l^ noch worm^ aurs man /ds» das Wasser 
ist ja weder kalt , noch warm , sondern nur lau ; da Slänge kaane 
wihsser gonge, noch flijn, aurs man kriepe, die Schlangen können 
weder gehen, noch fliegen, sondern nur kriechen; de SüUer Un 
wihsser Holt, noch Glees, aurs man Ldhser to Shur an Släiwle brücke, 
der Schuster kann weder Holz, noch Glas, sondern nur Leder vn 
Schuhen und Stiefeln gebrauchen. 

§. 287. Aursy aber. — Ick wdlVi de nog sedde, aurs do mäusiH 
äi wihsser forteile, ich wilFs dir wohl sagen, aber du darfst es 
nicht wieder erzählen; ick forihr de dät Bauch, aurs dö mäusl'r 
ock mjn lese, ich schenke dir das Buch» aber du musst auch 
darin lesen; aurs dirr*r*t nö di aurs mäge köhs, aber da er es mm 
nicht anders machen konnte; he bajd me dm man Stock, aurs ick 
wßjl'n hdm di dusjn, dann aurs hdVr'n hehüllen, er bat mieh nn 
meinen Stock, aber ich wollte ihn ihm nicht geben, demi sonst 
hätte er ihn behalten. Aurs, wenn es aber vertritt, muss immer 
zu Anfange des Vorder- oder Nachsatzes stehen, und kann lüeht, 
wie im Deutschen, versetzt werden. 

Aurs doch, aber doch. — He wusst me di to räßdden, aurs h$ 
mijnd doch, dät ick't man dii^n shäujl, er wusste mir nicht zi 
rathen, aber er meinte doch, dass ich 's nur thun sollte; kann 
auch heissen: aurs doch mijnd *r u. s. w. Eben so steht es, wie im 
Deutschen, wenn man nach einigem Ueberlegen auf einen glück- 
lichen Einfall geräth , als : aurs doch ! aber doch ! 

§. 288. Wann — ddnn , wenn — dann (denn). — Wann *e Nüjd grittä 
ds, ddnn kriepe dd mäste to Krüss, wenp die Noth am grössten ist, 
dann kriechen die meisten zum Kreuze; wdnn'e Klöcktwälem stiit, 
ddmn wall ick bäi de wese; wdnn he kdnU, ddnn kaasi dö gmigs^ 
wenn er kommt, dann kannst du gehen. 



399 

Jdrsl me, dann de, erst mir, dann dir; wdi wähi dö (Unit/ 
was willst du denn? hältst dö dirr dann ock wähn? wdt swäret'r 
dann? Nö, so mäi^t'r dann am w4se! nun, so mag's denn darum 
sein, sein Bewenden haben. Dirr dann! da denn! nimm's hinl 

-^. 989. Söbdll ds, sobald als. — Söbdll bestimmt immer die 
nächste Zeitfolge, und muss immer ds nach sich haben: sobUl ds 
iek man kön^ sobald ich nur kann; söbdll ds dö kamst; söbdll i» 
iek klär bdn, sobald als ich fertig bin; söbdll ds dät Hännehjäm 
da Sjöcklinge säch^ sh^t'Vr dähl äw, sobald als der Hühnergeier 
die Kächlein sah, scfaoss er auf sie herab. 

§.290. 'i4f söbdll — äSy nicht sobald — als, kaum. ^-^ Hb ws 
äi söbdll inkiemmm, äs'r ock all ävjn fanget Tot to mögen, er war 
kaum hereingekommen , als- er auch schon anfing Lärm zumachen^ 
oder: er war nicht sobald hereingekommen, alsu. 8.w. Hier kann 
auch knäp (kaum) stehen: knäp häi'r dät säid^ ds'r ock ällämfäl^ 
kaum hatte er das gesagt, als er auch schon umfiel; ick was knäp 
inkiemmen, äs'r huhm äw'e Bohr böget, ich war kaum bereinge« 
kommen, als jemand an die Thor pochte. 

§.294. Bit, nd. Ht, bis, wie im Deutschen. — Täiw, bitickwiks- 
ser töbäkg kam, warte, bis ich wieder zurückkomme. 

§. 292. Willert, während. — He it Braahs an drc^nkt Winn^ 
mUert iek knäp dröhg Brüjd an Wähser hähw, er isst Braten und 
trinkt Wein, während ich kaum trocknes Brot und Wasser habe* 

§.295. As, als. --' He läwet ds en Biller, er lebt wie ein Bett- 
ler; he siürw ds PrSster, er starb als Prediger; he kaum ds en 
Thief^ er kam wie ein Dieb. Auch: ds ick üttging, fanget* t äujn 
i6 rinen, als ich ausging, fing es an zu regnen. As bezeichnet 
die Yergleichung und Zeitverbindung am allgemeinsten. 

§. 294. So — ds, so — wie , ällicksö — ds , als wie , eben so als. — . 
He äs so gmß ds huhm, er ist so gut wie einer; ick bdn so grott 
ds dö, ich bin so gross wie du; he äs so gäuß ds rogtfjärdig, er 
ist so gütig als gerecht; dät äs so faale ds nint, das ist so viel 
wie nichts; min Giß jüUt so faale ds din, mein Geld gilt so viel als 
das deine; en Shdlling jüllt so faale ds twäier SSgdinge, ein Schil- 
ling gilt so viel als zwei Sechsliuge. — Dät ds aUicksö'n Bock 
ds man, dils ist eben ein solcher Rock, wie der meinige; he äs 
ällicksö rick ds dö, er ist eben so reich wie du. 



400 

So OS, als, wie. — Dirr sdnmdnning SlägsFögle, so ds: Staurke, 
Spärfige, Spriene, Laashe, Rauke, Krage an so widdere, es ^ebt 
vielerlei Vögel» als: Störche, Sperlinge, SUaren, Lerchen, Raben, 
Krähen u. s. w. 

So ds he hdm ajiidregl, dät ds jd doch äUeäirig, so wie er sieh 
gebebrdet, das ist ja doch gar zu arg. So ds wird auch in sö*9 
zusammengezogen: sö's he tökiers gongt, shäujl'm jd üewe, dät'r 
mal was, so wie er zu Kehr geht, sollte man ja glauben, dass er 
toll wäre; he wall äi, sö's ick, er will nicht so wie ich. 

§.295. Söwäjl — ds, oder -^ ds eck, sowohl — als auch. — »So- 
wajl ick ds dö, sowohl ich als du; söwäjl iö Wähser ds tö Läujnn, 
sowohl zu Wasser als zu Lande; söwäjl äujn Knchs* ds äujn Fr^ 
sensiidde, sowohl in Kriegs- als in Friedenszeiten; de Shr^dder 
brückt söwäjl Träjdd an Sihssen, ds Säinelle an Shäire, der Schnei- 
der braucht sowohl Zwirn und Seide, als Nähnadeln undScheereo; 
da wille u/nerte kaane söwäjl swömme ds ock gonge an flijn, die 
wilden Enten können sowohl schwimmen als auch gehen und 
fliegen; de Bürre brückt söwäjl Plauge ds ock Harrewe an Rewe, 
der Bauer gebraucht sowohl Pflüge als auch Eggen und Rechen; 
he het me söwäjl tühsset ds ock släien an bdnn, er hat mich sowohl 
gezauset als auch geschlagen und gebissen; he het hdr söwäjl be- 
shönklütlet ds ock belügen, er hat sie sowohl beschaudfleckt als 
auch belogen; söwäjl hdrren Mann ds ock harr Bjärne mäst's /br- 
läjtte, sowohl ihren Mann als auch ihre Kinder musste sie verlassen. 

§.296. As wann, als ob. — He lüpp, ds wdnn*r mal wähn häi, 
er lief, als ob er toll gewesen wäre; he säch ütt, ds wdnn'r äi 
to pew tSlle köhs, er sah aus, als ob er nicht bis fünf zählen 
könne; dö mägest ja en Tot, ds wdnn'r twontig wjämy du machst 
ja einen Lärm, als ob zwanzig da wären. 

§,297. £fter ds, nachdem, so wie. — Efter ds he säit, tnäujt't 
doch wäir wese, nach dem, was er sagt, muss es doch w^hr.sein; 
efler dsickhierd hähw, nach dem wie ich gehört habe; Sfter ds'r 
so rick ds, dWr man läiet gäujd, nachdem er so reich ist, thut 
er nur wenig Gutes. Bei Zeitbestimmungen aber steht ds nur 
allein, wo im Deutschen ebenfalls nachdem stehen kann, als: ds'r 
hdm Salt ahn häi, nachdem er sich satt gegessen hatte; as ick 



401 

long täiwd häi, nachdem ich lange gewartet hatte. Eßer ds würde 
hier unrichtig stehen. 

§.298. Je — je und je — desto. — Je morr, je bähsere, je mehr, 
je besser; je allere, je täsigere, je älter, je gricklicher; je ihr , je 
liewere; je bähsere Kaum, je stiwwere Hulem, je besseres Korn, je 
steifere Halme; je morr dö de bähsest, desto bähsere ds't, je mehr 
du dich badest, desto besser ist es; je mörr'r fäit, desto morr 
wdll'r hhoe, 

§.299. Dirrfaar, daher, dcsswegen; dirrauwer, desshalb; dirrdm, 
darum; also, also. — Dirrfaar und also bezeichnen beide eine 
Folge; dirrfaar bezieht sich auf das Ursächliche, also auf das 
Verpflichtende, als: jd köhn äi forlicke, dirrfaar tuchen's fön en- 
auser, sie konnten sich nicht vertragen, daher zogen sie von ein- 
ander; dö hähst't forsprägen, also mmst't och hüjlle. — Jd köhn 
äi ijns, dirrauwer leten's jdm shiese, sie konnten nicht überein- 
stimmen, desswegen Hessen sie sich scheiden. 

§,500, Dirr — so, da — so. — Dirr'r äi hiere wäjl, so most'r 
fäile, d&er nicht hören wollte, so musste er fühlen; dirr ick hierd, 
dät's kränk was, so wäjl ick'r hdr nint fon sedde, da ich hörte, 
dass sie krank sei, so wollte ich ihr nichts davon sagen ;jd wäjn 
Kall maspäle, aurs dirr*s nijn Gijl häjn, so mosten' s't bliwwe läjtte , 
sie wollten gerne mitspielen, da sie aber kein Geld hatten, so 
mussten sie es bleiben lassen; dirr ick nint hähw, so kön ick ock 
nint dujn, da ich nichts habe, so kann ich auch nichts geben. 

§.501. Dann, denn. — He köhs äi mdkäme, dann he was kränk, 
er konnte nicht mitkommen, denn er war krank; he wäjVr nint 
ävjn waage^ ddnn dirr was nint to knien, er wollte nichts daran 
wagen, denn da war nichts zu holen (gewinnen); de Docter ging 
gelick, ddnn dirr was nint bäi to mägen, der Arzt ging sogleich, 
denn es war nichts dabei zu machen. 

§.502. Auwer dät, wörtlich: über das; aus der Ursache, dem 
Grunde, daher für weil, als: wirrfaar kön'r äi betäle? auwer dät*r 
nijn Gijl het, wesshalb kann er nicht bezahlen? weil er kein Geld 
hat; jö Klöck stönt, auwer dät's äi dptägen ds, die Uhr steht, weil 
sie nicht aufgezogen ist. 

§.505. Wann — so, wenn — so. — Wdnn dö md wähl, so maust 
käme, wenn du mit willst, so musst du kommen; wdnn ick'r Häi 

51 



404 



Vermischle Beispiele. 

§. 508. Ick kön söwäjl sijn ds hiere, ich kann sowohl sehen 
als hören. Wdnn'e Sann äpgongt, so wort't Däi, wenn die Sonne 
aufgeht, so wird es Tag. Da Shewe sdn äujntwihsser trinn 
uniig kantig, die Tische sind entweder rund oder eckig. En 
Kugel untig Bossel ds mhsser long noch kantig, aurs trinn , eine Ku- 
gel oder Bossel ist weder lang noch kantig, sondern rund. DdNüjtte 
ähse äi älliene Gjdrs, aurs ock Födder an Strdi, die Rinder 
fressen nicht allein Gras, sondern auch Heu und Stroh. Hörr- 
wäjl dät't nö Uhrs ds, so ds't doch noch sierem kdujl, obgleich es 
jetzt Frühling ist, so ist es doch noch sehr kalt. En dpsmdnenen 
Stijn fällt wihsser dähl, auwer dät'r swär ds, ein in die Höhe ge* 
worfener Stein fällt wieder herab, weil er schwer ist. Dät Isi 
wort dm so faale tjöckere an fästere, je stringerede Fräst ds, an je 
längere he wäret , das Eis wird um so dicker und fester, je strenger 
der Frost ist, und je länger er währt. De Winn drdft'e Shäwe 
äw *t Heef, an ds dirrfaar dd Shdppere wäjlkiemmen; aurs wdmW 
alte stärk wdit, so mägeVr't Heef ünrauig an orkel, der Wind 
treibt die Schiffe auf dem Meere, und ist daher den Schiffem 
willkommen; aber wenn er zu stark weht, so macht er das Meer 
unruhig und ungestüm. Dät dis nö en hulew Ihr sunt, dät san 
Fidder stürw, es ist nun ein halbes Jahr her, dass sein Vater 
starb. He spälet oller aane iö wannen, er spielt nie ohne zu ge- 
winnen. He snäket ds wdnnW däsig was, er spricht, als ob er 
närrisch wäre. Als ob heisst immer ds wdnn, nicht ds wirr; ob 
heisst aber überall wirr. 



ANHANG. 



I. 



BENENNUNGEN ALLGEMEINER GEGENSTAENDE. 



i. Das Haus mit seinen Abtheilungen, Geräthen u. s, w. 



Dat Hüss, das Haus. 

jö Mohr, die Mauer. 

ja Bohr, die Thür. 

jq Auwerdöhr, die Oberlhiir. 

jö Näserdöhr, die ünterthür. 

j5 Bing, die Thürangel. 

de Häge, der Haken. 

dät Slot, das Schloss. 

de Kaie , der Schlüssel. 

de Kohle ^ der Stift eines Vor- 
hängeschlosses. 

de Drempel, die Thürschwelle. 

de Faurtele, richtiger de Paar- 
t^le, die Vordiele. 

de Dörnsh, die Wohnstube. 

jö Kldjnk, die Klinke. 

de Tele, die Diele, der Fussboden. 

de Bank, die Bank. 

de Stäujl, der Stuhl. 

dät Häigen, das Stuhlkissen. 

de Länstäujl, der Lehnstuhl. 

jö Shew, der Tisch (das deut- 
sche Scheibe und das dänische 
Skive). 

dät Shüffy die Schublade. 

de Shämmel, der Schemel. 

dät Shäi^n, der Schemel. 



dät Spägel, der Spiegel. 

dät ShiUeräi, die Schiiderei, das 

Gemälde. 
dät Büly das Bild. 
dät Wdnning, das Fenster. 
dätRült, die Fensterscheibe (das 

deutsche Raute, dän. Rüde, 

nd. Rut), 
jö Rämm^ der Rahmen. 
da Sprdjnke, die Sprossen. 
dät Kitt, der Kitt. 
dät BHe, das Blei. 
jö Länk, die Eettel, Hespe. 
de Wdnningebänk, der untre Theil 

des Fensterfutters. 
de Uch, die Wand. 
jö Loft, der Boden. 
de Büjlke, der Balken. 
jö Klock^ die Stubenuhr. 
de Perpendikel , der Perpendikel. 
da Löjdde, die Gewichte. 
Jö» Ünrau, die Unruhe, 
dlä^ Klöckehüss, das Uhrgehäuse, 
dä^ 5o/a, das Sofa. 
de Kächfauwen , der Stubenofen. 
de Stuwe, das Feuerstäbchen, die 

Feuerkieke. 



408 



dät Shäp, der Schrank. 

da Gardine, die Gardine. 

da Rielaakene, die Bettvorhänge. 

dät Beddstähs, die Bettstelle. 

dät Beddj das Bett; dät Auwer- 
bSdd, dät Unnerbedd, 

de Dümpede, das Kopfkissen. 

jöBlSchy das Laken. 

de SSlme, die Vorderseite des 
Bettes. 

de Uch, die hintere Bettseite. 

de Fäjttlinge, das Fassende des 
Bettes. 

de Haadlinge, das Kopfende. 

de Piesel, der Piesel oder Pesel, 
unmittelbar hinter der Wohn- 
stube. 

de Kuffer, der Koflfer. 

jö Karst, die Kiste, Truhe. 

de Borke, die Beilade. 

dät Shrünn , die Lade (das deut- 
sche Schrein, dän. Skriin, 
engl, shrine), 

de Saal, der Saal. 

de Bausem, 1. der Boden eines 
Behältnisses; 2. der Stall, als 
Abtheilung des Hauses, in wel- 
cher die Rinder und. Pferde 
stehen. 

de Kögen j die Küche. 

de Shorstijn, der Schornstein. 

deHetstijn, der Feuerheerd, wört- 
lich: der Heizstein. 

de Smühsse, die Esse. 

dät Säujt, der Russ. 

dät Eesh, die Asche. 

dät Ijll, das Feuer. 



dät Jjllinge, die Feuerung. 

dät Ijd, der Torf. 

de Türw, die Plagge, der Hei- 
derasen. 

jö Gl^d, die glühenden Kohlen 
(das deutsche Gluth, dän. Glöij. 

de Loge , die Lohe , Flamme. 

de Riek, der Rauch. 

dät Killsnauck, der Kesselhaken. 

de Sill, der Kessel. 

de Krdge^ der Grapen. 

jö Pott, der Topf. 

dät Lddd, die Stürze, der Deckel; 
2. der hölzerne Teller. 

dät Tdller, der Teller. 

dät Fat, plFähse, die Schüssel. 

jö Späilkummy die Spülkumme. 

dätFeet, pl. Fähse, der Bottich. 

de Setter, ein irdenes Milebge- 
gefäss, die Setze. 

jö Rdjngel, der Henkel topf. 

de Wdnserne, die Schnellwage. 

jö Shälwdgt, die Schalwage. 

jö Druhg, die Milchseihe. 

de Täms, das Haarsieb. 

jö Sjdrn, das Butterfass. 

de Sjärnstöck , der Butterstenipel, 
Buttersterl, 

dät Mölke, die Milch. 

dät Rulimme, der Rahm, die 
Sahne. 

jö Ruhmmeshiess , die Rahmkelle, 
der Rahmlöffel. 

jö Böhser, die Butter. 

da Aune, coli., die Buttermildi. 

jö Ujlling, die Mulde. 

jö Ijdmäujn, der Torfkasten. 



409 



jo Praus, dan. en Praas, ein 
elendes, dünnes Licht. 

de Boiler y ein dünnes, gewun- 
denes Talglicht. 

dät Idägt, das Licht. 

de Staujnner^ der Leuchter , wört- 
lich: der Steher. 

de Ijögler, die Leuchte. 

jo Igäglshäier^ die Lichtschere. 

dal Twürt, der Docht. 

de Snöwe, die Schnuppe. 

dät Tanner^ der Zunder. 

jö Tännerkrückfdie Zünderhüchse. 

dät Fürstaal, der Feuerstahl. 

de fjlslijn, der Feuerstein. 

de Flintstijn, der Flintenstein. 

jö Nisl^ der Funke. 

de SuHMwelplSck oder Swaatoel- 
Udck , das Schwefelholz. 

dät Ijltjög, das Feuerzeug. 

dät Läiling , das Lägel. 

de Dpbbe, der Pfropf. 

de Suchf der Zuher. 

de Ömmery der Eimer. 

dät Stop, die Gelte. 

de Ijäresiup, die Theermeste. 

de Krüddstupf der Blumenstauf, 
Blumenvase. 

jö Pdnn, die Pfanne. 

jö Täterepönn, die Zigeuner- 
pfanne, aus schwarzer Erde 
in Jütland gebrannt. 

de Ställe der Stall, ein einzelner 
Stand fürs Vieh. 

jö Krebb, die Krippe. 

de GrSme, die Halfter (dän. 
Grime). 



de Tögel, der Zügel. 

dät Hdjnsterdcki die Heuraufe 
der Pferde. 

de Group , die Mistrinne im Stalle, 
engl, groop. 

dät Ähl, die Histjauche (alt^ 
deutsch: der uiddel). 

de Mjogs, der Mist. 

jö Mjögskaar, der Mistkarren. 

de Mjögsstälie, der Misthaufen. 

de Gäihs, der Dünger. 

jöNoost, der steinerne Tränktrog. 

de Bjdmetrdg, der Bömtrog, 
Tränktrog. 

de Süss [Sühss], der Brunnen. 

de Shäwring , die Brunnenstange. 

dät Hijnsemetjög , der Brunnen- 
schwengel. 

jö Uhsgaahsy die Schöpfgosse. 

dät Hdjnstetjög y das Pferdege- 
schirr. 

de Trans, die Trense. 

de Bässei, der Reitzaum (dän. 
Bidsel). 

jö Tiem, der Fahrzaum. 

da Siöpe, die Sielen. 

da Säie, dieEumpten, Kumten. 

da Putte, die Kumtenkappen aus 
Binsen. 

jö Hälskätvel, die Halskpppel der 
Pferde , an der sie die Deich- 
sel tragen. 

de Wäietty der Wagen. 

da Fiele, die Räder. 

da Spucke, die Speichen. 

dd Shäne, die Schienen. 

de Lense, die Lünse. 

52 



410 



jö Rang, die Runge. 

jöDrägt, die Wage an der Deich* 

sei. 
da Swäjngle, die Schwengel an 

der Wage. 
de Tdchebe, die Deichsel. 
dät ^gebaurd, das Wagenbrett. 
de uigestajußl oder Wäiensl&uiU 

der Wagenstuhl. 
de Trähs, der Tritt. 
de Ponteme, der WiGshaum, oder 

der Bindebaum. 
de Faarrup , die Vorderleine. 
jö Leen, die Hinterleine. 
de Hauch, die Blockrolle an der 

Heuleine« 
deKräwelsiäujl, der Krüppelstuhl 



vorne am Wagen beim Heu- 
fahren. 

de Plaug, der Pflug. 

dät Plaugjörn , das Sech. 

dät Longjärn^ das Langsech. 

dM Trinnjdm, das Rundsech. 

de Plaugstjärty der PflugsCerz. 

de Rullstockf die Pflugreute. 

de Ptaugumen, das Pflugwagd- 
eben. 

de EkeTy der Acker. 

de Longeker, das Gelänge. 

jö Brijd^ das Gebreite. 

jö Furrig, die Furche. 

jö Härrew^ die Egge. 

da Tünne, die Zinken. 

jö Trümmel, die Ackerwalze. 



% Beschäfligutigen in und atisser dem Hause, Werkzeuge u. s.w. 



Prägein , stricken , von de Prägel, 
die Stricknadel. 

brisen, flechten. 

säien^ nähen. 

jö Säinell, die Nähnadel. 

jö Knöppnellf die Knopfnadel. 

jö Stäppnell, die Stopfnadel. 

stoppen, stopfen, steppen. 

suhmmen, säumen z. B. ein 
Tuch. 

vfinnen, Garn winden, jö Winn, 
die Garnwinde. 

jö Mäujn, der Kasten unter der 
Winde. 

de Mäujnneplöck , das Wickelholz, 
auf welches die Knäule gewun- 
den werden. 



dät TjauUng^ der Knaul. 

dät Ruf, pl. Ruwe, die Strähne. 

jö Fistel, die Fitze. 

dät Shrölk, ein Kränzchen ans 
einer Gänsegurgel , mit einigen 
Graupen oder Erbsen gefüllt, 
zum Aufwickeln des Garns. 

jö Heesp, die Haspel. 

Mspen, haspeln. 

dät Spann fijl^ das Spinnrad. 

de Rock, der Wecken. 

jö Spdndel, die Spindel. 

da Flecke, die Arme der Spindel 

da Nocke, die gekrümmten Stifte 
aus Eisendrath an den Spindel- 
armen. 

de Träjd, der Drath. 



411 

de Flägs, der Flachs. braasm, braten; jö Braahs, der 

da Häjdde, nom. coli., die Hede. Braten. 

da Shäwe, die Schaben. smuren, schmoren. 

da Hagle f die Hecheln; hageln^ jöSmurepJnn, die Schmorpranne. 

hecheln. kögen^ kochen. 

da Kurde ^ die Krämpeln; kurden^ stäiken, rösten, 2. in der Asche 

krämpeln. braten. 

de Bauern, der Besen. jö Rast, der Bratrost. 

ßgen^ fegen. späilen, spühlen« 

de Bjärsel, die Bürste; l)jar$eln, dptuhggen, aufwascben. 

bürsten. de DasheklüU^ der Küchenhader. 

jöShräw, dieSti^iegel; shräwen, bäiken, beuchen. 

1. striegeln» 2. scharren. jö Bäik, I. die Beuche, 2. die 
wdddem, auswittern, v. tr., z. B. Buche. 

Betten und Kleider. ^dmen, buttern. 

surren, y. tr., den Brotteig ein- jö Sjäm, das Butterfass. 

säuern. säUen, Käse machen; de Säihs, 
bögen, backen. der Käse. 

de Bäkauwen, der Backofen. au^ruAmmen, abrahmen, die Milch. 

däl Brüjd, das Brot. de Tjaaler, der Keller. 

de IHeh, der Teig. de Tjaalerhäls , der Kellerhals. 

de GJjärdeTy der Brotschieber. jö Tann, die Tonne. 

JQ Läujt , die Ofenkrücke. de Bänke, der Hahn an der Tonne. 

jö Auwenshäwel, die Brotschaufel. de Täpe , der Zapfen ; täpen , zap- 
grdslem, gassein, gässeln, gar- fen. 

ben , die rohen geformten Brote de Mähs , der Meth. 

mit gequirltem Eiweiss be- de Winn , der Wein. 

schmieren, und sie dann ei* dät Bier, das Bier. 

nige Hinuten in den Ofen schie- dät Ajih, der Essig. 

ben, damit sie eine braune, slägtigen, schlachten. 

glatte Kruste bekommen. de Repling , die ftut wurst. 

jö Auwenpdnnekäg , der Ofenpfan- de Ahsderbijn , richtiger Isterbijn, 

nekuchen; ein grosser drei bis die Fleischwurst. 

vier Zoll dicker Speckkuchen , de Riplingeplöck, die Wurst- 
in einer Schüssel im Ofen ge- prickel. 

backen, wo er eine dicke de Replingehmm, das Wurst- 
bräunliche Kruste bekommt. hörn. 

52* 



412 



dtU Spick y der Speck. 

dät Flash ^ das Fleisch. 

de Bang , der Bug. 

de Shdjnkel, der Schinken. 

dät 'Ister, die Flaumen. 

da Stdßde, die Grieben. 

Süllen, salzen. 

rieketi, räuchern. 

dät Surr, das Schwarzsauer. 

shürren, scheuem. 

aufäöwwen, abstäuben. 

josen, das sämmtlicheYieh füttern. 

jewen , ein Futter herumgeben. 

orten, einen Theil des Futters 
ungefressen liegen lassen. 

snauppeny mil dem. Maule über 
dem Futter stehen, ohne da- 
von zu fressen. 

hjdmen, hörnen, das Vieh trän- 
ken. 

drajnhen, trinken» 

ähsen, fressen und essen^ 

Ställen, stallen, harnen von 
Pferden. 

jö Lo, die Tenne. 

tjdrshen, dreschen. 

jö Fläiel, der Dreschflegel. 

de Hänstöck, der Handstock ^ 
Stiel am Flegel. 

de Swdjngel, der Schlägel. 

jö Kapp, die Kappe. 

de Böcke, die Garbe. 

dät Lag , eine Schicht zum Aus- 
dreschen. 

de uisher , die hohle Schaufel. 

shauweln, sehaufeln. 

Wonnen,, schwingen. 



jö Wönnüjllmg , die Schwing- 
wanne oder Mulde. 

wjarpeln, worfeln. 
jö H^rpeisAaiiti^/,dieWurfschaa- 
fel. 

de Baster, die hölzerne Schutt^ 
gabel. 

de Wupper, ein Besen zum Ab- 
fegen der ausgedroschencD 
Aehren. 

dät Sähw, das Sieb. 

säüen, seichten, sieben. 

dprästen, das Stroh aufschütten 
und zusammenbinden. 

dät Swinnestäi, der Schweine- 
koben. 

dät Shäipestäif der SchafstaU. 

dät Täling], lose Bretter und Lat- 
ten, auf den Balken ruhend, 
über die Fäeher gelegt ,.zu Heu 
und Getreide; täten, diese le- 
gen. 

jö Lädder , die Leiter. 

da Sprdjnke , die Sprossen. 

da Zädderbüjlke, die Leiterbäo- 
me. 

bdggen, bauen. 

mören,^ mauern. 

tdmmem, zimmenK 

teken, decken. 

de Möhrünker, der Maueranker. 

dät lAem, der Lehm. 

de Kalk, der Kalk. 

dät Säujn, der Sand. 

de Möhrstijn, der Mauerstein^ 
Backstein. 

jö Möhrshiess, die Mauerkelle, 



413 



dät Löfighulem, Longsträif das 
Langstroh. 

da Bälde, Dachrohr (Phragmites 
vulgaris oder Arundo phrag- 
mites}. 

da Jäk, der Rohrkolben (Typha 
latifolia und T. angustifolia). 

däBaawk^ Teichbinsen, Simsen 
(Scirpus lacustris). 

jö Täihg, die Strohseime, Bin- 
senseime zum Dachdecken. 

de Tekstäujl, der Dachstuhl der 
Decker. 

jö Teknilly die Deckernadel, 
* Dachnadel, vermittelst welcher 
die Strohseimen eingesteckt 
und durch*s Dach gezogen wer- 
den. 

de Fräst, die Dachfirste* 



jö Krauck, die Daehkehle, der 
Dachwinkel. 

de Süjdde, die Rasensode, zum 
Belegen der Dachfirste. 

de Süjddeslahsey der Sodenschlit- 
ten , ein etwa drei Ellen langes 
Brett, mit einem hölzernen, 
vier Zoll vorstehenden Pflock 
am obem Ende , auf welchem 
die Soden festgehakt und dann 
auf den dazu angebrachten 
Leitern hinaufgezogen werdeu. 

dät Neet , das Netz. 

de Home, der Rtimen, die Reuse. 

jö Wähs, die Wathe, Zugnetz. 

de Illger, die Aalgabel zum Aal- 
steehen. 

jö Ongel, die Angel. 

de Polsher, die Störstange. 



3. Handwerker, Gewerbleute und andere Arbeiter, 



De Baujter^ der Böttcher. 
de Snajüer, der Tischler. 
de mikr, der Müller. 
de Bäcker^ der Becker. 
de Krauger, der Krüger. 
de Kriemmer, der Krämer. 
de Kupmönn, der Kaufmann. 
de Handelsmann, der Handels- 
mann. 
de Slägter, der Schlächter. 
de Fasher, der Fischer. 
de Jäger, der Jäger. 
de Shoter, der Schütze. 
de Wäwer, der Weber, männlich. 
de Wäwster, männl. u. weiblich. 



de Grewster, der Gräber. 

de Bingster, der Läuter. 

de Dicker, der Deicher, Deichr 

arbeiter. 
de Kläier, der Kleier. 
de Brauer, der Brauer. 
de Bränner, der Brenner. 
de BäisemUnner, der Besenbindev. 
de Bdgmäister, der Baumeister. 
de Möhrmönn, der Maurer. 
de Tämmerm5nn,der Zimmermann. 
de Teker, der Dachdecker. 
de Smäss, phSmähse, der Schmidt. 
de Gröfsmdss, der Grobschmidr,. 
de KHensmdss, der Schlosser. 



414 



de Gdllsmdss, der Golddcbmidt. 

de Maler j der Maler. 

de Dräier, der Drechsler. 

de Shäierslipper^ der Scheren- 
schleifer» 

de HmjUer, der Hötner, Hutma- 
cher. 

de Saadler, der Sattler. 

de FaUberihser , der Fellbereiter, 
d. i. der Gerber. 

de satter^ der Schuster. 

de Shfiißderj der Schneider. 

de Apotheker f der Apotheker. 

de Färweff der Färber. 

deBoMckdrücker, derBuchdrucker. 

de Bwuekbmner^ der Buchbinder. 

de Sagelmäger, der Segelmacher. 

de Pärückmäger^ der Perücken- 
macher. 

de Kaurewmäger, der Korbmacher. 

de Glaaser^ der Glaser. 

de Orgelbdgger^ der Orgelbaue]^ 

de Kaummmäger, der Kammma- 
cher. 

de KUckemäger oder Uhrmäger. 

de^nkersmäsSy der Ankerschmidt. 

de Faanesmdss, der Fahnen« 
Schmidt. 

de Ißägtg^Uer, der Lichtgiesser. 

de lijägtstieper, der Licfatzieher. 

de RSpsläger, der Reifscfaläger. 

de Ldnmßjtter, der Landmesser. 



de Jürder^ der Hirlc. 
de Täigelbränner , der Ziegelbren- 
ner. 
de Dmllwäwer, der Drilliehweber. 
de Bürre^ der Bauer. 
de Lonmdnn, der Landmami. 
de ^bedsmänn, der Arbeitsmann. 
de Däiluner, der Tagelöhner. 
de Bdddmänn, der Bettelmann. 
jo Bdddmöff, die Bettelfrau. 
de Präkerfaaged, der Pracher- 

Yogt, Bettelrogt. 
de Shjärder, der Schnitter. 
de Mäjdder, der Häher. 
de Shärst^nfäger ^ der Sdiom- 

steinfeger. 
da Shärsüenekiekeref die Scbom- 

steingucker (untergeordnete 

Brandleute). 
de Prester^ der Prediger. 
de Küster, der Küster. 
de Faaged, der Yogt. 
£{e Lonfaaged, der Landvogt. 
Je Hierdsfaaged, der Hardesvogt. 
die Strönfaaged, der Strandrogt 
de Dkkfaagedf der Deichvogt. 
de ^m^m^^n, der Amtmann, 
de Rogter, der Richter, 
de Prdwst, der Probst, 
de Kmnjürder, der Flurschütze 

oder Feldhüter , Feldwaeh- 

ter. 



4. Münzen, Maasse und Gewichte. 



De Fänrnng^ der Pfennig, 
de Drüting , der Dreiling. 



de Segsling, der Sedisling. 
de Shilling , der Schilling. 



415 



dät Twäiershdllingstöcky das Zwei- 

schillingstück. 
dät Tredhdlwen, das Drittehalb- 

schillingstück. 
de DäujUen, drei Schillinge. 
dät Fjauwer- Fiew- Aagt» Tien^ 



Twillew' Twuntig- an Feertig- 

shällingstöck. 
jö Märky die Mark. 
deDaakr, der Thsler; de Species- 

daaler, der Speciesthaler. 
de Dukaat, der Dukaten. 



Alle diese Hünzsorten existiren noch, und gelten im taglichen 
Verkehr, aber das Königliche Ministerium für das Herzogthum Schles- 
wig hat unterm 8. Juli 1853 befohlen , dass vom i. Octob« d. 
J. an in den Schulen nicht mehr nach Courant, sondern nur al- 
lein nach dänischem Reichsbankgelde gerechnet werden darf. Der 
dänische Reichsbankthaler , en Ricksbänkdaater^ gilt 50 Schillinge 
Courant, und hat 6 Reichsbankmark oder 96 rbf. Eine Reichs- 
bankmark hält 5 f. Schleswig-Holsteinisch in Courant. Die Fünf- 
telreichsbankschillinge» mit denen einst Christian der Achte das 
Land überschwemmte , sieht man jetzt nicht mehr; sie waren fast 
gänzlich werthlos. 

Maasse zu flüssigen Sachen. 



Jö Tann, die Tonne. 
de u/nker, der Anker. 
jö Kann, die Kanne. 



de BuUel, eine halbe Kanne. 
dät Plänk, eine Viertelkanne. 
en hulew Plänk , Vs Kanne. 



Zu trocknen Sachen. 



Jö Lästy die Last. 

jö Tann, die Tonne. 

jö hulew Tann , die halbe Tonne. 

jö Shepp, das Schipp, der Schef- 
fel. 

dät Fierdingkär, ein Viertelschef- 
fcL 

en jigendijl , statt Aagtendijl , ein 
Achtel Butter. 

de Bälle, der Ballen (Papier). 

d^ Riss, das Ricss. 



dät Bank, das Buch. 

de Böge , der Bogen. 

dät Hunnert, das Hundert. 

dät Dmend,dsiS Tausend. 

en DausSnny ein Dutzend. 

en Sniehs, ein Stieg. 

en Träw, nd. en Draff, eine Stiege 

Garben oder Langstrohbunde, 

20,40 bis 60 Stück. 
dät Tdlt, ein Tult oder Zwölfter 

Bretter. 



416 



Das Landmaass. 



Bat Dornet, das Demath (iSOD 

Ruthen ')). 
en Jaurd, die Ruthe (9 Ellen). 



jö Ellen, die Elle. 
de Fät^U, der Fuss. 
de Tome, der Zoll. 



II. 

MUNDARTLICHE EIGENHEITEN ODER SOGENANNTE IDIOTIS- 
MEN, UND SPRICHWÖRTLICHE REDENSARTEN. 



Männingen an, manch einer. 

Bai wdi gongen , an etwas gehen, 
an eine Arbeit. 

'Aw äiwen Sljogtey nd. op eben 
Slicht, ohne eine erkennbare 
Ursache , von selbst , ohne Ver- 
anlassung. 

He däi't auf sU^ äien HijUing, 
wörtlich: er that's auf sein 
eignes Geheiss, aus freien 
Stöcken. 

He däi *t auf kam sellew, er that 
es von selbst. 

Dät ds Ijnduhggen, nd. Eenddn, 
einerlei. 

Hijl an all äi, ganz und gar nicht. 

Paar en läiet , vor einer Weile. 

Am en läiet , über ein Kleines. 

Huhmwdtuhgtüütigen, jemand et- 
was vorwerfen. 



Ja sdn ansagt, sie sind uneins. 

Huhm beshonkUUlen , jemand be- 
Schandflecken, ihn gröblich 
verläumden. . 

Ick würd 'r äi war dm , ich ward 
es nicht gewahr. 

Md Enn an all , mit dem Einbruch 
der Nacht. 

Aujn't Ennhörringe satten , im 
Zwielichte sitzen. 

Dät ds en Bähs, nd. dat is en 
Baas, dän. enBas. 

Huhm faar en Geck hewen, je- 
mand zum Besten haben. 

He ds so purig , er ist so knau- 
serig. 

He ds'r so happig äw, er ist so 
erpicht darauf; so happig if 
ter, so happig , gierig darnach , 
z. B. nach Erwerb. 



^) Auf Silt hat ein Demath 10 Ammersaat , ein Ammersaat 480 
Ruthen ; ferner 4 Lestßll Wiesengrund , und ein Lestall 45 D Ru- 
then. 



417 



Bat sän Grotiemänns, d.s. grosse 

Leute f vornehme Herren ; 

Ldjttemänns, geringe Leute. 

Be kdmt'r alt so häwen fällig md, 

er platzt immer so plump und 

unbeholfen damit heraus. 

Auf wdt sprSgen, sich einer Sache 

rühmen , als : he sprSgt ältidd 

auf hdm sSllew^ er lobt oder 

rühmt sich immer selbst; he 

spr^gt auf alles t wdt'r het, er 

rühmt sich alles dessen , was 

er besitzt. 

Ick kon't di tanke, wörtlich: ich 

kann's nicht denken; das ist 

hier: ich kann's nicht behalten. 

Dät wdll me nö di diujn Häi käme, 

es will mir jetzt nicht beifallen, 

ich kann mich dessen nicht 

entsinnen. 

Jö smdtt't ät^nhup, sie bekommt 

die Wehen. 
Dirr ds Wöffesommüng , es ist 
Weiberversammlung da, näm- 
lich um einer Kreissenden 
beizustehen. 
Jö ds gröf swänger an gongt dw fäl- 
lende Fäjlt, sie ist grob schwan- 
ger und geht auf fallenden 
Füssen, wird bald gebähren. 
Jö shdll bdll to Iddden » sie wird 

bald geliegen. 
Jö Idit äujn't Sollembedd, sie liegt 

im Wochenbette. 
Jö shdll Fähser stäujnne dn ds 
ock md to Sollme bahn, sie 
soll Gevatterinn stehen , und 



ist auch zum Kindtauf- 
schmause mit eingeladen. 

Jö het't dw'e Kluhsc, wörtlich: 
sie hat's auf den Kleidern, 
d. i. sie hat die Regeln , die 
monatliche Reinigung. 

Jö het*t Sfter'e Modder, sie hat 
Hutterbeschwerden , hysteri- 
sche Zufälle. 

Jö het en Dring, en Sahn, en 
Fammen, en Ddgter fangen, 
sie ist eines Knaben , eines 
Sohnes , eines Mädchens , eines 
Töchtcrchcns genesen. 

Jö ds forliehsd , sie ist entbunden« 

Jö Bärmddder forliehsd hdrälliene, 
die Wehmutier entband sie 
allein. 

Dät Bjdm ds noch di krdstent oder 
krdstnet, das Kind ist noch 
nicht gechristnet , d. i. getauft* 

Dirr kdmt me wdt äujn Hai, dirr 
fällt me wdt in, es kommt mir 
was in den Sinn, mir fällt 
was ein. 

Wdt höhst dujn't Sd/nnF was hast 
du im Sinn? 

Dät was noch hall Ijägten Däi, 
es war noch heller, lichter Tag. 

Dät ds pdckjunke Nagt, es ist 
pechfinstre Macht. 

Huhm intülen, bei einem vor- 
sprechen , um ihn mitzuneh- 
men; in anderer Bedeutung: 
jemand hereinrufen. 
Ick kier me dirr di äujn, ich 
kehre mich nicht daran. 



53 



418 



Wat kön de dät shijUe? was schiert 

dich das? 
Bäi'e Sträg bliwwen^ bei der Klinge 

bleiben. 
Düt äs auf ühs Fäulk^ das sind 

Leute von den unserigen. 
Hörr wall H? wörtlich : wie will's? 

d. i. wie steht's? 
Bock ds't md def wie befindest 

du dich? 
Sünnhäid ds me lieft ich freue 

mich, dass ich dich gesund 

finde. 
Fon IdjU dp, von klein auf. 
Fon Bjärns Biene, von Kindes- 
beinen an. 
He hitW nijn Hai äjtt, er hat 

keine Lust dazu. 
Jö laucket so sörrigfi^llig üit, sie 

sieht so niedergeschlagen aus, 

wörtlich: so sorgfältig. 
He ds mal an däsig^ er ist toll 

und närrisch. 
En grott Tot auwer wdt mögen ^ 

grossen Lärm über etwas 

machen. 
Dät shäid äujn en Häujnnmjnning, 

es geschah, wie man eine 

Hand umkehrt. 
Dät längt äi tö , es reicht nicht hin. 
He wdll dilling inne bliwwe, er 

will heute zu Hause bleiben. 
Dal mäi ick noch ndg , das mag 

ich noch wohl. 
Man Amlidder ds bull an slöpp^ 

mein Einlegemesser ist stumpf 

und los im Stifte. 



He säU alles, wdt hdm faar'e 

Müss dräfl, er sagt alles, was 

ihm auf der Zunge liegt. 
Wät to liffs selten, etwas zu Leibe 

setzen , in sich schlingen. 
Jd, dö gedl ja dö gid ockl ja du! 

du solltest wohl! 
He bldfl oller bai't Stock, er 

bleibt nie bei der Sache. 
He ds rien fon't Stock gingen ^ er 

ist ganz vom Verstände gegan- 

gen oder wahnsinnig geworden. 
Dät ds rien äU)'n Rage md häim^ 

i. er faselt, redet ganz irre; 

2. er ist ganz auf den Hund 

gekommen. 
Dirr häist me't Liff ball außägä, 

einen tödtlichen Schreck ein- 
gejagt. 
He wäjirr äi ütt md, er wollte 

nicht damit heraus. 
Huhm mühssig mögen, sich mau* 

sig machen. 
Wdt auwertjürr Sitten^ etwas durch- 

bringen, verthun. 
Dirr höhst de forhöndelt, da hast 

du dich verhandelt. 
He äs äujn'e Drönk fülen, er 

ist trunkfällig, dem Trunk e^ 

geben. 
Wärdo din Aien, warte du dein 

Eignes. 
He läit hdm ütt mdärken, erlegt 

sich mit jedem aus, d. i. er 

macht sich jeden zum Feinde. 
He ds ansagt md u/llemänshe, er 

ist mit jedermann uneinig. 



419 



Huhm faar't Haad slijtten, je- 
mand vor den Kopf stossen. 

Uuhmkaurt wujn'e Tögel hüjllen ^ 
jemand kurz im Zügel halten. 

He hSt kam myn'e Kieker , er hat 
ihn auf dem Korn. 

He het Krüdd an Lüjdd forshähn, 
er hat Kraut und Loth ver- 
schossen , d. i. Pulver und Blei. 

Wdt ävjn'e Winn slüjn, etwas 
in den Wind schlagen. 

He ndmt nijn Bliss faar'e Müss, 
er nimmt kein Blatt vor's Haul. 

Dö hähst tne alles äujnhup pramet, 
du hast mir alles in Unordnung 
und Verwirrung gebracht. 

De Säge wäll ick harn nög forpurre , 
die Sache will ich ihm schon 
hintertreiben oder vereiteln. 

Äujn't Bjärd mummeln, in den 
Bart murmeln. 

Ick möst't mjn mi ähse^ ich 
musste es in mich fressen, 
meinen Zorn verbeissen. 

Dö hähst dän Kähr, du kannst 
thun, wie du willst. 

He längt ifter här, ersehnt sich 
nach ihr. 

He äs äujn *e ädre Häujnn kiemen , 
er ist zurückgekommen , näm- 
lich in seinen Vermögens- 
umständen. 

Dät gongt töbähg faar häm, er 
kommt immer mehr zurück. 

He äs äujn'e läigere Wäll^ er 
zieht den Kürzern. 

He wijt ärken en uken Ndme to 



duhggen , er weiss jedem einen 
Spitznamen zu geben. 

Dät äs äi man Gähsing , das passt 
mir nicht, ich kann*s nicht 
gebrauchen. 

Dirr het'r en gauhs Lörring ßn- 
gen, da ist er schön angekom- 
men , hat einen bedeutenden 
Verlust erlitten , was man ihm 
gerne gönnt. 

Dät kämt nög faar en Däi, es 
kommt schon an den Tag. 

Ick kann häm äw en Präck, ich 
kenne ihn auf ein Haar. 

Ick kön'r äi äw käme, ich kann 
nicht darauf kommen , es will 
mir nicht beifallen. 

Huhm sillew bäi'e Naas nämen, 
sich an eigener Nase zupfen. 

Ick kön'r häm äi to füjn, ich 
kann ihn nicht dazu überreden. 

Dät sömet häm äi faar de, das 
schickt sich nicht für dich. 

De Jönge äs so wisnaasig, der Jun- 
ge ist so naseweis. 

He köhs häm wihssa* rippe untig 
räire, er konnte sich weder 
regen, noch bewegen. 

Ick läjtt me äi södäinig aufspihsse, 
ich lasse mich nicht so abfer- 
tigen. 

Dätkön nög whe, es kann wohl 
sein. 

He äs nö ijnsen faar't Urd kie* 
men, er ist nun einmal in Ruf 
gekommen (guten oder Übeln). 

He läit Gijläp, erlegt Geld zurück. 

53» 



420 



He ds so buffelig äw kam , er ist 
so büffelig. 

Jö hlief hdm nijn Swär shäßllig^ 
sie blieb ibm keine Antwort 
schuldig. 

Ue kän hdm ndg sellew forswäre, 
er kann sich schon selbst vcr- 
theidigen. 

Dät Bjäm hit en wonshämenen 
Krdpp, das Kind hat einen 
missgestalteten (wahngeschaf- 
fenen) Körper. 

Ick höhs'r äi unnerbdnne md 
käme, ich konnte nicht da- 
hinter kommen. 

Dät was man min Kurtswill , es war 
nur mein Scherz (Kurzweil). 

De Jonge ds so Idgtlierig, der 
Knabe ist so Icichtlernig, d. i. 
er fasst und behält gut. 

He hH en gauhs Lier^ er hat gute 
Schulkenntnisse. 

He ds man traug to't Lieren, er 
ist nur träge zum Lernen. 

Wdt häwe haue tö shulwen wähn, 
wir haben Weihnachtsbesuche 
gemacht und sind mit Back- 
werk bewirthet worden. 

He hH häne to hjärnen wähn^ 
er bat einen Kranken besucht, 
um sich nach seinem Befinden 
zu erkundigen und ihn zu 
trösten. 

Di faste Büarebedde häwe en 
Seime, en Uch, en Fäjltlinge 
an en Haadlinge, Dümpede, 
Bloche , en Auwer» an en Unner* 



bedd, die festen Bauerbetten 
haben eine Vorderseite, eine 
Wandseite, ein Fussende, eins 
zu Häupten, Kopfkissen, Laken, 
eine Bettdecke und ein Unterbett. 

Sdm häwe ock Rielaakene , einige 
haben auch Vorhänge. 

Jd sdn all twäie fon'e Präitstaujl 
feilen, sie sind schon zwei Hai 
von der Kanzel gefallen, d.h. 
zweimal aufgeboten; sonst: 
jd sdn trdie dpnämd untig auf